DDC Layer

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Täfelwerk Klassifizierung: 747 InnendekorationDDC-Icon , nennt man die zusammengeleimten, in Form von Tafeln geschnittenen Bretter, um damit den Fußboden zu bekleiden, auch die Wände, um solchen ein zierliches Ansehen zu geben. Die Fußbodentäfelung ist gewöhnlich farbig carrirt, wie ein Damenbrett, braun und gelb etc. Die Täfelung am Fuße im Zimmer herum nennt man Panele. Das Täfelwerk hat den Zweck, nicht nur die Malerey und die Tapeten zu ersparen, sondern auch die Feuchtigkeit der Wände von den Möbeln, Büchern etc. abzuhalten. Man täfelt daher auf zweierley Art, entweder geht das Tafelwerk nur mit der Brustlehne der Fenster in gleicher Höhe, oder es geht durch die ganze Wand des Zimmers. Der ersteren Art bedient man sich nur bei hohen Zimmern und Sälen. Diese werden daher von der Fensterbrüstung an entweder in Leimfarben gemalt, oder mit Tapeten überkleidet, und nur vom Fußboden bis zur Fensterbrüstung wird ein Panel gezogen, damit die Wände nicht von Tischen und Stühlen verletzt werden können, die man oft zu nahe hinanschiebt. In kleinen niederen <179, 368> Zimmern werden die Wände von dem Boden bis unter den Kranz ganz ausgetäfelt. Das Täfelwerk bekommt nun, um ein gutes Ansehen zu erhalten, verschiedenes Rahmwerk und Füllungen oder vertiefte Felder, die mit verschiedenen Gliedern der Baukunst verziert werden. Man bringt allerlei Abtheilungen in diesen Rahmen und Füllungen an, welche nach der Symmetrie ihre Verhältnisse erhalten, damit die einander entgegenstehenden Theile sich überall entsprechen. Man macht dieses Täfelwerk entweder von Kienenholz und streicht es an, oder lackirt es, oder man läßt die Füllungen auch wohl ausmalen, oft werden sie auch von schönem Holze verfertiget. Wird das Täfelwerk mit weißer Oelfarbe angestrichen und lackirt, so setzt man goldene Leisten herum, und läßt das Täfelwerk so hervortreten, daß es wie erhabene Arbeit aussieht. Ueberhaupt verziert man es so, daß die Wand dadurch etwas Gefälliges erhält.

Tafelzeug Klassifizierung: 642 Mahlzeiten und TischkulturDDC-Icon , das leinene Geräth, welches zur Bestellung oder Deckung einer Tafel oder eines Speisetisches nöthig ist, und wozu das Tafeltuch mit den Servietten gehört. Das Tischzeug bezieht sich auf kleinere gewöhnliche Speisetische; s. auch den Artikel Pfeil-IconTischzeug.

Tafelzimmer, s. Pfeil-IconTafelgemach.

Taffet Klassifizierung: 750 Malerei und GemäldeDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon , Taffent, Tafft, Fr. Taffetas, in der Seidenmanufaktur, ein glatter, dünner, leichter seidener Zeug, und unter den seidenen Zeugarten der leichteste; es giebt aber auch andere Taffetarten, z. B. schwere, als Gegensatz der leichten (einfache und doppelte), gestreifte, gegitterte, pickirte, gemuschelte, gerippte, flammige, broschirte, fassionirte, glasirte oder Spiegeltaffete, changirte oder schillernde, reiche Kleider= und Enveloppentaffete, Futter= und Zindeltaffete, Rolltaffete, Brillianttaffete, gemalte Taffete, Wachstaffete etc. etc. Der leichte und <179, 369> schwere Taffent unterscheiden sich dadurch, daß bei einerlei Breite der leichte wenigere und dünnere Kettenfäden hat, als der schwere. Man nimmt zur Kette des Taffets Organsinseide von 20 bis 40 Denes, nachdem er stark oder schwer werden soll. Der leichte Taffet führt den Namen Avignon, Florence, Futter= oder Zindeltaffet. Man webt den Taffet überhaupt mit acht oder vier Schäften, und zwei auch vier Fußtritten. Die einfarbigen, glatten und schweren Zeuge werden auf gewöhnliche Art, und auf einem gewöhnlichen einfachen Weberstuhle gewebt (s. diesen, unter Pfeil-IconW), nur müssen die verschiedenen Theile des Weberstuhls genau und sorgfältig eingerichtet