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Purgieren Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon , aus dem Lat. purgare, reinigen entlehnt, wird nur von zweyen Arten des Reinigens gebraucht.

1) Als ein Neutrum, nach einer eingenommenen Purganz einen dünnen flüssigen Stuhlgang haben, und zuweilen auch überhaupt, einen dünnen flüssigen Stuhlgang haben, so wie laxieren.

2) Als ein Activum. Einen dünnen flüssigen Stuhlgang verursachen. Die Rhabarber purgieret. Purgierende Arzeneyen. Purgiermittel. Ingleichen von dem Arzte, eine solche Arzeney verordnen. Einen Kranken purgieren.

Klassifizierung: 340 RechtDDC-Icon In den Rechten ist sich purgieren, sich vermittelst eines Eides von einer Beschuldigung reinigen, sich eidlich reinigen. Daher der Purgationseid.

Eine falsche Theorie der Aerzte ist unglücklicher Weise unter das Publicum gekommen, daß fast alle Krankheiten aus Unreinigkeiten im Unterleibe entständen, daher man sie durch nichts <118, 740> besser, als durch Brechmittel und Purganzen verhüten und heilen könnte. In dem Abgange der Unreinigkeiten, glaubt man, sey die Krankheit enthalten, die man zugleich mit wegpurgieret habe. Ist das Abführen nöthig, so wird dadurch nicht etwa die Krankheitsmaterie selbst ausgeleert, sondern durch den erregten Gegenreiz die krankhafte Reizung gehoben. Es kommt nicht immer auf die Menge des Ausgeleerten an; sondern auf Wirkung des Gegenreizes. Das übermäßige Purgieren entzieht dem Körper die besten Säfte, stört die Verrichtung des Einsaugungs= und Absonderungsgeschäftes, erregt einen widernatürlichen Zudrang der Säfte gegen den Unterleib, eine örtliche Vollblütigkeit, wodurch die Neigung zu Hämorrhoiden befördert wird. In Krankheiten, die ihre Krisen durch die Haut machen, sind Abführungen um so schädlicher, weil sie diesen Trieb der Natur stören, und die Krankheit gleichsam mit Gewalt in den Körper zurück ziehen. Man sieht also, wie zweckwidrig Purganzen, als Vorbauungs= und Verhütungsmittel, bey herrschenden Fiebern, die mit Hautausschlägen verbunden sind, gebraucht werden. Wo sie wirklich nöthig sind, darf man sie unter diesen Umständen nicht unterlassen; aber nur ihr Mißbrauch, das häufige Purgieren als Vorbereitung auf eine Ausschlagskrankheit ist höchst schädlich. Gesunde haben das Abführen vollends nicht nöthig, eine zweckmäßige Lebensordnung entübrigt sie der jährlichen, oder halbjährigen Laxanz. Es ist ein Irrthum, wenn man sogleich jedes Uebelbefinden der lange unterlassenen Abführung zuschreibt; der Herr Bader des Orts wird freylich seinem Kunden so etwas weiß machen, wenn er lange Zeit keine Purgierpillen abgesetzt hat. Das Uebelbe<118, 741>finden kommt von der Unmäßigkeit, oder von andern Ursachen, die eine Krankheit erregen können.

Wer aber zur Verstopfung geneigt ist, soll doch wohl fleißig purgieren? -- Es wird ihm nicht viel helfen; so lange er die Purganz nimmt, bekommt er Oeffnung, aber nachher wird seine Verstopfung desto hartnäckiger; er mag immer größere Gaben von Abführungsmitteln nehmen, bis er sich endlich so sehr daran gewöhnt, daß sie ihm auch diesen Dienst nicht mehr thun. So ist es überhaupt mit den allzu öftern Laxanzen; man gewöhnt sich daran, und sie verlieren endlich ihre Wirkung, oder der Darmkanal wird so heftig gereitzt und erschlafft, daß ein beständiger Durchfall entsteht; die Verdauung wird so schwach, daß fast alle Speisen Beschwerden machen, und unbearbeitet wieder ausgeleeret werden. Das schlimmste ist, daß zur Zeit der Noth, wenn Abführungen bey Krankheiten erforderlich sind, die Wirkung verfehlt wird.

Bey dem gemeinen Mann sind die stärksten Purgiermittel die beliebtesten. Er hat eine harte Natur, sagt man, und nun gibt der Quacksalber eine Purganz, die er wahrscheinlich von einem Vieharzte bekam. Entsteht nicht ein wahrer Durchfall auf mehrere Tage, so war sie nicht kräftig genug. Man nimmt wohl, wenn nach ein paar Stunden nicht Ausleerung erfolgt, sogleich wieder eine derbe Portion. Auf diese Art hat sich mancher krank, oder wohl gar zu Tode purgiert.

Die Gabe des Mittels wird auch nicht so genau genommen, und gar oft bekommt ein Kind eine Purganz, daran ein Drescher genug hätte; eben so wenig bedenkt man die besondere Schwächlichkeit oder Schwangerschaft, oder die verschiede<118, 742>nen Eigenheiten mancher Personen, da der eine von einer Kinderlaxans Tage lang Wirkung verspürt, der andere von der stärksten Purganz kaum ein paar Oeffnungen bekommt. Es ist immer gewagt, ein Abführungsmittel außer auf den Rath eines Arztes zu nehmen, der sich nach dem Alter, nach der körperlichen Beschaffenheit, und nach den übrigen Umständen des Kranken erkundigt.

Widernatürliche Abführungen durch den Stuhl können nun überhaupt durch vielerley Ursachen hervor gebracht werden. Diejenigen Abführungen, welche mit Purgiermitteln, als Nachahmung der freywilligen Auflösung febrilischer Krankheiten durch den Stuhl befördert werden, sind sehr beträchtlich; denn der Reiz des Mittels, schafft nicht nur durch Beförderung und Vermehrung der wurmförmigen Bewegung der Därme die in ihnen angehäuften Exkremente fort, sondern verbreitet auch seine Wirkung auf die entfernten Theile des Körpers, und leitet aus den verschiedenen Absonderungsorganen durch die vielen in diese Krümmungen der Därme sich öffnenden Ausgänge in diesen zur Reinigung bestimmten Kanal eine Menge krankhafter Feuchtigkeiten. Allein, ob nun gleich eingeräumt werden muß, daß Purgiermittel sehr wichtige und öfters höchst nöthige Arzeneyen sind, so muß man, wie vorhin schon bemerkt wurde, dennoch zugeben, daß die schädlichen, von ihrem allzu häufigen Gebrauche entstehenden Wirkungen, selten in gehörige Betrachtung gezogen werden.

Die purgierenden Mittel sind von zweyerley Art: gelinde und heftig wirkende. Beyde Arten wirken mehr oder weniger auf den ganzen Körper sowohl, als besonders in den Magen und <118, 743> die Därme. Daß einige von den feinern Theilen der Laxiermittel in den Körper aufgenommen und mit dem Blute vermischt werden, wo sie ganz für sich besondere Wirkung thun, beweisen die darauf folgenden Symptome und Phänomene der ausgeführten Flüssigkeiten.

Die Manna wird als das gelindeste und sicherste Laxiermittel angesehen; indessen ist sie doch immer am meisten Blähungen zu erzeugen geneigt, so daß sie vielen Kranken übel bekommt; und der übertrieben fortgesetzte Gebrauch hat unersetzlichen Schaden gestiftet.

