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Sonnett Klassifizierung: 800 Literatur (Belletristik) und RhetorikDDC-Icon , Klinggedicht, Klanggedicht, Tetradecastichon, ein kleines oder kurzes Gedicht <155, 729> in Reimen, welches aus vierzehn Zeilen besteht in zwei Absätzen, deren einer acht, der andere sechs Zeilen hat, oder in drei Versen, die beiden ersten von vier, der letzte von sechs Zeilen. Wer diese Dichtungsart erfunden hat, oder von welcher Nation sie zuerst gebraucht worden, ist unbestimmt. Die Italiener eignen sich diese Erfindung zu, oder wollen diese Art Gedichte erfunden haben, welches ihnen aber die Franzosen streitig machen wollen, oder streitig zu machen suchen. Am wahrscheinlichsten ist es wohl, daß sie von den Provenzaldichtern erfunden worden, obgleich sie bei ihnen noch in keine gewisse Regeln sind gebracht worden. Bei den ältesten Provenzaldichtern im 12ten Jahrhunderte bedeutet Son, ein Lied, und davon ist das Diminutivum Sonett, Liedchen, weil es nur ein kleines, ein kurzes Lied ist; in so fern würde den Franzosen die Ehre der Erfindung gebühren; allein die Ausbildung und Einschmiegung in gewisse Regeln gebührt den Italienern. -- Von den Italienern und Franzosen sind sie zu den Deutschen gekommen, die auch den Namen Sonnett, von dem Italienischen Sonnetto, beibehalten haben, da der Deutsche Name Klinggedicht nicht das Bürgerrecht in der Sprache erhalten hat. Bei den Italienern zeichnen sich besonders Petrarca' s Sonnette aus, und dienen als Muster noch bis auf die neueste Zeit. Auch die Franzosen haben sich im Sonnette hervorgethan. Bei den Deutschen ist diese Dichtungsart besonders von Bürger zu Ansehen gebracht worden; denn was vor ihm darin geschehen, reichte nicht über das Mittelmäßige bei ihnen hinaus. Bürger sagt über das Sonnett in der Vorrede zu seinen Gedichten (1r Th., Göttingen, 1789), S. 21, Folgendes: „Ich entledige mein Herz über Nachahmung oder Nachäffung, welche anstatt des Kernes die Schale ergreift, weil ich eine Ueberschwemmung von schlechten Sonnetten befürchte, wenn <155, 730> die wenigen, die ich versucht habe, Beifall finden sollten. Diese Gedichtform, deren sich die neueren Ausländer, besonders Italiener, noch bis auf den heutigen Tag sehr häufig bedienen, war auch bei unsern älteren Dichtern nicht wenig im Gange. Der Zwang aber, die Plumpheit und der Uebelklang, womit die meisten, wo nicht alle, Deutschen Sonnette daher stolperten, brachte vermuthlich nachher, bei mehrerer Kultur des Geschmacks, diese Form, bis auf wenige Ausnahmen, in neueren Zeiten aus dem Gebrauche und fast ganz in Vergessenheit. Wenn bessere Dichter oder Kunstrichter ihrer ja noch erwähnten, so geschah es mit einer Art Geringschätzung, womit man etwa von der Kunst sprechen möchte, Hirsenkörner durch ein Nadelöhr zu werfen. Die undankbare Schwierigkeit des Sonnettes ward beinahe, und zwar in Sonnetten selbst, zum Sprichworte. Kurz, man hielt die Kunst des Sonnettes für nicht viel besser, als die Kunst der Anagrammen, Logogryphen, Akrostichen, Chronogrammen und Räthsel. Allein mir däucht denn doch, man sprach davon, wie der Fuchs von den Trauben, indem der Vorwurf des Zwanges und der Unbehülflichkeit mehr dem Dichter, als der Form und unserer Sprache gebühren. Ein gutes deutsches Sonnett kann demjenigen, der nur einigermaßen Ohr hat, seiner Sprache mächtig ist, und ihren Knoten, deren sie freilich leider! genug hat, auszuweichen versteht, nicht viel schwerer seyn, als jedes andere kleine gute Gedicht von diesem Umfange, und wenn es gut ist, so schlägt es mit ungemein lieblichen Klängen an Ohr und Herz. Das Hin= und Herschweben seiner Rythmen und Reime wirkt auf meine Empfindung beinahe eben so, als ein von einem schönen, anmuthigen, bescheidenen, jungen Paare schön und mit bescheidener Anmuth getanztes kleines Menuet, und in dieser Stimmung halte ich es für sehr wahr, was Boileau sagt: Un Sonnet sans dé<155, 731>faut vant seul un long poëme. Es ist aber, glaube ich, nicht allein alsdann gut, wenn seine mechanischen Regeln, die nach Boileau *

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Poëtique Ch. II, p. 83 u. f.