und zusammengesetzt seyn; vorzüglich müssen die Riedte in den Blättern eine hübsche Glätte besitzen, man mag sie nun von Rohr oder von Stahl verfertiget haben; sind die glatten Zeuge nicht einfarbig, so setzt das Aufziehen der Kette in dem Stuhle schon viele Geschicklichkeit voraus, weil die Kettenfäden nicht bloß nach den verschiedenen Farben, sondern auch nach den verschiedenen Mustern geordnet werden müssen. Da der Taffet überhaupt einen glatten oder leinwandartigen Grund erhält, so müssen mit jedem Tritte ebenso viele Schäfte hinauf=, als hinabgehen, damit die Kette jedesmal in zwei gleiche Hälften oder Fächer abgetheilt werde, der Zeug mag nun mit vier oder acht Schäften gewebt werden. Wenn er mit acht Schäften oder Kämmen und zwei Fußtritten gewebt wird, so werden Schäfte und Tritte nach einer Vorschrift, die man den Zettel nennt, vereiniget, so daß wechselsweise vier Schäfte mit einem Fußtritte, und die vier andern mit dem zweiten Tritte verbunden werden, daß, wenn der eine Fußtritt getreten wird, der erste, dritte, fünfte und siebente Schaft hinauf=, und der zweite, vierte, sechste und achte heruntergeht, und so umgekehrt bei dem zweiten Fußtritte. Sind vier Fußtritte und acht Schäfte vorhanden, so hangen mit jedem Fußtritte zwei <179, 370> Schäfte zusammen, und es werden jedesmal zwei Fußtritte zugleich getreten, wodurch die Kämme, wie vorher, zur Hälfte hinauf= und herabgehen. Man webt diesen Zeug gemeiniglich mit zwei Schützen. Mit der einen schließt man einen groben Faden, mit der andern einen etwas feinen Faden ein, und zwar jedesmai wechselsweise. Wenn also der grobe Faden etwa eine rauhe Stelle hat, so wird der Fehler wieder durch den feinen verbessert, und der Taffet wird dadurch glatt. Dieses ist jedoch nur von dem schweren Taffet zu verstehen; denn der leichte wird nur mit einer Schütze gewebt. Der schwere oder doppelte, auch Englische Taffet genannt, ist stets 1 1/16 Elle breit, und jedes Stück 60 Ellen lang. Er steht 1600 im Riedt des Blattes hoch, und zwischen zwei Riedten oder Röhren werden vier einzelne Fäden einpassirt; folglich hat er überhaupt 6400 Kettenfäden, die mit 80 Gängen, jeden Gang zu 80 einzelnen Fäden gerechnet, geschoren werden. Die farbigen und schillernden Taffete, wo nämlich die Kette eine andere und der Einschlag wieder eine andere Farbe hat, so auch die gestreiften, geblümten etc., werden wieder anders in dem Stuhle behandelt. Man hat zwei Arten des gezogenen Taffets. Die erste Art enthält einen einfarbigen, oder doch einen schillernden oder changirenden Grund. In diesem letztern Falle können entweder Kette und Einschlag verschiedene Farben haben, oder auch jedes Fach der Kette ist von einer verschiedenen Farbe, und dann auch der Einschlag. Bei einer solchen Mischung von drei Farben schillert der Taffet am stärksten. Dieser Taffet weicht von dem glatten in nichts Anderem ab, als daß er durch den Zug Figuren erhält, und die Kettenfäden daher nicht nur durch die Schäfte, sondern auch durch die Maillons der Harnischlitzen passirt werden müssen. Es kommt daher hierbei auf die Einrichtung des Harnisches an, die Blumen bei dem Weben hervorzubringen. Gemeiniglich ist das Muster eines solchen <179, 371> Taffets von der Beschaffenheit, daß beständig hintereinander zwei Reihen kleiner Figuren folgen, so daß die Figuren beider Reihen eine verschiedene Lage erhalten. Die andere Art von gezogenem Taffete ist weit künstlicher, ungeachtet er in Absicht der Breite, der Anzahl Kettenfäden, des Riedts, der Fäden im Rohr, und der Anzahl der Kämme, mit dem glatten und jedem andern Taffet einerlei Beschaffenheit haben kann. Die Kette dieses Taffets ist jederzeit gestreift, und vermittelst der Streifen werden mit Beihülfe des Harnisches vielfarbige