Die angreifenden harzigen, aus Scammonium und Aloe bestehenden, heftig auflösenden Laxiermittel müssen nothwendig, im Fall sie öfters wiederholt werden, den Magen und die Därme schwächen, Krämpfe erregen, das Nerven= und Gefäßsystem reizen, und dadurch die progressive Bewegung des Blutes selbst bis zur inflammatorischen Fieberbewegung vermehren; sie leiten es in ungewöhnlicher Menge von den obern Theilen durch die Gekrösgefäße, deren Endungen und Oeffnungen jetzt erschlafft und geöffnet sind; die Säfte aus den Drüsen fließen jetzt gleichfalls durch ihre Ausführungskanäle in die Darmhöhle und in die Urinwege, wo sich jetzt eben eine Ausleerung der unteren Gefäße und eine Verminderung des bisher geleisteten Widerstandes befindet. Auf diese Umstände pflegen Schwäche, Mattigkeit, schwache, scharfe und heisere Stimme, entstellte Gesichtsbildung, Niedergeschlagenheit, unterbrochner unruhiger Schlaf, convulsivische Bewegungen, und Beänstigungen des Herzens zu erfolgen. Hierauf verfallen dergleichen Kranke in Ruhranfälle, Wassersucht, Hypochondrie und Lähmung; und weil die nährenden <118, 744> Theilchen aus den Speisen in die Milchgefäße einzudringen von Zeit zu Zeit gehindert werden: so muß eine Dürrsucht, oder der äußerste Grad von Abzehrung mit dem ganzen Gefolge hektischer Symptome nothwendig erfolgen. Die Gefäße fallen von einer so unmäßigen Ausleerung zusammen, und die in ihnen enthaltenen Säfte verderben. Bey den Leichenöffnungen an solchen Umständen verstorbener Personen findet man die Häute des Magens und der engen Därme verwundet; sie zeigen rothe Flecke und Kennzeichen der Entzündung, so daß scharfe Purganzen mit ihren schädlichen Wirkungen den wahren Giften völlig gleichkommen.

Obgleich Milch, Oehl, Fett Gallert aus Kälberfüßen, Fleischbrühe, gummöse Schleime scharfe Theilchen überhaupt abstumpfen: so wird doch die schädliche Wirkung gewisser Substanzen ganz besonders und gleichsam specifisch durch noch andere Substanzen die chemisch auf sie wirken, unschädlich gemacht. So verändert und mildert der Schwefel die allzuheftige Wirkung des Quecksilbers; der Salpeter hemmt die des Schwefels; Jalappe wird in ihrer Wirksamkeit durch Weinsteinrahm gemindert, und das zerflossene Weinsteinsalz schränkt die Coloquintenmittel in ihrer öfters sehr nachtheiligen Wirkung ein, gleich wie dieses auch bey dem Scammonium und allen harzigen Substanzen durch das Weinsteinsalz zu erlangen ist: dem Eisenhütlein (Aconitum) und den andern scharfen Giftpflanzen wird von der Brennnessel in ihren Wirkungen Einhalt gethan. Das fressende Sublimat löset sich in Wasser auf, und dessen heftige Wirkung wird durch das letztere bezwungen. Arsenik aber will sich nicht in Wasser auflösen; doch geschieht es in Oehlen. Wasser kann <118, 745> zwar die Schärfe metallischer oder schwefelichter Substanzen auch nicht abstumpfen; aber vieles Wasser mit Weinessig häufig in den Magen gefüllt hat gleichwohl die Spitze einer darin befindlichen Nadel so stumpf gemacht, daß sie im geringsten nicht geschadet hat. Doch mag dieser gute Erfolg auch der zufälligen Lage der Nadel (mit dem Kopfe voran) zuzuschreiben seyn.

Heftig wirkende Purgiermittel werden gemeinhin in hartnäckiger Leibesverstopfung angewandt, wo nähmlich eine Unthätigkeit der Muskelfiebern der Därme zugegen ist, und wo die daselbst abgesonderten Feuchtigkeiten keine hinlängliche Schlüpfrigkeit gewähren, um die daselbst eingesperrten, vertrockneten und harten Excremente auflöslich, beweglich und zur weitern Beförderung und Fortpressung nach unten hin in den Därmen geschickt zu machen. Wenn jedoch dieses einmahl erlangt ist, und die Verhärtungen erweicht worden sind; so muß man auch das stark und heftig reizende Mittel sogleich weglassen, damit nicht unmäßige Stühle erfolgen, die gute Mischung der Säfte verdorben, der Darmkanal seiner Befruchtungssäfte beraubt, die Ausdünstung unterdrückt, und die natürliche Wärme völlig vertilgt werden möge.

Hartnäckige Leibesverstopfung erfordert die größte und genaueste Aufmerksamkeit des Arztes, *

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Man sehe hierüber den ausführlicheren Artikel Pfeil-IconLeibesverstopfung, Th. 73, Pfeil-IconS. 1 fl.

weil durch die verhärteten und in den Därmen zurückgehaltenen Excremente, vermöge ihres durch den Druck gemachten Reizes und der daher vermehrten Schwächung dieser Theile, allerley wichtige und beunruhigende Symptome hervor gebracht werden; es erfolgt gemeiniglich Hitze, Durst, Husten, Kopfschmerzen, Verderbniß des <118, 746> Magens, Aufblähung des Leibes, übelriechender Athem Schlucken, und habituelle Verstopfung, oder endlich ein Verlust aller Muskelkraft der Intestinalfibern, worauf das Miserere, und endlich gar der kalte Brand der Gedärme zu erfolgen pflegt.

Man muß bey Leibesverstopfung vorzüglich auf die nächste und unmittelbare Ursache sehen; es mag auch die Gelegenheitsursache der Zusammenziehung der sich in die Höhle der Därme öffnenden Ausführungskanäle, oder des verhinderten Einflusses der Feuchtigkeiten, oder der gehinderten wurmförmigen Bewegung, die aus dem Reiz derselben entsteht, seyn, welche sie wolle. Dieses wird gleich anfangs durch das Arzeneymittel, und hernach durch die Wahl der Nahrungsmittel, durch das Regimen und die Leibesbewegung bewirkt.

Bisweilen hat man in hartnäckiger Leibesverstopfung durch ein gelindes Laxiermittel den guten Erfolg erlangt, wenn der schwache Magen das heftig wirkende Mittel von sich gegeben, ja selbst wenn er es bey sich behalten hatte. Dieser Erfolg rührte wahrscheinlich von einer gewissen Spannung des Magens und der Därme her, welche durch den Reiz des heftig wirkenden Mittels verursacht, und wodurch zugleich die Absonderung verhindert wurde. Das gelinde Laxiermittel aber und dessen sanftere Wirkung verhütete diesen Widerstand, und that also Wirkung. Indessen thut das Laxiermittel, es mag aus der Classe der gelinden oder stark wirkenden seyn, bey der nähmlichen Person nicht zu allen Zeiten einerley Wirkung. Wenn es scharfe Feuchtigkeiten im Magen und Darmkanal antrifft, und zur Unzeit angewendet wird, als während einer kriti<118, 747>schen und periodischen Ausführung: so wird es zu solcher Zeit immer sehr heftig wirken. Wird das Laxiermittel nicht mit roher oder fremder Feuchtigkeit vermengt, oder durch dergleichen in seiner Wirkung gehindert, so wird es auch sanfter wirken. Daher ist auch ein Laxiermittel am schicklichsten bey nüchternem Magen zu nehmen, aus dem es bald seinen Weg durch die Därme nimmt. Ein Brechmittel hingegen wirkt mit der größten Zuverlässigkeit, wenn man es bey vollem Magen nehmen läßt. Wenn der Darmkanal durch ein Klystier Abends ausgeleeret wird: so kann das am nächsten Morgen darauf genommene Laxiermittel seine Wirkung desto geschwinder thun.

Da die Laxiermittel die Säfte aus der Oberfläche des Körpers gegen die Gedärme leiten, so können dieselben auch weiter keine Wirkung in der Cur eines Fiebers thun, als daß sie vorbauungsweise die im Unterleibe gesammelten Unreinigkeiten, welche zu einem Zunder der Krankheit werden können, fortschaffen; allein dieses muß nur gleich bey dem Ursprunge der Krankheit geschehen, oder unmittelbar, wenn sie ihre höchste Stufe wieder verlassen hat. Solche angehäufte Unreinigkeiten müssen auch sogleich nach einem Fieberanfall abgeführt werden. Denn jetzt ist eine Scheidung in den abgesonderten Säften vorgegangen, wenn auch gleich die Krisis nur unvollkommen wäre.

