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Leder Klassifizierung: 685 Leder- und Pelzwaren und verwandte ProdukteDDC-Icon Klassifizierung: 675 Leder und PelzverarbeitungDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , *

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Schon im Schwabenspiegel Leder; im Nieders. Ledder, Leer, Lier; bey dem Ulphilas Alethr; im Wallisischen Lledr; im Angels. Lether; im Engl. Leather; im Dän. und Schwed. Ladr. Ohne Zweifel ist der Begriff der Bedeckung der herrichende in diesem Worte, so daß es ein Geschlechts=Verwandter von Kleid, Laden, Lied, ein Deckel, u. s. f. ist.

Lat. corium; Fr. Cuir; Ital. Cuoio; Span. Cuero; Port. Couro, die zubereitete oder gegärbte Haut der Thiere. Kalb=Leder, Ochsen=Leder, Rinds=Leder, Schaf=Leder, u. s. f. Leder bereiten. Auch aus Leder bereitete Dinge werden zuweilen nur das Leder schlechthin genannt. So wird den Pferden ein Leder gelegt, wenn man ihnen einen ledernen Riemen durch die Haut zieht; siehe Pfeil-IconHaar=Seil, im XX Th., Pfeil-IconS. 539, fgg. So auch in Pfeil-IconHand=Leder, Pfeil-IconOber=Leder, u. s. f.

Klassifizierung: 398.9 SprichwörterDDC-Icon In der Redens=Art von Leder ziehen, d. i. den Degen ziehen, scheint es die lederne Scheide oder auch das lederne Gehenk zu bezeichnen. Indessen bedeutet <68, 6> diese R. A. im Niedersächsischen auch so viel, als sich auskleiden.

     Herr steet ab drat
Zu füssen von eurem pferdt,
Gewindt von leder ewr gut schwert.
Thenerd. Cap. 38.

Eines Leders seyn, wird im Spott gesagt, von Leuten, die einander gleich sind, und gleichsam aus Einer Haut geschnitten; L. eius dem farinaeesse.

Klassifizierung: 398.9 SprichwörterDDC-Icon Sprichw. Aus andrer Leute, oder aus fremdem Leder ist gut Riemen schneiden, d. i. auf andrer Leute Kosten ist aut freygebig seyn; Fr. du cuir d' autrui large courroie. Das ist keine Freygebigkeit, wenn man aus andrer Leute Beutel, und nicht aus seinem eigenen giebt. Es kann indessen auch dies Verdienst seyn, wenn jemand, der nicht selbst Wohlthaten zu erweisen im Stande ist, Andern Gelegenheit macht, ihre Freygebigkeit zu zeigen und gut anzuwenden.

Man muß nicht das Leder stehlen, und die Schuhe um Gottes willen geben. Man muß nicht Böses thun, damit etwas Gutes dadurch bewirket werde. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, wenn diese in jeder Rücksicht unerlaubt und verwerflich sind; der Zweck, welcher nur auf solche Art erreichet werden kann, kann nicht gut und löblich seyn. Das Sprichwort bezieht sich auf die Legende vom h. Crispin, der das Leder stahl, um armen Leuten Schuhe daraus zu verfertigen. In der That ein besonderer Heiliger!

In den niedrigen Sprech=Arten und im verächtlichen Verstande bezeichnet es zuweilen auch die Haut. Einem über das Leder kommen, oder ihm das Leder gärben, (das Fell, den Buckel), ihn derb ausprügeln, auskarbatschen; L. corium conscribere alicui, tergus alicuius probe depsere et concinnare; Fr. rosser quelcun, lui repasser le bufle.

Es geht über dein Leder, de tuo luditur corio.

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In weitläuftigem Verstande nennt man Leder die abgezogene Haut von allerley wilden und zahmen Thieren. So lange dieselbe noch nicht zubereitet und bearbeitet, sondern in dem Zustande ist, wie sie von den todten Thieren abgenommen worden ist, so lange nennt man dieselbe rohes Leder, oder eigentlicher und besser, rohe Haut, Fr. Cuir cru, oder verd, und auch, nach dem Unterschiede der Thiere, von denen sie ist, ein Fell oder einen Balg. Diese Benennungen behalten die Häute auch, wenn gleich dieselben, zu desto besserer Erhaltung, schon eingesalzen oder getrocknet sind; daher denn die rohen Leder oder die Häute und Felle überhaupt in grünes oder frisches, eingesalzenes, und getrocknetes oder trocknes Leder, oder, eigentlicher zu reden, in grüne, eingesalzene und trockne Häute oder Felle, eingetheilet werden.

Zwischen den Wörtern Haut, Fell, Balg und Leder, ist folgender Unterschied.

Haut sagt man: 1. von größern vierfüßigen Thieren, so lange die Haare noch darauf stehen, wie auch von Fischen und Amphibien, welche abgestreifet werden können. Daher sagt man z. B. eine Ochsen=Haut, Pferde=Haut, Kuh=Haut; eine Fisch=Haut, Aal=Haut, Seehunde=Haut, Schlangen=Haut (doch sagt der Jäger auch oft Schlangen=Balg). 2. Von Vögeln, denen nur die Federn abgerupft sind, so daß die Haut am Leibe bleibt. Daher sagt man z. B. die Gänse=Haut, die Hühner=Haut.

Fell sagt man: 1. von kleinern vierfüßigen Thieren, es mögen die Haare noch darauf stehen oder nicht, und das Fell mag gegärbt seyn oder nicht. Daher sagt man z. B. Kalb=Fell, Schaf=Fell, Lamm=Fell, Bocks=Fell, Hunde=Fell; doch sagt man auch eine Bocks=Haut, eine Hunds=Haut. 2. Von Vögeln, denen die Haut mit den Federn abgezogen ist. Daher sagt man z. B. ein Schwanen=Fell.

Balg wird, besonders in der Jäger=Sprache, von solchen wilden Thieren gesagt, denen das Fell ganz über die Ohren gestreift wird Daher sagt man z. B. ein Fuchs=Balg, Marder=Balg, Iltis=Balg, Wiesel=Balg, <68, 8> Luchs=Balg, Fischotter=Balg, Katzen=Balg. Von zerwirkten Thieren aber, d. i. von solchen, denen das Fell auf dem Bauche aufgeschnitten worden ist, sagt man nicht Balg, sondern Haut; z. B. eine Hirsch=Haut, Schwein=Haut, Bären=Haut, u. s. f.

Leder sagt man von ganz abgehaarten Häuten und Fellen, die zum Gebrauch zugerichtet worden sind.

Siehe auch im XII Th., Pfeil-IconS. 540, f.

Wenn aber die Hand des Künstlers oder Handwerkers denselben einige Zurichtung oder Bereitung gegeben hat, so verlieren oder behalten sie den Nahmen des Leders, nach dem entweder die Zurichtung, welche sie bekommen haben, beschaffen ist, oder der eingeführte Gebrauch solches erfordert.

Die Häute der vierfußigen Thiere sind auf der äussern Seite behaart, und auf der innern mit Fleisch, Fett und Blut=Gefäßen bedeckt. Sie bestehen aus einem Gewebe von Fäserchen, die sich in verschiedener Richtung einander durchkreuzen. Diese Häute würden für die Menschen entweder unnütz, oder wenigstens unbequem zu gebrauchen seyn, wenn man nicht Mittel ersonnen hätte, sie auf mannigfaltige Weise durch Zurichtung oder Bereitung brauchbar zu machen. Solche Zurichtung und Bereitung des Leders, oder vielmehr der Häute, Felle und Bälge, ist mancherley; denn auf etlichen wird das Haar gewöhnlich und fast beständig gelassen, wie auf den Bären=, Tieger=, Luchs=, Wolfs=, Reh=, wilden Schweins=Häuten, imgleichen auf den Fuchs=, Hasen= und Marder=Bälgen, wie auch auf den Kaninchen= und Zobel=Fellen geschieht; andern aber wird solches entweder gelassen, oder abgenommen, nach dem nähmlich der Gebrauch oder die Absicht ist, wozu man sie bestimmt, wie z. B. bey den Reh= und Hunde=Häuten, ingl. Schaf= und Lamm=Fellen zu geschehen pflegt; und endlich wird noch andern das Haar gewöhnlich und fast beständig genommen, wie bey den Rinds=, Büffels=, <68, 9> Kalbs=, Gemsen=, Bocks=, und Pferde=Häuten gebräuchlich ist. Diejenigen Häute, Bälge und Felle, die ihre Haare behalten, gehören unter das Pelz=oder Rauchwerk, wovon ich im Art. Pfeil-IconKürschner, im LVII Th., Pfeil-IconS. 5, fgg. gehandelt habe; diejenigen aber, denen das Haar genommen wird, werden vornehmlich alsdann, wenn sie von ihrem Haare entblößt sind, im engern und eigentlichen Verstande Leder genannt; und diese leztern sind eigentlich der Gegenstand des gegenwärtigen Artikels. Das Leder, in eigentlichem Verstande genommen, ist demnach eine Haut, Fell oder Balg, denen durch die Hand des Künstlers oder Handwerkers das Haar genommen ist, und die in den Stand gesetzt worden sind, wie ihn der gebrauch, wozu sie bestimmt sind, erfordert.

Die mit dem Leder sich beschäftigenden Personen oder Handwerker, sind theils diejenigen, welche es zubereiten, theils diejenigen, welche es verarbeiten. Jene, nähmlich die, welche es zubereiten, und zu fernerer Verarbeitung geschickt machen, sind: der Roth= oder Loh=Gärber, der Weiß= und Sämisch=Gärber, der Corduan=Macher, der Pergament=Macher, welche insgesammt unter dem Nahmen Lederer und Leder=Bereiter, oder Leder=Gärber, L. Coriarius, Fr. Corroieur, begriffen werden, wiewohl, nach der Verschiedenheit der Orte, bald der eine, bald der andere der vorhin erwähnten Handwerker sich die Benennungen der Lederer oder Leder=Bereiter allein zueignet, wie denn an einigen Orten insbesondre die Roth= oder Loh=Gärber Lederer, und die Corduan=Macher Leder=Bereiter genannt werden. Derjenigen, die das Leder verarbeiten, (Leder=Verarbeiter) wird unten bey den Manufacturen aus dem zubereiteten Leder Erwähnung geschehen. Beyderley Künstler und Handwerker, die nähmlich aus den Thier=Häuten das Leder verfertigen, oder <68, 10> auch solches bey ihrer Kunst und Profession zerschneiden, und zu verschiedenem Behuf verarbeiten, werden mit der gemeinschaftlichen Benennung Leder=Arbeiter belegt.

In Ansehung der innern Mischung scheinen die Häute oder Felle der thierischen Körper viel ähnliches mit dem Fleische zu haben. Sie enthalten einen Gallert=artigen Stoff, und können daher zu Leim genutzet werden, hiernächst mehr oder weniger Fett, und ein fadiges oder faseriges Gewebe. Ihr vielfältiger Gebrauch im gemeinen Leben ist überaus wichtig; und in so fern sie enthaaret und so zubereitet werden, daß sie zu mancherley Absichten verarbeitet werden können, heißen sie, mehr erwähntermaßen, Lcder, und die Kunst, solche zu zurichten, die Leder=Gärbereyen.

Die Kunst des Gärbens wird für eine Erfindung des Orientes gehalten; wenigstens kam sie in den Morgenländern früher, als in Europa, zur Vollkommenheit. Nach dem Vorgeben der Chineser war es ihr Beherrscher Schinfang, der ihnen, die Felle der Thiere zu bereiten und die Haare mit hölzernen Walzen herab zu bringen, zeigte. Plinius schreibt die Erfindung der Loh=Gärberey einem Tychius aus Böotien zu. Schon in den ältesten Zeiten kannte man den Gebrauch der abgezogenen Thier=Häute zur Bekleidung des menschlichen Körpers, und es gehört auch in der That nur eine mäßige Aufmerksamkeit und Erfindungs=Kraft dazu, den Gedanken zu dieser Nutzungs=Art zu fassen und auszuführen. Man trocknete sie an der Luft, oder am Feuer, worin die ganze Zubereitung bestand, und hing sie dann um, so wie wir noch heutiges Tages bey einigen ungebildeten Nationen diese Sitte bemerken. Allein, die Unbequemlichkeit solcher getrockneten Häute, ihre Rauhigkeit und Härte, die sie hindert, sich an den Körper gehörig an<68, 11>zuschmiegen, (der Untreilichkeit derselben nicht zu gedenken,) erweckte das Nachdenken; man suchte sowohl die Ursachen dieser Mängel, als auch die Mittel, ihnen abzuhelfen, zu entdecken, und so entstand mit allmählich fortschreitender Vollkommenheit die Kunst, die rohe Haut zu Ledern und bequemern Pelzwerk zu zubereiten, welche Art der Bearbeitung jezt das Gärben genannt wird, so wie eben dieses Wort auch eine gewisse Zurichtung des Stahles bedeutet; s. im XV Th., Pfeil-IconS. 629, f.

Die wesentlichen Bearbeitungen, welche die Felle bey den Gärbereyen erfordern, sind folgende. 1. Die Reinigung sowohl der innern Seite, welche auf dem Fleische gewesen ist, (der Aaß=oder Fleisch=Seite, Fr. Chair,) als auch die Enthaarung der äussern oder derjenigen Seite, auf welcher die Haare des Thieres gesessen haben, und auf welcher nach der Zubereitung die Narben sichtbar sind, (der Haar=oder Narben=Seite, Fr. Fleur). Ueberhaupt geschieht dieses durch das Schaben und Ausstreichen, theils auch durch Hülfe des Einweichens im Wasser, und bey manchen durch einen Anfang der Fäulniß. 2. Um die Häute noch weiter von ihrem Fette zu befreyen, und ihr faseriges Gewebe zur folgenden Arbeit besser aufzuschließen, werden sie durch Gährungs=Mittel aufgetrieben oder geschwellt; hierauf aber 3. durch Zusätze von zusammenziehenden Mitteln, oder auch durch Walken, die Fasern dichter in einander gebracht, wodurch das Leder seine Härte und Festigkeit bekommt. Bedient man sich hierbey adstringirender Pflanzen=Theile, so nennt man dies die Loh=Gärberey; in der Weiß=Gärberey hingegen gebraucht man bloß Alaun, und in der Sämisch=Gärberey werden die Felle bloß durch Walken mit Fett bereitet. Die Absicht aller drey Arten ist: den Häuten alle Feuchtigkeit zu benehmen, und deren kleinsten Fasern entweder Steife und Dichte, <68, 12> oder Weiche und Biegsamkeit zu ertheilen. Endlich 4. wird dem Leder unter oder nach diesen Bearbeitungen eine Farbe oder eine andere zufällige Präparatur gegeben. Von jedem dieser Gewerbe werde ich erst einzeln sprechen, und hernach von der weitern Nutzung und Verarbeitung des fertigen Leders das Nöthige hinzufügen.

A. Die Loh= oder Roth=Gärberey.

Der Gärber, welcher die Häute mit Lohe, d. i. der abgeschälten und zu Pulver gestampften Rinde der Eichen, oder andern adstringirenden vegetabilischen Substanzen, bereitet und gar macht, wird Loh=Gärber, an andern Orten auch Loher, Lauwer, Löber, und, weil die mit Lohe gegärbten Häute eine röthliche Farbe bekommen, Roth=Gärber, L. Coriarius, Cerdo, Fr. Taneur, Ital. il Pellajo; das an einem fließenden Wasser angelegte Gebäude, welches dem Gärber zur Werkstatt dient, allerley Leder darin zu bereiten, die Gärberey, an einigen Orten auch das Gärbe=Haus, L. Coriaria, Officina Coriarii; Fr. Tannerie; und die, nach entzogener natürlicher Feuchtigkeit und Fettigkeit, durch eine vermehrte Stärke ihrer Fasern und durch eine Verdichtung ihres Gewebes mit zusammenziehenden vegetabilischen Substanzen gegärbte (gargemachte) Haut lohgares Leder, Fr. Cuir tanné, genannt. Die Kunst des Loh=Gärbers besteht eigentlich im Garmachen mit Lohe, oder im Gärben desjenigen Leders, welches der Schuster zu Sohlen und Ober=Leder braucht; und die Zubereitung dieser Leder=Arten, da das gegärbte Leder geöhlt, gefärbet, geglättet und geschmeidig gemacht wird, gehört für den Leder=Bereiter; da aber in vielen Städten Deutschlandes der Loh=Gärber sich zugleich mit dem Zubereiten des Leders beschäftigt, ja an manchen Orten so gar die Schuster, das Leder welches sie ver<68, 13>arbeiten, selbst garmachen und zubereiten, so werde ich, in folgender Beschreibung, den Gärber von dem Leder=Bereiter zwar nicht trennen, doch muß ich die Gewohnheit, den Schustern das Garmachen des Leders zu erlauben, mißbilligen, weil diese Leute selten von diesem Geschäfte hinlängliche Kenntniß, und noch seltener ein so ansehnliches Vermögen besitzen, gute Häute einzukaufen, und den Zeitpunct des Garwerdens abwarten zu können. Das Publicum leidet bey dergleichen schlechten Waren, und das deutsche Leder erhält dadurch auch im Auslande, einen noch üblern Ruf, als es, im Ganzen betrachtet, verdient.

Die Loh=Gärberey, und die Gärberey überhaupt, hat in vielerley Absicht ihre Schwierigkeiten. Die wichtigste Schwierigkeit ist aber wohl, daß die Thier=Häute nicht in allen Gegenden von gleicher Güte sind, und dem ungeachtet versucht man in verschiedenen Ländern alle Arten Leder zu machen. Zwar wird öfters Schlacht=Vieh aus Weide=reichen Gegenden in magere Gegenden zum Verkauf getrieben; allein, die Häute von abgetriebenem Viehe haben bey weitem nicht mehr die Güte, als Häute von solchem Vieh, welches in seiner Heimath geschlachtet wird. Eben so verhält es sich mit gutartigen Häuten, die ein Gärber sich aus fremden Gegenden kommen lässet; diese Häute sind bereits ausgetrocknet, und daher nicht mehr von der Güte, als wenn sie frisch, oder, wie man zu sagen pflegt, grün, unmittelbar nach dem Schlachten in der Gärberey zubereitet werden. Hierzu kommt noch, daß das Wasser in manchen Gegenden nicht tauglich zum Gärben ist, und daß die Behandlung bey der Zubereitung mancher Leder=Arten noch nicht hinlänglich bekannt ist. So weis man z. B. in Deutschland vermuthlich noch nicht mit völliger Gewißheit und Genauigkeit, wie das vortreffliche engländische Leder zubereitet wird; ja, selbst in ein und eben derselben deutschen <68, 14> Stadt hat ein Gärber diese, ein anderer wieder andere Vortheile bey dem Garmachen des Leders. Hieraus erhellet nun, daß eine Beschreibung der Gärberey nothwendig mit Schwierigkeiten verknüpft seyn muß.

Der Loh= oder Roth=Gärber, welcher das Leder mit Lohe, d. i. mit der zerriebenen Rinde (Borke) der Bäume, und insbesondere der Eichen, garmacht, um demselben alle die Feuchtigkeiten, die ein Fäulniß verursachen würden, zu benehmen, und dessen kleinsten Fäserchen eine Steifigkeit und Dichte zu ertheilen, gelangt zu dieser Absicht durch vier Haupt=Handlungen. Erstlich muß der Gärber den Häuten durch das Einweichen im Wasser ihr Blut benehmen, wenn es nähmlich frische oder grüne Häute sind, die ausgetrockneten aber zugleich auch aufweichen. Zweytens muß er bey den mehresten Häuten es durch ein oder das andere Mittel dahin bringen, daß die Haare abgehen, und diese Haare abnehmen. Drittens muß er durch eine Beize das Leder aufschwellen, damit die Fäserchen der Häute sich unter einander öffnen, und viertens, die Lohe in das Leder eindringen, ihm die Feuchtigkeiten benehmen, und dessen Fasern stärken kann. Durch welche Mittel der Loh=Gärber diese verschiedene Absichten erreicht, werde ich bey den bekanntesten Leder=Arten zeigen.

Um seine Kunst vollständig auszuüben, muß der Loh=Gärber folgende Kenntnisse besitzen. 1. Kenntniß von der Einrichtung einer Werkstatt. 2. Kenntniß der Geräthschaften und Werkzeuge, als Gegenstände, auf welchen das Garmachen und andere Arbeiten großentheils beruhen, um, nach Vermögens=Umständen, erstere gehörig einzurichten, leztere hingegen entweder anzuordnen, oder sie wählen zu wissen. 3. Er muß die Eigenschaften des Wassers und dessen Bestand=Theile genau kennen; durch gewisse Proben unterscheiden, in wie weit eine oder die andere Art <68, 15> dem Leder zuträglich oder nachtheilig ist, und die nachtheilige zu verbessern wissen, damit er ohne Schwierigkeiten, und ohne seinen und des Publici Nachtheil, bey jeder Art des Wassers das Leder gehörig und gut bearbeiten könne. 4. Er muß das Wachsthum, die Unterscheidungs=Zeichen, die Zeit der Blüthe, die Reife der Gewächse und ihre Bestand=Theile kennen, damit er, bey der beständig zunehmenden Abnahme der Wälder in Deutschland, den Abgang der Rinden= und insonderheit Eichen=Lohe, ohne Schwierigkeit durch verschiedene Kräuter=Lohe ersetzen könne. 5. Rohe Häute sind ein wichtiger Gegenstand des Loh=Gärbers, welcher seine ganze Aufmerksamkeit erfordert, um 6. bey dem Einkaufe der Häute ihren Werth festzusetzen, vor Schaden sich zu hüten, und mit Nutzen dieselben bearbeiten zu können. 7. Er muß die Gare des Leders, von der Wasser=Weiche anzufangen, nach Beschaffenheit des Leders, welches entweder zu Sohl= oder zu Ober=Leder etc. bestimmt ist, gehörig und ununterbrochen fortzusetzen, wissen, damit theils durch verhältnißmäßige Anordnung erweichender, theils durch zusammenziehende Mittel, der Endzweck, ein tücktiges Leder zu bereiten, erreichet werde. 8. Da das bestgegährte Leder nach der Trocknung ohne Ansehen ist, und solches erst durch das Zurichten erhalten werden muß, und hierdurch das Lederwerk nebst dem Ansehen zugleich auch die Geschmeidigkeit bekommt, so muß der Loh=Gärber alle diejenigen Kunstgriffe, die zum Ansehen und zur Schönheit des Leders etwas beytragen können, sich zu eigen machen.

Da die gute oder schlechte Betreibung der Geschäfte der Loh=Gärberey meistens von der Lage und Einrichtung der Werkstatt abhängt, so werde ich zuerst davon handeln. Nach Verschiedenheit der Länder und Oerter, sind auch die Werkstätte verschieden. Weil aber diese Verschiedenheit in der Haupt=Sache unbedeutend <68, 16> scheint, hingegen die Lage des Ortes und die Bequemlichkeit des Fluß=Wassers, Aufmerksamkeit verdient, so werde ich, meinem Endzwecke gemäß, bey Beschreibung einer Lohgärber=Werkstatt zeigen, wie dieselbe eingerichtet werden müsse, um bequem, nützlich und vortheilhaft zu seyn.

Eine Lohgärber=Werkstatt muß 1. feuerfest, 2. der Kälte widerstehend, 3. geräumig, und 4. nahe beym Wasser seyn. Um diese Absichten zu erreichen, muß sie auf einem bequemen Platze, in gehöriger Größe, von Steinen erbauet, gewölbt, und diese Wölbung oben mit Schutte ausgefüllt seyn. Sie muß, um geräumig zu seyn, wenigstens zwey Abtheilungen haben, die eine Zwischen=Mauer trennt; jede muß 30 Ellen lang und 10 Ellen breit seyn, wenn 4 oder 5 Gesellen darin arbeiten sollen, und die Betreibung der Geschäfte ungehindert von Statten gehen soll. Durch die Zwischen=Mauer muß eine Thür seyn, damit man aus einer Abtheilung in die andere gehen könne. In jeder Abtheilung muß auch von aussen eine Thür seyn, und inwendig bey jeder Thüre ein geräumiger Platz zum Arbeiten, nebst einem Heiz=Ofen. In die eine Abtheilung stellt man die Gefäße zum Einweichen des Leders (die Weich=Fässer), und die Geräthschaften hinter den Platz, wo die Gesellen ihre Geschafte betreiben; dann die Aescher (Kalk=Fässer), welche in die Erde eingegraben werden müssen. In der zweyten Abtheilung stellt man, hinter den Platz, wo ebenfalls die Gesellen zu arbeiten haben, die Zug= oder Treib=Fasser, dann die Beizen und Farben. Der Fußboden muß mit harten Platt=Steinen gepflastert, und in der Mitte mit einer breiten Rinne abschüssig versehen seyn, damit, wenn man verbrauchte Brühen und Laugen wegschüttet, dieselben geschwinde abfließen können. Jedes in die Erde gegrabene Faß muß einen breiten Zwischenraum haben, damit nicht <68, 17> die Unreinigkeiten aus dem einen in das andere, während dem Umlegen (Aufschlagen) der Häute fließen können. Nahe bey der Thüre muß ein Heiz=Ofen mit einem Kessel sich befinden, um das benöthigte Wasser heiß zu machen, und von da aus an den gehörigen Ort bringen zu können. Im zweyten Stockwerke über dieser Werkstatt, muß ein geräumiges Zimmer zum Zurichten des bereits gargemachten Leders, welches auch im Winter zum Trocknen dient, daneben ein Zimmer für die Gesellen zum Schlaf=Gemach, und der übrige Theil dieses Stockwerkes zur Unterbringung der Loh=Gattungen und anderer Bedürfnisse, eingerichtet seyn. Das Dach auf dieser Werkstatt muß ringsum mit weiten Oeffnungen, und diese mit Deckeln versehen seyn, damit sie, wenn es des Trocknens wegen nöthig ist, nach Belieben geöffnet und verschlossen werden können. Die Einlege=Gruben (große in die Erde gegrabene Fässer) müssen vor, aber auch nahe an dieser Werkstatt in zwey Reihen in die Erde gesetzt, und rings umher jedes Faß mit Lehm wohl verstopft werden, damit, wenn von ungefähr eine Daube des Fasses, aus Versehen des Böttchers, nicht dicht genug wäre zusammengefüget worden, das auf die Leder gegossene Wasser sich nicht in die Erde ziehen könne.

Die Nähe eines Baches oder Flusses, trägt zur Bequemlichkeit einer Lohgärber=Werkstatt vieles bey, daher muß dieselbe zwar nahe, aber wegen Ueberschwemmungen nicht zu tief, am Wasser erbauet seyn. Kann das Wasser=Bett erhoben, und das Wasser in einen breiten Graben, der bey Ergießungen gesperret werden kann, also geleitet werden, daß es nahe an der Werkstatt, oder, welches noch besser ist, durch eine Abtheilung derselben fließe, so wird dadurch eine solche Werkstatt, indem man das Wasser nach Belieben an= und weglassen kann, sehr nützlich und bequem, und <68, 18> bey plötzlichen Wasser=Ergießungen auch nicht leicht durch Ueberschwemmung Gefahr leiden.

Auf eine andere und vortheilhaftere Art, kann eine solche Werkstatt nahe am Wasser an dem Abhange eines Hügels angelegt werden, wenn die Erde, so lang die Werkstatt werden soll, hinweg gegraben wird, um sie in dieselbe mit Steinen aufzubauen, zu wölben, und dann überall, wo es geschehen kann, mit Erde zu bedecken; über derselben kann die Wohnung, und alle sonst zur Loh=Gärberey nöthige, oben erwähnte Einrichtung angebracht werden.

Die festeste, feuersicherste und der strengsten Kälte widerstehende Werkstatt, die Bautsch *

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In seiner Beschreibung der Lohgärberey, (Dresd. 1793, 8.) S. 6. f.

auf seiner Reise durch Deutschland gesehen zu haben versichert, ist die Bautschische, in dem reichsgräfl. Hartigischen Städtchen Niemes, in Böhmen, die wegen erstgedachter Eigenschaften sowohl als ihrer guten Einrichtung wegen, merkwürdig ist.

Diese Werkstatt ist in einen Berg=Felsen auf drey Abtheilungen ausgehauen. Die erste Abtheilung mißt 40 böhm. Ellen in der Länge; die zweyte und dritte, jede 12 Ellen in der Länge, und 12 in der Breite. In der ersten Abtheilung befinden sich vorn, hinter dem Platze, worauf die Gesellen arbeiten, die Weich=Fässer, dann die Beizen, und endlich die Farben. In der zweyten Abtheilung links, die Lohungs=Fässer (Zug=Fässer, Treib=Fässer). In der dritten, die in die Erde eingegrabenen Kalk=Fässer (Aescher); neben der Thüre inwendig links, der Kessel=Ofen; wobey ebenfalls neben der Felsen=Werkstatt auswendig eine Küche, und ein Schorstein durch den Felsen gehauen ist. Ueber der Thüre ist ein großes Fenster angebracht, durch welches diese Werkstatt hinlängliches Licht erhält. Die übrige innere Einrichtung, als: der Fußboden, der zwischen jedem Fasse gehörige Raum, der ungehinderte Abfluß der Brühen und Laugen, sind ebenfalls gehörig angebracht. Die Einlege=Gruben be<68, 19>finden sich seitwärts und vereint um die Werkstatt auf dem Hofe, der mit einer hohen Mauer umgeben ist. Der Felsen über dieser Werkstatt ist mit gutem Erdreiche bedeckt, auf welchem ein Obst=Garten angelegt ist, der für das Auge angenehm und reizend ist, und dieser in dem Felsen ruhenden Werkstatt ein gutes Ansehen verschafft.

Der Nutzen einer solchen Werkstatt ist, daß sie sicher vor Feuers=Gefahr ist, das Lederwerk, die Werkzeuge und Gefäße sich gut erhalten, die vorfallenden Arbeiten zu jeder Jahrszeit gut und ungehindert verrichtet werden können; und ist nun auch die Lage so, daß Wasser bey einer solchen Felsen=Werkstatt fließt, und daß dasselbe in einem Graben zur Werkstatt geführt wird, so kann auch, zu großem Nutzen, neben derselben eine Loh=Stampfe oder Mühle zum Loh= und Knopper=Mahlen, und eine Anstalt zum Lederwalken angebracht werden.

