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Staatsbürger Klassifizierung: 938 Griechenland bis 323DDC-Icon Klassifizierung: 323 Grundrechte und politische RechteDDC-Icon , s. Th. 162, Pfeil-IconS. 512, und Th. 163, Pfeil-IconS. 532. Man versteht darunter jeden freien Einwohner eines Staates, der nicht an die Scholle seines Vaterlandes gefesselt ist, wie der Sklave, der mit derselben verkauft werden kann, der Leibeigene, und der alle Rechte eines freien Mannes genießt. In dieser Beziehung einen Freien Einwohner eines Staates zu bezeichnen, ist die Benennung Staatsbürger schon sehr alt, und nicht erst von den Einwohnern Deutscher Burgen und Städte, wenn nicht in Beziehung auf die Deutsche Benennung und Abstammung, herzuleiten. Schon bei allen alten Völkern waren die freien Einwohner eines Landes, hauptsächlich aber der Städte, Staatsbürger, Besonders war dieses aber bei den Griechen der Fall. Zu den Zeiten des Cecrops, des eigentlichen Stifters des Atheniensischen Staates, waren die Sklaven und die Schutzverwandten noch wenig bekannt. Alle Bewohner von Attika waren Bürger, und ihre Anzahl belief sich auf 20,000. Unter Pericles, in der blühendsten Zeit Athens, in welcher das Bürgerrecht sehr hoch geachtet wurde, erstreckte sich die Anzahl der Bürger, nachdem 6000 ausgemustert worden, dennoch auf 40,040; als aber Demetrius Phalereus den Staat verwaltete, belief sich deren Anzahl nur auf 1000 mehr, als zu den Zeiten des Cecrops. Dagegen war die Anzahl der Schutzverwandten 10,000, u. die der Sklaven 400,000. Die Bürger waren schon unter der Regierung des <164, 250> Cecrops zur bessern Verwaltung der Gerechtigkeit in vier Stämme getheilt, und jeder Stamm erhielt wieder drei Abtheilungen, jede Abtheilung zu dreißig Geschlechtern, welche zwar nicht verwandt unter einander waren, aber in einer Gegend wohnten, zusammen erzogen wurden, an denselben Opfern Theil hatten, einerlei Götter gemeinschaftlich verehrten, und also eine Gesellschaft ausmachten. Die Benennung dieser Stämme war nicht immer dieselbe, sondern wechselte mit dem Oberhaupte des Landes. Unter Cecrops hießen sie der Cecropische Stamm, der Stamm der Landeseingebornen und die beiden am Seeufer wohnenden Stämme. Als Cranaus zur Regierung gelangte, erhielten zwei Stämme den Namen von ihm und von seiner Tochter Atthis und die beiden andern von ihrer Lage am Seeufer und von der Mitte des Landes. Als Erichthon zur Königlichen Würde gelangte, benannte er die Stämme nach dem Namen des Jupiters, der Minerva, des Neptuns und Vulkans. Unter dem Erechtheus wurden die Stämme nach den Söhnen des Jon benannt, der nach dem Herodot ein Mann von großem Ansehen bei den Atheniensern und Anführer ihrer Kriegsheere war. Indessen wollen Einige behaupten, daß die Namen der vier Stämme unter dem Erechtheus nicht sowohl von den vier Söhnen des Jons, als von ihren verschiedenen Beschäftigungen herzuleiten seyen, mithin hätten die Söhne des Jons ihren Namen von den vier Stämmen erhalten. Als sich in der Folge die Einwohner Athens sehr vermehrten, so änderte Clisthenes auf den Rath des Delphischen Orakels die Zahl der Stämme, vermehrte ihre Anzahl bis auf zehn, und ertheilte ihnen Namen von alten Helden, die alle bis auf den Ajax, des Telamons Sohn, in Attika geboren wurden; sie hießen: Cecrops, Erechtheus, Aegeus, Pandion, Aramas, Antiochus, Leo, <164, 251> Oeneus, Hippothoon, und Ajax. Man errichtete ihnen zu Ehren bei dem Rathhause zu Athen Bildsäulen. Als späterhin Antigonus und dessen Sohn Demetrius den Atheniensischen Staat von der Sklaverey der Macedonier befreiete, so wurden die Stämme noch um zwei vermehrt, welche aus Dankbarkeit die Namen Attalus und Ptolemäus von den Königen gleiches Namens in Pergamus und in Aegypten erhielten, welche den Atheniensern viele Gunstbezeugungen erwiesen hatten. Diese Anzahl der Stämme dauerte nun so lange, als Athen seine Freiheit und Regierungsform behauptete. Jeder Stamm wurde anfangs in dreißig Geschlechter eingetheilt, jedes zu dreißig Mann. Um die Verbindung dieser Geschlechter zu befördern und zu befestigen, wurden von Solon öffentliche Gastgebote gehalten, wobei Alle zusammen kamen und sich dem Vergnügen überließen. Jeder Stamm hatte nun noch seine Kantons im Attischen Gebiete, welche in Angelegenheiten des Staates zwar zusammengezählt wurden, deren Mitglieder aber noch ihre besonderen Wohnungen und Gebräuche bei Verrichtung des Gottesdienstes, und ihre eigenen Götter hatten, obgleich sie alle die Minerva als die höchste Schutzgöttin verehrten. Dieser Privatgottesdienst der Kantons war sehr alt und hatte mit der Entstehung des Staates seinen Anfang genommen; denn als Theseus die Einwohner von Attika dazu bewog, ihre ländlichen Wohnungen zu verlassen und sich in eine Stadt zu vereinigen, so wollten sie doch nicht die Götter ihrer Vorfahren verlassen, und besuchten nachher, nachdem sie den neuen Wohnort bezogen hatten, immer noch die alten gottesdienstlichen Oerter. Die Zahl der oben erwähnten Kantons belief sich auf hundert vier und siebzig. Einige derselben mit gleichen Namen unterschied man durch ihre Lage, und nannte sie die obern und untern; sie wurden auch in die <164, 252> kleinern, und in die größern eingetheilt. Der Erstern waren vierzehn; von den Letztern gehörten zehn zu dem Cecropischen, zwölf zum Erechteischen, zehn zum Pandionischen, siebzehn zum Aegeischen, zwölf zum Acamantischen, neunzehn zum Leontischen, siebzehn zum Hippothoontischen, funfzehn zum Antiochischen, fünf zum Ajantischen, dreizehn zum Oineischen, drei zum Ptolemäischen, und ein Kanton zum Demetrischen Stamme. Von den übrigen vierzig Kantons bleibt es ungewiß, zu welchem Stamme sie eigentlich gezählt worden. Die Athenienser waren sehr stolz auf ihr Staatsbürgerthum, besonders in der Zeit, wo sie sich zu einer bedeutenden Stufe des Ruhms emporgeschwungen hatten; sie ertheilten daher das Bürgerrecht nur solchen Männern, deren vornehme Abstammung, erworbener Ruhm, oder dem Staate geleisteten Dienste sie dazu berechtigte, und selbst solche mit allen den genannten Vorzügen begabte Personen konnten das Bürgerrecht nur mit vieler Mühe erhalten; denn Menon der Pharsalier, der den Atheniensern zweihundert Reiter in dem Kriege wider den Eon bei Amphipolis zu Hülfe geschickt hatte, suchte dieses Bürgerrecht vergebens; und Perdiccas, König von Macedonien, der ihnen wider die Perser Beistand geleistet hatte, konnte weiter nichts erhalten, als die Befreiung von Erlegung des Tributs, den die unter ihnen wohnenden Fremdlinge zahlen mußten; aber nicht das Stimmrecht und andere den Bürgern eigene Vorrechte. Indessen war dieses nicht zu allen Zeiten der Fall, daß sie mit Stolz Männer zurückwiesen, die für sie gewirkt hatten; denn sie nahmen auch viele berühmte Männer, die an Herkunft und Glücksgütern den zuerst genannten