Figuren hervorgebracht. Die Kette macht also auf der rechten Seite die Figur; z. B. eine Figurstelle, welche die Streife hervorbringt, liegt in einem weißen Grunde, worauf eine Kanalestreife von beliebiger Farbe folgt, auf diese eine leere weiße Grundstelle, wie der Kanale von der vorigen Farbe, worauf wieder eine Figurstelle folgt etc. Dieses Muster kommt in der Breite des Zeuges so oft vor, als es die Breite erlaubt, folglich kommen in diesem Mustergrunde Figur und Kanale vermischt vor. Hieraus folgt nun, daß drei Ketten auf drei Kettenbäumen zu diesem Zeuge gebraucht werden müssen; nämlich eine Grundkette, die durch das Ganze durchgeht, und einfache Fäden hat, und eine Figur= und Kanalkette, beide von doppelten Fäden. Die Grund= und Kanalkette wird gewöhnlich ohne viel Nachdenken geschoren, aber bei dem Scheeren der Figurkette, welche diese vielfarbigen Figuren hervorbringt, muß der Seidenwirker seine ganze Geschicklichkeit zeigen. So kann der Stengel einer Blume von einer Farbe, die Blume selbst aber von einer andern Farbe mit ihren Schattenabweichungen seyn. Daher müssen die Kettenfäden dieser Figurkette in jeder Streife nach der Natur und Beschaffenheit der jedesmaligen Blume oder Figur geschoren werden, so, daß eine Streife von einer Farbe nicht mehr Raum in der Breite einnimmt, als die Breite des Theils einer Blume, welche sie hervorbringen soll, es erfor<179, 372>dert. Man nehme z. B. an, daß ein rothes Blatt einer Blume mit ihrem Schatten vorhanden ist, so, daß hell= und dunkelroth hervortreten müssen, so muß in diesem Falle der Seidenwirker entweder bei einer Zeugprobe zählen, wie viele hellrothe und dunkelrothe Fäden in diesem Blatte vorhanden seyn, oder er muß Beides nach der ganzen Anzahl Kettenfäden, welche zu einer solchen Streife dieses Blattes gehören, nach seiner ausgemalten Patrone bestimmen und berechnen. Hier sind nun alle Theile der Figur in der Streife auf der einen Seite dunkelroth, und auf der folgenden hellroth. Dadurch wird hier durch ein einziges Beispiel von einer Farbe in Schattirung das Scheeren einer solchen Kette begreiflich gemacht. Es können aber in einer Blume mehrere Schattirungen vorkommen. Die vielfarbigen Theile einer Blume müssen aber jederzeit so angebracht werden, daß z. B. die rothe Blume nicht zum Theil oder ganz über den grünen Stengel zu liegen komme, sondern die vielfarbigen Theile müssen beständig ihre Lage nach Maaßgabe des Laufes der Kettenfäden erhalten. Nach diesen Gesetzen muß sich der Mustermacher richten, der eine ausgemalte Patrone zu dieser Zeugart verfertiget; denn der gewöhnliche Seidenwirker oder Seidenweber ist selten so unterrichtet, um die Mannigfaltigkeit der Muster vollkommen ausführen zu können, daher hat man in den Seidenmanufakturen eigene Musterausführer oder Mustermacher, welche die Breite der Kette messen, die Formen berechnen, und das Muster ver kleinert auf ein Theilungspapier bringen. Auf diesem Theilungspapiere müssen alle Fäden verzeichnet seyn, welche genommen, das heißt, zusammen und zur rechten Zeit in die Höhe gezogen werden müssen. Dadurch erhält der Seidenweber eine Vorschrift über Alles, was er beim Weben zu beobachten hat. -- Gewöhnlich wird jeder Streife der Figurkette besonders geschoren, und die sämmtlichen Theile der drei Ketten vereinigen sich, <179, 373> wenn ihre Theile durch den Harnisch oder durch die Schäfte passirt werden; denn bloß die Figurkette geht durch die Maillons des Harnisches, und die beiden übrigen Ketten stehen mit dem Harnische in keinem Zusammenhange. Hierbei muß aber eine vielfache Einrichtung des Harnisches getroffen werden; denn wenn gleich die Figurstellen mit einander übereinstimmen, und eine gemeinschaftliche Einrichtung des Harnisches haben, so weichen sie doch