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Fenster Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 721.823 Fenster DDC-Icon , *

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Dieses Wort lautet schon bey dem Willeram Venstro, unter den schwäbischen Kaisern Venster und im Diminut Vensterlin, im Nieders. Finster, im Schwed. Fönster, im Wallis. Ffenestr, im Epirot. Fniestra. Es ist unstreitig aus dem Lat. Fenestra entlehnet, zumahl da die übrigen nördlichen und abendländischen Europäer ihre ganze heutige Bauart aus Italien bekommen haben. Indessen kann es seyn, daß dieses Wort, wenigstens der ersten Hälfte nach, von dem Goth. und Ißländ. Fon, Feuer, Licht, Griech. φεγγος, Glanz, φαινομαι, ich scheine, und Hebr. בנה, zeigen, sehen, abstammet. Im Oberd. hat man statt dieses Wortes auch Beye, Peye, welches mit dem Franz. Baye, Bée und béer übereinkommt.

L. Fenestra, Fr. Fenêtre. 1. Diejenige Oeffnung in einer Mauer oder Wand, durch welche <12, 560> das Licht in ein Zimmer fällt. An das Fenster treten. Zum Fenster hinaus sehen. Sich in das Fenster legen. Aus hohen Fenstern sehen, figürl. stolz thun.

2. Diejenige Materie, womit diese Oeffnung ausgefüllet wird, und welche das Licht durchläßt, nebst ihrem Rahmen.

Die Fenster sind zur Bequemlichkeit nothwendig, können aber auch zugleich zur Verschönerung eines Gebäudes dienen, dessen Außenseiten weder mit Säulen noch Pfeilern verziert sind, und die ein allzu kahles Ansehen haben würden, wenn das Einförmige nicht durch eine geschickte Austheilung der Fenster unterbrochen wäre.

Die Fenster sind in Ansehung ihrer Gestalt sehr verschieden; denn man hat Kirchenfenster, Fenster zu den Wohngebäuden, Gewächshausfenster, Mistbeetfenster, und Stallfenster.

Klassifizierung: 726 Gebäude für religiöse und verwandte ZweckeDDC-Icon Die Kirchenfenster können keine Proportion haben, weil die Gestalten der Kirchen sehr verschieden sind. Daher richten sich solche sonderlich nach der Höhe des Gebaudes, und nach dem Zwischenraume der Pfeiler; denn wo solche schmal ist, so müssen auch nothwendig die Fenster schmal werden, damit auch die Mauern durch eine allzu große Oeffnung nicht geschwächet werden. Es müssen daher solche Fenster nur 2 Felder neben einander, hingegen 6, 9, bis 14 Felder über einander haben, da denn ein Feld 1 1/2 bis 2 Fuß breit, und auch wohl so hoch und höher seyn kann. Ist aber der <12, 561> Zwischenraum der Pfeiler an der Mauer weiter, so werden auch die Fenster nach Befinden breiter, und bekommen 3 bis 4 Felder neben einander. Diese Fenster aber sind, in Ansehung ihrer Höhe und Breite nicht zu bestimmen; denn es müssen dieselben sich allemahl nach der Größe der Kirchen, und dem daselbst befindlichen Raume richten.

Die Kirchenfensterrahmen sind, nach Verschiedenheit ihrer Größe, entweder von Holz oder Stein. Letztere bestehen aus steinernen Pfosten, und eisernen zusammengeschraubten Schienen, und werden vornehmlich in großen Kirchen gebraucht. Die Größe dieser Fenster, und die mehrere oder wenigere Beschwerlichkeit bey dem Einsetzen derselben, erhöhet oder mindert deren Preise.

Eine Berechnung der Kosten eines Kirchenfensters mit Glastafeln, findet man in Angermanns allgem. pract. Civilbaukunst, Halle, 1766, gr. 8 S. 332, f. und 7 Anschläge zu Kirchenfenstern, von verschiedener Höhe und Breite, in No. 27 des Leipz Intell. Bl. v. J. 1776, S. 248.

Die Verfertigung der geschmiedeten eisernen Rahmen der Kirchenfenster, wird in des Hrn. Duhamel Schlösserkunst, (im IX B. des übers. Schauplatzes der Künste und Handwerke, Leipz. und Konigsb. 1769, gr. 4 S. 169 fgg.) beschrieben.

In den alten Zeiten pflegte man die Kirchenfenster über und über zu bemahlen, (s. den Art. Pfeil-IconGlasmahlerey,) daß kein genugsames Licht in die Kirchen fallen konnte. Wenn die Mahlerey in den Fenstern nicht so gewaltig überhand genommen hätte, sondern man nur ganz sparsam damit umgegangen wäre, und z. E. die Ränder der Fenster mit einer zarten gemahlten Einfassung versehen hätte, so würde solches gewiß ganz artig gelaßen haben, und in den großen Kirchenfenstern, wenn sie nicht mit überflüßigem Bley, so ebenfalls viel Licht benimmt, angefüllt gewesen, noch Platz genug zum Lichtgeben übrig geblieben seyn.

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Bey Anlegung der Fenster in den Wohngebäuden, muß der Baumeister auf ihre doppelte Bestimmung, nähmlich ihren wesentlichen Nutzen zur Erlenchtung, und ihre Verschönerung der Außenseiten, Acht haben. Beydes verdient eine nähere Betrachtung.

Klassifizierung: 750 Malerei und GemäldeDDC-Icon In Ansehung der Erleuchtung, muß man voraussetzen, daß ein Zimmer sowohl Ueberfluß als Mangel an Licht haben könne. Das letzte ist außer Zweifel; das erstere wird durch die Grundsätze der Mahlerkunst offenbar, nach welcher der Ueberfluß des Lichtes ein Gemählde matt machet. In einem Zimmer nehmen sich die Personen und Sachen bey einem gemäßigten Lichte besser aus, als beym überflüssigen, welches auch in andern Umständen blendet. Der Baumeister hat also hierinn sich zu bemühen, daß er das rechte Maß treffe. Dieses geschiehet, wenn die Wand, an welcher die Fenster sind, ungefähr dem Lichte eben so viel verschlossenen, als offenen Raum hat, oder auch etwas mehr, so, daß allemahl zwischen zwey Fenstern ein Pfeiler stehe, der wenigstens die Breite eines Fensters habe. Es ist eine unangenehme Sache, wenn ein Zimmer einer Laterne gleichet, und dem Lichte überall offen steht. Auch soll man, ohne die höchste Noth, die Fenster nicht an zwey auf einander stoßenden Wänden machen; denn dadurch bekommt das Zimmer zwey sich kreutzende Lichter, welches unangenehme doppelte Schatten und Halbschatten verursachet, und in vielen Fällen blendet. Man thut so gar wohl, wenn man die Erleuchtung von zwey einander gegenüber stehenden Wänden vermeidet.

Bey der Erleuchtung hat man auch auf die Größe der Fenster zu sehen; diese aber muß der Höhe der Zimmer angemessen seyn. In ordentlichen Wohnzimmern, welche 12 bis 14 Fuß hoch sind, scheint die Höhe der Fenster von ungefähr 8 Fuß die besten zu seyn. Ihre beste Stellung aber scheint die zu seyn, da, von dem obersten Rande des Fensters bis an die Decke, ein Raum von <12, 563> zwey bis dritthalb Fuß ist, wodurch denn auch die Höhe der Mauer oder Wand unter dem Fenster, oder der so genannten Brüstung (Brustlehne, Brustmauer) bestimmet wird. Damit aber die Winkel an den halben Pfeilern, und der Platz hinter den ganzen Pfeilern, nicht gar zu dunkel werden, so muß man die Ausschnitte der Fenster schräge machen, und die Pfeiler inwendig verschmählern, und zwar desto mehr, je dicker die Mauern sind. Der schräge inwendige Ausschnitt der Mauer, welchen man die Schmiege, Fr. Ébrasement, Embrasement, Ébrasure oder Embrasure, nennet, ist hinlänglich, wenn auf jeden Fuß der Mauerdicke 2 Zoll gerechnet werden.

Die Brüstung unter dem Fenster, muß bey gewöhnlichen Fenstern 3 Fuß Höhe haben. Bey 3 Fußen hat der Mensch ein Hauptgelenk, wenn er sich biegen und zum Fenster hinaus sehen will. Ist nun die Brüstung höher, so stößt er mit dem Leibe gegen dieselbe; ist sie hingegen niedriger, als 3 Fuß, so läuft er Gefahr, beym Hinaussehen das Uebergewicht zu bekommen und hinaus zu stürzen Siehe auch Th. VII, Pfeil-IconS. 141, f.

Es geschieht sehr oft, daß die äussere Anordnung der Fenster mit der innern streitet, so daß jede für das Fenster einen besondern Platz erfordert. In diesen Fällen hat der Baumeister die größte Ueberlegung nöthig. Denn da ein Fehler unvermeidlich ist, so kommt es darauf an, daß er am geschicktesten versteckt werde. Wenn z. B. das Aeussere eine Anordnung der Fenster erforderte, wodurch in einem Zimmer die beyden Winkel an den letzten Fenstern ungleich würden, welches allemahl ein Fehler wäre, so könnte man sich einiger Maßen durch Verstärkung oder Verschwächung der innern Mauern, welche das Zimmer einschließen, helfen. Ueberhaupt muß man, wo es immer möglich ist, den Fehler lieber inwendig, als von aussen, hinbringen. Sollten aber wichtige Ursachen dieses hindern, so muß man ihn von aussen durch geschickte Hülfsmittel zu verbergen suchen.

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Klassifizierung: 722.8 Griechische (Hellenische) ArchitekturDDC-Icon Klassifizierung: 722.7 Römische ArchitekturDDC-Icon Die alten Griechen und Römer liebten in den Zimmern, ein von der Höhe einfallendes Licht, so, daß die Fenster in hohen Zimmern erst 12 oder mehr Fuß von der Erde angelegt, und ziemlich klein waren. Diese Erleuchtung hat ihre Vortheile, wiewohl sie wenig mehr gebraucht wird, indem man jetzt die Aussichten aus den Zimmern liebet.

S. Winkelmanns Anmerkungen über die Baukunst der Alten, S. 41.

Die äußere Anordnung der Fenster erfordert die meiste Ueberlegung. Sie geben den Außenseiten, welche nicht mit Säulen oder Pilastern geziert sind, das vornehmste Ansehen, und vertreten die Stelle der Felder an einer geraden Fläche. Sie müssen nach den Grund=Sätzen der Regelmäßigkeit und der Eurythmie gesezzet, und nach den guten Verhältnissen und der Zusammenstimmung angeleget werden.

Die Regelmäßigkeit erfordert, daß alle Fenster eines Stockwerkes (Geschosses) auf gleichen wagerechten Linien stehen, und gleich groß seyn, wiewohl dieses letztere bisweilen eine Ausnahme leidet. Feiner, daß die Wände alle senkrecht, und die Fenster der verschiedenen Stockwerke gerade auf einander treffen. Die Regeln der guten Verhältnisse erfordern, daß weder die Oeffnungen, noch das Volle der Mauer, zu sehr hervorsteche. Es scheint allemahl besser zu seyn, eher mehr volle Mauer, als Fenster, zu machen, welches auch der innern Erleuchtung zu statten kommt.

Die Fenster müssen sowohl neben einander in gerader Linie liegen, als auch über einander in gerader Linie stehen. Neben einander müssen sie in gerader Linie, der Nothwendigkeit und Schönheit wegen, liegen, weil die Fußböden in jeder Etage in gerader Linie fortgehen, und darüber die Fenster 3 Fuß hoch, oder doch gleich hoch, erhaben seyn müssen, wie aus dem Folgenden erhellen wird. Was die Schönheit betrifft, so gefällt die gerade Linie bey den Fenstern, gegen auf= und niedergestellte Fenster, dem Auge so, wie die in einer Allee gesetzten Bäume gegen die auf einem Landwehr Graben aufgewachsenen Eichen. Ueber einander aber müssen sie der Stärke und Schönheit wegen gestellt werden. Die Räume oder so genannten Schäfte <12, 565> zwischen den Fenstern sind wirkliche Pfeiler. Sollten nun die Fenster nicht in gerader Linie über einander, und ein Pfeiler also über eine Fensteröffnung zu stehen kommen, so würde ein solcher darüber gesetzte Pfeiler schlecht gegründet stehen. Dem Auge gefallen gerade neben und über einander gestellte Fenster, gegen hin und wieder gesetzte, wie die in einem Garten nach geraden Linien gestellten Obstbäume gegen einen wild aufgewachsenen Wald.

Bey einem Gebäude, wo von außen immer auf die ganze Masse gesehen wird, ist das Einfache dem Ueberladenen allemahl vorzuziehen. Eine Außenseite ohne alle Fenster, oder mit sehr wenigen, ist auch bey dem großen oder fast gänzlichen Mangel des Mannigfaltigen ganz erträglich, da hingegen der Ueberfluß der Fenster, und anderer zum Mannigfaltigen gehörigen Stücke, ekelhaft ist.

In gemeinen Wohnhäusern läßt sich die Anzahl der Fenster in einer Reihe der Außenseite leicht bestimmen. Man theilet die ganze Breite der Außenseite durch die doppelte Zahl der Fuße einer Fensterbreite, oder durch dieselbe Zahl etwas größer genommen; der Quotient gibt die Anzahl der Fenster. Wir wollen den Fall setzen, ein Gebäude sey 56 Fuß breit, und man habe die Breite der Fenster auf 4 Fuß gesetzt, so theile man 56 durch 8. Der Quotient 7 zeiget an, daß 7 Fenster angebracht werden müssen. Alsdenn ist in der Breite der Außenseite so viel Mauer, als Oeffnung. Wollte man weniger Fenster haben, so theile man die Breite der Außenseite durch eine etwas größere Zahl. Wenn z. B. die Länge der Seite 80 Fuß, und die Fensterbreite 4 Fuß wäre, so theile man sie nicht durch 8, sondern durch 10, so hätte man 8 Fenster, und alle Fenster zusammen machten die Summe der Oeffnungen 32 Fuß; die Summe der Pfeiler aber wäre 48 Fuß.