nicht gleich kamen, in ihre Bürgerrolle auf. Dieses Glück oder diesen Vorrang genoß der Arzt Hippokrates, und dann die ganze Stadt Platäa, der sie wegen ihrer <164, 253> ausgezeichneten Dienste im Persischen Kriege das Bürgerrecht schenkten. Die ehrenhalber aufgenommenen Bürger begnügten sich jedoch nur mit dem bloßen Namen, ohne auf irgend eine Würde im Staate Anspruch zu machen. Keinem Fremden konnte das Bürgerrecht ertheilt werden, ehe nicht wenigstens sechstausend Bürger dazu ihre Einwilligung gegeben hatten. Diese neu gemachten Bürger hießen: durch das Volk gemachte Bürger. Auch hatte Solon ein Gesetz gegeben, nach welchem Niemand das Bürgerrecht haben sollte, der nicht entweder aus seinem Vaterlande auf ewig vertrieben worden, oder sich mit seiner ganzen Familie zu Athen niedergelassen hätte, um dadurch aller Anhänglichkeit an das vorige Vaterland vorzubeugen. Damit die größte Unpartheilichkeit bei der Wahl eines neuen Bürgers Statt finden sollte, so wurden die Stimmen insgeheim gegeben, indem man kleine Steine in Urnen warf, welche zu diesem Zwecke von den Prytanen in den Versammlungen hingestellt wurden, die auch zugleich die Pflicht hatten, für eine hinglängliche Anzahl Steinchen für die Stimmenden zu sorgen. Diejenigen, welche um das Bürgerrecht anhielten, durfte nicht eher in dieser Volksversammlung erscheinen, bis alle Bürger ihre Stimmen gegeben hatten. Wenn nun gleich die Abstimmung günstig für den Kandidaten ausgefallen und er zum Bürger erwählt worden war, so konnten doch diejenigen, die Zweifel an seiner Qualifikation zu dieser Würde hegten, an denjenigen Gerichtshof appelliren, der mit derjenigen Macht versehen worden, das Leben und die Umstände solcher Personen zu untersuchen, welche man des Bürgerrechts für unwürdig erkannte. Er wurde, waren die wider ihn angebrachten Beschuldigungen gerecht, durch einen Widerruf des ihnen aus Unwissenheit oder Uebereilung des Volks ertheilten Vorrechts beraubt. Die Art der Zulassung zum Bürger<164, 254>rechte bestand in einer Deklaration, daß ein solcher den Bürgern zu Athen einverleibt, und mit allen denselben gebührenden Rechten und Immunitäten begabt sey, und daß er ein Recht habe, an allen ihren heiligen Gebräuchen und Geheimnissen Antheil zu nehmen, und der Verrichtung derselben beizuwohnen, jedoch blieben solche neue Bürger von den nur gewissen Familien eignen gottesdienstliche Handlungen, so auch von der Magistratur der Archonten ausgeschlossen. Sie wurden aber in einen gewissen Stamm und in ein gewisses Hundert der Bürgerrolle aufgenommen. Da dieses Bürgerrecht bei den Atheniensern so hoch stand, so wurde es auch für ein schweres Verbrechen gehalten, wenn ein Ausländer sich unbesugter Weise dieses Bürgerrecht anmaßte. Dieses Verbrechen hieß Chenia, und der deßhalb Angeklagte, wurde sogleich in Bande gelegt, und mußte die Gefängnißstrafe erdulden, noch ehe er sich vor den Richter stellte, um dadurch die Größe des Verbrechens anzuzeigen. Wenn nach der Lossprechung des Beklagten sich ergab oder er bloß in Verdacht stand, die Richter bestochen zu haben, so war es jedem erlaubt, von neuem eine Klage bei den Thesmotheten gegen ihn anzubringen. Die Strafe bestand gewöhnlich darin, daß der Angeklagte und schuldig Befundene des sich ohne Grund angemaßten Bürgerrechts beraubt, und als Sklave verkauft wurde. Der Gerichtshof war außerhalb der Stadt in der Cynosarge. Damit nun aber das Bürgerrecht von allen falschen Beschuldigungen befreit seyn möchte, so wurde unter dem Archontate des Archias im zweiten Jahre der neunzigsten Olympiade eine Untersuchung von Männern eines und eben desselben Kantons angestellt, welche als die geschicktesten Personen bekannt waren, in solchen zweifelhaften Fällen eine gewisse Entscheidung zu geben. Wenn daher Jemanden sein Bürgerrecht streitig gemacht wurde, so <164, 255> berief der Vorsteher des Kantons, der das Verzeichniß der Bürger verwahrte, die Einwohner seines Kantons zusammen. Er laß ihnen nun aus dem Verzeichnisse die Namen der in seinem Kanton wohnenden Bürger vor, wonach der Beklagte, (wenn er sich für einen Eingebornen ausgab), seine Vorfahren und deren Curie darthun, und mit hinlänglichen Beweisen belegen, oder, wofern er selbst in die Zahl der Bürger aufgenommen worden, öffentliche Dekrete vorzeigen mußte, worin ihm das Bürgerrecht ertheilt worden war. Hierauf mußten die Demotä vor Untergang der Sonne, welches der gesetzliche Termin war, auf Blättern, oder vermittelst der Bohnen, und um alle Partheilichkeit zu vermeiden, ihre Stimmen insgeheim geben. War die Anzahl der weißen Bohnen größer, so gewann der Beklagte, war aber die Anzahl der schwarzen größer, so wurde er aus dem Verzeichnisse der Bürger ausgestrichen, und nur zu den Beisassen oder Schutzverwandten gezählt, und hieß dann, Einer, der durch die Stimmen ist verworfen worden. War nun der Verurtheilte mit der Entscheidung seiner Demoten nicht zufrieden, so gaben ihm die Thesmotheten Richter; gewann er durch den Ausspruch derselben, so wurde er wieder in seine Curie eingesetzt, verlor er aber, so wurde er als Sklave verkauft. Leute, die Alters halber kein öffentliches Amt mehr bekleiden konnten, verloren ihr Stimmrecht, die auf ewig Verwiesenen ihr Bürgerrecht, nur diejenigen, die durch das Scherbengericht verbannt wurden, behielten dasselbe. -- Uebrigens ist diese Hochstellung des Staatsbürgerrechts in Athen erst späterhin geschehen; denn zu des Cecrops Zeiten wurde dasselbe auch den Fremden ertheilt, und Theseus, der zweite Stifter des Atheniensischen Staates, scheint ebenfalls das Bürgerrecht allen Fremdlingen ertheilt zu haben, die sich auf seine Einladung einfanden. Dieser Atheniensische Regent, der alle in Flecken <164, 256> zerstreut lebenden Einwohnern von Attika in eine einzige Stadt, Athen, vereinigt hatte, und seinen neu eingerichteten Staat noch mit mehr Einwohnern bevölkern wollte, ladete alle Ausländer ein, zu ihm zu kommen, um mit den Eingebornen gleiche Vorrechte zu genießen. Ja man findet bei den Scholiasten über die Frösche des Aristophanes ein altes Gesetz, nach welchem Alle, die sich zu Athen wohnhaft niederließen, gleich nachher als Bürger aufgenommen werden sollten. Hieraus ersieht man, daß es im Anfange gar nicht schwierig war, das Atheniensische Bürgerrecht zu erhalten; als aber die Macht dieses Volkes sich erweiterte, und sich der Ruhm glänzender Thaten über ganz Griechenland verbreitete, und auch die Anzahl der Bürger mit der Größe und dem Umfange des Gebiets dieses Staates in dem rechten Verhältnisse zu stehen schien, so wurde auch dieses vorher so leicht zu erhaltende Bürgerrecht nur auf wenige Personen eingeschränkt. Es entstand nun die späterhin im Flore von Athen jederzeit beobachtete Eintheilung der Bewohner desselben in Bürger, Schutzverwandte und Sklaven oder Knechte.