Die Ansichten der neueren Aerzte, besonders aus der Brown'schen Schule sind indeß etwas abweichend von diesen hier vorgetragenen Grundsätzen, indem sie in sehr vielen Fällen es für besser halten, den Körper gleich so zu stärken, daß er die angehäuften Unreinigkeiten verarbeiten oder <118, 748> auf dem gewöhnlichen Wege fortschaffen kann, als diese Unreinigkeiten selbst durch Laxiermittel auszuführen; und man muß gestehen, daß sie sehr häufig eben so schnell und noch schneller eine Krankheit durch Stärkungsmittel heben, als andere, die den Patienten erst durch Purgiermittel an Kräften herabbringen, um dann ihre Kunst zu zeigen, ihn wieder gesund zu machen und auf die Beine zu helfen. Auf der anderen Seite ist indeß wohl nicht zu leugnen, daß man hin und wieder aus Vorliebe für das neue System wohl etwas zu allgemein gegen den Gebrauch der Abführungsmittel geeifert hat; und man soll dieses, nach den neuesten Nachrichten, vorzüglich auch in England eingestehen, und die Laxiermittel wieder viel häufiger brauchen, als sonst, und sich also von den Brown'schen Grundsätzen entfernen, Ueberhaupt ist es sehr schwer, es richtig zu beurtheilen, ob in einem vorkommenden Falle Sthenie oder Asthenie anzunehmen sey, und ob man also schwächen oder stärken müsse, um zum gewünschten Zwecke zu gelangen.

Die heftigsten Abführungsmittel kann man durch Verbindung mit andern mildern, und die stärksten Gifte durch gewisse Gegengifte verändern. Hiervon ist in den besondern Artikeln die Rede, welche von den Abführungsmitteln selbst handeln.

Nach heftiger Wirkung eines angreifenden Abführungsmittels räth Hippokrates übrigens schon an, wie Aetius anführt, den Kranken in ein warmes Bad zu setzen, und ihm vor und nach dem Bade einen Eidotter mit weißem Wein zu geben. Der fortdauernde Reiz und die Bewegung können mit einigen Tropfen des Laudanums, oder noch besser mit einigen Granen vom Schier<118, 749>lingsextract gestillt werden: denn das letztere Mittel kann ohnehin ganz vortrefflich und sicher die harzigen abführenden Arzeneyen in ihren zu heftigen Wirkungen mäßigen und mildern, ohne daß ihnen ihre abführende Wirkung benommen wird.

In Hinsicht der Diät ist im Allgemeinen folgendes zu bemerken. Wer ein Abführungsmittel genommen hat, trinkt früh einige Tassen Kaffee oder Thee, entweder ohne oder doch nur mit sehr wenig Milch oder Rahm, genießt nach einigen Stunden einige Löffel Fleischbrühsuppe, ißt Mittags sehr mäßig, und zwar kein Fleisch, sondern nur Gries, Grütze, Hirsen, Reiß, Gräupchen, denen man noch allenfalls ein Stückchen Weißbrot mit guter, frischer Butter nachfolgen lassen kann. Nachmittags können wieder, wenn anders Appetit dazu vorhanden ist, einige Tassen Kaffee, oder statt dessen einige Gläser gut gegohrnes Bier, getrunken werden. Abends Fleischbrüh= oder Wassersuppe mit Eidotter zubereitet, einige weichgesottene Eier oder Butterbrot.

Was die Purgiermittel nun selbst betrifft, so ist zwar die Art und Weise, wie sie eigentlich wirken, nicht leicht einzusehen, doch wurden schon die Alten durch fleißige Beobachtungen sehr bald belehrt, daß die Wirkungen selbst, welche auf Purgiermittel folgten, so verschieden waren als die Mittel. Daher nahmen sie Anlaß, die Purganzen zu classificiren. Die gelindern nannten sie eccoprotica. (Von κοπρος, stercus, welches man im Latein füglich durch stercoriduca verdollmetschen könnte); die, welche zugleich mit Mitteln verbunden waren, wodurch man Verbesserung der Säfte zu bewirken suchte, per epicrasin laxantia; diejenigen, welche zugleich einen die Gedärme verstopfenden Krampf wegnahmen, le<118, 750>nientia oder lenitiua, auch solutiva; ferner diejenigen, welche dickes und dünnes mit einander ausführten καθαρτικα oder purgantia; und endlich diejenigen, welche so heftig wirkten, daß man meinte, sie könnten auch wohl die Seele zum Leibe hinaus purgiren, δραςικα.

Diese Classification schien andern noch nicht vollständig genug, und weil sie wahrnahmen, daß je zuweilen der Purgierende nichts als Schleim, ein andermahl fast lauter Galle, ein andermahl schwarzen Unflath, und wieder ein andermahl ein verschiedenartiges Gemisch durch den After abgehen ließ, geriethen sie auf den Gedanken, daß die Purganzen specifisch wirkten, und einige bloß den Schleim, andre die Galle, wieder andre die schwarze Galle, und abermahls andere alles Unheil mit einander ausführen könnten. Sie nannten daher die erstern Phlegmagoga, die andern Cholagoga, die dritten Melanagoga, und die vierten Panchymagoga. Dieser Gedanke ist aber unrichtig und die Alten, anstatt zu lehren, diese oder jene Purganz führe diese oder jene Art von Unrath allein aus, hätten lehren sollen, sie führe sie mehr aus, als eine andere Art, ohne deswegen diese andere Art, wenn sie vorhanden ist, ganz unangegriffen zu lassen. Wenn der Abgang stromweise floß, so belegten die Alten die Mittel, welche dieß bewirkten, mit dem Nahmen Hydragoga, und gingen viele Winde mit ab, so nannten sie die Mittel, die dieß veranlaßten, Physagoga.

Heut zu Tage sieht man ein, daß es in dieser Lehre unnöthig sey so viele Subtilitäten einzumischen, und bringt alle Purganzen unter die drey Klassen der gelinden, der starken und der drastischen oder Roßpurganzen.

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Da nun die Wirkungsart abführender Mittel darauf sich bezieht, in welchem Stande der Reizbarkeit sich die ersten Wege befinden, ob nähmlich diese Reizbarkeit unterdrückt, oder thätig, schwach oder stark, groß oder klein oder übermäßig ist, ob sich zu gleicher Zeit Krämpfe oder Erschlaffungen im Darmcanale finden ob Entzündung desselben zu fürchten ist oder nicht, ob gewisse Nebenumstände das Abführen verbieten oder zulassen, so erhellet von selbst, daß es nicht immer ein leichtes Geschäft ist, in jedem Fall die schick ichste Purganz zu verordnen; nicht zu gedenken was Alter, Geschlecht, Jahrszeit, Genius epidemischer Krankheiten, Complicationen, Idiosynkrasie, Localfehler, Verletzungen in den Eingeweiden, Brüche, und unzählige Dinge mehr für Vorsichtsregeln beym Gebrauche der Abführungen vorzuschreiben Anlaß geben. Ein Arzt muß sehr dreist und unkundig seyn, wenn er sich über alle diese Betrachtungen wegsetzen und an eine Universalpurganz glauben will; denn diese ist ein Unding, wie die Universalarzeney der Goldmacher. Doch ist hiermit nicht gesagt, daß er aus der großen Zahl der bekannten Abführungsmittel jedes Mahl ein anderes auswählen solle. Die Natur bietet uns verschiedene ganz vorzüglich brauchbare Substanzen dar, welche wir hier zur zweckmäßigen Auswahl bemerklich machen wollen.

Unter den so genannten antiphlogistischen oder entzündungswidrigen Purganzen empfehlen sich vorzüglich folgende Formeln.

Nro 1.

Antiphlogistische Purganz.

R. Pulpae tamarindorum uncias duas,
   Cremoris tartari unciam semis,
<118, 752>
  Syrupi acetositatis citri unciam unam.
  Aquae rubi idaei sine uino uncias sex.
M. D. ad uitr. S. Mixtur, davon alle halbe Stunde ein Eßlöffel zu geben, und etwas warme Limonade, oder Molke, oder Thee mit Citronen nachzutrinken.
Nro. 2.
Eine andere.
R. Pulpae cassiae,
Syrupi rosarum solutiui ana unciam unam atque semissem,
Tartari tartarisat. drachmas duas,
Elaeosacchari citri drachmam unam atque semissem.
M. D. ad fictile. S. Latwerge, die nach Belieben mit ein wenig warm Wasser zu verdünnen und tassenweise zu nehmen, nder auch nach und nach Theelöffelweise zu geben.
Nro. 3.
Decoct, wobey antiphlogistische und antiseptische Ingredienzien gemischt sind. (Gorter nro. 106.)
R. Folior. Scordii,
  alliariae,
  marrubii albi ana uncias duas.
  Aquae commun. q. s.
  Coque et adde colaturae libr. iij.
  Oxymelit. syuillitic. uncias octo,
  Nitri drachmas duas,
  Aceti theriacalis unciam unam.
D. ad lagenam. S. Decoct davon alle Stunde ein Glas voll aber wohl gewärmt zu trinken.

