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Tapet Klassifizierung: 398.9 SprichwörterDDC-Icon , ein Teppich oder eine gewirkte Tischdecke, aus dem Lateinischen Tapes, Tapete, ein im Hochdeutschen veraltetes Wort, welches man noch in der Redensart: etwas auf das Tapet bringen, eine Sache als den Gegenstand eines Gesprächs oder einer Berathschlagung auf die Bahn bringen, hat, eine von dem Teppiche auf dem Tische einer Rathsversammlung entlehnte Figur.

Tapete und Tapetenfabrik Klassifizierung: 929.6 WappenkundeDDC-Icon Klassifizierung: 930.1 ArchäologieDDC-Icon Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon Klassifizierung: 747 InnendekorationDDC-Icon Klassifizierung: 645 EinrichtungsgegenständeDDC-Icon oder Tapetenmanufaktur, Fr. Tapisserie et Manufacture de Tapisseries; Engl. Tapestry and Manufacture of Tapestrys, eine Wandbekleidung, zierliche Bekleidung der Wand, sie bestehe aus gewebten oder gewirkten Zeugen, oder aus Leder, Papier etc.; daher sagt man, ein Zimmer mit Tapeten verzieren. Leinene, seidene, wollene, lederne, Wachstuch=, Papier= etc. Tapeten. Das Wort Tapete kommt von der Lateinischen Benennung Tapes oder Tapetum her. Die Verfertigung oder Fabricirung der Tapeten ist schon sehr alt; denn schon die Vorhänge der Stiftshütte bei den Israeliten waren gewirkte Tapeten, wenigstens waren sie es nach der Beschreibung, und so sollen auch schon die Babylonier Tapeten gewirkt haben. Man will zwar, daß die ersten eigentlichen Tapeten am Hofe des Königs Attalus zu Pergamus erfunden worden seyen, von welchem Hofe sie die Römer nach Rom gebracht haben sollen; ob sich nun dieses wirklich so verhält, läßt sich nicht bestimmen, wäre dieses aber der Fall gewesen, so können sie an gedachtem Hofe, ohne andere Tapeten zu kennen, noch einmal erfunden worden seyn. Man nannte sie Auläa, von Aula, Hof. weil sie an dem genannten Hofe erfunden worden. Diese Tapeten hatten den Vorzug, und wurden auch picta genannt, weil sie sehr schön mit Bildern etc. gestickt waren, welche Bilder man späterhin einwirkte. Man behing mit diesen Tapeten die Wände der <180, 106> Zimmer, hauptsächlich bei großartigen Banqueten oder Gastmahlen; auch belegte man damit die Sitzplätze oder Lagerstätte bei Tische. In den Komödien und Tragödien zog man sie vor die Bühne, wenn ein Akt aus war. -- Auch bei den alten Deutschen findet man die Kunst Tapeten zu verfertigen schon auf einen hohen Grad gestiegen, und nicht bloß Tapeten, sondern auch ganze Teppiche, die sie mit Verzierungen von Blumen, mit Jagdstücken oder mit andern historischen Vorstellungen durchwirkten. Auf einem solchen Teppiche, einem Altarstücke aus der grauesten Vorzeit, von einem gewissen Lodena gemacht, und welches Stück Olaus Worme besaß, war eine merkwürdige Jagdbelustigung künstlich vorgestellt. So erzählt Saxo vom Hamlet, daß er alle Tapeten, womit die innern Wände des Schlosses bekleidet gewesen, und die von seiner Mutter verfertiget worden, auf einmal niedergerissen und die betrunkenen Gäste damit bedeckt hätte. In der Sage von Regner Lodbrocks, soll die Brynchild die mächtigen Thaten Sigurds sehr kunstreich in ihr Gewebe eingetragen haben; und dieses Sigurds berühmten Kampf mit einem gewissen Fafner fand man noch in der spätern Zeit auf den Tapeten vorgestellt, die dem heiligen Olaus, Könige in Norwegen zugehörten. Torfäus hat eine sehr alte Norwegische Ode bekannt gemacht, worin die Sängerin Gudrunna sagt: daß sie aus Gram zu Thora, des Königs Hakon von Dänemark Tochter geflohen wäre, die sie unter andern Zerstreuungen mit solchen Stickereyen unterhalten hätte, wodurch von ihnen nicht nur die Begebenheiten Sigurds durch genaue Abbildung seines Gefolges, seiner Schiffe und der Waffen vorgestellt, sondern auch die Kämpfe Siggars und Siggeirs nachgeahmt worden wären; und bekannt ist die Tapete, worauf die ganze Geschichte vom Uebergange Wilhelms des Eroberers nach England vorkommt. Man trifft dergleichen Stücke auch <180, 107> noch in neuerer Zeit in Menge an, weil man schon in den ersten Zeiten gewohnt war, damit alle Zimmer zu bekleiden. In vielen alten Schlössern Oberdeutschlands wußten deren Kastellane noch die Prinzessinnen zu Anfange dieses Jahrhunderts zu nennen, die sie verfertiget hatten. Klüvers Anmerkung, daß man durch sie die Heraldik aufklären könne, bleibt, ungeachtet aller Einwendungen Kleffels, immer richtig. Nicht allein deshalb, weil sich oft statt des Namens das Wappen an der Ecke eingewirkt findet, sondern auch darum, weil sie meistentheils bloß die Farben des Wappens enthalten. -- Die ältesten Tapeten bestehen oft nur aus zwei Farben, und die Ersten sind schwarz und weiß. Gegen das Ende des eilften Jahrhunderts werden sie etwas lebhafter; im dreizehnten sind sie ganz buntscheckig, und fangen im vierzehnten Jahrhunderte erst an natürlich zu werden. Eben so hat sie Klüver unterschieden, und Jonathan Fischer hatte Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, da er eine große Anzahl derselben, die der Herzog Karl aus einigen Würtembergischen Schlössern nach Ludwigsburg zusammen bringen ließ, mit der größten Muße betrachten, und unter einander vergleichen konnte. Es befanden sich darauf, außer biblischen Begebenheiten, heiligen Legenden und den Bildern der Vorfahren, größtentheils Jagdstücke, jedoch von besondern Zufällen begleitet. Zuweilen auch nur einzelne seltene Thiere und Vögel. Hierdurch haben sie zugleich auch noch einen besondern Nutzen für die Naturgeschichte; denn Jonathan Fischer fand verschiedene Thiere, die Tacitus und Plinius im rauhen Deutschland schon gekannt haben, ganz ihrer Beschreibung gemäß abgebildet und eingewirkt. Am Ende des funfzehnten Jahrhunderts traf man dergleichen Thiere noch in den Preußischen Wäldern an. Thormod Torfäus hat sogar die alten Tapeten als eine Hauptquelle der Geschichte angegeben, und dieses soll auch <180, 108> seine Richtigkeit haben. Es soll daher sehr zu bedauern seyn, daß man diese kostbaren Ueberreste des Alterthums nicht besser erhält, und daß die Gelehrten so wenig Aufmerksamkeit darauf verwenden, und sich nicht angelegener seyn lassen, von den besten der Nachwelt Beschreibungen aufzubewahren, oder sie dieses Zweckes wegen in Kupfer stechen zu lassen, da täglich davon einige zu Grunde gehen, oder zum Hausgebrauche auf' s Neue übermalt oder zerschnitten werden. Eine Stelle der Chronik des Klosters Farfe, und ein Stiftungsbrief von Otto dem Zweiten erzählen, daß der meiste Kirchenornat von weiblichen Händen verfertiget gewesen. Wir können daher ebenfalls aus den noch vorhandenen alten Kirchengeräthen sehr viele historische und natürliche Beobachtungen anstellen. Sowohl der schon oben erwähnte Kleffel, als auch der Professor Schütze in Hamburg, haben ihren Nutzen in der Heraldik vergeblich bestritten, indem Karl Dufresne darüber ganz ausführliche Untersuchungen angestellt hat. Man weiß es jetzt gewiß, daß die Franken und die übrigen Deutschen ihre alten Denkzeichen der Schilder auf dem Oberkleide, welches eine Art von langem oder kurzem Mantel gewesen, haben theils einwirken, theils einschneiden lassen; man nannte sie deshalb Waffenröcke, weil man sie über der Waffenrüstung trug, und in der spätern Zeit dem Wappen beifügte. Der Baron du Cange zeigt, daß ihre Fütterung schon in der ersten Zeit in Gold= oder in Silberstücken, doch meist in Pelzwerken bestanden, und solche zu den sogenannten Metallen in der Wappenkunde Anlaß gegeben hätte. Die Farben der Waffenröcke wurden auf den Tapeten nachgeahmt, und so wie die Figuren der Wappenschilder auf die Waffenröcke kamen, so wurden sie auch auf die Tapeten übertragen. Was Michael Ignatz Schmidt von einem Gewande bemerkt, worauf sich die Figuren eines Thiers befunden hätten, so läßt sich vermuthen, daß dieses ein <180, 109> Waffenrock gewesen ist, wie man solches an den Siegeln wahrnimmt, wo zuweilen lauter Löwen, oder Adler, oder Falken auf dem Oberkleide erscheinen, wenn der Besitzer ein dergleichen Thier im Wappen geführt hat. Schmidt beruft sich auf eine Stelle des Adam von Bremen, daß die Preußen ihr kostbares Pelzwerk für einen gewissen wollenen Zeug, Faldones genannt, vertauscht hätten; allein dieses muß faedones gelesen werden, welches ein zottiger Sammet gewesen, der bald aus Wolle, bald aus Leinen, bald aus Seide gemacht wurde. Er erhielt diese Benennung von den langen Fäden, die auf der einen Seite herab hingen, und ihn dem Pelze ähnlich machten. Auf Lateinisch wurde er Pannus, auf Französisch Pannes, an der Ostsee Watmal genannt. Man trifft die leinene und baumwollene Gattung davon noch bei den Bauern in Schwaben an, die sich damit so gut, als mit einem Pelze verwahren. Nach dem Isidor haben schon die alten Schotten dergleichen Röcke getragen, und nachher die heidnische Liven. So weit die alte und ältere Geschichte der Tapeten. Die leinenen Tapeten warden im Jahre 1410 übermalt, statt darauf, wie ehemals, die historischen Begebenheiten einzuwirken. Johann von Eyk aus Brügge, der die Kunst: mit Oelfarben zu malen, zur größten Vollkommenheit brachte, machte diese Versuche, und schickte die von ihm verfertigten Stücke an den König Alphonsus den Fünften von Sicilien, und an den Herzog von Urbino. Auch nach Deutschland kamen dergleichen Tapeten mit historischen Gegenständen bemalt, die auch noch bis gegen das Ende des verwichenen achtzehnten Jahrhunderts Mode blieben. Indessen ging das Malen oder Wirken der Tapeten mit Zeichnungen von natürlicher Größe und Farben dadurch nicht zurück, sondern erreichte gleichfalls eine hohe Stufe, und in Frankreich, unter dem Könige Ludwig dem Vierzehnten, die höchste Stufe der Vollkommenheit. Die vorzüglichsten <180, 110> Arbeiten der Tapetenwirkerkunst wurden ehemals in den Niederlanden, vorzüglich zu Arras gemacht, daher sie bei den Italienern Arazzi hießen. Dort ließ der Pabst Leo der Zehnte in der ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts die berühmten Raphaelischen Tapeten (wegen der Figuren so genannt, welche nach Raphaels Zeichnungen gemacht worden) wirken, und machte mit einigen derselben Geschenke an die Höfe von Wien und Dresden, wo sie noch sind; diejenigen, welche der Pabst in Rom behalten hatte, wurden während der Revolution nach Paris gebracht, sind aber jetzt wieder nach Rom zurückgeschafft worden. Von den Niederlanden aus verbreitete sich dieser Fabrikationszweig auch nach Frankreich, und erreichte unter dem schon oben genannten Monarchen in der letzten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts die größte Höhe; denn Colbert, der Minister Ludwigs des Vierzehnten, erbauete im Jahre 1667 den Künsten in Paris einen Pallast und nannte ihn nach den Gebrüdern Giles und Jean Gobelin, Gobelins. Hier werden nun die schönen Tapeten, nach einer Menge der herrlichsten Muster und Zeichnungen gewirkt, die gleichfalls den Namen Gobelins erhielten, und nach der Beschaffenheit des Stuhls auch haute-lisse und basse-lisse genannt wurden. Der hochschaftige Stuhl, haute-lisse, hält die Kette senkrecht, der tiefschaftige, basse-lisse, hält sie wagerecht. Bei dem Letzteren ist das Gewebe meist sammetartig, bei dem Ersteren ist die Arbeit auch sehr schön, aber schwieriger und langweiliger. Von den Niederlanden und Frankreich kam diese Arbeit auch nach Deutschland, und wurde in Berlin, Wien, Dresden etc. angefertiget. -- Die Türkischen und Persischen Tapeten, die in Frankreich Tapeten der Savonnerie, nach der Französischen Tapetenfabrik zu Chaillot, die diesen Namen führt, so genannt worden, sollen schon zu Karl Martels Zeiten daselbst eingeführt worden seyn, ha<180, 111>ben aber auch erst ihre Vollendung im siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderte erhalten; s. den Art. Pfeil-IconSavonnerie, Th. 138, Pfeil-IconS. 67 u. f. Die Wachstuchtapeten und die Tapeten von Leder und Papier sind aus spätern Zeiten, und reichen nicht so hoch in der Geschichte hinauf, als die gewebten Tapeten; auch sind die beiden Ersteren längst wieder aus der Mode gekommen, nur die Papiertapeten, die jüngsten, deren Erfindung sich die Engländer aneignen, aber auch die Franzosen, die einen gewissen Fransois, einen Scheidenmacher von Rouen, zum Erfinder angeben, der die ersten Tapeten von dieser Art 1620 verfertiget haben soll, erhalten sich in der Gunst der Mode fort, finden noch überall in Europa ihre Liebhaber, und verdienen es auch wegen ihrer mannigfaltigen Arten und Muster. Die Französischen zeichnen sich vorzüglich aus. -- Die Strohtapeten sind nie recht in Gebrauch gekommen. -- Nach dieser kurzen Uebersicht der Geschichte der Tapeten, möge nun hier noch dasjenige folgen, was sich auf die Fabrikation der verschiedenen Arten derselben, ihre Anwendung in den Zimmern, und auf den Handel damit, bezieht, und da die Papiertapeten eine Erfindung der neuern Zeit und jetzt die modernsten sind, so soll auch damit der Anfang gemacht werden.

Klassifizierung: 686 Drucken und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Klassifizierung: 667 Reinigungs-, Färbe-, Beschichtungstechniken, verwandte TechnologienDDC-Icon Die Papiertapeten sind, wie schon bemerkt worden, eine Erfindung der neuern Zeit, haben aber durch ihre Schönheit und Wohlfeilheit die früher gebrauchten Tapeten schnell verdrängt, und sich, trotz der Wandmalerey mit Leimfarben, immer zu erhalten gewußt, so daß sie mit dieser Hand in Hand gehen, das heißt, daß eben so viele Zimmer, wie in Leimfarben gemalt, auch tapezirt werden. Auch scheinen diese Tapeten in einigen Staaten, wie z. B. in Frankreich, ein Uebergewicht zu haben, in andern werden aber mehr Zimmer mit Leimfarben gemalt. Wer die Farben in einem Zimmer recht gleichförmig haben will, der wird immer besser thun, <180, 112> Tapeten zu wählen, als die Leimfarben=Malerey; denn die Letztere hängt von so vielen Bedingungen ab, die bei den Ersteren nicht eintreten, oder die man hier doch bald beseitigen kann. Bei der Leimfarbenmalerey kommt hauptsächlich der Kalkanwurf und der Kalküberstrich in Betrachtung, der Erstere ist oft sehr uneben ausgeführt, wenn er nicht von geschickten und in ihrer Arbeit eigenen Maurern ausgeführt worden ist, die mit der Kelle den Auwurf so ebenen, daß eine schöne gleiche Fläche entsteht, keine Erhabenheiten oder Ungleichheiten, und der Letztere, der Kalküberstrich oder die Weißung der Wand mit Kalk, frißt nur zu oft die darauf gesetzten Farben fort, wenn sie keine Erd= und Mineralfarben sind, welches auch dann noch geschieht, wenn die Wand geschlemmt worden, das heißt, mit einem Ueberzuge von Schlemmkreide bedeckt worden ist; besonders geschieht dieses, wenn die Wand feucht und nicht gehörig ausgetrocknet ist, und sich also die Feuchtigkeit Bahn bricht, Theile des Kalkes auflöset, durchführt, und dadurch den Farbengrund zerstört, oder ihn doch theilweise fleckig und ungleich macht. Dieses hat man bei den Tapeten nicht zu befürchten, weil darunter noch Makulaturpapier an die Wand gekleistert wird, man erst diese mit Papier, oft doppelt, bekleidet, und dann erst die Tapeten darauf setzt oder überklebt. Auch verhindert man das Durchdringen der Feuchtigkeit durch einen Ueberstrich mit Leimwasser, der ein paarmal geschehen muß, und hierauf klebt man nun das Makulatur. -- Die Papiertapeten werden bekanntlich in langen Streifen oder Rollen verkauft, welche gewöhnlich 20 Zoll breit und 30 Fuß (27 Fuß Rheinl.) lang sind. Das Papier, welches hierzu benutzt wird, besteht entweder in einzelnen Bogen, oder aus sogenanntem endlosen Maschinenpapiere, welches man in jeder beliebigen Länge haben kann, so daß jede Rolle nur aus einem Bogen Papiere besteht. Dieses letztere Papier wird jetzt gewöhnlich zu den Tapeten genommen. <180, 113> Bei dem ersteren Papiere werden die einzelnen Bogen so zusammengeklebt, daß jeder Bogen um 1/2 Zoll über den andern vorsteht. Die vorstehenden Kanten werden nun mittelst eines Pinsels mit gutem Kleister bestrichen, und dann die einzelnen Bogen zusammengeklebt. Um die Kanten gleichförmig breit zu haben, legt man erst die Bogen übereinander, so daß das angeführte Maaß hervortritt, welches bei jedem aufgelegten Bogen die Uebung giebt, oder man legt die Bogen sämmtlich zusammen, z. B. erst 1 Dutzend Bogen aufeinander, daß keiner vor dem andern vorsteht, und auf einem langen Tische, schiebt man dann mit dem Nagel des Daumens der rechten Hand, den man oben an der Kante des ersten Bogens fest anlegt, die Bogen so weit auseinander, daß sich die bezeichneten Kanten bilden, indem man mit der linken leise das Papier hält, damit es sich nicht verschiebt oder schieben läßt. Diese Kanten überstreicht man nun mit gutem Buchbinderkleister, und fügt dann die Bogen zusammen, welches etwas schnell geschehen muß, damit der Kleister nicht trocknet, dabei muß aber die Kante fest und eben auf jeden Bogen gedrückt werden, damit keine Ungleichheiten beim Trocknen entstehen, sondern das zusammengeklebte Papier eine ebene Fläche bildet. -- Man unterscheidet von Papiertapeten einfarbige, oder mit mehreren Farben, Gemälden und Verzierungen bedeckte, satinirte (atlasartig glänzende, welcher Glanz durch Talk hervorgebracht wird), velutirte oder sammetartig bestäubte, (auf welche man gefärbte zerkleinerte Schafwolle, Scheerwolle, ganz oder stellenweise aufklebt, indem man diese Wolle durch ein Sieb auf einen Frießüberzug bringt) und gepreßte. Dekorationstapeten, welche ganze Landschaften, mit und ohne Staffage, Jagdstücke etc. darstellen; Iristapeten, welche eine Regenbogenfarbe haben; Metallmoortapeten, die mit Zinnblech (Stanniol) überzogen, dannmoirirt und überfirnißt sind, <180, 114> wodurch man schöne glänzende, durch Abwaschen leicht zu reinigende Tapeten erhält. Der Werth der Tapeten wird durch die Feinheit und Güte des Papiers, und durch die Schönheit und Dauer der Farben und der Darstellungen entschieden. -- Wenn zur Fabrikation einer dieser Arten geschritten werden soll, so erfolgt zuerst das Grundiren des Papiers, das heißt, man giebt dem Papiere eine Grundfarbe, die, nach Befinden, weiß, roth, gelb, blau, grün etc. seyn kann, und die bald heller, bald dunkler als die übrigen darauf zu druckenden Farben ist. Zu den Farben, sowohl zum Grundiren, als auch zum fernern Bedrucken der Tapeten, nimmt man theils Erdfarben, theils Mineral= und chemische oder auf chemischem Wege zusammengesetzte Farben, wozu auch Pflanzenstoffe gehören. Zu Weiß nimmt man Kreide, Bleyweiß und Schieferweiß; zu Gelb nimmt man Chromgelb, Kassler Gelb oder Mineralgelb, Ocher, Wau= oder Kreuzbeeren; zu Blau: Berlinerblau, Indigo, Mineralblau, Bergblau; zu Grün: Berggrün, Braunschweiger Grün, Neuwieder Grün, Pariser Grün und ein Gemisch aus Chromgelb und Mineralblau oder Bergblau, oder gekochten Kreuzbeeren und Indigo; zu Roth: Berlinerroth, Krapproth, Kugellack, Englisches Roth, Zinnober, Fernambuckholz; zu Orange oder Pomeranzengelb: Französische Mennige, ordinaire Mennige; zu Braun: Umbra, Köllnische Erde; zu Schwarz: Frankfurter Schwarz, Beinschwarz; zu Violett: eine Abkochung von Camvecheholz mit Alaun, oder Berlinerroth und etwas Berlinerblau oder Mineralblau; zu Grau: Frankfurter Schwarz und Bleyweiß etc.