in Ansehung ihrer Gestalt, als auch ihrer Lage von einander ab. Es wird daher zum Muster dieser Gattung eine dreifache Einrichtung des Harnisches erfordert, und da sich dieses Muster mehrere Male nach der Breite des Zeuges darstellt, so hat jede Einrichtung des Harnisches Theile; denn wenn ein solches Muster nach der Breite des Zeuges dreimal vorkommt, so entsteht auch die Figur einer Streife dreimal, und die Einrichtung des Harnisches, welcher zu dieser Figur gehört, hat drei Theil, und daher auch an jeder Rahmchorde drei Arkadenschnüre. Hiernach müssen nun die Arkadenschnüre jeder Einrichtung des Harnisches abgesondert, jede Parthie aber nach den bei dem Droguet gegebenen Gesetzen, durch die Löcher des Harnischbrettes gezogen werden. Nach dieser getroffenen Einrichtung des Harnisches werden die Fäden der drei Ketten folgendermaaßen durch die Maillons und durch die Schäfte einpassirt. Man webt diesen Zeug mit zwei Kanaleschäften, die ganz vorn hangen, ferner mit vier oder acht Grundschäften, die auf die vorhergehenden folgen, und endlich mit vier Figurschäften, die hinten hangen. Die Figurkämme haben, wie alle dieser Art, lange Augen, damit die darin befindlichen Kettenfäden bei dem Zuge nicht gehindert werden, in die Höhe gehen zu können. In diese sämmtlichen Schäfte werden die Fäden der sämmtlichen drei Ketten folgendermaßen einpassirt. Den Anfang macht ein einfacher Grundfaden, der die Maillons des Harnisches vorbeigeht, und durch das äußerste Letzenauge des hintersten Grundschafts passirt wird. Auf dieser folgt ein doppelter <179, 374> Figurfaden der ersten Figurstelle, dieser wird nicht nur nach den beim Droguet gegebenen Gesetzen durch seinen Maillon des Harnisches, sondern auch durch das äußerste Letzenauge des hintersten Figurschafts passirt. Dann folgt wieder ein einfacher Grundfaden auf gedachte Art in den zweiten Grundschaft von hinten einpassirt, und hierauf wieder ein Figurfaden in das folgende Maillon. Und so wird nun für die Figurstelle wechselsweise ein Grund= und ein Figurfaden einpassirt. Für die beiden Kanalestellen, desgleichen für die glatte Grundstelle darzwischen, ist eine Lücke in dem Harnisch, und es hängen daher an diesem Orte unter dem Harnischbrette keine Harnischletzen, weil hier der Zug der Kegel keine Figur bildet. Die doppelten Kanalefäden werden wiederum, nachdem alle vorhergehenden Figurfäden in den Harnisch einpassirt sind, wechselsweise mit Grundfäden in ihre Schäfte einpassirt, die Grundfäden taffetartig in die Grundkämme, die Kanalefäden aber wechselsweise in ihre Kanaleschäfte einpassirt, nämlich einer um den andern in den ersten und zweiten Schaft. In den zwischenlaufenden Grundstellen sind bloß Grundfäden in ihre Schäfte taffetartig einpassirt. Auf diese Weise werden nun die Kanale= und Grundfäden, und die Grundfäden vermischt mit den Figurfäden in die Figurstellen einpassirt. Die sämmtlichen Kämme werden durch fünf Tritte in Bewegung gesetzt. Vier Tritte gehören gemeinschaftlich zu der Grund= und Kanalekette, und der Letztern wegen sind vier Fußtritte angebracht, ungeachtet der glatte Taffet gewöhnlich nur mit zwei Tritten gewebt wird. Diese vier Tritte sind mit Grund= und Kanaleschäften dergestalt vereiniget, daß wenn ein Fußtritt getreten wird, jederzeit wechselsweise zwei Grundkämme hinauf und herabgehen. Die beiden Kanalekämme bleiben oben bei den drei ersten Tritten mit ihren Fäden beständig erhöhet, und gehen nur herab, wenn der vierte Tritt getreten wird. Der fünfte Fußtritt, der Bindetritt genannt, bringt bloß die vier Figurkämme in die Höhe, <179, 375> wie weiter unten gezeigt werden soll. Wenn nun die drei Ketten solchergestalt in ihre Schäfte einpassirt sind, so muß die Patrone in die Brauschen eingelesen werden, und