DDC Layer

Vorheriger Abschnitt Laden der vorherigen Artikel

Kostbar Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , von dem Zeit=Worte kosten, constare.

1. Was viel kostet, viele Kosten verursacht oder erfordert; im Oberd. kostspielig; L. magno pretio constans, sumtuosus; Fr. somptueux. Ein kostbarer Proceß. Ein kostbarer Bau. Das ist mir zu kostbar, macht mir zu viel Aufwand.

2. Noch mehr, einen großen Werth habend, schätzbar, L. carus, pretiosus, quod magni pretii est; Fr. cher de prix, pretieux. Kostbare Edelsteine. Ein kostbares Kleid. Jede Minute ist mir kostbar. Eine kostbare Ware. Die Mahler nennen ein kostbares Kolorit, Fr. Coloris précieux, dasjenige, welches die Local=Farben der Gegenstände wohl nachahmt.

Klassifizierung: 750 Malerei und GemäldeDDC-Icon Titian war in diesem Stücke groß; darum sagt Felibien, daß man in den Gemählden dieses Meisters eine Stärke, eine Lebhaftigkeit und etwas Kostbares fände, worüber man sich verwundern müßte.

Klassifizierung: 391.6 Äußeres ErscheinungsbildDDC-Icon 3. Nach dem Muster des Franz. pretieux, haben einige neuere Schriftsteller es von der gezwungenen Art gebraucht, mit welcher besonders Personen des andern Geschlechtes, sich und ihren Reizen in dem gesellschaftlichen Leben einen gewissen Werth beyzulegen suchen, den sie doch nicht besitzen, wozu sich aber unser deutsches Wort wegen seiner Vieldeutigkeit nicht <46, 337> füglich schickt. Schon Rabener braucht es in diesem Verstande. Ein kostbares Frauenzimmer.

Kostbarkeit Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon . 1. Die Eigenschaft eines Dinges, da es kostbar ist, in den beyden ersten Bedeutungen, und ohne Plural; L. Praestantia, Pretiositas, Pretium; Fr. Prix, Somptuosité.

2. Kostbare Dinge in der zweyten Bedeutung des Bey=Wortes. Alle seine Kostbarkeiten bey Seite schaffen.

1. Köste (die), im Bergbaue, eine Krücke; siehe Pfeil-IconKüste.

2. Köste Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon (die), Plur. nur noch in den gemeinen Mund=Arten, besonders Nieder=Sachsens.

1. Unterhalt, Nahrung, Kost. Christus will die Köste seyn, in Luther' s Liede: Christ lag in Todesbanden.

Klassifizierung: 642 Mahlzeiten und TischkulturDDC-Icon 2. Ein Schmaus, besonders ein hochzeitlicher Schmaus, im Niedersächsischen, wo es auch zuweilen Köstung lautet.

Koste=Kraut, Hieracium murorum Linn.; s. Pfeil-IconHabichts=Kraut, No. 6, im XX Th. Pfeil-IconS. 568.

Kosten Klassifizierung: 332 FinanzwirtschaftDDC-Icon (die), ein Plural, wovon der Singular im Hochdeutschen ungebräuchlich ist.

1. Der Aufwand, welchen man zur Erreichung einer Absicht macht, besonders in so fern derselbe in barem Gelde besteht L. Impensa, Pecunia insumca, Sumtus; Fr. Coùt, Dépense, Frais. Der Proceß macht mir viele Kosten. Die Kosten tragen, sie über sich nehmen, das nöthige Geld aus seinem Vermögen geben; L. Sumtum sustinere, tolerare. Viele Kosten aufwenden. Für die Kosten stehen, in einigen Gegenden auch nur, die Kosten stehen. Wovon soll ich die Kosten bestreiten? Er hat die Kosten nicht dazu. Auf meine, auf seine Kosten. Große, schwere Kosten. Jemand viele Kosten verursachen. Die Kosten vorschießen, auslegen. L. sumtus ero<46, 338>gare, suggerere, suppeditare. Die Kosten berechnen, überschlagen, L. supputare rationem sumtuum. Die Kosten scheuen. Ich komme dabey nicht auf meine Kosten. Wovon will er die Kosten bestreiten? Einem die Kosten erleichtern, L. sumtus levare. So auch die Bau=Kosten, Gerichts=Kosten, Zehrungs=Kosten, u. s. f.