Die Erdfarben, die viel Sand bei sich führen, und gewöhnlich Oxide sind, wie der Ocher, das Englische Rotb, der Umbra etc., werden erst durch eine besondere Behandlung vorbereitet. Man zerstößt sie nämlich sehr fein, und rührt sie unter eine hinreichende Menge Was<180, 115>ser, damit sie in demselben aufgelöst werden. Man thut hier am besten, wenn man sich alte Töpfe hält, die man über die Hälfte mit Brunnenwasser anfüllt, und darein die Farbe schüttet, das heißt, jede besonders, wie dieses sich von selbst versteht. Man rührt nun mit einem Stabe die Farbe darin um, und wartet dann einige Minuten, bis sich die gröbsten Theile zu Boden gesetzt haben, und gießt hierauf das trübe Wasser von jenem Bodensatze in ein anderes Gefäß ab. In diesem setzt sich nun die zu einem klaren Pulver gewordene Farbe (geschlemmte Farbe) zu Boden. Ist das Wasser klar geworden, so gießt man es ab, und vermischt den Bodensatz mit heißer Leimauflösung. Die flüssigen Farben, worunter man die Abkochungen von Wau, Fernambukholz, Campecheholz etc. versteht, bereitet man dadurch vor, daß man ihnen, wenn sie noch sieden, gepülverten Alaun zusetzt, und sie dann mit Stärke und Leim verdickt. Sollen die Tapeten mit Erdfarben grundirt werden, so bereitet man sie erst dazu vor, indem man sie mit Flandrischem Leime bestreicht. Dieser Leim wird in Wasser aufgelöset, und wenn er noch lauwarm ist, mit einer großen, runden, langhaarigen Bürste aufgetragen. Mit einer gleichen Bürste werden auch die Grundfarben aufgetragen. Die Tapeten, welche so mit Leim und durch Auftragen der Grundfarbe vorbereitet worden, werden auf Stangen getrocknet und dann auf der nicht angestrichenen Seite geglättet. Das Glätten der grundirten Tapeten auf der Rückseite geschieht mit der Glättstange, die von der Zimmerdecke herabhängt, und unten eine blanke, metallene Walze enthält. Die Tapete liegt dabei auf einem langen, recht glatten Tische, und die Walze wird darauf hin= und hergezogen. Dieses Glätten dient zum Ebnen des Papiers, damit der Druck leichter und vollkommner werde. Der farbige Grund der Tapeten bleibt dabei ohne Glanz; soll aber auch dieser glänzend gemacht werden, so geschieht solches durch das Satiniren, und <180, 116> es muß darauf schon beim Auftragen der Grundfarbe Rücksicht genommen werden. Soll nämlich die Tapete matt bleiben, so versetzt man die Grundfarbe mit Bleyweiß, um sie matter zu machen, soll dagegen die Tapete später satinirt werden, so nimmt man nicht Bleyweiß, sondern sehr feinen Gyps, um die Farbe matter zu machen. Der Apparat zum Satiniren ist dem zum Glätten sehr ähnlich, nur mit dem Unterschiede, daß statt der metallenen Walze unten an der Glättstange eine Bürste angebracht ist, die mit steifen, kurzen Borsten besetzt ist. Damit die Bürste stets flach auf dem Tische bleibe, ist an der Stange ein knieartiges Gelenke angebracht. Die Tapete wird beim Satiniren so auf den Tisch gelegt, daß die farbige Seite nach oben gekehrt ist. Vor dem Reiben wird sie mit fein gepulverter Briançoner Kreide bestreuet, oder auch mit Talk, worauf sie durch das Reiben einen dauerhaften atlasartigen Glanz erhält. -- Die wichtigste Arbeit bei der ganzen Tapetenfabrikation ist das Bedrucken der Tapeten, oder das Auftragen der Desseins. Man bedient sich dazu solcher Formen, die wie die Formen der Kattundrucker eingerichtet sind, und auch die Handgriffe des Druckes sind dieselben. Daher kann man Kattundrucker auch zum Tapetendruck, und so umgekehrt: Tapetendrucker zum Kattundruck gebrauchen (s. den Art. Pfeil-IconKattun, Th. 36.) Die ersten Formen, mit denen man druckt, sind die sogenannten Klatschformen, welche große Flächen enthalten, z. B. den Grund eines Blattes, einer Blume etc. Rechts vom Stande des Druckes ist der Farbenkasten oder die Vorrichtung, um die Farbe an die Form zu bringen. Dieses ist gewöhnlich ein 9 -- 10 Zoll tiefer Kasten von Holz, welcher groß (lang und breit) genug ist, um auch die größte Form bequem hinein tauchen zu können, daher man ihn um 3 Zoll länger und um eben so viel breiter macht, als die größte der vorkommenden Formen. Der Kasten wird bis auf die Höhe von sechs <180, 117> Zoll mit Wasser gefüllt, dem man Papierschnitzel beimischt, um sie darin faulen zu lassen. Ueber das Wasser wird ein mit Kalbleder bespannter Rahmen gelegt. Das Leder berührt allenthalben die Oberfläche des Wassers und der Rahmen desselben, welcher mit dem Rande des Kastens in gleicher Höhe liegt, wird allenthalben gut verstopft und verwahrt, so daß kein Wasser aus dem Kasten dringen kann. Auf das Leder legt man nun entweder ein viereckiges Stück Tuch, welches mit der Farbe bestrichen ist, oder einen kleinern mit Tuch überzogenen Rahmen. Für jede vorkommende Farbe hat man ein besonderes Stück Tuch oder einen besonderen Tuchrahmen, damit der Arbeiter nicht erst das Tuch zu waschen nöthig hat, wenn er eine neue Farbe auftragen will, sondern nur nach dem Gebrauche die überflüssige Farbe abschaben darf. Da nun das Wasser im Kasten dafür sorgt, daß jenes Leder, welches die Unterlage des Farbentuches bildet, stets geschmeidig bleibt, so ist es leicht, die Form gleichmäßig mit der Farbe zu überziehen. Sie wird nun, mit dem Dessein nach unten, auf das Tuch gelegt, und etwas gegen dasselbe niedergedrückt, worauf sie leicht und gleichförmig allenthalben die Farbe annimmt. Ein Gehülfe des Druckers streicht dabei die Farbe mit einem großen Pinsel möglichst gleichförmig auf das im Kasten liegende Tuch, und der Drucker, nachdem er seine Form auf das Tuch gesetzt, stellt dieselbe vorsichtig auf die Stelle der Tapete, wohin sie gehört. Das Drucken geschieht auf einem starken Tische, welcher mehrfach mit Tuch bedeckt ist, damit sich das Muster überall gleichförmig ausdrucke. Der Tisch ist 5 -- 6 Fuß lang, 24 Zoll breit und 4 Zoll dick. Er steht auf starken Füßen, die, um alles Wanken zu verhüten, noch durch Querriegel verbunden sind. Hat der Drucker seine Form auf die Tapete gestellt, so legt er ein kleines, aber dickes Brett darauf, und läßt auf dieses einen 6--8 Fuß langen Hebel wirken, der quer über dem Tische angebracht <180, 118> ist, fast so, wie bei hölzernen Steindruckpressen. Drucker und Gehülfen ergreifen den Hebel und drücken ihn mit vereinten Kräften nieder. Dann entfernt der Drucker die Form wieder, und rückt die Tapete weiter, während der Gehülfe nun Farbe aufträgt. Das Fortrücken der Tapeten geschieht durch eine besondere Vorrichtung. An der Seite des Drucktisches, welcher dem Arbeiter zur Rechten ist, sind nämlich zwei senkrechte Stützen, welche eine horizontale runde Eisenstange tragen, um die zu Anfange der Arbeit die ganze Tapete aufgewickelt ist. Zuerst rollt man nun von der Eisenstange so viel von der Tapete ab, daß dieses Stück von einem Ende des Tisches bis zum andern reicht. Es wird dann mit einer Farbe bedruckt, und darauf ein neues Stück abgerollt. Damit aber das schon bedruckte Stück nicht auf dem Boden hinschleife, so wird es über einen hölzernen Bock oder über eine an der Zimmerdecke befestigte Stange hingeleitet. Dann hängt man die ganze Rolle zum Trocknen auf. Sind mehrere Farben auf dieselbe Tapete zu drucken, so wird sie, nachdem sie wieder getrocknet ist, nochmals um jene Eisenstange an der rechten Seite des Tisches gerollt, und dasselbe Verfahren, wie bei dem Bedrucken mit der ersten Farbe, wiederholt. Fehler, welche bemerkt werden, verbessert man später mit dem Pinsel. Bordüren werden auf dieselbe Art ausgeführt, wie die Tapeten selbst, aber nur auf schmalen Streifen. Alle Tapeten werden fest zusammengerollt und so aufbewahrt, nicht nur, um sie besser handhaben zu können, und damit sie weniger Raum einnehmen, sondern auch besonders deshalb, damit die Tapeten dem Einflusse des Lichts und der Luft weniger ausgesetzt sind, und ihre Farben sich also frischer erhalten. Auf solche Art werden die gewöhnlichen Papiertapeten verfertiget; auf abweichende Art aber die velutirten Tapeten; denn man bedarf dazu einer feinen Scheerwolle, wie man den Abfall beim Scheeren der Tücher nennt. Am liebsten <180, 119> nimmt man eine feine weiße Scheerwolle, weil man dieser, nachdem sie vorher gewaschen und gebleicht worden, am leichtesten jede beliebige Färbung geben kann. Sowohl das Färben, wie das größtmögliche Zerkleinern dieser Scheerwolle erfordert viel Fleiß. Das Färben selbst geschieht zwar mit den gewöhnlichen bei der Wollenfärberey gebräuchlichen Farben, aber das Trocknen ist ein Gegenstand, welcher vorzügliche Sorgfalt erfordert. Die gefärbte Wolle wird nämlich auf ausgespannter Leinwand getrocknet, im Sommer an einem sehr luftigen Orte, im Winter in einem geheizten Zimmer. Nach der vollkommensten Austrocknung folgt die möglichste Zerkleinerung in einer Mühle, welche in ihrer Construktion manche Aehnlichkeit mit unsern Kaffeemühlen darbietet. Der Haupttheil dieser Mühle ist ein Kegel, der in einer Schraubenlinie von oben nach unten mit vielen Messern besetzt ist, und sich in einer kegelförmigen Höhlung drehet, welche ebenfalls mit scharfen Messern besetzt ist, an denen sich die Messer des Kegels scheerenförmig hinbewegen. In Verbindung mit der Mühle steht, wie bei den Mehlmühlen, ein Beutelwerk, welches den feinen Wollstaub von der noch nicht ordentlich zerkleinerten Wolle trennt. Der Wollstaub, welcher nun fertig ist, um auf die Tapeten aufgetragen zu werden, wird in einen Kasten gethan, der 7 -- 8 Fuß lang, 15 -- 18 Zoll tief, und in der Nähe des Bodens 24, oben aber 36 Zoll breit ist. Der Boden des Kastens besteht aus einem stark angespannten Kalbleder, außerdem hat der Kasten einen mit Gewinden beweglichen Deckel. Damit die Wolle auf den Schattenpartien der Tapete befestiget werde, so bedruckt man diese Stellen erst mit den bei der gewöhnlichen Tapetendruckerey beschriebenen Werkzeugen und Handgriffen mit einem Grunde, der aus Leinölfirniß und Bleyweiß zusammengerieben und so zähe ist, daß er mit einem Pinsel auf die Form aufgetragen werden muß. Ist nun ein Theil der Tapete <180, 120> auf diese Weise mit Leinölfirniß bedruckt, so legt der Gehülfe diesen bedeckten Theil in den erwähnten, an der linken Seite des Tisches befindlichen Kasten, bestreuet ihn mit Scheerwolle, schließt den Deckel, und schlägt mit einem Stabe fest und anhaltend gegen den kalbledernen Boden des Kastens. Die Wolle, welche auf der Tapete liegt, wird dadurch empor getrieben, und setzt sich beim Niederfallen auf allen Theilen der Tapete an, welche mit dem Firnisse bedruckt sind. Nachdem sich der Wollstaub wieder gesetzt hat, wird der Deckel des Kastens gehoben, die überflüssige Wolle von der Tapete entfernt, indem man auf die linke Seite derselben klopft; dann wird die Tapete getrocknet. Die velutirten Stellen sind dann sämmtlich von gleicher Farbe. Soll aber eine Schattirung entstehen, so druckt man mittelst passender Formen auf die velutirten, aber bereits getrockneten Stellen, entweder dunklere oder hellere Schattirungen der Farbe. -- Einfacher ist das Vergolden, welches man bei einzelnen Stellen der Papiertapeten bisweilen anwendet. Man bedeckt die Stellen, welche vergoldet werden sollen, mit einem dicken Leinölfirniß mittelst der gehörigen Form, und wenn der Firniß fast eingetrocknet ist, legt man Blattgold darauf, welches mit Baumwolle angedrückt und das überflüssige Gold abgewischt wird. Durch Verbrennen der Baumwolle und Amalgamiren der Asche gewinnt man das überflüssige Gold wieder.

In Frankreich hat man zum Tapetendrucke dreierlei Papiere: graues, blaßgelbes und weißes Papier von verschiedenen Dimensionen. Auf das graue Papier druckt man die ordinairen Tapeten, es ist beschnitten 50 Centimeter (19 Zoll 1 2/5 Linie Preuß.) lang und 39 Centimeter (14 Zoll 10 4/5 Linien Preuß.) breit. Die Benennung graues Papier rührt von der Farbe seiner Masse her, und das hellgraue ist das gesuchteste. Das blaßgelbe Papier benutzt man zu Tapeten von besserer Qualität; es hat mit dem vorhergehenden <180, 121> eine gleiche Dimension, nur ist seine Masse sehr blaßgelb. Man wählt dasjenige, dessen Farbe dem weißen Papiere am nächsten kommt. Das weiße Papier wird zu den schönsten und reichsten Tapeten genommen; es muß gleich den beiden vorhergehenden gut geleimt, stark, und von feinem und ausgeglichenem Korne seyn. Eine Tapete muß wenigstens so viel Haltbarkeit besitzen, daß, wenn sie mit Kleister angemacht ist, sie nicht zerreißt, wenn man sie aufhebt und zum Aufziehen nach der Wand trägt. Man verfertiget die Tapetenrollen, indem man einen Bogen des Tapetenpapiers von einer der drei erwähnten Qualitäten an den andern leimt, bis vier und zwanzig Bogen auf diese Weise vereiniget sind. Man macht auch jetzt Tapetenrollen, die nur aus einem einzigen Stücke Papier bestehen. Man nimmt dazu Papier ohne Ende oder Papier ohne Naht. Man hat hier Papiertapetenrollen von verschiedenen Dimensionen. Die Tapetenrollen von gewöhnlichem Papiere haben 8 Meter 20 Centimeter bis 8 Meter und 80 Centimeter (28 Fuß 4 1/5 Lin. Preuß.) Länge und 50 Centimeter (19 Zoll 1 2/5 Lin.) Breite. Die Tapetenrollen von dem Papiere, welches unter dem Namen Carré au Raisin bekannt ist, haben 8 Meter und 90 Centimet. (28 Fuß 4 Zoll 2 Linien Preuß.) bis 9 Meter 60 Centimet. (30 Fuß 6 Zoll 11 Linien Preuß.) Länge und 57 Centimeter (21 Zoll 9 1/2 Lin. Preuß.) Breite; sie sind aus 24 Bogen zusammengesetzt, von denen jeder vor dem Zusammenleimen 58 Centimeter (22 Zoll 2 Linien Preuß.) Länge, und 41 Centimeter (15 Zoll 8 1/10 Lin. Preuß.) Breite besitzt. Die Tapetenrollen von Papier, welches den Namen grande Largeur führt, haben 9 Meter 75 Centimeter (30 Fuß 7 9/10 Lin. Preuß.) Länge und 65 Centimeter (2 Fuß 10 1/10 Linien Preußisch) Breite. Da nun in Frankreich viel Geschmack in Hinsicht der Farben und der Muster herrscht, die man auf die Tapeten gedruckt hat, so <180, 122> findet man hier auch eine reiche Auswahl der verschiedensten Muster, mit denen man die Papiertapeten bedruckt sieht. Die gewöhnlichsten Papiertapeten haben einen gelben oder grauen Grund, mit einem Muster von einer einzigen andern Farbe. Die Tapete hat um so mehr Werth, um so mehr oder weniger das Muster verschiedene Farben darbietet. Die Tapeten mit einfarbigem Grunde sind von einem höhern Preise; dann kommen die Tapeten mit Muster auf Atlasgrund, die Tapeten, welche den Marmor und den Achat nachahmen, die Tapeten mit einfarbigem Atlas= oder Glanzgrunde, die Tapeten mit Atlasmarmor, die schönen Tapeten mit moirirten Farben, die Tapeten auf gestochenen kupfernen Cylindern gedruckt, die Tapeten auf Atlasgrund mit Sammetmuster, die vollen Sammettapeten, und zuletzt die versilberten und vergoldeten Tapeten. Die verschiedenen Muster, welche auf die Tapeten gedruckt werden, sind sehr mannigfaltig, folgen aber der Mode der Stoffe und der Tapeten aus Seide und aus Wolle. Die gewöhnlichen Papiertapeten, welche aus 24 Bogen zusammengeleimt sind, haben starke Nähte, die besonders bei Tapeten von einfarbigem Grunde sehr bemerkbar sind. Alle schönen Tapeten von einfarbigem Grunde oder auch von buntfarbigen Mustern werden nur auf Papier ohne Ende gedruckt. Wenn die auf Atlasgrund gemusterten Papiertapeten durch ein von der Seite einfallendes Licht beleuchtet werden, so tritt oft der Fall ein, daß diese Tapeten das Ansehen haben, als ob sie mit Staub bedeckt wären, und man thut deshalb wohl, ehe man sie aufzieht, zu untersuchen, ob sich bei ihnen ein solches Ansehen bemerken läßt. Die Grundfarbe einer Tapete, und diejenige, welche aufgedruckt wird, werden mit einer hinlänglichen Quantität Leim angemacht, damit sie in Folge der Reibung eines Körpers auf der Oberfläche der Tapete nicht abfallen. Der Druck des Musters einer Tapete muß sauber und regelmäßig seyn, <180, 123> und man darf nicht die Nähte der Druckform bemerken. Man wendet bei den Tapeten Kupferdruck an, hauptsächlich um den Zwillich so vollkommen nachzuahmen, daß man die Kreuzung der Fäden dieser Art des Gewebes bemerken kann. Die Tapetenbordüren werden auf Papier von ähnlicher Qualität und Dimension, wie die Tapeten selbst, gedruckt.

