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Vapeurs Klassifizierung: 616.8 Krankheiten des Nervensystems und psychische StörungenDDC-Icon Klassifizierung: 616.3 Krankheiten des VerdauungssystemsDDC-Icon , Fr., Dünste, Blähungen, und die davon entstehenden Beschwerden, besonders bei den Frauenzimmern, eine Art von Hypochondrie, Histerie genannt, wobei sie sich übel befinden, launig, mißmüthig sind. Diese oder jene Dame kann heute die Gesellschaft wegen ihrer Vapeurs nicht besuchen, wegen ihres Mißmuths, ihrer Launen. S. unter Pfeil-IconHypochondrie, Th. 27. Die Vapeurs zeigen sich gewöhnlich bei Frauenzimmern beim Eintritt oder beim Wegbleiben der Regeln, aber auch außerdem beim vielen Sitzen, Essen blähender Speisen, und bei nicht gehörigen Verdauungskräften des Magens etc. sie gehen von den Nervengeflechten des Unterleibes aus, und charakterisiren sich durch das Veränderliche in den physischen Leiden, und den schnellen Wechsel der Erscheinungen, besonders bei der Hysterie. Sehr nützlich ist bei den Vapeurs das Reiben des Unterleibes, welches täglich früh noch im Bette eine Viertelstunde lang mit der flachen Hand oder einem wollenen Tuche geschehen <203, 211> kann; denn dieses befördert die Verdauung und Circulation im Unterleibe, zertheilt Stockungen und Blähungen, und stärkt zugleich. Dann fleißige Bewegung und Aufheiterung des Gemüths etc.

Vapo Klassifizierung: 363.2 PolizeidiensteDDC-Icon , in Italien, der Hüter, der in Neapel von Einem gedungen wird, welcher glaubt, den Banditen in die Hände zu fallen. Dieser Gedungene begleitet seinen Dinger überall hin, schläft vor seiner Thür, um ihn gegen jeden Anfall sicher zu stellen. Es sollen oft selbst ausgediente Banditen seyn.

Vapor, Dampf, Vapores, die Dämpfe, Dünste, sowohl in der Physik, als Chemie; s. Pfeil-IconDampf, Th. 8, Pfeil-IconS. 729 u. f., und Pfeil-IconDunst, Th. 9, Pfeil-IconS. 734 u. f. Was noch über Dampf und Dunst hier zu sagen wäre, muß auf die Supplemente verwiesen werden, da man es unter dem Lateinischen Namen Vapor, Vapores hier nicht suchen wird, und auch die Deutschen Benennungen am passendsten sind, so wie auch die mit Dampf zusammengesetzten Wörter, wie Dampfapparat, Dampfbarometer, Dampfbleiche, Dampfheizung, Dampfkochung und Dampfküche, Dampfmaschine, Dampfpresse. Alle diese Artikel kommen gleichfalls im Supplement vor.

Vaporarium, ein Dampfbad, Dunstbad, s. Pfeil-IconDampfbad, Th. 8, Pfeil-IconS. 736 u. f.; auch ein Lohbeet, Th. 80, Pfeil-IconS. 200, führt diese Benennung.

Vaporation, Ausdünstung; Vaporisiren, ausdünsten, verdunsten; Vaporisation, Verdampfung, Verpflüchtigung; s. Pfeil-IconVerdampfung.

Vappa Klassifizierung: 663.2 WeinDDC-Icon Klassifizierung: 179.5 Blasphemie, Schimpfwörter, Obszönität in der gesprochenen SpracheDDC-Icon , Lateinisch, kahmichter, verdorbener Wein; dann auch ein Schimpfwort: nichtswürdiger, verdorbener Mensch.

Vappo Klassifizierung: 595.773 Brachycera (Fliegen)DDC-Icon , in der Zoologie, eine Art Kugelfliege.

Vaquettes Klassifizierung: 675 Leder und PelzverarbeitungDDC-Icon , in der Waarenkunde, Häute kleiner Kühe, welche in Smyrna in den Handel kommen.

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Var Klassifizierung: 293 Germanische ReligionDDC-Icon , in der nordischen Mythologie, eine der Asianen, welche gesetzt ist, die Eide zwischen Männern und Frauen zu hören, und diejenigen zu strafen, welche sie brechen.