Hierbey kommen aber verschiedene Betrachtungen vor, welchel zu wichtigen Ausnahmen dieser Regeln Gelegenheit geben. Erstlich ist in den Hauptaußenseiten, wo die Thüren und Porale stehen müssen, eine ungerade Zahl der Fenster nöthig; <12, 566> dieses erfordert die Eurythmie, damit die Thüre in die Mitte kommen könne. Darnach muß sich die Eintheilung der Aussen=Seiten in Fenster und Pfeiler richten. Daher muß man die Länge der Aussenseiten allemahl durch eine solche Zahl theilen, daß der Quotient eine ungerade Zahl werde, z. E. 5, 7, 9, 11. Dieser Betrachtung zu gefallen, muß man entweder die Breite der Pfeiler oder der Fenster etwas vermindern, oder vermehren. Gesetzt, die Breite der Aussenseite sey 48 Fuß, und man könnte dem Fenster höchstens 4 Fuß Breite geben. Wollte man nun die Zahl 48 durch 8 theilen, so bekäme man für die Anzahl der Fenster 6 welches eine gerade Zahl ist. Daraus aber folget, daß man entweder 5 oder 7 Fenster machen müsse. Zu einem von beyden muß man sich entschließen. Leidet es die innere Einrichtung, so muß man allemahl die kleinere Zahl der größern vorziehen. Gesetzt also, man wollte nur 5 Fenster machen, so nähmen sie 20 Fuß von der Breite ein, die Pfeiler aber 28 Fuß, welches für einen Pfeiler 5 2/3 Fuß gäbe. Fände man nun, daß die Pfeiler für die innere Erleuchtung zu groß wären, so muß man auf Mittel bedacht seyn, durch einen Kunst=Griff diesem Fehler abzuhelfen.

Man setze den Fall: die höchste Breite der Pfeiler soll 4 1/2 Fuß seyn, so, daß alle 5 Pfeiler 22 1/2 Fuß betrügen, so blieben von dem Raume, den sie einnehmen müssen, noch 5 1/2 Fuß übrig. Diese suchte man dergestalt in die Mitte zu bringen, daß man dem Fenster in der Mitte etwa einen halben Fuß mehr, jedem Pfeiler daran etwa 1 1/2 Fuß mehr, und den beyden halben Eck=Pfeilern das übrige gäbe. Diese Ungleichheit aber läßt sich sowohl von aussen, als auch, wenn man es nöthig findet, von innen verstecken. Von aussen, wenn man die breiten Pfeiler am mittlern Fenster durch Verkröpfung oder Wandpfeiler in eine Gleichheit mit den andern bringt; von innen, durch Verstärkung der Mauer, wie schon vorher errinnert worden ist.

Wenn die ganze Breite oder Länge der Aussenseite sich nicht so will theilen lassen, daß der Quotient eine ungerade Zahl wird: so kann man sich auch dadurch helfen, daß man gleich einen Theil für die besondere Mitte des Gebäudes davon nimmt, damit das übrige einen geraden Quotienten bekomme; alsdann sucht man die abgeschnittene Zahl für die Mitte auf eine geschickte Weise einzutheilen, wie vorher gedacht worden ist. z. E. die Länge wäre 96 Fuß, und man wollte sie gern durch 8 theilen, d. i. jedem Fenster 4 Fuß, und jedem Pfeiler eben so viel, geben. Weil nun auf diese Weise ein gerader Quotient heraus <12, 567> käme, so nehme man 16 Fuß für die Mitte ab, und theile den Rest 80 durch 8, so bekommt man die Anzahl der 8 Fenster. Die Mitte, welche 16 Fuß beträgt, sondere man durch Vortretung oder Einziehung von dem andern ab, und suche ihr eine besondere geschickte Eintheilung zu geben. Sollte, nachdem alles festgesetzt worden ist. sich finden, daß das mittelste Fenster, dem guten Ansehen zum Nachtheil, zu breit oder zu schmal ist, so kann man ihm im ersten Falle durch eine schmälere, im andern durch eine breitere Einfassung etwas helfen.

Die Methode, welche man an vielen Wohnhäusern anbringt, da man der geraden Zahl Fenster nicht hat ausweichen wollen, die Thüre an ein Ende der Aussenseite zu setzen, gibt oft der innern Eintheilung ziemliche Vortheile; doch steht sie nicht allzu gut für das Ansehen der Außenseite.

Mit der Höhe der Fenster ist der Baumeister weniger gezwungen, weil er die Höhe des ganzen Gebäudes mehr in seiner Gewalt hat, als die Breite desselben. Es muß aber die Höhe sowohl des ganzen Gebäudes, als jeden Stockwerkes, so genommen werden, daß zwischen zwey über einander stehenden Fenstern eine hinlängliche Masse Mauer sey, ungefähr so hoch als ein Fenster, und daß die Gebälke oder Gesimse, welche über den Fenstern weggehen, ihren vollen Platz haben, und das Fenster nicht einzudrücken scheinen. Am allerungereimtesten ist der Fehler, der doch in einigen prächtigen Gebäuden, wie an dem königl. Schlosse in Berlin, begangen worden, da die obersten Halbfenster in das Gebälke hinein treten.

Ueber das Verhältniß der Höhe der Fenster zu der Breite, haben wir wenig anzumerken. Man hat gefunden, daß diejenigen Fenster am besten stehen, welche ungefähr halb so breit, als hoch sind. Merklich höher, bekommen sie ein zu leichtes Ansehen, und nähern sich dem Ansehen bloßer Ritzen in der Mauer. Merklich niedriger, scheinen sie zu schwer und zu plump. Indessen lehrt die Erfahrung, daß die halben Fenster in Attiken und halben Etagen, wenn sie ungefähr so hoch, wie <12, 568> breit, oder etwas höher sind, das Ansehen der Gebäude eben nicht verderben.

Gewöhnliche Fenster in den allerschlechtesten Häusern müssen 3 Fuß breit, und können noch einmahl so hoch seyn; am besten aber ist es, wenn man ihre Oeffnungen so groß, als die gewöhnlichen Thüröffnungen, machet, und sie auch in der Größe bey ansehnlichern Häusern so zunehmen läßt, wie die Größe der gewöhnlichen Thüren zunimmt.

Daß man sie nicht schmähler, als 3 Fuß nimmt, geschiehet, weil sie gar zu wenig Licht geben, und zwo Personen nicht zu gleicher Zeit davor stehen, und zugleich heraus sehen können. Ueber 5, oder gar 6 Fuß dieselben breit zu machen, wäre überflüssig und schädlich, weil ein Fenster von 5 Fuß Breite meistentheils dreymahl so viel, und eins von 6 Fuß viermahl so viel Licht, als eins von 3 Fuß Breite, und also Licht genug gibt. Wollte man es breiter, als 5 oder 6 Fuß machen, so bürdet man dem Theile der Mauer oder Wand über dem Fenster, welcher das Fenster oben schließet, oder dem so genannten Fenstersturz, (Fr. Fermeture, Linteau) zu viel Last auf, daß er leicht brechen kann.

Daß man die Fenster höher als breiter macht, geschieht der Gemächlichkeit und der Stärke wegen. Denn, wollte man sie bren, und nicht hoch machen, und sie nahe an die Decke sezzen, so würden sie zwar Licht genug in das Zimmer geben, man würde aber nicht heraus sehen können, man müßte denn eine Treppe ansetzen, und dadurch das Zimmer beengen. Wollte man sie niedrig legen, daß man füglich heraus sehen könnte, so würde, vornehmlich in Städten, das von oben herab fallende Tageslicht nicht vieles von dem Zimmer, und dasjenige, was ein wenig in dem Zimmer erhalten ist, gar nicht erleuchten; und in beyden Fällen würde der Sturz sehr breit werden, und dadurch die aufliegende Last nicht so gut, als ein schmaler, tragen können. Die Proportion der Höhe zur Breite, nimmt man gern wie 1 zu 2.

Einige wollen die Fenster in der zweyten Etage höher, als in der ersten, und die in der dritten höher, als die in der zweyten, u. s. f. machen, und zwar wegen einer optischen Nothwendigkeit, weil die höheren Sachen einen kleinern Augenwinkel machen, und man ihnen durch die Erhöhung der Fenster zu Hülfe kommen könnte. Ich halte aber diese Subtilität, welche man vom Vitruv lernen wollen, für unnütz, weil das Auge schon ungefähr weiß, ob es eine Sache recht= oder schiefwinke<12, 569>lig ansiehet, und wenn es bey dem schiefwinkeligen Ansehen einen kleinern Augenwinkel erhält, daß darum die Sache nicht kleiner ist, sondern es beurtheilt der Sachen Größe nach dem schiefen Winkel. Ueberdieß würde auch, wenn man den optischen Kunstgriff brauchen wollte, die Frage entstehen, nach welchem Punct der Aussicht die Einrichtung der Erhöhung zu machen sey; und man würde unzähliche Puncte vor sich finden, die auch verschiedene Erhöhungen erfordern würden. Daß man der zweyten Etage, falls dieselbe als ein Prachtgeschoß (BelEtage, s. Th. XI, Pfeil-IconS. 663) gelten und die vornehmsten Zimmer erhalten soll, höhere Fenster, als der untern, gibt, thut man wegen des jetztgedachten Vorzuges der ansehnlichen Zimmer; sonst könnten die Fenster der untern Etage höher, als der zweyten, und je höher die Etagen lägen, die Fenster immer niedriger gemacht werden, weil die höhern dem Tageslichte mehr ausgesetzt sind, als die untern, und also hinlänglich Licht geben, wenn sie auch niedrig gemacht werden. Wollte man also folgende Proportion beobachten, und in der ersten Etage die Höhe der Fenster zur Breite, wie 2 zu 1; in der zweyten, wie 12 zu 7; in der dritten, wie 12 zu 8; in der vierten, wie 12 zu 9; in der fünften, wie 12 zu 10 etc. einrichten, so würde man nicht unrecht thun. Es ist aber auch nicht unrecht gethan, daß man in den völligen Etagen gleich hohe Fenster setzet, in den Halb=Etagen oder Zwischenstockwerken (Entresole, s. Th. XI, Pfeil-IconS. 76) aber, wenn man solche über die völligen Etagen leget, auch Halbfenster machet, von welchen weiter unten sprechen werde.

In Ansehung der Figur, gehen die meisten Stimmen der Kenner auf das Viereckige; die am edelsten sind, verwerfen alle Fenster mit Bogen, sie seyn voll, oder gedruckt. Diese scheinen den feinsten Geschmack zu haben. Doch kann man nicht sagen, daß die sehr niedrigen Bogen die Schönheit der Fenster ganz verstellen. Fenster mit völlig halbrunden Bogen, zumahl wenn sie enge an einander stehen, und Bänder oder Gesimse über die Fenster hinlaufen, haben in der That etwas sehr beleidigendes. Dieses haben die Alten so sehr gefühlet, daß sie nicht einmahl ihre Thüren mit Bogen gemacht haben.

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Es fallen heut zu Tage Einige darauf, daß sie bey hölzernen Häusern den Riegel über den Fenstern nach einem flachen Bogenstücke aushöhlen, als wenn er gewölbt wäre, weil eine Zirkel=Linie besser, als eine gerade, in das Auge fällt. Nun ist letzteres zwar wahr; allein, die Schönheit muß auch nicht wider die Natur und Stärke streiten, nähmlich die Biegung soll als ein Gewölbebogen laßen, da man doch aller Orten wahrnehmen kann, daß Holz vorhanden ist; und überdieß schwächet die Aushöhlung das Riegelholz ohne Noth. An gemauerten Hausern, ist ein Bogen bey den Keller= und Halbfenstern nach einem sechsten Theile des Zirkels noch eher zuzugeben, indem beyde dadurch mehr Stärke erlangen, weil ein gewölbter Bogen noch eher zum Tragen fähig ist, als ein gerader Sturz, welches auch die Ursache ist, warum man den Platz über den Schmiegen der Fenster und Thüren mit einem Bogen, und nicht mit einem geraden Gewölbe zumauert. Die Kellerfenster haben das ganze Gebäude über sich, und die Halbfenster das Dach zu tragen; sie können also durch den Bogen gar wohl eine Verstärkung bekommen.

Fenster müssen nothwendig eine Einfassung haben; siehe den Art. Pfeil-IconOeffnung. Diese Einfassungen, PfeiliconFig. 632, sind von verschiedener Gattung; nähmlich: 1) ganz glatte; 2) Einfassungen, die den Architraven der Säulenordnung die Glieder abborgen; 3) Einfassungen, die außer den Architravsgliedern über dem Sturz, noch einen Borten (Frieß) und eine Kranzleiste haben; 4) Einfassungen, die einen Fronton haben; und endlich 5) Einfassungen, die nach heutiger Mode andere als Architravsglieder haben, und wohl noch mit Groteskerie versehen sind, und aus Bildhauerarbeit allerley Verzierungen erhalten

Die ganz glatten Einfassungen schicken sich am besten an schlechte Häuser, nicht aber an solche, wo Säulenordnungen angebracht sind, es wäre denn nur toscanische Ordnung, oder bey bäuerischem Werk *

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Bäuerisches Werk, Lat. Opus rusticum, Fr. Bossage, Rustique, nennet man in der Baukunst, wenn eine Mauer nicht glatt abgeputzet, sondern mit grob behauenen Steinen überkleidet, oder doch so mit Kalk beworfen wird, daß sie aus dem Groben gehauenen Steinen ähnlich siehet; s. Th. VI, Pfeil-IconS. 249.

. Siehe A, PfeiliconFig. 632. Diese Ein<12, 571>fassung hat zur Breite den fünften Theil des Fensters im Lichten.

B, stellet eine Fenster=Einfassung der zweyten Gattung vor. Es gleichet nähmlich dieselbe einem Architrav, der rings um des Fensters Oeffnung gehet, und aus der dorischen Ordnung genommen ist; daher man sie auch die dorische Einfassung nennen kann. Sie ist nicht gar zu schlecht, doch auch nicht überflüßig ausgeziert

C, ist eine Einfassung der dritten Gattung, nähmlich mit einem Borten und Kranz, so aus der ionischen Ordnung genommen ist; daher diese Einfassung die ionische heißen kann. An den beyden Ecken unter dem Borten, ist die Einfassung oder der sich herunter ziehende Architrav verkröpft, welche Verzierung man halbe Eckzierden nennen kann.

D, bildet eine Einfassung der dritten Gattung ab, indem sie oben einen Borten und Kranz hat; unter dem Borten aber sind volle Eckzierden, und das Simswerk ist deutsch; insonderheit ist die Einfassung aus dem Architrav der deutschen Ordnung genommen. Am Kranze sollten billig Sparrenköpfe seyn; allein, weil die Fenster Einfassungen enge und klein fallen, läßt man sie lieber gar weg.