Die gewebten oder gewirkten Tapeten in Seide, Wolle, Baumwolle, Leinen etc., die auch schon oben, Pfeil-IconS. 108 erwähnt worden, stehen nicht mehr in solchem Ansehen, wie ehemals, und sind durch die Papiertapeten fast gänzlich verdrängt worden. Dieses rührt wahrscheinlich daher, daß sie zu kostbar sind, besonders die seidenen und feinen wollenen Tapeten, die man nur zur Auszierung der Wände in Pallästen, Schlössern etc. anwendet. Die schönsten Tapeten dieser Art werden auch noch jetzt in Frankreich ganz vorzüglich in der Tapetenfabrik der Gobelins zu Paris, in der Vorstadt St. Marceau, verfertiget, die Colbert anlegte, und dem Maler Lebrün die Direktion übergab; ja man kann sagen, daß diese Tapeten einzig in ihrer Art sind, und den schon längst bewährten Ruhm auch noch jetzt verdienen, indem sie die schönsten Gemälde durch Verflechtung farbiger Fäden aufs Täuschendste nachahmen. Schon in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts, unter der Regierung des Königs Ludwigs des Vierzehnten, brachte man eine so große Menge der schönsten Muster und Zeichnungen zusammen, daß die Tapeten, die aus dieser Manufaktur hervorgingen, allgemeine Aufmerksamkeit erhielten, und den Ruf dieser Fabrik begründeten; allein nach damaliger Sitte vernichtete man die Muster nach dem Gebrauche, damit sie nicht in andere Hände gerathen sollten. Die Hautelisse lieferte die schönsten Stücke; sie stellte die Zeichnung gleich rechts so dar, als das Muster war. Letzteres ward in Streifen zerschnitten, die man an die Kettenfäden be<180, 124>festigte, so, daß die Linien der Zeichnung auf diese Fäden paßten. Hierbei hatte der Künstler den Vortheil, daß er das Muster zwar beständig hinter dem Stuhle, aber gerade vor sich hatte, und Fehler also leicht vermeiden und verbessern konnte. Bei der Basselisse ward das Muster unter der Kette befestiget, durch welche es der Arbeiter sehen konnte; aber die horizontale Lage machte die Vergleichung beschwerlich und unsicher, und da das Gewebe stets links oder verkehrt, und zwar auf der untern Seite entstand, so konnte auch die Basselisse nur die größten Meisterstücke liefern. Man machte daran nur Gegenstände, welche nicht die größte Richtigkeit der Zeichnung verlangten. Im Jahre 1737 suchte man die Manufaktur, die etwas gesunken war, wieder zu heben, und man ersann das Mittel die Hauptzeichnungen des schönen Musters auf ein durchsichtiges Papier zu tragen, solches dann zu zerschneiden, und diese Streifen an die Kette zu heften. Anfangs verfuhr man auf diese Weise nur bei der Hautelisse, aber im Jahre 1749 wendete man sie auch bei der Basselisse an. Die Hauptlinien wurden auf ein geöltes Papier getragen, welches man unter die Kette legte, das Muster selbst aber behielt der Künstler vor sich, so wie er es jeder Zeit bei der Hautelisse vor sich gehabt hatte. Da nun die Zeichnung auf dem geölten Papiere verkehrt war, so entstand die Zeichnung des Gewebes rechts oder völlig so, wie die Urzeichnung war. Wenn der Künstler seine Arbeit, so weit sie fertig war, betrachten wollte, so mußte er das Stück abwinden, welches sehr beschwerlich fiel. Im Jahre 1758 gab Vaucanson eine Einrichtung an, welche dieses erleichtern sollte, aber sie leistete nicht so viel, als man anfangs glaubte, und auch noch jetzt behält die Hautelisse große Vorzüge in Hinsicht der Richtigkeit der Zeichnung und Auswahl der Farben. Die Arbeit der Basselisse geht um ein Drittel schneller, als die andere, da bei jener die Kettenfäden durch Schäfte <180, 125> wechselsweise gehoben werden. Also sollte auch der Preis der Basselisse um ein Drittel geringer seyn, welches aber nicht immer zutrifft. Kurz vor der Revolution stand die Arbeit in den Gobelins unter der Aufsicht des Herren Audran. In der Zeit der Republik, besonders zur Zeit des Direktoriums, war die Gobelins=Manufaktur nicht mehr in ihrer ehemaligen Thätigkeit, obgleich sie noch für Rechnung der Regierung betrieben wurde; denn die Arbeiter hatten sich um die Hälfte vermindert, doch war das Magazin noch reich an trefflichen Tapeten, und die Regierung ließ langsam auf einigen Weberstühlen nach guten Französischen Originalgemälden und Kopien berühmter Italienischer Meister, unter der Direktion des Ministers des Innern, Benezech, fortarbeiten. Unter Napoleon erhob sich diese Fabrik wieder, und erhielt manche Verbesserungen, die aber nicht wesentlich auf die Kunst selbst einwirkten, sondern nur auf die Maschinerien, und so besteht diese Fabrik auch nach der Restauration bis auf die neueste Zeit fort, und arbeitet für Rechnung der Regierung. Der Unterschied zwischen der Fabrikation der Türkischen Tapeten oder der Tapeten à la Savonnerie, und der Gobelins, besteht darin, daß der Weber bei jenen die Vorderseite der Arbeit vor den Augen hat, bei diesen, den Gobelins, aber an der umgekehrten Seite des Teppiches arbeitet. Da nun unter Pfeil-IconSavonnerie, Th. 138, Pfeil-IconS. 67 u. f., schon das Wirken dieser Tapeten beschrieben, und mit Kupfern erläutert worden ist, so kann hier die Beschreibung des Wirkens der Gobelins übergangen werden, da sie nur mit dem angezeigten Unterschiede von der Savonnerie abweichen, sonst gleich gewebt werden. Die neuesten Verbesserungen dieser Weber= oder Wirkerstühle wird unter Pfeil-IconWeberstuhl, in W. vorkommen. Die Quadratelle, die sonst von der Savonnerie 220 Stück Livres kostete, kommt jetzt auf 500 Livres zu stehen. Ein vollständiger Teppich erfordert eine sechsjährige Ar<180, 126>beit verschiedener Weber. Der Arbeitslohn ist wie bei den Gobelins, höchstens 3 Livres (18 Gr.) täglich. Die Portraits, welche die Savonnerie in der Fabrik zu Challiot bei Paris geliefert hat, sind vorzüglich schön. In Wien hat man auch eine Teppichmanufaktur à la Savonnerie. Von den Gobelinstapeten kommt der Quadratstab, je nach dem Dessin, auf hundert und mehrere Thaler zu stehen. In den Niederlanden liefern Antwerpen, Brügge, Brüssel und Tournay die schönsten Tapeten dieser Art. Auch in Berlin, München, Petersburg und Rom findet man dergleichen Arbeiten. Die Türkischen Tapeten haben den Namen Savonnerie von dem Gebäude, worin sie zu Chaillot gemacht werden, welches ehemals eine Seifensiederey war, nicht aber, wie Einige glauben, von der Stadt Savona, im Genuesischen, wo diese Tapeten zuerst gemacht seyn sollen. -- Zu den geringsten gewirkten Tapeten gehören die Bergames, deren Kette gemeiniglich Hanf, das Eingewebte aber Flockseide, Wolle, Baumwolle, oder Kameelgarn ist. Sie haben Zeichnungen von Thieren und Blumen, oder nur Streifen, die zuweilen mit einer Einfassung umzogen sind; oder sie gleichen den Ungarischen Spitzen, und werden dann Hongrie genannt. In Frankreich, wo sie mehr vorkommen, als in Deutschland, fabricirt man sie vornehmlich zu Rouen, Elboeuf etc. etc. Diese Tapeten sollen zuerst aus Bergamo nach Frankreich und zu uns nach Deutschland gekommen seyn. -- Die Tapeten von gemalter und gedruckter Leinwand, s. unter Pfeil-IconLeinwand, Th. 76. -- Was die ledernen Tapeten betrifft, so findet man das Nöthige darüber unter Pfeil-IconLeder, Th. 68, Pfeil-IconS. 678 u. f. -- Die Tapeten von Wachsleinen oder Wachsleinwand, s. unter Pfeil-IconLeinwand, Th. 76, und unter Pfeil-IconWachsleinwand, in W.

Die Tapeten, welche ehemals in dem Handel vorkamen, und zum Theil noch vorkommen, waren und <180, 127> sind von Leinwand, Seide, Halbseide, Baumwolle, Wolle, Kameelhaaren, von sogenanntem Wachsleinen, von vergoldetem, versilbertem, überlackirtem Leder, von Papier und andern Stoffen, gedruckt, gemalt, ausgenähet, überfirnißt etc. Von den Papiertapeten, den jetzt beliebtesten, und daher auch gangbarsten Tapeten findet man fast in allen großen Städten Fabriken, deren Fabrikate aus einigen Fabriken auch starken Absatz finden. Besonders sind es die Französischen Papiertapeten, welche sich in neuerer Zeit durch ihre geschmackvollen Muster auszeichnen, und daher in großer Menge ausgeführt werden. In allen großen Städten Deutschlands findet man Niederlagen Französischer Tapeten, die ihrer geschmackvollen Muster und Wohlfeilheit wegen eine Zeitlang die inländischen Tapeten zurückdrängten; indessen sind in neuester Zeit mehrere Deutsche Fabriken den Französischen gleich gekommen, und haben sie sogar in mancher Hinsicht noch übertroffen. Daß die Tapeten in Frankreich einen bedeutenden Absatz, sowohl im Lande, als auch außer dem Lande finden, geht aus der großen Anzahl Fabriken daselbst hervor; denn in Paris sind allein sechsundfunfzig Tapetenfabriken; auch Straßburg zählt mehrere derselben, und aus der Fabrik zu Rixheim bei Mühlhausen im Elsaß gehen schöne Dekorationstapeten hervor. In Deutschland waren noch im Jahre 1813 in Wien sechs Papiertapetenfabriken; Berlin zählte noch 1820 fünf dergleichen Fabriken, die aber 1840, also zwanzig Jahre darauf, sämmtlich eingegangen sind, weil sie in Hinsicht des Preises nicht mit den Fabriken in andern kleinen Städten des In= und Auslandes concouriren konnten, und dann auch die Französischen Tapeten einen größeren Absatz fanden, sowohl wegen ihrer geschmackvollen Zeichnungen und Farben, als auch wegen der Wahl der Gegenstände und des Preises. In Deutschland liefern ferner schöne Papiertapeten: Dresden (auch Metallmoortapeten), Prag, Mün<180, 128>chen, Mannheim, Karlsruhe, Frankfurt am Main, Augsburg, Hannover, Mainz, Kassel, Langensalza und mehrere andere Städte. Mit diesen Tapeten beziehen die Fabrikanten sowohl die Messen zu Leipzig, Frankfurt an der Oder, Frankfurt am Main, Braunschweig etc., als sie solche auch direkt von ihren Fabriken aus überall hin versenden. Die Fabrikate bestehen in langen Streifen oder Rollen von einer gewissen Anzahl Ellen in der Länge, z. B. 15, 20, 25 bis 30 Ellen, und 1 Elle und darüber in der Breite, zu den Hauptrandflächen; sie sind entweder von einfacher Farbe oder façonnirt, mit Verzierungen aller Art, oder satinirt, velutirt, vergoldet und versilbert etc. etc., oder mit Landschaften, historischen Gemälden etc. etc. bedruckt; dann Medaillons, Rosetten, Thürstücke, Kabinettstücke, Bordüren oder Einfassungen von verschiedenen Breiten, mit lebhaften Farben, auch en grisaille, mit Blumen= oder Gitterwerk, mit architektonischen Verzierungen, mit kleinen en Camayeux-Gemälden, zur Verzierung dienenden Stäben, mit einfachen Lambris, oder solchen, deren anscheinende Zusammenfügungen mit Medaillons verdeckt sind etc. etc. -- Auch die Ostindische Gesellschaft bringt verschiedene Arten Papiertapeten in den Handel nach Europa, unter welchen die Chits, Lampasses, und die Chinesischen gemalten Tapeten ehemals viel Aufsehen erregten, jetzt aber keinen ansehnlichen Handelsartikel mehr abgeben. S. auch unter Pfeil-IconPapier, Th. 106, Pfeil-IconS. 733 und Pfeil-IconS. 841. Man kauft die Tapeten Stückweise, und bezahlt sie nach der Elle. -- Die schon oben Eingangs erwähnten gewebten oder gewirkten Tapeten, Hautelisse= und Basselisse=Tapeten, die Türkischen Tapeten etc., liefern in Frankreich Paris (Gobelins), Chaillot (Savonnerie), Beauvais, Aubüsson, Tours, Amboise, Abbeville, Straßburg etc.; in Italien Rom und einige andere Städte; in Deutschland Wien und Berlin, in Rußland Petersburg etc. etc. -- Gestrickte und <180, 129> nachher gedruckte Tapeten liefert Bonneval. -- Gemalte Tapeten auf Leinen, Halbleinen und andern Stoffen liefern die Niederlande und Deutschland, und hier vorzüglich Schlesien und die Oberlausitz, von wo aus ehemals Leinwand= und Zwillichtapeten, nach verschiedenen Mustern gedruckt, in Menge nach Spanien und Portugal gingen. Die Tapeten von vergoldetem, versilbertem und gepreßtem Leder waren ehemals, ihrer vorzüglichen Dauer wegen, sehr im Rufe, denn sie sind dem Verderben durch Feuchtigkeit oder Beschädigung von Würmern nicht so ausgesetzt, wie die gewirkten Tapeten; sie sind aber gegenwärtig ganz aus der Mode gekommen, nicht so die sogenannten Wachstuchtapeten oder Tapeten von Wachsleinwand, die noch ihre Liebhaber finden, und besonders in den Zimmern der Restaurationen, Kaffeehäusern etc., die dem Schmutze mehr ausgesetzt sind, als andere Zimmer, ohne dergleichen Tapeten, die bloß zu Wohnzimmern dienen. Man macht diese Tapeten zu Berlin, Wien, Leipzig, Frankfurt am Main, Nürnberg, Hamburg etc., und handelt sie bei ganzen, halben oder Viertelschock oder bei vollständigen Garnituren zu ganzen Gemächern.

