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Orgasmus Klassifizierung: 155 Differentielle Psychologie und EntwicklungspsychologieDDC-Icon Klassifizierung: 612.6 Fortpflanzung, Entwicklung, ReifungDDC-Icon , das Aufwallen oder der heftige Reitz des Blutes und der Zeugungssäfte.

Orge, s. Pfeil-IconGerste.

Orgeade, Orgeat, s. Gerstentrank, im Artikel Pfeil-IconGerste, Th. 17, Pfeil-IconS. 428.

Orgel Klassifizierung: 786.5 Blasinstrumente mit Tastatur; OrgelnDDC-Icon , ist ein bekanntes musikalisches Instrument, das vorzüglich in den Kirchen angebracht wird, um den Gesang der Gemeinde zu begleiten und ihn in Ordnung zu erhalten.

Den ersten Ursprung der Orgeln sucht man in den entferntesten Zeiten, und sie sollen ihn der griechischen Tibia zu danken haben, die fünf bis sieben Röhren und nur ein Mundstück hatte. Allein man irret unstreitig, wenn man den Ursprung der Orgeln so weit hinaussetzt, als man den Nahmen Orgel, griech. Οργανον, latein. Organum, bey den Alten findet. Diese Orgeln <105, 322> waren Wasserorgeln, bey denen die verschiedenen Töne durch eine Wasserkunst und durch ein Luftdruckwerk hervorgebracht wurden. Sie hatten zwar auch Pfeifen, und wurden mit den Händen gespielt; allein ihre Einrichtung war ganz anders als unsere Orgeln. Ihr Erfinder soll, nach Vitruv (X, 12. 13.), Ctesibius gewesen seyn, nach andern Archimedes.

Die ersten wirklichen Orgeln waren tragbar, ungefähr so wie unsere Positive. Man brachte sie zum Vergnügen des Publikums auf das Theater, und an dem Hofe zu Byzanz hatte man goldene und silberne Orgeln, die man bey vielen Gelegenheiten brauchte. Im Jahre 640 wurde in England schon eine Orgel bey dem Gottesdienste gebraucht. Pipin, Carls des Großen Vater, erhielt im Jahre 757 von dem Byzantinischen Kaiser, Constantin Copronymus, eine Orgel, und dieses soll die erste Orgel gewesen seyn, die nach Frankreich kam. In Deutschland wurden die Orgeln wohl zuerst unter Carl dem Großen bekannt. Man kennt aber jetzt die Einrichtung dieser Instrumente gar nicht mehr. Die Erfindung unserer Orgeln scheint nicht über das 14te Jahrhundert hinaus zu gehen. Erst um das Jahr 1312 hat ein venetianischer Patricier, Marinus Sanutus, mit dem Zunahmen Torsellus, so viel man weiß, die erste Orgel zu Venedig durch einen Deutschen bauen, und in die Kirche des heiligen Raphaels zu Venedig setzen lassen. Wahrscheinlich ist diese Erfindung schon einige Jahre vorher in Deutschland bekannt gewesen, zumahl, nach alten Nachrichten, schon 1298 eine Orgel im Münster zu Strasburg verloren gegangen ist. Dieses Instrument war aber zu <105, 323> dieser Zeit sehr unvollkommen, so daß man keinen vollständigen Accord darauf greifen konnte. Es bestand nur aus einigen Tönen, die man dazu brauchte, um bey Absingung eines Liedes den Clavis anzuschlagen, der den Ton des Liedes hielt. Die Claves waren sehr dick und breit. Das Instrument war nicht viel über eine Octave stark, und hatte nicht leicht mehr als zehn Claves. Mit der Zeit vermehrte man die Töne, die Claves wurden schmahler und zierlicher, und man schob zwischen den diatonischen Tönen, die chromatischen, oder sogenannten Semitone ein. Auch setzte man den Baß hinzu, den die linke Hand zu spielen hatte. Um das Jahr 1471 erfand ein Deutscher, des Herzogs zu Venedig Hoforganist, Bernhard, das Pedal. Man machte die Claves nun noch schmahler, die Manualklaviere erhielten höhere Töne, und die Pfeifen wurden kleiner und zahlreicher gemacht. Im sechzehnten Jahrhundert folgten die Verbesserungen schneller auf einander. Man erfand die Scheidung des Pfeifenwerks in besondere Register. Man ersann die künstliche und mühsame Schleiflade, und einem Deutschen glückte es, die vollkommene Schleiflade auszudrücken. Hierauf musterte man auch das Pfeifenwerk aus und es entstanden, durch die Absonderung der Pfeifen in Register, die Prinzipalen, Octaven, Quinten u. dgl. Man berichtigte die Stimmung und setzte einen Ton fest. Die Blasebälge, die vorher nur klein waren, wurden größer und bequemer eingerichtet, und ihre Anzahl wurde vermindert. Und so wurden nach und nach die Orgeln immer mehr verbessert, und zu der Vollkommenheit gebracht, die sie jetzt besitzen, wozu nun in der neuesten <105, 324> Zeit noch die Verbesserungen kommen, welche der Herr Abt Vogler durch sein Simplificationssystem angegeben hat, wovon weiter unten die Rede seyn wird.