Zu einer kleinen, wenigere Kosten erfordernden Werkstatt, ist eine gemeine Stube auf ebener Erde tauglich, wenn nur der Fußboden darin so eingerichtet wird, daß die auszugießenden Brühen gehörig ablaufen können. In dieser müssen bloß Loh= und (wenn Sohl=Leder bereitet wird) Beiz=Fässer gestellet werden. Ist die Stube von Stein erbauet, so sind die Fässer nahe an der Wand, -- wenn sie aber von Holz ist, etwas davon entfernt, -- anzubringen, weil sonst die Brühen, wenn sie an der Wand stehen bleiben, die Fäulniß der hölzernen Wand bewirken würden. In der Mitte der Werkstatt muß, so viel als möglich ist, der Platz zur Verrichtung der nöthigen Arbeiten frey, und von den in die Erde gegrabenen Fässern, oben ein Theil, etwa 1/2 Schuh hoch, hervor ragend seyn, welche rings herum mit einem Balken eingefasset werden müssen, wodurch der Zufluß der Unreinigkeit in dieselben abgehalten wird. Damit aber auch die nöthigen Verrichtungen im Winter nie wegen der Kälte gehindert werden, muß in der Werkstatt, auf einem dazu bequemen Platze, <68, 20> ein Ofen zum Heizen, und darunter der Kessel=Ofen zum Wasser=wärmen, angebracht werden. Die Kalk=Fässer (Aescher) können an einen geräumigen Ort in die Erde gegraben, und der Theil des Aeschers, der wegen des Zuflusses ausser der Erde gelassen wird, muß mit Balken umfaßt werden. Um aber auch das Eindringen der Kälte und das Gefrieren der Aescher zur Winterszeit zu verhüten, muß man diese mit Schnee, oder, in dessen Ermangelung, mit fein zerschlagenem Eise bedecken, welches das sicherste Verwahrungs=Mittel abgeben wird, indem der kältere Schnee oder Eis, die Kälte vom Wasser abhält, und dadurch das Gefrieren verhindert.

Was die Geräthschaften und Werkzeuge, deren sich der Loh=Gärber bey seinen Arbeiten bedient, betrifft, so wird deren, bey Beschreibung der Arbeiten, zugleich Erwähnung geschehen. Hier bemerke ich nur das Schurz=Fell oder Schurz=Leder, PfeiliconFig. 3981 a), welches während dem Arbeiten um den Leib gebunden, und wodurch von demselben die Nässe abgehalten wird; darum muß es von festem Leder gemacht, und, wegen des Umbindens, mit Riemen bey a und b versehen seyn.

Die Kenntniß des Wassers, und dessen Eigenschaften, ist dem Loh=Gärber höchst nöthig, weil es bey allen Handwerks=Vorfällen das wichtigste, und zu allen Grundmischungen das unentbehrlichste Element ist. Das Luft=, Quell=, Brunnen= und Fluß=Wasser sind die gewöhnlichsten Arten Wasser, wovon man in der Loh=Gärberey Gebrauch macht.

Das Regen=oder Luft=Wasser, jene Flüssigkeit, die aus den aufsteigenden Dünsten der Erde durch die Wolken in Tropfen dem Erdboden wieder zurück geführt wird, nennt Boerhaave mit Recht die wahre <68, 21> Lauge unserer Atmosphäre. Alles, was aus der Erde in die Luft steigt, ist darin enthalten; es sind also, natürlicher Weise, viel Unreinigkeiten darin befindlich. Ueberdies hat es mehrere Verschiedenheiten von dem verschiedenen Boden, aus dem es in die Höhe gestiegen ist; von den vielerley Witterungen, bey denen es herabgefallen ist, und von den verschiedenen Winden, die es zugeführt haben. Rutty hat darin mineralisches Laugen=Salz, Glauber=Salz, gemeines Koch=Salz, Salpeter, Petroleum und eine Kalk=Erde, entdeckt. Man findet aber auch unendlich viele Insecten, Eyer von kleinen Geschöpfen, Samen, Pflanzen, u. d. gl. darin, welches Gelegenheit gab, zu glauben, daß bald Schwefel, bald Blut darin sey gesehen worden. Man irret also nicht, wenn man das Regen=Wasser für unrein ansieht. Dem ungeachtet hat die Erfahrung gelehrt, daß dieses Wasser, wenn es einen Tag über gestanden hat, mit gutem Erfolge zur Bereitung des Sohl= und Ober=Leders gebraucht werden kann.

Auch das Schnee= und Hagel=Wasser sind Arten des Luft=Wassers. Weil das Wasser, wann es zu Eis wird, alle Unreinigkeit fahren läßt, so kann man aus geschmolzenem reinen Schnee das allerreinste Wasser erhalten; denn es wird aus Dünsten erzeugt, welche hoch gestiegen, und schon dadurch von allen Unreinigkeiten frey sind, wovon auch die Kälte alles Fremde weggenommen hat. Es hat dieselben Bestand=Theile, wie das Regen=Wasser, nur den Salpeter ausgenommen; auch das Verhältniß der Erd=Theile ist gegen die übrigen viel kleiner. Weil sich aber an den lockern Schnee, indem er durch die Luft herab fällt, gar leicht etwas Fremdes anhängen kann, so scheint allerdings das Hagel=Wasser viel reiner zu seyn, weil es in höhern Gegenden unserer Atmosphäre, wo kaum noch Unreinigkeiten sind, entsteht, und dadurch, daß es Eis geworden ist, alle fremde Theile verloren hat. Bey<68, 22>des, das Schnee= und Hagel=Wasser kann mit Nutzen zum Garmachen des Sohl=Leders angewendet werden.

Quell=Wasser, oder das gemeine Wasser, so wie es uns die Hand der Natur in den meisten Quellen ganz rein darbiethet, ist unstreitig das tauglichste zur Loh=Gärberey; es ist reiner und leichter, als alles andere Wasser; daher wird das in demselben bereitete Sohl=Leder dichter und dauerhafter, als von jedem andern Wasser.

Das Bach=oder Fluß=Wasser ist aus den Quellen entstanden; zuweilen ist auch Brunnen= oder unterirdisches Wasser dabey. Es bekommt, indem es durch Wälder, Städte und Dörfer läuft, viele Unreinigkeiten; so wird es auch durch die Lagen, welche das Bett des Flusses ausmachen, wie auch durch die Fische, Amphibien und Pflanzen, die darin entwederlebendig, oder verfault sind, verunreiniget. Daraus entsteht der darin befindliche Schlamm, welcher verursachet, daß die Häute, wenn man sie unvorsichtig einige Tage, ohne sie etwas aufzuwerfen, und den angelegten Schlamm wegzuwaschen, in solchem Wasser liegen läßt, auf den Narben wie von Schaben befressen aussehen. Wenn aber ein Fluß sehr schnell über Sand oder Kiesel fließt, so setzt er seine Unreinigkeiten ab, und ist, in diesem Zustande, dem Quell=Wasser in der Loh=Gärberey vorzuziehen.

Das Brunnen=oder Grund=Wasser, welches gefunden wird, wenn die äussere Rinde der Erde bis auf das Kiesel=Lager aufgegraben wird, und sich unter demselben Lehm oder Thon=Erde befindet, ist nichts anders als Quell=Wasser, welches aus seinem Behälter auf eine Lage von Thon gekommen ist, und sich daselbst gesammelt hat. Zuweilen entsteht auch das Brunnen=Wasser daher, wenn das Regen=Wasser bis zum Thon durchdringt; zuweilen hilft beydes <68, 23> eine Quelle machen. Wenn nun das Quell=Wasser durch keine Lage gegangen ist, wo es fremde Theile hätte ablösen können, (und auf diese Art entsteht ein Brunnen,) so ist alsdann das Brunnen=Wasser eben so rein, und in der Gärberey so nützlich, als das Quell=Wasser selbst. Hieraus ersieht man, daß das Brunnen=Wasser verschieden, einiges zwar sehr rein, anderes aber durch verschiedene fremde Körper geschwängert seyn könne, als da sind: Eisen=, Vitriol=, Kalk= und Salpeter=Körper, und zwar so, daß sie sich, wegen Mangel des Abflusses, in den gegrabenen Brunnen dergestalt anhäufen, daß sie in Gestalt kleiner schwebenden Flocken sichtbar werden; daher muß der Loh=Gärber eine Kenntniß der in dem Wasser befindlichen Mineralien und deren Eigenschaften besitzen. Wasser, welches Eisen=Theile enthält, zeigt am Boden des Gefäßes, worin es etliche Tage ruhig gestanden hat, einen rothen Bodensatz; Vitriol=Theile aber, welche aus den rohen, und von dem Schwefel=Geiste durchfressenen Metallen und Erzen entstehen, erkennt man an dem sauern, herben und anhaltenden Geschmacke, und verschiedenen Farben, nach dem der Schwefel entweder Eisen oder Kupfer trifft. Ein solches Wasser wird hart genannt, weil es, durch seine Säure, das Zellgewebe der Häute zusammenzieht und genau verbindet; daher erweicht das Leder langsam darin, und ist überhaupt dergleichen Wasser ohne vorhergegangene Vorbereitung, welche ich weiter unten anzeigen werde, in der Loh=Gärberey nicht wohl zu gebrauchen. Kalk=Theile geben in dem Wasser einen weißen Bodensatz. Mit Kalk=Theilen vermischtes Wasser hat einen gelinde zusammenziehenden Geschmack, keinen Geruch, und enthält bloß eine Art lebendigen in sich aufgelöseten Kalkes. Ein solches Wasser ist, wegen seiner auflösenden und verdünnenden Kraft, mit Vortheil zum Garmachen des Zuricht=<68, 24>Leders tauglich; aber bey dem Sohl=Leder zur Beize würde es das Aufschwellen verhindern oder aufhalten, wenn es davon nicht zuvor wäre befreyet worden, wie ich ebenfalls in der Folge zeigen werde. Salpeter enthaltendes Wasser, ist kühlend von Geschmack, und ohne Geruch, und besitzt eine kühlende, auflösende, schlaffmachende Kraft, daher kann man sich dessen sehr wohl bey dem Zuricht=Leder bedienen; aber bey dem Sohl=Leder zur Beize und Farben ist es ohne die nachher folgende Verbesserung nicht wohl anwendbar.

Ehe ich die Verbesserung des mit, für die Loh=Gärberey nachtheiligen, Bestand=Theilen geschwängerten Wassers anzeige, will ich noch eine sehr einfache Handwerks=Probe, die im Wasser befindlichen Mineralien zu erkennen, angeben. Die einfache Probe *

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Eine noch einfachere Probe ist, wenn man in das Wasser ein Stück poliertes Eisen oder ein Messer legt, und einige Stunden darin liegen läßt. Wenn sich Rost daran setzt, und es angefressen ist, so enthält ein solches Wasser Eisen=Bestandtheile.

kann demnach diese seyn: wenn ein ausgearbeitetes Stück Kuh= oder Kalb=Leder 24 Stunden lang in ein Glas Wasser gelegt wird. Ist Eisen oder Vitriol in dem Wasser, so färbt es das Wasser schwarz oder grau. Sind Kalk=Theilchen in dem Wasser vorhanden, so wird das Leder, wenn es aus dem Wasser genommen, und einige Tage im Trocknen aufbewahrt worden ist, eine braune Farbe erhalten. Führt das Wasser Salpeter=Theilchen, so wird das Leder, nachdem es feucht etliche Tage zusammen gewickelt gelegen hat, ein schimmeliges Ansehen bekommen, so wie die Mauern, woran sich Salpeter angelegt hat.

Auch durch das Abrauchen des Wassers in einem Glase, auf dem geheizten Ofen, kann man erkennen, zu welcher Gattung die im Wasser befindlichen mineralischen Körper gehören; der zurück gebliebene Bodensatz <68, 25> verräth durch seinen Geschmack und Farbe, woher sie abstammen. Ich übergehe die übrigen künstlichen Proben, die man sonst, um die verschiedenen Bestand=Theile im Wasser zu erkennen, braucht, als da sind: Violen=Syrup, Oleum tarrari per deliquium, Gall=Aepfel=Tinctur, und China=Decoct.

Nicht selten eräugnet es sich, daß Loh=Gärber, wegen zu hoffenden guten Leder=Absatz, oder um häuslicher Vortheile willen, an Oertern sich niederlassen, wo kein Fluß=Wasser ist, und sie sich genöthigt finden, mit Erd= oder Brunnen=Wasser zu gärben, welches im Anfange rein von allen Körpern, ohne Nachtheil zu gebrauchen war, aber mit der Zeit durch Veränderungen in dem Eingeweide der Erde und der Luft (wie es die Erfahrung seit den Erdbeben von Lissabon und Calabrien bestätigt,) viele Brunnen mit fremden Körpern geschwängert hat, und nur mit Nachtheil gebraucht werden können. Um diesem Nachtheile abzuhelfen, und solches Wasser brauchbar zu machen, theile ich folgende Erfahrungen und Belehrungen mit. Man grabe neben dem Brunnen ein Faß in die Erde, und stelle ein zweytes, etwas kleineres oben darauf, welches unten nahe am Boden ein Spund=Loch hat, durch welches das Wasser nach Belieben aus dem Fasse gelassen werden kann, fülle es mit Säge=Spänen, und schöpfe das Wasser aus dem Brunnen darauf, und lasse es etwa eine Stunde stehen, so werden die fremden Theile des Wassers von den Säge=Spänen eingesogen, und das Wasser wird rein werden. Die eichenen Säge=Späne sind den übrigen vorzuziehen, weil sie feiner, vieleckiger, und, wegen ihrer in sich habenden Säure, anziehender sind, als alle übrigen, folglich auch geschickter sind, gedachte Körper aufzuhalten und anzuziehen; auch durch eine von den fremden Wasser=Körperchen erhaltene graue Farbe, eher als jene zu erkennen geben, wenn sie unbrauchbar ge<68, 26>worden sind. Für Farben, wie zum Gebrauche der übrigen Lohungen, kann ein solches Wasser auch durch gebrauchte Lohe, die noch nicht in Fäulniß übergeht, auf gedachte Art gereinigt, gebraucht werden. Im Nothfalle kann solches Wasser auch durch Sand filtrirt werden.

Nicht nur das kalte Wasser wird bey der Gärberey gebraucht, sondern auch das durch Feuer erwärmte Wasser ist erforderlich. Das warme Wasser hat eine verdünnende, auflösende, die thierischen Säfte, so wie die Fasern und Gefäße ausdehnende und erweichende Kraft; und es giebt kein Mittel, welches mit mehrer Leichtigkeit in die an der Oberfläche der Haut offenen Mündungen eindringen, und durch seine unendlich feinen Bestand=Theile, zwischen die an einander gepreßten und verdickten Feuchtigkeiten sich leichter mischen könnte, als eben das warme Wasser. Nebst den feinern Bestand=Theilen ist auch das warme Wasser durch seine Wärme sehr zur Zertheilung und Erweichung der festen thierischen Theile geschickt. Damit es aber auflösen und verdünnen könne, muß es nur einen gewissen Grad von Wärme besitzen. Siedendes Wasser zieht die thierische Haut schnell in eine Rinde zusammen. Der beste Grad der Wärme ist demnach in der Loh Gärberey, da, wo heißes Wasser nöthig ist, derjenige, welcher nur ein wenig stärker ist, als die Wärme eines gesunden Menschen, nach dem Fahrenheitischen Thermometer, in dem 90sten bis 100ten Grade.

Das bisher Vorgetragene wird für den Loh=Gärber hinreichend seyn, die Arten des Wassers zu unterscheiden, bey etwa vorkommenden Veränderungen des Wassers dessen fremde Körper zu erkennen, dieselben zu verbessern, und solches Wasser ohne Nachtheil des Garmachens brauchbarer zu machen.

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Der zur Gärber=Lohe dienlichen Bäume und Pflanzen, wird weiter unten Erwähnung geschehen.

Die Gattungen der Thiere, deren Haut oder Decke der Lohgärber bearbeiten kann, um der menschlichen Gesellschaft nützlich zu seyn, sind folgende. Zu den zahmen Thieren gehören: 1. Das Pferd, dessen Körper unter allen Thieren am regelmäßigsten, und am zierlichsten gebauet ist. So groß auch seine sonstigen körperlichen Vorzüge sind, so wird doch seine Haut unter die schlechtesten gerechnet, aber mit Unrecht, wie ich an seinem Orte darthun werde. 2. Der Esel; seine Haut ist fest, und kann nebst dem, daß sie sich mit Lohe garmachen läßt, auch noch zu vielfältigem Gebrauche, als: zu Sieben, Trommeln, und einem starken Pergament zu Taschen=Schreibtafeln, welches man mit einer dünnen Lage von Gyps überzieht, bereitet werden; siehe im XI Th., Pfeil-IconS. 549. Aus eben dieser Haut machen auch die orientalischen Völker den Sagri, den wir Chagrin nennen; s. im VIII Th., Pfeil-IconS. 2, f. Pfeil-IconS. 3. Das Maulthier; seine Haut ist zu verschiedener Lohgärber=Arbeit tauglich. 4. Der Ochs, (der verschnittene Stier, das Rind,) giebt ein gutes Leder. Daß die Häute, deren Haare schwarz sind, weniger taugen, ist ein Vorurtheil. Die Rinder unterscheiden sich nach ihrer Größe, und ihrem Vaterlande. Die aus Norden kommen, sind die größten; die schönsten sind die aus den südlichen Ländern. Die Häute der Bullen oder Brumm=Ochsen sind hohler, und geben ein dünneres Leder, als die andern, aber wenigstens eben so fest. Dieselbe Ursache, welche bey denen Thieren, die des Gebrauches ihrer Zeugungs=Glieder beraubt sind, die Mast so leicht macht, giebt auch ihrer Haut mehr Nahrung, macht sie dicker, und giebt ihr ein Gewebe, welches biegsamer, und nicht so fest ist. Das Bullen=Leder kann <68, 28> von den Schustern nur zu Brand=Sohlen gebraucht werden. 5. Die Leder der Kuh *

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Da, in den meisten Ländern, das Leder von den Kühen, wegen seiner Stärke und Güte, für fester und besser gehalten wird, als das Ochsen Leder, so geschieht es, daß viele Loh=Gärber vorgeben, sie hätten kein anderes Leder, als von Kühen; so wie die meisten Fleischer vorgeben, nichts als Ochsen=Fleisch zu haben, weil dieses besser zum Genuß ist. Hieraus ist eine Art eines Sprichwortes entstanden, nähmlich: beym Lohgarber sind alle Ochsen Kühe, so wie beym Fleischer alle Kühe Ochsen sind.

und des Kalbes, lassen sich vom Loh=Gärber am besten bereiten, und sind diejenigen Häute, welche am meisten den Gärber beschäftigen. Die Kälber werden in 4 Wochen zum Schlachten reif; die früher geschlachteten geben gemeiniglich ein schwaches Leder. 6. Der Büffel; dessen Fell ist unvergleichlich zur Bearbeitung, und gemeiniglich von großem Werthe. Es giebt Häute, die roh 150, ausgearbeitet und getrocknet aber 75 Pfund wiegen, woraus man auf die Stärke der Haut schließen kann. Ein mehreres von diesem Thiere, s. im VII Th., Pfeil-IconS. 365, fgg. 7. Das Schwein; dessen Leder ist sehr fest, erfordert aber mehr Arbeit und Aufwand, als alles übrige Leder, wenn es brauchbar werden, und die gehörige Geschmeidigkeit erhalten soll. 8. Das Schaf. Die Haut vom grschlachteten Schafe, wird meistens von dem Weiß= oder Sämisch=Gärber, die vom gestorbenen aber von dem Loh=Gärber bearbeitet. Jene sind oft gut und dauerhaft; leztere aber gemeiniglich so schlecht, daß sie, ausser der Wolle, kaum zu etwas, als bloß zu Schuh=Futter, gebraucht werden können. 9. Die Ziege; ihr Fell steht in einem höhern Werthe, als das Schaf=Leder. Das Fell bekommt gemeiniglich erst dann der Loh=Gärber zu bearbeiten, wenn es für den Samisch=Gärber unbrauchbar ist. 10. Der Hund, seine Haut ist sehr zähe, und wird meistens zu Sommer=Schuhen gebraucht, weil sie die Eigenschaft, <68, 29> kühlend zu seyn, haben soll; siehe im XXVI Th., Pfeil-IconS. 453, f. Man braucht auch zuweilen den Hunds=Koth in der Gärberey, doch kann dessen Gebrauch da, wo es nöthig ist, mit Hühner= oder Tauben=Koth ersetzt werden.

Die Häute der wilden vierfüßigen Thiere, als: Hirsch=Häute, Reh=Häute, Bären=Häute, u. a. m. kommen selten in der Loh=Gärberey zu bearbeiten vor.

Der Stier, der Ochs oder das Rind, die Kuh, das Kalb, das Pferd, und das Schaf, haben, in Ansehung ihrer Häute, merkliche Abänderungen, welche bey dem Einkaufe des rohen Leders wichtig, und folglich zu wissen nöthig sind, weil sie nach ihrer Verschiedenheit, auch in der Bearbeitung verschieden behandelt werden müssen. Nebst diesen Abänderungen giebt es oft Fehler und Mängel, die bey dem Einkaufe des Leders, auch dem scharfsichtigsten und geübtesten Meister nicht sogleich auffallen und sichtbar werden, sondern sich erst in der Bearbeitung zeigen. Brüche, Schmutz in dem Ober=Häutchen, Schnitte in dem getrockneten Leder, Mängel die von Krankheiten des Viehes herrühren, sind Fehler, die man schwer nach einer Besichtigung bey dem Einkaufe entdecken kann; nicht zu gedenken der innerlichen Fehler, in Rücksicht des Zusammenhanges, der Festigkeit und Dauer, die am Leder äusserlich zu erkennen schon ganz unmöglich ist. Da aber der Credit und Vortheil des Meisters, so wie der Nutzen des Publici, darauf beruhet, daß der Gärber bey dem Einkaufe des Leders eine gute Auswahl zur Bearbeitung kenne, so werde ich von jeder Leder=Gattung obgedachter Thiere besonders sprechen, und zwar sowohl von dem Unterschiede der Leder im Einkaufe, als auch von dem guten und mangelhaften Leder handeln, und sodann zeigen, auf was für Art und in welchen verschiedenen Preisen die rohen Häute verkauft werden.

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Das Erste, worauf man bey dem Einkaufe des rohen Leders zu sehen hat, ist: zu welchem Gebrauche es bestimmt sey. Das Leder, welches der Loh=Gärber zurichtet, ist zu verschiedenen Absichten bestimmt. Man verlangt steifes und dickes Sohl=Leder, schwächeres Brandsohl=Leder, biegsameres Schmahl=Leder, gelbes Leder, gepreßtes Leder, holländisches Leder, lohgares Kalb=Leder, lohgares Schaf=Leder, u. s. f. wozu noch einige ausländische Arten, als: das ungarische Sohl=Leder, das engländische Kalb=Leder, das bauzener Leder, die russischen Juchten, der Corduan, und Saffian, kommen. Alle diese Arten erfordern, wie aus der Folge zu ersehen seyn wird, eine eigene Behandlung. Die Büsfel= und Stier=Haut, und die Haut des geschnittenen Ochsen, wird zu Sohl=Leder, die Kuh=Haut zu Juchten, zu Fahl= oder Ober=Leder, das Kalb=Fell zu Corduan, Saffian, aufengländisch, zu verschiedenen gefärbten Ledern, und zu brüßler Leder, bestimmt.

Die körnigsten Ochsen=Häute geben das dauerhafteste Sohl=Leder. Körnig (oder, wie Andere sprechen und schreiben, kernig) ist diejenige Haut, welche feste und starke Fasern hat, die durch den natürlichen Leim genau an einander verbunden sind. Dergleichen Häute kommen von solchen Ochsen oder Rindern, die von nicht zu jungen, und zur Zeugung fast untüchtigen Müttern erzeuget, von solchen Müttern, die nicht entkräfter, sondern mit hinlänglichem Futter gemästet worden sind. Aus der Größe des Ochsen folgt nicht, daß seine Haut körnig seyn müsse, weil dieses Thier, eben so wie andere Thiere, der Größe ungeachtet, doch theils wegen Alter und mangelhafter Nahrung, theils wegen der Jahrszeit, in welcher es geschlachtet worden ist, eine schwache Haut tragen kann.

Kostbarer und körniger ist die Haut des Büffels, als die Haut des Rindes. Ein junger Ochs hat eine <68, 31> körnigere Haut, als ein alter; ein kurzhaariger eine bessere, als ein langhaariger. Die Haut des Mast=Ochsen ist besser, als die Haut des Zug=Ochsen, zumahl, wenn die Mastung aus hartem Futter, und nicht meistens aus Spühlicht, besteht. Besser ist die Haut eines gesunden, als eines kranken Viehes; fester die nord=, als die südländischen. Der Stier=Ochs hat unter allen die schlechteste Haut, weil da, wo der geschnittene Ochs die körnigste Haut hat, nähmlich auf den Rücken, man bey dem Stiere das Gegentheil antrifft, und er um den Kopf, Hals und Bauch eine zwar dicke, aber doch schlechte Haut hat.

Die Ochsen=Haut ist, wie gesagt, zu Sohl=Leder bestimmt, deswegen muß sie auf dem Rücken körnig, nicht zu dünn (abschüssig), auf den Bauch=Theilen und am Kopfe von Ansehen, besonders an dürren und trocknen Ledern, etwas dünner, als am Rücken seyn. Diese Eigenschaft haben gemeiniglich junge Ochsen an ihrer Haut, von 3 bis 6 Jahren; ingl. die gemästeten, oder im Stalle unter guter Aufsicht gefütterten Ochsen; die ungarischen und pohlnischen, auf grasreichen Weiden genährten, und zur Sommerszeit, da sie noch kurzhaarig sind, in ihrer Heimath geschlachteten Ochsen. Aus solchen Häuten entsteht ein vortreffliches Sohl=Leder; und man hat bey dem Einkaufe der Ochsen=Häute, in Bestimmung des Werthes, vorzüglich auf gedachte Eigenschaften Rücksicht zu nehmen. Doch sind viele Gegenden, besonders wo vieles für Frauenzimmer, oder auf Jahrmärkte, von den Schustern gearbeitet wird, wo auch dünnes Sohl=Leder gebraucht wird; in solchen Gegenden können die Loh=Gärber auch die schlechten Häute um einen geringern Preis kaufen, und mit Nutzen in Sohl=Leder verwandeln. Auch das körnige Kuh=Leder kann zu dem schwachen Sohl=Leder gerechnet werden.

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Kuh=Häute, die mit Nutzen zu Juchten und Fahl= oder Ober=Leder bearbeitet werden sollen, mögen klein oder groß seyn, wenn sie nur auf dem Rücken sowohl, als um die Bauch=Theile (Afern), dünn, doch an leztern nicht gar zu abschüssig sind, und dabey kurze Haare haben, so wird man seine Absicht, ein gutes dauerhaftes Leder zu produciren, vollkommen erreichen. Großhaarige, obschon dünne Kuh=Leder sind zu Schuhen und Stiefeln weniger werth, als kurzhaarige, weil ihre Haut locker ist, und in der Gare die Fasern nicht so genau sich an einander verbinden können, als die Fasern der kurzhaarigen Leder. Diese Umstände sind bey dem Einkaufe nie aus der Acht zu lassen.

Pferde=oder Roß=Häute für Sattler zu Pferde=Geschirren, müssen groß, geräumig, dünn (schwach), auch selbst am Hintern nicht zu dick (stark) seyn. Zu Futter=Leder ist es gleichgültig, ob es groß oder klein ist, wenn es nur dünn ist. Junge und wohlgepflegte Pferde haben auch gemeiniglich eine starke Haut, deren dünner oder Hals=Theil sehr wohl zu Fahl=Leder dient; der dickere oder hintere Theil aber kann, wenn er gut bearbeitet wird, ein vortreffliches Sohl=Leder abgeben. Der Werth des Roß=Leders wird, bey dem Einkaufe, nach der Größe bestimmt.

Bey dem Schaf=Fell=Kaufe zieht der Gärber meistens die auf dem Felle befindliche Menge der Wolle in Erwegung, weil das Häutchen von einem an Krankheit gestorbenen Schafe ohnedies nicht viel werth ist.

Nächst den Abänderungen, und den izt angezeigten, meistens erst bey der Bearbeitung sichtbar werdenden Fehlern, finden sich noch andere kennbare, und eben so nachtheilige Mängel, als obige; z. B. Brämse=Puppen (Engerlinge) zwischen Haut und Fleisch, Haut=Krankheiten des Thieres, Schmutz und Koth auf den Haaren etc. die der Gärber bey dem Einkaufe der Häute nicht ausser Acht lassen darf.

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Die Brämse ist ein zwar unansehnliches, aber fast für jede Thier=Gattung fürchterliches Geschöpf. Die Brämsen, die unserm Rindviehe nachstellen, verursachen oft den Häuten großen Schaden. Sie schweben dem Thiere so lange nach, bis sie Gelegenheit gefunden haben, ein Ey auf dasselbe fallen zu lassen. Das Ey hat etwas Kleberiges an sich, hängt sich in die Haare des Thieres an, und glitscht endlich auf die Haut hinab. Hier wird es durch die natürliche Wärme des Thieres ausgebrütet; der Wurm frißt sich in die Haut hinein, und lebt zwischen derselben von den Säften des Thieres, bis er zu einer bräunlichen Puppe (Engerling) wird, aus welchem im folgenden Frühjahre wieder eine Brämse entsteht. Die Haut des Thieres wird von diesem Wurme, wo er sich ansetzt, auf dem ganzen Rücken dermaßen durchlöchert, und voller Narben, daß sie ganz unbrauchbar wird. Bey frisch geschlachteten sowohl, als trocknen Häuten, erkennt man sie an den länglichen Beulen zwischen der Fleisch=Haut gar leicht, wofern nicht betriegerische Leute durch verschiedene Kunstgriffe, die ich hier mit Fleiß verschweige, selbige dem Käufer unsichtbar machen. Ein Mehreres hiervon, findet man im XI Th., Pfeil-IconS. 15, fgg.

Die Räude oder der Grind wird oft an Ochsen= und Kuh=Häuten gefunden. Die Ursache davon ist: ein scharfes Geblüt, ungesunde Weide, Fütterung, u. dgl. Das Leder wird dadurch verunstaltet, und theilweise, wo nähmlich der Grind liegt, ganz unbrauchbar.

Warzen sind aufgetriebene Nerven=Wärzchen (Papillae nerveae); einige sitzen fest an der Haut, andere hangen an Stielen; leztere werden oft so groß als ein Ey. Beyde verunstalten das Oberhäutchen des Leders.