Anwendung der Tapeten oder das Aufziehen derselben in den Zimmern. Gewöhnlich wird das Aufziehen der Tapeten dem Tapezierer überlassen, aber auch die Tapetenfabrikanten besorgen dieses Geschäft, so auch die Zimmermaler. Gewöhnlich suchen sich diejenigen, welche ihre Zimmer mit Tapeten ausstatten wollen, diese selbst aus, wird aber dieses Geschäft einem Tapezierer überlassen, so muß er bei der Auswahl der Tapeten Geschmack besitzen; denn er muß sowohl auf die Farben, wie auf die Zeichnung oder das Muster sehen, und die Zimmer berücksichtigen, die tapezirt werden sollen; eben sowohl muß er die zu einer jeden Tapete passenden Bordüren wählen, so auch die Thürstücke etc., <180, 130> wie solche angebracht werden sollen. Daß den Tapezierern in den großen Städten, von der Tapetenhandlung, worin sie die Tapeten, die sie brauchen, zu kaufen pflegen, oft 5 bis 10 Prozent bei baarer Zahlung vergütet werden, darf den eigentlichen Käufer der Tapeten, der seine Zimmer tapezieren lassen will, nicht irre machen; denn dieses sind gewöhnliche Vergütungen, die ihm von der Handlung, wo er immer die Tapeten nimmt, oder zu kaufen empfiehlt, als eine Belohnung zufallen, unbeschadet des eigentlichen Käufers, der diese Prozente nicht erhält; denn sie werden jenem, als einem Zwischenhändler, für seine Bemühungen zu Gunsten der Handlung gegeben. Wenn man daher dieses in einigen Werken tadelt, so scheint dieser Tadel wohl ungerecht zu seyn, da diese Prozente nicht auf die Waare geschlagen werden, der Käufer also nicht mehr bezahlt, also auch nichts verliert. -- Von der Wahl der Tapeten. Hier kann nicht die Rede seyn, welche Art von Tapeten gewählt werden soll, da solches ein Jeder selbst nach dem Zustande seiner Kasse entscheiden muß, sondern wenn er eine Art wählt, von dem Zustande der Farben und des Musters. Zum Wohn= und Schlafzimmer wählt man gern grüne Tapeten, weil diese Farbe den Augen am meisten zusagt, und auch für sie am dienlichsten ist. Ein zu helles oder lichtes Grün in einem Schlafzimmer taugt eben so wenig, wie jede andere helle Farbe; denn ein schnelles Abwechseln von Licht und Dunkelheit schadet den Augen, und solches um so mehr in einem Schlafzimmer beim plötzlichen Erwachen, wo das aufblinkende Auge auf helle Wände fällt, und besonders, wenn sie von der Sonne am Morgen beschienen werden, das Schlafzimmer Morgensonne hat. Man kann zwar die Fenster in einer Schlafstube mit Vorhängen vor dem zu grellen Tageslichte schützen, allein es geschieht nicht immer, und dann verliert das Zimmer auch das Freundliche am Morgen beim Erwachen. Man wähle daher <180, 131> für das Schlafzimmer ein mattes oder sanftes Grün, welches zwischen dem Dunkel= und Hellgrün in der Mitte steht, oder ein sanftes Blau, ein schönes Mineral= oder Kornblumenblau, auch ein angenehmes Grau. Auch für Arbeitszimmer und Wohnzimmer wählt man gern die grüne Farbe, und hier ein Pistazien= oder Parisergrün. Zu einem Besuchs= und Putzzimmer, zu einem Speisesaale oder andern Staatszimmern wählt man gern recht brillante Farben, das feurigste oder glänzendste Grün, Blau und Gelb. Grün und blau sind die Farben, die man hier am meisten wählt. Auf einem schönen mineralblauen Grunde machen sich Gemälde in Goldrahmen, auch Kupferstiche, sehr gut, und auf einem lebhaften grünen Grunde Kupferstiche in Mahagonyrahmen etc. Dieses Alles muß der Dekorateur oder Tapezierer berücksichtigen. Brillante Farben verdunkeln alle nebenstehenden Farben, daß sie ihr Ansehen verlieren, ganz matt erscheinen, und ist dabei das Zimmer nicht hinreichend erleuchtet, so erhalten auch die Menschen, die sich in einem solchen Zimmer befinden, von dem grünlichen Wiederscheine, der auf ihr Antlitz fällt, ein blasses und kränkliches Ansehen. Liegt es dem Eigenthümer daran, daß die Farben nicht verdunkelt, sondern hervorgehoben werden, so muß man Tapeten wählen, bei denen die Orangefarbe vorherrscht. Bei einer orangefarbenen Bekleidung bekommen auch bleiche, kränkliche Gesichter ein lebensfrisches Ansehen. So berichtet ein Schriftsteller über diesen Gegenstand: daß er einen Speisesaal in einem Badeorte gesehen habe, mit vielen orangegelben oder pomeranzengelben Verzierungen, in welchem sich die Badegäste am liebsten aufgehalten haben, ohne eigentlich zu wissen, welcher Ursache sie diese angenehme Wirkung zuzuschreiben hätten, bis man endlich den Grund in der frischen angenehmen Gesichtsfarbe auf allen Gesichtern gefunden habe. Der Eindruck, den eine richtige Wahl der Farben hervorbringt, ist sehr groß. So würde <180, 132> ein Gartenzimmer, welches weiß, grau oder braun zur Hauptfarbe hätte, einen unangenehmen Eindruck machen, während grün, rosa und ein schönes Blau eine angenehme Empfindung erregen; dagegen sind braun und gelb wieder sehr geeignete Farben für Winterzimmer, besonders Rehbraun, Chromgelb etc. So hält man auch dunkle Tapeten in Zimmern von sehr heller Lage, und wieder helle Tapeten in Zimmern von sehr dunkler Lage für unpassend. Es ist zwar wahr, daß Zimmer von der letztern Beschaffenheit durch dunkle Tapeten noch mehr verdunkelt, und durch helle etwas erhellt werden, aber dessen ungeachtet verweilt das Auge nicht gern auf dem nicht Zusammenpassenden, und fühlt einen unangenehmen Eindruck. Es ist hier mit den Tapeten dasselbe Verhältniß wie bei der Farbe der Kleidung, bei deren Wahl man auf die Haare Rücksicht nimmt. So steht helle Kleidung den Brünetten schlecht, dagegen wird eine Blondine nur dann im schwarzen Gewande reizend, wenn sie auch ihr Haupt durch schwarze Blonden beschattet. So steht den Blondinen rosa und hellblau, und den Brünetten orange= oder pomeranzengelb, auch dunklere Farben, wie Kornblumenblau, Carmoisin etc., gut. Man nimmt oft an, daß Tapete und Bordüre von gleicher Farbe seyn müssen; dieses ist aber irrig, und die schönste Auswahl verliert dadurch oft allen Eindruck. Die Bordüre soll sich scharf bemerklich machen vor der Tapete; denn sie ist da, um die Grenze der Tapete zu markiren. So z. B. würde auf ein dunkles Mineralblau eine gelbe mit roth hin und wieder schattirte Bordüre passen. Eine grüne Bordüre zur grünen Tapete paßt nur dann, wenn Erstere sehr dunkelgrün, Letztere hellgrün ist. Dieselbe Regel gilt auch, wenn man gelbe Bordüren auf gelbe Tapeten etc. nimmt. Am besten ist es, wenn man zu den Bordüren ganz andere Farben wählt, als zu den Tapeten, damit aber hier nicht der Eindruck grell und auf diese Art wieder störend <180, 133> werde, so hat man jetzt dahin zu sehen, daß die Grade des Lichts und Schattens bei Bordüre und Tapete gleich seyen, während man in dem Falle, wo Bordüre und Tapete von gleicher Farbe sind, Erstere dunkler zu wählen hat. Dieselbe Abwechselung ist auch den Augen angenehm, wenn mehrere Zimmer durch Thüren mit einander in Verbindung stehen, so daß man oft plötzlich aus dem einen in das andere tritt, oder auch die Farben beider zugleich sieht. Es ist dann Abwechselung nöthig, aber man muß mit Farben abwechseln, welche sich zu einander passen, die sich gut unterscheiden, aber nicht grell abstechen. Diese Zusammenstellungen von Farben, welche in dieser Hinsicht schon öfter vorgeschlagen sind, mögen auch hier stehen. Es sind folgende: 1) Reseda, rosa, grün, grau, gelb, lilla, pistaziengrün; 2) Reseda, blau, lilla, grün, nanking; 3) olivengrün, lilla, orange, blau, rosa; 4) gelb, himmelblau, weiß, grün; 5) seegrün, carmosinroth, blau; 6) zimmetbraun, hellblau, zitronengelb, lilla, grün; 7) grün, grau, rosa, pistaziengrün, lilla; 8) chocoladenbraun, seegrün, nanking, blau, carmoisinroth; 9) olivengrün, rosa, wasserblau, orange, grau. Sind nun die neben einander liegenden Zimmer nach einer der Zusammenstellungen der Farben tapezirt, wie sie im Vorhergehenden angegeben worden, so soll der Eindruck günstig seyn, obgleich hiermit noch nicht die Zusammenstellungen erschöpft sind, die noch weiter hinausgeführt werden können. Am besten findet man die Zusammenstellungen, wenn man Stücke von verschiedenen Tapeten, die aber hinreichend lang seyn müssen, neben einander hängt, und so den Eindruck beurtheilt, den die Zusammenstellungen machen. Um diesen Eindruck richtig beurtheilen zu können, muß man aber einen gebildeten Geschmack besitzen, der aber Gabe der Natur ist, oder auch dadurch gebildet werden kann, wenn man oft Gelegenheit hat, geschmackvolle Farbenzusammenstellungen zu betrachten, wozu selbst Feste Veranlassung <180, 134> geben, worauf die Damen in farbiger Kleidung erscheinen, im farbigen Schmucke, man wird hier bald den Geschmack in Zusammenstellung der Farben in Kleidung, Bändern etc. finden. Was nun die Bordüren betrifft, so eignen sich: zu grünen und blauen Tapeten: carmoisinroth, rosa, lilla, schwarze und weiße Bordüren; zu rosa Tapeten: grüne, gelbe, orange, weiße und graue Bordüren; zu carmoisinrothen Tapeten: zitrongelbe, weiße und grüne Bordüren; zu orangelben Tapeten: blaue, lilla, grüne und weiße Bordüren; zu gelben Tapeten: lilla, blaue, dunkelgrüne und graue Bordüren; zu oliven= und resedagrünen Tapeten: karmoisinrothe und lilla Bordüren; zu grauen, karmoisinrothen und choeoladenfarbigen Tapeten Bordüren von fast allen Farben, nur keine schwarzen. Eine andere Vorsicht bei der Auswahl der Tapeten besteht darin, daß man nicht solche, die mit giftigen Farben bedruckt sind, an Orte bringe, wo sie der Gesundheit nachtheilig durch ihre Ausdünstung werden können. So findet man unter den grünen Farben viele giftige, besonders diejenigen, welche aus Kupferoxid gezogen werden, dann diejenigen gelben Farben, die aus Bley gezogen werden, auch das Auripigmentum, das Chromgelb etc. Die Ausdünstung geschieht vermittelst der Ofen= und Sonnenwärme, wenn sie diesen zu sehr ausgesetzt sind, auch wenn sie feucht werden sollten. Dann muß man bei der Auswahl der Tapeten auf ihre längstmögliche Dauer sehen. Man bringe also nicht Tapeten, die der Luft und Sonne ausgesetzt, leicht verblassen, an solche Orte, wo Zug ist, oder wo die Sonne lange und anhaltend auf sie scheint. Man tapeziere feuchte Wände nicht mit Farben, die durch die Feuchtigkeit fleckig werden. Man tapeziere Kalkwände nicht mit Tapeten, deren Farben der Kalk angreift. Die Erdfarben, also Tapeten, wozu grüne Erde, gelber Ocher, Köllnische Erde, Umbra, Englisches <180, 135> Roth etc. gebraucht werden, sind die dauerhaftesten; dann mehrere Mineralfarben, wie Zinnober, Mennige, Mineralgelb, Chromgelb, Grünspan etc., nur diejenigen Farben, die aus den Pflanzenstoffen etc. genommen werden oder die mit Farben aus den Pflanzenstoffen, auch aus thierischen Stoffen versetzt werden, wie Kugellack, Florentinerlack, Karmin, Berlinerroth, Mineralblau, Bergblau, Schüttgelb, und die gelben Farben aus dem Wau, der Scharte, den Kreuzbeeren etc. verschwinden, wenn die Tapeten der Sonne zu sehr ausgesetzt sind; daher bleiben oder verändern sich auch am wenigsten alle Erdfarben, als schwarz, grau, Nankingfarbe, Kameelfarbe, Rehfarbe etc., dagegen schwinden carmoisin=, rosa= und lillafarbige Tapeten; gelbe, blaue und grüne Tapeten leiden gar nicht durch das Licht der Sonne, am wenigsten gelbe, die mit Chromgelb, Mineralgelb etc. bedruckt worden; feine gelbe, grüne, blaue, rothe und lilla Tapeten halten sich nicht gut auf Kalk, und sollen sie daher auf Kalkwände gebracht werden, so müssen diese vorher sehr stark mit Alaunwasser gedeckt werden. Auch auf das Verhältniß muß die gebührende Rücksicht genommen werden; denn eine Tapete mit zu großen Desseins in einem kleinen Zimmer ist eben so lächerlich, wie eine Tapete mit sehr kleinen Desseins in einem großen Zimmer unscheinbar ist. Sehr breite Bordüren in einem niedern Zimmer sind Karrikaturen, und eine zu schmale Bordüre in einem hohen Gemache verschwindet dem Blicke. -- Einrichtung der Wände zum Tapezieren. Wenn Wände neu getüncht worden, so kann man sie sogleich auf eine sehr zweckmäßige Art zum Tapezieren zurichten, wenn man sie mit dem sogenannten Haarzeuge überzieht. Dieses Haarzeug besteht, wie bekannt, aus einer Mischung von Lehm (Letten), Kälberhaaren und Kalk. Von dem Kalke darf man nur sehr wenig nehmen, auf 100 Pfund Lehm höchstens 2 Pfund Kalk. Nimmt man mehr Kalk, so kann man dadurch leicht den <180, 136> Tapeten schaden, ohne daß man etwas zur Verbesserung der Wand beiträgt. Das Verfahren beim Tünchen mit dem Haarzeuge ist bekannt; denn nachdem die Stein=, Lehm= oder Backsteinwand fertig und trocken ist, wird sie mit dem Haarzeuge beworfen. Den Anwurf glättet man mit der Mauerkelle, ehe er ganz trocken ist, und streicht ihn dann mit folgendem Leimwasser an: 1/2 Pfd. Tischlerleim wird in 7 Pfd. kaltem Wasser drei Stunden lang eingeweicht, dann über dem Feuer aufgelöset, darauf 1/8 Pfd. Farinzucker und 1/8 Pfd. Alaun, in 1/2 Pfd. Wasser aufgelöset, hinzugegossen, Alles umgerührt und heiß auf die Wand getragen. Ist der Anstrich trocken geworden, so betupft man die Wand mit einem nassen Finger, und sollte sie dann noch das Wasser begierig einsaugen, so muß man sie nochmals mit dem beschriebenen Leimwasser anstreichen. Eine so geleimte Wand kann mit einer jeden, auch der feinsten, Tapete bekleidet werden. -- Zu den Substanzen, welche beim Aufziehen der Papiertapeten in Anwendung kommen, gehören: Kleister, Zinkstreifen, verschiedene Arten von Leinwand und Zwecken oder Tapeziernägel. Der Tapetenkleister besteht aus Waizenmehl und Wasser. Man bereitet ihn auf die Weise, daß man nach und nach in 7 Quart Wasser 9/10 Berliner Quart Weizenmehl einrührt. Diese Mischung von der Consistenz der Milch erwärmt man in einem gußeisernen Topfe unter beständigem Umrühren, damit das Mehl nicht anbrenne und sich klümpe. Der Kleister wird dicker und erhebt sich zuletzt in Blasen. Man läßt ihn 10 bis 15 Minuten kochen, nimmt ihn dann vom Feuer und gießt ihn aus, damit er in einem andern Gefäße, und nicht im gußeisernen Topfe erkalte, wo er sonst schwarz werden würde. Er gesteht zuletzt durchs Verkühlen zu einer zitternden Gallerte. Will man dem Kleister mehr Bindekraft geben, auch damit er sich länger erhalte, ohne sauer zu werden, so setze man der <180, 137> Mischung von Wasser und Mehl, ehe man sie noch übers Feuer bringt, etwas gepulverten Alaun hinzu. Wenn der Kleister zu dick ist, so verdünne man ihn mit ein wenig Wasser, welches man gut mit ihm vermischt, bis er von gleichförmiger Consistenz ist. -- Die Zinkstreifen kommen nur bei den Schränken in Anwendung, die unter den Tapeten verborgen sind, die man Tapetenschränke nennt; denn von diesen müssen die Thüren genau schließen, deshalb muß man die Zinkstreifen anwenden, die man dergestalt auf die Ränder der Thüren nagelt, daß sie die Anschläge verbergen. Diese Zinkstreifen sind 9 Zoll 6 Linien breit, und man schneidet sie so lang, als es für die Schränke nöthig ist; sie werden mit kleinen Pariser Kopfstiften befestiget. -- In Hinsicht der Leinwand, die beim Aufziehen der Tapeten und bei der Dekoration gebraucht wird, wendet man verschiedene Arten an. Die eine Art hat sehr weite Maschen, und wird benutzt, um entweder feuchte Wände oder Arbeiten aus Tannenholz zu überziehen, welches sich leicht wirft und dadurch die Tapete zerreißt. Im erstern Falle wird die Leinwand in einem gewissen Abstande von der Wand aufgezogen und so verhindert, daß die Feuchtigkeit die Tapete nicht erreichen und verändern kann. Im zweiten Falle wird die Tapete auf die Leinwand gezogen, und sitzt nicht direkt auf dem Holze, weshalb Letzteres sich ausdehnen und zusammenziehen kann, ohne daß das Papier Schaden leidet. Man wendet auch ungebleichte und graue engmaschige Leinwand an, um mangelhaftes Holzwerk und Wände, die man anstreichen will, damit zu überziehen. Zu schönen Anstrichen wähle man weiße Leinwand, wie zu den Gemälden. -- Unter Tapetenzwecken oder Tapetennägeln versteht man eine Art kleiner Nägel mit rundem und flachem Kopfe, deren man sich bedient, um die Ränder der Leinwand damit zu befestigen. Man soll wohl thun, diese Nägel kurze Zeit in etwas Weingeistfirniß zu legen, <180, 138> dann breitet man sie aus, und wendet sie nicht eher an, als bis dieser Firniß ganz trocken ist. Diese überzogenen Nägel rosten nicht und verursachen auch keine Flecken auf den Tapeten. -- Die zum Tapezieren erforderlichen Werkzeuge sind: 1) ein Kleisterpinsel; 2) ein Eymer zum Kleister; 3) eine Scheere; 4) ein Lineal; 5) ein Zirkel; 6) eine Schnur; 7) ein Bleyloth; 8) eine Setzwage; 9) ein Hammer; 10) ein Hartmeißel; und 11) eine Zange. Zum Kleisterpinsel gehört ein Faustpinsel, dessen Haare oder vielmehr Borsten fest gebunden und geleimt seyn müssen, um den Kleister auf die Tapetenbahnen zu streichen. Der Eymer zum Kleister besteht entweder aus Zink oder aus Holzdauben. Der Kleister wird hineingethan und darin angemacht. Die Scheere hat die Form der gewöhnlichen Papierscheere; man beschneidet damit die Tapeten und schneidet auch die Leinwand zu; mit einer noch besondern Scheere, die sehr feste und scharfe Flügel hat, schneidet man die Zinkstreifen. Das Lineal hat die Länge einer Elle, auch etwas darüber, und wird nicht nur als Maaßstab, sondern auch zum Ziehen der Linien und der Abtheilungen für die aufzuziehenden Tapetenbahnen benutzt. Der Zirkel dient, um die Räume für die Tapetenbahnen genau abzutheilen. Die Schnur und das Bleyloth benutzt man, um gerade und vertikale Linien zu ziehen. Die Setzwage dient, um die marmorirten Tapeten in horizontalen Bahnen aufzuziehen. Der Hammer des Tapezierers ist dem des Glasers ähnlich, und dient zum Aufnageln der Leinwand. Der Hartmeißel und die Zange dienen dazu, um die Nägel, die sich in den Wänden befinden, entweder abzuhauen oder auszuziehen.