Bei den Spartanern wurde das Staatsbürgerrecht nicht weniger hochgeachtet, als bei den Atheniensern. Lycurg, der Gesetzgeber der Lacedämonier, theilte das ganze Gebiet Lacedämons, welches den größten Theil des heutigen Morea ausmachte, in dreißig Tausend gleiche Theile, von denen er den Bewohnern Spartas neuntausend anwies, und die Anzahl der Bürger auf eben diese Anzahl festsetzte. Da nun ein jeder Bürger einen solchen Theil bekam, so bestand das Spartanische Bürgerrecht vorzüglich in dem Besitze eines solchen im Anfange durch das Loos vertheilten Grundstücks, in dem Zutritte zu den obrigkeitlichen Aemtern (das Königliche ausgenommen, welches nur bei einer Familie erblich war), in dem Stimm<164, 257>rechte bei öffentlichen Berathschlagungen, und in der Ehre in diesem bloß kriegerischen Staate ein Soldat zu seyn. Dieses Bürgerrecht erhielt man hauptsächlich durch die Geburt, indessen gab es auch Ausnahmen, indem es auch oft Ausländern ertheilt wurde, vermöge des Gesetzes, daß ein Ausländer, der sich den Institutionen des Spartanischen Staates unterwarf, an den gemeinen Loosen einen Antheil haben sollte. Aller Wahrscheinlichkeit nach bahnten ausgezeichnete Verdienste und die Verheirathung mit einer Spartanerin dem Fremden zu diesem Bürgerrechte den Weg. Wenn einem Spartanischen Bürger ein Knabe geboren wurde, der durch die Geburt ein Recht an das Bürgerrecht erhielt, so hing es nicht von dem Vater ab, es wie sein Kind zu erziehen, sondern er mußte es in eine der beiden Leschen (Versammlungshäuser der Lacedämonischen Bürger, wo sie sich durch freundschaftliche Unterredungen die Zeit verkürzten) tragen, wo es von den Mitgliedern des Stammes. zu welchem der Vater gehörte, besichtiget wurde. War es gesund und stark, so wurde es auf öffentliche Kosten erzogen, war es aber schwach und gebrechlich, so wurde es an einer sumpfigten Gegend beim Taygetus, einem den Spartanischen Staat durchschneidenden Gebirge ausgesetzt und seinem Schicksale überlassen. So verabscheuungswürdig dieses Letztere war, so lohnend für den Staat war das Erstere, um dem Staate eine kräftige Generation zu erziehen; denn nach den Lycurgischen Gesetzen war die Erziehung der jungen Staatsbürger die erste und wichtigste Sorge des Staats, und derjenige Bürger, der sich diesem Gesetze nicht unterwerfen wollte, verlor sein Bürgerrecht. Wenn nun diese auf Kosten des Staates erzogene Kinder das siebente Jahr erreicht hatten, so wurden sie in gewisse Klassen eingetheilt; im achtzehnten Jahre wurden sie Epheben, und im zwanzigsten Eirenes, und konn<164, 258>ten jetzt schon eine Cohorte ins Treffen führen. Erst im dreißigsten Jahre traten sie in den völligen Genuß ihres Bürgerrechts und wurden zu den Männern gezählt. Sie wurden dann Sphaireis genannt, wahrscheinlich von der Sphära oder dem Balle, womit sie sich in den Kampfspielen übten. Jetzt erst nahmen sie an allen Geschäften und Aemtern des Staats Antheil. Uebrigens hatten alle Bürger in Sparta gleiche Rechte, so wie sie auch gleiches Vermögen und gleiche Güter hatten. Lycurg, der diese Gleichheit zu Stande brachte, beabsichtigete dadurch dem Stolze, dem Geize, der Schwelgerey, dem Neide, und andern dem Staate gefährliche Leidenschaften entgegen zu wirken, und dieserhalb entfernte er Reichthum und Dürftigkeit aus seine Staate, zwei Mittel, welche geeignet sind alle diejenigen Leidenschaften zu erwecken, welche einen Staat zerstören können. In derselben Absicht führte er auch die öffentlichen Mahlzeiten ein, bei welchen alle Bürger gegen einen gewissen Beitrag sich einfinden mußten, und wobei die Mäßigkeit das erste Gesetz war. -- Außer den Staatsbürgern gab es nun noch Freigelassene und Sklaven; Schutzverwandte, wie zu Athen, gab es in Sparta nicht; denn die Gesetze verstatteten keinem Ausländer sich eine Zeitlang in Sparta aufzuhalten, und so viele Vorwürfe dieses Gesetz den Spartanern von andern Nationen zuzog, so ließen sie sich doch nicht abhalten, dasselbe in Wirksamkeit zu erhalten, indem sie dadurch verhüteten, daß weder bürgerliche Unruhen, noch Verderbniß der Sitten, durch die Fremden gestiftet, bei ihnen einkehren konnten. Ein Schriftsteller sagt von diesem Staate: er sey mehr ideal, als real gewesen, und diese Idealität, als eine Seltenheit sich verwirklichet zu sehen oder in Ausübung zu kommen, habe auch nur aus der Ursache ihm auf eine gewisse Zeit Dauer und Glanz verliehen; allein Nachahmer hätte er nicht finden <164, 259> können, und dieses bloß der Idealität wegen, indem der Gesetzgeber alle eingeführten Gebräuche verletzt, und Tugenden mit Lastern vermischt, indem er den Diebstahl mit dem Stempel der Gerechtigkeit, und die strengste Sklaverey mit dem Bilde der Freiheit geprägt, die grausamsten Neigungen, mit der größten Mäßigung vermischt, und ihm alle Mittel zum Emporblühen, Künste, Handel, Geld etc., genommen hätte, habe er auch alle natürliche Neigungen zum Schattenbilde gemacht, indem der Bürger nur scheinbar Kind, Vater oder Gatte war, ja selbst die Schamhaftigkeit der Keuschheit benommen wurde. Kurz, so hoch die Spartaner auch ihren Ruhm brachten, so war es doch nur ein eingebildeter, von dem nur der Gesetzgeber, aber nicht das Volk den Gewinn hatte, denn dieses war aller Annehmlichkeiten des Lebens, sowohl des häuslichen, als öffentlichen Lebens, beraubt. -- Auch bei den Spartanern erhielt, wie bei den Atheniensern, das Bürgerrecht erst späterhin einen besondern Werth; denn unter den Lacedämonischen Königen erlangten auch viele Fremden das Staatsbürgerrecht, nur erst als der Staat in der Bevölkerung zunahm, ertheilte man es sparsamer an Fremden und nur bei besondern Verdiensten um den Staat. So erhielten es Tyrtäus, Terpander, Thales, Pherecydes, und Andere. Das Bürgerrecht mit geringeren Vorzügen erhielten die Freigelassenen, die sich in den Gymnasien mit den Söhnen der eigentlichen Bürger üben durften, und dann die freigelassenen Heloten, die damals mit dem Bürgerrechte beschenkt wurden, als in dem Kriege gegen die Messenier sehr viele Spartanische Bürger geblieben waren, und man sich genöthiget sah, um nicht von dem Feinde übermannt zu werden, neue Bürger zu machen.