E, ist eine Einfassung der vierten Gattung. Sie hat einen dreyeckigen Fronton, von dessen Gestalt und Bildung im Art. Pfeil-IconFronton handeln werde. Die eigentliche Einfassung ist aus dem römischen Architrav genommen, und mit vollen Eckzierden an allen vier Ecken versehen, weshalb sie eine römische Einfassung genennet werden kann. Am Kranzgesimse und Fronton sind die Sparrenköpfe aus vorberührter Ursache weggelaßen.

H, stellet noch eine Einfassung der vierten Gattung mit einem runden Fronton dar. Die eigentliche Einfassung ist aus dem corinthischen Architrave; daher sie auch die corinthische Einfassung genennet werden kann. Zur hinlänglichen Auszierung befinden sich Seitenrollen an beyden Seiten, die den Kranz tragen helfen, woran aber ebenfalls, aus vorgedachter Ursache, keine Sparrenköpfe angebracht sind.

F und G, sind Fenster=Einfassungen der fünften Gattung, die vielleicht einem und dem andern besonders gefallen möchten, einem Auge aber, welches sich an reiner Architectur belustiget, wegen der allzu krausen Grotesken=Auszierung gewiß mißfallen dürften.

Will jemand einen ganzen Vorrath von Fenster=Auszierungen beysammen sehen, so kann er Fäschens hundert Fenster=<12, 572>Einfassungen vor sich nehmen, und sich daraus die ihm gefälligste auswählen.

Fenster= und Thür=Einfassungen können einerley seyn, indem beyde um Oeffnungen kommen, die einander ähnlich, und gemeiniglich gleich groß sind; nur dieser Unterschied kommt dabey vor, daß bey Fenster=Einfassung auch vor dem Sohlstück die Umfassung befindlich, so aber bey den Thüren nicht nöthig ist. Das Uebrige der Einfassung kann bey beyden gleich angenommen werden.

Die Fenster, welche zur Erleuchtung eines Souterrains, z. E. eines Kellers, einer Keller=Küche u. d. gl. dienen, Fr. Fenêtre en abajour, richten sich in ihrer Breite nach den Fenstern im Gebäude. Ihre Höhe kann nach dem Raume oder der Höhe der Stockwerke des Gebäudes genommen werden; gemeiniglich sind sie nur halb so hoch als breit, oder werden wohl noch etwas niedriger gemacht, so, daß sich die Höhe zur Breite, wie 7 zu 8, oder wie 3 zu 4, verhält. Sie werden aus Noth so niedrig gemacht, weil man nicht viel Platz dazu hat; und überdieß haben Keller auch nicht viel Erleuchtung nöthig, ja, es ist gut, wenn die Sonne gar nicht hinein scheinen kann. Sind Domestikenwohnungen in den Souterrains, so müssen diese, weil die Zimmer keine Statszimmer sind, auch schon mit der Erleuchtung, welche diese Abajours geben, zufrieden seyn. Siehe auch Th. I, Pfeil-IconS. 28.

Die Fenster, welche über die Hausthüre gesetzt werden, wenn dem Hausflur kein ander Licht gegeben werden kann, (oder die von einigen so genannten Oberlichter) betragen in ihrer Höhe den fünften Theil der Thüre im Lichten; die Breite aber bleibt der Thüre gleich.

Die Halbfenster, welche auch Bastardfenster, und mit einem italiänischen Ausdrucke Mezzaninen, oder Mezzaninenfenster, genannt werden, werden über die ordinären Fenster der Zimmer gesetzt, und machen öfters bey hohen Zimmern inwendig eine Zierde. <12, 573> Oder, es kommen dergleichen in die Entresoles, d. i. in die zwischen der ersten und zweyten Etage befindlichen niedrigen Abtheilungen, woselbst theils Domestikenstuben, theils aber Vorrathskammern sich befinden. Diese Fenster bekommen den vierten Theil der Höhe des darunter befindlichen Fensters; die Breite aber ist dem darunter stehenden Fenster gleich. Die Brüstung in denselben darf nur 2 Fuß hoch genommen werden, weil sonst nicht Platz genug bleibt, über der Embrasure einen Bogen zu schließen, welcher wegen der auf liegenden Last doch nöthig ist. Damit aber, der niedrigen Brüstung wegen, jemand nicht leicht zum Fenster heraus stürzen könne, wird inwendig vor dem Fenster, bey 3 Fuß vom Boden an gerechnet, ein eiserner Stab in der Quere befestiget.

Um den Dachböden Licht und Luft zu geben, machet man Kapplöcher und Kappfenster von verschiedener Gestalt. Was zuförderst die Kapplöcher (Dachlöcher) betrifft, so ist die einfachste Art diejenige, welche man bey a, PfeiliconFig. 633, abgebildet siehet. Man macht sie bloß aus einem umgekehrten Forstziegel, welchen man unter den Ziegel stecket, der oben darüber ist, wo man eine Oeffnung von ungefähr 8 Zoll gemacht hat, und welche man allenfalls mit etwas Kalk oder Gyps einfaßt. Obgleich dieser umgekehrte Hohlziegel das Regenwasser, so vom obern Theile des Daches kommt, auf die Seite gießt, so läuft doch jederzeit etwas davon in den Boden. Bisweilen setzt man ein viereckiges Stück Glas hinein, welches man obenher mit der Einfassung von Kalk, welche den Hohlziegel hält, befestiget, unten aber lieget es auf dem Rande. Man läßt bey dem Glase auch 1 1/2 Zoll Zwischenraum, damit die Luft durchstreichen könne.

Die andere Art Kapplöcher, b, wird so gemacht, daß man zwey Stückchen Holz von dem einen Sparren zum andern setzet, welche einen kleinen Forst bilden. <12, 574> Da die Einkehlen an den Seiten sehr klein sind, so macht man sie aus zween Hohlziegeln, und läßt einige Reihen Ziegel darauf stoßen. Alsdenn decket man den Forst, und faßt die Seiten mit Kalk oder Gyps ein.

Das rechte und beste Kapploch, c, wird aus einem großen Ziegel a b, PfeiliconFig. 634, der in der Mitte durchbrochen ist, gemacht. Diese Oeffnung wird mit einer Kappe bedecket, die an jeder Seite ein Loch hat, in welches man zuweilen eine 4 bis 5 Zoll lange Röhre stecket. Den Untertheil a b, setzet man auf eine Latte. Von oben her wird es durch die Ziegel des Daches zugedecket; sein Untertheil aber decket die Ziegel, welche unten liegen, und es unterbricht diese Oeffnung keinesweges die Ordnung des Daches. Sie hat nur die Wirkung eines großen Ziegels, der ein großes offenes Feld hat, und auf welchen die Kappe gesetzt ist. In c, ( PfeiliconFig. 633) sieht man ihn an seiner Stelle.

Die Dachfenster, welche auch Kappfenster *

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Entweder von kapfen, welches auch in einigen Gegenden für gaffen üblich ist, ein Guckfenster; oder so fern Kappe überhaupt das Dach eines Dinges bedeutet; oder endlich auch, so fern solche Fenster mit einer Kappe bedeckt sind. In Franken wird ein Dachfenster die Gaupe genannt.

genannt werden, werden entweder nur offen gelaßen, ohne ein Glasfenster hinein zu setzen, und heißen alsdenn Dach=Luken; oder sie werden mit Fenstern versehen, und höher als breiter gemacht, diese heißen Lucarnen, aus dem Franz. Lucarne; ist das Fenster aber zirkel= oder ovalrund, wird es ein Ochsenauge, Fr. Oeil de boeuf, Ital. Occhio di bue, genannt.

Die Dach= oder Kappfenster sind von verschiedener Gestalt. Diejenigen, die den Dachdecker angehen, PfeiliconFig. 635, sind das Dach à Demoiselle, A; das Dach=Fenster zum gebrochenen Dache, B; das Dachfenster nach Capucinerart, oder vorwärts mit einem Blumen=<12, 575>Topfe, C; das flamländische Dachfenster mit einem Giebel, D; und das Heubodenfenster, E.

Das Dachfenster à Demoiselle, A, wird mit dem vollen Dache gedecket, gegen den Winkel a ausgenommen, woselbst man eine kurze Rinne, oder eine Kehle, die deren Stelle vertritt, anfügen muß. Auf den Ziegeldächern macht man diese Rinne von Preis=(Ort= oder Walm=) Ziegeln, welche das Wasser auf beyde Seiten gießen. Bey den Schieferdächern ist diese Rinne mehrentheils von Bley. Sowohl das volle Dach, als das vom Dachfenster, stoßen in diese Rinne vermöge eines, 2 Zoll überspringenden, kleinen Randes.

Klassifizierung: 695 DachdeckungDDC-Icon Das Dach des Fensters B, wird gerade weg mit kleinen Schiefern gedecket, welche eine Ründung machen. Es ist an beyden Seiten durch Abfälle geendigt. Die Vereinigung der beyden Dächer auf dem Forste wird mit einer Bleytafel zugedecket. Gemeiniglich decket man auch Bley auf den Vorder=Theil.

Die Dachfenster, welche für den Baumeister und Zimmermann gehören, und bey ansehnlichern Gebäuden angebracht werden, PfeiliconFig. 636, sind: das Kapp=Fenster mit gedrucktem Bogen, Fr. Lucarne bombée, A; das Kappfenster mit vollem Bogen, Lucarne cintrée, B; das gerade Kappfenster, Lucarne quarrée, C; das zirkelrunde Ochsenauge, Oeil de boeuf rond, D; das eyrunde Ochsenauge, Oeil de bocuf ovale, E; und das Ochsenauge mit niedrigem Bogen, Oeil de boeuf bombée, F.

Die Kappfenster sind von verschiedener Proportion. Erstlich müssen solche, in Ansehung ihrer Breite, sammt den Säulen oder Gewänden, den übrigen Fenstern des Gebäudes, wo sie angebracht werden sollen, im Lichten gleich seyn, und also nur die Gewände schmaler ausfallen. Dieses beobachtet man bey allen Gebäuden, in Ansehung ihrer Breite; die Höhe aber muß der Breite 1 1/3 mahl gleich seyn, wenn sie auf gemeine Gebäude gesetzt werden, oder auch öfters gar viereckig. Bey etwas bessern und zierlichern Gebauden aber macht man diese Art Fenster 1 1/2 mahl so hoch, als sie breit <12, 576> sind. Bey Statsgebäuden hingegen, welche französische Dächer haben, können sie 1 3/4 mahl so hoch seyn, als die Breite ist.

Solche Dachfenster aber mögen dreyeckige oder gebogene Frontons haben, so wird die Länge der Sohle in drey gleiche Theile getheilet, wovon alsdenn der dritte Theil die Höhe für solches zeiget. Auch macht man das mittelste Fenster öfters größer, als die übrigen, und gibt ihnen einige Verzierungen, da denn die Breite und Höhe nach vorher angegebener Proportion bleibt. Gemeiniglich pflegt man sie mit Eisen= oder Kupferblech zu decken.

Die Dachfenster können in gerader Linie über andere Fenster stehen, auch wohl mitten über einen Schaft gestellet werden, wodurch nicht wider die Stärke, noch auch wider den Schein der Stärke, oder die Schönheit, gehandelt wird, indem eine Oeffnung wohl über einen Pfeiler, (wofür hier der Schaft genommen wird) ein Pfeiler aber nicht über eine Oeffnung gesetzt werden kann; in den Augen aber macht die Stellung, wenn ein Fenster mitten über zwey stehet, etwas pyramidalisches, so eben nicht unangenehm ist.

Die kleinen runden Dachfenster, oder Ochsenaugen, setzet man auf den obern Theil bey französischen und holländischen Dächern, oder auf Kuppeln, sowohl um das Gespärre zu erleuchten, als auch die Kuppeldacher zu zieren, welche sonst, wegen ihrer ausgebauchten Gestalt, schwer aussehen.

Bey ansehnlichen Kuppeln macht man mehrere Reihen derselben. An der Kuppel der St. Peterskirche zu Rom sind 3 Reihen, jede von 16 Stücken, welche vortrefflich in das Auge fallen, wozu die sonderbare Größe dieser herrlichen Haube vieles beyträgt, welche oben über den Säulen über 25 Klafter, oder 150 Fuß, im Durchmesser hat.

Dachluken und Dachfenster zu machen, und aufzusetzen, wird an Arbeitslohn folgendes bezahlt:

1. Bey schlechten Dachluken auf einem Stall= oder Scheunendache kann man den Arbeitslohn nach der Höhe im Lichten bestimmen, und für eine Dachluke

<12, 577>

a) von Eichenholz für jeden Fuß der Höhe im Lichten 4 Gr.
b) von Fichtenholz 3

zu machen und aufzusetzen geben.

Klassifizierung: 331 ArbeitsökonomieDDC-Icon Wenn sie aber an den Seiten mit Dielen oder Bretern verschlagen werden, so bezahlt man für jeden Fuß der Luke im Lichten, Arbeislohn, inclusive der Nägel, 2 Gr.

mithin Für eine Luke 2 Fuß im Lichten hoch, von Eichenholz 8 Gr.
-- -- von Fichtenholz 6
Für eine Luke 3 Fuß im Lichten hoch, von Eichenholz 12
-- -- von Fichtenholz 9
Beyde Seiten zu verschlagen, inclus. der Nägel 6
Für eine Luke 4 Fuß im Lichten hoch, von Eichenholz 16
-- -- von Fichtenholz 12
Beyde Seiten zu verschlagen, inclus. der Nägel 8
Für eine Luke 5 Fuß im Lichten hoch, von Eichenholz 20
-- -- von Fichtenholz 15
Beyde Seiten zu verschlagen, inclus. der Nägel 10
Für eine Luke 6 Fuß im Lichten hoch, von Eichenholz 1 Thlr.
-- -- von Fichtenholz 18 Gr
Beyde Seiten zu verschlagen, inclus. der Nägel 12

2. Bey verzierten Dachfenstern, mit Fronton und Simswerk, kann man an Arbeitslohn für jedes Stück folgendes rechnen,

a) von Eichenholz für jeden Fuß in der Höhe im Lichten 12
b) von Fichtenholz 9

also für jedes Dachfenster auszuarbeiten und aufzusetzen,

wenn es 2 Fuß im Lichten hoch, von Eichenholz 1 Rthlr.
von Fichtenholz 18 Gr
<12, 578>
wenn es 3 Fuß im Lichten hoch von Eichenholz 1 Rthlr. 12 Gr.
von Fichtenholz 1 Rthlr 3 Gr.
4 Fuß von Eichenholz 2 Rthlr.
von Fichtenholz 1 Rthlr 12 Gr
5 Fuß von Eichenholz 2 Rthlr 12 Gr
von Fichtenholz 1 Rthlr 21 Gr
6 Fuß von Eichenholz 3 Rthlr
von Fichtenholz 2 Rthlr 6 Gr

NB. In runder oder geschweifter Arbeit wird der vierte Theil mehr bezahlt.