Von der edlen Rhabarber soll im Buchstaben R gehandelt werden. Wir sprechen also nun von den Mittelsalzen. Einmahl wirken dieselben, wenn die auszuführenden Materien <118, 753> nicht beweglich genug ist, als auflösende Mittel, und führen den Nahmen der Digestive. Zweytens aber wirken sie, wenn sie einen beweglichen Unflath antreffen, als wirkliche Purganzen. Bekanntlich gibt es deren natürliche, wohin viele Gesundbrunnen gehören, und künstliche. Die Gabe der Mittelsalze für Erwachsene ist gewöhnlich eine Unze, zuweilen ist schon eine halbe genug, und in manchen Fällen schadet es auch nicht, statt einer, anderthalb oder zwey zu geben. Nur müssen die Purganten und Purgantinnen keine Hypochondristen oder hysterische Personen seyn, weil diese nur äußerst kleine Gaben ertragen können. Die fixen Mittelsalze, wie z. B. den vitriolisirten Weinstein, darf man nicht in starken Dosen geben, denn sie sind zu grob, und beschweren die ersten Wege zu sehr. Daher setzt man sie nur zu einigen Granen andern Purganzen bey, um die Wirkung derselben zu verstärken. Weinsteinrahm ist mehr als ein Digestiv, als eine eigentliche Purganz anzusehen, und ist vorzüglich in gallichten Uebeln dienlich. Unter den Mitteln gegen Würmer und Schleim verdienen alle Purgiersalze eine vorzügliche Stelle. Man muß keine fette Brühen auf den Gebrauch solcher Salze trinken lassen, weil jene bekanntlich die Wirkung von diesen schwächen oder zernichten. Frisches Wasser ist hier das beste.

Von der Manna ist hier nur wenig zu sagen, da ein eigener Pfeil-IconArtikel davon handelt. Dieß Medicament hat nur zwey Fehler: erstlich die bis ins Ekelhafte gehende Süßigkeit, und die Eigenschaft, sehr leicht Blähungen zu erregen. Jener Fehler läßt sich zur Noth noch durch den Zusatz von auflöslichem Weinsteine, auflöslichem Weinsteinrahm, Tamarinden, Cassien, und <118, 754> Polychrestsalz verbessern, welche Verbesserung zugleich die auflösende Kraft von diesem Medicamente noch wirksamer machen. Auch andere Mittelsalze schicken sich nicht übel dazu. Kindern und Erwachsenen, die am schleimigen Asthma leiden, wie auch Wassersüchtigen, welche stärkere Mittel nicht ertragen können, dient Manna mit Meerzwiefelsaft versetzt. Die Versetzung mit Rhabarber und Wegwartensyrup, um kleine Kinder damit zu laxiren ist bekannt. Die Dosis der Manna in Substanz ist für Kinder eine Drachme, für Kinder von zehn bis zwölf Jah ren, wenn sie anders Belieben daran finden, eine halbe auch ganze Unze.

Noch größere Vorzüge, ähnliche Eigenschaften und Wirkungsart, wie auch Fähigkeit, sich mit andern Purgiermitteln versetzen zu lassen, hat das Cassienmark und Tamarindenmark, zwey Dinge, die unter allen Arten antiphlogistischer Purganzen mit Recht am meisten im Gebrauche sind, und welche die Fehler nicht an sich haben, welche an der Manna entdeckt werden.

Die Blätter der Senna, oder wie man im gemeinen Leben sagt, die Sennesblätter, (von der Cassia Senna Linn.) müssen, wenn sie zu einer innerlich zu nehmenden Abführung kommen, bekanntlich von ihren Stielen gereinigt werden, als welche Grimmen erregen, und dürfen nicht gekocht werden, weil ihnen das Kochen ihre abführende Kraft benimmt. Baldinger hält sie für ein überflüssiges Mittel. Aber nicht so die Jalappe, (Mirabilis Jalappa). Die Jalappe wirkt vorzüglich durch ihren stark zu Stuhl treibenden harzichten Bestandtheil. Wie das harzige Princip abgesondert wird, ist aus der Pharmacie bekannt genug. Das Jalappenhar; <118, 755> wird von manchen dem Dacrydium vorgezogen, vielleicht aber ohne Grund Man verschreibt die Jallappenwurzel selten allein, sondern verbessert ihren üblen Geschmack durch Zucker und irgend ein gewürzhaftes Oehl. Je jünger der Patient ist, desto mehr muß nach Verhältniß die Dosis unter zwey Scrupeln bleiben, denn zwey Scrupel sind für einen Erwachsenen genug auf einmahl.

Wenn Schleim im Darmcanale, oder verlegene zähe Galle dem Jallappenpulver nicht erlaubt, genugsam durchzugreifen, wird sein Stimulus durch Mittelsalze, und tatarisirten Weinstein u. dgl. verstärkt.

In der Störkischen Wurmlatwerge, die bekanntlich aus Brunnenkressenconserve, Polychrestsalz, Meerzwiebelhonig und Jalappenpulver besteht, ist die Jalappe das Hauptingrediens. Trockne und reizbare Subjecte vertragen sie nicht in Substanz, und selten mit Zusätzen. Phlegmatiker befinden sich aber wohl dabey. Wo Rhabarber zu schwach ist, da dient Jalappe vortrefflich.

Das Harz und die weingeistige Tinctur ist mit der äussersten Vorsicht zu gebrauchen. Beydes sind Roßpurganzen, und ersteres darf nicht anders, als in Emulsionen von einem bis höchstens sechs Gran zur Dosis, oder auch in Pillen, wenn demulcirende Getränke nachgetrunken werden, in eben dem Verhältnisse gegeben, letztere aber nur den robusten Subjecten und das in schwacher Gabe, gereicht werden. Eine zu grobe Dosis von beyden macht Darmentzündung, Brand, und Tod.

Vom Scammonium. Convolvulus Scammonia L. wollen wir, um hier nicht zu weitläuftig zu seyn, im Artikel Pfeil-IconWinde (Purgier=) reden.

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Das Gummigutt (Cambogia Gutta L.) ist ein weiland höchst verschriener Saft. Mit Behutsamkeit gegeben wirkt es aber sicher, vortrefflich, und nichts weniger als drastisch. Fünf Gran darf jedoch bey einem Erwachsenen die Dosis gewöhnlich nicht überschreiten, ja in den allermeisten Fällen sind zwey oder drey weniger schon genug. In der Wassersucht, wenn die Eingeweide nicht sontisch verletzt sind, darf die Dosis nach und nach bis auf 15 Gran steigen. Auch wird bekanntlich dieser Saft von nicht wenigen gebraucht, um den Bandwurm damit ab. zutreiben. Für Wassersüchtige ziehen inzwischen manche das Elaterium vor. Baldinger hat z. B. für dergleichen Subjecte folgende Pillen aus Erfahrung erprobt, und in seinen Vorlesungen mitgetheilt.

Rc. Pulu. radic. squill. dr. duas
Sulph. antim. aurat. tertiae praecipit.
Sal. uolat. succini ana dr. semis
Extr. Elater. drachm. duas
Olei anis. stillat. gtt. decem.
M. f. c. succ. liqu. pil. pond. grani unius.

Von diesen Pillen gibt man anfänglich drey, nach und nach mehr, so daß man endlich bey der Zahl 10 stehen bleibt.

Man sieht leicht, daß das Extract vom Eselskürbis (Momordica Elaterium L.) in diesem Mittel die Hauptsache ist.

