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Gedeihen, gedeyen, so das Hülfswort seyn zu sich nimmt.

Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon 1. Eigentlich, der Ausdehnung, dem äußern Umfange nach größer werden, von Menschen und Thieren. Mancher isset viel, aber er gedeihet nicht dabey, er wird nicht genähret, nimmt nicht zu. Das Vieh gedeihet vortrefflich. Imgleichen, für nähren. Grobe Kost gedeihet den Handarbeitern besser, als Leckerbissen. Er isset viel, aber es gedeihet ihm nicht, es gereicht ihm nicht zur Nahrung.

2. Figürlich. 1) Wachsen; siehe Pfeil-IconGediegen. 2) Der Zahl nach zunehmen, imgleichen an äußerm <16, 580> Wohlstande zunehmen. Ein Bienenstock gedeihet, wenn er an Volk und Werk zunimmt, wofür man in Niedersachsen auch wudeln und faseln braucht. Unrecht Gut gedeihet nicht. 3) Gerathen, einen erwünschten Wachsthum und Fortgang haben. Das Getreide würde gediehen seyn, wenn die Witterung nicht so naß gewesen wäre. Der Flachs ist vortrefflich gediehen Das wird dir nicht gedeihen. Seine Anschläge gedeihen nicht. Gott muß das Gedeihen zu unserer Arbeit geben. Im Mecklenburg. jahren. 4) Ausschlagen, zum Nutzen oder Schaden gereichen. Es ist ihm übel gediehen, bekommen. 5) Kommen, gerathen. Die Sache ist auf das Aeußerste gediehen.

Daher Gedeihlich. 1. Was das Gedeihen oder die Zunahme an körperlichem Umfange befördert. Fische sind keine gedeihliche Speise, nähren schlecht. Das Stroh wird dieses mahl zur Viehfütterung nicht recht gedeihlich seyn. 2. Heilsam, erwünscht, glücklich. Einem alles gedeihliche Wohlergehen anwünschen.

Gedenk=Blümlein, siehe Pfeil-IconVeilchen.

Gedeyen, siehe Pfeil-IconGedeihen.

Gediegen Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon , ist eigentlich das Mittelwort des Zeitwortes gedeihen nach einer härtern Aussprache, für gediehen. Es bedeutet dicht, derb, besonders im Bergbaue; Fr. massif. Gediegenes Gold, gediegenes Silber, gediegenes Zinn u. s. f. welches in reiner Gestalt von der Natur hervor gebracht worden, zum Unterschiede von dem Erze, oder vererzten Metallen, welche mit allerley fremdartigen Theilen vermischt sind; gewachsenes Gold, gewachsenes Silber, weil das Zeitwort deihen und gedeihen ehedem auch für wachsen gebraucht wurde. Ein Leuchter von gediegenem Silber, von massiven Silber, der durchaus von Silber ist. Nieders. klamm.

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Klassifizierung: 553.421 SilberDDC-Icon Klassifizierung: 553.41 GoldDDC-Icon Ein gediegenes Erz, Metallum nativum, oder ein Metall, welches in den Gängen in der ihm eigenen Gestalt und Ansehen gefunden wird, kann ohne Reinigung im Feuer gebrauchet werden. Vom Golde ist man völlig gewiß, daß es gediegen, d. i. vollkommen rein, gefunden wird. Von den andern Metallen kann man die vollkommene Reinigkeit nicht darthun, indem das beste gediegene Silber, welches doch vor andern Metallen noch am ersten gediegen gebrauchet werden kann, nicht vollkommen rein, sondern mit ein wenig Arsenik, zum Theil auch mit etwas Schwefel vermengt befunden wird.

Gedinge Klassifizierung: 331 ArbeitsökonomieDDC-Icon (das), von dem Zeitworte dingen, der Vertrag über den Preis einer Waare oder einer Arbeit. Ein Gedinge über eine Arbeit machen, einem eine Arbeit im Ganzen verdingen, zum Unterschiede des Tage=Lohnes. Der Arbeitslohn im Gedinge. Wegen des Hufschlages mit dem Schmid ein Gedinge machen, ihm denselben auf ein ganzes Jahr verdingen.

Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Im Bergbaue bedeutet dieses Wort besonders einen Vertrag auf Gewinn und Verlust, und die auf solche Art verdungene Arbeit. Sein Gedinge redlich auffahren, die verdungene Arbeit redlich verrichten. Sein Gedinge abgeben, sie vollenden. Daher Gedingarbeit, oder Gedingearbeit, eine im Ganzen verdungene Arbeit; Gedingebuch, ein Rechnungs=Buch über die Gedingearbeit; Gedingegeld, der verglichene Lohn für eine verdungene Arbeit; Gedingehäuer, oder Gedinghäuer, ein Bergmann, der auf Gedinge, d. i. mit dem Geschwornen auf Gewinn und Verlust arbeitet, zum Unterschiede von einem Lohnhäuer; Gedingestufe, ein Zeichen, welches von dem Geschwornen bey der Verdingung in das Gestein gehauen wird.

Klassifizierung: 347 Zivilprozessrecht und ZivilgerichteDDC-Icon Klassifizierung: 346.04 SachenrechtDDC-Icon Klassifizierung: 346.02 Verträge und StellvertretungDDC-Icon Ehedem bedeutete dieses Wort noch: 1. Einen jeden Vertrag, er sey von welcher Art er wolle. 2. Eine Bedingung, in welchem Verstande es noch zuweilen im Oberdeutschen vorkommt. 3. Eine gedungene oder gemiethete Sache, in welcher Bedeutung es Apost. Gesch. 28, 30. von einer gemietheten Wohnung gebraucht wird. Paulus blieb zwey Jahr in seinem eigenen Gedinge. 4. Gehalt, Renten. Ein jährli<16, 582>ches Gedinge, Leibrenten, im Oberdeutschen. 5. Die Hoffnung, in welchem Sinne der Giding, Keding, und gidingan, hoffen, bey den ältern oberdeutschen Schriftstellern häufig sind. 6. Eine Anwartschaft, Expectanz, bey dem Besold. 7. Das Gericht, die Gerichtsstelle, die Gerichtsbarkeit; siehe Pfeil-IconDing und Pfeil-IconDingen.

Gedoppelt Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , hat mit dem einfachen doppelt einerley Bedeutung, und ist statt desselben, besonders im Oberdeutschen, imgleichen in der edlen und höhern Schreib=Art, üblich.

Gedrückt Klassifizierung: 721.4 Bogenkonstruktionen und DetailsDDC-Icon , ist eigentlich dasjenige, was durch eine zu stark aufliegende Last aus seiner gewöhnlichen Form gekommen ist. Man braucht aber das Wort in der Baukunst in einem doppelten Sinne, als ein Kunstwort. Man nennt gedrückte Bogen diejenigen, die entweder nur einen kleinen Theil des halben Zirkels, welcher der volle Bogen genannt wird, ausmachen, und folglich nur niedrig sind, oder die eine niedrige elliptische Form haben (siehe auch Th. VI, Pfeil-IconS. 102, f.). Aber auch dasjenige wird bisweilen gedrückt genannt, was unter einem guten Verhältniß zu niedrig ist, und also eingedrückt oder niedergedrückt scheinet.

Klassifizierung: 636.0837 Zaumzeug und ZubehörDDC-Icon Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon Durch eben diesen Ausdruck versteht man auch einen Zufall der Pferde, der ihnen von einem ungeschickten Sattel oder Kummet wiederfährt, welches nicht aller Orten gleich aufliegt, und an einem Orte zu weit, an dem andern aber zu enge ist; Fr. Foulure, Mal sur le garot; siehe Pfeil-IconSatteldrücken.

Gedruckte blaue Leinwand, siehe Th. V, Pfeil-IconS. 617.

Geduld Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 551.6 Klimatologie und WetterDDC-Icon . Dieses Wort bedeutet unter andern auch, im gem. Leben, Schutz vor der Witterung. Ein Baum stehet in der Geduld, wenn er an einem Orte steht, wo ihn die Winde nicht treffen. Dieß Zimmer liegt in der Geduld, wenn es vor Wind und Wetter gedeckt ist.

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Geduld=Hahn Klassifizierung: 392 Bräuche im Lebenslauf und im häuslichen LebenDDC-Icon , im Hildesheimischen, ein Hahn oder Huhn, so von Eheleuten, welche keine Kinder zeugen, dem Pfarrer jährlich gegeben werden muß, damit er wegen des Abganges an den Taufgebühren mit ihrer Schwachheit Geduld habe.

Gedunsen, siehe Pfeil-IconDunsen.

Geelfink, Geelgöschen; siehe Pfeil-IconEmmerling.

Geere, siehe Pfeil-IconGehre.