Klassifizierung: 937 Italienische Halbinsel und benachbarte Gebiete bis 476DDC-Icon Bei den Römern wurde beim Beginnen des Staates ein jeder, der sich in Rom niederließ, auch Staatsbürger; denn es war dem Stifter des Römer<164, 260>reichs darum zu thun, viele Einwohner zu haben. Dieses war auch die Ursache, daß die auf den Stifter folgende Könige ihre nach und nach überwundenen oder freiwillig zu ihnen getretenen Nachbarn in Bürger verwandelten, wobei es ihnen jedoch anfangs zur Bedingung gemacht wurde, ihren Vaterländischen Boden zu verlassen, und in Rom oder dessen Gebiet zu ziehen; erst späterhin, als Rom schon eine ansehnliche Bevölkerung zählte, wurde es den Ueberwundenen oder freiwillig zu ihnen Getretenen gestattet, in ihren Wohnörtern zu bleiben, und dennoch das Römische Bürgerrecht zu erhalten; aber wenn sie gleich Staatsbürger waren, so hatten sie doch nicht dasselbe Ansehen, indem sie Municipes und die Andern Cives ingenui genannt wurden. Die Ersteren hatten also ein doppeltes Vaterland, das eine, worin sie geboren, und das andere, worein sie aufgenommen wurden, indessen konnten sie in beiden Städten Ehrenstellen erhalten. Zur Zeit der Repu blik stieg das Bürgerrecht unter den Konsuln, es wurde seltener vertheilt, ja selbst denjenigen, mit dem Bürgerrechte beschenkten fremden Städten wurde zuweilen das Stimmrecht in der Römischen Volksversammlung verweigert, zuweilen aber auch als eine besondere Gunstbezeugung zum Lohne für ihre dem Römischen Staate bewiesene Treue zugestanden. Von jenen sagte man, daß sie das Recht der Lateiner erhalten hätten, weil es zuerst einige Völkerschaften Latiums so erhielten, diese wurden dagegen vorzugsweise Minicipes genannt. Da die Cäriten die ersten waren, welche man das Stimmrecht ausdrücklich versagte, so wurde es zum Sprichwort, wenn die Censoren einen Römischen Bürger dieses Rechts zur Strafe verlustiget erklärten, er sey in die Rolle der Cäriten geschrieben worden, oder er sey dieser Klasse würdig. Indessen konnten doch diejenigen, welche in einer Stadt Lateinische Bürger waren, und als solche daselbst Eh<164, 261>renstellen bekleidet hatten, auch wirkliche Römische Bürger werden. Auch wurde durch ein Gesetz verordnet, daß bei den so häufig eingerissenen Bestechungen der Magistratspersonen, jeder Lateinische Bürger, der einen Römischen Senator dieses Verbrechens mit solchen Beweisen anklagen würde, daß er nicht losgesprochen werden könnte, das ächte Römische Bürgerrecht an die Stelle des Verurtheilten erlangen sollte. Im Jahre 663 schenkte ein von dem Bürgermeister Lucius Julius Cäsar gegebenes Gesetz das Römische Bürgerrecht denjenigen verbündeten, das Lateinische Bürgerrecht habenden Städten, welche während des Italienischen Krieges dem Staate treu geblieben waren, und in den darauf folgenden Jahren bis zum Jahre 670 gelangten alle durch ganz Latium und Italien wohnenden Bürger zu gleicher Ehre, wurden in die Zunftrollen der Stadt eingetragen, und konnten von dieser Zeit an auf die Ehrenstellen in Rom selbst Anspruch machen. Man nannte damals den Theil des Landes vom Adriatischen Meere bis an den Fluß Rubicon oder die Stadt Rimini, und nach dem Mittelländischen Meere bis an Lucca, Italien, das übrige bis an die Alpen, bewohnten die Gallier diesseits der Alpen (Galli cisalpini), u. die Veneter; jene nannte man wieder die Gallier dies= und jenseits des Po. Diese Gallier und Veneter erhielten nun auch von Caj. Jul. Cäsar, im Jahre 707 das Römische Bürgerrecht, daher dieser Theil den Namen Gallia togata erhielt. Cäsar ging noch weiter, und gab das Staatsbürgerrecht nicht nur vielen Städten in Spanien, auch allen Aerzten und Lehrern der freien Künste in Rom, sondern vermachte es auch in seinem Testamente allen Sizilianern, welches Letzter jedoch nicht in seinem ganzen Umfange zur Ausführung gekommen zu seyn scheint. Unter den Kaisern war das Bürgerrecht eine Art Gnadensache, womit Einige von ihnen freigebiger, <164, 262> Andere dagegen sparsamer waren, ja oft trieben auch ihre Günstlinge eine Art Handel damit; auch wurde es alten Soldaten zur Belohnung der dem Staate geleisteten Dienste für sie und ihre Nachkommen geschenkt. Der Kaiser Antonius Caracalla ertheilte des zehnten Pfennigs wegen, den der Fiscus von der Erbschaft eines jeden Römischen Bürgers bezog, der keine Agnaten zu Erben hinterließ, das Bürgerrecht allen im ganzen Umfange des Römischen Reichs wohnenden freien Leuten oder Freigebornen, die Freigelassenen waren jedoch davon ausgeschlossen, indem sie nur das Lateinische Bürgerrecht erhalten konnten, bis Justinian auch diesen Unterschied aufhob. Das Römische Staatsbürgerrecht war mit besondern Vortheilen verknüpft, deren einige zum Privatrechte, andere zum Römischen Staatsrechte gehörten, oder, nach den Römern, jene zum Rechte der Quiriten (jns Quiritium) und diese zum Stadtrechte (jus civitatis). Zum Rechte der Quiriten zählt man 1) die vorzügliche Römische Freiheit (libertas Romana), Kraft welcher ein Römischer Bürger nicht nur keine Leibeserben haben, sondern auch selbst von seiner Obrigkeit nicht sklavisch behandelt, daher weder gegeißelt, noch der Folter unterworfen, noch gekreuziget, oder gehenkt werden konnte. Man findet in der Apostelgeschichte (Kap. 22), daß Paulus sich in einem solchen Falle auf sein Römisches Bürgerrecht berief, und deshalb nach Rom geführt wurde. 