Vara Klassifizierung: 799.2 JagdDDC-Icon Klassifizierung: 398 FolkloreDDC-Icon , Varra, 1) in der Meßkunst, in Spanien, ein Längenmaaß, ungefähr 1 1/2 Pariser Elle, hält an Pariser Linien zu Alicante 337,0; zu Aragonien 349,3; zu Bilbao 377,2; zu Cadix 375,9; auf den Canarischen Inseln 381,0; zu Carthagena 371,0; in Castilien, Gibraltar, Madrid, Malaga und Sevilla 375,9; zu Madeira 486,0; zu Teneriffa 379,5; zu Toledo 364,3; zu Valencia 403,0, und in Portugal 486,0. -- 2) Eine Art Harpunen, deren man sich in Westindien zum Schildkrötenfange bedient.

Varaenne Klassifizierung: 737 Numismatik und SiegelkundeDDC-Icon , in der Numismatik, Name der goldenen Pagoden in Ostindien in der Tamulischen Sprache.

Varanus Klassifizierung: 597.95 Sauria (Echsen)DDC-Icon , in der Zoologie, 1) bei Merrem so viel wie Pfeil-IconWarner, s. unter W. -- 2) Bei Fitzinger diejenigen Arten des Eydechsengeschlechts Warner oder Wachhalter, Monitor (Tupinambis, Fr. Sauvegarde), von brauner Farbe, die zum Theil schwarze Rückenquerbinden mit sternförmigen weißen Punkten, oder mit Querreihen schwarzer, vorn weißer Punkte haben. Die Arten sind: Varanus ornatus (Tupinambis ornatus, Lacerta capensis), Var. albogularis, Var. terrester (Lac. scincus) oder Erdkrokodill, soll zu Gaukeleyen benutzt werden. Da die Beschreibungen dieser Eydechsen bei den neueren Naturforschern sehr abweichen, überhaupt die Eintheilungen nach den Gattungen sehr verschieden sind, so läßt sich von den einzelnen Arten nicht immer eine genaue Beschreibung geben, da die Namen nicht übereinstimmen. C. Chr. Gmelin, Professor der Naturgeschichte in Karlsruhe, giebt in seiner zweiten Ausgabe der gemeinnützigen systematischen Naturgeschichte <203, 213> der Amphibien (Mannh., 1839) andere Arten unter Pfeil-IconWarner oder Pfeil-IconWachhalter an.

Varding Klassifizierung: 332.4 GeldDDC-Icon , im Münzwesen, eine kleine Liefländische Münze, von denen 60 einen Reichsthaler oder 90 Polnische Groschen machen.

Vardingeal Klassifizierung: 389 Metrologie und NormungDDC-Icon , in der Landwirthschaft in England, ein Ackermaaß von 40 Quadratruthen zu 16 1/2 Fuß oder 9585 Französische Quadratfuß.

Varechstoff, so viel wie Jod; auch Varecum.

Varecsoda Klassifizierung: 661 IndustriechemikalienDDC-Icon , Kelpsoda, die gewonnene unreine Soda aus den im Meere wachsenden Tangarten.

Varecum, s. Pfeil-IconVarechstoff.

Varenim Klassifizierung: 389 Metrologie und NormungDDC-Icon , Getreidemaaß in Savoyen, ungefähr 31 Pfd., 1130 Pariser Kubikzoll.

Vari, Varikassi, Varithier, in der Zoologie, der Maki; s. Th. 83, Pfeil-IconS. 55.

Vari Klassifizierung: 616.5 Krankheiten der HautDDC-Icon , in der Medizin, die Finnen im Gesicht.

Vari Klassifizierung: 389 Metrologie und NormungDDC-Icon , Goldgewicht in Madagascar, etwa 1 Quentchen.

Varia, verschiedene Sachen, vermischte Gegenstände, Mancherley, Allerley.