man liest alle ausgefüllten Quadrate der Patrone ein, weil die rechte Seite des Zeuges auf dem Stuhle oben ist. Die eingelesenen Brauschen jeder Reihe der Patrone werden zu einem einzigen gemeinschaftlichen Kegel vereiniget, weil die verschiedenen Figurstellen des Musters nebeneinander liegen. Wird nun bei dem Weben ein Kegel gezogen, so hebt er nach Anleitung der Patrone die bildende Stelle mit ihren Fäden. Wenn nun gewebt wird, so zieht der Ziehjunge den ersten Kegel, und erhöhet hierdurch die bildende Figurfäden. Zugleich tritt der Weber auch den ersten Fußtritt, und in der Grundkette entsteht nicht nur ein Fach, sondern beide Kanaleschäfte gehen auch zugleich mit in die Höhe. Der Weber schießt jetzt seinen ersten Einschußfaden ein, der gemeiniglich mit dem Grunde eine gleiche Farbe hat. So werden die drei ersten Fußtritte getreten, und die drei ersten Kegel gezogen, und nach jedem Tritte ein Einschußfaden eingeschossen. Bei diesen drei ersten Tritten bleiben die Kanalkämme beständig erhöhet und ihre Fäden sind im Oberfache. Sobald aber der vierte Kegel gezogen, und der vierte Tritt getreten ist, so zieht dieser die beiden Kanaleschäfte hinab, und der vierte Einschußfaden bindet einen sogenannten Stein des Kanale ab; folglich ist jeder Stein des Kanale in diesem Falle drei Kettenfäden breit. Wird der fünfte Kegel gezogen, und wieder der erste Fußtritt getreten, so gehen durch den Letztern die beiden Kanalekämme wieder wie vorher in die Höhe. Auf diese Art werden nur die vier Tritte hinter einander getreten, und die Kegel nach ihrer Ordnung gezogen. Wenn etwa zwanzig Mal eingeschossen ist, so wird der fünfte oder Bindetritt getreten. Durch diesen Tritt werden die vier Figurkämme und zugleich die Figurkette erhoben, die von den übrigen Kämmen <179, 376> nicht bewegt wird. Er schießt hierauf einen feinen Einschußfaden ein, und bindet hierdurch die Figurfäden auf der linken Seite des Zeuges; denn auf dieser Seite liegen die Figurfäden an manchen Stellen in sehr langen Theilen auf dem Grunde frei, weil nicht an allen Orten auf der rechten Seite Figur ist, so ist es nöthig, daß sie auf der linken Seite zuweilen verbunden werden. Oefters bringt man auch in diesem Zeuge Atlasstreifen an, und dann müssen noch die nöthigen Schäfte und Tritte angebracht werden. -- Zu gestreiften Taffet wird die Kette schon gestreift auf den Stuhl gezogen; die Farbe des Einschlages stimmt gewöhnlich mit der Hauptfarbe der Kette überein. Wenn der Taffet durch den Einschlag mehrfarbige Streifen erhält, so heißt er Quadrilletaffet; der zu Sommerkleidern bestimmte, gleichfalls taffetartige Bast ist einfach und leicht. -- Der Gros de Tours unterscheidet sich von dem einfarbigen Taffete dadurch, daß er, wegen der vielfachen Einschlagfäden, schwerer ist. Der Französische Gros de Tours hat in der Kette entweder 3600 doppelte, oder 7200 einfache Fäden; beim Aufziehen werden immer zwei Fäden zugleich eingelesen, und je nachdem er schwerer werden soll, werden vier bis sechs Fäden zugleich eingeschossen. -- Zu den fassionnirten Seidenzeugen gehören der Brillanttaffet, der Spiegeltaffet, und das Seidenzeug mit Gerstenkornmuster. Der Brillanttaffet hat seinen Namen von den brillantähnlichen Quadraten, woraus seine Figuren bestehen; der Spiegeltaffet von den spiegelförmigen länglichen Rechtecken. Die übrigen Arten, welche keine Brillanten und keine Spiegel haben, nennt man Gerstenkorntassete. Die kleinen geradlinigen Figuren werden bloß durch Hülfe von Schäften und Fußtritten gewebt. Ein Mehreres über die verschiedenen Taffete findet man unter Pfeil-IconSeidenwirkerey, Th. 152, wo man auch über den Muscheltaffet, Pfeil-IconS. 561 u. f., das Nöthige an<179, 377>geführt findet, so wie auch über den Seidenwirkerstuhl.