2) Das Recht der Familie (jus gentilitatis); denn wenn gleich die Römischen Bürger in Patricier und Plebejer eingetheilt waren, und jene gleichsam einen höhern Adel ausmachten, so hatten doch auch die Plebejer ihre theils eigene, theils mit jenen gemeinschaftliche Vorzüge, welche man Geschlechtsrechte nennen könnte, daher man wohl unschicklich einen Plebejer einen vom Pöbel übersetzen würde; denn jene hatten nur die administra<164, 263>tive oder ausübende Verwaltungen des Staats, und diese die befolgende, die Gewerbetreibende zum Genuß der Ersteren; wenn also die Eine als nothwendig zur Erhaltung des Staates erachtet wurde, so durfte auch die Andere nicht fehlen, weil sie diese darin unterstütze, Eine war also so nothwendig, als die Andere, und daher konnte auch in Hinsicht der Wirksamkeit kein Vorzug seyn, weil beide Klassen ihre Nothwendigkeit bewiesen, und der Staat ohne diese Wechselwirkung nicht bestehen konnte. 3) Das Recht einer standesmäßigen Ehe (Connubii sive justarum nuptiarum). Es war nämlich vom Anfange oder den ältesten Zeiten der Römischen Republik an nicht gleichgültig, welche Personen sich zusammen verheirathen, sondern die Klassen waren sogar unter den Bürgern selbst bestimmt, deren Ehen alle bürgerliche Folgen, theils in Ansehung der Rechte der Kinder, theils in Ansehung der Trennung, und auch sonst noch hatten. 4) Das Recht der Römischen bürgerlichen Gewalt (jus patriae potestatis) welches viele Besonderheiten hatte; s. unter Pfeil-IconRömisches Recht, Th. 126, Pfeil-IconS. 158. 5) Das Recht, das Eigenthum einer Sache nach gewissen Formeln (ex jure Quiritum) zu erlangen, durch welche Titel man eine größere Sicherheit bekam. Diese Rechte waren nach dem Varro sechs, nämli: 1) Haereditatis additio; 2) Mancipatio; 3) Cessio in jure; 4) Usucapio; 5) emtio sub corona; und 6) emtio in sectione vel auctione publica. Heineccius fügte noch sechs andere hinzu: 6) Das Recht Testamente zu machen, und aus dem Testamente eines Römischen Bürgers etwas zu erlangen, oder auch Zeuge bei einem solchen Testamente zu seyn; und 7) das Recht der Erbfolge ohne Testament, nach den besondern Römischen Gesetzen. Zu dem Staatsbürgerrechte, insofern der Bürger als ein Glied des Römischen Staates, welches selbst an der Regierung des <164, 264> Römischen Reiches Antheil hatte, angesehen wurde, gehörten: 1) das Recht, in der Bürgerrolle zu stehen (jus Census); 2) unter den Legionen das Vaterland zu vertheidigen (militiae); 3) nach seiner Klasse geschätzt zu werden und zum gemeinen Besten beizutragen (tributorum); 4) zur Errichtung neuer Gesetze, Erwählung der obrigkeitlichen Personen, und Beschließung eines anzufangenden Krieges seine Stimme zu geben (suffragii); 5) zu bürgerlichen Ehrenstellen, Obrigkeiten und Priesterthum selbst erwählt zu werden (jus honorum); und 6) das Recht an den gottesdienstlichen Feierlichkeiten der Römer nicht nur Antheil zu nehmen, sondern selbst einen Privat= oder Familien=Gottesdienst, welcher jedoch dem öffentlichen nicht zuwider seyn durfte (jus sacrorum) zu halten. Dieses Römische Bürgerrecht hatte die Eigenschaft, daß es in den ältesten Zeiten kein anderes neben sich litt, und daß es Niemanden, der es einmal besaß, wider seinen Willen genommen werden konnte. Wenn man daher einen Verbrecher dessen berauben wollte, so geschah solches unmittelbar, indem man ihm den Gebrauch des Obdachs, des Wassers, und des Feuers untersagte (tecti, aquae et ignis interdictio), und ihn dadurch nöthigte sich selbst anderswohin zu begeben, wodurch erst sein Römisches Bürgerrecht verloren ging, wenn er sich in dem neuen Orte festgesetzt hatte. Das Lateinische Bürgerrecht (jus Latii) kam dem Römischen am nächsten, hörte aber dieserhalb nicht auf eine eigene Art des von den Römern ertheilten Bürgerrechts zu seyn, weil die eigentlichen Lateiner, wie oben angeführt worden, im Jahre 663 zu dem vollkommenen Römischen Bügerrechte gelangten; es wurde unter diesem Namen noch andern Ländern, Städten und Personen ertheilt. Diejenigen, welchen diese Rechte ertheilt wurden, hatten nicht die ganze Römische Freiheit, sondern konnten gegeisselt werden; sie durf<164, 265>ten sich nicht mit Römischen Bürgern oder Bürgerinnen verheirathen, hatten nicht die väterliche Gewalt in dem Grade, wie die eigentlichen Römischen Bürger, und konnten daher auch nicht Testamente auf die Weise der Römischen Bürger machen, noch aus deren Testamente etwas bekommen. In Ansehung der übrigen Rechte war der Unterschied geringer, jedoch dienten sie z. B. nicht unter den Legionen, sondern unter den Hülfsvölkern, standen in besondern Musterrollen etc. Nach dem Lateinischen Bürgerrechte kam das Italienische (jus Italicum), welches um einen Grad geringer war. Die Inhaber desselben wurden härter mit Steuern belegt, und mußten mehr Hülfsvölker stellen, als die Völker des Lateinischen Rechts. Am geringsten standen diejenigen Römischen Provinzen, welchen Rom eine Gesetze und obrigkeitlichen Personen schickte, ihnen verschiedene in Italien ungewöhnliche Auflagen aufbürdete, doch aber ihre Religion unangetastet ließ. Unter den Municipien gab es Städte, welche Kolonien der Römer waren, indem nämlich darein Römische Bürger verpflanzt worden, welches einen zwiefachen Nutzen hatte, nämlich: 1) die alten Bewohner der Gegend durch eine solche mit Römern bevölkerte Pflanzstadt in Zucht zu halten, und 2) den unruhigen Theil des Volkes in Rom los zu werden, wenn er zu groß geworden war, und seine Ansprüche stiegen. Da diese Kolonisten gemeiniglich, sagt ein Schriftsteller, außer der großen Ehre des Römischen Bürgerrechts, nichts zu verlieren hatten, in der Pflanzstadt aber Häuser und Güter bekamen, so ließen sie sichs gefallen, das vollkommene Römische Bürgerrecht um diesen Preis gegen das unvollkommenere, das heißt, gegen das Lateinische, Italienische oder Provinzialrecht, zu vertauschen, je nachdem es dem Wortführer der Kolonie beliebte. Man errichtete auch dergleichen Pflanzstädte aus ausgedienten Soldaten zu ihrer Belohnung; sie mußten <164, 266> sich nach Römischen Gesetzen richten, jedoch trugen ihre Obrigkeiten dieselben Titel, wie die Obrigkeiten der