Variabilis Klassifizierung: 580 Pflanzen (Botanik)DDC-Icon , Fr. Variable, veränderlich, unbeständig, wankelmüthig. -- In der Botanik bedeutet es gleichfalls veränderlich, wandelbar, was sich nicht unter allen Verhältnissen gleich bleibt, z. B. die Farbe der Blüthen von Viola tricolor. Aster chinensis und Georgina variabilis. Es ist zum Theil mit mutabilis gleichbedeutend.

Varia lex majestatis Klassifizierung: 937 Italienische Halbinsel und benachbarte Gebiete bis 476DDC-Icon , bei den Römern, ein Gesetz, vom Volkstribun Q. Varius im Jahre 90 vor Christi Geburt durchgesetzt, das über eine Untersuchung verhängt werden sollte, auf deren Rath die Bundesgenossen die Waffen gegen die Römer ergriffen hatten.

Varianten Klassifizierung: 090 Handschriften, seltene Bücher, andere seltene DruckwerkeDDC-Icon Klassifizierung: 002 Das BuchDDC-Icon (Variae s. Variantes lectiones), die verschiedenen Lesearten, die sich in verschiedenen Handschriften und Ausgaben eines Buches befinden, das <203, 214> heißt, die Abweichungen im Texte. Man rechnet hierher alle und jede Fehler der Abschreiber, die entweder aus Versehen, oder aus Nachlässigkeit, oder weil sie die Dictirenden nicht richtig verstanden, wenn ihnen nämlich der Text in die Feder dictirt worden, oder weil sie das Geschriebene nicht recht lesen konnten, besonders fremdartige Wörter, oder sie solche unrichtig verstanden, sie falsch übersetzten oder auslegten. Oder auch Aenderungen machten, aus unzeitiger Gelehrsamkeit, indem sie den Text zu verbessern suchten, und dadurch der Wahrheit schadeten. -- Man nennt auch Varianten, wenn die Worte eines Schriftstellers in anderen Büchern angeführt sind, und dabei nicht bloß Wörter, sondern ganze Sätze fehlen, das Citirte in anderer Ordnung geschrieben erscheint, oder gleichbedeutende Wörter verwechselt sind, welche Varianten 1) daher entstanden, daß diejenigen, welche diese Stellen anführten, solches nicht aus dem Buche selbst thaten, sondern aus dem Gedächtnisse; 2) rühren solche Varianten auch oft von Abschreibern her, die etwas falsch Geschriebenes oder Geordnetes nicht wieder ausstreichen wollten, um der Schönheit der Handschrift nicht zu schaden. Eine dritte Art von Varianten entstand dadurch, daß Besitzer von Handschriften sich Anmerkungen, Erklärungen etc. an den Rand schrieben, welche dann nicht selten von unkundigen Abschreibern mit in den Text gesetzt wurden. -- In der Kritik sind diese verschiedenen Lesearten der Handschriften von großer Wichtigkeit; denn aus den Handschriften sind die Schriften der Alten abgedruckt worden; eine jede Handschrift ist daher als eine besondere Ausgabe dieses oder jenes Schriftstellers anzusehen. Da aber, wie schon oben bemerkt worden, die Abschreiber. bei aller Uebung im Lesen alter Handschriften, irren konnten, und auch geirrt haben, so muß man aus den Codices die verschiedenen Lesearten sammeln, mit einan<203, 215>der vergleichen, und nach den Regeln der Kritik die wahrscheinlichsten heraussuchen. Man kann annehmen, daß die ersten gedruckten Ausgaben alter Werke nicht immer von einer fehlerfreien Handschrift abgedruckt worden; auch haben sich in die ersten Abdrücke Fehler durch Correktoren einschleichen können, und dieserhalb schon ist der Gebrauch der geschriebenen alten Werke auch jetzt noch nicht überflüssig, ja zur Bestimmung der wahren Leseart höchst nothwendig. Hierzu, sagt ein Schriftsteller, kommt noch die Kühnheit neuerer Kritiker, die nach ihren eigenen Einfällen den Text zuweilen geändert haben, und das bekannte: meo periculo sic lege hat manche Variante ausgeheckt, welche den Alten unbekannt war. Und dieses besonders bei Schriftstellern, von denen wenige Werke vorhanden sind, oder sich vorgefunden haben, wie beim Tacitus; hier war die