Hrn. J. C. Huth Unterricht zu Bau=Anschlägen, 1 Th. Halberst. 1777, f. S. 54, f

Ein Anschlag, was von Materialien an Holzwerk, Gesteinen, Speise oder Kalk, Eisenwerk, Farben, Zimmerarbeit, Mauerwerk und Ziegeldeckerarbeit, zu einem ordinären Dachfenster erfordert wird, st. in Angermanns Civilbaukunst, S. 338--340.

Ein Balcon= oder Geländer=Fenster, Fr. Fenêtre à balcon, ist ein Fenster, dessen Oeffnung bis an den Fußboden reichet, und vor welchem, um den Austritt außenher, ein Geländer gezogen ist. Wenn ein solches Balconfenster noch überdieß mit besondern architectonischen Auszierungen versehen ist, auch wohl zu beyden Seiten noch ein anderes minder verziertes Balconfenster steht, so nennen es die Franzosen Fenêtre en tribune.

Die Balconfenster, welche an ansehnlichen Häusern über der Hausthüre liegen, werden so breit, als die Hausthüre gemacht. Ihr Sturz liegt mit den Sturzen der gewöhnlichen Fenster in gerader Linie, oder sie werden, der Festigkeit und Schönheit wegen, mit einem halben Zirkelgewölbe geschlossen, welches über die Linie der Sturze wegraget. Sie gehen, wie die Thüren, bis an den Fußboden, (daher man sie auch Fensterthüren nennet), und geben bis an den halben Zirkel zwey Thürflügel ab, um zu dem Balcon gelangen zu können.

<12, 579>

Von außen pflegt man sie, um sich vor der Kälte zu verwahren, mit doppelten Glasthüren zu versehen, auch wohl einen starken Doppel=Drillich herunter hangen zu laßen, der sich im Hinaufziehen über einander rollet, und hinter einer besonders dazu verfertigten Verzierung verdeckt ist, daß man alsdenn von außen denselben gar nicht siehet. Damit das Regen=Wasser nicht in die Zimmer laufe, macht man an die Glas=Thüren Anschläge, welche dasselbe auswärts ableiten, und an die Rahmen etwas breiter Schnitzwerk, welches man nachher mit einem guten Fensterkitt verstreichet.

Ein Blindfenster, oder blindes Fenster, Fr. Fausse-Fenêtre, Fenêtre feinte, ist ein vertieftes Feld in einer Mauer von außen, welches in der Reihe der Fenster stehet, und eines Fensters Stelle vertreten muß, daher bisweilen auch in das Feld ein Fenster gemahlet wird, so aber oft gar bald vom Wetter unscheinbar gemacht werden kann, wodurch alsdenn ein Mißstand entstehet. Besser ist es, wenn in das Feld wirklich ein rechtes Fenster eingesetzt, und die Wand dahinter schwarz angestrichen wird.

Nachdem ich von den verschiedenen Arten der Fenster, wie auch ihrer Eröffnung, Einfassung und Verzierung geredet, muß ich auch von ihrem Rahmwerke und ihrer Verschließung handeln.

Der viereckige Kasten von Bretern, welcher die inwendigen Seiten eines Fensters bekleidet, wird das Fensterfutter; das Bret über der Brustlehne, Fenster=Bret, (die Tischer, wenigstens hiesiger Gegenden, nennen dasselbe Lateebret,) die hölzerne Einfassung der Glasscheiben, der Fensterrahm, oder Fensterrahmen; der in seinem Rahmen und um seine Haspen bewegliche Theil eines Fensters, der Fensterflügel; der am untersten Stücke eines Fensterflügels überhangende oder vorragende breite Rand, welcher den an die Fenster schlagenden Regen übertriefen läßt, und also abhält, daß er sich nicht zwischen den Flügeln einziehen könne, ein Wasserschenkel oder Wetterschenkel, Fr. <12, 580> Reverseau; das hölzerne Kreutz in der Mitte eines Fensters, an welches die Rahmen und Flügel zusammenschlagen, das Fensterkreutz, Fr. Croisée; die Säule in der Mitte eines besonders großen Fensters, die Fenstersäule; das Eisenwerk, womit ein Fenster und dessen Theile beschlagen werden, der Fensterbeschlag, oder das Fensterbeschläge; der Haken, um welchen die Flügel beweglich sind, die Fensterhaspe; der um seinen Mittelpunct bewegliche Riegel, die Flügel zu verschließen, der Fensterreiber oder Vorreiber; die gläserne Scheibe eines Fensters, die Fensterscheibe; das dreyeckige Stück Glas zwischen den runden, sechs= oder achteckigen Fensterscheiben, der Fensterzwickel, Fr. Borne; die bleyernen Rinnen, worinn die Glas=Scheiben eines Fensters befestiget werden, das Fensterbley; die dünne eiserne Stangen, an welche die kleinen Fensterscheiben bey großen Fenstern befestiget werden, das Fenstereisen, oder Windeisen; und die hölzernen Rinnen, worin die Glasscheiben befestiget werden, die Fenstersprossen genannt.

Wenn die Fenster mit 2, 4 oder 6 Flügeln, welche man nach Belieben ausheben kann, und darinn sich zuweilen auch noch kleine Flügel oder so genannte Schößchen befinden, versehen sind, nennet man sie Gewindefenster; Aufziehfenster, Schiebe= oder Schubfenster hingegen, wenn die ganze untere Hälfte des Fensters sich in einer in dem Fensterfutter gemachten Nuth in die Höhe schieben läßt, und durch Gegen=Gewichte in der Höhe erhalten wird.

Klassifizierung: 620.1 Technische Mechanik und WerkstoffeDDC-Icon Zu den gewöhnlichen Fensterrahmen schlagen die meisten Tischler und Glaser, unter dem Vorwande, daß sich das eichene Holz leicht werfe oder ziehe, fichtenes Holz vor. Die Erfahrung bestätigt aber, daß Rahmen von Eichenholz nur alsdenn sich leicht werfen, wenn nicht recht ausgetrocknetes Holz dazu genommen worden, welches die von Fichtenholz unter gleicher Be<12, 581>dingung mit jenen gemein haben. Vielleicht machen die Handwerksleute die fichtenen um deswillen lieber, weil sie weniger Arbeit kosten, eher wandelbar werden, und folglich bald neuen Verdienst für sie bewirken. Man nehme daher nur, in Ermangelung des trocknen Eichenholzes, fichtenes, jedoch auch nicht anders, als wenn es recht fett, kienig, und dabey trocken ist.

Leidet die Fertigung der Fenster einigen Verzug, so laße man, wenn das Eichenholz noch nicht recht trocken ist, die zum Rahmen zugeschnittenen Stücke ins Wasser bringen, und 4 bis 6 Wochen darinn liegen, da denn, besonders wenn die Sonne dasselbe bescheinet, das darin befindliche Laugenartige sich nach und nach heraus ziehet, und die Festigkeit des Holzes befördert. Nach Ablauf dieser Zeit, müssen die Stücke an der Luft so lange austrocknen, bis sie zum Bearbeiten tauglich werden. Einige rathen auch, die zugeschnittenen Stücke in heißem Wasser auszusieden.

In No. 27 des Leipz. Intell. Bl. v. J. 1776, S. 245, wird von einem im Bauwesen sehr geübten Manne versichert, daß, nach seiner oft belebten Erfahrung, die Fenster am tüchtigsten würden, wenn das trockne, oder auch noch Feuchtigkeiten enthaltende Eichenholz, als das beste, zu Fensterrahmen zugeschnitten, in einer Braupfanne 3 bis 4 Stunden gekocht, sodenn an die Luft, und endlich an die Sonne, zum Trocknen geleget würde, wodurch das Holz am sichersten aller seiner Feuchtigkeiten entlediget, und obgleich durch die Sonne etwas krumm gezogen, doch am zuverläßigsten auf diese Art durch den Tischler zurechte gebracht und bearbeitet würde.

An Wasser gestandene Eichen sind, wegen Menge der eingedrungenen Feuchtigkeit, so wenig als die Stein=Eichen, ihrer innern bey dem Arbeiten ausspringenden Knoten wegen, zu diesem Zweck brauchbar. Besser sind die Sandeichen, welche nach dem Angeben der Tischler sich accurater und passender arbeiten laßen.

Die Holzverbindung und die Zusammensetzung des Rahmens erfordert die meiste Vorsicht. Um davon richtig und vollständig urtheilen zu können, muß man <12, 582> den Rahmen, ehe er angestrichen wird, besehen. Es ist gut, wenn man wenig Sprossen macht; man erhält dadurch mehr Licht, und vermeidet viele faulende Stellen. Die Querstücke der Flügel sowohl als des Kreuzes, imgleichen die Ober= und Unterschenkel des Fenster=Futters, müssen mit nicht zu schmalen Wetterschenkeln und so genannten Wetternasen, die, wo möglich, ganz vorn, jedoch nicht rund, sondern in dreyeckiger Figur zu ziehen sind, versehen werden, um das am Glase herunterlaufende Wasser so oft, als nöthig, abzuleiten. Um das Eindringen der Luft zu verwehren, muß man die Falze doppeit, und inwendig noch übergreifend, verfertigen. Man vermeidet dadurch, daß man den Mittelstab des Kreutzes an einen der Fensterflügel befestiget, eine solche überfalzte Fuge, und erhält daneben noch beym Aufmachen die Bequemlichkeit eines in die Breite ganz geöffneten Fensters. In diesen. Fall aber muß der Fensterflügel, an welchem gedachter Mittel=Stab des Kreutzes sich findet, vermittelst zweyer Riegel oben und unten befestiget werden.

Es ist nicht genug, wenn die Wetterschenkel, welche am besten aus dem Ganzen gemacht werden, auf der untern und obern Seite glatt gearbeitet werden; denn die an denselben kriechende Nässe schleicht sich allmählich in die Spalten des Fensterrahmens, bringt die Nässe inwendig hinein, und ziehet Fäulniß nach sich, sondern sie müssen auf der untern Seite, wo der Abfall ist, insgesammt ausgekehlt werden. Dieses verursachet, daß die Nässe sich nicht weiter verbreiten kann, sondern herabfallen muß. Sie fällt sodenn außerhalb auf das gemauerte Fensterbret; und damit dadurch die äußere Seite des Fensterfutters nicht bald zum Faulen komme, und die Nässe eindringe, ist das Fensterfutter mit Kalk genau von der Mauer an das Futter zu verstreichen, und das gemauerte Fensterbret muß nicht horizontal seyn, sondern von dem Fensterfutter etwas schräg niedergehen.

Beschreibung eines vorzüglichen Fensterrahmens, dessen vornehmste Theile in dem Fürstl. Zerbstischen Schlosse Dorenburg, im J. 1757, mit gutem Erfolg angebracht worden sind, st. in No. 17 des Leipz. Int. Bl. v. J. 1763, Art. X, No. 2.

<12, 583>

Nach No. 15 des Leipz. Intell. Bl. v. J. 1775, S. 136, hat man in der Erfahrung gut befunden, daß von dem Fensterbrete, worauf das Fensterfutter gesetzt wird, 1/4 Zoll abgenommen, und jedes mit 4 Nägeln gleich weit von einander zur Befestigung auswendig angenagelt werde. Hierdurch erlangt man den Vortheil, daß nicht nach und nach zwischen dem Fensterfutter und dem Fensterbret, wie außer diesem zu geschehen pflegt, eine Spalte zum Vorschein komme, welche die hereindringende Nässe durchläßt; auch wird das Werfen des Fensterfutters auf die Weise vermieden.

An dem Fensterfutter ist auf dem Fensterbrete ein Stab auszukehlen, damit die innwendig von schwitzenden Fenstern herabfließende Feuchtigkeit nicht auf dem Fensterbret stehen bleibe, sondern sich in das daneben befindliche Kehlrinnchen ziehe. Das Fensterbret wird aus gleicher Ursache nach dem Fensterfutter zu schräg geleget, und, damit die von hohen Fenstern herunter tropfende Feuchtigkeit nicht auf den Fußboden, sondern auf das Fensterbret zur baldigen Ableitung falle, breit gemacht; welches zugleich zum Absetzen bequem ist.

Wenn das Fensterbret zuvor glatt und gleich gehobelt worden, wird es von beyden Seiten, nach der Mitte zu, nach und nach und unvermerkt tief durch den Hobel abgestoßen, und das an den vorbemerkten Stab stoßende Kehlrinnchen, worin die Feuchtigkeit fortgebracht werden soll, dergestalt ausgehöhlet, daß es von beyden Seiten, nach der Mitte zu, des Abfalls wegen nach und nach tiefer gehet, in der Mitte aber ein schräg gebohrtes Loch erhält, worein ein blechernes Röhrchen, welches in die Mauer ebenfalls schräg einzulegen ist, und auswendig von der Fenstermauer abstehen muß, gepasset, auch auf dem Fensterbrete eingelaßen, und mit 2 kleinen Kammzwecken befestiget wird.

Ob das Fensterbret recht gearbeitet sey, läßt sich die Probe mit einer Flasche Wasser leicht machen. Diese gießt man <12, 584> langsam auf das Fensterbret aus; ist nun hinlänglich und ordentlich abgestoßen, so verläuft sich auch das Wasser bald durch das Röhrchen.

Das Heulen des Windes durch das offene Röhrchen zu verhindern, pflegt man sie auch auswärts zu arbeiten, und an dem hervorragenden Theile einige Löcherchen, gleich einem Durchschlage, durchzubohren; allein diese Veränderung ist nicht anzurathen, weil das Röhrchen, wenn Fliegen hinein kriechen, verstopft wird; besser aber ist, wenn von dem Fensterbret ein in die Oeffnung passender Stöpsel gesteckt wird.

Zu Sammlung der Feuchtigkeiten, Kästchen in der Mauer verdeckt zu haben, aus welchen solche vermittelst einer durch die Mauer gehenden Röhre abgeführet werden, ist nicht nützlicher, sondern kostbarer und der Mauer schädlich.