Municipien. Diejenigen Städte in Latium, in Italien und in den Provinzen, welche sich gegen Rom auf irgend eine Weise vergangen hatten, wurden Präfecturen genannt. Es war eine Art Strafe, in dieser Klasse der Städte zu stehen; der Präfekt, welcher ihnen von Rom aus geschickt wurde, schlichtete ihre Privathändel; allein der Römische Senat bestimmte, wie viel sie an Leuten, Geld oder Früchten nach Rom schicken sollten. Einigen von ihnen wurde jedoch der Schein einer bürgerlichen Verfassung, auch wohl obrigkeitliche Personen aus ihrer Mitte gelassen. Dann gab es auch noch in Italien verbündete Städte (Urbes foederatae), welche den Römern nur durch Bündnisse verknüpft, übrigens aber so frei waren, daß diejenigen, welchen man den Gebrauch des Feuers und Wassers, wie oben angeführt worden, in Rom untersagte, in solchen zu Bürgern aufgenommen werden konnten. Die Vorrechte der ächt Römischen Bürger (Cives ingenui), wozu auch noch das Tragen der Toga und die Römischen Vornamen zu zählen sind, beruheten mehr auf bloßen Formalitäten, und hatten einen mehr eingebildeten Werth, als daß sie wirkliche Vortheile gaben; indessen reichten sie doch zu den politischen Zwecken hin, einem Römischen Bürger einen hohen Begriff von seinem Bürgerrechte zu geben, und dadurch einen gewissen Nationalstolz rege zu erhalten, der sie wundersam zu großen Thaten anspornte, und Andere zu gleichen Thaten hinriß, sich gleicher Ehre würdig zu machen; denn schon die Toga, welche nur ein Römischer Bürger tragen durfte, auch selbst dann, wenn er sich mitten in Asien befand, tragen mußte, und dann das Stimmrecht, hatten einen mächtigen Reiz nach dem Römischen Bürgerrechte zu streben. Die Feierlichkeiten, welche die Römischen Bürger in ihren Privatgeschäften zu beobachten <164, 267> hatten, sicherten sie auf der einen Seite vor der willkührlichen Rechtsprechung der obrigkeitlichen Personen, und von der andern Seite gaben sie ihnen eine Beschäftigung, die sie abhielten, sich mit Neuerungen gegen die Staatsverfassung die Zeit zu vertreiben, oder wenn solches sich auch zuweilen ereignete, dazu beitrug, die getrennten Gemüther bald zu vereinigen. Montesquieu sieht daher den Zeitpunkt, wo die Lateinischen und Italienischen Völker in das volle Römische Bürgerrecht aufgenommen wurden, als den ersten Grund zu dem Verfalle des Römischen Staates an; und wenn dieses auch nicht als der einzige Grund angenommen werden kann, so hat es doch gewiß viel beigetragen, weil der Werth des Römischen Bürgerrechtes verringert wurde, es also auch nicht mehr diesen Reiz gewährte, darnach zu streben; denn je allgemeiner es wurde, je mehr verschwand der Nationalstolz der Römer, und Gleichgültigkeit und Weichlichkeit traten an dessen Stelle. Unter den Römischen Kaisern bedeutete das Bürgerrecht nur noch wenig, weil es theils durch diese veränderte Regierungsform, theils auch durch die immer größere Verbindung von seiner Würde verlor; indessen erhielten sich doch die damit verknüpften Besonderheiten bis auf Justinians Zeiten, der das Quiritanische Recht abschaffte; indessen sind doch in der Justinianischen Gesetzsammlung noch viele Spuren der Feierlichkeiten und Besonderheiten mit aufgenommen worden, so daß man ohne Kenntniß des alten Römischen Bürgerrechts solche nicht gut verstehen kann. --

Was den Staatsbürgerstand bei den neuern Völkern anbetrifft, so ist darüber das Nöthige schon in den beiden oben am Eingange dieses Pfeil-IconArtikels angeführten Artikeln gesagt worden. Hier noch Einiges zur Ergänzung des schon darüber Gesagten. Das Staatsbürgerthum der neueren Völker bietet keine so glän<164, 268>zende Aussenseite dar, als das der alten Völker, besonders der Griechen und Römer, die hier als Muster vorgestellt werden, wenn von Staatsbürgern die Rede ist; indessen hat es doch manche innere anziehende Seite, nämlich das ruhige, den Künsten und Wissenschaften, so wie überhaupt allen Gewerben so günstige Privatleben, welches nicht seine Beschäftigung, seinen Ruhm im Geräusche der Waffen sucht, sondern diese nur da gebraucht, wo es zur Vertheidigung der Selbstständigkeit ankommt. Kriege, zur Vergrößerung des Landes, und dabei den Waffenruhm zu krönen, sind bei den meisten neuern Völkern nur seltene Erscheinungen, und wo sie vorkommen, sind sie nur von kurzer Dauer, ziehen sie sich nicht eine lange Reihe von Jahren hindurch; denn nehmen wir die Kreuzzüge, und den dreißigjährigen Krieg in Deutschland aus, die überhaupt einen religiösen Zweck hatten, so wird man Eroberungskriege gleich denen der Griechen und Römer, besonders aber der Letzteren, wohl wenige finden; denn selbst diejenigen Kriege der Französischen Republik, und dann unter Napoleon, die den Römischen Eroberungskriegen am nächsten wegen ihrer Ausdehnung u. ihrer Ländervermehrung kamen, waren doch nur Schattenspiele wegen ihres schnellen Vorüberzugs und der kurzen Dauer der gemachten Eroberungen gegen die Römischen zu nennen, wenn sie gleich die merkwürdigsten und erfolgreichsten auf die Ruhe Europas, auf seine politische Verfassung, auf Handel und Gewerbe, und auf die Menschheit waren, sind, und noch seyn werden, und in sofern, aus die Folgen gesehen, wichtig und groß genug. In Beziehung nun auf den weniger eroberungssüchtigen Charakter, die geringere Waffenliebe in dem Staatsbürgerthume bei den neuern Völkern, besonders seit der Reformation, haben sich Wissenschaften und Künste, Gewerbe und Handel an deren Stelle gesetzt, und den Staatsbürger mehr an <164, 269> seinen Herd gefesselt, ihn gefügiger für das gesellige Leben gemacht, und dadurch der neueren Kultur den Weg gebahnt, sich sicherer zu entfalten; und wenn gleich Griechen und Römer uns in ihren hinterlassenen Werken einen Schatz von Kenntnissen und Erfahrungen in den