Die Motte legt ihre Eyer in die Haare der rohen Haut, woraus Maden entstehen, welche mit ihrem Ge<68, 34>biß das Oberhäutchen des Leders zernagen, und sich aus dessen Fasern Verwandlungs=Hüllen weben, mit welchen sie noch auf dem Leder unter den Haaren fortkriechen, und das Leder benagen und verunstalten.

Der Koth (Kutteln) ist dem Leder ebenfalls nachtheilig; dieser entsteht aus schlechter Pflege, da man dem Viehe zu wenig oder gar keine Streue giebt, und solches nicht täglich säubert. Durch solche Vernachlässigung trocknet der Schmutz an den Theilen, mit welchen das Thier auf dem Kothe liegt, an, und wird zuerst zur Schmutz=Rinde, nach und nach aber zu einer so dicken Koth=Kruste, daß sie oft, nachdem sie von dem geschlachteten Thiere abgestoßen worden ist, 5 bis 6 Pfund wiegt. An dem Orte, wo der Koth hängt, wird die dem Thiere nöthige Ausdunstung unterdrückt, und deswegen ist eine solche Haut, wie die langhaarigen, schlechter, auch, des Kothes wegen, im Gewichte viel schwerer.

Es giebt noch verschiedene Umstände, als: Wartung in der Jugend; dargereichtes Futter; als: Stroh oder gutes Heu, Getränke, das entweder in bloßem oder mit Kleyen gemengtem Wasser besteht; Leibes=Bewegung; Krankheiten, die das Thier überstanden hat, u. a. m. die man insgesammt an der Haut nicht erkennen kann, und doch eine merkliche Veränderung in Ansehung der Dauer des Leders verursachen. *

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Schuster kaufen von einem und demselben Gärber das Leder, und verfertigen Schuhe daraus, die nicht von gleich guter Dauer sind. Man beschuldigt den Schuster, er verstehe die Auswahl des Leders nicht, und der Schuster beschuldigt den Gärber eben desselben. Was soll der Gärber thun? Mit Recht kann er auf den Land=Wirth und dessen Vieh=Pflege verweisen, die nicht in des Gärbers Gewalt steht.

Nach den vorausgesetzten Eigenschaften des Leders, hat der Loh=Gärber bey dem Einkaufe desselben, noch vornehmlich zu wissen nöthig: auf was für Weise, <68, 35> und in welchen verschiedenen Preisen die rohen Häute verkauft werden, und wie man sich während und nach geschlossenem Kaufe zu verhalten habe, um nicht von den Handelsleuten hintergangen zu werden.

Der Gärber erhält und kauft die Häute von dem Fleischer oder Landmanne entweder bald nach dem Schlachten, (naß, frisch, grün,) oder er bekommt eingesalzene Häute, wie die ireländischen zu seyn pflegen, oder er hat trockne (dürre) sogenannte Wild=Häute, die von Buenos=Ayres, einer Landschaft im spanischen Süd=Amerika, über Holland nach Deutschland kommen. Die frischen Häute muß er entweder, wenn sie nicht sogleich bearbeitet werden, durch das Einsalzen gegen die Fäulniß schützen, oder sie sofort in die Fluß=Arbeit bringen, d. h. ausstreichen, von Koth, Blut und Fleisch befreyen. Die eingesalzenen müssen vor dem Gebrauche gleichfalls in die Fluß=Arbeit gebracht werden; und die trocknen müssen acht und mehrere Tage im Wasser liegen, um erweichet und zu fernerer Bearbeitung geschickt zu werden.

Man kauft die Häute entweder nach einem gewissen, durch Besichtigung geschätzten Werthe, (nach der Hand,) oder nach dem Gewichte, nach dem die Landes=Sitte oder Orts=Umstände es mit sich bringen.

1. Der Kauf der Häute nach einer willkürlichen Schätzung, kann nur von sehr erfahrnen Meistern, die durch vorhergegangene lange Uebung alle Eigenschaften des Leders genau kennen, daraus desselben Werth herleiten und sicher zu bestimmen wissen, unternommen werden. Die Gattung, die Größe der Haut, das Körnige an allen ihren Theilen, und die Schwere, die man im Durchsuchen derselben wahrnehmen muß, sind der Maßstab, nach welchem man den wahren Werth festzusetzen pflegt, und diese fallen dem Kenner sogleich in die Augen. Die Schwere aber, durch bloßes Aufheben der Haut zu bestimmen, erfordert eine <68, 36> besondere Uebung und Aufmerksamkeit, die entweder darin besteht, daß man gekaufte Häute, jede besonders hebt, ihr in Gedanken ein gewisses Gewicht der Schwere beylegt, und sie sodann auf die Wage bringt, um sich hierdurch zu überzeugen, ob man recht geurtheilt habe, oder nicht. Oder: wenn man mit ordentlichem Gewichte fleißig umgeht, und sich damit so lange übt, bis man, ohne auf die Marke des Gewichtes gesehen zu haben, genau anzugeben weis, wieviel man gehoben hat. Wer es durch Uebung so weit gebracht hat, wird sich immer vortheilhafter, als der Ungeübte, der bloß nach dem äussern Ansehen der Häute auf zufälliges Glück wagt, in den Kauf einlassen können, besonders, wenn alle oben erwähnte sichtbare Fehler zugleich untersuchet, dergleichen fehlerhafte Häute vermieden oder ausgestoßen werden.

Bey Besichtigung eines zu kaufenden großen Häute=Vorrathes, darf man aber doch auf erworbene Geschicklichkeit in Bestimmung der Schwere, nicht viel trauen, weil man, durch lange anhaltendes Heben ermüdet, gar leicht irre geführt werden kann. Auch ist es nicht rathsam, daß man nach einer gemachten langen Reise zu Fuße, sich sogleich zur Besichtigung der Häute einlasse, sondern zuvor einen Tag ausruhe, seine Kräfte erneure, und dann erst sein Geschäft vollbringe. Eine Zeitlang Arbeit entkraftet jedermann, besonders schwer anhaltendes Heben und Werfen; deswegen muß man bey anhaltendem Heben der Häute auch auf die Entkräftung des Körpers Rücksicht nehmen, und in Bestimmung ihrer Schwere behutsam seyn.

2. Die Art, das rohe Leder nach dem Gewichte zu kaufen, ist mit weit wenigern Schwierigkeiten verbunden, als die vorhergehende Art nach einer ungefähren Schätzung, weil bey jener Art zu kaufen, die bestimmte Schwere doch immer ungewiß, bey dieser aber <68, 37> untrieglich ist. Der Gärber darf nur die Gattung des Leders, die er zu bearbeiten gedenkt, dem Handels=Manne anzeigen, und wegen der Fehler die nöthigen Ausnahmen machen; der Werth des Leders wird durch Wage und Gewicht gar leicht entschieden. Die Ausnahmen der nach dem Gewichte zu kaufenden Häute, sind folgende: daß die Hirnschale bis an die Hörner herausgenommen sey; daß keine Stier=Häute sich darunter befinden; daß sie kurzhaarig, rein von Koth (Kutteln) und andern dergleichen, oben, Pfeil-IconS. 33, f. erwähnten Dingen, sich befinden.

Die rohen Häute mit Hörnern, Ohren und Knochen, woran die Hörner sitzen, zu wägen, und darnach zu verkaufen, ist im Handel gewöhnlich. Einige wiegen in diesem Zustande an 100 Pfund; allein der Abgang wird dadurch noch beträchtlicher, nachdem sie gargemacht und getrocknet sind, und es geht alsdann viel mehr als die Hälfte ab.

Wenn der Fleischer oder ein anderer Verkäufer die Haut höher zu nutzen sucht, so giebt er entweder dem Viehe im Stalle wenig oder gar keine Streue, den Koth dadurch zu vermehren, welcher sich alsdann an den Bauch oder Schwanz hängt; oder er läßt einen Theil Kopf=Knochen an der Haut hängen; oder er läßt die Haut in dem Wasser, Blute und Kothe des Schlacht=Hauses herum schleppen; dem allen ungeachtet aber sieht es dem Käufer zu, seine Bedingungen zu machen, und sich vor dem Betruge des Verkäufers in Sicherheit zu setzen.

Nach dem die Jahre fruchtbar oder unfruchtbar, nach dem Kriegs= oder Friedens=Zeiten sind, steigen und fallen auch die Preise der Häute. In fruchtbaren Jahren, da der Landmann überflüssige Feld=Früchte gewinnt, die er oft nicht gehörig unter Dach zu bringen vermag, behält er sein Vieh, damit es den Ueberfluß an Futter aufzehre; in unfruchtbaren Jahren hingegen, wenn die sparsame Aernde beynahe aufgezehrt ist, muß der Landmann einen Theil seines Viehstandes entweder selbst schlachten, oder dem Fleischer zum <68, 38> Schlachten verkaufen, um das übrige Vieh vom Hunger zu retten. Folglich entsteht in fruchtbaren Jahren, wegen Mangel des Schlacht=Viehes, gemeiniglich Theurung der Häute, in unfruchtbaren aber gemeiniglich das Gegenthil. In Friedens=Zeiten ist der Vertrieb des ausgearbeiteten Leders nicht so allgemein, wie in Kriegs=Zeiten, daher ist auch in diesen das rohe Leder theurer, als in jenen. Hieraus folgt nun, daß man bey dem Einkaufe der Häute sich besonders nach den Zeit=Umständen richten müsse, *

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Bantsch, a. ang. O., S. 93, bemerkt hierüber Folgendes: „Ich erinnere mich gewisser Jahre, daß kernichte Ochsen=Häute in Deutschland paarweise für 8 bis 9 Gulden, und kurz darauf fast noch einmahl so theuer, verkauft worden sind. Zeiten, da Kuh=Leder paarweise um 4 Gulden, das Schock der kernichtsten Kalb=Felle um 30 bis höchstens 35 Gulden roh gekauft worden sind; es folgten aber auch Zeiten, da diese Leder=Gattungen mehr als noch einmahl so hoch zu stehen kamen.
„Nach dem Gewichte, ist zu gewissen Zeiten die Haut, wie sie naß (grün) vom Ochsen kommt, pfundweise zu 5 1/2 Kreuzer, aber auch, wenn dergleichen Leder mangelte, das Pfund um 9 Kreuzer bezahlt worden. Desgleichen Kuh=Leder zu 6, aber nach veränderten Umständen auch zu 11 bis 12 Kreuzer. Von Kalb=Fellen ist mir bekannt, daß man grün das Pfund für 7 Kreuzer bezahlt hat; daß gedörrte Häute von Ochsen das Pfund von 10 bis 19 Kr.; von Kuh=Ledern das Pfund von 12 bis 24, auch 30 Kr., und Kalb=Felle von 17 bis 45 Kreuzer bezahlt worden sind.”

und daß man den möglichen Preis des ausgearbeiteten Leders, der in der Folge der Zeit=Umstände bestehen könne, nie ausser Acht lassen durse.

In Frankreich pflegt man, nach Hrn. de la Lande Bericht, die grünen Häute zu wägen, und das Gewicht durch Einschnitte mit dem Messer an dem Schwanze zu bemerken, welches Linien giebt, deren Bedeutung im Handel schon bekannt ist. Eine einzige Perpendikular=Linie, d. i. eine solche, welche nach der Länge des Schwanzes geht, bedeutet 20 Pfund; zwey solche Linien, zeigen 40 Pfund an; und so geht es in der Folge fort. 10 Pfund <68, 39> anzubeuten, macht man oben, an vorerwähnten Linien, eine Linie, oder einen Einschnitt in die Quere, oder horizontal, und dieses gilt 10 Pfund; eine andere Horizontal=Linie aber, die unter erwähnter Perpendikular=Linie gemacht ist, bedeutet 5 Pfund. Wenn man noch eine, zwey, drey oder vier Einheiten anzugeben hat, so macht man unter die Linie, welche 5 andeutet, andere kleinere Perpendikular=Linien.

Nachstehende Figur zeigt diese Art zu rechnen an, welche sehr bequem ist. Es sind hier sieben verschiedene Kennzeichen angegeben, und unter jedes derselben findet man die Zahl, welche dasselbe ausdrückt, gesetzt.

Pfeil-Icon[Tabelle 1 in Leder]

Bey den grünen Häuten ist es nicht üblich, ein geringeres Gewicht, als das Pfund, anzumerken, auch kein größeres, als den Centner, denn es ist fast niemahls eine Haut, die sich bis dahin erstreckte; im Falle aber, da dieses wäre, gäbe man den Centner mit einem schlechten Kreuze an. Diese Kennzeichen, welche nicht verschwinden, dienen allezeit, das Gewicht jeder Haut zu kennen, es sey während der Arbeit, oder nachdem sie gargemacht ist.

Die rohen Häute werden für klein angesehen, und sind, gegen die großen gerechnet, von germgerm Preise, wenn sie nur 60 Pfund, oder darunter, wiegen. Sobald sie über 60 Pfund haben, werden sie als große Häute nach dem Striche (á la raie) verkauft. Der höchste Strich ist 95 bis 98 Pfund, worunter auch der Centner mit begriffen ist.

Der gewöhnliche Preis des höchsten Striches ist für 100 Pfund, 35 Livres gerechnet, welches für das Pfund 7 Sols beträgt. Es wird aber alles, als: Hörner, Ohren, Knochen des Kopfes, nebst dem Kothe, Wasser und Blute, welches sich im Schlacht=Hause daran hängt, mit dazu gewogen und gerechnet. Den Käufer aber wegen <68, 40> dieser fremden Sachen zu entschädigen, zieht man 2 Livr. 10 Sols, oder mehr, und sogar bis zu 5 Livr., auf 10 Stück ab. Es kommt demnach das Pfund Haut, sammt den Haaren, so wie es vom Thiere gezogen ist, auf 5, 6 bis 7 Sols, der Preis steigt aber bisweilen. Im Jahr 1745, hatte das Sterben des Hornviehes, nebst dem Kriege, verursachet, daß der Preis der Häute um die Hälfte höher gestiegen war.

Bey dem Einkaufe der Häute hat man auch auf die Beschaffenheit der Haut zu sehen, die derselben von dem Verkäufer, seines Vortheiles wegen, und um den Käufer zu täuschen, beygebracht worden ist, als: das Trocknen der Ochsen=Häute auf dicken Stangen, und das Zusammenschieben derselben; durch beydes wird der Haut ein körniges Ansehen verschaffet. Ferner werden dergleichen Häute, nachdem sie trocken geworden sind, in enge nasse Gewölbe zusammengelegt, damit dieselben von der Feuchtigkeit des Gewölbes mehr Schwere annehmen, und zugleich der Käufer, wegen Mangel des Raumes, sich eher ermüden, und mithin sowohl in Beurtheilung der Schwere, als Größe der Haut, irre geführt werden möge. Hierzu kommt noch das Zureden solcher Leute, womit sie dem Käufer das Lederwerk, besonders wenn solches gemein ist, aufdringen, und ihn dadurch, wenn ihm die Häute bey der ersten Besichtigung verdächtig geschienen sind, zu einer zweyten zu bereden suchen. Können sie nun durch ihr Zureden seine zweyte Beschauung bewirken, so haben sie gemeiniglich gewonnenes Spiel, indem dem Käufer, durch Ermüdung, besonders bey dem Kaufe nach der Hand, die Häute körniger und schwerer zu seyn scheinen, als im Anfange, da er noch bey allen Kräften war. Man muß demnach alle diese Fälle bey dem Einkaufe der Häute wohl in Acht nehmen, und insonderheit niemahls zu einer zweyten Besichtigung sich bereden lassen. Die beständige Gegenwart noch eines andern rechtschaffenen Mannes ist, wegen <68, 41> zu befürchtender Hintergehung, bey dem Einkaufe empfehlungswerth; noch mehr aber nach geschlossenem Kaufe, damit er, während der Bezahlung des Leders und andern nöthigen Anstalten des Fortschaffens wegen, Acht habe, daß kein Unterschleif verübt werden könne. Ist man aber, wegen Mangel guter Gelegenheit, genöthigt, das erkaufte Leder eine Zeit lang bey dem Verkäufer liegen zu lassen, so zeichne man jedes Stück mit einem zu dieser Absicht verfertigten Eisen oder Stämpel, und schreibe auf jedes derselben, mit eigener Hand, Nummer und Nahmen. Doch ist es allezeit besser, wenn man die Häute gleich nach geschlossenem Kaufe, nach Hause bringen lassen kann.

Unter gehöriger Vorsicht, sind auch die Häute von dem an der Seuche gestorbenen Viehe, zum Lederbereiten zu gebrauchen. Man hat bisher alles an der Seuche gestorbene Vieh mit der Haut ohne Unterschied einscharren lassen, weil man in der Furcht gestanden hat, daß die Seuche durch die Haut verschleppt würde. Virgil, Georg. L. 3, sagt schon:

   Nam neque erat coriis vsus
Nec tondere quidem morbo illuvieque peresa
Vellera.

Die Erfahrung aber, welche man an vielen Orten mit den Häuten des an der Seuche verreckten Viehes gemacht hat, indem man solche fast noch warm auf gesundes Vieh hat legen lassen, ohne den geringsten Schaden davon wahrgenommen zu haben, müßte diese Furcht billig vertreiben. Ja, der Marquis de Courtivron hat nicht allein dieses gethan, sondern sogar die Häute in das Wasser legen lassen, wovon das gesunde Vieh täglich soff, ohne den geringsten Nachtheil davon bemerkt zu haben. *

*
Jo. Ant. Scopoli Annus III. historico-naturalis, p. 54.

van Swieten schreibt an <68, 42> den D. Joseph Kriee, Physicus in Rudolfberg: „Die Felle verbreiten die Seuche nicht; davon bin ich versichert. Daher habe ich in Steyermark vor einigen Jahren den Rath gegeben, daß man den elenden Leuten noch diesen Trost lassen sollte, welches auch geschehen.” Scopoli versichert solches auch von einem italiänischen Arzte, welcher ihm geschrieben hatte, daß er durch die gewisseste Erfahrung davon überzeugt wäre. *

*
Eb. das. Jo. Ernst. Bernb. Salzer, in der unter Camerarius Vorsitz, 1713 in Tübingen gehaltenen Disp. de Lue Vaccarum, sagt auch, S. 22: „Impune nostrates coriarii coria tractarunt secundum artem suam.”

Man scheint auch von der Wahrheit dieser Sache dadurch leichter überzeuget werden zu können, wenn man bedenkt, daß bey dem Viehe, welches an der Seuche stirbt, das Gift oder der Stoff der Krankheit auf die innern Theile wirkt, diejenigen aber, bey denen die Natur Kraft genug besitzt, solches nach den äussern Theilen, oder auf die Haut zu treiben, gemeiniglich einen Ausschlag bekommen, und durchseuchen. Doch muß billig von solchem Viehe, welches schon sehr stinkt, und bereits in starke Fäulniß übergegangen ist, die Haut nicht abgezogen werden. Es müßte auch darin die größte Vorsicht gebraucht werden, und die Bereitung der Häute durch besondere und von andern abgesonderte Leute geschehen, um wegen Verbreitung der Seuche völlig ohne Furcht seyn zu können. Aus dieser Ursache müßten auch die Häute einige Wochen in der freyen Luft hangen bleiben, und nicht gleich in die Häuser gebracht werden.

Hr. Prof. Camper, in der von der Gesellschaft naturforschender Freunde in Berlin gekrönten, und im 4ten Bande ihrer Beschäftigungen etc. (Berl. 1779, gr. 8.) S. 95, fgg. abgedruckten Preisschrift, schien zu bezweifeln, daß der in der kön. preuß. Instruction, wie bey dem Viehsterben verfahren werden soll, 4. Berl. 1768, <68, 43> S. 58, befindliche Satz: „es sey durch die Erfahrung bestätigt, daß das mit der Haut verscharrete Rindvieh nach 10 und mehr Jahren noch unverweset gefunden worden,” in der Erfahrung gegründet sey. In den Zusätzen zu dieser Preisschrift, welche im 1 B. der Schriften vorerwähnter Gesellschaft, (Berl. 1780,) S. 112, fgg. befindlich sind, führt Derselbe sogar eine Beobachtung an, durch welche er bemeldetem Satze alle Glaubwürdigkeit benehmen will, und solchen, als ohne nothwendige Vorsicht in einer so wichtigen Sache gemacht, mehr für eine Begünstigung der Loh=Gärbereyen, unter dem Vorwande, daß die Ansteckung länger daure, wenn man das verreckte Vieh nicht ablederte, erklärt. Es mußte natürlich auffallen, daß der sonst so bescheidene, als gelehrte, Mann die Behauptung eines ganzen Collegii, welche nicht nur auf eigene vieljährige Erfahrungen, sondern auch auf vielfache Beobachtungen so vieler anderer Aerzte (denn bekanntlich müssen alle Physici in sämmtlichen königl. Landen an das Ober=Collegium Sanitatis in solchen Fällen berichten,) sich gründete, durch eine eigene Beobachtung entkräften und widerlegen wollte. Deshalb entschloß sich Hr. Hofr. Opitz, Land= und Stadt=Physicus in Minden, eine Beobachtung über die langsame Verwesung des an der Seuche verstorbenen und mit der Haut verscharreten Rindviehes, welche er bereits zwey Jahr eher, als Camper die seinige, gemacht hatte, öffentlich bekannt zu machen. Sie ist zuerst im 3 B. der Schriften der berlin. naturf. Gesells. S. 202, fgg. und hernach auch in (Hrn. D. Pyl) Magazin für die gerichtl. Arzneikunde und medicin. Polizei, 2 B. 2 St. (Stendal, 1784, 8.) S. 243, fgg. abgedruckt worden, und enthält gerade das Gegentheil von dem, was Camper gesehen haben will. Da es eine Sache betrifft, welche dem Nahrungs=Stande einen starken Handels=Zweig raubt, folglich großen Schaden thut, so verdient des Hrn. Hofr. Opitz Beobachtung hier eingerückt zu werden.

„Als im Jahr 1757 die französische Armee nach Westphalen und ein Theil derselben im Junius nach Minden kam, brachte dieselbe auch eine Heerde mit der wahren Viehseuche behaftetes Rindvieh mit, welches auf eine nahe an der Landstraße belegene Weide, die Koppel genannt, unter das städtische Vieh getrieben wurde. Ohne <68, 44> langen Zeitverlust brach hierdurch diese verderbliche Seuche auch unter dem auf dieser Weide gehenden Rindvieh aus, und alles an dieser Seuche fallende Vieh (die ganze Heerde wurde beynahe aufgerieben,) ließ man in tiefen Gruben unabgeledert, mit Kalk überschüttet, an einer sandigen gegen Norden gelegenen Anhöhe ordnungsmäßig verscharren, obgleich der derzeitige Nachrichter mit äußerstem Bemühen solches zu verhindern suchte.

„In den Jahren 1775, 76 und 77 herrschte in der Stadt und dem Fürstenthum Minden eben diese Land=Plage, die Rindviehseuche, und im Oct. 1776 brach dieselbe unter der Heerde aus, welche auf obgedachter Koppel geweidet wurde. Bey dem ersten Ausbruch wurde gleich Rücksicht genommen, auf einen Ort, wohin das verreckte Vieh verscharret werden konnte. In dieser Absicht untersuchte ich, nebst einem Magistratsmitgliede und dem Hrn. Landchirurgus Beier, die Gegend, und indem wir umher gingen, entdeckten wir, unter bemeldeter Anhöhe, daß, da zum Behuf eines großen Baues in der Stadt, Mauersand daselbst gegraben, das im Jahr 1757 daselbst, wie oben angezeigt, verscharrete Rindvieh berührt, und ein Theil desselben losgegraben war. Wir fanden eine Lage von acht über einander liegenden Stücken, mit Haut und noch vielen Haaren versehen, und der dazwischen gestreuete Kalk war ganz hart geworden. Die Haut der Thiere war noch so fest, daß ich selbige mit einem Stock, an welchem unten eine eiserne stumpfe Stachel war, nicht durchstoßen konnte, und nur kleine Flecke waren von Haaren entblößt; übrigens aber lagen diese acht Stücke ganz platt auf einander zusammen gedrückt, und wir konnten nicht finden, ob die Häute derselben beym Verscharren zuvor durchschnitten waren, noch eine Oeffnung entdecken, zu untersuchen, ob die innern Theile in die Verwesung gegangen, welches ich doch aber vermuthe, weil der Bauch zusammengedrückt lag, dagegen das Brustgewölbe noch seine gehörige Form hatte. Dieses ist, was ich mit obbemeldeten beyden Personen beobachtet, und wodurch die Bemerkung der königlich preußischen Instruction bekräftiget wird.

„Es waren 19 Jahr, nach welchen ich die Thiere so unverweset fand, und ich bin jezt noch nicht mit mir selbst eins darüber, ob ich den Ausbruch der Viehseuche <68, 45> im Jahr 1776 auf dieser Weide, der Koppel, den Ausdünstungen des bemeldeten losgegrabenen Viehes nicht zuschreiben soll, um so mehr, da die französischen Beobachtungen (s. meine Uebersetzung des Unterrichts über die faulen und pestartigen Krankheiten des Viehes, p. 29. n. 5.) die ältesten Gruben für die gefährlichsten halten, und ich keine nähere Zuschleppung des Gifts entdecken können, so wie ich solchen in mehrern Fällen nachgeforschet; es sey denn, daß ich annehme, das Gift sey auch nach dieser Weide verwehet, da noch die Seuche auf andern Weiden der Stadt herrschte.

„Die geschwindere oder langsamere Verwefung todter in die Erde verscharreter Körper, glaube ich, beruhet auf die Beschaffenheit der Erde, worin sie vergraben sind. Bekannt sind mir hiesigen Orts Kirchhöfe und Kirchen, in welchen nach 5, 6, 8 Jahren die Leichen mit sammt den Särgen verweset sind; da es hingegen andere Oerter giebt, wo selbige nach 10 und mehrern Jahren noch unverweset gesunden werden; jene haben eine, wie Thon aussehende, trockene Erde, diese aber eine mehr schwarze, fettige und feuchte Erde, welche Bemerkung ich deshalb anführe, weil das in des Hrn. Prof. Camper Gegenwart nach 9 Jahren wieder aufgegrabene Vieh mit lehmartiger Erde, das aber bey der Koppel nach 19 Jahren unverweset gefunden, nicht abgelederte Vieh, mit einem grauen Mauersande bedeckt gewesen, wobey es, da die Anhöhe gegen Norden den Rücken hat, vorzüglich der Sommerhitze ausgesetzt war.”

Hier sind also zwey Beobachtungen, beyde von Männern gemacht, die als ehrliche, sachkundige, erfahrne und unbefangene Männer bekannt sind; an ihrer Richtigkeit läßt sich keinesweges zweifeln, und doch sind beyde so sehr verschieden, daß die eine gerade das Gegentheil von der andern ist. Worin ist die Ursache dieser so großen Verschiedenheit zu suchen? In der verschiedenen Beschaffenheit des Erdreiches, wie Hr. Opitz meint, allein? Oder nicht auch in dem Kalk, mit dem das mindensche Vieh bestreuet war, von welchem Hr. Camper bey den seinigen nichts erwähnt? Da es wirklich von keinem geringen Nutzen ist, dies genau zu wissen, mehrere genaue authentische und von unbefangenen sachkundigen Männern gemachte Beobachtungen und Erfahrungen aber nur <68, 46> hierin Gewißheit geben können, so ersuche ich alle öffentliche Aerzte, das Ihrige zur Aufklärung dieses Punctes beyzutragen.

In der Herrschaft Serowitz in Böhmen, werden die Häute und Felle vom obrigkeitlichen Vieh, wenn einiges geschlachtet wird oder eingeht, an einen Pachter abgeliefert, welcher dafür folgende Preise bezahlt:

Vom geschlachteten. Vom crepirten.
Für eine Ochsenhaut 2 Fl. 30 Kr. 1 Fl. 45 Kr.
Für eine Kuhhaut 2 -- 1 --
Für eine Haut von 3 und 4jährigem Vieh 1 24 1 15
Für eine Haut von 2jähr. -- 54 1 45
Für eine Haut von 1jähr. -- 36 -- 30
Für eine Kalbshaut -- 24 -- 15
Vom alten Schafvieh -- 15 -- 11
Vom Zeitvieh -- 11 -- 11
Von Jährlingen -- 7 -- 6
Von Lämmern -- 6 -- 4

Von den aus Aegypten ausgehenden Waren, ist das rohe Leder ein wichtiger Artikel. Man rechnet jährlich 70 bis 80,000 Häute, welche ausserhalb Aegypten verfahren werden, und hiervon gehen etwa 10,000 gute Büffel=Häute nach Marseille. Nach Italien wird eine viel größere Menge verschickt, und zwar von allen verschiedenen Sorten, nähmlich von Büffeln, Ochsen, Kühen und Kamelen. Die von den Büffel=Ochsen, welche zwar nicht viel größer, aber viel dicker und schwerer sind, gehen meistentheils nach Syrien. Weil die Grasung in Nieder=Aegypten am schönsten ist, so werden die Häute aus dieser Gegend für die besten gehalten, vornehmlich wenn das Vieh in den Monathen Jan. Feb. März und April geschlachtet worden ist; denn in dieser Jahrszeit geht es auf der Weide, da es sich sonst während verschiedener Monathe mit trocknem Futter behelfen muß. Man findet das rohe Leder das ganze Jahr <68, 47> durch, besonders aber nach dem Oster=Feste, d. i. zu der Zeit, wenn die Pilgrimme sich zu Mekka und auf dem Berge Arafa versammelt haben. In diesen Tagen schlachtet man in Aegypten, so wie in allen übrigen mohammedanischen Ländern, eine erstaunliche Menge Vieh. Zur Zeit des Ibrahim Kichja, der Aegypten 10 Jahr fast allein regierte, wurde dieser Handel verpachtet; und da die Pächter zu Alexandrien ein Magazin errichteten, um die Häute nach und nach zu verkaufen, die sie selbst nicht verschicken konnten, so war es in ihrer Macht, den Preis davon sehr zu erhöhen. Seit mehrern Jahren ist dieser Handel wieder frey, indessen merkt man bisher noch keinen merklichen Unterschied im Preise.