Ueberhaupt muß man, um das Durchdringen des Wassers durch die Fenster zu verhindern, bey Verfertigung neuer Fensterrahmen darauf sehen, daß so wenig das Futter als die Flügel des Rahmens zu klein seyn, sondern in die ihnen gewidmeten Oerter genau passen, da solche überdem oftmahls, wenn nasses Holz dazu genommen ist, kleiner werden; auch muß der Rahmen oder das Futter nicht weiter hervor stehen, als die Ständer des Gebäudes, sondern damit gerade, oder noch etwas tiefer liegen, da sonst unfehlbar, bey starkem Regenwetter, das Wasser sich daselbst sammeln, und durch die sich findenden Oeffnungen dringen muß, zumahl, wenn selbige der Westseite ausgesetzt sind. Allenfalls kann man auch ein kleines, 6 Zoll breites Schutz=Dach, schräge über jedem Fenster machen laßen, von welchem der Regen abfließet. Es muß aber letzteres 2 1/2 Zoll über denjenigen Fenstern, die mit Haspen versehen sind, angemacht werden, damit man solche zum Reinmachen ausheben könne.

S. das 91 St. des Hannov Magaz. v. J. 1767, Col. 1455, f.

An einigen Orten hat die Glaser Innung sich das Recht angemaßt, die Fensterrahmen zu verfertigen, welches doch lediglich eine Arbeit für Tischler seyn sollte, von welchen man mit Recht fordern kann, daß sie gute Holzarbeiter seyn sollen. Weil aber den Glasern außer der Verfertigung <12, 585> der Fensterrahmen weiter keine Holz= und Tischlerarbeit vergönnet ist, so darf man sich auch nicht wundern, daß so wenige tüchtige, und für Luft und Regen genugsam verwahrte Fenster=Rahmen angetroffen werden. Denn, ob es wohl in großen Städten hier und da geschickte Glasermeister gibt, welche ihre Fensterrahmen unverbesserlich zu verfertigen im Stande sind, so finden sich doch in kleinen Städten und auf dem Lande desto mehrere, die kaum mit dem Glase und Fensterbley umgehen können, und elende Fensterrahmen machen, daß vielmahls in dergleichen Landstuben bey stürmischen Wetter kaum das Licht brennend zu erhalten ist.

Das Fensterkreutz macht man von gutem trocknem Eichenholz. An den Kirchfenstern ist es entweder von Eisen, oder von Steinen gemauert. Es muß nicht breit gemacht werden, damit es den Einfall des Lichtes nicht hindere.

Was den Tischler=Arbeitslohn bey Fenstern betrifft: so kostet Fensterrahmenholz, welches aus eichenen Bolen und Dielen geschnitten wird, wie folget:

Kreutzholz, welches 3 Zoll ins Gevierte stark seyn muß, der Fuß 6 Pfenn.

Futterrahmenholz, 2 1/2 Zoll breit, 1 1/2 Z. stark, kommt der laufende Fuß 4 Pf.

Flügelholz, 2 Zoll breit, und 1 1/2 Z. stark, der laufende Fuß 3 Pf.

Sprossenholz, 1 1/2 Z. breit, 1 Z. stark, der laufende Fuß 1/2 Pf.

Schieberahmenholz, 2 Z. breit, 1 1/2 Z. stark, der laufende Fuß 3 Pf.

Die Bestimmung der Fußzahl des zu einem Fensterrahmen nöthigen Holzes, kann am besten folgendermaßen geschehen. Man misset die Länge des nöthigen Kreutz= Futterrahmen= Flügel=Schieberahmen und Sprossenholzes, jedoch besonders nach Fußen und Zollen aus, und zwar dergestalt, als wenn jedes Stück durch die ganze Oeffnung des Fensters im Lichten hindurch reichte, weil beym Verschneiden viel abgeht; z. E. zu einem vierflügeligen Rahmen mit Kreutz, Wasserschenkeln und Sprossen, 8 Fuß hoch, 4 Fuß breit im Lichten, und zwar in jedem Flügel eine Sprosse in die Höhe, und 3 Sprossen in die Breite des Fensters, sind <12, 586> also im ganzen Fenster 2 Sprossen in die Höhe zu 8 Fuß lang, und 6 Sprossen in die Breite zu 4 Fuß lang, als

Kreutzholz 1 Stück in die Höhe zu 8 Fuß 8 Fuß.
Desgl. 1 Stück in die Breite zu 4 Fuß 4 Fuß
Summe 12 Fuß.
Futterrahmenholz 2 Stück in die Höhe zu 8 Fuß 16 Fuß.
-- 2 Stück in die Breite zu 4 Fuß 8 Fuß
Summe 24 Fuß.
Flügelholz 4 Stück in die Höhe zu 8 Fuß 32 Fuß.
-- 4 Stück in die Breite zu 4 Fuß 16 Fuß
Summe 48 Fuß.
Sprossenholz 2 Stück in die Höhe zu 8 Fuß 16 Fuß.
-- 6 Stück in die Breite zu 4 Fuß 24 Fuß
Summe 40 Fuß.

Zu einem schlechten Schiebefensterrahmen in geringe Häuser 5 Fuß hoch und 3 Fuß breit im Lichten, mit 2 Schiebern:

Rahmenholz 3 Stück in die Höhe zu 5 Fuß 15 Fuß.
-- 3 Stück in die Breite zu 3 Fuß 9 Fuß
Zu Schiebern 2 Stück in die Höhe zu 5 Fuß 10 Fuß
-- 2 Stück in die Breite zu 3 Fuß 6 Fuß
Summe 40 Fuß.

Hrn. Landbaum. Huth Bau=Anschlag, S. 73.

Klassifizierung: 667 Reinigungs-, Färbe-, Beschichtungstechniken, verwandte TechnologienDDC-Icon Zu längerer Erhaltung der Fensterrahmen, dienet das Anstreichen; und es hat seinen guten Nutzen, wenn man die inwendige Seite an den Flügeln, Schößchen und Futter, worein die Fenster zugewirbelt werden, ebenfalls dünn bestreichen läßt; denn es verwahrt vor dem zeitigen Faulen. Vor dem ersten Anstrich laße man das ganze Fenster, nebst den Falzen, mit Oehl tränken. Einige pflegen, um der Wohlfeilheit willen, zuerst zum Grunde der Rahmen nur Leimfarbe zu nehmen, und hernach mit Firniß zu überstreichen. Die Leimfarbe erfüllt die Poros des Holzes, und muß nie gebraucht werden, weil nachher, wenn der Leim abge<12, 587>fallen und Oehlfarbe genommen wird, solche, insonderheit bey dem Froste, sich abblättert. Uebrigens suche man alte ausgetrocknete Fenster, so lange als möglich, beyzubehalten, weil die neuen erst nach etlichen Jahren willig auf= und zugehen. Es sind daher aufgesprungene oder wurmstichige Flecke mit einem wohl durchgearbeiteten Kitt, zu welchem 3 Loth Silberglätte zu 1 Pfund feinem Bleyweiß, auch Leinöhl genommen wird, erforderlichenfalls öfter und zu wiederhohlten mahlen zu bestreichen und zuzufüllen, wodurch die Rahmen auf einige Jahre länger genutzt werden können. Die Paille=Farbe ist auch wohlfeil, zu welcher auf 1 Pfund feinem Bleyweiß, 3 Loth Silberglätte, 1 Loth Oker und Leinöhl statt des Firnisses gebraucht werden; denn das Leinöhl pflegt, wenn das letzte mahl mit dünner Farbe bestrichen wird, so viel Glanz zu hinterlaßen, als der Firniß.

Wenn das Anstreichen mit Oehlfarbe an der Sonne oder auch in warmen Stuben geschiehet, zieht sich die Farbe 1/4 Zoll und drüber in das Holz, welches sonst auf keine Weise bewirket werden kann; doch müssen dergleichen angestrichene Sachen hernach bald an die Luft gebracht werden.

Zu dem Fensterbeschläge, gehören Haspen, Vorreiber, Wirbel, Ketteln, gebogene und geschweißte Winkelhaken oder Winkelbänder, welche theils Schlösser= theils Schmiedearbeit sind, und wovon unter diesen Artikeln gehandelt wird.

Die Fenster der Hebräer waren nicht aus Glase, sondern aus Bretern, welche der Sonne entgegen stunden, die Luft aber durchließen.

Das Glas war ehemahls, wie ich an seinem Pfeil-IconOrte zeigen werde, von so großem Werthe, daß auch der älteste unter den Schriftstellern, der Verfasser von der Geschichte des Hiobs, welcher nicht lange nach der Erfindung des Glases gelebt haben kann, dessen mit den Edelsteinen und dem Golde zugleich erwähnet. Bey dem so hohen Werthe des Glases, wäre es daher allzu schädlich gewesen, die Fenster mit zerbrechlichem Glase zu verschließen; wie denn auch keiner von den griechischen <12, 588> und lateinischen Schriftstellern vor dem Lactantius der durch Glas zugemachten Fenster erwähnet. Allein, auch die Hitze in Palästina hätte die gläsernen Fenster nicht vertragen können, welche nicht nur die Strahlen und die Hitze der Sonne hinein laßen, sondern auch den freyen Zug der Luft verhindern, so, daß die Hitze die Menschen erstickt hätte, wenn sie nicht eine andere Art von Fenstern gebraucht hätten. Die Breter waren der Sonne zugekehrt, und nach Art der Gitter dergestalt auf einander geleget, daß ein freyer Zwischenraum übrig blieb, wodurch die Luft gehen, das Licht fallen, und hinab gesehen werden konnte, ohne daß die Sonne durchfiel. Man nennet dergleichen Gitter oder vergitterte Fenster, im Fr. Jalousie, d. i. Eifersuchtsfenster. Daß auf eben die Art noch zu unserer Zeit die Fenster zugemacht und offen sind, wodurch die Einwohner des glücklichen Arabiens Luft und Licht bekommen, und die Verwegenheit der Augen von ihren Weibern zurück halten, siehet man aus des de la Rocque Voyage de l' Arabie heureuse, S. 110. Siehe auch weiter unten, Jalousieläden, beym Schlusse des Abschnittes von den Fensterläden. Auch in der hebräischen Bibel wird solcher Fenster gedacht. Da die Mutter des Sissera, aus mütterlicher Hoffnung und Sorgfalt die Zurückkunft ihres Sohnes, des Ueberwinders, erwartete, so wird gesaget, sie habe durch das Gitter hinaus gesehen (B. der Richt. V, 28); und Salomo selbst stellet sich vor, als wenn er durch die Fenster seines Hauses, durch das Gitter gesehen hätte (Sprüchw. VII, 6). Daher sagt Jeremias, Cap. 22, V. 14, wenn er einen im Bauen ehrgeitzigen und verschwenderischen König, der sich weite und kühle Speisezimmer machen wollte, strafet: er läßt ihm Fenster darein hauen, und mit Cedern täfeln ”.

Klassifizierung: 915.1 China und benachbarte GebieteDDC-Icon Die Chineser bedienen sich, an statt des Glases, einer gewissen Art von Austern, die Sattelmuschel (Ostrea Ephippium Linn.) genannt, deren Schalen nicht dicker als Papier, und durchsichtig sind, welche sie in viereckige Stücke zerschneiden. Das Licht, welches diese Austerschalen geben, ist sehr schön; man kann aber keine Gegenstände dadurch sehen.

Klassifizierung: 914.912 IslandDDC-Icon In Island wird, wenn eine Kuh geworfen hat, das Aderhäutchen der Nachgeburt (Chorion) auf behalten, gewaschen und getrocknet; das Schafhäutchen <12, 589> (Amnios) wird gleichfalls zum Trocknen aufgeblasen; beyde Theile werden hierauf zusammen gerollt, und hernach gebraucht die Fenster damit zu überziehen. Diese Fenster sind entweder viereckig in 4 bis 6 Scheiben abgetheilt, oder (wie fast allgemein) rund von dünngeschnittnen Weidenstangen oder Reisern gemacht. Die vorerwähnten dünnen Häute werden wieder ausgeweicht, ehe man damit die Fenster überziehet, und geben hernach ein eben so helles Licht, als das klareste Glas. Von den runden Fenstern findet man einige an jedes Haus oder Abtheilung des Hofes angebracht.

Olafsens Reise durch Island, Th. 1, S. 128.

Klassifizierung: 915.7 Sibirien (Asiatisches Russland)DDC-Icon In Sibirien und Rußland, werden Fenster aus Eis (s. Th. X, Pfeil-IconS. 526), und aus Marienglas (s. in Pfeil-IconM.) gemacht.

Klassifizierung: 305.8943 TurkvölkerDDC-Icon Die Tatarn bedienen sich, an statt der Fenster=Scheiben, der äußern Haut eines Kälbermagens, welche sie über die Rahmen spannen, und wodurch sie ein ziemliches Licht in den Stuben erhalten.

Die Glasfenster werden von mancherley Glase gefertiget; als: von Tafelglase, Spiegelglase und ordinärem Glase. Siehe Pfeil-IconGlas. Es giebt viereckige, runde, acht= und sechseckige Fensterscheiben und Spitzrauten. *

*
In den gemeinen Sprecharten, besonders Niederdeutschlandes, werden die Fensterscheiben Rauten genannt. Siehe Pfeil-IconRaute.

Die vier letztern Arten sind im römischen Reiche, in Böhmen und Sachsen, noch üblich; sonst ist fast durchgängig die erstere Art die gewöhnlichste. Die andern runden, nennet man auch Ochsenaugen, und die großen Brüder=Kuchen. *

*
Vielleicht darum, weil sie in den Klöstern und Kirchen der Mönche ehedem sehr üblich waren.

Letztere werden nur in kleine Häuser, und meistens bey armen Bauersleuten, und vor Kammern und Ställe gebraucht.

Klassifizierung: 363.37 BrandgefahrenDDC-Icon Klassifizierung: 535 Licht und Infrarot- und UltraviolettphänomeneDDC-Icon Man will aus richtiger Erfahrung wissen, daß durch einige Fensterscheiben, die, bey ihrer Verfertigung, ungefähr <12, 590> eine Brenngläser=artige Gestalt bekommen, und in die gewöhnlichen Stuben= und Kammer=Fenster mit eingesetzt gewesen, in Sommertagen, da die Sonne besonders heiß geschienen, und gerade in solcher Scheiben Brennpunct leicht=entzündliche Dinge zu stehen oder zu liegen gekommen, Feuer angezündet worden, und Brand daher entstanden wäre. Man muß daher aufmerksam seyn, und wenn sich etwa eine oder andere Scheiben, von welchen Gefahr zu besorgen ist, in den Fenstern befinden, solche sogleich heraus nehmen, und dafür andere, die nicht gefährlich sind, einsetzen lassen. Könnte aber dieses füglich nicht bald geschehen, so muß man, zumahl in heißen Sommertagen, und wenn man aus dem Hause weggeht, und niemand darin bleibt, behutsam seyn, und nichts in der Gegend, wohin solcher Scheiben Brennpunct reichet, liegen oder stehen lassen, was leicht entzündlich ist; oder man darf nur, welches noch sicherer ist, inwendig an eine solche Scheibe ein Papier mit Kleister oder Sauerteig ankleben, oder, wenn der Brennpunct einer solchen Scheibe nicht sehr kurz ist, ein Tüchlein vor die Scheibe oder ein großes Tuch vor das Fenster hängen, oder den Vorhang vorziehen, oder einen von Papier gemachten Fensterladen inwendig im Fenster vorsetzen, oder aussen den ordentlichen Fensterladen vor dem Weggehen fest zumachen.