Die Coloquinte (Cucumis Colocynthis L.) hat ein Mark von starker Bitterkeit, welches zuweilen abgesotten wird, um in Klystiren beygebracht zu werden, wo es um Reizung des Darmcanals neben dem Abführen zu thun ist. Das officinelle Extract ist auch in kleinen Dosen schon wirksam. Es ist eine Fabel, daß der <118, 757> Zusatz von Mehl die Wirkung der Coloquinten entkräfte, welche Fabel sich auf eine falsch ausgelegte Stelle im alten Testamente gründet.

Vom versüßten Quecksilber ist unter Pfeil-IconQ das weitere nachzusehen.

Von der Aloe ist im ersten Bande gehandelt worden.

Vom Lerchenschwamme, der Soldanelle, der Kreuzbeere (Rhamnus catharticus der Botanisten) und dem vegetabilischen Turbith, so wie auch der Gratiola haben wir nichts zu sagen, als daß sie entbehrlich zu seyn scheinen.

Die Zaunrübe (Bryonia) ist am besten, wo man Bauren zu purgieren hat. Man infundirt sie mit Bier, sie ist bis zum Drastischen abführend, und darf wie die Coloquinte nur in chronischen Uebeln, und bey unverletzten Eingeweiden, keinesweges aber in fieberhaften Krankheiten gereicht werden.

Die Artikel Pfeil-IconDurchlauf, Pfeil-IconKlystier und Pfeil-IconLeibesverstopfung enthalten übrigens verschiedenes, was mit der hier abgehandelten Materie in Beziehung steht. Die Beschreibung des Verlaufs und der Heilart der besonderen Krankheiten, welche man in eigenen Artikeln dieses Werkes findet, wird wegen des Gebrauchs der abführenden Mittel in besonderen Fällen weitere Auskunft geben.

Klassifizierung: 636.089 Veterinärwissenschaften; TiermedizinDDC-Icon Ueber die Anwendung der Purgiermittel bey dem Viehe sagt Herr Frenzel: *

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In dem praktischen Handbuche für Thierärzte III. S. 83 fl.

„Die Erfahrung lehret, daß die verschiedenen Arten der Purgiermittel, bloß in Ansehung ihrer Wirksamkeit von einander abweichen, und daß sie alle nur in so fern auf die verschiedenen <118, 758> Flüssigkeiten des Körpers wirken, in wie fern sie die ersten Wege mehr oder weniger stark reizen, und eine mehr oder minder beträchtliche Aussonderung durch den After verursachen. Durch den Gebrauch dieser Arzneyen wird also bloß die Menge der Flüssigkeiten vermindert und der Kanal der ersten Wege gereinigt und von den Materien, die sich vielleicht darin angesammelt haben, befreyt. -- Aus diesem gesagten kann man den Schluß machen, daß es keine Purgiermittel gibt, mittelst welcher nur eine besondere Feuchtigkeit aus dem Körper fortgeschaft werden kann; zwar glaubte man sonst, daß gewisse Mittel diesen, andere aber jenen andern Saft abzuführen die Kraft besäßen, allein diese Meinung wird durch die Erfahrung nicht bestätigt. Denn wenn man z. B. einem Pferde, das eine Geschwulst an den Füßen, oder einen nässenden Schaden an den Fersen hat, Purgiermittel eingibt; so äußern diese ihre Kraft nicht unmittelbar auf die in den Füßen angesammelten Flüssigkeiten, sondern sie wirken vielmehr durch eine Ableitung auf dieselben: sie führen nähmlich die Feuchtigkeiten, u. s. w. aus dem Magen und aus den Gedärmen ab, und indem dieß geschieht, werden die in den Füßen befindlichen Säfte von den einsaugenden Gefäßen aufgenommen, und aus den Gliedmaßen weggeführt, um den Mangel, der in jenen Theilen statt hat, zu ersetzen: aus dieser Ursache muß sich daher die Geschwulst der Füße setzen. --Diese Art von Ausleerung fällt freylich sehr in die Augen, und hat Unwissenden Veranlassung gegeben, daß die abführenden Mittel in den meisten Krankheiten die krankhafte Materie fortzuschaffen im Stande seyen; allein, man muß hierbey nicht bloß auf die Wirkung sehen, die in die <118, 759> Augen fällt, sondern man muß auch die Folgen bedenken, die daraus entstehen. Denn es ist eine gewisse Wahrheit, daß in dem Verhältniß, wie eine Ausleerung verstärkt wird oder zunimmt, die meisten oder alle übrige Ausleerungen vermindert werden.”

„Und da ferner -- wie bereits erwähnt worden ist -- die Purgiermittel den Kreislauf des Blutes vermehren, und über den ganzen Körper eine Wärme verbreiten; so muß man auch auf den Körperzustand des Thieres Rücksicht nehmen, denn die Purgiermittel können leicht, wenn sie bey einer schon gegenwärtigen entzündlichen Beschaffenheit des Blutes, oder eingetretenen Entzündung, angewendet werden, entweder eine erregen, oder vermehren, und nach einem vorzüglichen Eingeweide locken, und dem Thiere Gefahr verursachen.”

„Weiter lehrt uns die Erfahrung, daß die Purgiermittel bey den größern Thieren, als bey Pferden, Maulthieren, Eseln und Rindviehe, ihre Wirkungen erst nach mehrern Stunden äußern, und daß sie in dem langen Gange der Gedärme eine beträchtliche Zeit liegen bleiben, ehe man einen Abgang der Auswurfsmasse sieht. Dieß hat viele veranlaßt zu glauben, daß die bereits gegebene Gabe zu schwach gewesen seyn, und daß sie um einen baldigen Durchbruch zu bewirken, nochmahls eine ganze oder halbe Gabe dem Thiere beybringen müßten.”

„Einige Purgiermittel haben auch bey gewisser Beschaffenheit des Körpers die Art, daß sie entweder auf den Schweiß, oder auf die Harnwege ihre Kräfte äußern, und deswegen werden viele, die diese Wirkung nicht kennen, vergeblich auf einen Afterauswurf warten.”

<118, 760>

„Wenn man einem muntern, vier oder fünfjährigen, ganz gesunden Pferde, -- nach den Beobachtungen des Hrn. Vitet, nachdem es zwölf Stunden nüchtern gestanden hat, einen Purgiertrank eingibt: so wird es alsbald traurig, holt nicht mehr so leicht Athem, die Pulsadern schlagen geschwinder, und es entsteht ein Kollern im Leibe. Das Thier hohlt nun kürzer Athem, wird matt, traurig, unruhig, der Hinterleib wird aufgetrieben, der in den dicken Gedärmen angehäufte Mist geht gemeiniglich mit vielen Blähungen 12 oder 15 ja bisweilen gar vier und zwanzig Stunden nach gegebenem Purgiertrank ab. Nach diesem Abgange mistet das Thier dünneren, meist flüssigen, mehr oder weniger gelb gefärbten und schleimigen Unrath. Dabey bekommt es Trockenheit im Maule, aber nur selten starken Durst und stärkeren Harnabgang. Wenn der Purgiertrank heftig wirkt: so geräth das Thier in Schweiß, und wenn man in diesem letztern Falle das Thier aufhauet: so findet man den Magen ausgedehnt, und den Eingang in den Zwölffingerdarm und den daran gränzenden Theil des Magens entzündet.”

„Wenn man einem gesunden Ochsen in seinem besten Alter, nachdem er funfzehn Stunden nüchtern gestanden hat, einen Purgiertrank eingießt: so wird er sogleich traurig und unruhig, und hohlt geschwinder Athem, als im natürlichen Zustande, auch schlagen die Pulsadern geschwinder. Das Wiederkäuen hört auf, und der Hinterleib schwillt an, das Thier hat Abneigung gegen das Futter, und liegt lieber, als es steht. Der Harn fließt häufiger, und nach funfzehn bis vier und zwanzig, auch zuweilen nach sechs und dreyßig Stunden, mistet das Thier weichern Mist <118, 761> mit sehr wenig Blähungen. Man hört wenig Kollern, der Abgang des Mistes wird häufiger, und nun geht bloß dünner, hell oder dunkelgelber, zuweilen grünlicher Unrath ab. Dabey hat das Thier immer ein trocknes Maul und heftigen Durst. Nach einem starken Purgiermittel sind alle diese Zufälle heftiger, der Hinterleib wird außerordentlich aufgetrieben und schmerzhaft, der Rohm wird heftig entzündet, und das Thier stirbt zuweilen zwey oder drey Tage nach dem Gebrauche des Purgiermittels.”