Was den Handel mit den Taffeten anbetrifft, so war er ehemals sehr bedeutend, das heißt, noch bis zum zweiten Decennium dieses Jahrhunderts, wo die Frauen noch viel Seidenzeug in Kleidern, Enveloppen, Mänteln etc., und die Männer in Westen, Beinkleidern etc. trugen, da aber jetzt der wollene Zeug Mode geworden ist, auch die Frauen viel wollene Zeuge zu Kleidern und Mänteln tragen, so haben die seidenen Zeuge viel an Absatz verloren. Man hat sich zwar Mühe gegeben, durch neue Namen, und neue Muster den Handel in Seidenzeugen wieder in Aufschwung zu bringen, allein ohne großen Erfolg, da die wollenen Zeuge auch noch den Vortheil einer größeren Erwärmung im Winter besitzen, und jetzt auch in verschiedenen Mustern geliefert werden. Frankreich hatte den Ruf, die vorzüglichsten Seidenwaaren zu liefern, sowohl in der Arbeit, als auch in der Wahl der Desseins oder Zeichnungen, Muster, und so lieferte es auch Taffete von vorzüglicher Güte. Lyon, Tours, Nimes und Avignon sind die Plätze in Frankreich, welche von diesem Artikel das Meiste lieferten. In Lyon unterscheidet man die Waare in façonnirte Sorte, sogenannte simpletés, doubletés, tripletés, flammirte oder chinés, starke oder renforcés, pickirte oder brillantés, und dann in streifige oder glatte Sorten. Die schwarzen Sorten, welche man gewöhnlich Angleterres nennt, kommen besonders stark im Seidenzeughandel vor. Man unterscheidet sie durch ihre Breite, Dicke und Schwere. Man hat in den Französischen Manufakturen Taffetas à un bout, von 54 bis 100 Aufzuglängen und einer halben Aune, 5/8, 3/4, bis 7/8 breit; dann Taffetas à deux bouts, von 60 bis 100 Aufzuglängen und der vorigen Breite; à 3 bouts, von 85 bis 100 Aufzuglängen etc. etc. Man giebt auch den Französischen Taffeten noch andere Beinamen, z. B.: <179, 378> Tassetas à la bonne femme d' Espagne, Taffetas de Tours, Florence, Demillorence, Avignonaise, Armoisin etc. Die Taffetas à la bonne femme sind ohne Glanz und Appretur; sie übertreffen an innerer Güte alle übrige Sorten. Der breite ist 5/8, der schmale nur 7/12, bis einen halben Stab breit. Die Stücke halten 60 Aunes und darüber. Der Tassetas d' Espagne ist schwarzer Glanztaffet, der weniger dick, wie der vorhergehende, und zu Lyon fabrizirt wird. Die Breite beträgt 5/8, und die Länge 60 Stab. Der Taffetas d' Angleterre ist Glanztaffet mit starker Zurichtung, in Breite und Länge wie der vorige, und wird zu Lyon und Nimes gemacht. Florences liefert vorzüglich Avignon. Die Waare ist dem Florentinischen Ermesini lustrati oder Glanztaffete nachgemacht; ihre Breite beträgt 26 Französische Zoll bis 5/8, die Länge 70 bis 80 Stab. Demi-Florences, sind dünner und weniger dauerhaft, übrigens von gleicher Länge und Breite, wie die Florences. Beide Sorten werden zu Unterfutter der Kleider, zu Schürzen, Enveloppen, Mantillen etc. etc. verbraucht. Die Avignontaffete sind eine Nachahmung der leichten Luccheser Taffete. Die schwarzen haben starke Appretur; ihre Breite beträgt 5/8. Man macht sie sowohl zu Lyon, als zu Avignon. Rolltaffete sind theils Ostindische, theils diesen in Europa nachgemachte Gewebe, welche zwar stark von Faden, aber weniger fein von Seide ausfallen. Sie haben breite Leistenbänder, und sind stark gummirt. Man heißt sie Rolltaffete, weil sie nicht glatt, sondern walzenförmig auf Stäbe gerollt sind. Die meisten halten 5/4 bis 6/4 Leipziger Ellen in der Breite, und sind verschieden in der Länge. Außer Frankreich liefern die Schweiz und Italien die meisten Taffete in den Handel. Die Schweizerische Waare ist auf Französischen Fuß. Unter den Italienischen werden die Florentiner und Neapolitanischen, ihrer Güte wegen, vorgezogen. Die Erste<179, 379>ren sind beide zusammengesetzt, die andern doppelt überlegt, aber im Uebrigen auf Französischen Fuß. Mantino oder Mänteltaffet ist eine Art dünner Ermesini, 4, 5, 6 bis 7 Viertel breit, die