Wenn der Landmann oder der Schlächter die rohen Häute nicht sogleich verkaufen kann oder will, so muß er sie mit Salz und Alaun, oder mit Salpeter einreiben, oder auch mit weißer Soda einbeizen, damit sie nicht in Fäulniß gerathen und verderben, wenn man sie entweder in Kellern und Gewölben eine Zeitlang aufbehalten, oder bey großer Hitze in etwas entlegene Gärbereyen schaffen will. Es wird alsdann eingesalzenes Leder, Fr. Cuir salé, genannt.

Der Landmann verkauft gemeiniglich seine Ochsen oder Kühe auf dem Markte, oder an den Schlächter, und bekummert sich nicht weiter darum; es kann sich aber doch eräugnen, daß er sie zuweilen selbst schlachtet; alsdann muß die Haut besonders verkauft werden. Wenn er sie roh oder grün, d. i. so wie sie eben von dem todten Thiere abgenommen ist, verkauft, bringt sie nur den kleinsten Vortheil, weil der Kaufer weis, daß der Besitzer nichts damit anfangen kann, und daher nehmen muß, was er bekommen kann; deswegen muß der Landmann die Häute zu erhalten suchen. Nach dem natürlichen Laufe der Dinge, kann eine <68, 48> Haut im Winter sich länger halten, als im Sommer. Diejenigen, welche Handel damit treiben, sind oft genöthigt, sie eine Zeitlang zu verwahren, oder sie weit wegzuschicken, ehe sie bearbeitet werden. Sie bedienen sich des Mittels, dieselben durch Salz zu erhalten; dieses kann der Landmann eben so gut, wie sie; er kann solcher Gestalt die Häute zu einem bessern Verkauf aufbewahren. In dieser Absicht wird eine gute Quantität gemeines Salz mit einem Zehntel seines Gewichtes von Alaun, der zu Pulver gestoßen ist, vermischet; die Haut wird auf der Erde ausgebreitet, und eine starke Person muß dieses mit ihren Händen allenthalben wohl hinein reiben, vornehmlich da, wo einige Risse oder dickere Theile sind. Wenn die Häute solcher Gestalt wohl eingesalzen sind, schlägt man sie zusammen, und legt sie in dem Keller auf ein Bret. Dieses wird zureichend seyn, sie auf einige Tage verwahren zu können. Wenn sie aber länger liegen sollen, damit man eine Menge zusammen sammle, so muß man sie nach zwey Tagen von neuem ausbreiten, und noch einmahl mit Salz und etwas Salpeter reiben; auf diese Weise wird man eine Haut ziemlich lange erhalten können. Man kann die Felle auch trocken mit dem Horne verwahren, wenn man sie an einem luftigen Platze aufhängt, wo sie dann oft abgewischt und umgekehrt werden, bis sie hart werden; und so können sie auf eben die Art gebraucht werden, aber nicht so gut, als auf die erste Art. Auf solche Art werden die Büffel=Häute aus einigen Gegenden von Amerika gesandt, und nachher bereitet.

In Frankreich braucht man, zum Einsalzen der Häute, auf Eine Haut 3 1/2 bis 4 Pfund Stockfisch=Salz (Sel de Morue), oder gemeines Salz, welches mit Alaun vermischt ist; dieses streuet man dünn über die Haut weg, doch so, daß man in den Kopf, längst dem Rücken, und an die Ränder, als Theile, welche etwas schwerer gar zu machen sind, als die andern, das Salz etwas dicker streuet. Zur Winterszeit ist man genöthigt, bisweilen <68, 49> 8 bis 10 Pfund Salz zu Einer Haut zu nehmen, weil sie alsdann schwer trocknet, und die Gefahr, in Fäulniß zu gerathen, zu der Zeit länger dauert. Die Fleischer in Paris, welche die Häute erst nach 14 Tagen oder 3 Wochen, auch wohl noch später, an die Gärber zu überliefern pflegen, haben vorzüglich nöthig, dieselben einzusalzen. Um sich aber schadlos zu halten, rechnen sie dem Gärber 5 Pfund über das Gewicht jeder Haut dafür an.

Im Jahr 1673, wurde zwischen den Fleischern zu Paris und den General=Pächtern, die an dem Salz=Schanke Theil hatten, ein Vergleich getroffen, welcher durch einen öffentlichen Befehl, d. d. Nancy, d. 14 Aug. 1673. au torisirt, und d. 16 Oct. in dem Steuerkammer=Gerichte registrirt wurde, vermöge dessen den Fleischern, während dem Pachte des François le Gendre, das Salz soll geliefert werden, welches bey dem Stockfisch=Fange zu Terre=Neuve ist gebraucht worden, und, nachdem der Fisch weggenommen worden ist, sich auf dem Boden des Schiffes sammlet, und zwar bloß zum Einsalzen der Häute ihres geschlachteten Viehes; an statt des Natron, dessen sie sich sonst bedienten. Dieser Vergleich ist von Zeit zu Zeit erneuert worden, insbesondre aber d. 22 Dec. 1726, indem damahls festgesetzt wurde, den Scheffel (Minot) mit 16 Livres und 19 Sols zu bezahlen. Die Fleischer machten sich auch noch verbindlich, den dazu nöthigen Bedienten Messern und Trägern, die Gebühren zu geben, wie auch die Hälfte des Mieth=Zinses der Niederlage, wo es in Paris aufbehalten wird, zu entrichten.

Es wurde auch festgesetzt, zu Ende eines jeden Monathes einen Aufsatz zu machen, welcher die Nahmen der Fleischer, welche Salz brauchten, enthielte; desgl. die Anzahl der Häute desjenigen Viehes, die er im künftigen Monathe zu schlachten, und die Quantität des Salzes, welches er zum Einsalzen dieser Häute nöthig hätte, so, daß man ungefähr 4 Pfund Salz auf jede Haut rechnete. Dieser Aufsatz muß von den Geschwornen der Fleischer=Innung unterzeichnet, und den Pacht=Bedienten übergeben werden; und nach dem Befehle, den die Pächter darunter setzen, wird ihnen dieses Salz den ersten Dienstag eines jeden Monathes ausgeliefert, wofür sie die Bezahlung, nach dem verabredeten Preise, entrichteten. Die Uebertretung dieses Vergleiches zu hintertreiben, ist den <68, 50> General=Pächtern erlaubt, unter besagtes Salz, für ihre Kosten, so viel Asche zu mengen, als sie für nöthig erachteten; und untersuchen zu lassen, wie die Fleischer das Stockfisch=Salz, welches zum Einsalzen der Häute bestimmt ist, brauchen. Die Fleischer sind auch für den Mißbrauch und die Uebertretung ihrer Knechte und ihres Haus=Gesindes verantwortlich; und wenn ein Fleischer oder seine Leute wider ihre Gesetze handeln, führen die Bedienten des Salz=Schankes auf Kosten der Fleischer=Innung den Proceß. Diese Innung muß nicht nur die Kosten, sondern auch die auferlegte Geld=Strafe entrichten, mit Vorbehalt, sich an den Uebertrern zu erhohlen. Die Geschwornen der Fleischer=Innung sind auch gehalten, zu Ende eines jeden Jahres, ein Verzeichniß der Nahmen und Wohnungen aller Meister, nebst ihren Kindern und Gesinde, zu übergeben, nebst den Scheinen, die einem Jeden, bey dem Empfange seines Speise=Salzes, aus dem pariser Salz=Schanke sind gegeben worden, damit der Pachter ersehen könne, ob jeder Fleischer diejenige Quantität Salz genommen habe, die der Anzahl der Personen, woraus seine Haushaltung besteht, nach dem Befehle von 1680, gemäß ist, und ob sie nicht von dem Salze, welches ihnen bloß zum Einsalzen ihrer Häute ist verwilligt worden, auch zum Salzen ihrer Speisen anwenden.

Die Pächter liefern auch den Ungarisch=Leder=Bereitern das Stockfisch=Salz, welches sie zum ungarischen Leder nöthig haben; mit dem Bedinge, daß unter jeden Scheffel Salz wenigstens 8 Pfund gestoßener Alaun gemenget wird, welchen die Gärber selbst geben müssen, und überdies noch Asche, um dadurch zu verhindern, daß sie es nicht zu ihren Speisen brauchen können. Es ist gleichfalls ein ausdrücklicher Vergleich über diesen Gegenstand, zwischen den General=Pächtern und den Geschwornen der Lohgärber=Innung, v. 29 Dec. 1726, welcher dieselben Bedingungen und Clauseln, wie der vorerwähnte Vergleich mit den Fleischern, enthält.

Der Scheffel dieses Salzes kostet 25 Livr., oder das Pfund 4 Sols; an statt daß das gewöhnliche Salz 12 Sols kostet, so daß es ein offenbarer Nutzen wäre, jenes an statt dieses zu gebrauchen, wenn der Pachter nicht solches zu verhindern suchte. Die Vermischung mit Alaun macht es zu allem andern Gebrauche ungeschickt.

<68, 51>

In den See=Häfen bedient man sich des schlechten Sardellen=Salzes (Sel de Sardine); und man hätte, bey dem Einsalzen der Häute, großen Vortheil von der Nähe des Meeres, wenn die Wachsamkeit des Pachters sich nicht auch bis dahin erstreckte.

Nachdem das Einsalzen geschehen ist, legt man die Häute zusammen. Man legt erst, der Länge nach, die eine Hälfte genau auf die andere; sodann macht man die andern Zusammenlagen, und fängt von den Beinen an; hierauf legt man das Aeußerste des Bauches auf den Rücken; hernach den Kopf über den Schwanz, den Schwanz über den Kopf, und endigt es dadurch, daß man alles nochmahls doppelt zusammen legt, in Gestalt eines Quadrates von 1 bis 2 Fuß, wie es in PfeiliconFig. 3981 b) zu sehen ist.

Die eingesalzenen Häute werden alsdann in Stöße von vier zu vier, oder von drey zu drey, über einander gesetzt. Damit das Salz zum Zerfließen und Eindringen Zeit gewinnen möge, läßt man es so zusammen gesetzt, 3 bis 4 Tage über stehen. Nachdem das Salz solchergestalt Zeit genug gehabt hat, in das Gewebe der Haut einzudringen, kann sie, ohne Gefahr zu verderben, austrocknen. In dieser Absicht breitet man sie über eine Stange, so, daß die Haare inwendig kommen, wobey man sie gegen die Schultern etwas mehr zu falten sucht, als nach dem Schwanze zu, damit sie an den dünnern Gegenden nicht eher austrocknen, als an den dickern. Zur Sommerszeit sind zum Austrocknen der Häute gemeiniglich 8, im Winter aber 14 Tage nöthig. Hierbey verliert die Haut ungefähr 4/7 am Gewichte, welches sie hatte, als sie aus dem Schlacht=Hause kam; also enthielt eine Haut, die daselbst 70 Pf. wog, 40 Pf. überflüssige Feuchtigkeit; folglich nicht mehr als 30, nachdem sie getrocknet ist. Wenn man demnach eine ausgetrocknete Haut wiegt, und man will wissen, wieviel sie naß gewogen hat, so muß man ihr Gewicht verdoppeln, und den dritten Theil desselben dazu zählen. Gesetzt z. B. eine trockne Haut wiege 30 Pfund; wenn nun diese Zahl verdoppelt, und dann der dritte Theil von 30, d. i. 10, dazu addirt wird, so habe ich 70 Pf. für die nasse oder grüne Haut.

<68, 52>

Der Loh=Gärber bekommt solchemnach die rohen Häute entweder frisch (grün), oder eingesalzen, oder getrocknet. Auf was für Art er nun dieselben bearbeitet, werde ich bey den bekanntesten Leder=Gattungen zeigen; und zwar

I. bey dem starken, dicken Leder, so wie es zu Schuh=Sohlen gebraucht wird, welches daher Sohl= oder Sohlen=Leder, und, weil es gemeiniglich nach Pfunden verkauft wird, Pfund=Leder, Schwer=Leder, Fr. Cuir fort, genannt wird. Die Loh=Gärber versichern, daß sie bey dem Gärben des Sohl=Leders ihre ganze Geschicklichkeit zeigen müssen, und halten daher die Behandlung dieses Leders für das wichtigste Stück ihrer Kunst. Sie wählen zu diesem Leder die Häute oder Felle der stärksten ausgewachsenen Ochsen, unter welchen ihnen, so wie jedem Rind=Leder, die fettesten und überdem die guten einländischen Häute die angenehmsten und brauchbarsten sind. Es kommen zwar viele pohlnische Ochsen nach Berlin, deren Häute gleichfalls gargemacht werden; allein, diese Häute verlieren, durch das Treiben des Viehes von Pohlen nach Berlin, viel von ihrer natürlichen Güte. Daher ziehen die Gärber die Häute von dem Viehe aus den Oder=Brüchen vor, und dies gilt auch in der Folge von den Kalb=Fellen, weil überhaupt auch das Vieh aus den Oder=Brüchen fetter ist, als das abgetriebene ausländische.

Das Gärben nimmt durchgängig mit dem Wässern, oder dem Einweichen der Häute in Wasser, seinen Anfang. Häute von frisch geschlachtetem Vieh, haben zwar keine Einweichung in Wasser nöthig; es muß aber doch, wegen der daran befindlichen Unreinigkeiten, um solche wegzubringen, geschehen. Doch dürfen sie nur eine kurze Zeit in dem Wasser bleiben, denn sie werden bloß deshalb eingeweicht, damit das Wasser das Blut ausziehe; sie werden also wieder aus dem <68, 53> Wasser genommen, sobald das Blut ausgewässert ist. Die trocknen Häute hingegen müssen zugleich im Wasser erweichet werden, und sie müssen daher so lange im Wasser hangen, bis sie geschmeidig sind; hierüber verfließen einige Tage, doch werden sie im Sommer in einer kürzern Zeit geschmeidig, als im Winter. Die Art, die Häute einzuweichen, ist zweyerley. Man weicht sie entweder in fließendem, oder in Fässern enthaltenem Wasser, ein. *

*
Wenn die Häute, ehe sie in das Wasser gelegt werden, auf den Haaren wohl mit Wasser begossen worden sind, und einen Tag über einander also angefeuchtet, auf einem Haufen gelegen haben, so geht das Einweichen in beyden Fällen besser von Statten, als wenn die Häute ganz dürr in das Wasser gelegt werden.

In fließendem Wasser, wofern es nicht zu tief ist, werden die Häute entweder an Stricken, Ketten, Stangen, woran sie, vermittelst der Horn= oder erweiterten Augen=Löcher, geschoben, und an beyden Ufern des Baches befestiget werden, um das Fortschwimmen zu verhüten; oder sie werden an einem im Bache angebrachten, mit unterwärts gekehrten Haken versehenen Balken angeheftet, und also geweichet.

In großen Flüssen, wo man die Häute auf einem Floße *

*
Ein Floß ist entweder aus vier Balken zusammengefügt, oder ein viereckiger großer, aus Balken und Holz=Latten zusammengesetzter Kasten, der inwendig, zum Anhängen der Häute, mit Haken, auswendig aber mit starken Ketten, vermittelst deren er selbst am Ufer des Wassers befestigt wird, versehen ist.

einweicht, werden dieselben ebenfalls an Haken gehängt; sogar auch, wenn das Floß aus Balken und Latten zusammen gesetzt, und mit einem Boden versehen wäre; weil sonst die Häute von der Gewalt des Wassers zusammengedrückt, und ungleich erweichen würden, als wodurch die fernere Gährung der Häute erschwert würde. Während des Einweichens der Häute im Fluß=Wasser, müssen dieselben täglich <68, 54> zwey Mahl aufgeworfen, und der daran angehängte Schlamm, der das Lederwerk leicht beschädigen kann, abgewaschen werden. Man hebt jede Haut bey dem Auswerfen ganz aus dem Wasser, zieht sie wohl aus einander, wirft den Hintertheil derselben auf dem Wasser aus einander, und wäscht den Schlamm rein weg. Alsdann hängt man sie wieder an den Haken, welche Arbeit täglich, nach dem das Wasser mehr oder weniger schlammig ist, 1, 2 bis 3 Mahl wiederhohlt werden muß.

Das Einweichen der Häute in fließendem Wasser, an Stricken befestigt, ist ganz zu verwerfen, weil die Stricke durch die Schwere der daran gehängten Häute und durch die Gewalt des Wassers ausgedehnet werden, die Häute sodann zusammen rutschen, und unordentlich werden.

Der Vortheil bey dem Einweichen der Häute in fließendem Wasser ist, daß aller Unrath, und die an der Haut befindlichen kleberigen Materien durch die beständige Bewegung des Wassers aufgelöset, weggeschwemmet, die festen Theile derselben macerirt, und geschickt gemacht werden, die in der Folge beyzusetzenden Substanzen während der Gährung in ihre Zwischenräume aufzunehmen.

Nach de la Lande Vorschrift, in seiner Beschreibung der Lohgärberkunst, läßt man die Häute wässern, bis sie vom Wasser wohl gesättigt sind, d. i. bis zu dem Puncte, wo man den Anfang ihrer Verderbung zu befürchten hat; denn man hat aus der Erfahrung, daß das Garmachen um so viel besser von Statten geht, und besser Leder erfolgt, je mehr sie geweicht haben. Hierzu aber ist ein gewisser Zeitpunct, denn in einem Flusse kommen sie ihrer Verderbung bald nahe. Man urtheilt davon aus ihrem unangenehmen Geruche, den man an solchen Orten wahrnimmt, wo dieses geschieht. Man muß demnach auf den Sättigungs=Punct sorgfältig Acht haben. Auch muß man erwegen, daß gewisse Wasser, in welchen Koth, Farben und andere fremde Sachen sind, die Häute angreifen <68, 55> würden, wenn man sie zu lange darin ließe. Die dicken Häute dürfen darin nicht länger als 6 Stunden bleiben; die von Kühen, 24, und von Kälbern, 48 Stunden.

Die eingesalzenen Häute muß man länger wässern. Man läßt sie 2, 3 auch wohl 4 Tage im Wasser, nach dem die Witterung wärmer oder kälter ist. Man nimmt sie alle Tage heraus, und läßt sie jedesmahl zu 2 Stunden abträufeln, damit das Wasser dieselben desto besser durchdringen und erweichen möge. Auch bewegt man sie im Wasser, damit es den Koth und das Salz mit hinweg nehme; vornehmlich wenn sie zum lezten Mahl heraus genommen werden, spühlt man sie mit den Händen wohl aus, damit sie desto weicher, und vom Salze besser befreyet werden. In A. PfeiliconFig. 3982, sieht man die Arbeit desjenigen, welcher die Häute im Wasser ausspühlt. Es würde besser für die Häute seyn, die man dergestalt vielmahl ausspühlt, wenn man Stangen in dem Wasser auf eine solche Art errichtete, daß sie nicht bis auf den Boden gehen können, wo sie der Griessand und Leimen kratzt, scheuert, und oft beschädigt.

Das Verfahren, und die Handgriffe, die, in Ermangelung eines Flusses, bey dem Einweichen der Häute in Fässern vorkommen, sind diese: Nachdem man die einzuweichenden Häute in die Werkstatt geschafft, und Wasser in das Weich=Faß, *

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Die Weich=Fässer müssen 2 Ellen hoch, oben 2 1/4 Elle weit seyn, wenn 30 bis 40 Stück Häute darin erweichen sollen. Sie müssen am Boden ein Spund=Loch zum Ablassen des Wassers haben, und zwar mit gemeinem Wasser gefüllt seyn.

PfeiliconFig. 3983, gegossen hat, nimmt man eine Haut von dem Haufen, und überschlägt an derselben den Hals=Theil, bis an den vordern Beinling; den Hinter=Theil aber überbiegt man beynahe bis an den Nabel der Haut, und drückt ihn auf den vorigen Theil, wodurch dieselbe eine viereckige Figur bekommt, und bequem im Weich=Fasse unter das Wasser gebracht werden kann. Auf gleiche Art wird mit jeder Haut verfahren. Drey bis <68, 56> vier Mahl muß solchen eingeweichten Häuten Wasser gegeben werden, *

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Zur Winterszeit darf man die mit Wasser u. dgl. gefüllten Fässer niemahls zufrieren lassen, weil dadurch der Faß=Boden gemeiniglich, zuweilen auch die Seiten=Wände des Fasses zerspringen. Die Ursache, welche diese Wirkung hervorbringt, ist folgende. Das Wasser fängt an netzförmig an seiner Oberfläche zu gefrieren; diese Netze berühren die Wände des Fasses, und machen mit ihnen verschiedene Winkel, nach und nach ein ganzes Eis=Gewebe, welches, so wie die Kälte zunimmt, immer dicker wird. Sobald das Wasser gerinnt, so entsteht in seinem Innern eine Art von Kochen, wegen der Luft=Theile, die sich im Wasser los machen; diese Luft=Theile sammeln sich in Biasen, gegen den Mittelpunct und die Achse des Gefäßes, in größerer Anzahl aber gegen den Boden zu. Bey steigender und plötzlich einfallender Kälte, folgen diese Erscheinungen schnell auf einander; die Luft=Blasen werden in der ganzen Masse ausgebreitet, und so zerbrechen die Fässer fast gemeiniglich. Wenn Brühen in den Gefäßen sind, die man nicht gern wegschütten will, so kann man diese, ohne dem Gefäße zu schaden, erhalten, wenn man die Eis=Kruste in der Mitte des Fasses täglich einige Mahl öffnet, und der gepreßten Luft Ausgang verschaffet.

je nach dem dieselben stark oder schwach sind; und zwar zur Sommerszeit in 3, im Winter aber in 5 Tagen, weil im Winter, wegen der Kälte, die Gährung fester thierischer Theile aufgehalten, und das Wasser selbst verdicket wird, folglich nicht so geschwinde in die Fächer der Haut eindringen kann, wie im Sommer, da das Wasser laulich ist. *

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Im Sommer erweichen die dürren Häute in 10 Tagen vollkommen; im Winter aber erfordern sie wohl mehr als 14 Tage.

Um den Häuten wieder reines Wasser in das Faß zu geben, verfahrt man folgender Maßen. Man wirft Stück vor Stück auf einen wohl gereinigten Platz *

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Ueberhaupt muß man sich angelegen seyn lassen, nach jeder schmutzenden Handwerks=Verrichtung, die Reinlichkeit, so viel möglich, in der Werkstatt wieder her zu stellen, weil die Ausdunstung des faulenden Schmutzes der Gesundheit des Menschen schädlich, und den zu bearbeitenden Häuten öfters nachtheilig ist.

neben das Weich=Faß; und wenn sie alle heraus sind, <68, 57> so läßt man das unreine Wasser durch das am Faß=Boden angebrachte Spund=Loch ablaufen, rührt während dessen mit einem stumpfen Besen bis auf den Faß=Boden im Wasser, wodurch die von den Häuten abgelöseten und zu Boden gesenkten Unreinigkeiten mit dem Wasser zugleich weggespühlet werden. Hernach stellt man einen hölzernen Bock (Schran), d. i. einen, 4 Ellen langen, 7 bis 8 Zoll starken und auf vier Füßen stehenden Balken, PfeiliconFig. 3984, neben das Leder, und hängt es darüber, so, daß der Kopf auf der einen, und der Schweif auf der andern Seite des Bockes zu liegen kommt; auf diese Art gelegt, muß das unreine Wasser aus allen Theilen der Häute gehörig abfließen. Während der Zeit dieses Abfließens, gießt man wieder das nöthige reine Wasser in das Weich=Faß, bringt darnach jede Haut besonders, und aus einander gebreitet, wieder in das im Fasse befindliche reine Wasser, und drückt sie mit einer Stange, bey einem Eude der Haut anfangend, bis zum andern Ende, nach und nach unter Wasser. Man hüte sich aber mit der Stange in die Mitte der Häute zu stoßen, indem sie dadurch verworren über einander kommen, und ungleich erweichen müssen.

In Brunnen=Wasser, welches Kalk= oder Salpeter=Theile bey sich führt, erweicht das Lederwerk ziemlich gut; in reinem Wasser schon langsamer; wenn aber Eisenvitriol=Theile im Wasser sind, wegen der oben, Pfeil-IconS. 23, angezeigten Ursache, äusserst schwer. Man kann aber das Wasser dadurch verbessern, wenn man zerhacktes Erbs=Stroh, Feld=Disteln oder Brenn=Nesseln, zwischen die Häute in das Wasser legt, wodurch eine Art von Gährung entsteht, und die Eisen=Theile des Wassers unwirksam gemacht werden.

Nach dem Einweichen werden die Häute überstrichen oder ausgestrichen (Fr. craminer), d. i. auf dem Schabe=Baume mit dem stumpfen Schabe=Eisen aus<68, 58>gestreckt, (welches man im Französ. etirer sur le chevalet avec le couteau nennt), damit sowohl das eingezogene Wasser, als auch die aufgelöseten Unreinigkeiten herausgebracht werden. Der Schabe=Baum, Fr. Chevalet, führt in den Gärbereyen verschiedene Nahmen; denn bald nennt ihn der Gärber Schabe=Baum, Schabe=Bock, Streck=Bank, Streich=Baum, Gärbe=Baum, bald schlechtweg, Baum. Ein halbrunder Baum, a b, PfeiliconFig. 3985, der etwa 6 Fuß lang und 1 1/2 F. breit ist, ruhet an einem Ende a auf der Erde, an dem andern Ende b aber auf einem Kreuz=Holze c d; Baum und Kreuz zusammengenommen, heißen Schabe= oder Gärbe=Baum. Das Schabe=Eisen oder Streich=Eisen, Fr. Couteau à talon, oder Fer à recasser, PfeiliconFig. 3986, gleicht beynahe dem Schneide=Messer der Stellmacher, ausser daß es etwas nach dem Rücken zu gekrümmt, und in der Schneide nur stumpf ist, und daß die beyden hölzernen Handgriffe a und b, in gerader Linie mit dem Eisen selbst fortlaufen. Der Rundung des Schabe=Baumes wegen, ist dieses Eisen gekrümmt. Auf die Rundung des Schabe=Baumes, PfeiliconF. 3985, legt nun der Gärber die eingeweichte Haut mit der Haar= oder Narben=Seite, so daß die Fleisch= oder Aaß=Seite in die Augen fällt. Der Gärber stellt sich vor den Baum in b, PfeiliconFig. 3985; ergreift das Eisen, PfeiliconFig. 3986, an seinen Griffen mit beyden Händen, und fährt mit dem Eisen auf der Fleisch=Seite der Haut beständig von b nach a, PfeiliconF. 3985, hinab. Diese Arbeit setzt er so lange bey einer Haut fort, bis er das Wasser und die aufgelöseten Unreinigkeiten völlig herausgestrichen hat. Jede gestrichene Haut hängt er auf den Leder=Bock, PfeiliconFig. 3984, und gewinnt hierdurch Raum in seiner Werkstätte.

Wenn man, meint de la Lande, mit den Loh=Gärbereyen nicht weit von Walk=Mühlen wäre, und man <68, 59> brächte eine solche eingewässerte Haut eine Stunde lang unter die Walk=Hämmer, so würde sie darunter weit mehr geschmeidig gemacht, ausgespühlet und gegärbet werden, als mit den Händen in einem ganzen Tage; und überdies wird es in der Folge beym Abhaaren und Ausfleischen genug ausgestrichen, wodurch die Geschmeidigkeit der Haut immer mehr und mehr zunimmt.

Wenn die Häute auf die jezt beschriebene Weise gehörig vorbereitet worden sind, so müssen sie auch die Haare verlieren, und man schreitet demnach zum Hälen, Abpälen, Böhlen, oder Enthaaren, Fr. épiler, dépiler oder plamer. Allein, diese Arbeit erfordert eine Vorbereitung, weil die Haare zu fest in der Haut sitzen, als daß sie sich sogleich wegschaffen ließen. Diese Vorbereitung geschieht gemeiniglich auf zweyerley Art. Die erste, älteste und fehlerhafteste Art, ist das Aeschern mit Kalk, Holz=Asche und Wasser, wobey das Gewebe der Häute leicht zu sehr zerbeizt und zerfressen wird, wenn man nicht sehr aufmerksam ist. Das Verfahren bey dem Kalk=Aeschern (Travail de la chaux,) ist, nach de la Lande Beschreibung, folgendes.

„Die älteste Art, welche man hat, die Häute vorzubereiten, ehe sie in die Lohe gelegt werden, besteht darin, sie in Kalk=Wasser zu legen, um ihnen dadurch ihre Fettigkeit zu benehmen, und sie aufschwellen zu lassen, welches in großen Gruben geschieht, die in die Erde gemacht, und Aescher (Pleins, Plains oder Pelins) genannt werden.

Der Kalk, dessen man sich hierzu bedient, ist ein Stein, dessen Theile durch das Feuer so hart gemacht sind, daß er in den Zustand einer absorbirenden Erde gesetzt wird. Die Vereinigung dieser Erde mit dem Wasser, bringt eine salzige, alkalische, kaustische Materie hervor, welche geschickt ist, die thierischen Theile anzugreifen, zu zerfressen und zu verbrennen. Man wendet daher auch den Kalk nicht eher zu den Häuten an, als bis er sich im Wasser wohl gelöscht, verschiedene Tage abgekühlt, und sein Feuer darin fast gänzlich abgesetzt hat.

Ein Kubik=Schuh, oder ein Scheffel (Minot), kostet zu Paris ungefähr 20 Sols; denn der Malter (Muid), <68, 60> welcher 48 Kubik=Fuß enthält, kostet mehrentheils 50 Livres. Wenn man den Kalk mit Wasser einmacht, einen Aescher zu füllen, so rechnet man für jede Haut den 3ten oder 4ten Theil eines Kubik=Fußes. Diese Gruben sind in der Erde, und in PfeiliconFig. 3982, bey C, vorgestellt. Wie weit sie von einander entfernt seyn müssen, wird hernach angezeigt werden.

In allen Ländern, wo man das Leder mit Kalk bereitet, hat man verschiedene Arten der Kalk=Aescher, durch welche jede Haut, nach und nach, in Zeit von 12 bis 15 Monathen, geht. Die Häute, welche weich genug sind, müssen in den abgestorbenen Aescher (Plein mort) geleget werden, d. i. in altes Kalk=Wasser, welches sein Feuer schon verloren hat; und dieses nennt man Einsetzen (abattre); sie müssen aber unter dieses Wasser in den Gruben so getaucht werden, daß es gänzlich darüber weggeht. In dieser Grube läßt man die Häute 8 Tage; alsdann nimmt man sie heraus, und läßt sie 8 Tage auf dem Lager (en retraite), d. i. ausserhalb der Grube, über einander liegen. Weiter unten wird einer andern Ordnung, in Ansehung der Aescher und Lager, Erwähnug geschehen. In PfeiliconFig. 3982, sieht man, bey C, viele Häute auf dem Lager, d. i. auf dem Pflaster der Aescherey (Plamerie) zusammengehäuft, liegen.