Apoll aus Bizarrerie für dasselbe erfunden und festgesetzt haben soll, auf das genaueste beobachtet werden, wiewohl man, pour pousser au bout tous les rimeurs, und um die Unberufenen abzuwehren, wohl thut, dieselben auf das genaueste beizubehalten. Sondern das Sonnett ist vornämlich dann gut, wenn sein Inhalt ein kleines, volles, wohl abgerundetes Ganzes ist, das kein Glied merklich zu viel oder zu wenig hat, dem der Ausdruck überall so glatt und faltenlos, als möglich, anliegt, ohne jedoch im mindesten die leichte Grazie seiner hin und her schwebenden Fortbewegung zu hemmen. Es muß aus der Seele, es muß von Zunge und Lippen gleiten, glatt und blank, wie der Aal, welcher der Hand entschlüpft und auf dem bethaueten Grase sich hinschlängelt. Wenn man verfucht das gute und vollkommne Sonnett in Prose aufzulösen, so müßte es einem schwer werden, eine Sylbe, ein Wort, einen Satz aufzugeben oder anders zu stellen, als das Alles in Versen steht. Ja sogar die überall äußerst richtig, voll und wohltönenden Reimwörter müssen nicht nur irgendwo im Ganzen, sondern auch gerade an ihren Stellen, um des Inhalts willen, unentbehrlich scheinen. -- Und ist denn das etwa nicht schwer genug? -- Allerdings! Allein dem Meister der Kunst doch nicht so viel schwerer und zwangvoller, als jedes andere kleine Lied. Darf denn dieses etwas anders seyn, als gleichsam ein Hauch, leicht aus der Brust empor gehoben und von den Lippen weggeblasen, nicht aber herausgewürgt, gehustet, geräuspert, gekrächzet, geröchelt. -- Das Sonnett ist übrigens eine sehr bequeme Form, allerlei poetischen Stoff von kleinerem Umfange, womit man sonst nichts <155, 732> anzufangen weiß, auf eine sehr gefällige Art an den Mann zu bringen. Es nimmt nicht nur den kürzeren lyrischen und didaktischen sehr willig auf, sondern ist auch ein schicklicher Rahmen um kleine Gemälde jeder Art; eine artige Einfassung zu allerlei Bescheerungen für Freunde und Freundinnen.” --Bürger' s Ausspruch über das Sonnett ist gewiß am gültigsten, weil er mit unbeschreiblicher Zartheit und ganz eigenem Zauber in dieser Versart dichtete, und sie dem Deutschen Ohre in eigener Sprache anziehend machte. Er lieh ihm das Italienische Gewand und verschwisterte dasselbe mit der Deutschen Kraft. Seine Sonnette sind Meisterstücke der Kunst, sowohl im Technischen, im Versbaue, als in der Annehmlichkeit der Sprache, im Ausdruck, und im tief Empfundenen des Gesagten. Er war der Erste, der das Sonnett mit Glück auf Deutschen Boden verpflanzte und es auch hier, trotz seiner südlichen Natur, heimisch machte, so daß es in den Gärten der Dichtkunst mit Liebe gepflegt ward und noch wird. Nach ihm erschien eine Fluth von Sonnetten, unter denen freilich viele, dem Ausspruche des Meisters nach, die Probe nicht halten, dagegen aber auch eine große Anzahl vortrefflicher Sonnette, welche den Dichtungen dieser Art der Italiener in der blüthenreichsten Zeit kühn zur Seite gestellt werden können.

Wie schon oben bemerkt worden, besteht das Sonnett aus vierzehn Zeilen, welche eigentlich so gestellt werden, daß das Ganze vier Abschnitte bildet, zwei von vier und zwei von drei Zeilen. Eigentlich besteht das Ganze aber nur aus zwei Abschnitten von acht und von sechs Zeilen, weil sich die ersten acht Zeilen untereinander reimen, und die letzten sechs auch wieder. Die ersten reimen gewöhnlich so, daß die erste, vierte, fünfte und achte Zeile einen Reim und die zweite, dritte, sechste und siebente den zweiten machen; aber <155, 733> auch im zweiten Reime eine um die andere wechseln; der zweite Absatz kann mit zwei oder drei Reimen nach Belieben wechseln. Gemeiniglich hat der weibliche Reim in der Zeile eilf Sylben und der männliche zehn; allein man hat ihn auch von zehn und neun Sylben; auch wechseln die männlichen mit den weiblichen nicht immer ab, sondern oft besteht das ganze Sonnett aus weiblichen Reimen. Dieses ist daher willkührlich, wenn nur das Ganze lieblich, gerundet und klangvoll erscheint oder sich hören läßt. Uebrigens enthält der Schluß den Schlüssel des Sonnetts, das heißt, der letzte Abschnitt oder die letzten sechs Zeilen müssen den ersten öffnen; sie müssen die Pointe enthalten oder mit einem sinnreichen Gedanken schließen. Die gehaltvollsten Sonnette sind diejenigen, wo der erste Absatz den Vortrag enthält und mit der vierten Zeile ein vollkommener Gedanke geschlossen wird; in dem letzten Absatze oder Abschnitte aber die Folge aus dem vorhergehenden durch glückliche Wendungen auf einen schönen Schluß geführt werden. Hier ein Sonnett von Bürger, als Probe des von diesem meister Gesagten:

Trauerstille.

O wie öde, sonder Freudenschall,
Schweigen nun Palläste mir, wie Hütten,
Flur und Hain, so munter einst durchschritten,
Und der Wonnesitz am Wasserfall!
Todeshauch verwehte deinen Hall,
Melodie der Liebesred' und Bitten,
Welche mir in Ohr und Seele glitten,
Wie der Flötenton der Nachtigall.
Leere Hoffnung! nach der Abendröthe
Meines Lebens einst im Blüthenhain
Süß in Schlaf durch dich gelullt zu seyn!
Aber nun, o milde Liebesflöte,
Wecke mich beim letzten Morgenschein
Lieblich, statt der schmetternden Trompete.


<156, 1>
Sonntag Klassifizierung: 398.4 Paranatürliche und legendäre Phänomene als Themen der FolkloreDDC-Icon Klassifizierung: 263 Heilige Tage, Zeiten und OrteDDC-Icon Klassifizierung: 529 ChronologieDDC-Icon , Dies Dominica, Dies Solis; Franz. Dimanche, eigentlich der erste Tag der Woche, welcher bei den Christen, von den Zeiten der Apostel an, zum Andenken der Auferstehung des Heilands, anstatt des jüdischen Sabbathes oder Sonnabends zum Gottesdienste gewidmet worden, und daher der Tag des Herren genannt wird und von der ganzen Christenheit beibehalten worden. Dieser Tag ist also in allen christlichen Kirchen ein beständiger Feiertag, an welchem dem Herren Dankgebete für die verflossene Woche gebracht oder gehalten werden. Der weiße Sonntag, eine noch im Oberdeutschen übliche Benennung des Sonntags nach Ostern oder Quasimodogeniti, welcher in dem Mittelalter auch Dominica in albis genannt wurde, von den weißen Kleidern, welche man in den ältesten Zeiten in den ersten acht Tagen nach Ostern zu tragen pflegte. Der schwarze Sonntag, in dem gemeinen Leben einiger Gegenden, der Sonntag Judica, weil derselbe vorzüglich unglücklich sein soll. Die goldenen Sonntage, <156, 2> auch nur noch bei der Menge, den weniger Aufgeklärten, die Sonntage, welche gleich auf die Quatember folgen. Der Aberglaube legt ihnen viele geheime Kräfte bei, z. B. daß Kinder, welche an denselben geboren werden, Gespenster sehen können, Kinder, welche an denselben getauft, Verlöbnisse und Hochzeiten, welche an denselben gehalten oder getroffen werden, viel Glück dadurch erhalten, und Erstere zu Gut und Ehren kommen, und was dergleichen Dinge mehr sind; dann der Palmsonntag etc.

Sonntag, (goldner), s. oben, Pfeil-IconS. 1.

Sonntag, (Palm=), s. Th. 106, Pfeil-IconS. 324.

Sonntag, (schwarzer=), s. oben, Pfeil-IconS. 1.

Sonntag, (weißer=), s. Pfeil-Icondaselbst.

Sonntagsarbeit Klassifizierung: 331 ArbeitsökonomieDDC-Icon , wird die Flickerey, Flickarbeit in den Gewerben genannt, weil solche gewöhnlich am Tage der Ruhe, am Sonntage vorgenommen wird, und man solches als eine Extraarbeit betrachtet. Auch viele Gesellen nehmen solche am Sonntage vor, wenn sie beim Meister nichts zu thun haben, und sich dadurch noch etwas extra verdienen können, besonders ist dieses der Fall in großen Städten; s. auch Th. 14, Pfeil-IconS. 227 u. f.