Es besteht, wie bekannt, die ganze Orgel aus Pfeifenwerk, wodurch alle mögliche Töne, vermittelst der Blasebälge durch die Windlade, wenn man die Claves schlägt, hervorgebracht werden. Alle Theile einer Orgel stehen oder liegen in einem Gehäuse zusammen, welches man das Orgelgehäuse nennt. Die vordere Ansicht dieses Gehäuses ist mit Bildhauerarbeit und architektonischen Verzierungen geschmückt; überdies werden auch hier die besten Pfeifen, oder das Prinzipal aufgestellt, und dieselben nach einer schicklichen Proportion rottenweise neben und über einander angeordnet. Nach der größten Pfeife des Principals, dem c im Basse, bestimmt man die Größe jeder Orgel. Man sagt daher, die Orgel hat 4, 8, 16, 32 Fuß Prinzipal, und dies will so viel sagen, die größte Pfeife des Prinzipals hat 4, 8, 16, 32 Fuß Ton. Nach dem Maße dieser größten Pfeife im Prinzipal werden nicht nur die übrigen Pfeifen dieser Stimme, sondern auch die Pfeifen der übrigen Stimmen verhältnißmäßig groß gemacht. Eine gute Orgel erhält ein Pedal und wenigstens zwey Manuale oder Claviere. Bisweilen sind auch drey oder gar vier Claviere angebracht. Drey Claviere sind aber genug, wenn nicht schon zu viel, und es ist mehr Prahlerey als Nutzen, vier Claviere anzulegen, da das vierte Clavier allezeit unbequem zu spielen ist. Jedes Clavier hat seine Windladen, oder wenigstens seine eigenen Klappen. Die Claviere lassen sich jedes für sich, oder auch zwey bis 3 <105, 325> auf einmahl spielen. An einigen Orgeln befindet sich noch hinter dem Rücken des Organisten ein Rückpositiv mit seiner eigenen Windlade, seinen Pfeifen, und es bekommt auch sein besonderes Klavier. Unweit der Orgel, aber so nahe als möglich bey derselben, befindet sich das Bälgengehäuse, worin die großen Windbälge angebracht sind, deren es zwey bis vierzehn nach der Größe der Orgel gibt, und die, während des Orgelspielens, von den Bälgentretern nieder getreten werden, um die Windladen mit hinlänglichem Winde zu versehen. Auf den Windladen stehen die Pfeifen, und aus ihnen wird der Wind den Pfeifen mitgetheilt. Die vornehmsten Theile der Windlade sind, der Windkasten, die Cancellen, die Register. Der Windkasten ist das Behältniß des Windes, und dieser Windkasten begreift die Klappen, oder Hauptventile, mit ihren Federn. Die Cancellen, oder Ausschnitte, sind hohle Kanäle, oder hohle Holzfugen, nach der Breite der Windlade, deren vorderes Ende in dem Windkasten durch eine Klappe zugeklappt wird. Es sind so viel Klappen als Cancellen. Die Register sind bewegliche Schieber oder Lineale; sie laufen nach der Länge der Lade und lassen durch ihre Löcher, wenn man sie aufschiebt, den Wind in die Pfeifen, vermittelst viereckiger Zapfen, die man Züge nennt, und an beyden Seiten des Klaviers mit ihren Knöpfen, woran die Nahmen der Register geschrieben sind, hervorstehen. Diese Züge theilen ihre Bewegung den pilotes tournants, diese den Balanciers, und diese den Registern mit, an denen sie angehängt sind. Dadurch öffnet der Organist seine Stimmen. Wenn er die Orgel spielen will, so zieht er die <105, 326> ihm beliebigen Stimmenregister aus, und schlägt die Claves mit den Fingern an. Diese Claves ziehen die Klappen in der Windlade vermittelst der Kuppel nieder, welche die Bewegung der Claves bis zur Klappe fortführt, worauf der Wind in die geöffnete Cancelle eintritt, und die Pfeife anspricht und den Ton von sich gibt.