Nachdem sie 8 Tage auf dem Lager gelegen haben, setzt man sie wieder in die Grube, wo man sie abermal 8 Tage liegen läßt; und so hält man sie wechselsweise von 8 Tagen zu 8 Tagen, eine Zeit von 2 Monathen bald innerhalb bald ausserhalb dem Aescher. Dieses ist die Zeit, welche einem abgestorbenen Aescher nöthig ist, die Haare locker zu machen, damit sie alsdann desto leichter von der Haut können weggebracht werden.

Nach den Nochrichten der Handlungs=Aufseher, welche mir sind mitgetheilt worden, findet man in den verschiedenen Provinzen des Königreiches, eine sehr große Verschiedenheit in der Art die Kalk=Aescher zu behandeln. In Angoumois besteht der Zug der Kalk=Aescherey (le Train de Plamerie) aus 12 Aeschern (Pleins), wovon die beyden ersten abgestorben (morts) die vier folgenden schwach (foibles), die sechs leztern aber frisch (neufs), oder es doch beynahe sind. Jeder ist mit 2 Tonnen Kalk= und einem Sack Asche gemacht. In Potsdam hat man <68, 61> 5 Aescher; zwey abgestorbene, und drey frische; jeder ist aus 1 bis 2 Tonnen Kalk und einem Sack Asche gemacht. In Bretagne giebt es Lohgärber, welche 6 Aescher haben, davon der erste ein abgestorbener ist, der zweyte ein schwacher, und die vier letztern frisch sind. Andere daselbst haben nur sechs frische, die man durch allmähliche Vermehrung des Kalkes und der Asche immer stärker und stärker macht, und diese streichen die Haare nicht eher ab, als wenn die Häute aus der vierten oder fünften Grube kommen, weil sie glauben, daß die Häute besser aufschwellen, wenn sie noch rauch (en poil), als wenn sie abgehaaret sind (en tipe). In Auvergne macht man die Aescher aus einer Lauge von Asche mit Kalk vermischt, und deren jeden Monath drey. Zu St. Angel in Limousin, dauern die Aescher 6 Monathe, und werden aus Kalk und Asche bereitet. In dem Kirchsprengel Puy in Languedoc, währen die Aescher 8 Monathe, und werden gleichfalls von Asche und Kalk bereitet. In Champagne und dem Herzogthume Luxenburg, lassen diejenigen, welche ihre Häute nicht mit Loh=Brühe bereiten, den Aescher 15 bis 18 Monathe gehen indem sie nach und nach, und zwar sehr langsam, die Menge des Kalkes und die Stärke des Aeschers vermehren. In Dauphiné macht man vier Aescher, die auf einander folgen, und man wendet mehr Kalk dazu an, als an einem andern Orte des Königreiches, die Leder sollen aber doch nicht besser seyn.

Jeder folgt hierin der Gewohnheit seiner Väter, oder der Erfahrung, die er erlangt zu haben glaubt. Es scheint, daß die große Anzahl der Aescher zu nichts dient, und nur eine unnöthige Ausgabe für Kalk und Asche verursachet. Die Haut kann nur bis zu einem gewissen Punkte schwellen, und wenn sie über diesen ist, so geschieht weiter nichts, als daß sie verbrennt und ausdorret. Sie wird auch in drey bis vier Aeschern so dick, als in sechs oder zwölf Aeschern geschieht.

Ich habe von einem sehr verständigen Manne, eine Art, die Kalk=Aescher zu regieren gehört, welche in etwas anders ist, aber vortrefflich von Statten geht. Ich setze hier zum voraus, daß man 128 starke Häute auf ein Mahl zu behandeln habe, und von welchen man nicht mehr als 16, d. i. den 8ten Theil, zugleich in einen Aescher setzen könne. Nachdem man diesen Aescher 4 Tage <68, 62> lang hat erkalten lassen, wird er alsdann auf 4 Tage als frischer Aescher (Plein frais) dienen, und es werden hernach 128 andere Häute alle 12 Stunden durchgehen, oder so, daß die erstern 16 Häute etwas weniger, die leztern 16 aber etwas länger, als 12 Stunden, darin bleiben. Derjenige Aescher, welcher die 4 Tage über, als neuer Aescher 8 Mahl gedient hat, dient alsdann 8 Tage zum andern frischen Aescher, worin jeder Einsatz von 16 Häuten 24 Stunden bleibt. Nach diesem dient er wieder als dritter frischer, oder als schwacher Aescher, auf 8 Tage. Alsdann dient er als zweyter abgestorbener Aescher, um zu sparen (pour sauver), d. i. die Häute nur zu erhalten, und dieses 8 Tage. Endlich dient er als abgestorbener, zum Einsetzen in den Aescher (pour mettre en Plein), d. i. den Anfang mit 128 andern Häuten zu machen, die erst vom Fleischer kommen, wovon jeder Einsatz von 16 Stücken 8 Tage darin bleibt. Alsdann ist dieser Aescher, welcher unter 6 verschiedenen Beschaffenheiten zu 6 Mahl 128 Häuten, während einer Zeit von 44 Tagen, gedient hat, zu nichts mehr nütze, und wird in das Wasser gegossen. Nun gießt man den fünften an seine Stelle, und so ferner. Der fünfte Aescher ist leer, nd man fängt auf dieselbe Art von vorn an. Bey dieser Art, mit den Kalk=Aeschern umzugehen, sieht man wohl, daß von den 128 Häuten, nicht mehr als 16 auf ein Mahl in dem neuen Aescher sind, und daß sie es auch während den ganzen 4 Tagen nicht länger, als 12 Stunden, sind. In allen den andern Aeschern sind sie 7 Mahl länger auf dem Lager, als in dem Aescher. Es sind 4 Lager, wovon 3 zu 32 Stücken sind, und 1 von 16, so, daß von den 32 Häuten, die eine Woche 16 Stück oben, die andere Woche die 16 andere Stücke unten sind. Diese Ordnung hat Statt, es sey vor oder nach dem Abhaaren.

Wenn man mit der Hand einige Haare wegrupfet, und man die Haut knarren hört, ohne einen großen Widerstand zu fühlen, so erkennt man, daß es nun Zeit sey, die Haare abzustreichen. Die Häute, welche 2 Mahl in einem abgestorbenen Aescher gewesen sind, sind auch gemeiniglich in diesem Zustande. Man wirft sie aber erst in Wasser, und läßt sie darin 24 Stunden stehen. Den Morgen darauf, wenn man sie heraus nimmt, spühlet <68, 63> man sie aus, und legt sie über den Schabe=Baum, nachdem man ihm eine Lage gemacht hat.

Eine Lage machen, lagenweise arbeiten (faire une couche travailler en couche), nennt man, wenn die abgeaaßete Haut, doppelt zu sammengelegt, auf den Schabe=Baum gebracht wird. Man bedeckt diese mit noch so viel andern, als man will; legt aber diejenigen, die man abhaaren will, oben auf, damit die Mildigkeit des Grundes den Ungleichheiten nachgeben könne, und dem Schabe=Eisen keinen Widerstand thue, welches sie sonst unfehlbar zerschneiden würde. Dieses verrichtet man mit dem Rund=Messer (Couteau rond), welches man in Auvergne Herbon nennt, welches weder in der Mitte noch nach den Stielen zu schneidet; PfeiliconFig. 3987.

Andere bedienen sich eines Wetzsteines (Päl=Steines) hierzu, der Queux oder Quiosse genannt wird, welcher durch seine Ecken das Abstreichen der Haare weit besser bewirkt, als das Schabe=Eisen, und ohne Gefahr für die Narbe. Man sieht ihn PfeiliconFig. 3988 vorgestellt.

Man bedient sich zum Abhaaren auch des Sandes, aber es muß ein sehr feiner Fluß=Sand seyn. Andere brauchen auch Asche, an statt des Sandes, allein sie ist nicht so gut. Ausserdem haben auch die Häute, welche mit Asche abgehaaret sind, nöthig, mit weit mehr Fleiße ausgespühlet zu werden, als die, wo es mit Sande geschehen ist, weil die Theilchen der Asche nicht so leichtbeweglich, und schwerer wegzubringen sind, als die Sand=Theilchen. Man mag sich aber des Rund=Messers, oder des Wetzsteines, bedienen, so muß man Sorgfalt anwenden, daß zwischen dem Schabe=Baume und der Haut kein Unrath oder fremder Körper bleibe, der, wenn er dem Schabe=Eisen widerstände, verursachte, daß die Haut Schaden litte.

Nachdem die Häute abgehaaret und ausgespühlt sind, erkennt man ihre gute Eigenschaft an den durchlaufenden weißen Adern, die man auf ihrer Narben=Seite sieht; diese zeigen an, daß ihre Gefäße von Blute wohl gereinigt sind, ohne daß sie durch die Bearbeitung auf dem Schabe=Baume wären beschädigt worden. Man nennt sie kaldaunenartiges Leder (Cuir en tripe), welches dergestalt gepälet, abgehaaret und erweicht ist, und es gleicht <68, 64> alsdann, nach der Beschaffenheit seiner Farbe, auch wirklich den Kaldaunen der Thiere.

Hr. des Billettes sagte im Jahr 1708, daß die Ochsen=Häute, wenn sie in der Loh=Gärberey ankämen, mit einem Pulver von Geniste, welche im Herbste wäre gesammlet worden, auf der rauchen Seite müßten bestreuet werden; und wenn man sie 3 oder 4 Tage so ruhen ließe, so fienge das Haar an auszufallen, so daß es nun leicht wäre, sie abzuhaaren, zumahl wenn man auch noch Asche über die Haare streuete. Nach eben Desselben Bericht hatte man auch aus Engelland geschrieben, wenn man allen Gattungen roher Häute die Haare oder Wolle nehmen wollte, so müßte man eine starke Brühe von grüner Geniste, welche klein gehacket würde, oder, in Ermangelung dessen, von der stacheligen Geniste machen, und die Häute 2 oder 3 Tage darin einweichen, welche alsdann das Haar oder die Wolle, ohne alle Beyhülfe des Kalkes wegnähme. Wenn man auch durch diese Methode die Haut nicht mehr schonte, als durch den Kalk, so ersparte man doch wenigstens viel an der Zeit.

Di rauchen Häute, welche man aus Amerika, von Buenos=ayres, oder aus den Inseln bekommt, und welche durch die Sonnen=Hitze ausgetrocknet sind, haben sich durch das Schwitzen allemahl sehr schwer enthaaren lassen. Man mochte es anfangen wie man wollte, so erfolgte jederzeit in der Materie ein beträchtlicher Verlust, wenn man die Gährung so weit treiben wollte, als nöthig ist, ein leichtes Enthaaren zu erhalten. Diesem Uebel vorzukommen, haben die Herren Duolos, Entrepreneurs der königl. Loh=Gärberey Lectoure, versucht, die trocknen Häute aus den Inseln abzuscheren, an statt sie sonst durch das Schwitzen abzupölen. Diese Methode ist für die grünen und gesalzenen Häute so vortheilhaft, als für die trocknen, und man gewinnt auf alle Art dabey. Die Gefahr der Gährung wird dabey vermieden, deren Grad auf das genaueste in seine Gewalt zu bekommen, sehr schwer hält. Man ersparet das Salz, die Mühe des Schwitzens, das Arbeiter=Lohn, und verkürzt die Arbeit; denn ein Arbeiter kann an Einem Tage 10 bis 12 Häute scheren, da er, nach der gewöhnlichen Methode, deren nicht mehr, als 5 bis 6, enthaaren kann.

<68, 65>

Nachdem die Häute abgehaaret sind, werden sie in einen schwachen Aescher, der nähmlich schon, auf die oben beschriebene Art, verschiedene Mahl gedient hat, gelegt. In diesem bleiben sie 4 Monathe; während dieser Zeit aber beobachtet man dieselbe Abwechselung von 8 zu 8 Tagen. Die eine Woche läßt man sie ausserhalb, die andere Woche aber innerhalb der Grube liegen. Einige verwechseln dieses Ausschlagen und Einsetzen weit öfter, wovon es mit den Häuten besser von Statten geht.

Nach Verlauf von diesen 4 Monathen, werden die Häute aus dem schwachen Aescher geschlagen. Man setzt sie in einen neuen Aescher, wozu 2 Tonnen Kalk genommen werden, den man den Tag vorher in einer genugsamen Menge Wasser ablöscht; und nachdem er sein größtes Feuer verloren hat, setzt man die Häute damit ein; man schlägt sie wieder aus, und läßt sie auf dem Lager liegen; und so wechselt man von Woche zu Woche um, wie bey den vorhergehenden Aeschern. In dieser Arbeit bleiben sie 4 Monathe.

So oft als man die Häute ausschlägt, und wieder andere einsetzt, so oft rührt man mit den Aescher=Stangen den Kalk wohl um. Die Aescher=Stange (Bouloir), PfeiliconFig. 3989, ist ein, 6 bis 7 Fuß langer Stock, der an seinem einen Ende ein viereckiges Stückchen Holz hat, womit man den Kalk, der sich auf den Boden der Grube gesetzt hat, in die Höhe hebt. Indem der Kalk noch in Bewegung und im Wasser empor ist, legen es die beyden Leute, davon der eine die Haut mit einer Zange, PfeiliconFig. 3990, auf dieser, der andere auf jener Seite hält, hinein, und breiten es, so gut als sie können, aus, damit alle Theile vom Kalke gleichförmig bedeckt werden. Wenn alle Häute solchergestalt eingesetzt sind, setzt sich der Kalk bald nieder, und man sieht obenher weiter nichts, als klares Wasser. Bey C, in PfeiliconFig. 3982, sind die beyden Arbeiter, welche die Haut mit der Zange ausbreiten, vorgestellt.

Bis hierher sind die Häute in einer Zeit von 10 Monathen, in drey Aeschern gewesen; der erste war abgestorbener, der zweyte schwacher, und der dritte neuer Aescher. Allein, man endigt das Jahr noch durch einen andern neuen, in welchen man die Häute setzt, und den man, wie die vorigen, regiert. Man legt die Häute von Wo<68, 66>che zu Woche wechselsweise heraus, so lange als diese beyden Monathe dauern.

Einen richtigen Begriff von der Quantität des Kalkes zu geben, der zu einem Aescher nöthig ist, will ich mich einer Kalk=Tonne (Barrique de chaux) bedienen, welche 22 Zoll im Durchmesser, und 32 Z. zur Höhe hat, dergleichen in Lionnois üblich ist. Der körperliche Inhalt beträgt 1216 Kubik=Zoll, *

*
Hr. Prof. Schreber, macht, in seiner Uebersetz. des de la Lande, bey dieser Stelle folgende Anmerkung: „Ich hätte nicht Ursache, dem Leser zu sagen, daß in der Zahl der Kubik=Zolle ein großer Fehler stecke, (unfehlbar ein bloßer Druckfehler,) weil er zu offenbar in die Augen fällt; ich hätte ihn vielmehr ändern sollen, obgleich ein Uebersetzer sonst nicht befugt ist, seine Urschrift zu ändern; allein, da er den körperlichen Inhalt nach Schuhen findet, so wird er diesen übersehen können. Wem sonst daran gelegen ist, den will ich für die Berechnung auf eine andere Art schadlos halten.
„Ein dresdner Scheffel ist im Quadrat von 24 Zollen, 14 Zoll hoch, leipz. Werkschuh: d. i. er enthält 8064 dergleichen Kubik=Zoll. Man wird die Vergleichung nach dem dresdner Maße, nicht nur mit diesem, sondern auch mit den folgenden Gemäßen dieser Abhandlung mehrentheils sehr leicht anstellen können.”

oder ungefähr 8 1/2 Fuß. Zwey solche Tonnen, d. i. 17 Kubik=Fuß Kalk hat man nöthig, eine frischen Aescher zu 80 Häuten zu machen. Diese 80 Stück werden bisweilen in vier Einsätze getheilt, daß deren nähmlich 20 auf ein Mahl, 2 Tage über, in den Aescher gesetzt werden. Alsdann schlägt man diese heraus, um andere 20, gleichfalls auf 2 Tage, hinein zu setzen. Hierdurch haben demnach alle diese Häute, in einer Zeit von 8 Tagen, 2 Tage über inn=, und 6 Tage ausserhalb der Aescher=Grube gelegen. Alle 2 Monathe erneuert man den Aescher, indem man 2 Tonnen Kalk hinein thut, wenn man einen frischen haben will; der vorhergehende aber dient die zwey folgenden Monathe als schwacher Aescher, ohne Zuthuung frischen Kalkes; hernach aber ist er weiter nichts als abgestorbener Aescher, und dient bloß, die Häute zum Abhaaren vorzubereiten.

Wenn man den Kalk in dergleichen Tonnen aufbewahren will, so bedeckt man ihn mit vieler Asche, ohne welche er sich von der Luft löschen würde.

<68, 67>

In einer Kalk=Aescherey (Plamerie) muß man, sowohl zur Rechten als zur Linken der Aescher=Grube, Raum genug haben, damit man zwey Lager auf jede Seite setzen könne, und doch noch Platz genug sowohl zwischen den Haufen Häute selbst, als auch zwischen diesen und den Gruben, bleibe. Diese müssen auch weit genug von einander ab liegen, damit nicht das Wasser von dem einen Lager in eine andere Grube laufe, weil immer der eine Aescher besser, als der andre, ist. Der ausgeschlagene Haufen nimmt wenigstens 7 Fuß nach der Länge ein; folglich sind zwischen der Mauer jeder Seite, und zwischen der Grube, 9 Fuß Raum nöthig.”

Eine andere, etwas bessere Art der Befreyung der Häute von den Haaren, geschieht entweder bloß durch sich entwickelndes Phlogiston (Schwitzen), oder durch die vegetabilische Gährung (Beize). Schon bey dem Anfange der Bearbeitung des Sohl=Leders, nähmlich dem Einweichen, muß darauf Rücksicht genommen werden, ob man die zu Sohl=Leder bestimmte Haut durch Schwitzen, oder durch Beize, zum Haarlassen bringen will. Im ersten Falle dürfen die Häute nicht vollkommen erweichen, weil sie durch das Schwitzen in der Folge noch schlaff und weich genug werden; im zweyten Falle aber müssen sie vollkommen weich seyn, ehe sie in die Beize kommen, weil da die vorhandene Säure die Fasern der Häute eine Zeitlang zusammenzieht.

Von dem frischen und grünen Leder gehen die Haare weit leichter ab, als von dem ausgetrockneten, und daher muß der Gärber hierbey beyde Arten Häute auf verschiedene Art behandeln. Bey dem frischen Leder salzen einige Lohgärber die Häute auf der Fleisch=Seite zur Hälfte, nach der Breite gerechnet, mit Küchen=Salz ein, schlagen hierauf die andere Hälfte auf die vorhergehende, so, daß Klauen auf Klauen zu liegen kommen, und wickeln die Haut zusammen. Andere salzen die ganze Haut auf der Fleisch=Seite ein, <68, 68> schlagen Kopf, Schwanz und Füße einwärts, legen die Haut zur Hälfte zusammen, und wickeln sie zu einem vierkantigen Pack zusammen. In beyden Fällen gehört zu jeder Haut etwa 1 Metze Salz. Die zusammengewickelten Häute werden hierauf in der Werkstätte, auf einen Haufen geworfen, und bedeckt. In diesem Zustande schwitzen die Häute, wie ein Mensch schwitzt, der stark arbeitet, und daher sagt der Gärber auch, er habe die Häute in die Schwitze gebracht, Fr. mettre en echauffe. Wahrscheinlicher Weise gehen die aufgehäuften Häute in der Schwitze einiger Maßen in Faulniß, wodurch die Haare in ihren Wurzeln gelöset werden, und das Salz soll nur die Häute bewahren, daß sie nicht völlig in Fäulniß übergehen. Damit sich nun die Häute nicht zu stark in der Schwitze erhitzen, so wendet man sie täglich, oder wenigstens um den andern Tag, ein Mahl um. Die Häute müssen aber nicht 2 bis 3 Stunden zu lange in der Schwitze liegen, und daher sehr genau beobachtet werden, weil sonst bey einem gar zu starken Grade der Fäulniß Stücke abfallen. Der Gärber ersieht den Zeitpunct, wenn die Häute hinlänglich geschwitzt haben, aus der Vielheit und Stärke des Schweißes. Insgemein liegen die Häute 8 bis 12 Tage in der Schwitze. Mühfamer und umständlicher ist nun schon dasselbe Verfahren bey ausgetrockneten Häuten. Wenn diese Häute, oben beschriebener Maßen, in Wasser hinlänglich erweicht und auf dem Schabe=Baume ausgestrichen sind, salzt man sie entweder gar nicht, oder mit weit wenigerm Salze, schlägt sie hierauf zur Hälfte zusammen, und hängt sie dicht neben einander in einen Kasten (Schwitz=Kasten, Fr. étouve); der Kasten muß aber sogleich dicht verschlossen werden, damit die Luft nicht eindringen könne; denn an solchen Stellen, welche die Luft bestreichen kann, gehen die Haare von den Häuten nicht ab. In diesem Zustande erhitzen sich die Häute <68, 69> durch ihre eigene Wärme, da sie dicht neben einander hangen, und sie bleiben so lange in dem Kasten, bis sie zu riechen anfangen. Hier ist es nun, aus der eben gedachten Ursache, vorzüglich nöthig, daß die Häute nicht zu lange in dem Kasten hangen bleiben. Beyde Arten Häute, die grünen sowohl als die dürren, haben nun ihre Schwitze ausgestanden, und werden in der Folge auf gleiche Weise behandelt.

Eine andere Art, das Ausgehen der Haare durch Erwärmen, ohne Salz, zu bewerkstelligen, ist folgende. Man legt jede Haut mit der Fleisch=Seite auf einander, so daß Klaue auf Klaue kommt; bringt sie alsdann, eine über die andere, auf eine Lage von Streu=Stroh, (weil dieses weicher und zum Gähren geschickter, als neues Stroh, ist); giebt ihnen hernach von demselben Strohe noch eine Decke, wozu man aber eine größere Menge nimmt, als unter dieselben, und läßt sie in diesem Zustande einen Tag über. Den andern Tag legt man sie anders. Ein Theil von dem oben aufliegenden Strohe dient zu einer dünnen Unterlage, worauf man sie abermahl legt, da man bey den obersten den Anfang macht; des übrigen Strohes von der Decke, nebst demjenigen, wovon die vorige Unterlage war, bedient man sich nunmehr, den Haufen zu bedecken. In dieser Verfassung läßt man sie abermahl einen Tag über liegen, länger oder kürzer, nach dem die Haare fester oder lockerer in der Haut sitzen. Damit sie nicht zu sehr schwitzen, sieht man täglich 2 Mahl nach, um den Zeitpunct zu erforschen, in welchem der Grad der Gährung bis dahin gelangt ist, wo die Häute die Haare lassen. Das Haar muß (wie die Gärber sich ausdrücken,) schreyen, wenn man es wegreißt, und einen mäßigen Widerstand thun. Es ist schon hinlänglich, wenn man sie durch Gewalt der Faust wegreissen kann. Je härter es mit dem Abhaaren hält, desto besser befindet sich die Haut dabey, weil sie durch das Schwitzen nicht mürbe gemacht worden ist.

Wenn man an den Häuten, ehe sie in das Schwitzen gebracht werden, Gegenden wahrnimmt, wo die Haare ausgefallen sind, so muß man sie mit einem, in Wasser und Salz getunkten, Schwamme oder Lappen überstrei<68, 70>chen, um dadurch zu verhindern, daß sie nicht noch mehr erhitzet werden, ehe die übrigen Haare zum Ausfallen geschickt gemacht sind.

Einige Gärber setzen die Häute in einen recht warmen Mist=Haufen, der die Wärme einer Schwitz=Stube hervor bringt, und den Häuten denjenigen Grad der Wärme giebt, welcher zu ihrer Gährung nöthig ist. Man muß aber die Häute gänzlich hinein vergraben, und mit großer Sorgfalt auf den Augenblick, wo das Haar losgeht, wachsam seyn.

Durch vegetabilische Gährung (Beize) können die Häute ebenfalls zum Haarlassen gebracht werden, wenn man nähmlich so viel gut erweichte Häute, in ein, mit gesäuertem Gersten=Schrot und Wasser bereitetes, Beiz=Faß einlegt, als man bequem hinein bringen kann, dieselben täglich 2 Mahl aufschlägt, und den dritten Tag, nachdem die Häute des Morgens aufgeschlagen worden sind, so viel heißes Wasser zu dem kalten in das Beiz=Faß gießt, bis es eine Wärme bekommt, die man mit der Hand natürlich erleiden kann, *

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Wenn die Häute Jahre lang dürre gelegen haben, müssen sie auch 2 bis 3 Mahl gewärmet werden; frische hingegen lassen in guter Beize die Haare geschwinde, und fast ohne Wärme, fahren.

alsdann die Häute wieder in die erwärmte Beize legt, und jeden Tag, bis die Haare sich mit den Händen wegzupfen lassen, 2 Mahl aufschlägt.

In einigen Ländern, besonders in Ungarn, werden die zu Sohl=Leder bestimmten Häute noch auf folgende Weise haarlassend gemacht. Man legt die Häute in ein Faß, bestreuet jede besonders mit Gersten=Schrot, bedeckt sie oben mit Bretern und Steinen, gießt warmes Wasser darauf, und läßt solcher Gestalt die Häute mie dem Schrote so lange gähren, bis sie die Haare lassen. Diese Verfahrungs=Art ist zwar gut, aber etwas kostbar.

Aus der ganzen vorhergehenden Behandlung der Häute von beyder Art erhellet schon, daß nunmehr die <68, 71> Haare auf der Narben=Seite abgenommen werden müssen. Bey der ganzen Bereitung des Leders kommt keine so harte Arbeit vor, als das Abstoßen der Haare bey Bearbeitung des Sohl=Leders ist, besonders wenn solche, zu Sohlen taugliche Häute ein Par Jahre roh (trocken) gelegen haben, oder im Sonnen=Scheine bey heißen Sommer=Tagen getrocknet worden sind, als wodurch die Haare am Zell=Gewebe so fest verbunden worden sind, daß sie sich auf keine andere Weise, als durch Gewalt, von den Häuten wegbringen lassen; daher werden zur Verrichtung dieser Arbeit gesunde und starke Leute erfordert, die dieselbe nicht nur gehörig verrichten, sondern auch in die Länge ausdauern können. Die Arbeit selbst wird auf einem aufgestellten Schabe=Baume, PfeiliconFig. 3985, mit dem stumpfen Schabe= oder Streich=Eisen, PfeiliconFig. 3986, verrichtet, indem man die Haut so auf den Schabe=Baum legt, daß die Haar=Seite oben ist, und man stets den Haaren entgegen arbeiten kann. Der Arbeiter führt hierbey das Eisen eben so, als vorher, da er das Wasser ausstrich. Von grünen Häuten kann man die Haare, vermittelst des Schabe=Eisens, ohne Mühe, auf jeden Zug einen Streifen wegbringen; bey dürren Häuten aber läßt sich nur die Feuchtigkeit aus den Haaren drücken, und die Haare selbst müssen mit Gewalt, vermittelst Einstreuung eines feinen Sandes, der mit den Händen dazwischen gerieben wird, abgesioßen werden, indem alsdann das Streich=Eisen desto besser angreift, und die Haare abnimmt. Bey B, in PfeiliconFig. 3982, sieht man einen Arbeiter, welcher abhaart.

Die von Haaren gereinigten Häute, werden nun auf die bereits oben gedachte Art in frisches Wasser gehängt, und müssen daselbst 4 bis 6 Tage schwimmen oder fließen. Durch dieses Fließen im Wasser werden die, insonderheit animalischen, Theile, welche durch die Beize, vornehmlich aber durch das Schwitzen, in ein <68, 72> stinkendes Oehl aufgelöset sind, durch die Bewegung des Wassers abgespühlet, und die Häute zum Aufschwellen tauglich gemacht. Es hängt von der Witterung ab, ob die Häute eine längere oder kürzere Zeit im Wasser bleiben müssen; und auch hierbey werden sie im Sommer in einer kürzern Zeit ausgewässert, als im Winter. Es gilt auch hier, was bereits oben bey dem Einweichen gesagt ist, daß die Häute, während daß sie im Wasser fließen, täglich einige Mahl ausgespühlet werden müssen, weil sich wieder Schleim auf dieselben setzt, der das Sohl=Leder angreift oder schwächt, und bey dem Ober=Leder, wovon nachher die Rede seyn wird, sogar die Narben verletzt. Nach dem Einweichen in Wasser, werden die Häute abermahl auf dem Streich=Baume mit dem Streich=Eisen gestrichen, und hierdurch wird alles Wasser wieder herausgebracht; zugleich werden die Häute nach dem Ausstreichen geputzet, da nähmlich der Gärber die vorspringenden Grund=Haare mit einem Putz=Messer, PfeiliconFig. 3991, welches ein gewöhnliches, großes aber scharfes Messer ist, so genau wie möglich abscheret; denn das vorhergehende Pälen mit dem Streich=Eisen nimmt diese Grund=Haare nicht ab; und bey schwarzhaarigen Häuten hält es sogar schwer, diese Haare durch das Putzen wegzuschaffen. Die an den Rändern der Haut übrig gebliebenen Haare werden mit einem stumpfen Messer weggezupfet. Einige verrichten dieses auch während dem Haar=abstoßen, weil es zugleich dem Arbeiter zu einer kurzen Erhohlung dient.