Freiheit der Kritiker um so größer. Wer sich mit Vergleichung und Beurtheilung alter Handschriften beschäftigen will, muß ein gutes Beurtheilungsvermögen, einen tiefen Scharfsinn besitzen, um die Codices nach ihrer Glaubwürdigkeit richtig zu beurtheilen; denn nicht alle sind von gleicher Güte. Zuerst muß man auf das Alter sehen; denn hierin herrscht die größte Ungewißheit, besonders zu welcher Zeit sie eigentlich geschrieben worden, da nicht immer die Jahreszahl dabei bemerkt worden, und ist dieses geschehen, so ist es zweifelhaft, ob solche nicht von einer Hand aus der neuern Zeit ist zugeschrieben worden So muß man aus der Beschaffenheit alter Handschriften das Alter derselben herzuleiten suchen. So wie sich die Sprachen ändern, so geschieht dieses auch mit den Buchstaben, wo sich die Hauptzüge auch von Zeit zu Zeit ändern. Auch die Art der Abkürzungen ist nicht zu allen Zeiten gleich geblieben. Derjenige, der also einen Codex kritisch brauchen will, muß selbst nicht allein viele Codices gesehen und ver<203, 216>glichen haben, sondern er muß auch mit der Art der Alten, zu schreiben, bekannt seyn, und von jedem Jahrhundert. Wer hierin keine rechte Uebung hat, findet oft in einem Codex eine Leseart, die nicht darin steht. Dieses sey besonders denjenigen Varianten=Aufsuchern zur Warnung gesagt, die in ihren Urtheilen nicht behutsam genug verfahren. -- Ferner sind die Codices auch hinsichtlich ihrer innern Güte nicht von gleichem Gehalte; denn einige sind sorgfältig abgeschrieben, bei anderen ist es in der Uebereilung geschehen. In dem Mittelalter gaben sich mehrere Personen mit dem Abschreiben von Büchern ab, die weder die Sprache, noch die Sache verstanden, sondern das Abschreiben nur als ein Gewerbe betrieben, und dabei viel verdienen wollten; sie eilten daher mit der Vollendung eines Werkes, und so entstanden eine Menge fehlerhafter Abschriften Auch ist ein Unterschied darin zu bemerken, ob ein Abschreiber einen Codex von dem andern nach dem Gesichte abgeschrieben habe, oder ob ihm der Text von einem Andern diktirt worden; denn auf beiderlei Weise können Varianten entstehen, und es hat in der Bestimmung der richtigen Leseart einen großen Einfluß, wenn ich wissen kann, ob sich der Abschreiber versehen oder verhört haben könne. Mehrere Codices können aus einem ältern abgeschrieben seyn; diese haben dann zusammen nur eine Stimme. Auch ist oft eine Handschrift aus Vergleichung mehrerer verfertiget worden, indem der Abschreiber diejenige Leseart erwählte, die ihm die beste schien; man nennt sie Codices criticos. In der Kritik sind sie von geringem Nutzen, weil man nicht bestimmen kann, aus welchen Handschriften sie zusammengetragen worden, und ob auch der Abschreiber die gehörige Beurtheilungskraft besessen habe. Wenn nun gleich alle diese angeführten Bemerkungen sich schwer bestimmen lassen, so ist es doch nicht ganz unmöglich, durch scharfe Beurthei<203, 217>lung des Textes Dieses oder Jenes herauszubringen; auch giebt es Regeln, wie schon unter Pfeil-IconUrkunde, Th. 202, angeführt worden, nach welchen sich die Güte eines geschriebenen Werkes beurtheilen läßt. So z. B. verrathen sich diejenigen Codices, die nur obenhin abgeschrieben worden sind, daß sie hier und da etwas ausgelassen und die Worte von ähnlichem Schalle oder Bedeutung mit einander verwechselt haben. Einige Handschriften haben immer nur diejenige Leseart, die den wenigsten Schwierigkeiten unterworfen ist, oder haben Worte und Zeilen, die in den übrigen Handschriften fehlen, woraus man schließt, daß sich ihre Abschreiber unterstanden haben, den Text zuweilen zu ändern. Sehr wenige Handschriften sind ganz bis auf unsere Zeiten gekommen; die meisten haben Lücken, woraus eine neue Schwierigkeit für die Kritik