„Wenn man einem zweyjährigen starken und gesunden Schafe, einen gelinden Purgiertrank gibt; so wird der Hinterleib etwas aufgetrieben, der Puls und das Athemholen etwas geschwinder, das Thier ist etwas trauriger und stiller, als im gesunden Zustande, und hat keinen Appetit. Der Harn geht ungestört ab, und funfzehn oder vier und zwanzig, zuweilen auch sechs und dreyßig, oder acht und vierzig Stunden mistet das Schaf erst trocknen, bald darauf aber weichern, und flüssigen dunkelgelben, oft schwärzlichgelben und stinkenden Unrath.”

„Da nun also die Purgiermittel, sie mögen heftig oder gelinde seyn, die Lebens= und Verdauungswerkzeuge stören, so muß man auch einsehen lernen, wie behutsam sie angewendet werden müssen, und wie sehr man auf die Gattung, Lebensart, Jahreszeit u. s. w. acht haben muß. Daher ich denjenigen, welche bey dem Gebrauche der Purgiermittel furchtsam sind, oder nicht gehörig beurtheilen können, wenn solche nützlich oder schädlich seyn können, anrathe, lieber Purgiermittel in Klystieren zu geben, oder sich der angezeigten gelind abführenden Mittel zu bedienen.”

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„Die besten Purgiermittel, welche man anwenden kann, bestehen bey Pferden, Mauleseln, Eseln, Ochsen und Kühen, in drey bis vier Loth in Wein aufgelöster Aloe. Bey Schweinen in einem halben, und bey Ziegen und Schafen in einem ganzen Quentchen rohen Spießglas. Bey Hunden entweder in einem oder zwey Loth mit lauem Wasser aufgelöster Manna; oder in einem Quentchen Jalappenpulver mit Honig und Wasser vermischt. -- Alle übrige Mittel welche theils gar nicht, oder theils zu heftig wirken, können die Thierärzte ganz entbehren, besonders auch, da sie immer kostbarer zu stehen kommen.”

Ein wohlfeiles und doch sicheres Purgiermittel für Pferde.

Hr. Flormann gab einem Füllen im zweyten Jahr 15 Gran Gummi=Gutte in zwey Nößel Wasser aufgelöset. Das Füllen hatte zwey Stunden vorher gefressen und gesoffen. Eine Stunde nach dem Eingeben befand es sich übel, erhielt einen schnelleren Puls, und zog stark die Flanken. Es hob bisweilen den Schweif, kratzte mit den Fußen, und bisweilen wurden einige Zuckungen in den Muskeln verspürt, die aber von keiner Bedeutung waren. Nach drey Stunden schien der Bauch aufgedunsen, wobey die Zufälle sich vermehrten. Nachdem das Thier aber mehrere dünnere Oeffnungen gehabt, äußerte sich fünf Stunden nach dem Eingeben ein heftiges Zittern über den ganzen Körper, der sich zusammenzog, wie es bey dem Vieh zu geschehen pflegt, wenn es auf dem Felde friert. Darauf wurde es unruhiger, und nach Verlauf von sieben Stunden seit dem Eingeben, fing es an zu fressen, und befand sich wieder wohl. Nach 8 <118, 763> Tagen gab Herr Flormann diesem Füllen nochmahls 30 Gran Gummi=Gutta. Die Zufälle waren fast die nähmlichen, wie vorher, und innerhalb fünf Stunden hatte das Thier schon mehrere dünnere Oeffnungen gehabt. Man wiederholte den Versuch bey einem fünfjährigen Reiterpferde, dem zwey Quentchen Gummi=Gutta in Klößen gereicht wurden. Es bezeigte sich unruhig, wollte weder fressen noch saufen; der Puls war merklich schneller; nach zwölf Stunden hatte das Pferd einmahl, und nachher des Nachts ein paarmahl gemistet. Der Mist war lockerer als gewöhnlich und heller von Farbe, welches auch bey den übrigen Pferden, denen das Mittel beygebracht wurde, bemerkt ist. S. Viborg' s Sammlungen, III. B.

Purgierflachs, s. Purgierlein, Linum catharticum Linn., im Art. Pfeil-IconLein, Th. 76, Pfeil-IconS. 19.

Purgiergras, Bromus purgans L., s. im Art. Pfeil-IconTrespe.

Purgierkirsche Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon , eine Art den Kirschen ähnlicher Früchte, welche eine purgierende Kraft haben, und das Gewächs, welches sie trägt.

Klassifizierung: 583.86 Rhamnales DDC-Icon 1) Eine Art Kreuzdorns, welche auf den hohen Gebirgen des mittägigen Europa wächst; Rhamnus alpinus Linn. Dieser kleine an sich wenig bedeutende Strauch ist im Art. Pfeil-IconKreuzbeerstrauch, Th. 49, übergangen worden. S. im Art. Pfeil-IconRhamnus.

Klassifizierung: 583.92 Dipsacales (Kardenartige)DDC-Icon 2) Eine Art der Heckenkirschen, mit punctierten rothen Beeren, welche auf den Alpen in Oesterreich und der Schweiz einheimisch ist; Lonicera alpigena Linn. S. im Art. Pfeil-IconKirsche, Th. 39, Pfeil-IconS. 151. 4. 5. die verwachsene rothe Heckenkirsche. Die übrigen Loniceren sind Th. 80, Pfeil-IconS. 632 fl. beschrieben.

<118, 764>

Klassifizierung: 634.2 SteinobstDDC-Icon 3) Eine Art Gartenkirschen, welche schmahle Blätter, wie die Rainweiden haben, von keinem angenehmen Geschmacke sind, aber den Leib mehr als andere Kirschen öffnen.

Purgierkörner Klassifizierung: 583.69 Euphorbiales DDC-Icon Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon , 1) die eyrunden glatten, grauen Körner eines ostindischen Baumes, welcher eine Art des Croton ist, und dieser Baum selbst. Croton Tyglium Linn. Sowohl die Körner als auch das Holz dieses Baumes, welches unter dem Nahmen Lignum Moluccanum oder Pavana bekannt ist, gehören unter die gewaltsamsten Purgiermittel. Von dieser Gattung ist im Art. Pfeil-IconLackmus, Th. 58, Pfeil-IconS. 410. eine Art, nähmlich Croton tinctorium Linn. beschrieben worden; die übrigen muß man in den Supplementbänden im Art. Pfeil-IconCroton einst nachholen.

2) Die Euphorbia Lathyrys Linn., s. Th. 11, Pfeil-IconS. 693, im Art. Pfeil-IconEuphorbie.

Purgierkraut, s. Pfeil-IconPurgierwinde.

Purgierkroton, s. Pfeil-IconPurgierkörner No. 1.

Purgierlein, s. im Art. Pfeil-IconLein, Th. 76, Pfeil-IconS. 19.

Purgiermittel, s. im Art. Pfeil-IconPurgieren, oben, Pfeil-IconS. 739 fl.

Purgiernuß Klassifizierung: 583.69 Euphorbiales DDC-Icon Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon , die schwarze glatte, einer Nuß ähnliche Frucht eines in dem mittägigen Amerika einheimischen Baumes, welche einen weißen, fetten öhligen Kern hat, welcher ein übermäßiges Erbrechen und Purgieren erweckt, daher er auch Ficus infernalis, so wie die Nuß auch Brechnuß genannt wird. Ingleichen der Baum, welcher diese Nuß trägt: Jatropha Curcas Linn.

Der deutsche Nahme dieser Gattung ist eigentlich Brechnuß, die Beschreibung derselben ist indeß sowohl unter Pfeil-IconBrechnuß, als Pfeil-IconJatropha, hierher gewiesen worden, und ich muß deshalb hier das nöthige davon erwähnen.