Es kommt aber sehr viel auf die gute Stellung der Orgel in der Kirche an, und die größte Orgel wird keine Wirkung thun, wenn sie so gestellt ist, daß sie rückwärts Raum hat. Denn alsdann wirft sie ihren Schall, besonders wenn sie in einem großen Musikchore steht, zurück und nicht in die Kirche. Die beste Wirkung aber thut sie, wenn sie dicht an einer Mauer, und vorderwärts gegen das Musikchor steht, da denn der Schall durch das ganze Schiff der Kirche strömt und sehr gut in das Chor klingt. Wenn es die Anlage der Kirche erlaubt, so kann man die Orgel auf eine Emporkirche mitten in dem Schiffe der Kirche stellen, damit der Schall an der Gegenseite anpralle und so mit voller Kraft sich in der ganzen Kirche verbreite.

Bey der Anlegung des Orgelchors muß der Baumeister erst den Orgelbauer um Rath fragen, um dem Chore die gehörige Größe und Festigkeit zu geben. Denn wollte der Baumeister erst das Chor und das Orgelgehäuse in Stand setzen, und dem Orgelbauer zuletzt aufgeben, eine Orgel an den schon verbauten Platz anzulegen, so würde es diesem unmöglich werden, nach den Regeln der Kunst zu verfahren und der enge Raum würde ihn nöthigen, eine schlechte Orgel aufzusetzen, die keine Dauer und eine kostbare Unterhaltung verspricht. Der Orgel<105, 327>bauer muß daher zuerst den Platz nach der Größe und Vollständigkeit der Orgel, die sich nach der Größe der Kirche richten muß, angeben und ausmessen; man muß den Orgelbauer vernehmen, ob er auf den bestimmten Platz ein volles Werk von drey Klavieren unverkrüppelt aufstellen könne, und wohin er die Bälge legen wolle; man kommt wegen der Stimmen, wegen der Baukosten mit ihm überein, die man anzuwenden Willens ist; es wird der Bauanschlag aufgesetzt, das Hauptmaß von dem Platze und vom Gehäuse gegeben, und die Zeichnung von dem Chore und dem Orgelgehäuse entworfen. Das Chor und das Fundament der Orgel muß von allen Erschütterungen vollkommen frey und stark seyn, um das große Gewicht einer Orgel zu tragen. Hierzu sind keine Balken hinlänglich, die man quer über die Länge, ohne Unterstützung legt, es sind hier vielmehr Säulen oder andere Stützen nothwendig, weil die geringste Erschütterung einer Orgel einen unvermeidlichen Nachtheil bringt, und insonderheit die Pfeifen wandelbar macht. Auf diese sicher unterstützten Balken legt man starke Querbalken, die man wie mit architektonischen Gliedern verzieren, und ihnen das Ansehen eines Kranzes, eines Unterbalkens oder eines ganzen Gebälkes geben kann. Muß der Baumeister ein Gewölbe anlegen, so gebe er in seinem Bauanschlage die Höhe des Gebäudes auf ebener Erde, die Breite und Tiefe an, ob dasselbe nach außen oder innen Bogen bekommt, wie viel Fuß es halten soll, was für eine Art von Steinen er dazu nehme, u. s. w.

Der Anschlag des Orgelbauers detaillirt die projektirte Ausführung des ganzen Orgelwer<105, 328>kes, ob es 16 oder 8 Fuß Pfeifen im Gesichte enthält; wie viel Klaviere und von welchem Umfange sie seyn werden; welche Stimmen auf jedes Klavier kommen sollen; ob die Stimmen weiter oder enger Mensur, und von welcher Materie sie seyn werden; von welcher Art Holz die Holzpfeifen und Laden gemacht werden; ob ein abgesondertes Positiv, und welches Prinzipal und Stimmen dazu gehören; ob abgesonderte Pedale, mit was für Stimmen, von welcher Materie und Umfange sie gemacht werden; wie viel Bälge, von welchem Holze und von welcher Größe sie verfertigt werden; wie das Orgelgehäuse nach bestimmten Maßen der Höhe, Breite, Tiefe, und von was für Holze und Verzierung es anzugeben.