Durch die bisher beschriebenen Arbeiten sind zwar die Häute von den äussern Unreinigkeiten und den Haaren befreyet worden; allein die Reinigung von dem Schmutze, Fette, und schleimigen Wesen, welches inwendig in der Haut sitzt, erfordert noch eine eigene Behandlung. Dieses geschieht, nach der fehlerhaftesten Art in einem Kalk=Aescher, wobey aber die in dem <68, 73> fressenden Kalke geschwellte Haut allemahl schwammig wird, und Feuchtigkeit an sich zieht; ein Umstand, der unmöglich gutes Leder versprechen kann! Nach einer bessern Methode, bringt man die Blößen, d. i. die enthaarten Häute in die Treib=oder Schwell=Farbe, (Beize) Fr. Passement, welche aus klein gehackter Birken=Rinde und der sauern Brühe von der Eichen=Lohe, worin schon vorher Leder gegärbet worden, und die zum fernern Gärben unbrauchbar ist, gemacht wird. Diese Behandlung der Häute hat zwar ihre Benennung dadurch erhalten, daß die Farbe die Haute, welche vor dem Färben weiß sind, braun färbt; die Haupt=Absicht aber, weshalb die Häute in die Treib=Farbe gebracht werden, ist, daß sie in der Farbe aufgetrieben werden, und hierdurch aufschwellen, damit die Zwischenräume derselben sich öffnen, und die eichene Lohe in der Folge eindringen könne. Zugleich giebt diese Treib=Farbe dem Leder eine Dicke und Stärke, daher wird dieselbe, wie gesagt ist, aus birkener Rinde oder Lohe, welche von Natur eine vorzügliche Schärfe hat, und zugleich aus einer Sauer=Brühe verfertigt. Die birkene Rinde wird nicht, wie die eichene, gestampft oder gemahlen, sondern nur mit einem Beile auf einem Hau=Blocke in kleine Stücke gehauen. Die Sauer=Brühe gewinnt der Gärber, gedachter Maßen, aus der eichenen Lohe, worin Leder eingesetzt und gegärbet sind, wie die Folge lehren wird. Er gießt diese zum Gärben unbrauchbare Lohe in eine Wanne, in deren Mitte oder an deren Seite ein hölzerner durchlöcherter Verschlag oder Kasten ist, in welchen sich die von der Lohe abgesonderte Brühe zieht, und zu dem gedachten Gebrauch ausgeschöpfet wird. Zu einer Mischung von Birken=Lohe und Sauer=Brühe wird noch jederzeit Wasser hinzu gegossen. Um die Kraft dieser Treib=Farbe zu verstärken, pflegt man auch noch, verschiedene Gährungs=Mittel hinzu <68, 74> zu setzen, z. B. Sauerteig, Schrot von Getreide, Branntwein=Trank, Tauben=, Hühner= und Hunde=Koth, u. dgl.; doch soll Schrot und Branntwein=Trank der Dauer des Leders nachtheilig seyn. Eine solche Mischung der gedachten Dinge heißt nun Treib=Farbe oder Schwell=Brühe, und man mischt diese Dinge in einer mit Bretern oder Bohlen ausgeschälten Grube, welche in der Werkstätte Treib=Kasten, Treib=Grube, Farben=Grube, oder schlechtweg Farbe, genannt wird. Ich erinnere hierbey ein für allemahl, daß das Leder jederzeit in ausgeschälten Gruben gargemacht wird, weil es in der Erde frisch und kühl bleibt; denn die Wärme ist bey der Loh=Gärberey überhaupt, insbesondre aber bey dem Sohl=Leder, nachtheilig. Die Farben=Grube, wovon izt die Rede ist, hat verschiedene Abtheilungen oder Fächer, deren zuweilen 18 bis 40 sind. Je mehr Fächer vorhanden sind, desto öfter und besser kann das Leder getrieben werden. In der ersten Abtheilung mischt man nur wenig Birken=Lohe, Sauer=Brühe und Sauerteig unter das Wasser, in der zweyten Abtheilung schon mehr, und so wird in der Folge von oben gedachten Dingen in der nächstfolgenden Abtheilung immer weniger Wasser und mehr Birken=Lohe, Sauer=Brühe und Sauerteig genommen, als in dem nächstvorhergehenden Fache. Die Häute, welche der Loh=Gärber in der Farbe beysammen treiben will, bringt er zuerst in die schwächste Farbe der ersten Abtheilung, und rührt sie zuweilen mit einer Krücke um. In dieser Abtheilung bleiben sie nur einen Tagliegen Nach Verlauf dieser Zeit werden sie aus dieser Abtheilung heraus genommen, und in die nächstfolgende zweyte geworfen. In die erste Abtheilung wirft der Loh=Gärber wieder frische, noch nicht gefärbte Häute. So werden nun an jedem Tage die erstgedachten Häute ein Fach weiter in eine stärkere Farbe gebracht; die zulezt ge<68, 75>dachten Häute nimmt jederzeit das Fach, woraus das erste geworfen ist, ein; folglich kommen in die erste Abtheilung täglich frische, noch nicht gefärbte Häute, und die Häute in jedem Fache werden in das nächstfolgende geworfen, bis die Häute, die in einem Fache beysammen liegen, alle Abtheilungen durchgegangen sind. Ist die Sache also erst im Gange, so sind stets alle Fächer der Farben=Grube mit Häuten angefüllt, und in jedem Fache werden diese täglich ein Par Mahl mit einer Krücke aufgerührt; denn die Farbe in einer Abtheilung erhält nie eine neue Beymischung von Birken=Lohe und Sauer=Brühe, und sie bleibt, so wie sie gemischt ist, so lange brauchbar, bis sie anfängt zu faulen, und keine Kraft mehr hat; doch schöpft man zuweilen mit einem von Draht geflochtenen Fisch=Korb, PfeiliconFig. 3992, die oben schwimmende Birken=Rinde oder Lohe ab. Aus dieser hat die Kraft sich bereits herausgezogen, und man trocknet und verbrennt sie daher. Die Farbe ist aber am kräftigsten und besten, wenn sie völlig sauer geworden ist, und in diesem Zustande treibt sie am besten; doch verliert sie endlich, wenn sie lange gebraucht ist, ihre braune Farbe, die sich in die gefärbten und getriebenen Häute nach und nach einzieht. Die anfangs weißen Häute werden also in der Farbe nach und nach brauner, so wie im Gegentheil die Farbe, nach und nach ihre braune Farbe verliert und endlich in Fäulniß übergeht, welches daraus erhellet, wenn die Farbe die Häute nicht mehr treibt. In diesem Falle wird täglich aus einem Fache der Treib=Grube, von dem ersten bis zum lezten, die faule Farbe weggeschaffet, und dagegen eine neue Farbe nach der obigen Vorschrift gemischet. Wenn nun der Gärber 50 bis 60 Häute beysammen hat, die sämmtlich alle Abtheilungen der Farbe durchgegangen sind, so bringt er sie in die Wasser=Farbe. Diese Farbe wird bloß aus Birken=Lohe und Wasser zusam<68, 76>mengesetzt; und ungeachtet sie nur Wasser=Farbe heißt, so hat sie doch in sofern die mehreste Stärke, daß am mehresten Birken=Rinde beygemischt ist. Mit dieser Farbe stehen die Häute etwa 14 Tage in einer Grube oder einem Gefäße.

In den Gruben dieser Brühen schwellen die Häute auf, und die Säure des Schwell=Mittels bewahrt die Häute vor Fäulniß. Indessen schlagen diese Brühen im Sommer, insonderheit bey Gewittern, leicht um, oder verderben, da sich dann ein vorsichtiger Gärber mit einem Zusatze von Alaun oder Pott=Asche zu helfen sucht. Andere werfen, bey Annäherung eines Gewitters, Eisen in die Brühe, welches vorher in reine Leinwand gewickelt worden ist, um dadurch zu verhindern, daß das Eisen nicht die Häute beflecke. Andere glauben, daß ein Pfund Salz, oder 1/2 Pf. Salmiak, das Umschlagen der Schwell=Farbe verhindern könne. Ist die Farbe einmahl umgeschlagen, so ist kein Hülfs=Mittel mehr übrig; die Häute werden alsdann zum Lohgarmachen nicht genug aufgeschwellet; ihre Fäserchen werden weich und schlaff; sie sind schwammicht, und lassen sich von der styptischen Eigenschaft nicht mehr angreifen, welches doch zu einer guten Lohgare nöthig ist; daher ist auch die Sommer=Hitze, im Jul., Aug. und Sept., den Schwell=Farben gefährlich.

Wenn die Schwell=Farben gefrieren, so läßt man die Häute ganz ruhig unter dem Eise. In diesem Zustande kommen sie zwar nicht weiter, aber sie verlieren auch nichts von ihrer Güte; allein die Schwell=Farbe verliert man, denn alsdann ist sie ganz untauglich geworden, und muß weggeworfen werden.

Mit Gerste gebeizte Häute (des Cuirs à l' Orge).

Ausser der in einigen Ländern, vornehmlich in Frankreich gebräuchlichen Methode, die Hänte durch Kalk=Wasser zu schwellen, (s. oben, Pfeil-IconS. 59, fgg.) hat man gefunden, daß eine Gährung, welche man durch die Kunst <68, 77> macht, und mit Vorsicht leitet diese Wirkung in kürzerer Zeit und auf eine vollkommnere Art hervorbringen könne. Diese Methode besteht darin, daß man einen Teig von Gersten=Mehl säuern läßt, und ihn in das Wasser rührt, in welches man sodann die Häute einweicht. Dieses saure Wasser richtet in den Häuten eine saure Gährung an, wovon dieselben sich erweitern und aufschwellen, ohne daß sie, wie von dem Kalke geschehen muß, angefressen und geschwächet werden. Diese Methode läßt sich auf verschiedene Weise ausüben.

Die Häute, welche man in der Gersten=Brühe vorbereiten will, müssen vorher, wenn sie noch frisch sind, vom Blute, und wenn sie trocken und eingesalzen sind, vom Salze gereinigt seyn; sie müssen auch, durch Einlegen in Wasser, durch Streichen und Treten mit den Füßen, eben so wie diejenigen, welche man mit Kalk bearbeiten will, weich gemacht werden.

Wenn man Häute mit Gersten=Beize gärbt, so ist vorzüglich daran gelegen, sie aus dem Flusse wohl zu arbeiten. Das Wasser muß hell seyn, und der kleberige Theil wohl ausgedrückt werden, weil es sonst die Gährung der Gersten=Beize (Passement d' Orge) verhindern würde, indem es mit seinem Schleime die unmerklichen Theile umwickelt, deren innere Bewegung die Gährung hervorbringt. Wenn die Häute im Wasser gelegen haben und wohl geweicht sind, muß man sie durch die saure Gährung zum Aufschwellen bringen. Es ist bekannt genug, daß das Mehl, welches man mit Wasser anmacht, dergleichen der gewöhnliche Brod=Teig ist, zu gähren und sauer zu werden anfängt, und daß in diesem Zustande der Teig aufläuft, sich erhebt und warm wird. Eben dieses ist auch die Wirkung, welche man vermittelst der Gerste, die mit Wasser eingerührt wird, in den Häuten hervorbringt.

Man nimmt ungefähr 100 oder 110 Pf. Gerste zu einer Beize auf 8 Häute; ich setze aber hier nur mittelmäßige Häute voraus, die 25 Pf. wiegen, wenn sie trocken (secs à l' Oreille), oder 50, wenn sie noch grün (à la Raie) sind. Einige thun alles Mehl auf ein Mahl hinein, wenn sie die Häute in die Beize (Passement) setzen wollen. Andere säuern 25 Pf. Mehl, den Abend vorher, mit einem Kessel voll warmen Wasser ein, und fügen das übrige Mehl erst 12 Stunden hernach hinzu. Einige setzen auch <68, 78> etwas Wein=Essig zu, die Gährung dadurch zu beschleunigen.

Die Häute, welche durch die Gersten=Beize gehen, werden gemeiniglich in zwey Hälften (Bandes) geschnitten, ehe sie hinein gesetzt werden, an statt dessen, daß die Häute, welche durch das Kalk=Wasser gehen, mehrentheils ganz bleiben.

Im Sommer sind die Häute an einigen Orten 6 Wochen, im Winter aber 3 Monath, in der Gersten=Beize, ehe sie hinlänglich aufgeschwollen sind. Sie werden täglich ein Mahl heraus auf Breter geschlagen, welche auf dem Rande der Kufe sind, wo sie 2 bis 3 Stunden bleiben, alsdann aber wieder hinein gesetzt werden. Man weis, daß die Berührung der Luft die Gährung unterhält und befördert.

In PfeiliconFig. 3993, sieht man, bey A, Häute, welche über den Rand der Kufen geschlagen sind; und PfeiliconFig. 3994, dieselben Häute, wie sie in einen Haufen zusammen ablaufen.

In der Gegend von Sedan, wendet man, bey Zubereitung der Häute mit Gerste, 9 bis 10 kleine Kufen dazu an, die ungefähr 6 Muid (Malter) enthalten, deren jede ihren Grad der Stärke besonders hat. Diejenige, welche ein Mahl in der Arbeit gewesen ist, wird um einen Grad geringer, und an statt die zehnte zu seyn, ist sie nun die neunte in der folgenden Arbeit. Diejenige, die 2 Mahl in der Arbeit gewesen ist, ist nun die achte; und so in der Folge bis zu der, die schon 9 Mahl gedient hat, welche in der Ordnung der Arbeit die erste und die schwächste wird.

In das erste Gersten=Wasser, welches dergestalt geschwächt ist, und schon 9 Mahl gedient hat, werden anfangs 5 Häute geworfen, in welchem sie 1 oder 2 Tage bleiben. Von da kommen sie in die zweyte Kufe, welche etwas stärker, d. i. etwas saurer, ist, weil sie nicht mehr als 8 Mahl gedient hat. Und solcher Gestalt gehen die Häute nach und nach, durch alle die andern Kufen. Bisweilen bringt man die Häute nur bis zur dritten oder zweyten Kufe, wenn man sie noch von so vieler Wirksamkeit findet, daß es, sie in eine neue zu setzen, unnöthig ist.

Das saure Wasser der ersten und schwächsten Kufe, welche schon 10 Mahl gedient hat, ist deswegen noch nicht <68, 79> immer an Kräften erschöpft; man braucht es daher so lange, als es zu dieser ersten Bereitung noch tüchtig zu seyn scheint; und so auch die folgenden. Mit dem Loh=Wasser, welches zu dem Lohbrüh=Leder (Cuir à la jusée) dient, wovon weiter unten gehandelt werden wird, hat es gleiche Bewandtniß; man hebt es nicht über seinen bestimmten Zeitpunct auf, und jedes Mahl wird die geringste Kufe, welche 10 Mahl gedient hat, ausgeleeret, wenn nähmlich 10 Kufen in der Arbeit gehen.

In verschiedenen Provinzen bedient man sich zu einer Zubereitung, dreyer Kufen. Man macht nähmlich dreyerley Beizen; eine abgestorbene, eine schwache, und eine neue, (Passement mort, foible, neuf,) und zwar auf folgende Weise. Die Häute, welche hinlänglich aufgeweicht sind, werden so lange in eine abgestorbene Beize gesetzt, bis sie die Haare lassen. Denn gleichwie die abgestorbenen Kalk=Aescher anfangs nur dazu dienen, die Häute zu enthaaren, eben so werden auch die abgestorbenen Beizen gebraucht, die Häute zu den neuen Beizen vorzubereiten, und das Haar ausfallend zu machen.

Wenn das Haar nach einer, oder zwey Beizen, zum Ausfallen gebracht ist, wird es auf dem Schabe=Baume mit dem stumpfen Schabe=Eisen abgehaaret; dann wirft man sie 12 oder 24 Stunden lang, nach dem es nöthig ist, in klares Wasser, nimmt sie wieder heraus, und setzt sie in eine schwache Beize, woraus man sie täglich 1 Mahl schlägt, bis sie stark erscheinen. Wenn sie lange genug in der schwachen Beize gewesen sind, reinigt man sie vom Fleische. Hernach wirft man sie wieder, etwa zu 6 Stunden, in Wasser; dieses nennt man das Wässern aus der schwachen Beize (le Trempement du foible).

Die dritte Beize muß neu und so verfertigt seyn, wie bereits gezeigt worden ist. Auf eine Haut, welche 24 lb. wiegt, wenn sie trocken ist, rechnet man ungefähr 12 lb. Gersten=Mehl. Hiervon nimmt man anfangs den vierten Theil, und säuert es ein; wann der Teig aufzugehen anfängt, welches nach etlichen Stunden geschieht (es müßte denn eine strenge Kälte die Gährung verhindern), so rührt man diesen Teig, nebst dem Mehle, in eine Kufe ein, in welcher so viel Wasser ist, als man zu den Häuten, die man hinein setzen will, nöthig hat. Die Häute werden alle Tage aus dieser neuen Beize genommen, und wie<68, 80>der eingesetzt, so lange, bis sie hinlänglich aufgeschwollen sind.

Die Arten dieses Verfahrens sind verschieden; z. B. in der Manufactur in der Vorstadt Saint=Marceau, bey der Kirche St. Hippolyte, arbeitet man mit 5 Gängen (Trains) zugleich, davon jeder aus 4 Kufen besteht, wie man bey 1, 2, 3, 4, PfeiliconFig. 3993, sieht. Jede dieser Kufen ist 3 Fuß hoch, und hat 4 1/2 F. im Durchmesser. In jede Kufe werden 8 Häute gesetzt; folglich enthält ein Zug deren 32. Alle Häute, welche in der Beize sind, werden täglich 2 Mahl ausgeschlagen oder eingesetzt. Alle 4 Tage macht man in einer der 4 Kufen eine neue Beize; nähmlich in derjenigen Kufe, welche die schwächste enthält. Nachdem man diese alte Beize weggegossen und die Kufe ausgewaschen hat, wird die dritte Beize die lezte, oder die schwächste; und diejenige, welche die erste und stärkste war, befindet sich nun in der Stelle der zweyten. Die 8 Häute, welche alle 8 Tage in jeden Gang genommen werden, setzt man bey ihrer Ankunft, auf 8 Tage, in die vierte Beize, welche die schwächste ist; 4 Tage nachher in die dritte, welche ebenfalls schwach ist; hernach in die zweyte, und dann in die erste. Nach 16 Tagen haaret man sie ab, und alsdann fängt man an, die Häute in vier andere Beizen zu setzen. Anfangs giebt man ihnen eine neue Beize, welche aber schon ein Mahl gedient hat; 4 Tage darauf eine gleiche, die ebenfalls schon 4 Tage gedient hat; alsdann aber giebt man ihnen zwey Beizen, die ganz neu sind, und bisweilen noch eine dritte, die ganz neu ist. Solcher Gestalt nimmt eine Haut den Weg von vier Kufen 2 Mahl. Diejenige Kufe, in welche die Haut, bey ihrer Ankunft vom Fleischer, zuerst gesetzt wurde, ist auch diejenige, aus welcher sie in die rothe Beize kommt.

Jede neue Beize auf 8 Häute, wie man sie zu Paris bearbeitet, wird von 10 gestrichenen Boisseaux, oder von 130 lb. gemahlener Gerste, etwas mehr oder weniger, gemacht. Drey dieser Boisseaux werden abends vorher eingesäuert, dieser Teig aber wird alsdann in warmes Wasser gerührt.

Dieser Zeitraum von 32 Tagen ist hinreichend, die Häute zu den gehörigen Grad ihrer Zubereitung zu bringen, es sey im Sommer, oder im Winter. Doch zur <68, 81> Winters=Zeit gießt man bisweilen warmes Wasser hinzu, die Gährung dadurch zu beschleunigen; z. B. 5 bis 6 Eimer in eine Beize.

Was die Menge der Lohe, welche die Gersten=Häute erfordern, betrifft, so nimmt eine frische Haut von 100 lb., ungefähr 200 lb. Lohe an; nähmlich 50 in der rothen Beize, 60 in der ersten Loh=Grube, 50 in der zweyten, und 40 bey dem dritten Satze. An einigen Orten theilt man die Lohe nach Körben aus, worein ungefähr 45 lb. gehen. Man setzt alsdann (auf 8 Häute) 3 Körbe voll in die rothe Beize, 16 in die erste Grube, und 8 in jede der beyden folgenden Gruben.

Wenn die Häute in den Gersten=Beizen, welche man die weißen Beizen (Passements blancs) nennt, genug aufgetrieben sind, werden sie in die rothe Beize gesetzt, welche bloß aus klarem Wasser, in welchem man zwischen jede Haut 2 bis 3 Handvoll Lohe streuet, besteht. In solchem Zustande bleiben die Häute 3 bis 4 Tage; hernach thut man wieder eben so viel Lohe in dieselbe Beize, und die 3 folgenden Tage sind hinlänglich, die Häute in einen Zustand zu setzen, wo sie, wie die gekalkten Häute, in die Grube mit Lohe gesetzt werden können. Diese rothen Beizen geben den Häuten einen Grad der Festigkeit, welcher deswegen nöthig ist, damit sie in der Grube von der Wirkung der Lohe nicht überraschet, und zu schnell zusammengezogen werden, wovon weiter unten ein Mehreres gesagt werden wird.

Eine kürzere Methode ist folgende, nach walachischer Art.

Die Häute nach walachischer Art in warmer Beize zu zubereiten.

Zu einigen Leder=Arten, wird die Treib=Farbe oder Beize, welche aus einem säuerlichen Wasser besteht, warum gemacht. Dieses geschieht in Frankreich bey denen Häuten, die nach walachischer Art zubereitet werden, Cuirs de Valachie, oder de Valaquie, welche Benennung daher rührt, weil diese Methode, die Häute in einer einzigen warmen Kufe mit Gerste zu zubereiten, aus der Walachey gekommen seyn soll. Unterdessen da die Häute schwitzen, macht man zum Aufschwellen derselben einen Teig von gu<68, 82>tem Weizen=Mehl. Man mengt 20 lb. Mehl mit Wasser und etwas Sauerteige an, und knetet alles unter einander, wie einen Brod=Teig; man füget auch wohl, wenn man will, noch 1/2 Septier, oder 16 Loth Wein=Essig, hinzu, die Säure desto eher hervor zu bringen. Diesen Teig läßt man, in einer gelinden Wärme mit Leinwand oder einem wollenen Zeuge bedeckt, 2, 3 bis 4 Tage stehen, ohne ihn anzurühren. Alsdann ist er sauer genug, und geschickt, die Mischung daraus zu machen, in welcher die Häute schwellen müssen. Die zu dem ersten Sauerteig vorgeschriebenen 20 lb. Mehl, sind zu 6 bis 7 großen Häuten, wovon das Stück grün 80 lb. wiegt, oder zu 9 bis 10 Häuten von jungem Viehe, hinlänglich. Aus diesen 20 lb. Mehl werden 30 lb. Teig, weil man zum Einkneten ein Drittel warmes Wasser nöthig hat. Wenn der Teig recht sauer ist, wird zur Zusammensetzung geschritten; zu welcher Absicht man sich einer Kufe bedient, die 5 Schuh im Durchmesser, und 3 zur Höhe, hat. Sechs Häute zu bearbeiten, ist eine einzige Kufe genug; wenn man aber eine größere Anzahl Häute bearbeiten will, hat man auch mehr dergleichen Kufen nöthig.

Die Gefäße, welche man hierzu gebraucht, müssen von allen fremden Sachen, die man etwa vorher könnte darin gehabt haben, recht gut gereinigt seyn, dergleichen Kalk, Lehm, Oehl, oder andere dergleichen Materien sind, die sich zur sauern Gährung, welche man doch hervorzubringen sucht, nicht schicken.

Man füllet jedes Treib=Faß, in welches man Schwell=Farbe setzen will, bis zur Hälfte seiner Höhe, mit klarem und reinem Wasser an; aus jedem aber nimmt man 6 bis 8 Eimer Wasser wieder heraus, und bringt es in einen Kessel, der über dem Feuer steht; wenn dieses Wasser kochend ist, nimmt man einen Theil davon, und rührt mit demselben, in einem besondern Gefäße, ungefähr 60 lb. gemahlene Gerste, für jede Schwell=Farbe auf 6 Häute, ein. Man bemühet sich, alle Klümperchen zu zerdrücken, welche sonst ohne Wirkung und verloren wären. Alsdann verdünnet man diesen Teig mit kaltem Wasser, bis er die Stärke eines Teiges, woraus man starken Kleister machen wollte, hat. Diesen Teig thut man in den Kessel, und rührt ihn ohne Aufhören mit einem Stabe um; dadurch zu verhindern, daß das Mehl sich nicht ansetze, und <68, 83> sich an den Boden des Kessels brenne. Solchergestalt läßt man ihn mit starkem Aufwallen kochen, so, daß er bis zu 3 Mahl in die Höhe steigt. Man vertheilt alsdann diesen Kleister in die zur Schwell=Farbe bestimmten Kufen. Hier rührt man ihn mit einer Schaufel wohl um; erst rechts, und dann links, um dadurch die innere Bewegung, welche man hervorzubringen sucht, zu erleichtern. Wenn man nachläßt, das lezte Mahl umzutreiben, muß man dem Kreislaufe der Flüssigkeit die Schaufel entgegen stellen, ihn schnell anzuhalten, welches zur Gährung beförderlich ist. Von dieser Mischung nimmt man aus jeder Kufe einen oder zwey Eimer voll zum Sauerteige, und setzt es wieder über das Feuer; unterdessen aber deckt man die Treib=Fässer mit Bretern, die man gut an einander füget, wohl zu. Wenn die Mischung über dem Feuer zu sieden anfängt, auch noch ehe sie den ersten Wall thut, nimmt man den Kessel vom Feuer weg, und bedient sich derselben, in einem besondern Gefäße, den Sauerteig von Weizen, welcher schon oben beschrieben ist, darin zu zerlassen. Nachdem dieser Sauerteig mit der Mischung von Gerste zusammengerührt ist, wird er zu gleichen Theilen in die Treib=Fässer geschüttet. Bisweilen macht man ihn auch heiß, um dadurch die Wärme der Mischung zu vermehren.

Diese Kufen oder Schwell=Farben müssen zwar warm seyn, aber doch so, daß man die Hand bis an die Hälfte des Armes, ohne Schmerz darin halten kann. Auf jede Kufe streuet man 6 lb. Salz, rührt sie um, deckt sie wieder zu, und läßt sie 10 bis 14 Tage zum Säuern stehen; doch muß man sie täglich 2 Mahl umrühren und unter einander mengen, deckt sie aber sogleich wieder zu, damit nicht eine zu kalte Luft die Gährung aufhalte oder unterbreche.

Hierauf macht man einen Teig, auf dieselbe Art wie den oben erwähnten, nur mit dem Unterschiede, daß man auf 6 Häute nur 16 lb. Mehl nimmt, an statt daß man deren dort 20 nahm. Diesen zweyten Sauerteig setzt man, wie den ersten, an einen warmen Ort, welcher die Gährung zu erregen geschickt ist. Diese 16 lb. Mehl werden ungefähr 25 lb. Sauerteig geben. Dann gießt man die saure und klare Flüssigkeit der ersten Zusammensetzung in andere Gefäße, worin das Treiben vor sich gehen soll, um eine zweyte Mischung daraus zu machen, welche man <68, 84> die Ergänzung (Complément) nennt, welche wie die vorhergehende gemacht wird; die Hefen aber wirft man weg.

Aus jedem dieser Treib=Fässer, welche das klare und saure Wasser enthalten, schöpft man 6 bis 7 Eimer voll, und gießt es in einen Kessel, welcher über dem Feuer steht. Nachdem es so gekocht hat, daß es 3 Mahl aufgestiegen ist, nimmt man einen Theil davon heraus, und rührt noch 50 lb. gemahlne Gerste hinein, nähmlich auf jede Haut ungefähr 8 lb.; das Uebrige der heißen Flüssigkeit wird alsdann nach und nach auch noch hinzu gegossen. Wenn diese Flüssigkeit mit dem neuen Gersten=Mehle wohl vermengt ist, schüttet man alles wieder in den Kessel; und wenn es wieder gelinde aufgekocht hat, so vertheilt man es in die verschiedenen Kufen.

Wenn man die Schwell=Farben mit dem neuen Gersten=Wasser wohl umgerührt hat, nimmt man wieder einen oder zwey Eimer voll heraus, um es zu erhitzen. Sobald es kocht, rührt man den zweyten Sauerteig hinein, der vor diesem mit 16 lb. Mehl gemacht ist, und gießt diesen zweyten Sauerteig, welcher dergestalt eingerührt ist, in verschiedene Kufen. Zu diesen neuen Kufen thut man auch noch 5 bis 6 lb. Salz, wie bereits von den andern Kufen gesagt ist, und rührt alles wohl unter einander. Man nimmt auch 2 oder 3 Eimer voll heraus, und setzt es, während dem ganzen Aufschwellen, über das Feuer. Auch nimmt man verschiedene Eimer voll heraus, um es aufzuheben, so, daß nicht mehr als 8 Zoll Flüssigkeit bleiben.

Wenn diese Art des Verfahrens, nähmlich durch 2 Mahl Gerste und 2 Mahl Sauerteig eine weiße Schwell=Farbe zu machen, zu mühsam schiene, der könnte weit leichter dazu gelangen, wenn er 30 lb. Sauerteig, 120 lb. Gerste, und 6 lb. Salz, zu jedem Treib=Fasse auf 6 Häute anwendete.

Wenn das Salz in die Schwell=Farben geworfen ist, muß man es wohl umrühren. Man schöpft aus jeder Kufe 2 oder 3 Eimer Flüssigkeit, und hält es die Zeit über, da die Häute in der Beize liegen, in einem Kessel über mäßigem Feuer, damit man in die Treib=Fässer nachzugießen habe, und sie in Wärme erhalte. Alsdann nimmt man noch mehr Eimer voll heraus, und hebt sie in einer Kufe auf, so, daß in jedem Treib=Fasse nicht mehr bleibt, <68, 85> als nöthig ist, um die Häute, die hinein kommen sollen, damit zu bedecken. *

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Guimard hat, nach den Erfahrungen, die er im J. 1748 zu Pau gemacht hat, versichert, daß es besser sey, die Mischung auf ein einziges Mahl zu verfertigen, als es auf 2 Mahl, nähmlich durch Grundstoff und Ergänzung, zu thun. Und in Wahrheit, die Zeit und das Holz, so man dazu nöthig hat, nicht gerechnet, kann es seyn, daß die Ergänzung, die mit neuer Gerste gemacht wird, die Säure des Grundstoffes, die sich zu entwickeln schon den Anfang gemacht hatte, schwächt. Hierdurch wird die Wirkung verzögert; und wenn man eine gute Gährung wieder herstellen will, so ist man genöthigt, einen Grad des Feuers zu geben, welcher den Häuten aus andern Ursachen nachtheilig ist.
Die Mischung auf ein einziges Mahl zu machen, hat man verschiedene Arten gebraucht, deren eine beynahe wie die andere gelungen ist.
1. Mit gemahlner Gerste, oder gemahlnem Rocken, (ohne Sauerteig,) welche man Abends vorher mit kochendem Wasser eingemengt hat.
2. Zu gleichen Theilen von gemahlner Gerste und Sauer=Teige in fast kochendes Wasser gerührt, wenn man die Häute hinein setzen will.
3. Mit 1/2 Boisseau Weizen=Kleyen, ohne Sauerteig. Diese Kleyen übergießt man mit heißen Wasser, läßt es einen Tag über zum Gähren stehen, und dann, wann man sie zum Schwellen gebrauchen will, setzt man noch auf jede Haut 1 Pfund Salz hinzu.
4. Man kann auch Sauerteig, Gerste und Rocken zugleich nehmen, welches wohlfeiler ist, als der Weizen; und es sind alsdann 6 bis 8 Pfund Rocken zu einer Haut hinlänglich. Wenn der Teig aufgeht, so ist es Zeit ihn zu gebrauchen. Wenn man sich seiner bedienen will, ist weiter nichts nöthig, als ihn in Wasser zu rühren, welches mehr als laulich ist, und, wie vorhin, Salz hinzu zu fügen, wenn man im Begriff steht, die Häute hinein zu setzen.