Gebieten der Staats= und Kriegskunst, in andern Wissenschaften, und in den schönen Künsten bewundern lassen, so war ihnen doch dieser Grad der gemeinsamen Kultur, der jetzt die Völker Europas beherrscht, fremd; daher findet man selbst bei den Griechen in ihrer blühendsten Periode der Bildung nicht jene Humanität, welche die jetzigen gebildeten Völker Europas größtentheils auszeichnet; daher findet man aber auch bei diesen wieder weniger den Staatsbürgersinn, der den Alten ganz vorzüglich beiwohnte, und wodurch es ihnen auch möglich ward, so ausgezeichnete Thaten zu verrichten. Den neueren Völkern wohnt mehr ein hoher Grad von Weltbürgersinn bei, so daß sie ihr Vaterland fast überall erblicken, und so recht das Sprichwort: Ubi bene, ibi patria, verwirklichen, welches bei den Alten nicht der Fall war, die es als die höchste Strafe, den größten Schimpf ansahen, aus ihrem Vaterlande verwiesen, verbannt zu seyn, worüber sich aber die neuern Völker leichter hinwegsetzen, indem sie überall sich ansiedeln und ihr Vaterland in der Fremde wieder zu finden glauben. Daher ist bei den neuern Völkern das Staatsbürgerrecht nur von geringerem Werthe, selbst oft das Stadtbürgerrecht, wovon in Deutschland nur die ehema ligen freien Reichsstädte, und auch jetzt noch die freien Städte eine Ausnahme machen. Zum Theil liegt dieses aber auch an den Regierungen, die zu wenig Rücksicht auf die Einwanderungen der Fremden und auf ihre Niederlassungen nehmen, zu leicht ihnen das Bürgerrecht gewinnen lassen, ja oft selbst mit Vorzügen oder Vergünstigungen gegen die Eingeborenen, welches wohl nicht geeig<164, 270>net ist, den Nationalsinn zu erheben, und ein festes Bürgerthum zu begründen. Man findet zwar in mehreren Staaten ein Indigenat= oder Eingebornenrecht, welches sich der Fremde erst durch gewisse Jahre, die er im Staate ansäßig ist, und worin er seine Thätigkeit, Moralität etc. beweiset, erwerben muß, wie in Frankreich, auch bei uns in Deutschland, in Bayern, Würtemberg etc.; allein dieses sind nur Einzelnheiten, die auch dem Eingebornenrechte keinen hohen Werth geben, indem es sonst keine besondere Auszeichnung hat, wie es bei den Griechen und Römern der Fall war. Die Franzosen wollten zwar nach der Revolution ein festes Bürgerthum nach dem Muster der Römer begründen, wenigstens wollten es die Obern, das Direktorium, und der Rath der Fünfhundert und der Alten, wozu die dreifarbige Nationalkokarde für alle Bürger, die dreifarbige Schärpe und der dreifarbige Federbusch für die Repräsentanten der Nation, als Zeichen des ächten Bürgerthums geschaffen wurden, wozu späterhin das Kreuz der Ehrenlegion für militairische und bürgerliche Verdienste und Auszeichnungen trat; allein nur das letzte Mittel bewirkte unter Napoleon Wunder der Tapferkeit bei den Soldaten, so wie es auch in dem Civilstaatsdienste, in Wissenschaften, Künsten und Gewerben einen regen Eifer hervorbrachte; allein diese Mittel ersetzten nicht die Toga der Römer, worauf diese so stolz waren, und wofür die Regierung Sorge trug, daß sie nicht als ein gleichgültiges Kleidungsstück herab sank, indem der ächte Römische Bürger immer öffentlich darin erscheinen mußte, wenn er auch in seiner Wohnung eine Tunika trug. Sie war das ächte Zeichen eines Staatsbürgers im eigentlichen Sinne, und wurde nur von den Kriegern in Friedenszeiten getragen, daher auch Toga bei ihnen oft so viel als der Friede bedeutete; allein die dreifarbige Kokarde, <164, 271> die Schärpe und der Federbusch verschwanden bald bei den Franzosen, ja die Letzteren wurden nicht einmal bei der Sitzung getragen, da sie doch einen Deputirten oder Repräsentanten der Nation im Amte anzeigen sollten, und die Nationalkokarde, die ein jeder Franzose, selbst das weibliche Geschlecht nicht ausgenommen, tragen sollte, ja mußte, wurde von Vielen nur versteckt getragen, so daß Fremde, die zu der Zeit in Paris waren, oftmals hörten, wenn Personen den Garten der Tuillerien besuchen wollten, daß die Schildwache ihnen am Eingange zurief: Citoyen, Citoyenne, la cocarde! und sie diese erst durch Lösung eines Bandes oder einer Schleife an das Tageslicht brachten; denn ohne dieses Bürgerzeichen sollte Niemand eingelassen werden. Wer es nicht hatte, wurde mit einer derben Erinnerung zurückgewiesen. Auch dieses Zeichen eines ächten Französischen Staatsbürgers verschwand bald nachher, besonders unter Napoleon, bei dem es nur hauptsächlich die Armee als Nationalzeichen trug, die Civilisten nur im Dienste, sonst, wie alle Bürger, nur nach Gefallen. Was diese Zeichen im Augenblicke des Enthusiasmus bewirken können, dieses haben wir auch bei uns in Preußen mit der Nationalkokarde in der Zeit des Freiheitskampfes und noch einige Zeit nachher gesehen, wo dieses Nationalzeichen noch im Frieden von den Staatsbürgern getragen wurde; jetzt ist aber eine Nationalkokarde, außer dem Militair, eine seltene Erscheinung, und so, wie es bei uns ist, so ist es auch bei den andern Völkern Europas. Dieses bekundet, daß jetzt mehr ein Weltbürgersinn herrscht, Alles mehr nach einem Weltbürgerthume strebt, als ehemals, wie wir dieses auch in den Kleidermoden gewahren, die jetzt überall bei den gebildeten Völkern in Europa und Amerikagleich sind; Nationaltrachten erblickt man nur selten noch als eine Auszeichnung des gebildeten Theils einer Nation; nur bei den Landleu<164, 272>ten, die überhaupt noch das alte Gepräge einer Nation zeigen, tritt diese Nationalsitte, sich eigenthümlich und altvärerisch zu kleiden, hervor, jedoch nicht in der Nähe großer Städte, wo sich eine zwitterartige Kleidung zeigt, indem sie halb städtisch, halb ländlich ist, sondern tiefer in den Provinzen, wo so leicht keine Ansteckung der ewig wechselnden Mode hinkommt, und sich ihnen mittheilt. Indessen