Die Orgelgehäuse sind von verschiedenen Formen, je nachdem es die Größe der Orgel und der ihr bestimmte Platz gestattet. Hat man genugsame Höhe zu einem Werke von drey Klavieren, so wird das Orgelgehäuse zu drey Stockwerken gebaut, und die vier Prinzipale werden, wo möglich, ins Gesicht gestellt. *

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Daß der Herr Abt Vogler gar keine Gesichtspfeifen leidet, wird unten mit mehrerem bemerkt werden.

Der unterste Theil des Orgelgehäuses ist das Getäfel oder die verzierte Wand, in welche man das Fenster für die Klaviere setzt, das übrige Getäfel besteht aus Füllungen und andern Verzierungen. Ueber diesem Getäfel liegt ein kleines Gebälke, das aus einem Kranze, Friese und Unterbalken bestehn, und theils durch die ganze Fronte fortlaufen, theils hin und wieder durch andere Verzierungen unterbrochen werden kann. <105, 329> Doch ist das letztere nicht anzurathen, weil es wider den guten Geschmack ist, ein Simswerk zu unterbrechen. Die Breter, woraus der Fries besteht, sind gemeiniglich beweglich, um zu den Windkasten der Windladen kommen zu können. Ueber diesem Gebälke werden die Pfeifenthürme aus Ständern oder Säulen errichtet. Bey den Thürmen sind dreyerley Maße zu merken: ihre Breite, oder der innere Abstand einer stehenden Säule von der andern; die Höhe, oder die Distanz des Oberstücks des Untergebälkes bis zum Unterstücke des Obergebälkes; und der bauchige Vorsprung, oder die Distanz vom Centro des halbrunden Vorsprunges vor dem Absatze des Gebäudes. Eine Tabelle der Thurmmaße für alle Orgelgehäuse findet man in Halle' ns Kunst des Orgelbaues, S. 381. Diese Thürme, deren bey ansehnlichen Orgeln in der Fronte gemeiniglich drey oder fünfe sind, treten gewöhnlich in halbrunder Form etwas hervor, und es werden darin in der Fronte stehende Pfeifen angebracht. Sie heißen Tourelles. Zwischen den Thürmen stehen flache Pfeifenreihen, die Platesfaces heißen. Ueber und unter den Pfeifen wird durchbrochenes oder ganzes Schnitzwerk angebracht, und über jedem Thurme, oder Pfeifenaufsatze, oder Stockwerke, liegt ein kleines Simswerk oder Gebälke zur Verzierung. Von hinten und an den Seiten ist das ganze Orgelgehäuse mit Tafelwerk verschlossen. Ueberall ist auf eine dem Platz angemessene architektonische Regelmäßigkeit zu sehen, und die Verzierungen der vordern Ansicht des Orgelgehäuses müssen einfach seyn und dürfen nicht aus so vielem und schwerfälligem Schnitzwerke bestehn, wie man es bey vielen alten Orgeln findet. Macht <105, 330> der Platz, wohin die Orgel zu stehen kommt, einen halben Zirkel, so wird man die beste Wirkung hervorbringen, wenn man das Gehäuse eben so stellt. Dieses kann auch da geschehen, wo es der Orgel an Breite fehlt, und man das sechszehnfüßige Prinzipal des Pedals, wie billig, ins Gesicht stellen will.

Insonderheit sehe man auf hinlängliche Ausdehnung, damit man die Windladen geräumig machen, das Pfeifenwerk weit genug aus einander setzen könne, und Platz gewinne, zu Allem leicht zu kommen, wenn etwas zu verbessern sollte nöthig gefunden werden, wozu Stiegen und wenigstens zwey Schuh breite Gänge eingerichtet werden müssen. Eine Orgel von zwey Clavieren sieht sehr armselig aus, wenn das Gehäuse zusammen gedrückt dasteht, dagegen es sehr gutes Ansehen hat, wenn die Orgel nicht nur eine ziemliche Breite, als die Breite des Schiffes der Kirche, sondern auch, wenn anders die Kirche das einfallende Licht von daher nicht unumgänglich nöthig hat, die ganze Höhe derselben einnimmt. Doch dieses versteht sich nur von einem sechzehnfüßigen Manualprinzipal, das in den mittlern Thurm zu stehen kommt. Außer diesen gibt es kein gutes Ansehn, wenn man die großen Pfeifen in den mittlern Thurm, die kleinern aber auf die Flügel setzt. Diese pyramidalische Form ist bey Orgeln nie gut angebracht, und es nimmt sich zierlicher und prächtiger aus, wenn bey Werken von zwey Clavieren die größesten Pfeifen auf den Flügeln stehen, und die mittlern in der Mitte vertheilt sind. Kleinere Werke von einem Claviere brauchen in Rücksicht der Gehäuse keine andere Vorschrift, als daß dabey auf eine gute architektonische Verzierung <105, 331> gesehen, und dem Pfeifenwerke gehöriger Raum gegeben werde.