Wenn die Brühen (les Eaux) sauer, und alle Anstalten gemacht sind, nimmt man die vorher enthaarten und auf dem Schabe=Baume abgestrichenen Häute, und setzt sie auf 2 Minuten in die Schwell=Farbe, sie überschlagen zu lassen, und allmählich an die Hitze der Beize zu gewöhnen. Alsdann hebt man sie heraus, auf den Deckel der Kufe, und läßt sie 3 Min. über ablaufen. Unterdessen rührt man die Mischung wohl um. Hernach setzt man die <68, 86> Häute wieder hinein, deckt das Treib=Faß zu, und erhält den gleichen Grad der Wärme dadurch, daß man von der Mischung, die man zurückbehalten hat, zugießt. Eine Viertel=Stunde nachher schlägt man dieselben Häute abermahl aus der Kufe, und läßt sie auch 1/4 Stunde lang ablaufen. Eine halbe Stunde nach dem zweyten Ausschlagen, nimmt man sie wieder heraus, und läßt sie auch 1/4 Stunde ablaufen. Eine Stunde nach dem dritten Ausschlagen, nimmt man sie zum vierten Mahl heraus, und läßt sie ein wenig ablaufen. Eine Stunde nach dem vierten Mahle, schlägt man sie zum fünften Mahl aus, und giebt ihnen zum Ablaufen 1/2 Stunde Zeit. Endlich schlägt man sie zu Ende von 12 Stunden, das sechste Mahl, und nach einer gleichen Zwischenzeit zum siebenten Mahl aus. Den andern Tag werden sie 2, auch wohl 3 bis 4 Mahl ausgeschlagen, wenn die Häute von einer schlechten Beschaffenheit sind, und schwer zu schwellen scheinen. Jedes Mahl rührt man die Brühe auf, damit nicht alles Gersten=Mehl auf dem Boden sitzen bleibe; und wenn man die Häute 1/2 Stunde lang hat abtriefen lassen, so bedeckt man das Treib=Faß recht genau. Man muß, wie bereits erinnert worden ist, den Grad der Hitze dergestalt stets erhalten, daß man nur die Hand darin leiden kann, und man gelangt hierzu vermöge des Kessels, mit welchem man die rückständige Materie stets auf dem Feuer hält. Dieser dient nicht bloß zum Erwärmen, sondern auch die Materie, welche zum Theil verfliegt, zum Theil von den Häuten verschluckt wird, wieder zu ersetzen. Uebrigens müssen die Häute in den Treib=Fässern stets bedeckt seyn. Dieses verschiedene Ausschlagen der Häute, welches von dem Ablaufen begleitet wird, verursachet, daß die Mischung allenthalben angreift und durchdringt; ausserdem würde es Stellen an den Häuten geben, deren einige von der Stärke der Mischung zerfressen, andere hingegen nicht genug genähret würden, z. B. in den Falten, welche lange an derselben Stelle geblieben wären.

Um die Häute in das Treib=Faß zu setzen, werden sie von zwey Personen an den äussern Enden gefaßt, welche sie von der Fleisch=Seite hinein breiten, mit Stöcken untertauchen, und die Luft davon heraus treiben, damit sie noch besser untersinken.

<68, 87>

Die jezt beschriebene Brühe, welche von der Gerste gemacht, und auch weiße Beize oder weiße Schwell=Farbe, Passement blanc, zum Unterschiede von der rothen Beize oder Loh=Farbe, wovon ich hernach sprechen werde, genannt wird, bringt gewöhnlich ihre Wirkung zu Ende von 30 Stunden, auch wohl eher oder später, zuwege. Es wird darin eine saure Gährung erzeugt, und eine merkliche Ausdehnung hervorgebracht. Diejenigen Häute, welche dünn und weich waren, erlangen die Festigkeit und Dicke, welche die Leder haben müssen. Von der Zeit fängt man an, ihnen mehr als sonst, den Nahmen Leder besonders beyzulegen. Die Häute länger in der Beize zu halten, würde gefährlich seyn; sie werden ausserdem schon bisweilen so angegriffen, daß ihre Ränder verfaulter Leinwand gleichen.

Wenn die Häute heraus genommen sind, hebt man das Klärste von der Brühe auf, damit es in der Folge zum Grundstoff einer neuen Schwell=Farbe gebraucht werde, indem man eine Ergänzung, die etwas stärker, als die oben erwähnte, ist, hinzu füget. Wenn eine weiße Beize einmahl im Gange ist, so sind die Kosten ihrer Unterhaltung nur halb so stark, als sie es anfangs waren.

Die Häute läßt man auf dem Deckel so lange ablaufen, bis sie wohl erkaltet sind. Alsdann legt man sie in Wasser, läßt sie eine kurze Zeit darin liegen, spühlt sie hernach aus, um die von der Gerste daran hangende leimhafte Feuchtigkeit davon zu bringen, und läßt sie sodann wieder ablaufen.

Unterdessen, daß man die ausgespühlten Häute ablaufen läßt, verfertigt man die rothe Beize, oder Loh=Farbe, Passement rouge, in welche man sie sogleich bringen muß. Die rothe Beize besteht aus weiter nichts, als klarem Wasser, in welchem man zwischen jede Haut 2 bis 3 Hände voll Lohe schüttet. In dieser Beize machen die Häute den Anfang, lohgar zu werden. Um diese Beize auf 6 Häute zu machen, schüttet man in eine Kufe einen Korb voll Lohe, welche 35 bis 40 lb. beträgt, zu groben Stücken, wie ein Finger gehacket, und diejenige Lohe ist, die man Gros oder Regros (Grobes) nennt, wobey man auch zugleich die Häute mit einsetzt. Diese Arbeit fängt man gemeiniglich des Morgens an, und schlägt <68, 88> die Häute des Mittags wie auch des Abends, gegen 7 Uhr, aus. Das erste Mahl läßt man sie eine halbe, das zweyte Mahl aber eine ganze Viertel=Stunde ablaufen. Des Abends thut man noch 36 lb. grobe Lohe (Regros) hinzu, rührt alles wohl um, und setzt auch die Häute wieder hinein. Man muß aber mit dem Einsetzen schnell seyn, damit die Lohe sich nicht zu Boden setzen könne, welches zwar die untern Häute wohl nähren würde, aber zum Nachtheil der andern. Am 2ten und 3ten Tage schlägt man sie auch 3 Mahl aus, und läßt sie jedes Mahl 1/2 Stunde ablaufen; bloß des Morgens fügt man noch 24 lb. Grobes hinzu. Am 4ten Tage schlägt man sie nur des Morgens und Abends aus; das Ablaufen muß jedes Mahl 3/4 Stunden dauern; Lohe aber wird nicht zugesetzt. Wenn man sie Häute am 5ten Tage ausgeschlagen hat, läßt man sie 3/4 Stunden ablaufen; alsdann rühren zwey Arbeiter alles wohl um, der eine in die Mitte der Höhe, der andere aber auf dem Grunde; und so, wie man die Häute einsetzt, wirft man auch zwischen jede Haut 2 bis 3 Hände voll Lohe, desgl. ein wenig auf die oberste deren Aaß=Seite nach oben zu liegt, (die andern liegen mit der Aaß=Seite nach unten zu). Die 6 Häute erfordern zu diesem leztern Einsatz 48 lb. grobe Lohe. Solchergestalt läßt man die Häute 8 bis 10 Tage über stehen, und alsdann schlägt man sie zum lezten Mahl aus. Man spühlt sie in fließendem Wasser aus, und dann sind sie fertig in die Loh=Grube gelegt zu werden.

Es ist eben so gut, die rothe Brühe, welche man von diesen Beizen erhält, aufzuheben, als das Klare von der weißen Beize. Sie wirkt besser, als eine neue, und erspart ein Drittel an grober Lohe. Aber man muß sie die ersten 14 Tage, nachdem sie von den Häuten genommen ist, verbrauchen; denn wenn diese Zeit vorbey ist, oder höchstens noch 3 Wochen, ist sie fast ohne alle Wirkung.

Die rothen Beizen haben nicht nöthig zugedeckt zu werden, wie die weißen; allein, man unterhält die Gefäße damit stets voll, bis auf einen Rand von 2 Zoll, zum Unterschiede der weißen, wo es hinlänglich ist, wenn nur die Häute mit der Flüssigkeit bedeckt sind.

Die rothen Beizen machen den Anfang, die Häute steif zu machen; sie bereiten dieselben allmählich vor, die <68, 89> Nahrung aus der Lohe in der Grube zu sich zu nehmen. Ohne deren Hülfe würde eine Haut in der Grube, wo die Nahrung anfangs gleich zu stark ist, überraschet, verlöre die Schwellung, verhärtete sich, bekäme Narben, und widerstände dem Eindringen des zusammenziehenden und austrocknenden Theiles der Lohe, von welchem sie doch durchdrungen werden muß.

Die izt erklärte Methode der Bereitung des walachischen Leders, ist den nachtheiligen Wirkungen der Gewitter, wie auch andern Ursachen, wodurch die gewöhnlichen Schwell=Farbeu umschlagen, weniger unterworfen, und zwar deswegen: 1. weil die Beizen dieser neuen Methode nicht so lange währen, welches verhindert, daß sie nicht so vielen Abwechselungen unterworfen sind; und 2. weil die Gährung stärker und die Mischung ausgekochter ist. Mit den rothen Beizen hat es gleiche Bewandtniß; sie sind stärker, werden stufenweise geführt, und sind mit grober Lohe gemacht, an statt daß die gewöhnliche rothe Brühe der Loh=Gärber von gemahlener Lohe gemacht wird.

Wenn es sich aber zutragen sollte, daß die Schwell=Farbe umschlüge, so faßt alsdann die Haut Wind, so, daß sie oben schwimmt, und sauset, wenn man sie drückt. Dergleichen Schwell=Farben kann man nicht wieder zurecht bringen. Das Kürzeste ist, sie gleich wegzugießen, einer andern dadurch Platz zu machen, in welche man die Häute setzt, nachdem man sie wohl ausgestrichen hat. Allein eine Haut, welche auf eine solche Art hintergangen wird, macht sie niemahls gut lohgar.

Warme Schwell=Farbe von Kleyen.

Der Aufseher Guimard, welcher zu Dax, im J. 1749, Versuche über das Aufschwellen der Häute angestellt hat, beschrieb in einem, dem Hrn. Montaran, Ober=Aufseher des Handlungswesens, überreichten Aufsatze, folgende Methode, zur Schwell=Farbe nichts als Kleyen zu gebrauchen, und die rothen Beizen gänzlich abzuschaffen.

Zwey oder drey Tage vorher, ehe die Häute gehörig gewässert sind, macht man mit Mehl von Weizen oder Rocken einen Sauerteig, wenn man keine Bier=Hefen hat. 1 oder 1 1/4 lb. Mehl auf jede Haut ist genug; diesen Teig muß man bis dahin, da man ihn braucht, in einer mäßigen Wärme halten. Wenn man nun die <68, 90> Häute schwellen will, reinigt man sie, Tages vorher, von dem an den Haaren etwa befindlichen Kothe und Unflathe, fleischt sie aus, und legt sie in Wasser. Noch an demselben Abend macht man so viel Wasser warm, als nöthig ist, alle diese Häute darin einzuweichen; wann es laulich ist, nimmt man es vom Feuer, und wirft für jede Haut 7 bis 8 lb. Weizen= oder Rocken=Kleyen hinein, rührt alles wohl unter einander, deckt den Kessel dicht zu, um die Wärme beysammen zu halten, und läßt es in diesem Zustande gähren, bis die Kleyen über das Wasser gestiegen sind, welches gemeiniglich noch in derselben Nacht geschieht. Alsdann hält man die Gährung für hinlänglich. Man spühlt daher die Häute wohl aus, und setzt sie, ohne daß man sie vorher ablaufen läßt, sogleich in eine Kufe, um sie mit dem Wasser und den Kleyen, welches in dem Kessel in Gährung stand, verschlagen zu lassen.

Unterdessen, da izt die Häute den ersten Grad der Wärme annehmen, wird wieder Wasser in den Kessel gethan, um die Stelle desjenigen zu ersetzen, welches die Häute, während ihres Schwellens, in sich schlucken, und man läßt es darin siedendheiß werden. Wenn es diesem Puncte nahe ist, werden die Häute aus ihrer Brühe ausgeschlagen. Sobald aber das Wasser zu sieden anfängt, nimmt man nach und nach etwas heraus, um vorerwähnten Sauerteig in einem besondern Gefäße hinein zu rühren. Wenn dieser Sauerteig fein klar zerrührt worden ist, gießt man ihn in die Schwell=Farbe, aus welcher die Häute geschlagen sind, und gießt sodann etwas aus dem Kessel hinzu, um die Schwell=Farbe etwas mehr als laulich zu machen. Man streuet auch auf jede Haut beynahe 1 lb. Stockfisch=Salz, d. i. Ausschuß vom Salze, oder Salz von schlechter Beschaffenheit, (s. oben, Pfeil-IconS. 48) hinein, und rührt die ganze Mischung wohl unter einander. Alsdann setzt man die Häute wieder ein, und deckt die Kufe zu.

Da es nicht nöthig ist, die Kufe anfangs von der Mischung so voll zu machen, und es schon hinreichend ist, wenn nur die Häute damit bedeckt sind, so nimmt man eine gewisse Quantität davon heraus, und thut es wieder in den Kessel, um hierdurch von der Wärme des Ofens zu gewinnen, und die Häute wieder anwärmen zu können, wenn man sie 6 Stunden nachher hat ausgeschlagen ge<68, 91>habt. Wenn man diese Arbeit des Morgens angefangen hat, wird man zu Mittage, d. i. 6 Stunden nachher, genöthigt seyn, die Häute auszuschlagen, und die Schwell=Farbe wieder anzuwärmen. Nachdem man alles wohl umgerührt hat, setzt man die Häute wieder ein, und bedeckt die Kufe. Eben dieses Verfahren wird noch an demselben Tage, abends gegen 7 Uhr, wiederhohlt. Den andern und dritten Tag darauf muß man, zu denselben Stunden, die Häute wieder ausschlagen, die Mischung erwärmen, umrühren, und das Faß zudecken. Wenn man die Häute den andern oder dritten Tag ausschlägt, muß man auf den Zeitpunct aufmerksam seyn, wo das Haar auszugehen anfängt, um alsdann das Abhaaren mit denselben vornehmen zu können. Wenn das Abhaaren geschehen ist, überstreicht man sie auch etwas auf der Aaß=Seite, um alles Unnütze, so etwa daran seyn könnte, hinweg zu nehmen; alsdann läßt man sie wieder 1/4 Stunde lang in kaltem Wasser weichen, und setzt sie hernach wieder in die Schwell=Farbe, die man zu wiederhohlten Mahlen aufwärmt, und genau wieder zudeckt, so lange, bis das Aufschwellen vollendet ist.

Es ist leicht, die Häute in einer Zeit von 24 Stunden zu schwellen, wenn man die Brühe 7 bis 8 Mahl, bis zu demjenigen Puncte, wo man kaum die Hand darin leiden kann, wieder aufwärmen will. Allein, es ist besser für die Häute, 3 Tage Zeit hierzu anzuwenden, und die Brühe täglich nicht mehr als 3 Mahl, und zwar stufenweise aufzuwärmen, so, daß man von einer gelinden Wärme bis zu einer stärkern fortschreitet, und der höchste Grad der Hitze nur der ist, wo man den Arm ohne Schmerz in der Brühe leiden kann.

Wenn man nach dieser Methode große Schwell=Farben vor sich nimmt, wo man viele Häute hat, so erhalten sie auch ihre Wärme länger; und es wird hinlänglich seyn, sie des Tages nur 2 Mahl aufzuwärmen. Man könnte diese Arbeit bis auf 4 Tage verlängern, und es würde möglich seyn, ein Pfund Kleyen auf jede Haut zu ersparen, d. i. an statt der 7 lb. auf jede Haut, nicht mehr als 6 zu brauchen. Auch ist es vortheilhaft, wenn man einen Einsatz auf den andern folgen läßt. Sobald nähmlich das erste Schwellen geendigt ist, setzt man in dieselbe Kufe, ohne ihr Zeit zum Erkalten zu lassen, sogleich wieder an<68, 92>dere Häute, und sie wird hinreichen, die Gährung dieser neuen Häute so weit zu bewirken, bis das Haar ausgeht. Diese andern Häute, welche solchergestalt in einer schwachen Beize bis zum Enthaaren gebracht sind, werden alsdann nach ein= oder zweymahligem Aufwärmen in einer neuen Schwell=Farbe gut werden; diese neue Beize aber ist vielleicht hinlänglich, nochmahls andere Häute durchgängig gut zu beizen. Man wird also mit zwey Schwell=Farben, drey Aufschwellungen gemacht, und drey Einsätze gebeizet haben.

Die geschwellten Häute müssen alsdann wohl ausgespühlet, und auf 3 Stunden, längere oder kürzere Zeit, nach dem es warm oder kalt ist, in reinem Wasser gelassen werden. Alsdann setzt man sie in die rothe Beize, sie mag nun mit Brühe von genutzter Lohe gemacht seyn, oder auch von reinem Wasser und neuer, wie ein Finger groß gehackter, grober Rinde, welche man nach und nach hinein thut. Guimard will, daß man sie, in Zeit von 3 bis 4 Stunden, 3 Mahl heraus schlagen, 1/4 Stunde ablaufen lassen, und, nachdem die Beize wohl umgerührt ist, sie wieder einsetzen solle.

Kalte Beize mit Kleyen.

An statt, nach izt beschriebener Methode, eine Beize von Kleyen zu verschiedenen Mahlen aufzuwärmen, kann man sich auch einer kalten bedienen; alsdann aber kann sich das Schwellen bis auf 2 Monathe verzögern, denn durch Wärme wird die Gährung sehr beschleunigt. Nachdem man einen Teig von Rocken= oder Weizen=Mehl, 2 lb. auf die Haut gerechnet, eingesäuert hat, läßt man ihn aufgehen; alsdann rührt man ihn sehr gut mit kaltem Wasser ein, und setzt die rohen Häute hinein. Es ist genug, wenn man sie wöchentlich 2 bis 3 Mahl ausschlägt, und die Nacht hindurch über der Kufe ablaufen läßt. Solchergestalt fährt man fort, bis das Haar zum Ausgehen bereitet zu seyn scheint.

Nachdem man die Häute abgehaart und ausgespühlt hat, streicht man sie auf der Fleisch=Seite aus, legt sie 2 oder 3 Stunden in Wasser, und setzt sie wieder in dieselbe Beize, das Aufschwellen darin zu endigen. Wenn man wahrnehmen sollte, daß die erste Beize nicht zureichend wäre, so müßte man, um das Schwellen zu Stande <68, 93> zu bringen, noch eine machen; allein, wenn man zum Abhaaren sich einer abgestorbenen Beize bedient, so reicht eine einzige neue zu, die Häute vollkommen zu beizen, denn sie sind durch die abgestorbene Beize, die zum Enthaaren schon gedient hat, dazu vorbereitet. Die kalten Beizen von Kleyen haben nicht nöthig, wie die warmen, zugedeckt zu werden; sie können daher in kleinen Loh=Gärbereyen auf dem Lande, wo man weder Kessel noch Oefen nach Wunsche hat, bequem seyn.

Es befindet also Herr Guimard, daß man mit 8 lb. Kleyen auf jede Haut, eben das verrichten könne, was die Gärber, welche Gerste brauchen, nicht anders als mit 100 lb. Gerste bewerkstelligen können; und eben das, so nach walachischer Art 36 lb. Mehl erfordert. Durch diese Methode ersparete man das Einsalzen und Schwitzen der Häute, wie auch den Aufwand des Holzes.

Häute nach siebenbürgischer Art mit Rocken zu beizen.

Die Art, wie man die Häute in Siebenbürgen, einer Landschaft zwischen der Türkey und Deutschland, und folglich nicht weit von der Walachey, bearbeitet, ist der in der Walachey gebräuchlichen ziemlich gleich. Der Unterschied besteht vornehmlich darin, daß, an statt der 20 lb. Gerste, welche zu dem walachischen Leder nöthig sind, man hier auf jede Haut 18 Pfund Rocken nimmt, wovon 10 zur ersten Mischung, und die übrigen 8 zur Ergänzung, gebraucht werden. Da die Hefen von dem Rocken ihre Stärke und Güte länger behalten, als die von der Gerste, so ist man nicht genöthigt, sie wegzuwerfen, wie ich es von den Hefen der Gerste gesagt habe, sondern man hebt den Rocken auf, selbst, nachdem man die Sauer=Brühe der ersten Mischung abgegossen hat, um das Klare zu erhalten, woraus die Beize gemacht wird.

Viele Schuster haben geglaubt, entdeckt zu haben, daß das mit Rocken gegärbte, oder sogenannte siebenbürgische Leder von einer bessern Beschaffenheit wäre, als das walachische. Da die Gerste mehlreicher ist, so gährt sie vielleicht wirklich anders, als der Rocken, und verschaffet den Häuten solche Theile, die nicht so fest und dicht sind; aus eben derselben Ursache, wie man in gewis<68, 94>sen Fällen noch das lütticher Leder vorzieht, welches bloß mit dem Lohe=Wasser gegohren hat, weil diese Gährung gleichsam härter, nicht so schmierig, und nicht so öffnend ist, als die vom gemahlnen Rocken oder Gerste.

Häute, welche mit Loh=Brühe geschwellet werden.

Eine weniger kostbare Methode besteht darin, daß man Loh=Brühen (Eaux d' ecorce) läßt sauer werden. Die nach dieser Methode zubereiteten Häute nennt man Lohbrüh=Leder [Cuirs à la Jusée], *

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Nach einer verderbten Aussprache und Schreib=Art: Cuirs à la gisée. oder gisey. Denn das Wort Juseé kommt von Jus, Brühe, weil es in der That Loh=Brühe (Jus d' ecorce) ist, womit man die Häute zubereitet.

und, weil die französischen Gärber sie aus Lüttich gelernt haben, lütticher oder luyker Leder. Gegenwärtig wird sie an verschiedenen Orten von Frankreich ausgeübt, und geht daselbst vollkommen gut von Statten. Die Manufactur zu St. Germain hat den großen Fortgang, welchen sie gehabt hat, dieser Methode zu danken.

Das Schwellen der Lohbrüh=Häute, wie es zu Namur und Lüttich geschieht, wird vermittelst des Wassers von alter Schale (vieille Ecorce), oder der Brühe von genutzter Lohe (jus de tannée) verrichtet, welches das Rückständige der Substanz derjenigen Lohe enthält, welche bey dem zweyten und dritten Satze der Häute in der Loh=Grube, wovon weiter unten geredet werden wird, gebraucht worden ist. Dieses Schwellen erfordert kein Feuer; man versichert sogar, daß ihm die Wärme zuwider sey. Diese Loh=Brühe soll nichts styptisches enthalten, d. i. nichts von dem herben und zusammenziehenden Geschmacke, welcher in der Grube die Häute wieder zuschließt und fest macht, und den man in der neuen Lohe sehr merklich empfindet. Wenn die Lohe mit den Häuten in der Grube gelegen hat, ist sie, wie überhaupt fast alle Pflanzen und animalische Theile thun, geneigt zu gähren und zu versauern. Von der Zeit an hört die styptische Eigenschaft auf, und es findet sich alsdann eine Säure ein, die immer mehr zunehmen würde, wenn man nicht die Häute nach einigen Monathen heraus nähme.

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Obgleich die Lohe in ihrem natürlichen und zusammenziehenden Zustande, die Theile der Haut zusammendrückt, schließt und mit einander vereinigt, so bringt sie doch eine ganz entgegengesetzte Wirkung hervor, sobald sie in Säure übergegangen ist; denn nun erweitert sie, macht schlaff, schwellet auf, und hebt die Theile des Gewebes durch eine innere Bewegung empor, die derjenigen ähnlich ist, wo das Brod aufgeht, und der Wein brauset, wenn man sie einer solchen Gährung aussetzt.

Das lütticher Leder bequemt sich nicht nach allen Jahrs=Zeiten und Wassern. Im Sommer geht es nicht gut von Statten. Das Wasser muß rein und aus einer lebendigen Quelle seyn. Dasjenige, welches unmittelbar aus Felsen kommt, ist sehr geschickt dazu; das Regen=Wasser aber ist untauglich. Diejenigen, welche das lütticher Leder für das beste halten, kommen darin überein, daß es auch am schwersten zu verfertigen ist. Es erfordert viel Sorgfalt, Verstand und Fähigkeit.

Die Loh=Brühe zu machen, sammelt man die alte Lohe, in welcher die Häute beym zweyten und dritten Satze gelegen haben, zusammen. Man schöpft auch das Flüssige, welches sie enthält, aus, und hebt alles in einer leeren Grube oder in einem andern großen Gefäße auf. Die Grube, in welcher man diese alte Lohe aufhebt, muß einen Wasser=Kasten oder eine Art eines Kamines enthalten, um das Wasser dadurch zu seihen, B, PfeiliconFig. 3995. Dieser Kasten wird von Bretern zusammengesetzt, und gegen die Wand der Grube gestellt. Die Lohe, welche in der Grube A ist, kommt nicht in den Kasten B, sondern nur das Wasser, welches sich davon absondert, und welches man nach Gefallen heraus schöpfen kann, um es zu den Häuten zu gebrauchen. Diese Lohe tritt man mit den Füßen, und begießt sie mit klarem Wasser, oder auch mit anderm Loh=Wasser, bis sie hinlänglich unter Wasser steht. Man schöpft die Brühe, welche sich in dem Kasten B sammlet, wöchentlich 2 bis 3 Mahl heraus, um sie in A wieder auf dieselbe Lohe zu gießen, damit vermöge des wiederhohlten Durchseihens, die Brühe immer stärker werde, und die ganze Substanz der Lohe in sich fange.

Um der Mühe, einen Wasser=Kasten zu machen, überhoben zu seyn, dürfte man auch nur eine Art eines Brunnens in die Lohe graben, aus dessen Boden man das her<68, 96>ausgetretene Wasser schöpfte, und, um es rein zu haben, durch einen Korb laufen ließe.

Die Loh=Brühe oder das Loh=Wasser zu machen, hat man in der Gegend von Sedan Kufen, welche an 15 Poinçons oder Muids, an Wasser, burgundischen Maßes *

*
Ein burgundischer Muid enthält 11520 Zoll, ein pariser aber 14400; also ist der burgundische Muid 4/5 vom pariser unterschiedet.

enthalten; die Lohe ist nicht mit darunter begriffen. In diese wirft man Lohe, welche grob gemahlen, und aus Gruben vom zweyten oder dritten Satze ist. Diese und das Wasser bleiben 6, bisweilen 8 Monath darin beysammen, welche Zeit zur Erlangung der Säure und Schärfe, wodurch die Häute auflaufen, nöthig ist.

Nachdem dieses Wasser sich demjenigen Grade der Säure nähert, welchen sie erreichen kann, ohne umgerührt zu werden, thut man von der einen Seite der Kufe so viel weg, daß gleichsam ein Schöpf=Brunnen wird, der im Durchmesser 1 Fuß hält, und bis auf den Boden geht. Alsdann setzt man eine Pumpe in dieses Loch, um dadurch das Wasser, welches sich auf dem Boden der Kufe sammlet, heraus zu heben; oder besser, man bedient sich des Wasser=Kastens. Dieses Wasser gießt man wieder auf die Lohe zurück, bis es lebendig und gut ist. Wenn man nach 2 Stunden wahrnimmt, daß es gut ist, hört man mit dieser Arbeit auf, und nimmt alles Wasser weg, um die Passerie oder das Passement (die Beize, die Loh=Farbe) daraus zu machen. Man sagt: das Wasser ist lebendig, wenn es roth, klar und sauer, wie guter Wein=Essig, ist. Wenn man zwey Bottiche mit Loh=Wasser hat, davon von das eine stärker und sauerer, als das andere, ist, so mischt man beyde zusammen, und bringt sie zu einerley Grad ihrer Beschaffenheit.

Wenn man das Wasser von den Kufen abgezapfet hat, verliert man deswegen die Lohe doch nicht gänzlich. Man gießt nochmahls Wasser darauf, welches man 3 bis 4 Tage stehen läßt, und hernach noch gut genug ist, mit unter die Beizen gethan zu werden. Dieses Verfahren wiederhohlt man 3 bis 4 Mahl, wobey man beobachtet, das Wasser stufenweise, länger und länger, auf der Lohe zu <68, 97> lassen, um ihm dadurch alle seine Stärke, Güte und Säure auszuziehen. Diese verschiedenen Brühen werden mit der ersten, welche auf der Lohe 6 Monath gestanden hat, vermischt. Je mehr Kufen man anwendet, mit desto größerer Leichtigkeit kann man diese Verrichtungen und Mischungen bewerkstelligen.