Daher Kosten=frey, L. immunis, liber a sumtibus, Fr. défraïé, frey von den Kosten, oder dem Aufwande. Ich bin noch nicht kostenfrey, habe meine aufgewendeten Kosten noch nicht wieder. Es muß mit Kost=frey (s. oben, Pfeil-IconS. 334) nicht verwechselt werden.

2. Figürlich: Nachtheil, Abbruch, Schaden. Man muß nicht einen Freund auf Kosten des andern loben.

Siehe auch Pfeil-IconUnkosten.

Im Oberd. auch die Kösten, im Nieders. die Kost, im Schwed. und Dän. Kost, im Engl. Cost, im Poln. Koszt, im mittlern Lat. Costa, Costus, Costagium, Custangia, im Ital. Costo, im Franz. Coust, Coût, im Span. Costa. In den gemeinen Mund=Arten Deutschlandes ist es gleichfalls im Singular üblich, im Oberd. die Kost und der Kosten, im Nieders. die Kost. Welches auch Luther in der deutschen Bibel nachgeahmt hat. Die Kost soll vom Hause des Königes gegeben werden, Esr. 6, 4. Wer ist unter euch, der einen Thurm bauen will, und sitzet nicht zuvor und überschlägt die Kost, ob ers habe auszuführen? Luc. 14, 28. Wage die Kost an sie, daß sie ihr Haupt bescheren, Apost. 21, 24. Und an andern Orten hat er der Kosten. Er vermochte den großen Kosten nicht länger zu tragen, 1 Macc. 3, 30. Der König will den Kosten auch legen von seinem Eigenthum, 1 Macc. 10, 45. So auch B. 2, Cap. 3, V. 3. Im Hochdeutschen hat man den Singular die Kost veralten lassen, vermuthlich, um die Verwechselung mit Kost, Unterhalt, zu vermeiden. Aus der Uebereinstimmung aller mit dem Deutschen verwandten Sprachen, wo Kost sowohl Unterhalt, als auch den Auf<46, 339>wand bedeutet, wird es sehr wahrscheinlich, daß es, in der letzten Bedeutung, eine Figur der ersten ist. In den alten Zeiten der Einfalt und Genügsamkeit bestand der Aufwand bey einem jeden Geschäfte hauptsächlich, wo nicht allein, in der Reichung der Nahrungs=Mittel an diejenigen, welche als Mittels=Personen gebraucht wurden. Siehe das Pfeil-IconFolgende.

1. Kosten Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 332 FinanzwirtschaftDDC-Icon , ein Neutrum, welches das Hülfs=Wort haben erfordert, Kosten verursachen, erfordern; L. constare; Fr. coûter, revenir.

1. Eigentlich, Aufwand an barem Gelde erfordern, von der Summe, welche man für eine Sache bezahlt, oder zur Erreichung einer Absicht aufwendet oder aufwenden muß; mit der vierten Endung des Preises. Was oder wie viel koster das Haus? welches ist der Preis desselben, wie viel ist dafür bezahlet worden, oder wie viel soll dafür bezahlet werden? Das Gut kostet zehn tausend Thaler. Es kostet nicht viel. Ich will es haben, es koste was es wolle, L. sumtuum rationem non habeo, ad pretium quamvis magnum non respicio; Fr. quoi qu' il coute, quoi qu' il m' en coute; ribon ribaine. Dieses kostet nicht halb so viel, als jenes.

Das Wort kosten gehört in diesem Verstande, da es so viel heißt, als eine Ausgabe erfordern, so wie mehrere, unter diejenigen Zeit=Wörter, welche von einigen Schriftstellern, mit dem Dativ, von andern hingegen mit dem Accusativ der Person gebraucht werden. In der hallischen Bibel steht es allezeit mit dem Dativ, z. B. Jos. 6, 26. Wenn er ihren Grund leget, das koste ihm seinen jüngsten Sohn; ingl. 1 Kön. 16, 34. Es kostete ihm seinen ersten Sohn, da er den Grundlegte. In der zürichschen Bibel aber findet man an beyden Orten den Accusativ gebraucht: Es koste ihn; und eben so steht es in einer wittenbergischen Bibel, von 1701.