Ist das Gehäuse nun nach seiner Art, Ausdehnung und Größe bestimmt, und nach dem genau genommenen Maße des Raumes in Riß gebracht worden, welches allerdings der Orgelbauer selbst thun muß, so sorge man sogleich auch für die Verzierung, deren Angabe dem Baukünstler oder Bildhauer überlassen bleibt. Das Orgelgehäuse muß, wenn es an Ort und Stelle gebracht ist, mit eingemauerten eisernen Stangen wider alle Erschütterungen befestigt werden. Das Gehäuse kann von gut ausgetrocknetem Tannenholze gemacht werden, zu den daran anzubringenden Bildhauerarbeiten aber nimmt man Lindenholz, weil dieses, wegen seiner Zähigkeit, sich am besten und geschmeidigsten bearbeiten läßt. Das Holzwerk der vordern Ansicht der Orgel muß eine helle Farbe erhalten, und einige Glieder des Simswerkes, so wie auch einige Schnitzarbeiten, können vergoldet werden. Man kann mit einem Bildhauer auf das ganze Orgelgehäuse accordiren, oder wenn sich dieser nicht darauf, sondern nur auf die Verfertigung der daran angebrachten Zierrathen einlassen will, einem Tischler das Gehäuse verdingen, von dem man versichert ist, daß er gute Arbeit mache und trockenes Holz habe. Doch muß man auch hierbey noch den Orgelmacher zu Rathe ziehen, welcher angeben muß, wohin die Füllungen oder besser die Thüren gehören, um nöthigen Falls überall zu dem Innern der Orgel kommen zu können. *

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S. Stieglitz' s Encyklopädie der bürgerlichen Baukunst. IV Th. Leipz. 1797. S. 128 fl.

<105, 332>

Da die Orgeln die wichtigsten musikalischen Instrumente sind, die man hat, und auch in sehr vielen Landkirchen angetroffen werden, so werde ich zur näheren Kenntniß und Beurtheilung noch einige besondere Bemerkungen über diese und jene Theile derselben hinzufügen.

Von den Clavieren, oder den Claviaturen.

Die schönsten und dauerhaftesten Claviere sind diejenigen, deren diatonische Tasten von schönem schwarzem Ebenholz, und die chromatischen von wahrem Elfenbein verfertigt sind, weil beyde Materien hart sind, und sich nicht so geschwind ausgreifen, welches an den Clavieren immer ein Fehler ist. Jeder Organist sehe darauf, daß bey einer neuen Orgel das Clavier, ohne Auslassung des untersten cis, wo nicht bis ins f''', doch wenigstens bis ins d''' geht. Durch das einzige ausgelassene cis im Baß erspart sich ein eigennütziger Orgelbauer bey einem großen Werke mehr als ein hundert Thaler, denn so viele Register die Orgel hat, so viele große Pfeifen erspart er, und der Organist wird dadurch immer genirt werden. Das sey auch in Ansehung des Pedals gesagt.