Unterdessen da man die Loh=Brühen, welche zum Schwellen der Häute gebraucht werden sollen, zubereitet, wässert man die Häute, wenn sie trocken sind, und streckt sie aus, vollkommen so, als wenn man sie mit dem Kalke beizen wollte; nur dieses muß man beobachten, wenn man sie das lezte Mahl aus dem Wasser nimmt, daß man sie zum Ablaufen auf Stangen hängt, damit sie ihr Wasser verlieren, ehe sie in die Schwitze kommen. Sind es aber grüne Häute, so erfordert diese Brühe nicht, daß man sie vorher dergestalt wässere, sondern man bestreuet sie, wenn sie noch frisch sind, auf der Fleisch=Seite mit einigen Körnern Salz, damit sie gleichförmiger, und mit wenigerer Gefahr schwitzen. Man legt sie alsdann zusammen, und in die Schwitze. Die Gährung erweicht sie, und bringt das Haar zum Ausgehen. Die ireländischen Häute haben nicht nöthig in der Schwitze so gesalzen zu werden, als die andern, weil man dieses schon im Lande selbst gethan hat. Nachdem sie, wie die Kalk=Häute, abgepölet, ausgespühlet und vom Fleische gereinigt worden sind, legt man sie in recht frisches und klares Wasser, und zwar im Sommer 2, im Winter aber 4 bis 5 Tage lang, wobey man sie aber täglich heraus nimmt, das Wasser ablaufen zu lassen und zu verändern. Man sieht bisweilen, daß diese Häute schon anfangen, sich zu öffnen, und sich zum Schwellen neigen. Alsdann setzt man sie in die Beize (Passement), d. i. in die Brühe von genutzter Lohe (Jus de tannée), dieses Schwellen zu befördern und zu vermehren. In der Gegend von Sedan, hat man 8 Beizen im Sommer, und im Winter 12, welche stufenweise verstärket werden. Ich werde zuerst diejenige Einrichtung, welche Guimard hat ausüben gesehen, und die er als solche anführt, welche durch die Erfahrung gerechtfertigt ist, hernach aber die in der Manufactur zu St. Germain gebräuchliche, beschreiben.

Wenn man im Sommer arbeitet, so setzt man die Häute in Fluß=Wasser, wobey nicht mehr als der achte <68, 98> Theil der vorerwähnten, aus dem Wasser=Kasten gehobenen Brühe ist; die übrigen 7/8 aber sind nur gemeines Wasser. Die zweyte Beize besteht aus 2/8 Brühe, und 6/8 Fluß= oder Brunnen=Wasser; die dritte aus 3/8 Brühe, und 5/8 Wasser. Die vierte Beize wird aus 4/8 Brühe, und 4/8 Wasser, gemacht, d. i. es wird von einem so viel, als von dem andern, genommen. Die fünfte besteht aus 5/8 Brühe, und 3/8 Wasser; die sechste aus 6/8 Brühe, und 2/8 Wasser; die siebente aus 6/8 Brühe, und 1/8 Wasser; und endlich die achte und lezte ist bloße Loh=Brühe. Im Frühlinge und Herbste müssen 10 Beizen seyn; alsdann nimmt man zur ersten nicht mehr, als 1/10 Brühe zu 9/10 Wasser; in der folgenden 2/10 Brühe zu 8/10 Wasser; und so fährt man fort, die Brühen zu vermehren und das Wasser zu vermindern, bis zur zehnten Beize, welche aus bloßer Loh=Brühe besteht. Im Winter hat man 12 Beizen nöthig. Hier macht man mit 1/12 Brühe und 11/12 gemeinen Wasser den Anfang; die zweyte Beize ist aus 2/12 Brühe und 10/12 Wasser; die dritte, aus 3/12 Brühe und 9/12 Wasser, d. i. aus 1/4 Brühe und 3/4 Wasser, gemacht; und so in der Folge, da man stufenweise von 1/12 zu 1/12 höher steigt, bis zur lezten, welche aus lauter Brühe besteht.

Der Gebrauch der Beizen besteht darin, daß man die Häute morgens und abends ausschlägt, sie 2 Stunden ablaufen läßt, wieder in die Beize setzt, und zwar jeden Tag in eine andere, zur Sommerzeit bis zur vierten, und im Winter bis zur sechsten, d. i. so lange als die erste Hälfte der Beizen, die man ihnen zu geben hat, dauert. Von dieser vierten Beize an im Sommer, und von der sechsten im Winter, schlägt man sie täglich nur 1 Mahl aus, um sie ablaufen zu lassen, bis zur vorlezten. Wenn die Häute bis zur vorlezten Beize, d. i. bis zur siebenten im Sommer, und im Winter bis zur eilften, gekommen sind, schlägt man sie erst nach 36 Stunden aus, läßt sie 2 bis 3 Stunden über wohl abtröpfeln, und setzt sie sodann wieder ein, fügt aber auf jede Haut noch eine Handvoll frische und grob gemahlene Lohe hinzu, welche man zwischen jede Haut und bey der lezten oben darauf streuet. Die Häute, welche endlich in der lezten Beize liegen, bleiben 3 bis 4 Tage darin. Nachdem man sie aber 3 bis 4 Stunden hat ablaufen lassen, setzt man sie wieder in eine andere ausserordentliche Beize, welche aus lauter und stärkerer <68, 99> Brühe gemacht ist, nebst 3 Handvoll Lohe auf jede Haut; in dieser neuen Beize läßt man sie 7 bis 8 Tage liegen, alsdann sind sie tüchtig, gleich den Kalk=Häuten, in die Loh=Grube gesetzt zu werden.

So wie man anfängt neue Häute in die Beize zu setzen, wird jedes Mahl diejenige Kufe, welche vorher die erste war, ausgeleeret, weil sie nichts mehr nutzet; und diejenige, die vorher die zweyte war, wird nun die erste oder die schwächste; diejenige Kufe aber, welche man ausgeleert hat, ist die, in welche man eine neue Beize von der besten Loh=Brühe, die noch nicht gebraucht worden ist, setzt, und die folglich die zehnte und stärkste ist. Hieraus folgt, daß das Wasser einer Kufe erneuert wird, nachdem es zu 72 Häuten gebraucht worden ist, bey einer jeden aber nur zum zwölften Theile ihrer Zubereitung.

Ob ich gleich gesagt habe, daß die Häute in einer Zeit von 12 Tagen aufschwellen, so ist doch dieses kein festgesetzter Zeitpunct, und findet nur bey temperirter Witterung im May, Jun. und Jul. Statt, wie man schon aus demjenigen urtheilen kann, was bey Gelegenheit der Gährung überhaupt ist gesagt worden. Oft hat man doppelt so viel Zeit nöthig; und alsdann läßt man die Häute in jeder Beize 48 Stunden liegen. Bey kalter Witterung nutzen sich die Loh=Farben nicht so geschwinde ab, die Gährung ist langsamer, und die Säure theilt sich schwerer mit. Wenn es sehr heiß ist, werden die Brühen geschwächet, die Häute schwellen schwer, und sie sind zu schwach, welches bisweilen verursachet, daß man sie in jeder Kufe 2 Tage lassen muß.

Der Gärber muß mehr Kufen haben, als er deren brauchen will, weil sich öfters einige darunter befinden, welche die erwartete Wirkung nicht thun, die entweder zu wenig, oder zu geschwinde säuern. Einige schlagen auch um, wie bey der Gersten=Beize gemeldet worden ist, indem die Sonnen=Hitze hinlänglich ist, sie zu verderben.

Ich habe vorausgesetzt, daß man eine Beize mit solcher Lohe ansetzt, die in den Gruben, wo man die Häute lohgar macht, schon gebraucht worden ist; hätte man aber keine, es sey bey Errichtung einer neuen Loh=Gärberey, oder unter andern Umständen, so hat man doch verschiedene Mittel, seine Absicht zu erreichen. Man kann den Anfang mit Gersten=Beize machen, auf die Art, wie ich <68, 100> sie schon beschrieben habe; und wenn alsdann diese Häute in die Grube gesetzt worden sind, so hat man nach Jahres=Frist, gebrauchte Lohe, welche zur Verfertigung der Loh=Beizen (Passeries de tan) geschickt ist. Man darf diejenige Lohe, die zu den gekalkten Häuten gebraucht worden ist, niemahls dazu anwenden. Da es aber bey Verfertigung dieser Beizen auf weiter nichts ankommt, als die Brühe der Lohe zu säuern, d. i. ihr anfangs die Bitterkeit und die zusammenziehende Kraft zu benehmen, welche ihr natürlich ist, um sie in den Zustand einer Gährung zu setzen, so kann man dieses auf folgende Weise erlangen, und des Getreides gänzlich entübrigt seyn. Man füllet eine Kufe mit grob gemahlener Lohe an, gießt Wasser darauf, und läßt es also 7 Tage stehen. Nachdem dieses Wasser abgezogen ist, gießt man frisches darauf, welches man nach 8 Tagen gleichfalls abzieht. Und so fährt man so oft damit fort, so oft es nöthig ist, bis man nähmlich der neuen Lohe alle Schärfe und Bitterkeit benommen hat. Nunmehr befindet sich die Lohe in dem Zustande, in welchem sie seyn würde, wenn sie aus der Grube käme, nachdem sie mit Häuten wäre eingesetzt gewesen. Es wird jetzt noch darauf ankommen, die Kufe aufs neue mit Wasser anzufüllen, und also 8 bis 10 Monath stehen zu lassen, damit es Zeit habe zum Gebrauch der Loh=Brühe hinlänglich zu gähren.

Eben so, wie man bey den Gersten=Beizen eine große Verschiedenheit in den Methoden gesehen hat, eben so kann man auch mit dem Verfahren der Loh=Brühe abändern. Es giebt Provinzen, wo man alles nöthige Aufschwellen mit 5 Beizen verrichtet, und dabey nicht mehr als 3 Kufen anwendet. Die erste Beize wird abgestorben (mort) genannt, weil sie ohne Kräfte ist, indem man sie nur aus reinem Wasser und 4 Körben voll genutzter Lohe gemacht hat, d. i. aus alter Lohe, welche, gedachter Maßen, bestimmt ist, die saure Loh=Brühe zu machen, die man zu den andern Beizen nöthig hatte. Diese abgestorbene Beize wird nicht eher gemacht, als in dem Augenblicke, da man sich ihrer bedienen will, d. i. wenn die Häute genug gewässert und geweicht haben. Man spühlt sie stark aus, am Kopfe, da man sie bey dem Schwanze, und am Schwanze, da man sie bey dem Kopfe anfaßt. Alsdann aber, ohne daß man das Wasser erst ablaufen <68, 101> läßt, setzt man sie des Tages 3 Mahl, des Morgens, Mittags und Abends, in die abgestorbene Beize, und läßt sie jedes Mahl nicht länger, als eine halbe Viertelstunde, ablaufen. Am folgenden Tage gießt man die abgestorbene Beize weg, setzt aber auch die Häute 3 Mahl, nähmlich des Morgens, Mittags und Abends, in eine schwache Beize. Diese schwache Beize (le foihle) muß man 4 bis 5 Tage vorher gemacht haben, und zwar von 3/4 Wasser und 1/4 Brühe, auf 6 Körbe genutzter Lohe. Das dreymahlige Ablaufen dauert jedes Mahl nicht länger, als 1/4 Stunde. Wenn diese schwache Brühe fast keine Kräfte mehr hat, wird sie eben wie die abgestorbene weggegossen, nachdem sie den Tag über ist gebraucht worden. Wenn die Häute aus der schwachen Beize zum dritten Mahl abgelaufen sind, setzt man sie in eine starke (en fort); das Einsetzen in diese geschieht des Tages 3 Mahl; jedes Mahl aber läßt man die Häute 1/2 Stunde ablaufen und zwar 2 Tage über. Die starke ist die dritte Beize, welche gleichfalls 2 bis 3 Tage vorher, aus gleichen Theilen Wasser und Brühe, nebst 6 Körben genutzter Lohe, ist gemacht worden. Nach Verlauf dieser 2 Tage, wenn die starke Beize erschöpft ist, muß man die Häute in eine stärkere (en plus fort) setzen. Dieses ist die vierte Beize, welche von dem Klaren der starken ist verfertigt worden, d. i. von der vorhergehenden und dem Sauren aus dem Wasserkasten, oder mit der Brühe, welche verschiedene Mahle durch die genutzte Lohe filtrirt wurde. Lohe aber mischt man nicht in diese vierte Brühe. In die stärkere Beize werden die Häute 5 Tage über gesetzt; man läßt sie jedes Mahl 1/2 Stunde ablaufen, und rührt die Farbe wohl um. Den ersten Tag setzt man des Morgens ein, und fügt noch einen Korb voll, 36 lb. schwer, grober Lohe auf 6 Häute, Mittags und Abends aber nichts davon, hinzu. Am 2ten und 3ten Tage setzt man gleichfalls 3 Mahl ein, und schüttet, doch nur des Morgens, 20 lb. grobe Lohe hinein. Am 4ten Tage setzt man nur 3 Mahl ein, nebst 20 Pfund Lohe des Morgens. Am 5ten Tage schlägt man die Häute aus, läßt es 1/2 Stunde über ablaufen, rührt die Beize wohl um, und streuet, wenn man die Häute wieder einsetzt, etliche Handvoll Lohe zwischen jede, wie auch auf die letzte oben darauf, so daß es sich bis an die 40 Pf. grober Lohe beläuft. In diesem Zustande läßt man die Häute <68, 102> 8 bis 9 Tage ruhen, ohne sie anzurühren. Nachdem die Häute solchergestalt in der stärkern Beize gelegen haben, werden ste in die fünfte und lezte gesetzt, die man sehr stark (tiès-fort) nennt, weil sie aus ganz Sauern (de tout aigre) besteht, d. i. von jener gänzlich reinen Brühe, die man vermittelst des Wasser=Kastens aus der Grube zieht. Diese leztere Beize macht man nicht eher, als wenn man sie gebrauchen will. Man fügt 3 Tage lang, jeden Morgen wenn man die Häute einsetzt, 21 Pf. grobe Lohe hinzu. Abends setzt man sie auch ein, aber ohne Zuthat. Nachdem man die Häute in der sehr starken Beize 3 Tage über gelassen hat, schlägt man sie aus, und setzt sie am 4ten Tage wieder ein, vorher aber läßt man sie 3/4 Stunden lang ablaufen. Unterdessen rühren zwey Arbeiter die Beize um; der eine von der Oberfläche bis zur Mitte, der andere von der Mitte an bis zum Grunde; und wenn diese einsetzen, so wird von einem Dritten ungefähr 48 Pf. grobe Lohe zwischen die Häute gestreuet. Diese Häute läßt man alsdann unberührt 8 Tage über stehen; und dieses ist ihre lezte Ruhe in der Beize.

Diejenigen, welche fürchten, die Gährung des lütticher Leders möchte durch das Zuthun des rohen Wassers in den ersten Beizen unterbrochen oder beunruhiget werden, bedienen sich einer andern Methode. Man übergießt nähmlich die genutzte Lohe anfangs nicht stärker, als hinlänglich ist, d. i. so, daß das Wasser nicht oben darüber weg steht. Nach 4 Tagen, wenn es sich in den Wasser=Kasten filtrirt hat, nimmt man alle Brühe oder Saures heraus, und hebt es zur sehr starken, oder 5ten und lezten Beize auf. Diese Lohe tränkt man nochmahls auf 3 Tage; und nachdem es wieder durchgeseihet ist, hat man eine 2te Brühe, welche zur 4ten Beize dient, die ich die stärkere genannt habe. Wenn man nun dieses Verfahren auf einige Tage wiederhohlt, so hat man auch bey jedem neuen Durchseihen, eine neue und schwächere Brühe, welche alsdann zu den geringern Beizen dient, welche ich die starke, schwache und abgestorbene genannt habe. Uebrigens sind diese Anstalten nicht nöthig, als nur die Beizen in den Gang zu bringen, wenn man von vorn anzufangen genöthigt ist; wenn man aber schon gebeizt hat, so findet es sich, daß jede Beize ungefähr 1/5 an ihrer Stärke verloren hat, und kommt bey dem Einsetzen neuer Häute, um dieses Fünftel <68, 103> eher daran. So wird alsdann diejenige, welche als schwache ist gebraucht worden, zur abgestorbenen; die starke wird zur schwachen; die stärkere zur starken; diejenige, die als sehr stark gedient hat, rückt in die Stelle der stärkern, und man hat nicht nöthig, eine neue Beize zu machen, als die sehr starke, welche jederzeit die sauerste ist, oder aus lauter Brühe besteht, wie sie durch den Wasser=Kasten aus der Grube kommt.

Bey dem Einsetzen der Häute in die Beizen, muß man die Fleisch=Seite oben bringen, damit die Narbe, welche die beträchtlichste Oberfläche des Leders ist, am meisten vor den Zufällen gesichert sey. Die oberste Haut muß jederzeit die Fleisch=Seite oben gekehrt haben, damit sie den andern Häuten, die darunter liegen, zur Decke diene.

In Saint=Germain gebraucht man gemeiniglich 12 Beizen, davon die beyden frische (Passements neufs), die zehn ersten aber gangbare (courants) Beizen, d. i. solche, die schon gebraucht worden sind, heißen. Jede dieser Beizen enthält 12 Häute und 8 Muid Wasser; hat 4 1/2 F. Tiefe und eben so viel im Durchmesser. Wenn die Häute geschoren und gewaschen sind, werden sie in die erste Beize, welche unter allen die schwächste ist, gesetzt. Der Geschmack dieser Flüssigkeit, wenn man sie auf die Zunge bringt, hat fast gar keine Säure, er ist nur etwas herbe; sie ist aber doch hinlänglich, die Häute zur folgenden Beize, welche saurer ist, vorzubereiten. Die Häute dürfen von der Säure nicht überraschet werden, ehe sich nicht die Gährung darin festgesetzt hat; sie würden sich sonst runzeln und sich zu sehr verschließen. Nach 24 Stunden schlägt man diese 12 Häute aus, und läßt sie 1/2 Stunde, oder so lange als man zubringt, die übrigen Beizen gleichfalls auszuschlagen, ablaufen. Alsdann setzt man diese Häute in eine andere und stärkere Beize, die vorige aber gießt man weg, weil sie, da sie schon 10 Mahl gebraucht worden ist, nichts mehr nutzt. Die 2te Beize, ob sie gleich stärker, als die erste ist, weil sie einen Tag weniger gedient hat, äussert doch auf der Zunge keine empfindliche Säure. Man continuirt die folgenden Tage mit den Häuten in der Beize weiter zu rücken, d. i. von einer stärkern in die andere stärkere damit zu gehen. Alle Morgen <68, 104> schlägt man die 12 Häute aus, und setzt sie wieder in folgende Beize. Diese 10 Beizen, welche die Häute in den 10 Tagen durchgehen, werden gangbare Beizen genannt, um sie von den ungangbaren (Passements de repos), welches neue Beizen sind, und wo die Haute 10 Tage über bleiben, zu unterscheiden. Ehe ich aber hiervon rede, muß ich erst die sauern Gruben, in welcher diese zubereitet werden, beschreiben.

In St. Germain hat man 5 saure Gruben, die denen, in welche man die Häute zum Loh garmachen setzt, ähnlich sind, allein sie sind unter dem Dache der Werkstätte. Wir wollen sie durch die Zahlen 1, 2, 3, 4 und 5, von einander unterscheiden, und Nummer 1 die schwächste, und Nummer 5 die beste und stärkste nennen. Wenn man die Häute aus der Grube vom dritten Satze ausschlägt, nimmt man alle Lohe heraus, thut sie in die fünfte saure Grube, und läßt frisches Brunnenwasser durch einen Hahn, vermittelst einer hölzernen Rinne, darauf laufen; dieses senkt sich alsdann durch die Lohe, und nach und nach in dem Wasserkasten, welcher in einem Winkel der Grube ist, woraus man es nach 3 Tagen, oder auch später, schöpft. Nun hat man so viel Wasser aus dieser Grube, als nöthig ist, hier ungangbare Beizen daraus zu machen. Nachdem die Kräfte der Lohe dieser sauern Grube durch das erste Wasser, welches durchgegangen ist, erschöpft sind, gießt man frisches Wasser darauf, welches ebenfalls säuert, und eine saure Grube formirt, die schwächer ist, welche ich die erste und zweyte nennen werde; es sind die lezten, oder die geringern von fünfen. Die mittelsten Gruben, welche ich drey und vier nenne, sind von diesem zweyten Wasser der Grube 1 und 2 gemacht, welches man auf eine Lohe gießt, die schon ein erstes Wasser zur vierten Beize hergegeben hat. Anstatt Brunnenwasser darauf zu schlagen, gießt man Wasser aus den Grunben 1 und 2 darauf, welches, indem es noch 1 bis 2 Mahl durch diese saure Grube geht, ob sie gleich schon erschöpft ist, sich doch stärkt, und dienlich ist, allmählich die beiden mittlern Gruben, nähmlich No. 3 und 4, zu machen. Solcher Gestalt sind No. 1 und 2 aus Brunnen=Wasser gemacht, das auf Lohe gegossen wird, welche schon ihre neuen Beizen gegeben hat; No. 3 und 4 sind von demselben Wasser gemacht, welches auf eine, oder zwey <68, 105> andere dergleichen Lohen gegossen worden ist, ein Rest der Kräfte dieser Lohen in sich zu nehmen; endlich ist No. 5 das erste Wasser dieser Lohe, welches das sauerste und geschickteste ist, die neuen Beizen zu machen.

Die Gruben 3 und 4 werden gebraucht, die ersten ungangbaren Beizen zu machen; die Gruben 1 und 2 dienen, die andern zu begießen; die 5te wird allein gebraucht, die beste Beize zu machen; und also muß man 8 Beizen aus einer sauern Grube gezogen haben, wenn sie erschöpft und unbrauchbar seyn soll.

Eine erste frische, oder ungangbare Beize zu machen, nimmt man nicht nur einige Muid saure Brühe, sondern fügt auch noch auf 12 Häute, 6 Körbe voll grobe Lohe hinzu, jeden Korb ungefähr 40 lb. am Gewichte, das ist also 20 lb. auf jede Haut gerechnet. Um dieses Grobe zu bekommen, läßt man die Lohe durch ein Sieb gehen, das Feine wegzunehmen, und es bleiben alsdann nur die groben Stücke zurück, die 1, 2, 3 und sogar 4 Zoll lang sind. Diese Lohe also, welche in die ungangbare Beize gethan wird, giebt ihr so viel Kräfte, daß sie 10 Tage über in dem sauern Zustande bleibt, der zum Schwellen der Häute erfordert wird. In einigen Gegenden, wo man den Häuten in der Grube auf 6 Wochen einen vierten Satz mit neuer Lohe giebt, hat diese vierte Lohe noch viel Kräfte, und ist zureichend, die neuen Beizen zu machen, ohne daß man neue Lohe hinzufügen darf. Ebenfalls setzt man auch 6 Körbe voll grobe Lohe in die zweyte ungangbare Beize, ob sie schon etwas stärker, als die erste ist, indem sie von der Brühe der 5ten sauern Grube gemacht ist; in dieser bleiben die Häute auch ungefähr 10 Tage, wie in der ersten, und alsdann sind sie im Stande, in die Grube gesetzt zu werden; sie werden auch mit aller Feuchtigkeit, die sie in den stehenden Beizen an sich gezogen haben, dahinein gesetzt. Einige halten es für nöthig, sie alsbald einzusetzen, damit die Schwellung und Dicke, welche sie durch die Gährung der verschiedenen Beizen erlangt haben, sich nicht wieder verliere. Bisweilen begießt man auch noch die Lohgruben mit dem Wasser der sauern Gruben, oder Beizen, damit die Häute, so lange als möglich, in diesem ausgedehnten Zustande bleiben.

Da im Winter die Gährung schwerer zuwege zu bringen ist, so ist man genöthigt, die Häute durch mehrere <68, 106> gangbare Beizen gehen zu lassen, deren zuweilen bis 20 nöthig sind, ehe sie die gehörige Vorbereitung erlangt haben, in die ungangbaren Beizen gesetzt zu werden, weil sie schon etwas von Statten müssen gekommen seyn, ehe man sie in diese bringen kann; denn wenn man die Häute zu weiß hinein setzte, so würde die Säure dieser ungangbaren Beizen sie überraschen, runzeln und ihnen Narben machen, anstatt daß es sie aufschwellen, erweitern und ausdehnen sollte.

Bisweilen ist man sogar genöthigt, nach den gangbaren Beizen noch eine Zug=Beize (Passement de passage) zu machen, welche das Mittel zwischen diesen und den ungangbaren Beizen ist. Sie besteht aus saurer Brühe und reinem Wasser zu gleichen Theilen, in welche nicht mehr als 3 Körbe voll grobe Lohe gethan sind. Wenn hingegen die Häute geschwitzt haben, ehe sie zum Beizen kommen, läßt man sie geschwinder gehen, und giebt ihnen nicht mehr als 4 bis 5 gangbare Beizen.

Den gangbaren Beizen ist die Wärme nachtheilig, deswegen muß man zur Sommer=Zeit, den Tag über, die Werkstätte wohl zuschließen, um sie vor der Hitze zu bewahren, nach Sonnen=Untergang aber öffnet man sie, dieselbe durch die Kühle der Nacht wieder auszufrischen, und läßt noch das Wasser eines nahen Baches durchlaufen, sie noch mehr abzukühlen. Man muß mit den Loh=Beizen noch behutsamer, als mit den Gersten=Beizen, umgehen.

Wenn man sieht, daß die Häute nicht gut von Statten kommen, und ihre Dicke sich nicht sehr vermehrt, so läßt man sie geschwinder gehen, d. i. in öftere und stärkere Beizen, oder man läßt sie auch wohl länger, bisweilen 2 Tage, in jeder liegen.

Wenn der Ort, wo die Beizen stehen, zu warm wäre, würden sie sich zur Auseinandersetzung und Fäulniß neigen, sie schlügen um, sie zögen sich, die Häute würden weich und dünner, anstatt daß sie dicker und besser werden sollten.

Wenn man die Häute aus der ersten Beize, welche nur eine abgestorbene ist, nimmt, so leeret man das Gefäß aus; die darin befindlich gewesene Flüssigkeit gießt man weg, die alte Lohe aber hebt man auf, und braucht <68, 107> sie zur Feuerung. Man wäscht das Gefäß aus, und thut saure Brühe hinein, eine neue Beize zu machen.

Eine abgestorbene Beize, welche gebraucht, und wo folglich die ganze Gährung verloscht ist, muß, wenn sie von guter Eigenschaft ist, ein klares Wasser geben. Dieses ist selbst ein Kennzeichen, ob die Häute Nutzen davon gezogen haben. Die Gährung hat aufgehört, weil das Alkali der animalischen Materie daselbst die Säure der Beize gesättigt hat; daher muß die Flüssigkeit nicht trübe seyn, wie es diejenigen Materien, welche gähren, gewöhnlich sind.

Anmerkungen über die in Loh=Brühen geschwellten Häute. Wenn man die Lohbrüh=Häute lohgar werden läßt, so findet es sich, daß sie etwas mehr Lohe nöthig haben, als die Gersten=Häute: erstlich, wegen der ungangbaren Beize, wo man auf jede Haut 40 lb. Lohe verbraucht; und dann, weil sie länger in der Grube sind als die Gersten=Häute und die gekalkten. In der Manufactur zu St. Germain schätzt man die für jede Haut nöthige Lohe, auf 220 bis 250 lb. Die Häute, welche durch die Gersten=Beize gegangen waren, und 225 Pf. erforderten, nehmen hier 250 weg.

Das in Loh=Brühe geschwellte Leder muß, vermittelst Hämmer von gegossenem Eisen mit kurzen Stielen, stark geschlagen werden. Man hat bemerkt, daß zwischen der Dauer und Güte solcher Sohlen, welche wohl geschlagen sind, und der Dauer und Güte derjenigen, welche man nicht geschlagen hat, ob sie gleich von einerley Haut sind, ein erstaunlicher Unterschied ist. Zu Basel, in der Schweiz, macht man Leder, welches nicht so dicht, als das französische, ist, aber man schlägt es mit vieler Gewalt, vermittelst kupferner Hämmer. Da die Schuster sich nicht allezeit die Mühe nehmen, solches zu thun, so ist es gut, wenn die Loh=Gärber und Leder=Bereiter diese Art Leder selbst schlagen. Ich werde hiervon unten zu sprechen wieder Gelegenheit haben.

Die trocknen Häute aus Brasilien, welche man dürrrauche Häute (secs à poil) nennt, gehen bisweilen durch die Loh=Brühe ziemlich schlecht von Statten. Sie sind zu hart, schwer zu erweichen und aufzuschwellen, und haben auf der Fleisch=Seite zu viele Messer=Schnitte. Dieses kommt von der geringen Sorgfalt, mit welcher man sie in Amerika abzieht, her. In einem Lande, wo man <68, 108> einen Baum niederhauet, bloß um die Früchte abzubrechen, und einen Ochsen tödtet, um nur die Häute davon zu haben, darf man sich über diese äusserste Nachlässigkeit nicht verwundern. Die Häute aus Ireland haben ebenfalls zu viele Schnitte; vielleicht deswegen, weil man sie nicht mit genug Sorgfalt abzieht.

Die Häute, welche man zum Lohbrüh=schwellen am tauglichsten hält, sind von den Ochsen aus Limousin, welche mit Rüben gefüttert, und nicht eher gemästet worden sind, als bis man sie zur Arbeit hat gebraucht gehabt. Sie haben nicht so viel Talg, aber ihre Häute mehr Festigkeit, als die aus denen Provinzen, wo man die Ochsen nur um des Mästens willen aufzieht. Ich werde bald nachher von den Vortheilen, welche man von der Methode des Lohbrüh=schwellens hat, reden.

Von dem Schwellen, welches durch Bier=Träber (Seihe) bewerkstelligt wird.

Da man gesehen hat, daß die Gerste, der Rocken, die Kleyen, die Lohe, in so weit sie saure Flüssigkeiten und zur Gährung geschickt sind, fast gleichförmig das Aufschwellen der Häute bewirkten, so war es ganz natürlich, darauf zu verfallen, daß alle andere saure Flüssigkeiten, dergleichen die Bier=Träber sind, ebenfalls das Schwellen der Häute zuwege bringen. Gnimard versicherte, daß es ihm bey seinen im J. 1749 angestellten Versuchen vollkommen damit gelungen sey. Man nimmt die Bier=Träber (Marc Biére) ganz heiß aus dem Kessel, und thut sie zum Gähren, in eine bedeckte Beize, d. i. in eine Kufe ganz reines Wasser; wenn es zu seinem höchsten Grade der Gährung ist, streuet man etwas Salz darauf, und taucht die vorher wohl gewässerten und gereinigten Häute hinein. Man wärmt die Beize wieder auf, und schlägt die Häute zu verschiedenen wiederhohlten Mahlen aus, so lange bis sie genug aufgeschwellet sind. Die Wartung der Bier=Träber=Beizen, ist mit der Behandlung der von Gerste oder Kleyen gemachten Beizen gleich.

Man kann solche Bierträber=Beizen auch kalt machen, wie in Ansehung der kalten Kleyen=Beizen gemeldet worden ist.

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