Wenn ein Zimmer mit Tapeten verziert oder tapeziert werden soll, so muß dasselbe ausgemessen, und die Tapeten berechnet werden. Man muß daher wissen, wie viele Rollen Tapeten zur Tapezierung irgend eines Zimmers nothwendig sind. Diese Vorherbestim<180, 139>mung ist nöthig, damit man nicht, durch Anschaffung einer überflüssigen Menge von Tapeten, mehr Geld ausgiebt, als erforderlich ist; und dann auch wieder, damit man nicht zu wenig Tapeten kauft, und dadurch in Verlegenheit geräth, da oft ein Muster, welches beliebt ist, oder Beifall erhält, durch den starken Absatz vergriffen seyn könnte, und man würde dann entweder eine andere Wahl der Tapeten treffen, oder warten müssen, bis ein neuer Transport angekommen wäre; daher ist es immer besser, einige Ellen Tapeten mehr zu nehmen, als man nöthig zu haben glaubt, als zu wenig, um so mehr, wenn man nicht bestimmt weiß, daß der Tapetenhändler noch hinreichenden Vorrath von der gewählten Sorte hat. Beim Ausmessen der Zimmer muß man daher sehr sorgsam zu Werke gehen, und selbst wenn man richtig gemessen zu haben glaubt, welches Routine und Erfahrung giebt, so muß man doch lieber eine Rolle mehr nehmen, als zu wenig; denn was man übrig behält, dient späterhin zum Ausbessern der Flecken oder schadhaft gewordenen Stellen. Auch selbst bei dem Nachliefern der Tapeten, wenn nämlich das Muster vergriffen ist, läßt sich nicht immer auf dieselbe Grundfarbe rechnen bei gleichem Muster, weil der Anstrich und das Bedrucken der Tapeten von vielen Nebenumständen abhängt; denn Erstens lassen sich gemischte Farben nicht gut nachmachen, da sie immer wieder anders in der Farbe ausfallen, und dann hat auch die Witterung wegen des Trocknens darauf Einfluß, so daß selbst dadurch die Farbe verändert wird; auch kann jeder Fehler, den man beim Tapezieren begeht, sogleich wieder gut gemacht werden; auch erfordert es oft die Zeichnung, das Dessin der Tapete, daß eine Bahn um 6 bis 9 Zoll versetzt werden muß. Derjenige, der es versteht, die Quadratfläche der Wände auszumessen, bedarf darüber keiner Vorschrift; denn da jede Rolle Tapeten 40 Rheinländische Quadratfuß enthält, so kann man, wenn man <180, 140> den Quadratinhalt der Wände kennt, leicht berechnen, wie vieler Rollen Tapeten man bedarf. Wer aber in einer solchen Berechnung sich nicht geübt genug glaubt, dem dient folgendes mechanische Verfahren, um die Menge der nöthigen Tapetenrollen kennen zu lernen. Man wähle zuerst die Bordüren, und mache dann ein Zeichen an die Wand, wie weit die Bordüren oben und unten reichen; dann nehme man das Maaß des Zwischenraumes, der für die Länge der Tapeten bestimmt ist, und messe eine Tapetenrolle, wie viele solcher Bahnen sie enthält; dann mißt man die Breite der Tapete, und mißt mit diesem Maaßstabe die Wand aus, wie viele Bahnen an derselben nöthig sind. Hat man ein Zimmer zu tapeziren, welches so hoch ist, daß eine Rolle 4 1/2 Bahn giebt; hat man ferner gefunden, daß man im Zimmer rings herum 20 ganze Bahnen, und noch 6 halbe unter die Fenster und über die Thüren bedarf, so würden zu einem solchen Raume 23 ganze Bahnen oder ungefähr 5 1/9 Rolle erforderlich seyn. Das Ausmessen der Bordüren ist mit noch weniger Kunst verbunden. Man mißt mit der Elle den Umfang des Zimmers aus, giebt noch 1 -- 2 Ellen zu, für den Fall, daß etwas schadhaft werde, und verlangt nun in der Tapetenhandlung so viele Ellen Bordüren, wie man bedarf, da dieselben ellenweise verkauft werden. Nach der Wahl und dem Quantum der Tapeten, erfolgt das Beschneiden derselben. Dieses geschieht an der linken Seite bis dicht an das Dessin, weil das Tapezieren am leichtesten von der linken zur rechten Seite geschieht. Man hält nämlich die Rolle so vor sich hin, daß der Druck nach oben ist, und beschneidet dann die Tapete an der linken Seite ganz knapp bis dicht an das Dessin, wie schon erwähnt worden. An der rechten Seite schneidet man entweder gar nichts von der Tapete ab, oder doch nur so viel, daß noch drei Linien breit stehen bleiben. Hierauf schneidet man erst eine Bahn ab, ehe man aber die zweite <180, 141> Bahn abschneidet, hat man zu beobachten, ob der Abschnitt oder dessen Dessin auch gerade an das Dessin der ersten Bahn paßt, und so muß man stets mit dem gehörigen Anfange im Dessin bei jeder Bahn beginnen; außerdem verschneidet man alle Bahnen. Durch die Anwendung einer besonders aufzusetzendenden sogenannten Goldleiste, oder indem man die Bordüren etwas breiter wählt, kann man sich in solchen Fällen helfen, wo große Dessins stets einen bestimmten Anfang erfordern, und deshalb viel abgeschnitten werden müßte. Das Beschneiden der Bordüren muß mit der nöthigen Vorsicht geschehen, so daß man Alles, was zur Sache gehört, an ihnen läßt, z. B. den Schlagschatten, die untern Gehänge etc., daß man ferner den Raum über der Kron= oder obern Leiste dicht am Drucke abschneidet, und wenn dieses der Länge nach geschehen ist, so zerschneidet man die Bordüren noch in Stücke von 2 -- 3 Ellen Länge, damit man sie leichter und besser aufkleben kann. Man beobachtet aber dabei, daß man sie an solchen Stellen zerschneidet, wo sie am leichtesten wieder zusammengesetzt werden können. Man hat auch bei den Tapeten, ehe man sie beschneidet, zu untersuchen, welcher Theil nach oben, und welcher dagegen nach unten kommt. Bei vielen schlechten Tapeten, auch wohl bisweilen bei feinen, ist das Dessin solchergestalt, daß es völlig einerlei ist, welchen Theil der Tapete man nach unten, und welchen nach oben nimmt; bei den meisten Tapeten findet aber ein Unterschied Statt, der oft mehr, oft weniger in die Augen fällt. Man suche daher in zweifelhaften Fällen zu ergründen, was für einen Gegenstand das Dessin darstellt; denn es beleidiget den guten Geschmack, und bleibt dem Bewohner des Zimmers stets ärgerlich, wenn seine Tapete verkehrt aufgezogen ist. Man kann sich selbst in dieser Hinsicht nicht immer auf einen Tapezirer von Fach verlassen, und nicht selten wird man sehen, daß sogar Draperien, Kreuzgehänge, Trauben= und <180, 142> Blätterwerk verkehrt stehen, ja selbst obere Bordüren unten, und so umgekehrt angebracht sind. Ist man in einer Ungewißheit, in der man es nicht wagt, sich auf sein eigenes Urtheil zu verlassen, so werden die Tapetenhändler noch am ersten Auskunft geben können, da man von ihnen, die beständig mit Tapeten umgehen, wohl Kenntniß derselben, verbunden mit Geschmack, erwarten darf. Bisweilen kann man sich auch dadurch helfen, daß man eine Bahn der Tapete zur Probe in verschiedenen Richtungen an die Wand halten läßt, und sie dann aus verschiedenen Entfernungen betrachtet. -- Beim Aufkleben der Tapeten muß die größte Genauigkeit Statt finden, alle Bahnen müssen völlig senkrecht an den Wänden stehen, ihre Dessins und die Bordüren dagegen wagerecht einander entsprechen. Die erste Arbeit ist daher das Abschnüren der Wände, das heißt, man macht mit der Schnur auf die allgemein bekannte Weise oben und unten an den Wänden wagerechte Linien, welche anzeigen, wie weit die Bordüren oben und unten reichen. Dann legt man fünf Bahnen Tapeten, welche etwas länger geschnitten sind, als der Zwischenraum zwischen den Bordüren, verkehrt auf einen Tisch von hinlänglicher Größe, eine Bahn auf die andere, und giebt ihnen eine Unterlage von reinem Makulaturpapier. Dann bestreicht man die oberste Bahn mittelst einer Bürste oder eines Schwammes mit Kleister, und solches möglichst gleichmäßig, wobei man zu beobachten hat, daß man nicht zu oft über die bereits nassen Stellen fahre, auch den Seiten gehörig Kleister gebe, aber nicht zu viel, so daß sich der Kleister beim Aufkleben der Tapeten nicht an den Seiten herausdrücke, und die nächsten Bahnen beschmutze. Man läßt nun den Kleister etwas anziehen, und die Tapete durchweichen, weil sie sich dann viel genauer mit der Wand verbindet. Je dünner und feiner das Papier der Tapete ist, desto weniger Zeit ist erforderlich, um den Kleister anziehen zu lassen, desto <180, 143> leichter geht das Tapezieren, und desto fester verbinden sich die Tapeten mit der Wand. Man hebt dann die oberste Bahn ganz leicht auf, indem man sie bei ihrem obern Ende ergreift, und legt sie leicht an die Wand, so daß sie oben und unten ein wenig über den Strich hinausreicht, welcher die Grenze der Bordüren angiebt. Um nun zu sehen, ob die Tapete völlig senkrecht an die Wand gelegt ist, läßt man entweder neben derselben ein Senkbley herabhängen, oder man sticht über ihr eine Ahle in die Wand, an welcher ein Senkbley befestiget ist. Hiernach richtet man die erst leicht angelegte Bahn; denn wenn nicht das ganze Zimmer verpfuscht werden soll, so ist durchaus nöthig, daß besonders die erste Bahn ganz gerade herunterhängend aufgeklebt werde; man soll aber wohlthun, auch bei jeder folgenden, wenigstens bei jeder dritten Bahn, das Senkbley anzuhalten. Hängt nun die Tapete vollkommen senkrecht, so bringt man es durch Lüften und Ziehen an den Seiten, so wie durch leichtes Streichen von der Mitte aus nach beiden Seiten dahin, daß dieselbe durchaus keine Falten zeigt, worauf man sie fest an die Wand drückt. Man bedient sich dabei gewöhnlich eines Bausches oder eines zusammengelegten Tuches, womit man die Tapete glatt streicht, und vollends fest klopft. Durch dieses Verfahren werden aber oft Farben auf der vom Kleister feucht gewordenen Tapete verwischt, und besonders die Saft= und Lasurfarben, welche etwa auf der Tapete sind, leiden, indem sie Fasern von dem Tuche annehmen. Besser ist also die Methode, bei der man einen großen und langen Bogen reines Papier zur Hand nimmt, welches man von oben herab über die ganze Breite der Tapetenbahn legt, wobei man abwechselnd mit beiden Händen von der Mitte aus nach außen streicht, wodurch alle Luftblasen zwischen der Wand und dem Papiere verschwinden, und die Tapete allenthalben fest angedrückt wird, ohne daß sie dabei beschmutzt werden könnte. Man <180, 144> fährt mit dieser Behandlung abwärts über die ganze Bahn fort, was sehr schnell geht, ohne daß die Farben oder sonst das Ansehen der Tapete dabei leidet. -- Wenn die Tapeten von sehr starkem und festem Papiere, welches nicht leicht durchweicht, sind, so entstehen bisweilen Falten, die größer oder kleiner seyn können. Sind die Falten groß, so lüftet man die ganze Tapetenbahn bis dahin, wo die große Falte ist, zieht sie dann an, so daß sie sich allenthalben gleichmäßiger ausdehne, und legt sie von Neuem auf die Wand an. Sind die entstandenen Falten nur klein, so hat man gewöhnlich weniger Umstände nöthig, und sie verschwinden meist schon dadurch, daß man mit zwei Fingern von innen heraus die Nähte stark von einander streicht. Auch Blasen dürfen die Tapeten nicht behalten, weil sie verhüten, daß die Tapeten allenthalben fest auf der Wand kleben, und eine Tapete, welche erst an einer Stelle los ist, sich leicht noch weiter ablöset. Einzelne kleine Blasen vergehen zwar beim Trocknen, wenn sich die Tapete stärker anspannt, ohne einigen Nachtheil zu hinterlassen; dagegen müssen größere Blasen mit einer Nadel aufgestochen werden, das heißt, man sticht mit einer Nadel ein kleines Loch in die Blase, und läßt die Luft heraus, wenn man es nicht vorziehen sollte, die Tapete noch einmal aufzuheben, und so die Luft herauszulassen. -- Den Anfang des Tapezierens macht man an einer Stelle, wo der Absatz der letzten Bahn am wenigsten bemerkt wird, also nie in der Mitte des Zimmers, sondern in einer Ecke, oder noch besser rechts vom Ofen. Kommen über die Thür oder unter die Fenster eigends dazu gefertigte Stücke, so kann man auch den Anfang des Tapezierens rechts von einer Thür, oder rechts von den Fenstern aus machen. In den meisten Zimmern soll es zweckmäßig seyn, den Anfang des Tapezierens rechts vom Ofen zu machen, worauf man mit dem Tapezieren immer rechts herum fortfährt, Bahn an Bahn anlegend, bis man zur linken <180, 145> Seite des Ofens seine Arbeit wieder beendet. Man kann daher auch die erste Bahn im Winkel eines Thür= oder Fenstergesimses aufziehen, und dann so fortfahren bis zum ersten folgenden Gesims, wo es manchmal nothwendig wird, die Bahn ihrer Länge nach zu zerschneiden, und genau den Winkel des Simswerkes zu erreichen. Bei jeder Bahn, welche man aufzieht, wird immer die folgende mit schwachem Uebergriffe neben die andere gelegt, und so genau, daß das Muster gut paßt, und man kaum die Anfügung gewahrt, deshalb muß auch der Uebergriff der Bahn so eingerichtet seyn, daß die dadurch entstehenden Nähte nicht dem einfallenden Lichte zunächst, sondern von demselben abwärts liegen, damit der Schatten diese Naht noch verdecke, und sie nicht durch das einfallende Licht noch sichtbarer werde; denn hierdurch verschwinden die Nähte mehr dem nicht so sorgsam spähenden Auge. Wenn man auf diese Weise alle ganzen Bahnen aufgezogen hat, so tapeziert man auch die Theile über den Fenstern und Thüren mit den übrig bleibenden Abschnitten. Die großgemusterten Tapeten verlangen eine besondere Aufmerksamkeit, damit die Muster über den Thüren und über den Fenstern keine Unterbrechung erfahren. Wenn man z. B. mit einer Bahn genau bis zum Thürsimswerke reicht, und der Theil über dieser Thür 2 1/2 Bahn erfordert, so muß man an der andern Seite des Thürsimswerkes eine in der Längerichtung mitten auseinander geschnittene Bahn aufziehen, damit dieses mit der halben Bahn über der Thür genau akkordirt. Sollte man bei der Benutzung des Ueberrestes der Tapete die andere Hälfte der zerschnittenen Bahn nicht anbringen können, so gehört sie zu den Abfällen. Mit dem Aufkleben der Bordüren verfährt man eben so, wie mit den Bahnen. Wo man mit den Tapeten anfing, da fängt man auch mit den Bordüren an, die weit leichter aufzukleben sind, als die Tapeten, weil sie aus kleinen Stücken bestehen. Die Bor<180, 146>düren werden eben so, wie die Tapeten beschnitten; es giebt einige, die man ausschneiden muß, wie z. B. die Blumengewinde, die Fruchtzweige, die Kämme, die Franzen, die Blumenbouquette etc. -- Um gewisse Tapeten von einfarbigem Grunde, aber von sehr zarter Farbe, wie z. B. Tapeten von hellgrünem, rosenrothem, orangegelbem etc. Grunde aufzuziehen, muß man die Tapeten beim Aufziehen weder mit der Hand, noch mit einem linnenen Tuche andrücken, ohne zuvor die Tapete mit einem Bogen grauen Papiers zu bedecken; dann streicht man auf diesen Bogen hin und her, bis die Tapete gehörig ausgebreitet ist, wovon man sich überzeugen kann, indem man den Bogen grauen Papiers emporhebt. Die Glanz= und Sammettapeten müssen mit dickem Kleister, welcher mit Bier angemacht ist, angestrichen werden; denn wenn man dazu einen mit Wasser verdünnten Kleister nehmen würde, so würden sie nach einiger Zeit wieder losgehen. Die einfarbigen Glanztapeten machen nur dann einen guten Effekt, wenn sie auf weißen, reinlichen, ganz geraden und ganz ebenen Wänden aufgezogen sind. Alte Tapeten dürfen nicht darunter liegen; denn die Nähte vom Uebergriffe der Bahnen der Tapeten bilden Vorragungen, die sehr sichtbar werden, sobald die Glanztapete aufgezogen ist. Wenn die Wände alt und braun sind, jedoch gerade, so kann man Glanztapeten an denselben aufziehen, nachdem man sie gehörig abgekratzt, ein= oder zweimal mit Leim getränkt, ausgefüllt und mit Bimsstein abgeschliffen hat. Das graue Papier, welches man unter Glanztapeten aufzieht, muß ein sehr feines Korn haben, und immer nach Englischer Manier, das heißt, ohne Uebergriffe, aufgezogen werden. Wenn man Tapeten an Decken oder an horizontalen Theilen aufzieht, so muß man die Bahnen mit dickem Kleister gut überziehen, weil sie sich sonst ablösen, ehe sie trocken werden. In solchen Fällen soll man wohl thun, dem Kleister eine Auflösung von Aetzsublimat der Mäuse <180, 147> halber zuzusetzen, welche, wenn sie die Leinwand und die Tapeten solcher Decken benagen, hier häufig Löcher erzeugen, die man fast gar nicht wieder ausbessern kann. Die Marmor= und Granittapeten werden in horizontalen Bahnen von gleicher Höhe aufgezogen. Man schneidet die Bahnen dergestalt zu, daß sie bunte Steine bilden. Die Höhe des Zimmers bestimmt die Zahl der Bahnen. Man wählt eine solche Breite der Tapete, welche für eine gewisse Zahl ganz gleicher Bahnen den geringsten Abfall giebt. Die Steine werden so geordnet, wie es bei den Mauern aus Quadersteinen der Fall ist, nur sind sie weit länger. Die Tapeten, welche den Porphyr nachahmen, unrichtig Granittapeten genannt, die man unten an den Wänden, um die Friese zu bilden, anwendet, werden auch in horizontalen Bahnen aufgezogen. Man schneidet sie manchmal in der Längenrichtung auseinander, um keinen zu hohen Fries zu bekommen. Wenn man Blumengewinde oder andere schattirte Bordüren aufzieht, muß man darauf sehen, sie nicht gegen das Licht zu bringen, und nachsehen, wie sie an ihrem Platze beleuchtet werden, damit man die Lichtseite auf der Bordüre auch dem einfallenden Lichte zuwendet, und die Schattirung auf die andere Seite bringt. Es trifft sich häufig, daß die Lichter gegen die Tapeten hin, und der untere Schatten folglich gegen den Fries hin liegt, und der obere am Karnies oder an der Decke liegt. Bedingungen für den Arbeiter beim Tapezieren oder Aufziehen der Tapeten sind noch: daß man, wenn alle Tapetenbahnen geschnitten sind, sie auf einem Tische übereinander und dergestalt legt, daß die gemusterte Seite nach unten zu liegen komme. Hierauf wird die Rückseite der Bahn mit Kleister bestrichen und so zusammengeschlagen, daß die angestrichenen Theile die innern sind. Man darf nicht mehr Tapetenbahnen anstreichen, als man in einer halben Stunde aufziehen kann, sonst trocknet der Kleister in den angestrichenen <180, 148> Bahnen und sie sind verloren. Ferner muß der Arbeiter beim Aufziehen der Tapeten ganz reine Hände haben. Man ergreife mit beiden Händen diejenige Tapetenbahn, welche zuerst angepinselt worden, und ziehe sie auf, indem man oben anfängt, und den untern Theil der Bahn die gehörige Richtung giebt. Letztere verliert schon durch ihr eigenes Gewicht die Falten, und wird gut lothrecht hängen. Eine Hauptsache beim Aufziehen der Tapete ist, daß man dabei alle Zugluft, so auch alle starke Ofenwärme vermeide. Die Fenster dürfen also nie geöffnet werden, so lange die Tapeten noch nicht völlig trocken sind; denn eine Tapete, welche zu schnell trocknet, ob Zugluft, oder starke Wärme die Ursache davon ist, reißt auch bald, und vielleicht schon während des Trocknens wieder ab. Je langsamer das Trocknen vor sich geht, um so fester hält der Kleister. Wenn man also das Zimmer so lange, bis die Tapete trocken ist, verschlossen hält, so wird solche am schönsten und dauerhaftesten, wenn auch über dem Trocknen längere Zeit vergeht.