dem Lucchesertaffet in der Güte gleicht, und nur darin von ihm abweicht, daß er auf Französische Art zusammengelegt ist. Dieser Zeug hat so wenig Steife, daß zwei dünne mit Papier umschlagene Brettchen in die Stücke eingelegt sind, um das Ganze zusammen zu halten. -- Der Italienische Mantino wird in Mantino die Scomiglia, di Cappicciuola, mezzo Velo, Velo Sengro, Filo ad un Dente etc. unterschieden. Luccheser Tafete oder Ermesini nennt man eine andere Gattung leichter Italienischer Futtertaffete, die 5/4 breit, und wie Florentinische zusammengelegt sind. Man hat einfarbige, zweifarbige, gestreifte, gegitterte, getäfelte etc. Diese Gattung geht sehr häufig nach der Moldau, Wallachey und Bessarabien, den Häfen und Plätzen am schwarzen Meere und der Levante überhaupt. Auch in Deutschland, namentlich in Preußen, Oesterreich, Sachsen, Hessen etc., macht man nicht nur glatte einfarbige Taffete, sondern auch changirte, mehrfarbige, gemusterte oder gezogene, gerippte und dergleichen Taffete, sowohl nach Französischen Desseins, als auch nach Mustern eigener Erfindung. Die Deutschen Taffete sind Kopien der Französischen, so wie überhaupt die Deutsche Seidenfabrikation nur eine Kopie der Französischen war, bis sie eine selbstständige Bildung annahm. Man will aber, daß dieses noch dadurch befördert werde, daß man Lehrlinge, besonders in den Seidenfabriken, anlerne, Taffet in vorzüglicher Güte zu weben, und sie nicht eher zu einem andern Seidengewebe übergehen zu lassen, als bis sie im Weben des Taffetes einen erweislichen Grad der Fertigkeit erlangt haben. Diese Fertigkeit äußert sich durch die Vielheit des Ellenmaaßes und durch die Schönheit des Gewebes. Dieses Erforderniß ist eine bedingte Noth<179, 380>wendigkeit, wenn der Zweck erreicht werden soll, die Seidenzeugfabrikation zu verbessern. Die Geschicklichkeit der Französischen Seidenfabrikanten entstand aus dem Gesetze, den Lehrling bloß einer Fabrikationsart zu widmen. Die Verfassung der Deutschen Seidenfabriken erlaubt diese Anordnung zwar nicht, allein sie kann doch dadurch erreicht werden, wenn der Arbeiter nicht eher zu einer andern Fabrikationsart übergeht, als bis er in der einen eine aus gezeichnete Fertigkeit erlangt hat. Auch bei der Engländischen Seidenzeugfabrikation geht man von diesem Gesichtspunkte aus, daß die Waare schön gewebt seyn müsse, und daher ist auch der Englische Taffet eben und schön, so wie überhaupt alle Englischen Seidenwaaren. Gute Taffete, von schönem Gewebe, liefert in Deutschland Berlin, Wien, Leipzig, Hamburg, Frankfurt a. M., Hanau etc. Diese Taffete kommen, außer den Seidenwaarenhandlungen in den großen Städten, auf den Messen von Leipzig, Frankfurt an der Oder, Braunschweig, Frankfurt am Main, Botzen etc. etc. vor. Auf diesen Messen kommen auch die Französischen, Englischen und Italiänischen Taffete vor. Die Letzteren kommen hauptsächlich auf den Messen zu Botzen vor, wo die im großen damit handelnden Seidenhändler ihre Einkäufe machen, wenn sie solche nicht direkt aus Florenz, Genua, Bologna und Lucca verschreiben; die kleineren Seidenhändler kaufen ihren Bedarf auf den Leipziger Messen von den Augsburgischen und Nürnbergischen Kaufleuten, deren Einige auch in Italien, und vornehmlich zu Venedig, ihre Häuser und Komptoire haben. Den Englischen Taffet bringen die Engländer selbst stark nach Hamburg, von wo aus er dann weiter geht. Die Französischen Taffete verschreibt man direkt aus Frankreich, aus Tours, Lyon, Avignon etc.; er geht theils über die Schweiz, wenn man ihn verschreibt, oder man kauft ihn auf der Messe zu Frankfurt am Main ein. Man muß ein sehr <179, 381> genauer Kenner und von dem Käufer überzeugt seyn, daß er ein aufrichtiger Mann ist, beim Einkaufe der ausländischen Taffete, weil man sonst oftmals in Deutschland nachgemachte Taffete für ächte Waare erhält. Wenn die Waare denselben