Wo drey Claviere sind, da kommt es auf die starken oder minder kräftigen Register an, ob man eine Kopplung nur für zwey oder für alle drey Claviere nöthig finde. Insonderheit aber kommt es auch darauf an, ob der Orgelmacher zuverlässig versprechen könne, daß seine Claviere leicht zu spielen seyn werden, alsdenn erst ist zu einer dreyfachen Kopplung, im Gegentheil aber nur zu einer doppelten zu rathen: <105, 333> denn was hilft eine Kopplung, wenn sie der Organist wegen des harten Drucks nicht brauchen kann? Man trifft daher auch Orgeln an, wo sich nur zwey Claviere zusammenkoppeln lassen, dagegen das dritte Clavier aus lauter feinen Registern besteht, die man nicht zum Schwarm zieht. Es gibt Orgeln, die ungekoppelt schon so hart und schwerfällig zu drücken sind, daß einem jeden das Koppeln von selbst vergeht, und worauf ein zärtlicher Klavierspieler nie, sondern nur der daran gewöhnte Organist zurechtkommt; dieses aber ist schon ein unverzeihlicher Hauptfehler einer Orgel, und ein Beweis, daß der Orgelmacher ein schlechter Mechaniker ist. Es gibt hingegen Orgeln, deren Claviere so leicht wie wirkliche Claviere zu spielen sind. Ein leichter Druck muß schon den vollen Ton der gezogenen Register bringen; alsdenn ist es ein Vergnügen, auch auf Orgeln die Fertigkeit seiner Finger zu zeigen, so wie es unendlich verdrießlich ist, wenn der Organist, wegen der Unausführbarkeit, seine schönsten und besten Phantasien weglassen muß. Der leichte Druck eines Claviers aber wird erreicht: 1) Wenn das Angehänge und die Wellaturen bey der geringsten Bewegung fertig springen, welches geschieht, wenn das Angehänge nicht zu lang gemacht wird, wodurch der Draht sich biegt und nachgibt; alsdann brauchen die Tasten keinen tiefen Druck. 2) Wenn die cylindrische Bewegung der Wellatur durch genaue horizontale Lage und gerade Stifte erleichtert wird. 3) Wenn, so wie alles horizontal sich Bewegende richtig liegen muß, auch das sich perpendikulär Ziehende sich richtig perpendikulär zieht. 4) Wenn die Ventilfedern der Windladen nicht von zu starkem Draht ver<105, 334>fertigt sind, sich gern zusammenziehen, und gleichwohl Schnellkraft genug haben, die Kanzellen wieder zu schließen. Haben nun die Claviere die Eigenschaft eines solchen leichten Drucks, so gebe man ohne Bedenken dem mittlern Clavier eine Kopplung für das obere und untere, doch so, daß der Organist eins oder das andere, oder alle drey, wie es ihm beliebt, koppeln könne. Der Organist wird zwar natürlicher Weise sodann einen etwas härtern Druck fühlen, aber doch im Stande seyn, wenn er es nöthig findet, die ganze Kraft der Orgel zu verwenden, einige Verse im Choral auszudauern. Sind die Claviere aber hart zu spielen, so lasse man es immer bey der Kopplung zweyer Claviere bewenden, indem ein Organist gewiß sich nicht so feind seyn wird, sich steife Finger spielen zu wollen. Sind aber die Register des Manuals und des untern Claviers schon kräftig genug, den Gesang im Ton zu erhalten, so lasse man die Kopplung des obern Claviers immer weg, welches sodann zu einer schönen Abwechslung Gelegenheit geben kann.

Die Klavierkopplung machen die Orgelmacher auf verschiedene Art. Einige setzen Fröschchen auf die Blindklaves des untern Klaviers, die dasselbe alsdann mit niederdrücken, und eingreifende Häkchen unter das obere Klavier, die dessen Tasten mit niederziehen. Doch haben andere wieder ihre eigene Manier, woraus sie ein Geheimniß machen, das man ihnen lassen kann. Nur muß der Orgelspieler im Koppeln nichts niedergedrückt lassen, damit er die Fröschchen nicht absprenge, oder die Kopplung damit auf einmahl verderbe.

<105, 335>

Die Claviere sollen im Spielen nicht rasseln oder klappern; die Tasten schön und eben an einander, jedoch so frey liegen, daß keine Taste die andere mit niederdrücke. Das Geheimniß einiger Orgelmacher, deren Claviere eine Art von Elastizität haben, besteht wohl darin, daß sie ihren Ventilfedern eine gute Schmellkraft zu geben wissen, mit der die Kanzellen wieder zurückspringen und sich schließen. Damit aber die Tasten in einer gleichen Lage bleiben, oder, wenn das Angehänge nachgeben sollte, man sie wieder gleich machen könne, so gibt man ihnen Schrauben von oben herab, oder von unten hinauf, und um zu diesen kommen zu können, werden die Klavierbreter so gefertigt, daß man sie losschrauben kann. Jene Schrauben sind von Stahl, und die Mütterchen von Messing, die auch einige von Leder machen.