Das trockne Aufziehen der Tapeten oder das Aufziehen derselben mit sehr wenigem Kleister, ist ein den Franzosen nachgeahmtes Verfahren, und kann nur da angewendet werden, wo ein Zimmer schnell tapeziert werden soll, denn ein einziger Arbeiter kann bei dem trocknen Aufziehen der Tapeten bequem zwei Zimmer in einem Tage fertig tapezieren. Das Verfahren besteht darin, daß man die Tapeten, wenn sie beschnitten sind, und wie bei dem vorigen Verfahren auf dem Tische ausgebreitet liegen, auf der Rückseite mit einem großen nassen Schwamme überfährt und befeuchtet, jedoch nur wenig und so, daß sie keine glänzenden Stellen bekommen. Ehe sie noch trocknen können, bestreicht man sie etwa einen Finger breit an den vier Kanten mit gewöhnlichem Kleister, worauf man sie schnell an die Wand klebt, was bei einiger Uebung sehr schnell von Statten <180, 149> geht. Bei diesem trocknen Auflegen wird sehr wenig Kleister gebraucht, die Tapeten, welche durch das Anfeuchten ausgedehnt waren, ziehen sich beim Trocknen wieder zusammen, so daß sie sehr fest an der Wand liegen, ohne Falten oder Blasen zu zeigen. Das Trocknen selbst geht sehr schnell von Statten, und die Farben erhalten sich viel schöner, als bei allen andern Methoden. Die Nachtheile dieser Art zu tapezieren sind dagegen, daß den nur am Rande angeklebten Tapeten die bessere Dauer abgeht. Durch Stöße und Reibungen anstehender Möbel werden sie leicht zerrissen, von der Ofenhitze springen, und von feuchter Luft verstocken sie leicht. Auch können sich hinter diesen Tapeten leicht Wanzen und andere Insekten einnisten. -- Das Aufziehen der Tapeten mit untergelegtem Leinen ist sehr kostspielig, langweilig, und mit vielen Nachtheilen verbunden, daher es auch nur selten noch üblich ist. Man wendet es mit Vortheil nur dann an, wenn Bretterwände zu tapezieren sind, in welchem Falle man auch die Leinwand fest klebt, wodurch die Nachtheile dieser Art zu tapezieren gehoben werden. Wenn die Leinwand dagegen nicht auf der Wand befestiget ist, sondern nur auf untergelegten oder untergenagelten Leisten, wie beim Tapezieren nasser Wände, so treten alle Nachtheile hervor, welche das Tapezieren auf untergelegtem Leinen hat. In diesem Falle ist es besser, das Tapezieren auf Leinwand zu unterlassen, und wäre es nur, um den Mäusen, Wanzen und anderem Ungezieser keine Schlupfwinkel einzuräumen. Will man in gewöhnlichen Fällen, wo man keine andere Absicht hat, als einer schönen Tapete eine längere Dauer zu geben, auf untergelegtem Leinen tapezieren, so klebt man die Leinwand mit dem oben angeführten Mehlkleister auf die Wand. Nachdem sie trocken geworden ist, werden die rauhen Stellen und Knötchen in derselben mit Bimsstein abgeschliffen. Man überklebt sie darauf mit Makulatur, und zieht über diese <180, 150> die Tapete. In Zimmern, die viel gebraucht werden, kann man sich auch schmaler Leinwandstreifen bedienen, um die Tapeten mehr zu befestigen. Man nagelt diese Leinwandstreifen, welche eine Breite von 1 1/2 bis 2 Zoll haben können, unter dem Gesimse, an den Fensterbekleidungen, über den Fußleisten oder Lambris an, bestreicht sie dann mit dem oben beschriebenen Mehlkleister, damit sich die Ränder fester an die Wand legen, und überzieht sie mit dünnem Makulaturpapier. Wird nun die Tapete auf die Wand geklebt, so wird sie an den Seiten nicht so leicht abgehen, und daher länger festhalten. -- Wenn nun die Wände mit Makulatur überzogen und darauf die Tapeten gesetzt werden sollen, so geschieht dieses der bessern Haltbarkeit der Tapeten wegen, und solches auf Kalk, grober Leinwand und Holz, so wie auf allen Wänden, an denen die Tapeten nicht festhalten wollen, überflüssig ist es dagegen an allen guten Wänden, auf denen die Tapeten auch ohne diese Vorbereitung leicht festhalten. Um nun Kalkwände dauerhaft zu tapezieren, das heißt, daß die Tapeten auf die Dauer sitzen bleiben, und nicht durch die erste Einwirkung der Zugluft oder der Wärme abspringen sollen, so kann man solches auf verschiedene Weise verrichten. Bei noch nicht oft überstrichenen Kalkwänden, die also sehr neu und dabei glatt und eben sind, ist weiter nichts nöthig, als die Schärfe des Kalks zumildern, damit er nicht die schönen Farben feiner Tapeten angreift. Dieses geschieht mittelst eines Anstrichs von Alaunwasser. Man löset nämlich 1/4 Pfund Alaun in 6 Pfund heißen Wassers auf, und bestreicht damit, wenn die Auflösung noch heiß ist, die Wände. Ist der Anstrich trocken, so leimt man sie (die Wände) mit Leimwasser, wie oben, Pfeil-IconS. 136, gezeigt worden; hierauf klebt man nun die Tapeten. Sind die Kalkwände bereits alt, aber noch fest, und in allem Uebrigen den neuen Kalkwänden gleich, so verfährt man eben so, wie <180, 151> oben gezeigt worden. -- Nach einer andern Anweisung auf Kalkwände dauerhaft zu tapezieren, geschieht solches auf folgende Weise. Man nimmt einige scharfe Sandsteinplättchen, die groß genug sind, um sie bequem mit der Hand fassen zu können, reibt damit die hervorstehenden Unebenheiten der Wand glatt ab, und bestreicht diese, wenn man sich nur der geringeren Tapeten, als grauer, brauner, nankingfarbener, kameelfarbener etc., bedienen will, mit frischem Ochsenblute. Dieses läßt man trocknen, bis die Wand nicht mehr abfärbt; dann klebt man die Tapete auf, bedient sich aber dazu eines guten Kleisters, der auf folgende Weise bereitet wird. Drei Pfund Stärke werden mit so vielem Wasser, als nöthig ist, zu einem gleichmäßigen dicken Brei eingerührt, in welchem keine Klöße bleiben dürfen. Man fügt Leimwasser hinzu, welches man vorher bereitete, indem man 5 Pfund Leim in 25 Pfund kaltem Wasser eine Stunde einweicht, dann in einem Topfe oder Kessel an das Feuer setzt, und unter beständigem Umrühren kocht. Die Unreinigkeiten des Leimes entfernt man durch Abgießen des Wasser durch ein Sieb, worauf man es erkalten läßt, dann unter den Stärkebrey rührt, und mit diesem zusammen nochmals auf das Feuer bringt. Man läßt die Mischung kochen und rührt sie dabei fortwährend um. Man nimmt auch diesen Kleister nicht sogleich vom Feuer, wenn er dick geworden ist, sondern man kocht ihn bis er klar und durchsichtig ist; denn das anhaltende Sieden ist bei der Verfertigung des Kleisters erforderlich, weil dadurch eine neue Verbindung mit dem Wasser hervorgeht, und das Stärkemehl in eine Art Gummiwasser verwandelt wird. Ein zu wenig gekochter Kleister durchnäßt selbst das dickste Papier und verdirbt auch sehr leicht die besten Farben. Dem gut gekochten Kleister setzt man darauf noch 1/2 bis 3/4 Pfund dicken Terpentin zu, worauf man Alles über dem Feuer gut untereinander rührt. Auf eine solche Kalkwand zieht <180, 152> man nun, wenn man feine und schönfarbige Tapeten zu den Zimmern gewählt hat, Makulatur auf. Dieses Verfahren ist nur leicht, da das dünne Druckpapier von dem Kleister so ganz durchdrungen wird, daß es mit der Wand bald eine feste zusammenhängende Masse bildet. Man bestreicht die Makulaturbogen mit einem guten Kleister, und befestiget sie recht glatt auf die Wände. Die Bogen legt man aber da, wo sie angesetzt werden, nicht mit den Rändern übereinander, sondern nur dicht aneinander, welches Verfahren aus zwei Gründen nöthig ist; denn 1) bekommt die später aufzulegende Tapete leicht an den Stellen, wo die Makulaturbogen über einander liegen, Unebenheiten, und 2) ziehen sich auch die mit den Rändern über einander geklebten Bogen, wenn sie trocknen, leicht gegenseitig ab, was stets verhütet wird, wenn die Bogen nur aneinander liegen, und keiner mit dem andern verbunden ist. Wenn diese Makulatur=Unterlage gehörig getrocknet ist, so werden die Tapeten angeklebt. -- Bei einer alten Kalkwand, die sich dem öfteren Uebertünchen dadurch entzieht, daß dasselbe abschiefert, muß man den Kalk abkratzen, und die Wand mit dem schon oben, Pfeil-IconS. 135, erwähnten Haarzeuge überziehen lassen, worauf dann mit dem Aufkleben der Tapeten eben so verfahren wird, wie daselbst angegeben worden. Will man dieses aber nicht thun, so muß man alles Schiefrige, was durch das öftere Weißen oder Anstreichen entstanden ist, mit der Mauerkelle oder einem Schabeisen gut abkratzen, da sonst die Tapete jenen blättrigen Kalk beim Zusammentrocknen von der Wand abziehen, und endlich mit ihm zugleich herabfallen würden. Ist nun die Wand von allen Schiefern befreiet, so wird sie mit einem Sandsteine geglättet; auch kann man die Wand dann mit einem Gypsbrey ausglätten, den man auf folgende Weise bereitet: 1 Pfd. Tischlerleim wird in 12 Pfd. kaltem Wasser drei Stunden eingeweicht; dann über dem Feuer aufgelöset, diese Auflö<180, 153>sung mit gemahlenem Gyps zu einem Brey eingerührt, und dann schnell verarbeitet. Man darf von dieser Masse nie zu viel bereiten, da sie schnell trocknet, und dann nicht wieder aufzulösen ist. Eine mit Gypsbrey geglättete Wand (welches Verfahren man auch in solchen Fällen anwendet, wo große Schäden und Lücken der Wände auszugleichen sind) bestreicht man nach dem Trocknen mit Leimwasser, welches man auf eine noch kräftigere Art bereitet, wie solches schon oben angeführt worden. Man weiche nämlich 8 Loth Tischlerleim in 7 Pfund Wasser drei Stunden lang ein, löse es dann über dem Feuer auf, thue 4 Loth Farinzucker und 4 Loth Alaun, der vorher in 16 Loth kochendem Wasser aufgelöset worden, hinzu, und mache es unter beständigem Rühren kochend heiß, worauf man noch 6 Loth dicken Terpentin unter die Masse setzt; dann Alles durch Kochen und Rühren vereiniget, und heiß zum Anstreichen der Wand verwendet. Im Uebrigen verfährt man mit dem Aufkleben der Tapeten ganz so, wie oben beschrieben worden ist. Sind die Kalkwände besonders hartnäckig, so kann man durch folgendes zusammengesetztes Verfahren es stets bewirken, daß die Tapeten auf ewige Zeiten ankleben. Die Kalkwand wird zuerst glatt gerieben, dann mit dem oben angeführten Leimwasser heiß bestrichen, nach dem Trocknen desselben mit frischem Rindsblute überstrichen, und wenn auch dieses getrocknet ist, weiches Makulatur darauf geklebt. Legt man nun die Tapete noch mit einem guten Tapetenkleister auf, so werden sie gewiß nicht wieder losgehen. -- Das Ueberziehen der Bretterwände und Bretterverschläge mit Tapeten ist nicht schwer, da die Tapeten gut auf Holz haften; allein es tritt dabei der Umstand ein, daß bei dem Zusammentrocknen der Bretter die Tapeten leicht zerreißen. Die Bretter sind zu empfindlich gegen die Einflüsse der Nässe und Trockenheit; denn durch die Nässe dehnen sie sich aus, und durch die Trockenheit zie<180, 154>hen sie sich wieder zusammen, daher kann man die Fugen der Bretterwände nie völlig dicht erhalten; auch verwerfen sich die Bretter oft, und bilden Spalten und Ritzen, und in beiden Fällen müssen die Tapeten Risse bekommen. Um nun dieses Zerreißen der Tapeten zu verhüten, überzieht man die Wand erst mit Leinwand, die man festnagelt, und bestreicht sie dann stark mit gutem Kleister, damit sie sich allenthalben fest an die Bretter anschließt; sind dagegen die Bretter zu wenig ausgetrocknet, so daß sie sich stark zusammenziehen, und sich breite Fugen öffnen, so hilft auch die Leinwand nicht, sie zerreißt zuletzt, wie die Tapeten. Wenn man dieses bei den Brettern befürchtet, so thut man besser, die Leinwand gar nicht aufzukleben, sondern nur in der Mitte eines jeden Brettes herab, von oben nach unten, mit einigen Nägeln zu befestigen. Dann überzieht man die Leinwand erst mit Makulatur, und legt auf diese die Tapeten. Einige Schriftsteller rathen hier an, statt der Leinwand starkes Löschpapier auf die Fugen der Bretter zu kleben, um so an Kosten zu ersparen; allein dieses ist nicht gut, da das Fließpapier eben so bald zerreißen wird, wie die Tapete selbst, und also gar nicht schützt. Bei sehr alten Bretterwänden, oder wenn sie von einem guten ausgetrockneten Holze sind, so daß man überzeugt seyn kann, sie werden sich nicht mehr zusammenziehen oder verwerfen, hat das Tapezieren gar keine Schwierigkeiten; man braucht solche Bretter nicht einmal erst abzuhobeln, sondern bloß abzubürsten oder abzuwaschen, und dann entweder gleich unmittelbar die Tapeten darauf zu kleben, oder ihnen erst eine Unterlage von Löschpapier oder Makulatur zu geben. -- Beim Ueberziehen der alten Tapeten mit neuen hat man dann wenig zu beobachten, wenn die alten Tapeten so fest anliegen, daß sie sich nirgends von der Wand ablösen und ablösen lassen, ist aber dieses der Fall, so erfordert es schon andere Vorkehrungen, um die neuen aufzuziehen. <180, 155> Bei einer alten Tapete, die fest auf der Wand sitzt, darf man nur die neue aufkleben, wie es oben, Pfeil-IconS. 142, angeführt worden ist. Doch muß man erst die alte Tapete genau revidiren, um die Falten und Unebenheiten die sie haben sollte, vorher mit Sandstein abzureiben, und so auch, wenn sie velutirt seyn sollte, muß vorher ihre Wolle erst mit einer scharfen Bürste gut abgebürstet werden, damit die neue Tapete keine Unebenheiten bekomme; auch würde der Kleister auf den velutirten Stellen der alten Tapete nicht haften. Wenn die alte Tapete nur theilweise lose geworden ist, so darf man sie nur so weit abreißen, als sie sich leicht von der Wand trennt, und dann die entblößten Stellen der Wand zum neuen Tapeziren vorbereiten, das heißt, man überklebt sie mit Makulatur so weit, als die alte Tapete abgerissen worden, so daß die Unterlage wieder ganz eben ist, um die neue Tapete gleichförmig darüber zu ziehen. Durch das Ueberziehen einer alten Tapete mit einer neuen wird das Zimmer wärmer, und die neue Tapete ist durch die Unterlage der alten besser gegen Beschädigungen geschützt, welche sie durch Stöße empfangen kann, weil es nicht so leicht möglich ist, Eindrücke in die Wand zu machen. Wenn die alte Tapete nicht fest sitzen sollte, so muß man sie abreißen, und die ganze Wand mit Makulatur bekleben, das heißt, bei feinen Tapeten, welches auf folgende Weise geschieht. Man nimmt graues Packpapier, schlägt ein Buch dieses Papiers auf, und legt es auf den Tisch; dann nimmt man mit dem Kleisterpinsel Kleister aus dem Eymer, breitet ihn gleichmäßig auf jeden Bogen Papier aus, und schlägt denselben so zusammen, daß der Kleister die innere Seite einnimmt. Man legt dann die überstrichenen Bogen übereinander auf eine Leitersprosse oder auf eine Ecke des Arbeitstisches. Nachdem ein ganzes Buch Papier auf diese Weise überstrichen ist, nimmt man den Bogen, mit welchem der Anfang gemacht wurde, und zieht ihn zuerst auf die <180, 156> Wand oder auf Leinwand, dann die folgenden, so daß immer der nächste einen Zoll über den vorhergehenden übergreift. Die größte Dimension der Bogen nimmt die horizontale Richtung ein. Sobald ein Buch Papier auf die beschriebene Weise aufgezogen ist, so überzieht man ein zweites mit Kleister auf dieselbe angeführte Weise. Die Theile, welche das Simswerk der Thüren umgeben, so wie das Brustgetäfel, werden je nach dem Bedürfnisse mit Stücken Papier überzogen, die man besonders zuschneiden muß. Wenn die Wände beinahe gänzlich überzogen sind, so muß man darauf Rücksicht nehmen, daß man nicht mehr Papier überstreicht, als man zur Vollendung braucht; denn angestrichenes Papier, was man nicht augenblicklich verbraucht, kann späterhin nicht benutzt werden, und geht also verloren. Je kostbarer die Tapeten sind, um so feiner wählt man die Unterlage, wenn sie besonders sehr zarte Farben haben, nimmt man Conzept= oder sehr weißes Schreibpapier. Wenn die Oberfläche recht eben seyn soll, so schleift man die Nähte mit einem Stücke Bimsstein ab, welche durch den Uebergriff des grauen Packpapiers oder des Conzeptpapiers entstanden sind. Man kann auch diese Nähte vermeiden, wenn man die Papierbogen ohne Uebergriff neben einander aufzieht, welches beim Tapezierer unter dem Namen des Englischen Verfahrens bekannt ist. Die Fächer, der Boden, und die Seiten der Wandschränke werden oft mit blauem Papiere ausgefüttert, und wenn die innern Seiten der Thüren dieser Schränke nicht angestrichen sind, so überzieht man sie gewöhnlich mit demselben Papiere. Das Aufziehen dieses Papiers geschieht ziemlich auf dieselbe Weise, wie beim grauen Papiere beschrieben worden; es erfordert Sorgfalt und Reinlichkeit von Seiten des Arbeiters, der auch zugleich darauf zu sehen hat, daß er nur die kleinmöglichste Quantität Papier verbraucht, indem er es theils nicht zu weit übergreifen läßt, theils auch das <180, 157> Papier so zuschneidet, daß er den wenigsten Verlust dabei hat. Die Zinkstreifen, welche auf die Ränder der Schränke genagelt werden, um die Anschläge und die Fugen der Thüre zu verbergen, werden so angewendet, daß die Hälfte ihrer Breite auf die Thür zu liegen kommt, und die andere Hälfte übergreift, um die Anschläge zu verbergen. Die Nägel werden in gewissen Zwischenräumen von einander eingeschlagen, und dürfen nicht zu lang seyn, damit sie das Holz am Rande der Thüren nicht zersplittern. Man überzieht auch die Wände, von denen die alten Tapeten abgezogen oder abgerissen sind, mit Leinwand. Hat man sich darüber entschieden, welche Theile mit Leinwand überzogen werden sollen, so nimmt man die Höhe und die Breite, und schneidet so viele Bahnen oder Blätter, als zur Bedeckung der Breite erforderlich sind. Man richtet sich hier nach der Beite der Leinwand, und mittelst zweier überwendlicher Nähte mit großen Stichen erhält man ein einziges Stück Leinwand von der Dimension des zu überziehendes Theiles. Um nun diese Leinwand auf die Wand aufzuziehen, muß man starke hölzerne Rahmen anbringen, auf welche man sie nageln kann. Diese Rahmen müssen sehr gut befestiget seyn, weil sie sonst von der Leinwand, wenn sich dieselbe spannt, von der Wand losgezogen werden. Die zusammengenähete Leinwand bringt man an Ort und Stelle, und zieht sie so auf, daß der Rücken der Nähte gegen die Wand zu liegen kommt, und nagelt sie mit Zwecken sowohl oben, als an der einen Seite an; die beiden andern Seiten werden so gespannt, daß keine Falten entstehen; stärker darf man sie aber nicht anspannen, da das graue Packpapier, was auf diese Leinwand aufgezogen wird, schon dazu beiträgt, sie nach dem Trocknen schärfer zu spannen; sie würde zerreißen, wenn man sie zu stark anspanute. Sobald die Leinwand gespannt, und mit Zwecken angenagelt ist, überstreiche man die Ränder derselben ganz stark <180, 158> mit Kleister, wodurch man die Fäden der Leinwand fest mit dem Holze des Rahmens verklebt. Ehe dieser Kleister trocken wird, klebt man auf die so angestrichenen Ränder der Leinwand Streifen grauen Packpapiers, indem man den Papierbogen nach seiner Längenrichtung in zwei Hälften theilt. Indem diese Papierstreifen trocknen, spannen sie die Leinwand, und befestigen sie vollkommen. Man läßt sie nun trocken werden, welches lange Zeit dauert, weil der Kleister in einer sehr dicken Schicht angewendet wird. Sobald diese Streifen grauen Packpapiers trocken sind, überzieht man die ganze Leinwand mit Papier, ohne selbst die bereits überzogenen Ränder davon auszunehmen. Wenn dieses Papier trocken wird, spannt es von Neuem die Leinwand, wozu auch zuletzt das Aufziehen der Papiertapeten wiederum beiträgt. An den Schrankthüren muß die Leinwand über die Scharniere gehen, um zu verhindern, daß das Papier breche. Auch die Balken der Decke verdeckt man mit Leinwand; man wählt aber dazu etwas stärkere und von dichterem Gewebe, als zu den Wänden und zum Holzwerke sich nöthig macht. Die alte Tapetenleinwand ist häufig erschlafft, und man kann sie nicht wieder mit Tapeten überziehen, ohne sie von Neuem zu spannen. Zur Erreichung dieses Zweckes nimmt man das Papier ab, welches zwei ihrer Seiten einfaßt, zieht die Leinwand stark an, schlägt sie auf sich selbst zusammen, und nagelt sie auf den Rahmen. Wenn die alte Leinwand in zu schlechtem Zustande ist, und man frische Bahnen annähen oder einen Theil derselben durch neue ersetzen muß, so nimmt man sie ganz vom Rahmen ab, befreit sie von ihren Tapeten etc., und nachdem man die nöthige Ausbesserung vorgenommen hat, spannt man sie wiederum aus, als ob man neue Leinwand aufzuziehen hätte. Die gelbe, graue und weiße Leinwand von dichtem Gewebe zu Dekorationen, und die Leinwand zu Gemälden wird beim Aufziehen gleich stark gespannt, <180, 159> weil man sie nicht an den Rändern mit Kleister überstreicht, und nicht mit grauem Packpapier und mit Papiertapeten überzieht, wodurch die Tapetenleinwand von lockerem Gewebe sehr angespannt wird. Man befeuchtet manchmal die letztern Leinwandsorten, ehe man sie aufspannt und aufnagelt, damit sie sich nach allen Richtungen ausdehnen; man nagelt sie dann mit starken Zwecken auf, und während sie trocken wird, zieht sie sich so zusammen, daß sie ganz vollkommen gespannt ist. Es ist zweckmäßig, die Leinwand mit einer Leiste zu umgeben, welche die Köpfe der Nägel verbirgt. Das Aufziehen der neuen Tapeten selbst auf Leinwand und Makulatur geschieht mit dem schon oben, Pfeil-IconS. 136, angeführten Kleister. -- Wenn die Wände mit Oelfarbe angestrichen sind, so haften die Tapeten gewöhnlich nicht gut darauf, eben so wenig, wenn sie rund um die Fenster herum, auf der mit Firniß angestrichenen Fensterbekleidung ansitzen sollen; sie springen ab, und solches Abspringen theilt sich auch den übrigen Tapeten mit, so daß oft ganze Stellen abspringen. Die Tapeten müssen daher hier einen guten Kleister haben, indem man den oben, Pfeil-IconS. 136, angeführten Mehlkleister mit Leimwasser und dicken Terpentin versetzt, das heißt, zu 5 Pfund in 25 Pfund Wasser aufgelöseten Leim setzt man 3 Pfund dicken Terpentin hinzu, läßt es noch einmal am Feuer aufsieden, und thut die Masse dann unter beständigem Umrühren in den Kleister. Während des Aufklebens der Tapeten erhält man den Kleister, im Winter auf einem warmen Ofen, im Sommer auf Kohlen, warm. Ein solcher Mehlkleister bindet unvergleichlich, und haftet selbst auf Oelfarben, alten Wachstuchtapeten etc. Auch ist Terpentin das beste Mittel, Tapeten auf Oelanstrichen haltbar zu machen. -- Das Tapezieren der feuchten oder nassen Wände ist am schwierigsten; denn der Kleister hält hier nicht, weil er nicht trocknet, wohl aber bald säuert und verdumpft, <180, 160> wodurch er alle bindenden Eigenschaften verliert; die Tapeten selbst verlieren ihre Farbe, bekommen schlechte Flecken, werden endlich stockig, zerreißen, und fallen in Stücken ab. Um nun dergleichen Wände zu tapezieren, giebt man folgende Anweisung. Man nehme schmale Leisten von etwa 3/4 Quadratzoll Breite und Dicke, nagele diese in Zwischenräumen von 1 -- 2 Fuß der Breite nach an die Wand, und ziehe nun über diese Leisten grobe Leinwand, welche man mit Nägeln auf den Leisten befestiget. Ueber die Leinwand klebt man darauf zuerst Löschpapier, dann die Tapeten. Auf diese Weise verhindert man zwar das Herabfallen der Tapeten, giebt ihnen auch eine längere Dauer, als sie sonst auf der feuchten Wand haben würden; aber das Verfahren ist zugleich kostspielig und doch nicht frei von Nachtheilen. Der erste der Nachtheile ist der, daß in dem leeren Raume zwischen den Tapeten und der Wand sehr bald Ungeziefer von allen Arten seinen Schlupfwinkel findet. Wenn Wanzen vorhanden sind, so vermehren sich diese in der feuchten dumpfigen Luft hinter den Tapeten sehr rasch, und erwachsen bald zu einer furchtbaren Plage des Hauses; auch alles andere Ungeziefer, welches sich an feuchten Orten aufhält, namentlich Skolopender und Asseln, vermehren sich, und nisten hinter den Tapeten. Hierzu gesellen sich oft auch Mäuse, welche bald Gänge zu graben verstehen, und mit bewundernswürdiger Fertigkeit hinter den Tapeten schnell auf= und abfahren. Dazu kommt noch, daß die Feuchtigkeit der Wände hinter diesen Tapeten wohl dem Blicke entzogen, aber nicht unterdrückt wird. Modrige Dünste sammeln sich hinter den Tapeten, dringen bald in das Zimmer, greifen endlich die Leinwand und die Tapeten selbst an, und lassen sie vermodern und verstocken. Die eben beschriebene Art feuchte Wände zu tapezieren, kann nicht empfohlen werden; nur dann ist ein dauerhaftes Tapezieren möglich, wenn man die Wände vorher trocken macht, und vom <180, 161> Schwamme oder Salpeterfraß befreit, welches auf verschiedene Weise geschieht. Liegt das Zimmer zu tief, so sind von außen angebrachte Abzugskanäle oft ein schnelles Mittel, die Feuchtigkeit der Wände zu entfernen. Auch kann man die Aussenseite der Mauer, so weit sie unter der Erde liegt, nachdem man sie zuvor bloß gegraben hat, mit einer dichten Schicht Thon bekleiden, welcher ebenfalls das Wasser und die Feuchtigkeit abhält. Oft sind es auch Bäume, Weinreben etc., welche durch ihre Beschattung die Wände feucht machen, und in solchen Fällen verlangt es nicht nur die Sorge für unsere Häuser, sondern auch die für unsere Gesundheit, daß man die grüne Bekleidung des Hauses, so theuer sie uns auch seyn mag, dennoch mit unerbitterlicher Hand entferne. In vielen Fällen ist aber die Art der zum Mauern verwendeten Steine oder selbst der Kalk die Ursache der Feuchtigkeit der Wände oder des Salpeterfraßes oder Mauerschwamms, dann sind durchgreifende Mittel nöthig. Das bloße Abkratzen der alten Tünche und Auftragen einer neuen hilft nicht immer, daher wird eher folgendes Verfahren helfen: Man kratze alle Berappung von der Mauer ab, so weit sie feucht und schadhaft ist; dann bepinsele man die Mauer zwei= bis dreimal mit Holzsäure, und lasse sie nach jedem Anstriche wieder trocknen; hierauf bestreiche man sie mit eingedicktem Steinkohlentheer, lasse auch diesen vollkommen einziehen und trocknen, und berappe dann die Wand mit einem Mörtel. -- Noch wirksamer ist folgendes Mittel, bei welchem auch der unangenehme Geruch des Steinkohlentheers hinwegfällt, das aber ungleich theuer ist. Um aber noch größere Kosten auf die Folge zu vermeiden, darf man sich hier durch unzeitige Sparsamkeit nicht verblenden lassen. Man bringe Essig, gleichviel von welcher Art, ob Obst=, Getreide= oder Weinessig in einem kupfernen Kessel zum Kochen, und löse darin nach und nach so viele Bleyglätte auf, wie sich nur immer darin <180, 162> auflösen will. Das Gemäuer muß zuvor, wie bei der oben gegebene Anweisung, von der alten Berappung befreit seyn, und wird dann mit Hülfe eines Pinsels etwa dreimal mit der angegebenen Auflösung bestrichen, doch wartet man mit Wiederholung des Anstrichs immer so lange, bis der vorige Ueberstrich völlig getrocknet ist. Man hat dabei nicht lange nöthig zu warten, da die Bleyglätte das schnelle Trocknen befördert. Hat der dritte Anstrich mit der Bleyglättenauflösung seine völlige Trockenheit erlangt, so bringt man Leinöl zum Sieden, und überzieht auch mit diesem dreimal siedend heiß die Wand, und läßt ihn dann trocknen. Hierauf wird die Wand mit neuem Mörtel überzogen, sie wird dann völlig trocken bleiben. Man klopfe oder kratze allen Lehm oder Kalk von innen und von außen, so weit die Stellen schadhaft sind, von der Mauer hinweg, nehme darauf warmes Wasser und wasche damit vier= bis fünfmal sorgfältig die Wand ab, um so alle salzigen Theile aus ihr zu entfernen. Wenn dann die Wand wieder trocken ist, so wird sie stark mit Oelfarbe angestrichen, wodurch man die Luft von ihr abhält, und also ein neuer Salpeterfraß so leicht nicht wieder entstehen kann. Man tüncht nun die Mauer von außen mit einem Kalkbewurf, glättet ihn, und bestreicht solchen, nachdem er getrocknet worden, wieder mehrere Male mit Oelfarbe; die innere Seite bewerfe man aber mit Haarzeug, wie oben, Pfeil-IconS. 135, gezeigt worden, bestreiche dann die Wände an der schadhaften Stelle noch einmal mit dünner Oelfarbe, und nachdem man sie mit Löschpapier überzogen, kann darauf ohne Nachtheil tapeziert werden. Wie man dabei wegen der Oelfarbe, auf welche tapeziert werden muß, zu verfahren habe, ist schon oben, Pfeil-IconS. 159, gezeigt worden. -- Oft ist es schon hinreichend die schadhafte Berappung abzukratzen, und die Wand, so weit sie feucht ist, mit einer neuen Berappung aus einem Theile gekochter und zerdrückter Kartoffeln, und einem Theile <180, 163> Lehm zu überziehen. Die früher feuchten Stellen werden dadurch trocken und die Tapeten halten auf dieser mit Kartoffeln vermischter Berappung sehr gut. Zuweilen hat man feuchte Wände schon dadurch trocken gemacht, daß man sie einmal mit heißem Oele überstreicht, und diesen Anstrich noch einmal wiederholt. -- Andere Vorschriften sind noch folgende. Zwei Unzen eichener Sägespäne setze man vier und zwanzig Stunden der Sonne aus; dann siedet man sie mit einem Quarte Leinöl, 2 Unzen Kolophonium und 1/2 Unze Vitriol eine halbe Stunde lang, setze dann noch 4 Unzen Terpentingeist hinzu, mische Alles gut durcheinander, und trage das Gemenge mit einem Pinsel auf die Wände. -- Man löse Kautschuk in Terpentinöl auf, oder noch besser in dem Oele, welches bei der Bereitung des Gaslichtes aus den dazu verwendeten Steinkohlen gewonnen wird. Mit dieser Auflösung bepinsele man die Wände so oft, bis sie mit einem zusammenhängenden Ueberzuge von Kautschuk versehen sind. Man nehme acht Theile Leinöl, vier Theile Bleyweiß, vier Theile Kantschuk, einen Theil Pech, einen Theil Gummilack, vier Theile Thran und vier Theile Silberglätte, vermische Alles wohl über dem Feuer mit einander, und bestreiche damit heiß die feuchten Wände, die man aber zuvor wohl getrocknet haben muß, welches man auch nöthigenfalls durch Einheitzen erzielen kann. Alle Wände, die durch das Bestreichen mit Oelen, Harzen etc. trocken gemacht sind, können immer nach der, oben, Pfeil-IconS. 159, angeführten Anweisung tapeziert werden. Folgende Anweisung dient vorzüglich zur Trocknung der Wände. Man befreie zuerst die nassen, feuchten oder mit Salpeter behafteten Wände von allem alten Bewurfe, wasche sie dann öfter mit warmen Wasser, in welches man mit der nöthigen Vorsicht vorher etwa 1 Prozent Vitriolöl oder Schwefelsäure getröpfelt hat, einige Male ab, zuletzt nochmals mit reinem Wasser. Hierauf muß man diese gereinigten Wände <180, 164> mit Cement oder hydraulischem Kalke, der jetzt überall und billig zu haben ist, bewerfen und glätten, sie noch zwei bis drei Tage durch stetes Besprengen feucht zu erhalten suchen, und dann erst trocken werden lassen. Dauert dieses durch nachdringende Feuchtigkeit aus einer zu nassen Wand oder Hintergrund ungewöhnlich lange, dann ist es nöthig durch Wärme von außen das Trocknen zu befördern. In den meisten Fällen ist dieses Mittel, das Naßwerden zu verhindern, ausreichend. Noch besser ist es, den folgenden Kitt anzuwenden: 3 Pfund Leinöl werden heiß gemacht; dann demselben 1/2 Pfund Wachs und 3 Pfund weißes Harz zugesetzt, und Alles gemengt; dieser Kitt wird nun so heiß gemacht, wie kochendes Wasser ist, und auf die gleichfalls gewärmte Wand heiß gestrichen. Nach vier bis fünf Tagen ist er trocken, und dann werden diese Wände mit dem oben angeführten Leimwasser angestrichen und tapeziert.