Hr. Adelung scheint sich für das erste zu erklären, indem er sagt: „Im gem. Leben ist die dritte Endung fast durchgängig üblich, und sie scheint die Natur der Sache und die Analogie so vieler andern Zeit=Wörter für sich <46, 340> zu haben.” Er bemerkt, „daß die Sprach=Lehrer des vorigen Jahrh., welche in der lat. Sprache, Zeit=Wörter mit doppelten Accusativis fanden, welche doch im Deutschen so selten sind, und sich vielleicht durch die nieders. Mund=Art irre machen liessen, wo die dritte und vierte Endung in vielen Fällen gleichlautend sind, die vierte Endung erfordert haben, die auch seit dem von vielen guten Schriftstellern gebraucht wird;” und ich glaube, er hat darin vollkommen Recht. Die vierte Endung hat sich aus dem Lateinischen eingeschlichen, weil die ehemahligen Gelehrten, welche die deutsche Sprache wenig achteten, und sich nicht die Mühe gaben, ihren Regeln nachzuforschen, dieselbe immer nach dem Muster der lateinischen einrichten wollten, und daher auch bey verschiedenen Zeit=Wörtern den doppelten Accusativ einführten, der doch wirklich der Natur unserer Sprache zuwider ist.

Ob nun gleich viele gute Schriftsteller dieses beybehalten, und auch bey dem Worte kosten, beyde Accusative der Person und der Sache gebraucht haben, wovon Hr. Adelung Beyspiele anführt: so wird man doch, wenn man nicht nach dem Gebrauche und dem Ansehen der Schriftsteller, sondern nach Gründen urtheilen will, die aus der Natur unserer Sprache selbst hergenommen sind, die dritte Endung der Person für analogisch richtiger, ja für allein richtig, erklären müssen. Denn es ist der Natur unserer Sprache gemäß, die dritte Endung der Person zu setzen, wenn eine Sache ausdrücklich dabey genannt, oder etwas von der Person gesagt wird, was ihr zum Nutzen oder Schaden gereicht, z. B. Ich kaufe dir ein Buch. Hier wird nebst der Person ausdrücklich eine Sache genannt, es wird etwas von ihr gesagt, daß ich nähmlich ihr ein Buch zu ihrem Nutzen kaufe, darum steht die Person im Dativ, dir. Wird hingegen die Person, in der vierten Endung gesetzt, so drückt sie die Sache selbst aus, worauf sich das Zeit=Wort bezieht; z. B. Ich habe dich von dem Sclaven=Händler los gekauft. Hier ist die Person, die Sache selbst, worauf sich das Zeit=Wort kaufen bezieht, darum steht sie im Accusativ, dich.

Weil nun bey dem Zeit=Worte kosten, die Person nicht die Sache selbst ist, sondern von ihr eine Sache gesagt, oder ihr etwas zugeschrieben wird, welches sie gethan hat, so kann auch die Person nicht in der vierten Endung ste<46, 341>hen, sondern muß analogisch in der dritten gesetzt werden: Es kostet mir hundert Thaler, nicht mich.

S. J. E. Stosch Beyträge zur nähern Kenntniß der deutschen Sprache, 2 St. (Berl. 1780, gr. 8.) S. 176, fgg.

2. In weiterer und figürlicher Bedeutung.

(1) Zu etwas erfordert werden. Diese Kleider=Tracht kostet viel Zeug. Eine Mode, welche mehr Band, als Spitzen, kostet. Der Bau hat mir vieles Holz gekostet. Das Nachdenken kostet Kräfte. Das kostet Mühe. Der Sieg hat viel Blut gekostet. Dieß hat mir die meiste Zeit gekostet. Wo die Haupt=Wörter Mühe, Ueberwindung etc. zuweilen ausgelassen werden. Was kostet es nicht (für Mühe), ehe man es so weit bringt! Nie hat mir ein Entschluß so viel (so viele Ueberwindung) gekostet. Es mag ihrem Herzen viel kosten, dieß zu verschweigen.