ist jetzt bei dem veränderten Kulturzustand der civilisirten Völker in Europa und Amerika, der sich der Bevölkerung sehr günstig zeigt, auch ein veränderter Gewerbestand eingetreten, der nicht nur einen größeren Aufwand an Subsistenzmitteln erfordert, sondern auch an Luxusgegenständen, die gleichfalls aus der Kultur hervorgegangen sind, indem sie den Kunstfleiß weckten, der durch seine Produktionen den Geschmack und die Kunstliebe erzeugte, die vereint die Kunstprodukte auch zu Gegenständen der Gewohnheit machten, so daß wir jetzt viele der entbehrlichen Produkte für wirkliche Bedürfnisse des Lebens halten. Durch diesen veränderten Gewerbestand, diese Kunstprodukte, die nachzuahmen, ein reger Wetteifer bei allen Nationen eintrat, indem es Eine der Andern immer darin, wo nicht zuvor, doch gleich thun will, hat diesen Weltbürgersinn geweckt und genährt, den die Alten lange nicht kannten, und erst dann kennen lernten, jedoch in ganz anderer Gestalt, und unter ganz andern Verhältnissen, als ihr Staatsleben der Auflösung nahe war. Dieser Weltbürgersinn der neuern Völker in der neuern und neuesten Zeit, welcher aus der gemeinsamen Volkskultur und der daraus entspringenden Humanität hervorging, ist dem Staatsbürgersinne keinesweges nachtheilig, wie man es glauben sollte; denn dieses beweisen die Engländer und Franzosen, die, bei dem höchsten Weltbürgersinne, doch ihre Nationalität bewahren, und auch bei uns, den Deutschen, hat sich dieses in dem Freiheitskampfe in den Jah<164, 273>ren 1813--15 auf eine glänzende Weise gezeigt. Die Vaterlandsliebe ist daher immer noch ein wichtiger Hebel den Weltbürgersinn, wenn es Noth thut, zu brechen, wenn sie nur von der Regierung richtig geleitet und nicht durch zweckwidrige Maßregeln auf das Staatsbürgerthum getödtet wird; denn nur durch eine geschickte Leitung in Beförderung Alles dessen, was dem Staatsbürger Liebe zu seinem Vaterlande und dessen Regierung einflößen kann, liegt der Hebel, wodurch man auch ohne die Toga der Römer, ohne alle äußere Zeichen Wunderdinge bewirken kann; denn nur in dem befreundeten Gefühle, das Vaterland gewährt dir den Genuß der Freiheit, und alle Rechte, die du als Mitglied der Staatsgesellschaft nach den Landesgesetzen von ihm fordern kannst, liegt die Liebe und Anhänglichkeit für dasselbe, liegt der Trieb, es gegen alle Anfälle zu schützen. Wie sehr tritt daher nicht bei den neueren Völkern das warme Gefühl für das Wohl unserer Mitmenschen zu wirken, die Humanität, hervor, gegen die schneidende Kälte, das harte Gefühl der Römer, die zwar als große, unnachahmliche Nation, als Original, dastehen, aber doch bei allen ihren Handlungen nur das Gefühl des Uebergewichts blicken und die Ueberwundenen immer den Ueberwinder fühlen ließen. --

Staatsbürgerrecht, s. Pfeil-IconStaatsrecht.

Staatsbürgerthum, der Inbegriff aller Eigenschaften und aller Rechte eines Bürgers; s. den Art. Pfeil-IconStaatsbürger.

Staatscasse, s. Pfeil-IconStaatskasse.

Staatsdame, s. oben, unter Pfeil-IconHofstaat, Pfeil-IconS. 62. Man belegt auch aus Scherz ein sehr geputztes Frauenzimmer mit diesem Namen.

Staatsdegen Klassifizierung: 739.7 Waffen und RüstungenDDC-Icon , Paradedegen, ein leichter, schmaler Degen, welchen die Hofleute an großen Cour= und Gallatagen zu tragen pflegen. Die Klinge ist damas<164, 274>cirt, und das Gefäß oder der Handgriff von Silber oder Gold. Die Scheide ist gewöhnlich weiß lackirt, auch schwarz, mit silbernen oder goldenen Verzierungen. An einigen Höfen ist ein solcher Degen nur kurz, an andern lang und gerade, oder auch krumm, nach Art der Türkischen Säbel. Auch Kavallerie=Officiere, besonbers von den Husaren und Ulanen, tragen Türkische Säbel mit goldenen Verzierungen auf der Scheide, wenn sie bei Hofe erscheinen. Diese Degen führen auch den Namen Hof= und Galanterie=Degen, die nur mittelmäßig langen und schmalen Degen, mit weißer Scheide werden auch Kammerdegen genannt. S. auch den Art. Pfeil-IconDegen, Th. 9.

Staatsdepartement Klassifizierung: 352.2 VerwaltungsorganisationDDC-Icon , s. Pfeil-IconDepartement, Th. 9, Pfeil-IconS. 98. Die verschiedenen Hauptabtheilungen eines Ministeriums führen den Namen Staatsdepartement, auch oft das Ministerium selbst; so sagt man das Departement der auswärtigen Angelegenheiten, das Departement des Kultus, das Kriegs=, Justiz=, Finanz= und Handels= oder Commerzdepartement etc., für das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, das Ministerium des Kultus, das Kriegs=, Justiz=, Finanz= und Handels=Ministerium etc. Gebraucht man Departement, als Hauptabtheilung eines Ministeriums, so bleibt Ministerium als der Name des Stammes, von dem die Departements als Zweige ausgehen, oder an das sie sich lehnen. So z. B. stehen unter dem Handelsministerium oder lehnen sich an dasselbe: das Manufaktur= und Fabriken=Departement, das Berg= und Hüttendepartement, das Accise= und Zolldepartement etc.; unter dem Ministerium der Finanzen: das Münzdepartement, Salzdepartement etc. Diese den hier angeführten Ministerien untergeordneten Departements sind aber nicht überall dieselben, weil solches von der Ansicht einer jeden Regierung ausgeht, wie sie ihre verschiedenen Verwaltungszweige des Staats ordnen will. So z. B. steht das Postdepartement in <164, 275> einigen Staaten unter dem Ministerium des Innern, in andern unter dem des Handels; so steht das Accise und Zolldepartement in einigen Staaten unter dem Finanzministerium, in andern unter dem Ministerium des Handels. In Rußland steht unter dem Finanzministerium das Berg= und das Forstdepartement, welches Letztere in andern Staaten unter dem Ministerium des Innern, und das Erstere unter dem des Handels steht etc.

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