Die Oelfarbigen Papiertapeten, die man in den Wohnzimmern anbringt, sind sehr dauerhaft und von außerordentlicher Festigkeit, so daß man die Wände wieder abwaschen kann, wenn sich Schmutz an ihnen befindet; auch erleiden sie nicht so leicht durch Stoßen und Reiben Schaden. Sie dauern mehrere Menschenalter hindurch, sind zwar etwas mühsam und kostbar zu bereiten, kommen aber dennoch im Ganzen nicht sehr hoch zu stehen, wenn man die wiederholten Kosten in Anschlag bringt, welche das öftere Anstreichen der Wände mit Wasserfarbe, oder das öftere Tapezieren mit andern Tapeten verursacht. Um nun das Papier zu solchen Tapeten aufzukleben, verfährt man auf folgende Weise. Bei ganz neuen Wänden klebt man dasselbe sogleich auf den gleich gestrichenen, noch etwas fein mit Bimsstein abgeriebenen Lehm; hat man aber alte Wände, die mit Kalk überzogen gewesen sind, so muß dieser abgeschabt und die Wände mit Sandstein abgerieben werden, damit eine glatte Lehmmasse zum Vor<180, 165>schein kommt. Die so gereinigten Wände werden nun zwei= bis dreimal mit Leimwasser überstrichen, und wenn die Anstriche trocken sind, so klebt man vermittelst des Kleisters von Kartoffelmehl grobes Papier von jeglicher Art über die Wände, doch so, daß die Bogen nur an= und nicht übereinander gelegt werden. Wenn dieses geschehen ist, so nagelt man feine Streifen von grauer Leinwand um die Thür= und Fenstergesimse, an dem Fußboden und oben an den Kanten umher, damit das nachher aufzuklebende Papier sich nicht verziehen oder nachlassen kann. Diese Leinwandstreifen kann man auch mit feinen Leisten einfassen und so die Nägel bedecken lassen. Ist dieses geschehen, so nimmt man ein feines beschnittenes Papier von ansehnlichem Formate, bestreicht es mit Kartoffelkleister oder einem andern guten gewöhnlichen Kleister, und klebt es so egal, wie möglich, auf die Wände und Leinwandstreifen. Kann man es vermeiden, so muß kein Bogen auf dem andern an seinem Rande aufliegen, sondern sie müssen einzeln nur dicht an einander stehen. Man soll daher wohlthun, die aufzuklebenden Bogen in einem Haufen nach Lineal und Winkelmaaß zu beschneiden, so daß alle einander völlig gleich werden, da man durch das Beschneiden mit der Scheere eine so große Gleichheit nicht erreichen kann, und dadurch oft gezwungen wird, den einen Bogen etwas über den andern zu legen, damit zwischen beiden keine leeren Räume bleiben. Wenn die Wände trocken sind, so läßt man sie durch einen Maler mit Oelfarbe nach beliebiger Wahl zwei=auch dreimal anstreichen, und auch von Oelfarbe eine Kante darauf malen. Wer vorzüglich Glanz liebt, kann einen Bernstein= oder Kopallack über die Farbe setzen lassen, wodurch sie zugleich noch an Dauer gewinnt. Wenn die auf solche Weise angestrichenen Wände nach einiger Zeit schmutzig werden, so wäscht man sie mit Seifenwasser, mit Hülfe eines Schwammes in kurzer Zeit ohne sonderliche Mühe <180, 166> rein. Reibt oder streicht man sie dann mit Kien= oder Terpentinöl an, so bekommen sie völlig den Glanz der Neuheit, und dieses um so mehr, je sauberer sie abgewaschen und nachgespült werden. -- Ein mit Tapeten überzogenes Zimmer kann man auch auf folgende Weise dekoriren. Man läßt vom Tischler unten herum etwa eine handhohe Sockel= oder Fußleiste, und zwei Fuß darüber eine gekehlte Simsleiste im Zimmer herum führen, um damit den Lambris abzuschneiden; dann wird der Lambris=Zwischenraum entweder mit einer Fußbordüre überzogen oder von dem Maler mit Leimfarbe angestrichen. Diese Bordüre wird nun rundherum mit einem dunklen Striche von der Leiste abgesetzt, und Letztere selbst angestrichen, wie es verlangt wird. Thüren und Fenster werden abgetheilt. Die Stücke über der Thür werden entweder gemalt oder von Tapeten, die dazu gemacht sind, abgeschnitten und eingeklebt, so ist das Zimmer dekorirt. Will man die nun tapezirte Wand oben und unten, wo der Lambris anfängt, so wie Fenster und Thüren noch mit besonderen Bordüren einfassen, so kann man dieses thun; auch oben an der Decke, wo die Tapete aufhört, noch mit einem halbrunden Stab von Holz, der vergoldet werden kann und angenagelt wird, einfassen. Die Vorhänge der Fenster werden mit einem leichten Galleriekranze dekorirt, unter welchem die Vorhangsstange läuft. Man läßt nämlich vom Tischler eine etwa 2 Zoll hohe Gallerie nach einem beliebigen Dessin von Pappe ausschneiden, auf das Kranzbrett vorn und an beiden Seiten annageln, und entweder beziehen oder anstreichen; unter der Gallerie wird der etwa 1/4 Elle breite farbige Kranz, der sich immer nach der Tapete richtet, und von Taffet oder Tamis seyn kann, zugleich mit festgenagelt. Die Vorhänge werden an beiden Seiten mit weißen Quastenschnüren an die zu beiden Seiten eingeschraubten Englischen Vorhangsknöpfe aufgebunden. -- Was das Aufziehen der Zim<180, 167>mer mit Hautelissen= und Basselissentapeten betrifft, so ist dieses nur ganz einfach; denn die ganzen Tapeten bestehen aus einem Stücke, so groß, als die Wände sind. Der Tapezier hat hier weiter nichts zu thun, als die Tapete anzuschlagen, welches entweder auf die bloße Wand geschieht, nachdem man vorher Leinwand darunter befestiget hat, oder es geschieht auf einen Holzrahmen oder auf Leisten, die man von oben herum an der Wand befestiget, so daß die ganze Quadratfläche einer Wand mit diesen dünnen Leisten rund herum, wie ein Rahmen, umzogen ist, darauf werden nun die Tapeten mittelst der Nägel befestiget. Diese Nägel werden nun wieder mit dünnen gekehlten Silber= oder Goldleisten bedeckt, damit man sie nicht gewahrt. Auch bedient man sich der weiß= oder gelblackirten Leisten, je nachdem die Farbe der gewirkten Tapete ist; so nimmt man z. B. auf Carmoisin= und Scharlachroth Silber oder Weiß und lackirt, und auf Dunkel= oder Kornblumenblau, Parisergrün, Gold oder Gelb und lackirt. Die Leisten werden weiß mit Bleyweiß, Schieferweiß oder Kremnitzerweiß, mit gebleichtem Leinöl abgerieben, angestrichen, und gelb mit Chromgelb, Mineralgelb oder Auripigmentum mit demselben Oele. Man überstreicht sie dann mit einem hellen Kopalfirniß oder mit einem Dammaralack etc. Die Tapeten bestehen auch öfter aus Borten, die dann zusammengestickt, oder wie die Papiertapeten, zusammengeklebt werden müssen; bei Wachsleinwandtapeten werden die Borten mit Pinnenzusammengeheftet. Das Aufziehen der gewirkten Tapeten, wie es auch nun geschieht, ob sie auf die bloße Wand, oder auf Leisten gezogen werden, muß sehr eben geschehen, damit sich keine Falten setzen; es müssen daher mehrere Arbeiter damit beschäftiget werden, damit das Anziehen von allen Seiten einer Wand gleichmäßig geschehe, also die Spannung der Tapete eben wird. Deshalb muß man auch die Nägel, wo sie hinkommen sollen, vorzeichnen; denn mit der <180, 168> größten Genauigkeit muß das Aufziehen geschehen. Bei dem Aufziehen auf Rahmen oder Leisten muß die Wand darunter sehr fest seyn, das heißt, nirgends Löcher oder Spalten haben, besonders am Fußboden, damit keine Mäuse sich dazwischen schleichen und die Tapeten verderben können; auch muß die Wand trocken seyn. Hierauf muß man besonders sehen, wenn der Zweck eines schönen Tapetenaufziehens ganz erreicht werden soll. Mit den Thürstücken etc. macht man es wie bei den Papiertapeten. -- Das Tapezieren der Decken mit Papiertapeten, von dem schon oben, Pfeil-IconS. 146, Erwähnung geschehen, kommt auch vor, indessen geschieht dieses nicht so häufig, weil tapezierte Zimmer oft gemalte Decken besitzen; indessen tragen in tapezierten Zimmern auch die tapezierten Decken sehr viel zur Erwärmung des Zimmers bei, gewähren auch eine sehr hübsche Verzierung, und sind dauerhafter als geweißte und gemalte Decken, weil sie Schmutz und Staub nicht so leicht annehmen, und sich mehrere Jahre, selbst acht bis zehn Jahre, in Wohnzimmern gut erhalten, da sie einige Male durch bloßes Abreiben mit Brod wieder gereiniget und fast erneuert werden können. Beim Tapezieren der Decken beobachtet man alle Regeln, die oben schon gegeben worden sind. In Zimmern, bei denen es nicht auf Eleganz ankommt, wählt man gewöhnlich dunkle Tapeten, die aber kein langes Dessein haben, für bessere Zimmer hat man Tapeten, welche eigends für die Decken und Plafonds gedruckt sind. Man schnürt die Decke zuerst der Länge und Breite nach, auch kreuzweise ab, so wie man auch angiebt, wie weit die Bordüren reichen, damit man die Plafondstapeten, gehörig geordnet, hinauf bringt. Dann nimmt man das Maaß der Decke und zeichnet sie auf einen Fußboden, worauf man die Tapete zuschneidet, und nach der Ordnung auf diesen Umriß legt, welche das Dessein der Tapete erfordert, oder auch nach dem Plane, welchen man sich entworfen hat, und den <180, 169> man sich mit Kreide vorzeichnet. Verfährt man auf diese Art, so erspart man sich die Mühe des öftern Anpassens der Tapete an die Decke, so wie auch den Aerger, die Tapete falsch zugeschnitten und verschnitten zu haben. Man kann auch die Decken ohne Gerüste schnell tapezieren, wenn man es mit Hülfe eines Haarbesens thut, auf welchen man den Anfang der gekleisterten Tapete legt, während ein Gehülfe das andere Ende hält und leitet. Mit diesem Haarbesen kann man dann auch die Tapete gleich fest andrücken, und so die ganze Arbeit vollenden, ohne daß man selbst bis an die Decke zu reichen nöthig hat. In dem bürgerlichen Baumeister, herausgegeben von F. Chr. Schmidt (Gotha, 1794), Th. 2, S. 28, wird folgende Methode, Tapeten aufzuziehen, angegeben. Man befestige Rahmen von Holz an den Wänden, spanne auf diese grobes Tuch, und hierüber ziehe man die Papier=, Leinwand oder gewirkten Tapeten mit Kleister; oder man überziehe alle Wände mit gutem, mit Flachsscheben eingemengtem Lehme, und trage darauf wieder einen Ueberzug von nicht sehr dick mit Kuhhaaren vermischtem Kalke. Darauf lassen sich nicht nur die Tapeten leicht aufkleistern, sondern es halten auch die kleinen Tapetennägel darin sehr gut, ohne daß es so viel kostet, als die zuerst angeführte Methode. -- Das Reinigen der Papiertapeten. Obgleich die Papiertapeten sich in den Wohnzimmern lange gut erhalten, so bekommen sie doch in den Zimmern, wo Tabak geraucht wird, und dann auch im Winter durch den Dampf der Lichter, des Ofens, auch durch andere Dünste, die darauf einwirken, auch die Fliegen fleißig einsprechen, und sie beschmutzen, ein trüberes Ansehen. Den Staub kann man leicht mit einem weichen Borstwische, oder auch mit einem Flederwische, auch mit einem Staubwedel, entfernen, besonders wenn dieses alle Morgen beim Reinigen der Zimmer geschieht, da, wo Wohnungen sehr dem Staube ausgesetzt sind. Man <180, 170> darf dann nur die Tapeten mit dem Borstwische leicht abfegen. Den andern daran klebenden Schmutz muß man auf andere Weise entfernen, und hierzu giebt es kein besseres Mittel, als Brod, indem man mit demselben die Tapeten abreibt. Man nimmt nämlich, nachdem man die Tapeten zuvor mit einem Handbesen recht gut abgekehrt hat, ein weißes, nicht zu frisches, längliches Brod, einen sogenannten Weck, schneidet diesen der Länge nach in der Mitte auseinander, und reibt damit die Tapeten ab. Bei dem Abreiben muß man aber, um den Farben nicht zu schaden, einen bestimmten Strich beibehalten, und stets auf= und abwärts, nie aber seitwärts oder kreisförmig reiben. Wenn dann die Oberfläche des Brodes von dem von der Tapete abgeriebenen Schmutze ganz bedeckt und unscheinbar geworden ist, so schneidet man solche mit einem scharfen Messer dünn ab, worauf man den Rest des Brodes zum fernern Abreiben verwendet, bis die ganze Arbeit vollbracht ist. Dieses Abreiben mit Brod greift die Tapeten nicht sehr an, und sind solche mit guten Farben bedruckt, so kann man sie wohl zwei= bis dreimal auf solche Weise wieder neu machen. Oft reicht es auch hin, wenn man mit einem etwas angefeuchteten Tuche die beschmutzten Stellen sanft überfährt; man muß dann aber erst an einem Theile der Tapete, welcher am wenigsten in die Augen fällt, den Versuch machen, ob die Farben derselben auch diese Behandlung aushalten. -- Wollene oder sogenannte velutirte Tapeten und Bordüren können an den velutirten Stellen mit einer feuchten Bürste recht gut gereiniget werden, wenn man zuvor mit einer trocknen Bürste allen Staub aus ihnen herausgebürstet hat. Fürchtet man, daß die Farben angegriffen werden, so mischt man etwas Ochsengalle unter das Wasser, wodurch auch das Ausgehen bei den unächten Farben verhindert wird. -- Ein wohlfeiler Firniß zum Ueberziehen der Papiertapeten ist folgender: <180, 171> Man nehme 5 Pfund Dammaraharz, lasse es in 8 Quart Terpentinöl bei niedriger Hitze auflösen, und filtrire es dann in ein verzinntes Gefäß. Auf gleiche Weise bereitet man eine Auflösung von 2 1/2 Pfund Mastix in 4 Quart Terpentinöl, und von 5 Pfund auserlesenem weißen Weihrauch in 8 Quart Terpentinöl. Diese drei Flüssigkeiten heiß zusammen gemischt, geben den Firniß, den man durch Terpentinöl nöthigen Falls verdünnt. Man kann ihn sogleich gebrauchen; er wird aber durch das Alter noch besser. Tapeten, welche mit diesem Firnisse überzogen werden, halten sich nicht nur sehr lange, sondern lassen sich auch leicht mittelst eines Schwammes abwaschen. -- Um die Wanzen und andere Insekten mittelst der Tapeten aus den Wohnzimmern zu vertreiben, hat man nur nöthig, daß man in dem Wasser, welches man zur Bereitung des Kleisters nimmt, Wermuth oder Coloquinten abkocht, auch kann man Wermuth= oder Coloquinten=Extrakt unter den Kleister mischen. Man hegt den Glauben, daß die Tapeten die Wanzenkolonien begünstigen; allein dieses ist nicht der Fall, denn gerade sind die Tapeten Schutzmittel gegen die Wanzen, und besonders diejenigen Tapeten, welche fest auf der Wand anliegen. Wie bekannt, nisten die Wanzen in kleinen Ritzen, Löchern und Oeffnungen der Wand; hierin lebt ihre Brut, bis sie groß genug zum Auskriechen geworden ist, von den verschiedenartigen Ausdünstungen der Menschen. Werden nun diese Löcher in den Wänden auch durch Uebertünchen mit Kalk verschlossen, so bleiben dennoch viele Wanzen leben, und bahnen sich wieder ihren Ausweg, sobald der Kalkanstrich trocken geworden ist. Da, wo sich Wanzen aufhalten, sieht man daher in den geweißten oder gemalten Wänden, eine Menge kleiner runder Löcher, welche sich meist in mehreren Mündungen in die Wand hinein erstrecken; sie sind nur die Zugänge zu den Nestern der Wanzen; <180, 172> werden nun diese Löcher durch Tapeten, welche überall genau auf der Wand anliegen, geschlossen, so wird es den Wanzen unmöglich, sich wieder einen Ausweg zu bahnen, und sie müssen sammt ihrer Brut in ihren Schlupfwinkeln umkommen; sie könnten aber in manchen Fällen versuchen, sich hinter den Tapeten durch einen Gang bis an das Ende der Tapete zu bahnen. Auch dieses wird ihnen unmöglich gemacht, wenn man dem Kleister Alaun, Wermuth, Coloquinten oder andere ihnen widrige Stoffe zusetzt, weil sie dann nicht im Stande sind, den Kleister zu berühren; sie müssen also unfehlbar umkommen. Durch Tapeten können daher alle im Zimmer befindlichen Wanzen vertilgt werden, bis auf diejenigen, welche sich unter dem Fußboden aufhalten; auch diese werden verschwinden, wenn man in die Ritzen zwischen den Dielen öfters Abkochung von Sadelbaum, Coloquinten oder Wermuth, oder den aus frischen Gurken gepreßten Saft gießt. -- Damit die Ratten oder Mäuse den papiernen Tapeten nicht schaden, nehme man 1 Loth Arsenik, 2 Loth Rockenmehl, welches mit dem gemeinen Nachtschattenwasser vermischt und daraus ein Kleister gemacht wird. Diese Masse streicht man nun auf die unrechte Seite der Tapeten. Man will die Beobachtung gemacht haben, daß die Mäuse und Ratten nicht einmal diesen Kleister berühren, sich aber dennoch davon machen. Wegen der Gifte wollen Andere diesen Kleister nicht anrathen; denn bei dem Abreißen der Tapeten, wenn solche nichts mehr taugen, ist der Arsenikstaub, der sich von der Rückseite der Tapeten löset, der Gesundheit der Arbeiter schädlich, um so mehr, da sie, und auch oft der zeitige Eigenthümer, nicht wissen können, daß die Tapeten auf der Rückseite mit einem solchen Kleister bestrichen worden. Das beste Verwahrungsmittel sind hier feste Wände, und das feste Aufkleben der Tapeten auf die Wand.