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Die Blumen dieser Gattung, welche in Monoecia Monadelphia, oder in die 21ste Classe des Linn. Systems gehört, haben bisweilen keinen Kelch; die männlichen haben eine trichterförmige, an der Mündung in fünf Abschnitte zerspaltene Blumenkrone, und zehn Staubfäden, welche wechselsweise länger und kürzer und manchmahl zusammen gewachsen sind; die weiblichen aber, welche sich mit den männlichen in einer Dolde befinden, haben fünf ausgebreitete Blumenblättchen, und einen Fruchtknoten mit drey entzwey gespaltenen Griffeln, und hinterlassen eine dreyknöpfige Samenkapsel, welche in jeglichem Fach einen einzigen Samen enthält.

1) Baumwollenblättrige Brechnuß. Jatropha gossypifolia, foliis cordatis quinquelobis serratis glanduloso-ciliatis, pilis ramosis glandulosis in foliorum axillis et petiolis. Willd. Spec. Plant. Tom. IV. P. I. p. 557. Jatropha foliis quinquepartitis, lobis ovatis integris, setis glandulosis ramosis. Linn. Syst. veg. p. 723. Sp. pl. 1428. Mill. Dict. n. 9. Ricinus minor, Staphisagriae solio, flore pentapetalo purpureo. Sloan. Jam. 41. hist. 1. p. 129. t. 84. Ricinus Americanus perennis, floribus purpureis, Staphisagriae foliis. Comm. Hort. 1 p. 17. t. 9. Merian. Surin. 38. t. 38. Ricinus Indicus pilosus trifidus s. quinquefidus, flosculis atro-purpureis. Pluk. phyt. 55. f. 2. et t. 220. f. 4. Ricinus Americanus, folio Staphisagriae. C. Bauh. pin. 432. 518.

Dieser Strauch wächst in Surinam und auf allen westindischen Inseln wild; woselbst er die wilde Cassava oder Cassada, oder auch das Bauchwehkraut genannt wird, weil man seine <118, 766> Blätter für ein gutes Mittel wider das trockne Bauchgrimmen hält, und sowohl innerlich, als in Klystieren gibt, man zieht ihn auch in Holland und England in Gewächshäusern. Sein Stamm wird vier bis acht Schuh hoch, und bisweilen nur krautartig, hat eine purpurrothe Rinde, und zertheilt sich oben in einige Zweige, welche mit Blättern besetzt sind, die auf langen Stielen stehen, und in fünf eyrunde, ganze, scharf zugespitzte Lappen zertheilt sind. An den Gelenken des Stamms und der Zweige, wie auch an den Blattstielen und Blättern, sitzen Drüsen mit kleinen Büscheln stachlichter Haare. Am Ende der Zweige entspringen auf zarten nackten Stielen keine Dolden mit dunkelpurpurrothen Blumen, welche klein, und in einer Dolde sowohl männlich als weiblich sind. Die männlichen Blumen haben einen Kelch der bis in die Mitte in fünf lanzenförmige, spitzige, mit Härchen eingefaßte Lappen zertheilt ist, und eine Blumenkrone, die aus fünf rundlichten, rosenförmig ausgebreiteten Blättchen besteht, welche oben convex und unten hohl, und also zurückgebogen sind; auf dem Fruchtboden sitzen fünf kleine Nektardrüsen, und zehn pfriemenförmige Staubfäden, von denen fünf wechselsweise kürzer als die Blumenkrone und aufrecht sind; die Staubbeutel sind rundlich, und drehen sich herum; von einem Staubweg ist nur eine schwache Spur vorhanden. Bey den weiblichen Blumen ist der Kelch und die Blumenkrone, wie bey den männlichen; sie haben aber keine Staubfäden, sondern einen rundlichten Fruchtknoten mit drey entzwey gespaltenen Griffeln, deren Narben einfach sind; und hinterlassen eine rundlichte, dreyknopfige, dreyfächerige Kapsel, die in jedem Fach einen einzigen rundlichten Samen enthält.

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Jacquin hat Ic. rar. III. tab. 623. eine Varietät dieser Art abgebildet.

2) Schwarze Brechnuß oder Purgiernuß. Jatropha Curcas, mit herzförmigen, eckigen Blättern, Jatropha foliis cordatis, angulatis. Willd. l. c. p. 550. Linn. Syst. veg pag. 723. Sp pl. 1429. Mill. Dict. n. 8. Ricinus Americanus major, semine nigro. C. Bauh. pin 432.

Dieses ist ein sehr ästiger, zwölf bis vierzehn Schuh hoher Strauch oder Baum, welcher in Surinam, Brasilien und andern Theilen von Westindien sowohl auf der festen Küste, als den Inseln häufig wild wächst, und auch in Europa in Gewächshäusern gezogen wird. Er hat ein weiches Holz, und gibt bey einer Verwundung einen milchichten Saft von sich, welcher auf der Leinwand Flecken macht. Seine Blätter sind an der Basis herzförmig, oben scharf zugespitzt, und am Rande eckig. Die Blumen wachsen in Dolden am Ende der Zweige, und haben eine grünliche Farbe; es stehen sowohl männliche, als weibliche in einer Dolde, und beyde haben einen fünfspaltigen Kelch, und fünf Blumenblättchen. Auf die weibliche Blumen folgen dreyknopfige, dreyfächerige Samenkapseln von der Größe einer ganzen welschen Nuß, welche in jeglichem Fach einen länglichten, ungefähr einer Bohne großen Samen enthalten, der unter einer dünnen schwarzen Schale einen weißen, öhlichten, zweytheiligen mit einem weißen Häutchen bekleideten Kern einschließt. Diese Samenkerne haben einen süßlichen, fast mandelartigen Geschmack, welcher aber hintennach einiges Brennen im Halse verursacht; und geben durchs Auspressen ein unschmackhaftes Oehl, welches sowohl als die Samen selbst, wie<118, 768>wohl gelinder purgiert, und daher in der Wassersucht und andern Krankheiten gebraucht werden kann. Dieses Oehl purgiert ganz sicher und ohne Gefahr, man mag es innerlich, oder in einem Klystier nehmen, oder auch auf den Bauch schmieren; nur muß es nicht alt und ranzicht, sondern frisch seyn; auch kann man äußerlich mit diesem Oehl allerley kalte Geschwulsten zertheilen. Die ganzen Kerne wirken heftiger, als das Oehl, so daß drey bis vier derselben gegessen, oft bey vierzig Mahl über und unter sich purgirt haben; man hat aber aus zuverlässigen Erfahrungen gelernt, daß diese Kraft hauptsächlich in dem weißen Häutchen steckt, welches den Kern bekleidet und auch in der Mitte hindurchläuft, und daß nach sorgfältiger Absonderung dieses Häutchens die Kerne ganz sicher und ohne Schaden können genossen werden, wie Bancroft an sich selbst mehrmahlen erfahren hat. Man hat diese Samen zuweilen in den Apotheken unter dem Nahmen schwarze Purgiernüsse, Semina Ricini majoris; von den Franzosen werden sie Pignons d' Inde, und von den Engländern Physick-Nuts genannt. In Westindien braucht man auch die Blätter zu zertheilenden Bädern und Bähungen.

3) Vielspaltige Brechnuß. Jatropha mullifida, foliis palmatis undecimlobis laevibus, lobis pinnatifidis cuneatis, stipulis setaceis multifidis Willd. l. c. p. 561. Jatropha foliis multipartitis, laevibus; stipulis setaceis multisidis. Linn. Mill. Dict. n. 7. Jatropha assurgens, foliis digitatis laciniis angustis pinnatifidis. Brown. Jam. 348. Ricinoides Americanus, tenuiter diviso folio. Breyn. Cent. 116. t. 53. Moris. hist. 3. p. 348. 8. 10. t. 3. f. ult. Avellana purgatrix. <118, 769> C. Bauh. pin. 418. Manihot folio tenuiter diviso. Dill. Elth. 217. t. 173. f. 213. Ricinoides, Arbor Americana, multifido folio. Tournef. inst. 656.