Vom Pedal.

Dieses hat seinen Nahmen daher, weil es mit den Füßen getreten wird. Diesem werden die tiefsten und stärksten Baßregister zugetheilt, denn sie sind es, die einer Orgel Kraft und Stärke geben, und die Gemeinden im Choral von einem Ton in den andern zu leiten vermögen, indem das Mauual eigentlich nur die Begleitung der Melodie macht.

Es ist ein eigennütziger Kunstgriff des Orgelmachers, den kein Organist leiden sollte, wenn jener im Pedal das untere cis, oft auch das obere gis wegläßt, wie man dieses bey mehreren alten Orgeln wahrnimmt. Ein fertiger Pedalist wird dadurch sehr leicht irre gemacht und gehin<105, 336>dert, seine Ideen auszuführen; der Orgelmacher aber gewinnt dabey beträchtlich, wenn er bey einer großen Orgel so viele zinnerne, metallene und hölzerne große Pfeifen erspart. Oft läßt sich ein Organist deswegen von Orgelmachern bestechen, damit die auszulassenden Töne nicht deutlich im Contract verlangt werden; und diejenigen Leute, welche die Deputirten einer Gemeinde vorstellen, wissen gemeiniglich nicht, was zum Pedal gehört. Der bestochene Organist schweigt; und so ist nur allein dadurch für den Orgelmacher ein Vortheil von einigen hundert Gulden oder Thalern errungen, die Gemeinde hingegen hat eine verpfuschte Orgel. Man sorge also dafür, daß ein jedes Pedal (Orgeln von einem Clavier ausgenommen, die selten gute Pedalisten zu Spielern bekommen,) vom contra C bis c', also 25 Claviaturen erhalte, damit der Pedalist weder an der Dopplung des Pedals, noch in den Variationen durch mangelnde Claviaturen sich gehindert sehen möge.

Die Claviatur des Pedals soll weder zu eng noch zu weit stehen. Die mittlere Weite ist für jeden Organisten die gewohnteste. Im Treten soll das Pedal nicht klappern, wie dieses viele thun, sondern sorgfältig gefüttert werden, und ungeachtet es nicht tief fällt, dennoch die Ventile der Baßladen hinlänglich aufziehen, damit die großen Pfeifen vollen Wind erhalten, welches alles durch eine geschickte Mechanik bey den Strakturen leicht bewirkt wird.

Es versteht sich von selbst, daß die Claviaturen des Pedals von hartem Holze gemacht werden müssen.

<105, 337>

Vom Anhängewerke.

Auf diesem beruht allerdings die leichte Manipulation eines Orgelwerks, und der leichte Druck der Tasten und des Pedals. Sobald eine Taste im Clavier oder Pedal nur leicht berührt wird, so muß die an die Claviatur gehängte Schiene, die von gutem, aber zähem Holze leicht und dünn auszuarbeiten ist, eine etwas stärkere Bewegung gegen das Wellbret machen, damit die daran horizontal hinlaufende Welle noch stärker bewegt, die durch das obere Aermchen der Welle weiter perpendikulär gezogene Schiene aber genugsam niedergezogen werde, als welche den, durch die ledernen Säckchen am Windkasten gehenden Draht hinlänglich herabzieht, um das Ventil der Windlade zu öffnen, das den Wind in die Kanzelle einläßt, welche sodann den Pfeifen des berührten Tones den nöthigen Wind durch die Löcher des Registerzugs zuführt. Dieses ganze Anhängewerk muß nun nicht mit Eisendraht, der leicht rostet und endlich bricht, sondern von Messingdraht, nach Verhältniß seiner Bestimmung stärker oder schwächer, gemacht seyn. Dabey gilt es auch nicht gleich, wie das Anhängewerk gemacht ist, sondern alles muß mit der größten Genauigkeit angehängt seyn, damit das Anziehen überall gleich wirksam sey, und kein Ventil weiter aufgezogen werde, als das andere. Geschieht dieses, so kann kein Draht leicht reissen, oder überspringen, noch ein Stocken veranlassen; kurz, alles wird eine leichte und zweckmäßige Bewegung haben.

<105, 338>

Von der Wellatur.