einzelner Stellen entsteht; denn in den finsteren Zeiten sind viele von den älteren Büchern zerrissen worden, und aus Unwissenheit hat man die Fragmente der älteren Bücher genommen und neue hineingebunden. Da man auf Veranlassung Kennicots in der Vaticanischen Bibliothek hebräische Manuscripte aufsuchte, fand man bei dieser Gelegenheit ein Fragment des Livius, welches bis dahin unbekannt war, und wer weiß, wie viele dergleichen Kostbarkeiten noch in alten Bibliotheken begraben liegen, vorzüglich in Klosterbibliotheken. Besonders findet man in den großen Städten Italiens viele Manuscripte sowohl in den öffentlichen, als Privatbibliotheken, die oft von ihren Besitzern als Zierden derselben angekauft worden, ohne den darin steckenden Werth einer genauen Beurtheilung unterworfen zu haben; wie viele Manuscripte haben nicht reiche Engländer aus Privatbibliotheken, die versteigert worden, angekauft, und haben sie dem Continente entzogen; sie liegen auf ihrer Insel vergraben, und so ist noch manches Schätzbare unbekannt, liegt in einem <203, 218> Wuste von weniger merkwürdigen Dokumenten verborgen. Man hat sich in neuerer Zeit wohl fleißig damit beschäftiget; man hat alte Bibliotheken und Archive, wo man dazu kommen konnte, durchsucht; allein wie viel Zeit gehört nicht dazu, alte Manuscripte durchzulesen, sich durch manche Schreibart durchzuarbeiten, um so eine den Wissenschaften wichtige Ausbeute zu machen. -- Hier sind nun noch einige besondere Handschriften des neuen Testaments anzuführen; man nennt Einige bilingues, welches diejenigen sind, die außer dem Griechischen Grundtexte auch noch eine von den alten Uebersetzungen an der Seite haben. Am meisten sind solche in Griechischer und Lateinischer Sprache vorhanden. Eine besondere Gattung von diesen machen diejenigen aus, die man Graeco-latinos, auch Latinizantes nennt, worin der Griechische Text nach der Lateinischen Uebersetzung geändert ist. Von diesen geschriebenen Büchern hat man verschieden geurtheilt. Die katholischen Gelehrten schreiben ihnen einen großen Werth zu, Andere aber halten sie für parteyisch. Die ältesten noch vorhandenen Handschriften werden von den Kritikern des Latinizirens wegen für verdächtig gehalten; indessen soll man es von der andern Seite übertreiben, und einen Codex dieses Fehlers sogleich beschuldigen, sobald man nur in einer dem Kritiker wichtig scheinenden Variante eine Uebereinstimmung mit der Vulgate wahrnimmt. Allein die alte Lateinische Uebersetzung konnte manche gute Lesearten haben, die in jüngeren Griechischen Handschriften vom neunten bis in' s dreizehnte Jahrhundert fehlten; es ist aber auch auf der andern Seite nicht zu leugnen, daß wir Griechische Handschriften haben, deren Leseart nicht anders entstanden seyn konnte, als durch eine vorsätzliche Aenderung nach der Vulgate. Man giebt an, daß diese Veränderungen auf der Florentinischen Kirchenversammlung, die im <203, 219> Jahre 1439 wegen der Vereinigung mit der Griechischen Kirche gehalten wurde, verabredet worden, daß nämlich die Griechen ihre Handschriften nach dem Lateinischen ändern sollten. Man will diese Sache für sehr zweifelhaft halten; ob man gleich wohl für möglich hält, daß einige arme Griechen, die nach der Eroberung von Konstantinopel ihr Brod in den Römisch=katholischen Ländern suchten, solches aus Gefälligkeit gegen den Römischen Hof gethan haben; dieses kann aber nur diejenigen alten Handschriften verdächtig machen, die nach dem Jahre 1453 geschrieben sind; allein die Codices latinizantes der älteren Zeiten könnten unmöglich communi consensu entstanden seyn, sondern es sey viel wahrscheinlicher, daß, wenn es geschehen ist, solches ein Privatkritiker unternommen habe.

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