Werth hat, als die ausländische, so ist dabei nichts verloren, und es ist selbst oft nöthig, der Deutschen Waare durch einen solchen Tausch ein Anerkenntniß zu geben, da man sie sonst zurückfetzt, ob dieses gleich in neuester Zeit nicht mehr so geschieht, als noch vor mehr denn dreißig Jahren, wo man ihren Werth nicht anerkennen wollte. Indessen ist ihr Werth entschieden, wenn man sie mit den fremden Taffeten vergleicht, indem man wenig oder gar keinen Unterschied findet; denn auf eine genaue Vergleichung der Waare, der einheimischen und fremden, kommt es an. Ein vollkommen guter Taffet muß durchgängig gleich gewebt seyn, keine Knötchen, Nester oder Löcher haben, keine Runzeln werfen, und weder zu viel, noch zu wenig gummirt seyn. -- Von Taffeten kommen, außer den oben, Pfeil-IconS. 368 schon angeführten, überhaupt noch vor: der Tabin oder Doppeltaffet, der Muscheltaffet, die gemusterten, farbigen und schillernden Taffete, der Quadrillen=, und Gerstenkorntaffet, der Florence (Zindel= oder Futtertaffet), der Englische Taffet, der Französische (von Tours, Avignon, Lyon etc.), der Spanische und Italiänische Taffet, der Ostindische und Chinesische Taffet, von festem bastartigen Gewebe, auch feiner und rauschend, der Schürzentaffet, gemischte Taffet, der Bast= oder halbseidene Taffet etc. etc., von denen auch schon oben die Rede gewesen ist. -- Um den Taffet mit Firniß zu überziehen, spannt man ihn über einen Rahmen, und überzieht ihn mit starkem Leim; dann überstreicht man ihn auf jeder Seite einmal mit folgendem Firniß: Man läßt zwei Unzen Venetianischen Terpentin in einem Topfe zergehen, und gießt, während er noch warm ist, drei Un<179, 382>zen Terpentinöl und 1/2 Loth Mastix dazu, mischt es untereinander, und thut es in eine Phiole, die man in warme Asche setzt, und oft umschüttelt, bis der Mastix zergangen ist oder sich aufgelöset hat. Das Auftragen geschieht mit einem Pinsel; man läßt ihn einige Tage trocknen. -- Wählt man den feinsten weißen Taffet, so spannt man ihn gleichfalls über einen Rahmen und überzieht ihn mit einem mittelmäßigen starken Gummiwasser, welches man darauf trocknen läßt. Will man eine Zeichnung darauf bringen, so punktirt man sie darauf, fährt mit dem Pinsel nach, und malt sie darauf mit feinen Wasserfarben aus. Dann überzieht man diesen Taffet mit folgendem Firniß. Man nimmt die hellsten und schönsten Mastixkörner, und löset sie in Terpentinspiritus in einer Flasche auf, wobei man die Flasche oft umschüttelt, damit die Auflösung leichter vor sich gehe. Wenn man den Mastix recht flüssig aufgelöset hat, so überzieht man den Taffet vier= bis fünfmal damit, und läßt jeden Anstrich im Schatten trocknen, ehe man den folgenden aufträgt. -- Ueber die Vergoldung des Taffets, s. Th. 19, Pfeil-IconS. 445. -- Das Taffetleder, s. Th. 68, S. 651 und 653. -- In Hinsicht der Sprache soll nach Adelung das Wort Taffet aus dem Morgenlande herstammen und wahrscheinlich aus dem Persischen, in dem es Tafteh lautet. Die Namen Tobiu und Tabinet, bezeichnen Arten gewässerten Taffets, und sollen einen gleichen Ursprung haben. Im Deutschen Taffet, Taffent und Tafft, im Französischen Taffetas, im Italienischen Tafeta.

Taffet (Avignons=), s. oben, Pfeil-IconS. 369, 378.

Taffet (Bast=) Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon , halbseidener Taffet, der aus Seide und Wolle, oder Baumwolle, oder Leinen, mit gemengter Kette, oder ganz seidener Kette, aber mit einem Einschlage aus jenen genannten Stoffen.

Taffet (Brillant=), s. oben, Pfeil-IconS. 368, Pfeil-Icon376.

Taffet (Chinesischer), s. daselbst, Pfeil-IconS. 381.

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Taffet (Deutscher), s. oben, Pfeil-IconS. 379.

Taffet (Doppel=), s. das., Pfeil-IconS. 368, Pfeil-Icon381.

Taffet (Englischer), s. das., Pfeil-IconS. 380.

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