Manche curiöse Personen lassen sich auch wohl mit Fleiß ein convex oder Brillen=artig geschliffenes Glas, statt einer ordentlichen Fensterscheibe, unter die andern Scheiben, in ein Fenster einsetzen, um sich dessen gewisser Maßen als eines Fernrohres zu bedienen. Hierbey ist aber eben die, ja noch größere Behutsamkeit anzuwenden, zumahl wenn ein solches Glas nach der Mittagsseite sieht. Auch ist es nicht sicher, erhaben geschliffene Brillen an das Fenster zu hängen oder zu stecken, weil solche ebenfalls anzünden können.

A dissertation on the antiquity of Glass in Windows. In a letter by IOHN NIXON, dated London. March. 2, 1758, st. im 2 Th. des 50 B. der Philos. Transact. for the year 1758, Art. 80, S. 601--609.

Die Fensterscheiben werden entweder in bleyerne oder hölzerne Rinnen gesetzt. Im erstern Falle werden dieselben, nachdem ihnen ihre bestimmte Größe angemessen worden ist, nach der Handleiste mit dem Diamant in gerade Linien geschnitten; die Zacken, wofern der Diamant einige stehen gelaßen, mit dem Fügeeisen abfü<12, 591>get, und entweder in ordinäres oder in Gestalt eines Karnießes gezogenes, Bley (s. Th. V, Pfeil-IconS. 691) gesetzt. Im letztern Falle werden die Scheiben, nach dem Zuschneiden, in die Sprossen gesetzt, mit einem dünnen Draht verstiftet, verkittet, und der Kitt mit einem Messer verstrichen. Zuletzt reibet der Glaser das Glas mit Kreide ab.

Bey den Fugen der Sprossen oder der so genannten Glasnuth, worin das Glas geschoben wird, ist viel Vorsicht nöthig. Denn da das Glas gemeiniglich von ungleicher Stärke und Fläche ist, so wird die geradgezogene Nuth nicht überall gehörig durch das Glas ausgefüllet, sondern es bleiben hin und wieder Oeffnungen, wodurch das Wasser theils durchdringet, theils sich in den leeren Raum verziehet, und das Holz angreift. Das an einigen Orten dagegen gebrauchte Verschilfen hilft nicht lange, und das Verkittten, welches bisher noch am gebräuchlichsten gewesen, erfordert viele Behutsamkeit, damit das Glas dadurch nicht zu fest gespannet werde, und bey quellendem Holze, Frost, oder Erschütterung, nicht springe. Die angestellten Versuche, klaren Streusand unter den Kitt zu mischen, haben bewiesen, daß letzterer dadurch eine besondere Festigkeit bekommt.

Wenn der Kitt durch Sonne und Luft eintrocknet, muß man die sich zeigenden Oeffnungen mit Oehlfarbe vermittelst eines kleinen Pinsels wieder überstreichen, aber so, daß die Oehlfarbe gerade dahin eindringe.

Einige setzen das Glas in auswärts offene Falze, und verkitten dieselben. Allein, dieses hält nur so lange, als der Kitt seine Fettigkeit behält; denn sobald die Hitze selbige ausgezogen hat, schwindet solcher, springt und trennt sich vom Glase ab, daß das Wasser ebenfalls zu dem innern Holze kommen, und dasselbe mit Fäulniß angreifen kann.

<12, 592>

Der pariser Fensterkitt wird auf folgende Art gemacht. Man läßt 7 Pfund Leinöhl, und 4 Unzen gemahlnen Umber stark unter einander kochen: thut, wenn es noch heiß ist, 2 Unzen gelb Wachs darunter, läßt sodenn alles wieder wärmen, und knetet 5 1/2 Pfund gemahlne weiße Kreide, und 11 Pfund Bleyweiß darunter.

Leipz. Int. Bl. No. 4, v. J. 1763, Art. 7, No. 3.

Nach angestellten Versuchen, hat man folgenden Kitt für den besten gefunden. Man nimmt auf 1 Quart Leinöhl, ungefähr 1 Loth Silberglätte, und kocht davon einen Firniß. Hierauf macht man 1 1/2 Pf. Bleyweiß, und gleich viel Kreide, die aber nicht körnig oder sandig seyn muß, am besten auf einem Reibesteine zu ganz feinen Pulver, mischet alles wohl durch einander, und rührt es nach und nach unter den Firniß, bis derselbe zu einem Teig wird. Dieser Teig wird sodenn mit den Händen so lange durchknetet, bis er recht fest geworden ist. Je länger das Kneten fortgesetzt wird, je besser wird der Kitt Mit diesem Kitt kann man Fenster verglasen, ohne daß man Mittelgeschosse von Holz oder Bley nöthig hat. Es müssen aber die Fensterrahmen mit keinen Nuthen ausgefahren, sondern an der auswendigen Seite auf den halben Spund, 1/2 Zoll hoch, abgestoßen werden, so daß die Scheiben nur auf einer Seite am Holze liegen, an der andern Seite aber mit eisernen Stiften befestiget werden, doch so, daß sie nachgeben können, wenn sich das Holz ziehet. Hierauf wird der Kitt Fingers dick aufgetragen, und abgeglättet. Dieser Kitt läßt kein Wasser durch, und ist um deswillen zu empfehlen, weil er wohl ein Jahr lang geschmeidig bleibt, und dem gegenseitigen Holze, woran die Glasscheibe anlieget, beym Verwerfen nachgibt, daß keine Scheibe deshalb, wie sonst häufig geschiehet, zerspringen kann. Will man diesem Firniß, um bessern Ansehens willen, die Farbe der Fensterrahmen geben, <12, 593> so mischet man solche nach Belieben, entweder bald von Anfange dem Firniß, oder nachher dem Teige bey.

Sollte man aber einen Kitt verlangen, welcher bald trocknet, so nehme man 2 Loth Silberglätte, und 3 oder 4 Loth Ziegelmehl, unter oben angezeigte Portion von Bleyweiß und Kreide. Dadurch wird der Zweck gewisser erreicht, aber die Scheiben sind in Gefahr zu zerspringen, wenn die Rahmen sich ziehen. Man kann zwar von beyden Seiten in Holz eingefaßte Scheiben auch damit verstreichen, es ist aber nicht dauerhaft, weil die wenige Masse des Kittes nicht genugsamen Zusammenhalt hat, auch zu zeitig trocknet und abspringt.

Will man übrigens mit dem ersten Kitte ein Fenster ohne Bley verglasen, so leget man die zweyte Scheibe ungefähr 1/4 Zoll auf die unterste, die dritte eben so auf die zweyte, u. s. f. und trägt den Kitt Fingers dick auf beyde Seiten der Fugen, gibt ihm eine beliebige Form, statt des sonst gewöhnlichen Mittelgeschosses, und heftet beyde Seiten an die Rahmen, wie oben gedacht wurde, ehe sie ebenfalls verkitter werden.

Oekon. Nachr. der patriot. Gesellsch. in Schlesien, 12 St. v. J. 1774, S. 96, f. und 18 St. S. 148.

Leipz. Int. Bl. No. 29 v. J. 1775, S. 259; und No. 27 v. J. 1776, S. 246, f.

Klassifizierung: 666.9 MauermörtelDDC-Icon Im 15 St. der Oec. Nachr. der patr. Ges. in Schles. v. J. 1774, S. 124, versichert Hr. Hirsche, sich folgender Methode mit vielem Vortheile bedient zu haben. Die Fenster=Scheiben mögen in Bley oder Holz eingesetzt werden, so läßt er Sendenmark zuvor in die Fugen legen, worein das Glas kommt, und diese mit nachstehendem Kitte verstreichen. Zu einem Pfunde weichen Käse, wie man ihn aus den sogenannten Quarksäcken nimmt, mischet er 1 Pfund ungelöschten Kalk; diese Masse wird wohl unter einander gearbeitet, und mit dem dadurch erhaltenen Kitte alle Fugen sorgfältig ausgestrichen. Nach seinen Erfahrungen wiedersteht ein solcher Kitt aller eindringenden Luft sowohl als der Nässe, und ist überdem dauerhaft und wohlfeil.

Klassifizierung: 648.5 WohnungsreinigungDDC-Icon Klassifizierung: 666.1 GlasDDC-Icon Daß das Glas der Fensterscheiben blind wird, daran sind weder unreifes Glas, noch die Sonne und Luft, sondern bloß die Dünste, welche sich an die Schei<12, 594>ben anlegen, und deren salzige Theile, welche das Glas anfressen, Schuld. Einen Beweis davon hat man an den Fenstern in den Pferdeställen, wo wenig Sonne hinkommt, und welche doch am meisten und geschwindesten blind werden, wie auch an den Mistbeetfenstern, wegen des aufsteigenden salzigen Dampfes; ferner an dem Versuche, welchen man mit dem schönsten venetiaschen Trinkglase machen kann, welches, wenn man es mit Brunnenwasser anfüllet, solches in der Luft ohne Sonne vertrocknen läßt, und dieses einige mahl wiederhohlt, endlich so blind werden wird, daß man es durch das mühsamste Scheuern nicht wieder hell bekommen kann; da hingegen eine auf einen Pfahl gesteckte und der Sonne und Luft wohl 10 Jahre ausgesetzte Glas=Scheibe doch nicht blind werden würde, weil sich kein Dunst an derselben festsetzen könnte. Es ist daher ein Mißbrauch, wenn bey dem Fensterscheuern in großen Häusern gemeiniglich viel Salz gegeben wird, solche hell zu machen; denn es erfolgt die gerade entgegen gesetzte Wirkung, zumahl, wenn die Scheiben nicht wieder gehörig abgetrocknet worden, und also entweder die Sonne oder die Wärme der Stube frühzeitig die Salz=Tropfen auf das Glas angetrocknet; wie denn auch, wenn die Scheuerarbeit nicht zeitig genug am Tage vorgenommen wird, und der Abend einbricht, die Fenster nicht gehörig abtrocknen können, also die Fugen, das Bley, die Rahmen und Kreutzbleche und Fensterbeschläge voll Salzwasser gezogen werden, welches sodenn das Bley zerfrißt, das Holz zum Faulen bringt; und weil das Schilf, in welches die Scheiben eingesetzt sind, verweset, so werden solche lose, und klappern beym geringsten Winde. Ist dieses nun, zumahl beym Einheitzen, geschehen, so nässen die von dem Salzwasser durchzogenen Rahmen beständig, es hilft kein Abtrocknen, und es wird so gar ein ganz moderiger und ungesunder Geruch in den Zimmern verursachet.

<12, 595>

Leipz Intell. Bl. No. 31, v. J. 1773, S. 334.

Von den, zur Abführung der Dünste in den Zimmern, in den Fenstern anzubringenden Zügen, Ventilatorn etc. siehe den Art. Pfeil-IconLuft=Verbesserung.

Von dem Gefrieren der Fensterscheiben, und den darauf sich zeigenden sonderbaren Figuren, s. Th. X, Pfeil-IconS. 474, fgg

Zur Sommerszeit, bedienet man sich, an statt der Glastafeln oder Scheiben, gestrickter, oder geflochtener, oder mit Bildhauerarbeit ausgeschnitzter Gitter, und anderer dergleichen Arten.

Es laßen sich auch durchscheinende Fenster von Leinwand, Papier und Pergament machen.

1. Von Leinwand. Es wird auf den Fensterrahmen schöne zarte Leinwand ausgespannt, welches, wenn es naß geschiehet, viel besser ist, als wenn die Leinwand trocken aufgespannt wird. Man läßt sie von selbst trocken werden; nimmt alsdenn 2 Pfund venetianischen Terpentin, 5/4 Pf. weiß Wachs, und 1/4 Pf. Schaftalg, und läßt es in einem reinen Geschirr mit einander schmelzen. Hiermit nun überstreicht man, vermittelst eines zarten Pinsels, die vorher warm gemachten und mit Leinwand überzogenen Fensterrahmen, und läßt sie hernach wohl trocknen, so kommen sie, zumahl wenn die Felder mit einer Farbe in gewisse scheibenförmige Figuren eingetheilt werden, den gläsernen Fenstern ganz gleich, und es schadet ihnen weder Frost, Regen noch Schnee.

2. Von Papier. Hierzu nimmt man Papier, welches noch nicht geleimt ist, dergleichen die Buchdrucker insgemein zu brauchen pflegen; mischet 6 Theile Terpenrin und 2 Theile Mastix unter einander, läßt es zergehen, bestreicht das ausgespannte Papier damit, und läßt es trocken werden.

Mit geringern Kosten kommt man davon, wenn man Abschnitzlein von Pergament in Wasser kochen läßt, bis es die Consistenz eines kleberigen Leimwassers erhalte; davon gießt man das Helle ab, läßt es durch ein zartes Tuch laufen, über<12, 596>streicht hiermit das aufgespannte Papier, und läßt es trocknen. Den durchscheinenden Glanz zu vermehren, überstreicht man das Papier mit einem dünnen Firniß, oder mit feinem und weißem Terpentinöhl, worinn 4 Loth helles Tannenharz solvirt worden, oder mit Sandarachfirniß, der mit Lein= Hanf= oder Mohnöhl gemacht ist, und läßt es trocknen.

Oder: Man nimmt reines Postpapier, hält solches über eine gelinde Gluth, und bestreicht es über und über mit weißem Wachs.

Die papiernen Fenster sind in Italien so stark im Gebrauche, daß man selbige auch in theils herzoglichen Pallästen zu schlechtem Vergnügen des Auges antrifft. Das Papier ist mit Oehl getränkt, sowohl zu mehrerer Durchsichtigkeit, als auch um das Eindringen der äußern Luft, die an vielen Orten, sonderlich bey Nachtzeiten, sehr ungesund ist, zu verhindern.