(2) Den Verlust einer Sache nach sich ziehen. Es wird den Kopf nicht kosten. Das hat ihm seine Gesundheit, seine Ehre, sein Leben gekostet. Wenn es meinen Hals, mein Vermögen, kosten sollte.

Im Nieders. gleichfalls kosten, im Dän. koste, im Schwed. kosta, im Engl. cost, im Ital. costare, im Franz. couster, coûter, im mittlern Lat. costare, custare, im Böhm. kosstowati, im Poln. kosztuje. So sehr auch einige auf die Abstammung von dem Lat. constare dringen, so scheint es doch von dem vorigen Worte, so fern es im Singular Kost lautet, her zu kommen, so wie von Geld, ehedem Gelt, gelten, gebildet worden ist.

2. Kosten Klassifizierung: 152.1 SinneswahrnehmungDDC-Icon , vermittelst des Geschmackes untersuchen, L. gustare, degustare, explorare gustu suo; Fr. gôuter, tâter.

1. Eigentlich. Den Wein kosten, L. pitissare vinum. Die Speisen kosten. Koste es, ob es mürbe genug ist. Einem etwas zu kosten geben; es <46, 342> ihn kosten lassen. Laß mich kosten das rothe Gericht, 1 Mos. 25, 30.

Klassifizierung: 642 Mahlzeiten und TischkulturDDC-Icon 2. In weiterer Bedeutung, ein wenig von einer Speise oder von einem Getränke zu sich nehmen. Sie essen nicht, sie kosten nur. Daß ich ein wenig dieses Honigs gekostet habe, 1 Sam. 14, 29. Wo ich Brod oder etwas koste, ehe die Sonne untergehet, 2 Sam. 3, 35. Es soll weder Menschen noch Thier etwas kosten, Jon. 3, 7.

Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon 3. Figürlich, dem Anfange nach empfinden. Das Kind (nicht dem Kinde) die Ruthe kosten lassen. Das Pferd die Sporen kosten lassen. Ich habe es gekostet, wie es thut.

Statt des Haupt=Wortes die Kostung, ist der Infinitiv das Kosten üblich.

Im Nieders. kosten, im Böhm. kosstowati, wo auch kost der Geschmack ist, im Lat. gustare. Es ist das Intensivum oder Iterativum von kiesen, Imperf. ich kos; welches ehedem auch, so wie das kaussjan des Ulphilas, für kosten gebraucht wurde. Im Tatian bedeutet costen, versuchen, im theologischen Verstande; Costari ist daselbst der Versucher, und Costunga, die Versuchung. Siehe Pfeil-IconKöhren, im XLIII Th. Pfeil-IconS. 269, und Pfeil-IconKiesen, im XXXVII Th. Pfeil-IconS. 516, f.

Kösten Klassifizierung: 641 Essen und TrinkenDDC-Icon , die Kost, d. i. den Unterhalt reichen, welches aber nur noch in den Zusammensetzungen bekösten und verkösten, noch mehr aber in den Intensivis beköstigen, verköstigen, üblich ist.

Kosten=frey, s. oben, Pfeil-IconS. 338.

Köstlich Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , ein Wort, welches im Hochdeutschen größtentheils veraltet ist, ehedem aber sehr häufig für kostbar in der zweyten Bedeutung gebraucht wurde, in welcher es in der deutschen Bibel noch sehr häufig vorkommt. Köstliche Kleider. Eine köstliche Mahlzeit. Es ist heute köstliches Wetter. Köstlich leben, sich köstlich kleiden.

<46, 343>

Das Haupt=Wort die Köstlichkeit, für Kostbarkeit, kommt noch seltener vor.

Bey dem Notker keislich, von kiesen, wählen, daher es unmittelbar von diesem Zeit=Worte abzustammen, und eigentlich auserlesen zu bedeuten scheint. Im Engl. costly, im Dän. kostelig, im Schwed. kostelig.

nächster Abschnitt Laden der nächsten Artikel