Diese Art hat mit der nächst vorhergehenden ein gleiches Vaterland; und ist auch ein ästiger, acht bis zehn Schuh hoher Strauch, dessen Stamm ein weiches Holz hat und ungefähr Arms dick wird, und dessen Zweige eine graue Rinde haben. Wenn man den Stamm oder die Zweige verwundet, oder ein Blatt abbricht, so läuft ein häufiger, heller, gelblicher Saft heraus. Die Blätter stehen auf allen Seiten der Zweige auf starken sieben bis acht Zoll langen Stielen, und sind oft einen Schuh breit; sie haben auf der Oberfläche eine dunkle, und auf der untern eine meergrüne Farbe mit weißen Rippen oder Adern, und sind durchgehends handförmig in neun bis zehn Lappen zerspalten, welche sieben Zoll lang und zwey Zoll breit, und in spitzige gegen einander überstehende Querstücke zertheilt sind. Die Blumen wachsen auf langen Stielen am Ende der Zweige, und bilden eine Dolde, in welcher männliche und weibliche unter einander stehen welche beyde fünf Blumenblättlein und einen fünfspaltigen Kelch haben; diese Dolden sind groß, und da die Blumen eine glänzende scharlachrothe Farbe haben, so sehen sie sehr schön aus. Die Früchte kommen sowohl in Ansehung der Größe und Gestalt, als auch der Eigenschaften, mit denen von der vorhergehenden Art überein. Zehn oder zwölf Blätter dieses Strauches in einer Fleisch= oder Hühnerbrühe abgesotten, sollen ein gelindes Purgiermittel seyn, eine stärkere Dosis macht auch Erbrechen; man hält sie für ein Gegengift des Manchinelbaums.

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4) Manihot. Jatropha Manihot. S. den Art. Pfeil-IconCassave, Th. 7, Pfeil-IconS. 683.

5) Janipha. Jatropha Janipha, soliis palmatis, lobis integerrimis, intermediis utrinque sinu lobatis. Willd. l. c. p. 562. Linn. Mant. 126. Jacq. Amer. p. 256. t. 162. f. 1.

Diese mit der vorhergehenden oder der Cassave sehr nahe verwandte Art entdeckte Jacauin hin und wieder zu Carthagena, wo sie fast das ganze Jahr hindurch blühet; und gibt davon folgende Beschreibung: „Sie ist ein aufrechter, ganz glatter Strauch, welcher in allen seinen Theilen einen häufigen, wasserhellen, etwas klebrichten Saft enthält, der einen Geruch von sich gibt, wie die Blätter eines welschen Nußbaums. In schattichten Wäldern wächst er rebenartig und fast ohne sich in Zweige zu zertheilen oft bey zwanzig Schuh hoch, und bleibt schwach; eben dieses Ansehen behält er auch in unsern Gewächshäusern. In offenen sonnichten Gegenden, wo er gemeiniglich sechs Schuh hoch und ganz unansehnlich wächst, kommt er in der Gestalt der Jatropha Manihot am nächsten. In Boca chica aber sahe ich ihn selbst zwischen den Steinen auf den Mauern der Festung St. Philippi, die seit der letzten Eroberung der Engländer ganz zerstöret und verlassen ist, in ein schönes acht Schuh hohes Bäumchen aufgewachsen, mit einem geraden vier Zoll dicken Stamme und einer zierlichen Krone. Seine Wurzel ist sehr knollicht, wie bey dem Asphodelus. Seine Blätter stehen auf halb Schuh langen Stielen, und sind groß und schön, und handförmig in fünf länglichte scharf zugespitzte Lappen zertheilt, deren mittlere zu beyden Seiten eine sehr große Aushöhlung <118, 771> haben, die äußere aber meistens ganz sind. Die Blumen wachsen in lockern Trauben, die aus vielen männlichen Blumen bestehen, unterhalb denen einige wenige weibliche sitzen; sie haben eine grünliche mit gelb und braun vermischte Farbe, und sowohl die männlichen, als weidlichen keinen Blumenkelch. Die männlichen Blumen haben eine glockenförmige, fünfspaltige Blumenkrone, eine große, schildförmige zehnstrahlichte Nektardrüse, und zehn pfriemenförmige Staubfäden, von denen die fünf äußeren wechselsweise dicker, und fast noch einmahl so lang als die andern sind, mit großen, aufrechten, länglichen Staubbeuteln; die weiblichen haben fünf Blumenblättchen auch eine große Nektardrüse und zehn dünne kurze Staubfäden ohne Staubbeutel, und einen rundlichen, stumpf sechseckigen Fruchtknoten, mit drey, halbdreyspaltigen Griffeln und hinterlassen eine Frucht, die wie bey den vorhergehenden Arten beschaffen ist. Die frische Frucht ist mit einem fleischigen, glatten, glänzend grünen, mit sechs weißen Streifen gezeichneten Häutchen bekleidet, und in diesem Zustande kugelrund und über einen halben Zoll dick; wenn aber dieses Häutchen vertrocknet und abgefallen ist, so bleibt eine bloße dreyknopfige Kapsel zurück. Eben dieses habe ich ungefähr auf gleiche Weise bey allen Arten von Croton, Acalypha und Jatropha, die ich untersuchte, wahrgenommen. Die Samen sind ziemlich eyrund, glatt, glänzendgrün, oder aschgrau.”

6) Brennende Brechnuß. Jatropha urens, foliis quinquelobis cordatis dentatis hilpidis urentibus. Willd. l. c. p. 563. Jatropha foliis palmatis, dentatis, aculeatis Linn. Jatropha vitifolia. Mill. Dict. n. 5. Ricinus Tithymaloides Americanus lactescens et <118, 772> urens, floribus albis. Comm. Hort. 1. p. 19. t. 10. Ricinus lactescens, Fici foliis, spinulis mordaceis armatis. Pluk. Alm. 320. t. 220. f. 3. Jacq. Hort. t. 21.

Diese Art ist in Brasilien und andern Theilen von Südamerika zu Hause. Sie ist ein ästiger, drey bis fünf Schuh hoher Strauch, mit einer dicken, fleischigen Wurzel, die wie die übrigen Theile des Gewächses zu gewissen Zeiten einen milchichten Saft von sich gibt. Die Blätter stehen auf sechs bis sieben Zoll langen Stielen, und sind handförmig in fünf Lappen zertheilt, die am Rande stark gezähnt sind. Die Blätter und Blattstiele, wie auch die Zweige und der Stamm selbst sind mit feinen, langen, weißen oder braunen Stacheln besetzt, welche zwar nicht sonderlich steif sind, aber beym Berühren die Haut brennen, wie die Brennessel. Die Blumen wachsen auf langen nackten Stielen in Dolden am Ende der Zweige, haben eine teine weiße Farbe, und sind mit denen von der vorhergehenden Art gleicher Struktur.

7) Krautartige Brechnuß. Jatropha herbacea, aculeata; foliis trilobis; cauls herbaceo Linn. Mill. Dict. n. 4.

Diese wächst in Vera Crux und andern Theilen von Westindien; und wird auch in Europa in Gewächshäusern gezogen. Linné nennt sie zwar krautartig, und sagt, daß nur die Wurzel perennirend sey; dieser Umstand aber ist veranderlich, wie auch bey den übrigen Arten dieser Gattung, indem es von der Cultur und andern äusserlichen Umständen abhängt, daß der Stamm, welcher anfänglich allemahl weich und krautartig ist, entweder im Winter zu Grunde geht, oder mehrere Jahre ausdauert, und holzig wird. Die <118, 773> Blätter stehen wechselsweise auf langen Stielen, und sind in drey und bisweilen fast in fünf länglichte Lappen zertheilt, die am Rande seicht ausgeschweift und am Ende scharf zugespitzt sind. Die Blumen haben eine unreine weiße Farbe, und wachsen in Dolden am Ende der Zweige. Diese ganze Pflanze ist mit langen brennenden Stacheln besetzt, und zwar viel stärker als die vorhergehende, indem sogar auch die Blumen und Früchte sehr stachlich sind.

Es gibt übrigens noch mehrere andere Arten dieser Gattung, die ich hier unberührt lasse, da nichts besonders von ihnen bekant ist.

Purgierpille Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon , ein Purgiermittel in Gestalt der Pillen. So auch Purgierpulver, Purgiertrank etc.

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