<180, 173>

Was die Tapeten und das Tapezieren der Wände in Hinsicht des Rechtes in Beziehung auf das Lehen betrifft, und ob solche, nämlich die Tapeten, bei dem Lehen gelassen werden müssen, oder ob man sie davon trennen kann, findet man Folgendes in der Oeconomia forensis, Th. 4, S. 124, angeführt. Schon von Alters her ist es im Gebrauche, daß Alles, was Band=, Wand=, Niet= und Nagelfest ist, als ein Zubehör der Lehen anzusehen ist. Neuere Rechtslehrer stellen jedoch den Satz auf: daß hier eine Bestimmung zum immerwährenden Gebrauche hinzu kommen müsse, die man zwar daraus ableite, sich aber nicht hier fände, und deshalb wollen sie auch die angenagelten Tapeten dem Erbe und nicht dem Lehen zu erkennen. Dieses soll man jedoch nur als eine Meinung neuerer Rechtslehrer ansehen, weil die alten der allgemeinen Regel von dem Band=, Wand=, Niet= und Nagelfesten weit getreuer waren, und daher auch bei den Tapeten bloß auf den Unterschied sahen, ob sie angenagelt waren, oder nicht, und jene dem Lehen, diese aber dem Erbe zusprachen. Man macht hier den Einwand, daß die Tapeten mehr zur Zierde, als für nothwendige Stücke eines Hauses zu rechnen seyen, und will sie deshalb dem Erbe zusprechen. Hier werfen nun die Gegner auf oder ein: daß man dieses nicht so betrachten könne, weil ein Käufer, besonders wenn er mit dem Verkäufer von gleichem Stande sey, nicht allein auf das Nützliche und Nothwendige, sondern auch zugleich auf das seinem Stande gemäße Zierliche gesehen haben werde. Auch könne die immerwährende Bestimmung von dergleichen Tapeten zu dem auf dem verkauften Landgute gehörigen Wohnhause nicht dem geringsten Zweifel unterworfen seyn, weil sonst kein Gegenstand angegeben werden mag, wozu sie der Verkäufer außerdem gewidmet hätte. Auch sey es unrichtig, daß man Tapeten bloß als eine Zierde des Hauses betrachtet wissen wolle, da sie eben so nützlich seyen, und <180, 174> dem Besitzer, wenn sie sonst dauerhaft wären, in der nöthigen Ausbesserung und Ausweissung der bloßen Wände sehr Vieles ersparten. Wenn man ein Zwischenmittel annehmen wolle, so könne es dieses seyn: daß die aus bloßer gemalter Wachsleinwand, und aus schlechter und gewöhnlicher Materie verfertigten Tapeten dem Käufer, die von Damast, seidenem Atlas und andern seidenen und wollenen Zeugen zubereiteten, wohin auch die gewirkten sogenannten Hautelisse zu verstehen seyen, weil man solche nur gewöhnlich in den Paradezimmern aufzuhängen pflege, dem Verkäufer zuzuerkennen wären. Es wallte hier dieselbe Ansicht vor, als bei den an den Wänden defestigten Spiegeln; es sey also auch nicht einzusehen, warum man hier wider die offenbare Analogie des Rechts etwas anderes festsetzen wollte, da es ja einem jeden Verkäufer unbenommen bleibe, sich, wenn er seine Tapeten und Spiegel nicht mit verkaufen wolle, deshalb das Nöthige in dem Kaufkontrakte vorzubehalten. Der Professor Hommel, der diesen Gegenstand zuerst seiner Aufmerksamkeit widmete, und darüber schrieb, bezeugt ausdrücklich, daß es der jetzige Rechtsgebrauch mit sich bringe, daß, weil die Tapeten, wenn sie gleich angenagelt seyen, dennoch leicht und ohne Schaden der Mauer abgerissen werden können, solche den Landerben zuständig seyen. Hier sind aber die Papiertapeten nicht mit einbegriffen, welche auf die Wand geklebt worden; denn diese sollen bei dem Hause und Gute verbleiben; da ihre Ablösung von der Wand doch nur mit der Zerstörung derselben geschehen kann. Indessen müßte man hier wieder diejenigen Papiertapeten ausnehmen, welche vorher auf Leinwand geklebt, und dann erst aufgehängt oder aufgezogen worden, weil man sie leicht ohne Zerstörung derselben und der Wände wieder abnehmen kann. Indessen soll hierbei den Lehnsfolgern doch wenigstens die Wohlthat widerfahren, daß die Wand, so durch die Tapeten bedeckt worden, wenn sie nicht sauber <180, 175> getüncht, sondern nur grob beworfen gewesen, von dem, der die Tapeten nimmt, vorher gleich den übrigen Wänden getüncht und geweißt werden müssen. Ferner findet man in allen Zimmern, die mit Tapeten ausgeschlagen sind, unten ein von Brettern angefertigtes Panelwerk, oben an der Decke angenagelte Leisten, weil man sonst die Tapeten nicht gehörig befestigen kann. Damit es nun einem eigennützigen Allodialerben nicht einfallen möge, diese angeführten Stücke als eine Zubehör der Tapeten zu fordern, und mit solchen zugleich mit wegzunehmen, so führt man folgende Ursachen an, die dieses nicht zugeben. Es ist zwar wahr, daß das Panelwerk und die Leisten die Tapeten halten, und nicht die Tapeten ihrentwegen da sind, folglich auch die Tapeten, als die Hauptsache, das Panelwerk und die Leisten, aber als ein Accessorium oder Anhängsel anzusehen wären. Es ist aber Jedermann bekannt, daß das Panelwerk und die Leisten auf eine ganz andere Art, als die Tapeten, befestiget sind, und so, daß solche ohne die Wand zu beschädigen, nicht gut abgebrochen werden können. Dann sind auch beide, Panelwerk und Leisten, bloß dem Zimmer, wofür sie angefertiget worden, anpassend; denn da fremde Stuben oder Zimmer und Gemächer mit denen, wofür sie verfertiget worden, nur selten von gleicher Länge und Breite zu seyn pflegen, so folgt auch von selbst, daß sie außer dem Orte ihrer Bestimmung, und wenn der Transport hinzukommt, wenig brauchbar sind, und wenn die Tapeten, wie es bei dergleichen Erbfällen gemeiniglich geschieht, verkauft werden müssen, so wird dem Käufer derselben wohl niemals einfallen, daß er auch das Panelwerk und die Leisten, woran sie vorher befestiget gewesen, mit verlangen wollte. Hieraus erhellt, daß diese Stücke den Allodialerben in keinem Falle brauchbar seyn, noch ihnen zu Nutze kommen können, dagegen ist es gewiß, daß in dem Hause des Lehnsfolgers stets ein Gebrauch davon ge<180, 176>macht werden kann; denn werden gleich die zuvor daselbst befindlich gewesenen Tapeten von den Landerben weggenommen, so wird doch der Lehnsfolger die Wände nicht leer lassen, sondern sie gleichfalls mit Tapeten zu versehen suchen. In diesem Falle würde ihm aber das alte Panelwerk und die Leisten recht sehr zu Statten kommen, ohne daß dadurch die Allodialerben aus den vorher angeführten Ursachen das Geringste verlören. Da auch die Allodialerben bei dem Abziehen der Tapeten, die Wände, welche sie bedeckt haben, auf ihre Kosten übertünchen zu lassen schuldig sind, solches aber, wenn der Lehnsfolger sie wiederum mit Tapeten bekleiden lassen will, nicht nöthig ist, so können sie allenfalls die dagegen zurückgelassenen Leisten und das Panelwerk damit vergüten. -- Hier hat es also kein Bedenken, daß die Allodialerben, wenn sie auch gleich die vorhandenen Tapeten wegzunehmen befugt sind, dennoch das Panelwerk und die Leisten, woran sie befestiget gewesen, bei dem Lehen zu lassen schuldig und verbunden sind.

Ueber die Tapeten und das Tapezieren der Wände sehe man folgende Schriften nach:

Dühmal, Kunst Türkische Tapeten zu weben: im Schauplatz der Künste und Handwerke, Th. 7. -- Hupel, neue Nordische Miscellen, Stück 1 und 2, S. 494.

Neueste Mannigfaltigkeiten, 4, 85 (Tapetenmanufaktur in den Gobelins). -- Sanders Reisen, 1. 148, 184. -- Journal für Fabriken. April, 1796. S. 300. -- Joh. Beckmanns Anleitung zur Technologie, Art. Wollenweberey. Göttingen, 1796.

Jacobson, Schauplatz der Zeugmanufakturen. Bd. 1. S. 272.

Lehrbuch für Sattler, mit Rücksicht auf die in deren Metier einschlagenden Arbeiten der Riemer, Täschner und Tapezierer, und der jetzt gangbaren Arbeit in Holz und Leder. Mit Abbildungen. Leipzig.

<180, 177>

Der elegante Tapezierer, Zimmerverzierungen im modernsten Geschmacke. 1ste Sammlung. 3s Heft. -- Le Tapissier elegant. Decorations pour appartements de gout. 1e Collection. 3e Cahier. Augsburg, 1839.

Friedr. Wilh. Mercker, der Tapezierer oder Drappirungen von ganzen Zimmern etc. 1s bis 13s Heft. Leipzig.

C. F. A. Hochheimer, Allgemeines ökonomisch=chemisch=technologisches Haus= und Kunstbuch, oder Sammlung ausgesuchter Vorschriften, zum Gebrauche für Haus= und Landwirthe, Professionisten, Künstler, und Kunstliebhaber. 2r Theil. Leipzig, 1797. S. 421 u. f.

Ludwig Graßhoff, die Kunst des Tapezierens mit Papiertapeten, oder Anweisung, die Tapeten und Bordüren geschmackvoll zu wählen, auf alten und neuen Wänden von Lehm, Kalk und Holz, so wie auch selbst auf feuchten Mauern, schön und dauerhaft aufzukleben, sie mit Firniß zu überziehen, alte Tapeten von allem Schmutze zu reinigen, neuen eine außergewöhnliche Dauer zu geben etc. etc. Nordhausen, 1840.

Dr. H. L. Bernheim, Neueste Erfahrungen, den Mauerfraß, Mauer= und Holzschwamm, so wie auch die Feuchtigkeit und schlechten Ausdünstungen in Gebäuden und Gewölben zu verhüten und zu vertilgen, die Wände und alles Gebälk wasser= und luftdicht zu machen etc. etc. Nordhausen, 1837.

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