3. Von Pergament. Man nimmt, in der Größe, so viel zu einem Fenster nöthig ist, Pergament von Schaf= oder Ziegenfellen, welches ohne Kalk verarbeitet worden, und läßt es dünn schaben. Hernach mischet man dickes arabisches Gummiwasser, wohl zerklopftes Eyweiß von 12 frischen Eyern, und Honig, der auf das beste geläutert worden, unter einander, und läßt das Pergament darinn erweichen. Nachher spannt man selbiges in einen Rahmen, und läßt es darin trocken werden. Endlich mahlt man Glasscheiben darauf, und wenn diese trocken geworden, überstreicht man es mit einem guten Firniß.

Vor die Fenster werden zuweilen starke eiserne Stäbe gemacht, die entweder neben einander, oder kreutzweise zusammen gesetzet, und Fenstergitter, L. Clathri, oder Transenna, genannt werden.

An den gewöhnlichen Fenstergittern, PfeiliconFig. 637, gehen die senkrechten Stäbe D D oben spitzig zu, und werden in Löcher gesteckt, die man in den obern Sims macht. B B, ist eine Quer=Stange. E E, eine andere Querstange, auf deren Enden sich die Mauerhaken befinden. Das Ende des untern Rahmstückes A, und die Enden der Querstangen B E werden in den Pfeilern verstrichen.

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Bisweilen, damit man sich der Fensterbrüstung bedienen, und sehen könne, was unter den Fenstern vorgeht, bieget man die in die Höhe stehenden Stangen G H, PfeiliconFig. 638, in E F, so, daß der obere Theil dieser Stäbe sich in der Fensteröffnung befindet, der untere Theil von F bis H aber heraussteht, daher man das Ende des Rahmenstückes A, wie auch das Ende der Querstange biegen muß, um sie wieder in die Fensterseite hinein zu bringen, wo sie verstrichen wird. Diese Stücke bekommen daher am Ende einen Mauerhaken. Die obern Enden der in die Höhe stehenden Stangen verstreicht man in die Steine des Simses über den Fensteröffnungen. Man macht sie entweder spitzig, und ganz gerade, wie D (PfeiliconFig. 637), oder bieget die Spitzen einwärts nach dem Fenster zu, wie K G (PfeiliconFig. 638), oder mit einer geflammten Spitze, wie in F und f.

Klassifizierung: 643 Wohnen und HaushaltsaustattungDDC-Icon Die Fenster werden mit hölzernen Läden, oder so genannten Fensterläden, *

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In Franken werden die Fensterläden Grambsen genannt.

L. Valva fenestralis, Fr. Ventail, verwahret. Die eine bewegliche Hälfte eines Fensterladens, heißt ein Ladenflügel. Die Läden bedecken ein Fenster entweder halb oder ganz, und werden entweder von außen angeleget, theils um zu verhindern, daß niemand einsteigen, oder den Fenstern Schaden thun könne, theils um das Fenster vor Hagel, Regen und Ungestüm des Wetters zu beschützen; diese heißen im Franz. Contrevents, oder Paravents; oder sie werden von innen zur Bedeckung der Fenster angeleget, und von den Franzosen Guichets oder Volets genannt.

Die Läden, welche inwendig vor die Fenster gemacht werden, pflegt man entweder mit Riegeln, Fall=Haken, Drückern, oder Spagnoletten, zu befestigen. Bisweilen verlangt man, daß oben in den Fenster=Kreutzen wenigstens 4 Scheiben bleiben, die nicht aufgemachet werden. Siehe PfeiliconFig. 639. Die in diesem Fensterkreutze mit begriffenen Fensterrahmen, von dem Kämpfer *

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Kämpfer, Fr. Imposte, nennet man in der Baukunst ein vorspringendes Simswerk an dem Nebenpfeiler, welcher den Bogen eines Gewölbes trägt.

an, bis vollends in die Höhe, bleiben beständig zu; <12, 598> also ist dabey weiter keine Schwierigkeit. Man kann sie mit Riegeln, Fallriegeln und Drückern zuhalten, deren man sich bloß bedienet, wenn man die Fenster rein macht. Die Spagnolette *

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Spagnolette, Fr. Espagnolette, nennet man eine Stange Eisen, die man auf das hohe Rahmenstück eines Fensterrahmens oder einer Thüre anmachet, um sie vermittelst einiger Haken zuzuhalten, die am Ende dieser Stange sind, und die in Krampen, welche sich an dem Futter befinden, eingreifen, wenn man die Stange mit einem Hebel, oder so genannten Griff, umdrehet.

gehet nur von dem Kämpfer an, bis hinunter, welches für die Fensterrahmen hinlanglich ist; allein die Läden werden selten unterbrochen, sie gehen am Fensterkreutze von unten an bis oben hinaus. Endigt sich die Spagnolette in q, oder beym Kämpfer, so wird der Theil der Fensterläden q r, nicht von der Spagnolette mit gehalten. Oft hat dieses nicht viel zu bedeuten; denn da dieser Theil nicht allzugroß ist, so dürfen die Rahmen nur einigermaßen stark und von trocknem Holze seyn, so hält sich dieser Theil, ohne daß er sich verwirft; allein manchmahl will man ihn fest haben, und dazu hat man 2 Mittel. Das eine ist: man verlängert die Spagnolette bis in r. Die einzige Unbequemlichkeit dabey ist, daß man, wenn der Fensterrahmen offen ist, ein Stück von der über den Rahmen heraus stehenden Spagnolette siehet. Das andere Mittel, dessen man sich öfters bedienet, besteht darinn. Man hauet die Spaanolette in q, PfeiliconFig. 640, von einander, und befestiget den Theil q r, auf den zubleibenden Theil des Rahmens im Fensterkreutze, PfeiliconFig. 639. Unten an diesem Theile ist eine Gabel t, worein der Zapfen s gehet, der den untern Theil der Spagolette endiget. Vermittelst dieses Zapfens, der sich in die Gabel leget, wenn man das Fenster zumachet, wird der Theil q r von dem untern Theile mit fortgenommen, und folgt allen Bewegungen desselben, als wenn die Spagnolette nur aus einem einzigen Stücke bestünde.

Die auswendigen Fensterläden, welche gemeiniglich an den Fenstern im untern Stockwerke angebracht werden, sind insgemein mit Bändern beschlagen die auf die Läden genagelt sind, und sie werden an Haspen gehänget, die in dem Mauerwerk der Fensterseiten verstrichen sind. Auf diese Art fällt alles Was<12, 599>ser, welches an der Mauer herunter läuft, auf den Fensterladen, und er verfault, wenn man gleich die Vorsicht gebrauchet, oben an die Fensterläden eine Oeffnung von Eichenholz zu setzen, welches der Fäulniß besser widersteht, als das Ende von den fichtenen Bretern, woraus der Laden gemacht ist. Es ist besser, die auswendigen Fensterläden mit einem gebogenen Zapfen zu beschlagen, der in einer Pfanne steht, die in der Brüstung verstrichen ist, und oben ein gebogenes Band zu machen, damit der Laden, wenn man ihn zumacht, in die Fensteröffnung hinein gehe, und für den Regen in etwas sicher sey. Da man will, daß die Fensterläden, wenn sie offen sind, so wenig in die Augen fallen, als möglich ist, so streicht man sie auf derjenigen Seite weiß an, die sich alsdenn von außen zeiget; da man hingegen gern siehet, daß die Fenster im Lichten bezeichnet seyn, wenn die Läden zu sind, so streicht man die andere Seite des Ladens braun an. Auf diese Art fallen die Fenster=Läden wenig in die Augen, wenn sie offen sind; sind sie hingegen zu, so kann man die Fensteröffnungen von den Mauern wohl unterscheiden. Will man diese Fenster=Läden zuhalten, so kann man sich dabey nicht der Haken bedienen, weil die Fensterrahmen jetzt mit der Nuß gemacht werden; allein, die Schlösser haben verschiedene Mittel ausfündig gemacht, die sie nach Beschaffenheit der Umstände verändert haben, und die meistentheils die verlangte Wirkung thun.

Die bisher beschriebenen auswendigen Fensterläden sind sehr gut; allein, sie sind nicht so sauber, als diejenigen, welche an das feststehende Fensterkreutz selbst angeschlagen sind, und sich unmittelbar an den Fensterahmen anlegen. Diese Fensterläden haben gemeiniglich 2 Flügel, deren jeder sich in 2 Theile zusammen leget. Sind die Mauern dick genug, so steht der zusammen gelegte Laden nicht über die Fensteröffnung heraus; ist aber die Mauer gegen die Breite der Fensteröffnungen <12, 600> nicht dick genug, so macht man den Bruch so, daß er just auf die Ecke der Fensteröffnung kommt, und ein Theil von dem Laden leget sich auswendig an die Mauer. Wird der Laden zugemacht, so muß er just auf den Fensterrahmen passen.

Bey Fensterrahmen, die mit der Nuß gemacht sind, werden die Läden folgender Gestalt zugehalten. Da die Läden gebrochen sind, so sind sie mit 3 Bändern versehen, die an 3 spitzigen Haspen hängen, welche in die hohen Stücke des Fenster=Kreutzes eingeschlagen sind; und da, wo sie gebrochen sind, haben sie ein Charnier wie ein Fischband mit der Ruthe (s. Th. III, Pfeil-IconS. 510). Das Ende dieser Bänder erstreckt sich bis an den Rand des Ladens, und die Ränder sind schräg geschnitten, damit beyde Flügel ungefähr 1/2 Fuß in das Zimmer hinein gezogen werden können, wenn die Fensterrahmen offen sind. Die Läden gehen daher nicht bis auf die Brüstung, sondern endigen sich unten bey dem Wetterschenkel des Rahmens. Man zieht also die beyden Flügel des Ladens hinein, die sich um so mehr von einander entfernen, je weiter sie in das Zimmer hinein gezogen werden können, und zwar aus eben der Ursache, aus welcher sie sich von einander entfernen, wenn man sie hinaus stößt, um sie aufzumachen. Es sind aber an dem hohen Stücke des Rahmens, woran die Schließkappe der Nuß ist, 6 Haken, die man, um mehrerer Festigkeit willen, so hoch anbringt, als die Bänder der Läden angeschlagen sind. Drey von diesen Haken haben ihre Krümmung nach der rechten, und die 3 andern nach der linken Hand zu. Wenn man nun annimmt, daß man beyde Flügel der Läden in das Zimmer hinein gezogen hat, und daß die Ränder derselben aus besagtem Grunde einander nicht berühren: so stößt man die Rahmen in ihre Oeffnung, um sie gewöhnlicher Maßen zu zumachen; die Haken gehen zwischen den Rändern der beyden Flügel des Ladens durch; und wenn man die Rahmen weiter fortstößt, so stößt man zugleich die Läden mit fort, deren Ränder um so viel näher zusammen kommen, je näher sie an der Fläche des Fensters sind. Sie legen sich also unter die Haken, welche sie zurück halten, und verhindern, daß man sie nicht aufmachen kann, bis man die Rahmen wieder aufgemacht und die Läden in das Zimmer hinein gezogen hat. Die Ränder des Flügels vom Laden gehen aus einander, und hängen sich aus den Haken, die auf dem hohen Stücke des Rahmens sind; und wenn man hierauf die Rahmen aufgemacht hat, stößt man die Läden hinaus.

<12, 601>

Man pflegt auf die Fensterläden da, wo die Haken hintreffen, ein Stück gebogenes Eisen, oder eine Art von Schließkappe zu setzen, welche sie bedeckt, damit man sie nicht mit einer Zange zerbrechen könne. Der obere Haken muß allezeit verkehrt eingeleget werden, damit der Laden nicht abgehoben werden könne.

Klassifizierung: 363.37 BrandgefahrenDDC-Icon Zur Verhütung oder Verminderung großer Brände, wäre es, bey Aufbauung gemeiner Häuser, sehr gut, wenn man von der Bau=Zierlichkeit etwas abginge, und in solchen Häusern, die in einer Reihe dicht an einander hin gebauet werden, am Ende jedes Hauses, wo es an des Nachbarn Haus anstößt, kein Fensterloch ganz nahe an des Nachbarn Haus hin machte. Bey denen aber also schon, zumahl in den Oberstockwerken, dicht an den benachbarten Häusern sehr brandgefährlich vorhandenen Fenstern, würde man die Brandgefahr dadurch noch vermindern können, wenn man äusserlich vor solche Fenster Läden machte, diese auswendig mit verzinntem Eisenbleche beschlagen liesse, und, wenn etwa Brand in des Nachbarn Hause entsteht, dieselben sogleich verschlösse, und von aussen her mit Wasser anhaltend anspritzte, oder mit Salzwasser, guter Lauge oder Thonbrühe benetzte.

Klassifizierung: 667 Reinigungs-, Färbe-, Beschichtungstechniken, verwandte TechnologienDDC-Icon Auf dem Lande würden die Fenster noch einmahl so lange dauern, auch die Stuben und Kammern im Winter wärmer halten, wenn man sie allesammt mit Läden von aussen verwahrte; und damit diese desto länger in Sonne, Wind, Regen und Schnee dauerten, müßte man dieselben auf beyden Seiten mit Firnißfarbe anstreichen, wozu nichts weiter als Firniß, so wie man ihn in der Apotheke bekommt, worunter man Bolus und Mennig zu gleichen Theilen gemengt hat, genommen werden dürfte.

Eine von Hrn. Godefroy in Paris erfundene Art Fensterläden, welche sich sehr bequem zusammen legen laßen, wenig Platz einnehmen, und an ihrem Orte <12, 602> sich wohl befestigen laßen, ist folgende. Siehe PfeiliconFig. 641.