Geest Klassifizierung: 636.3 Kleine Wiederkäuer; SchafeDDC-Icon Klassifizierung: 631.4 BodenkundeDDC-Icon Klassifizierung: 577 ÖkologieDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon *

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Dalin leitet dieses Wort, welches in Ostfriesland Gaste, in andern niedersächsischen Gegenden aber Göst, Göse, lautet, von dem alten Goya, die Erde, Griech. γη und γαια her, Popowitsch aber hält diese Abstammung für ungewiß. Allein es gehört wohl ohne Zweifel entweder zu dem Dithmarsischen gose, Schwed. gist, Wallis. gwyste, und Nieders. güst, trocken, unfruchtbar, oder auch zu dem Lat. vastus, und deutschen wüst; zumahl da im mittlern Lat. auch Gastum sowohl ein unfruchtbares Land, als auch den Brachacker bedeutet. Siehe Pfeil-IconGüst. Geestknabbe ist in Niedersachsen ein Schaf von hohen Geestlande, ein Heideschaf.

[die], in Niedersachsen, besonders in Schleßwig und Holstein, hohes oder erhabenes Land, welches daher sandig, trocken und unfruchtbar ist, Geestland, die Heide, im Gegensatze der Marsch oder des Marschlandes.

Observatio von Geest und Masch, st. im 51 St. der Hannov. Beytr. 3. N. und Vergn. v. J. 1759.

Geest=Land, siehe das Pfeil-IconVorhergehende.

Gefährde Klassifizierung: 364.1 StraftatenDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 346.02 Verträge und StellvertretungDDC-Icon (die), eine im Hochdeutschen größtentheils veraltete oberdeutsche Form des Wortes Gefahr. 1. Gefahr. 2. Arglist, vorsetzlicher Betrug im gesellschaftlichen Leben. In letzterm Verstande wird es noch im gem. Leben und in den Rechten gebraucht. Treulich und ohne Gefährde, ist eine bekannte Clausel in allen Verträgen und Verschreibungen, wodurch zu verstehen gegeben wird, daß solchergestalt alle arge List und Betriegerey völlig ausgeschlossen seyn solle. Der Eid für die Gefährde, Gefährdeeid, der Eid, daß man in dieser Sache keine wissentliche Ungerechtigkeit begehe, daß man eine gerechte Sache zu haben <16, 584> glaube, Juramentum calumniae, Juramentum malitiae, im mittlern Lat. auch Juramentum de Vara Nieders. der Vareed, Voreed, Schwed. Fared. In beyden Fällen kommt bey dem Opitz und ältern Schriftstellern auch das kürzere Gefähr vor.

Gefährt Klassifizierung: 799.2 JagdDDC-Icon Klassifizierung: 688.6 Nichtmotorisierte LandfahrzeugeDDC-Icon (das), ein nur im gem. Leben übliches und von Fahrt und Fährte gebildetes Wort. 1. Ein Fuhr=Werk, ein Wagen; in welchem Verstande es besonders am Oberrheine gebraucht wird. 2. Die Spur. So brauchen die Jäger dieses Wort für Fährte, die Spur des Wildes zu bezeichnen.

Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Im Bergbaue ist das Gefährt, die Spur eines Ganges oder einer Erzader, besonders die Kluft zwischen derselben und dem tauben Gesteine. Dem Gange auf das Gefährt kommen.

Gefährte Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon (der), die Gefährtinn, von dem Zeitworte fahren, reisen; eine Person, welche in Gesellschaft einer andern einerley Reise verrichtet, ein Gesellschafter auf der Reise; *

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In diesem Verstande kommt schon bey dem Ottfried Gifert, und bey dem Strycker Geverte vor, von Fahrt, die Reise. Samansindo, von Sind, der Weg, bedeutet bey dem Ottfried gleichfalls einen Gefährten; siehe Pfeil-IconGesinde. Das männliche Geschlecht der Gefährte wird zuweilen auch als ein Commune von einer Gefährtinn gebraucht.

L. Comes, Comes itineris, Fr. Compagnon de voyage.

Klassifizierung: 177 Ethik sozialer Beziehungen DDC-Icon 1. Eigentlich. Jemanden zum Gefährten haben. Einen zum Gefährten annehmen. Er ist mein Gefährte.

2. Figürlich. 1) Der durch das Band der Freundschaft, durch einerley Umstände des Lebens mit dem andern verbunden ist. Es ist seine liebe treue Gefährtinn, Ehegattinn. 2) Ein Ding, so neben dem andern zugleich da ist, dasselbe begleitet. Die Mittelmäßigkeit ist eine Gefährtinn der Ruhe.

Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Im Bergbaue heißt ein Gang, der neben dem Hauptgange streichet, dessen Gefährte.

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