Sonntagsbuchstab Klassifizierung: 529 ChronologieDDC-Icon , Litera Dominicalis, in der Chronologie, der Buchstab, mit welchem in dem Julianischen und Gregorganischen Kalender jeder Sonntag eines jeden Jahres bemerkt wird; und damit die Kalendermacher den Wochentag, auf welchen der Ostervollmond fällt, um so leichter finden können, so bemerken sie die Wochentage mit den sieben ersten Buchstaben des Alphabets, und heißen jederzeit den ersten Tag des Jahres A. Von da an zählen sie bis auf den Sonntag, so ergiebt sich der Sonntagsbuchstab, der aber nicht alle Jahre gleich ist; denn da der Anfang des Jahres um einen Tag, und nach einem Schaltjahre um zwei Tage in der Woche fortrückt, so <156, 3> geht der Sonntagsbuchstab in einem gemeinen Jahre um einen, in einem Schaltjahre aber um zwei zurück. Und daher müssen in einem Schaltjahre zwei Sonntagsbuchstaben seyn, und zwar der erste vom Anfange des Jahres bis zum 24. Februar, der andere aber von da an bis zum Ende des Jahres. Um die Sonntagsbuchstaben ohne Mühe zu finden, dient folgende Tabelle.

Sonntagsbuchstaben zum Gregorganischen Kalender.

1 DC 5 FE 9 AG 13 CB 17 ED 21 GF 25 BA
2 B 6 D 10 F 14 A 18 C 22 E 26 G
3 A 7 C 11 E 15 G 19 B 23 D 27 F
4 G 8 B 12 D 16 F 20 A 24 C 28 E

Sonntagsbuchstaben zum Julianischen Kalender.

1 GF 5 BA 9 DC 13 FE 17 AG 21 CB 25 ED
2 E 6 G 10 B 14 D 18 F 22 A 26 C
3 D 7 F 11 A 15 C 19 E 23 G 27 B
4 C 8 E 12 G 16 B 20 D 24 F 28 A

Sonntagsfeier Klassifizierung: 248 Christliche Erfahrung, christliche Praxis, christliches LebenDDC-Icon Klassifizierung: 264 Öffentliche ReligionsausübungDDC-Icon , die Feier des Sonntags, durch Gesang und Gebet im Hause, und in den Kirchen.

Sonntagskind Klassifizierung: 398.4 Paranatürliche und legendäre Phänomene als Themen der FolkloreDDC-Icon , ein Kind, welches an einem Sonntage geboren worden. Ist dieses nun auf einen goldnen Sonntag geschehen, so können dergleichen Kinder, wie der Aberglaube will, Gespenster sehen, ja man hält auch dafür, daß sie späterhin in allen ihren Unternehmungen viel Glück erhalten, zu Reichthümern und Ehre gelangen, und was dergleichen Dinge mehr sind; s. auch oben, unter Pfeil-IconSonntag.

Sonntagskleid Klassifizierung: 391 Kleidung und äußeres ErscheinungsbildDDC-Icon , ein Kleid, welches man nur an einem Sonntage anzieht, welches zum Sonntagsanzuge bestimmt worden, zum Unterschiede von den Wochenkleidern, der Wochentracht, Alltagstracht, in welcher man sich nur in den Wochen= oder Werktagen sehen läßt. Dergleichen Sonntagskleider waren in älteren Zeiten sowohl bei den vornehmeren Klassen, den Gebildeten, als bei den niedern gebräuchlich, sind <156, 4> aber in neuerer und in neuester Zeit nur noch eine Eigenthümlichkeit der niedern Stände, des gemeinen Mannes geblieben, der sich für den Sonntag noch besondere Kleider hält, besonders bei der arbeitenden Klasse, dem Landmanne und den Handwerkern, wenn diese die Woche hindurch sich mit ihrem Gewerbe besehäftigen, welches Reinlichkeit in einem solchen Grade nicht immer zu läßt, um dabei gut gekleidet zu erscheinen, und daher erscheinen sie am Tage der Ruhe, am Erholungstage gern reinlich und gut gekleidet. Es wird also für den Sonntag das beste Zeug, die besten Kleidungsstücke, zurückgelegt. Diese Kleider sind in der Regel etwas feiner, als die an Werktagen, in der Werkstatt oder auf dem Felde getragenen, oft aber auch nicht, sondern der Anzug, die Kleidung, ist nur neu, und wird so lange am Sonntage getragen, bis die alte zerrissen ist, dann kommt die Sonntagskleidung an deren Stelle, und dafür wieder eine neue. Dieses ist jedoch nicht überall gleich, sondern richtet sich nach dem Ueblichen, nach dem Gebrauche. Diese Sonntagskleider beschränken sich nun nicht bloß bei männlicher Bekleidung auf den Rock, sondern auf den ganzen Anzug vom Kopf bis zum Fuße, und so auch bei weiblichen Anzügen.

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