Das mit Rahmen und Glasscheiben versehene Fenster A B C D, ist von den gemeinen Fenstern nur darinn unterschieden, daß auf jeder Seite ein Fensterladen E F G H, befindlich ist, welcher sonst nur aus Einem Stücke zu bestehen pflegt, hier aber in 3 Theile nach der Breite abgetheilt, und mit Charnieren zusammen verbunden ist, so, daß man diese 3 Stücke auf oder vielmehr an einander ordnen kann. Der Laden ist an den Fensterrahm selbst angebracht. Jeder Theil des Ladens ist nicht breiter, als die Dicke der Mauer, welche das Fenster formirt. Der Laden, wenn er zusammen gelegt ist, kann ganz bequem an die Schmiege der Mauer angeleget, und daselbst, vermittelst eines Bolzens, der in die Mauer fest eingesetzt werden muß, jedoch auch so, daß er auf die Löcher L L, die in den gebrochenen Läden angebracht sind, passe, durch eine Schließe, die sich vorn am Bolzen einschieben oder einstecken läßt, an der Schmiege befestiget werden. Ein anderer Zapfen oder Bolzen M, der ganz außen befestigt worden, dient dazu, wenn die Läden ganz zugemacht werden sollen, da sie sich denn durch Hülfe der angebrachten Leisten folgends völlig schließen. Noch ein solcher Nagel oder Bolzen, ist, gleiches Nutzens halber, auch an dem obern Theile des Fensters angebracht. Diese Zapfen stimmen gleicher maßen, wie die ersten, mit den Löchern G H zu, die zu äußerst in dem letztern Theile des Ladens durchgebohrt worden.

Wenn man das Fenster mit den Läden verschließen will, ziehet man die Schließe aus dem Zapfen I, heraus, macht die Theile des Ladens 2, 3. 3, 4. 4, 5, aus einander, und leget alsdenn den Theil 2, 3 an die Schmiege der Mauer. Die andern zwey Theile 3, 4, und 4, 5, weil solche mit der äußern Wandfläche in gerader Lage zu stehen kommen, richtet man also gerade, und schließt den letztern Theil 4, 5. mit der Schließe an den Zapfen M fest an Auf gleiche Art wird auch mit dem andern Fensterladen verfahren. Das solchergestalt verschlossene Fenster, wird hier in der Figur, durch die Zahlen 6, 7. M. 8, 9. vorgestellt, und zugleich auch dabey angewiesen, wie der Laden, vermittelst der Schließe an dem Zapfen M fest gehalten wird.

Will man nun den Laden nachher wieder öffnen und fest machen, so ziehet man die Schließe aus dem Bolzen M heraus, macht die beyden Flügel 3, 4. und 4, 5. auf, leget sie zusam<12, 603>men, applicirt sie, auf jeder Seite, an die Schmiege der Mauer, und befestiget sie zuletzt an denen in die Mauer eingesetzten Zapfen I, I, mit Hülfe der Schließen, die vorn in die Zapfen eingestecket werden.

Machines & Inventions approuvées par l' Acad. R. d. Sc. To. II. à Par. 1735, 4. No. 75, S. 21, f.

Samml. nützl. Maschinen und Instrum. Nürnb. f. S. 92.

Um sich im Sommer in den Zimmern Lust, und zugleich ein gelindes Licht zu verschaffen, welches nicht so blendend ist, als das unmittelbare Sonnenlicht, hat man, statt der auswendigen Fensterläden, die Jalousieläden, Fr. Persiennes, PfeiliconFig. 642, erfunden.

Dieses ist ein Rahmen A B C D, der in E F C mit Haspen oder Bändern versehen ist, daß man ihn wie die ordentlichen Fensterläden auf= und zumachen kann. An den entgegengesetzten Schenkel C D, macht man eine Spagnolette oder Riegel mit Federn H I, damit man ihn, nach Belieben, zuhalten könne.

In die Dicke der hohen Seitenstücke A B und C D, macht man dünne Breterchen, deren jedes an beyden Enden einen kleinen eisernen Zapfen hat, der in Löcher geht, welche in die Dicke und inwendige Seite der hohen Seitenstücke gemacht sind, so, daß sich jedes dieser Breterchen K K auf den Zapfen drehen, und so gestellet werden kann, wie man es für gut befindet, oder so, daß die Breite der Breterchen entweder in einer vertiealen oder horizontalen Stellung sey. Gibt man ihnen eine verticale Stellung, daß sie einander bedecken, wie der Schiefer auf dem Dache, so thut der Jalousieladen die Wirkung eines ordentlichen Fensterladens, und der Durchgang der Lust und des Lichtes ist unterbrochen. Stellet man aber die Fläche aller dieser Breterchen in eine horizontale Stellung, so, daß nur ihre Dicke vorsteht, die gar nicht beträchtlich ist, so kann die Luft und das Licht frey durchgehen, so daß man sich, indem man alle diese Breterchen mehr oder weniger neiget, so viel Luft und Licht verschaffen kann, als man für gut befindet. Man sieht aber leicht ein, daß man sich diesen Vortheil nicht würde verschaffen können, wenn man nach und nach mit der Hand an alle diese Breterchen greifen müßte, um ihre Neigung zu verändern. Die Schlösser haben etwas ausgedacht, daß man alle diese Breterchen sehr leicht auf einmahl bewegen kann. Hierzu nehmen sie einen viereckigen dünnen Stab Eisen Z Z, PfeiliconFig. 642 <12, 604> und Pfeilicon643; sie machen in der Höhe, die man mit der Hand erreichen kann, einen Griff M daran, und auf der Länge dieses Stabes so viel kleine Nägel N, als Breterchen sind. An den Rand eines jeden Bretchens machen sie ein kleines gebogenes Stück P, an dessen einem Ende ein Lappen O ist, den man auf jedes Bretchen befestiget; und an dem andern Ende ein kleiner Zapfen, der leicht in die Löcher der Stücke N gehet. Eins von diesen kleinen Stücken in Gestalt eines S, wird auf der einen Seite des Stabes Z Z auf die Breterchen angemacht; dasjenige, welches oben ist, wird auf die andere Seite befestiget, und so welchselweise auf dem ganzen Stabe, wie man es in PfeiliconFig. 642 siehet. Wenn man also den Kopf oder Griff M in die Höhe hebet, so ist man im Stande, alle Breterchen in gleicher Quantität und zu gleicher Zeit, wie man es verlangt, in die Höhe zu heben.

Klassifizierung: 645 EinrichtungsgegenständeDDC-Icon Damit im Sommer die Sonne nicht die Fenster eines Wohnzimmers zu sehr drücken möge, werden von außen vor das ganze oder halbe Fenster an Rollen befestigte leinene Tücher, an beyden Seiten mit zwey Stäben zum Herunterlaßen und Heraufziehen, welche unter den Nahmen Fensterparasols oder Marquisen bekannt sind, und von innen Rollstäbe mit, gemeiniglich bemahlten, Papier, Leinwand oder seidenen Zeuge, oder so genannte Rouleaux, angebracht.

Die Fenstergardinen oder Vorhänge, sind entweder Aufzieh= oder Hängegardinen. Sie werden von bunter oder anderer Leinwand, weißem Nesseltuch, Kattun, Zwillich, oder auch von seidenen Zeugen, je nachdem die Hauptfarbe der Tapezerey, oder die übrige Garnirung des Zimmers an Stühlen u. s. w. ist, gemacht, auch öfters mit Schnüren oder Börtchen eingefaßt, oder nach heutiger Faßon zum Theil mit Falbala besetzt. Die Fensterquaste, d. i. die von Horn oder Holz gedreheten, und mit Seide, Kamelhaar, wollenem Garn oder Zwirn vom Posamentirer überzogenen, länglichen Knöpfe, welche an lange geklöppelte, ihnen an Faden und Farbe gleich kommende Schnuren gehängt, und diese an die Vorhänge angeknüpfet werden, vermittelst <12, 605> deren die Vorhänge sich bequem auf= und zuziehen lassen, und deren zu jedem Fenster 4 gehören, waren vormahls mehr, als jetzt, Mode.

Außer den Aufzieh=und Hängegardinen, hat man an die Fenster in Zimmern auch Springgardinen, Fr. Store, d. i. ein blechernes Rohr, worin eine aus starkem Eisendraht gewundene Feder ist, und worauf man ein Stück Zeug rollet, das man von dem Rohre wieder herunter ziehen kann. Eine Anweisung zu ihrer Verfertigung, findet man in Hrn. Dühamel Schlösser=Kunst, im IX B. des Schauplatzes der Künste und Handwerke, S. 448, f.

In Zimmern, welche der Sonne ausgesetzt sind, sind weiße Fenstervorhänge im Sommer die allerbesten; denn die weiße Farbe wirft am meisten die Sonnenstrahlen zurück. Vorhänge hingegen von anderer, zumahl dunkler Farbe, verschlingen sehr viel von den Sonnenstrahlen, und bringen also die Hitze reichlich ins Zimmer. Seidene Vorhänge also von grüner, rother und anderer Farbe, die ins Dunkle fällt, sind im Sommer ein beschwerlicher Putz in einem Zimmer, das keinen andern, als dergleichen Schirm vor den auffallenden Sonnenstrahlen hat. Wer hingegen weiße Gardinen vorhängt, und sie gegen die Zeit, da die Sonne kommt, dicht zuziehet, wird große Erleichterung finden.

Hannov. Magaz. 35 St. v. J. 1775, Col. 559.

Neue Mannigfaltigk 3 Jahrg. S. 60, f.

Berl. Samml. 8 B. 3 St. S. 277, f.

Klassifizierung: 346.05 Erbschaft, Erbfolge, Treuhandvermögen, TreuhänderDDC-Icon Die Fensterstäbe zu den Vorhängen, sind Erbe; hingegen gehören die eisernen Haken, worauf solche ruhen, nebst den Rollen, zum Lehen.

Klassifizierung: 747 InnendekorationDDC-Icon Die Fenster=Küssen oder Polster, sind nach der Breite und Tiefe des Fensters eingerichtete, ausgestopfte oder gefütterte Küssen, die Arme darauf bequem ruhen zu laßen. Es sind dieselben mit einem Ueberzug bekleidet, welcher von eben der Couleur, auch wohl von eben dem Zeuge, als die Tafelstühle und Teppiche, im<12, 606>gleichen die Vorhänge vor die Thüren genommen sind, oder doch sonst mit demselben gut accordiren muß. Man pflegt sie übrigens theils zu falbaliren, theils mit Fransen, Campanen und dergleichen Zierrathen mehr aus zuschmücken, auch, damit sie länger sauber bleiben, und von der darauf scheinenden Sonne an der Farbe nicht verschießen, mit von feinem Papier überzogenen Mappen zu bedecken.

Klassifizierung: 346.043 Unbewegliche SachenDDC-Icon Die Vorrechte, welche den Fenstern in den Rechten zugestanden sind, daß man einem andern nicht das Licht verbauen darf, die Servitus altius non tollendi, Servitus luminum, u. s. f. heißen das Fensterrecht, Lichtrecht.

Die Servitus altius non tollendi, oder die Dienstbarkeit, daß man seine Gebäude nicht höher führen, und dadurch etwa dem Nachbar sein Licht, u. d. gl. verbauen darf, gründet sich auf die gemeinen Arten, die Servitutes per pactum, ultimam voluntatem, praescriptionem vel legem, zu erlangen; denn eigentlich kann ein jeder so hoch bauen, als er will, weil jedem nur die Gränze zu beyden Seiten, nicht aber in die Höhe, gesetzt worden ist; und muß derjenige, so von einem Andern prätendiret, er solle nicht höher bauen, beweisen, daß ihm dergleichen Dienstbarkeit auf seines Nachbarn Hause zuständig sey. Es wird aber auch hierbey der Casus ausgenommen, si nempe publica utilitas exigat, naturalis aedificandi libertas recte restringitur, wie Wernher in seinen Observatt. selectis, Vol. IV, P. 6, Obs 346 mit einem Responso und dabey gebrauchten Gründen bestätiget. Sonst ist nichts daran gelegen, ob des Andern Fenster verbauet werden, oder nicht; denn, so wie ein Jeder in seiner Wand Fenster machen kann, wenn sie nur befestiget werden: so kann sie auch der Andere verbauen. Ein anderes aber ist verordnet in Ordin. Norimb. Tit. 26. Francof. und Lubec. Lib. III. Tit. 12. Art. 13, da keinem erlaubt, auf des Nachbars Hof Fenster zu machen, wo nicht vorher welche gewesen sind.

Stryck. Vs. mod. Lib. VIII. Tit. 2. §. 12--14.

Im übrigen, wenn ja die Servitus luminum constituiret ist, so erfordert sie entweder eine fremde oder gemeine Mauer; denn wie schon gedacht, in seiner eigenen Mauer kann man nach Gefallen Fenster machen. Aber weder meines Nachbars, noch <12, 607> diejenige Mauer, welche ich mit einem Andern gemein habe, kann ich nach Gefallen brauchen und Fenster machen, wo ich nicht die Servitutem luminum habe.

Hrn. Prof. Polack. Mathesis forensis, Lpz. 1770, 4. S. 326, fgg.

Klassifizierung: 363.7 Umweltprobleme DDC-Icon Die Römer, in deren Gesetzen man viele Anordnungen findet, welche die Sicherheit in Städten zum Grunde haben, sorgten unter andern auch dafür, daß die Einwohner der Häuser in Städten, sonderlich des Nachts, nichts aus dem Fenster werfen, die Eigenthümer aber für den Schaden stehen, oder alle Einwohner in solidum dafür haften sollten. Der III Tit. L. IX ff. handelt davon, ja die meisten so genannten quasidelicta, dergleichen auch bey dieser Klage zum Grunde lag, sind Polizeyverbrechen. Diese Fahrläßigkeit und dieses unbedachtsame Verfahren, welches man noch an vielen Orten, sonderlich in Universitätsstädten, duldet, und wodurch die Gassen und Straßen mit Nachttöpfen und Unflat angefüllet werden, verursachet viele Verletzung und Beschädigung der Vorbeygehenden, die sich sonderlich des Nachts nicht wohl dafür vorsehen können, zumahl noch dazu die wilde Unbedachtsamkeit derer, so solche heraus werfen oder ausschütten, die sonst noch gewöhnlichen Verwarnungen mit Rufen öfters unterläßt.

Von Gewächshaus= Mistbeet= und Stall=Fenstern, werde in den Art. Pfeil-IconGewächshaus, Pfeil-IconMistbeet, und Pfeil-IconStall handeln.

Fenster, (Aufzieh=) siehe oben, Pfeil-IconS. 580.

Fenster, (Balcon=) siehe oben, Pfeil-IconS. 578.

Fenster, (Bastard=) siehe oben, Pfeil-IconS. 572.

Fenster, (Blind=) siehe oben, Pfeil-IconS. 579.

Fenster, (Dach=) siehe oben, Pfeil-IconS. 574, fgg.

Fenster, (Geländer=) siehe oben, Pfeil-IconS. 578.

Fenster, (Gewächshaus=) siehe in Pfeil-IconG.

Fenster, (Gewinde=) siehe oben, Pfeil-IconS. 580.

Fenster, (Gitter=) siehe oben Pfeil-IconS. 588, und Pfeil-IconJalousie.

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