Diese wird mehrentheils an den daher benannten Wellbretern angebracht, und von den Orgelmachern mühsam darauf abgezeichnet. Diese Wellatur vertheilt die Abstrakten dahin, wo die Pfeifen des gegriffenen Tons stehen. Zum Beyspiel: wo auf einer Seite die Pfeife c steht, steht auf der andern cis, das um der architektonischen Ordnung willen geschieht; *

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Herr Abt Vogler, welcher die Pfeifen alle nach ihrer natürlichen Folge ordnet, hat eine viel einfachere und leichtere Wellatur.

daher muß die Direktion der Strakturen durch die Wellatur am Wellbret geschehen. Ein Orgelmacher zeichnet deswegen auf das Wellbret jeden Ton des Claviers oder des Pedals und sieht, ob er die Welle mit ihrem Zugärmchen kurz oder lang machen soll, und ob er das obere Zugärmchen auf diese oder jene Seite zu bringen habe, je nachdem die dem Ton zugehörigen Pfeifen stehen. Dieses ist also allein die Sache des Orgelmachers; hier aber ist die Frage: wie diese Mechanik beschaffen seyn müsse, wenn sie die Leichtigkeit des Spielens befördern soll?

Diejenigen, welche die Wellbreter beybehalten, befestigen da, wo die Wellen mit ihrem Draht auf beyden Seiten aufliegen sollen, herabstehende Hölzer mit Löchern, die man auch Ohren oder Träger nennt, in denen der horizontal in die Welle geschlagene Draht cylindrisch liegt, und sich drehen soll, wenn die untere Straktur das untere Aermchen herabzieht, wodurch das obere Aermchen der Welle gleiche Bewegung macht, und die an das gehörige Ventil <105, 339> gehende Schiene ebenmäßig abwärts zieht. Hierbey aber kommt sehr vieles darauf an, daß die Wellen recht horizontal liegen, sich nicht schief oder krumm gezogen haben, auch die Stifte, auf denen sie liegen, sich leicht umdrehen und weniger Hinderniß, als in den schlechtweg in Holz gebohrten Löchern finden. Um Platz zu sparen, machen einige auch die Wellen von eisernen Stängelchen, in die sie die Aermchen von Eisen oder Messing einnieten, und an ihren Enden die Stifte anfeilen. Andere bedienen sich gar keines Wellbrets, sondern machen zwey festgestellte eichene Rahmen, in denen sich die Wellenstifte in eingepaßten eisernen Pfannen leicht umdrehen. Bey allen diesen Arten, die übrigens gleichgültig sind, kommt es allein darauf an, welche man in Ansehung des Raums zu wählen habe. Die Hauptsache ist, daß sich alles leicht und elastisch bewege.

Von den Strakturen,

Oder, wie man sie auch nennt, Abstrakten, ist wenig mehr zu sagen, da dieses die Schienen sind, die durch Messingdraht mit der Wellatur unten und oben verbunden werden, und alsdann, weiter geführt, den Draht anziehen, wodurch die Ventile sich öffnen, und der Wind in die Kanzellen gebracht wird -- welches schon oben erklärt worden ist. Hier ist nur noch zu erinnern, daß zähes Holz dazu genommen und die Abstrakte mit angeleimtem Leintuch oder Hanf besetzt werden, damit der mehrmahls durchgezogene Messingdraht es nicht zerspalte, und daß man sie so genau und gleich anhänge, daß ihre Bewegung und Wirkung so geschwind als der <105, 340> Menschengedanke sey; denn mit dem Druck der Taste muß auch der Ton schallen.

Von den Windladen.

Eine Windlade ist unter den Regierwerken einer Orgel das wesentlichste Stück. Sie empfängt aus dem unter ihr liegenden Windkasten durch die aufgezogenen Ventile den Wind in ihre Kanzellen, und ist die Vertheilerinn des Windes, der jeder Pfeife gehört. Diese Windlade ist ein aus gesundem, dichtem und im Wasser vorher wohl ausgelohtem und wieder wohl ausgetrocknetem eichenem Holze oder Dreyling verfertigter, dicht gearbeiteter Kasten, der so lang seyn muß, als es die neben einander, doch nicht dicht an einander stehenden Pfeifen der darauf geordneten Registerzüge erfordern. Eine zu kurze Windlade veranlaßt, daß die Pfeifen zu nahe an einander zu stehen kommen, welches ein großer Uebelstand, und zu verhüten ist. Die Höhe der Windladen ist nach Verhältniß der auf sie zu stehen kommenden Register vier, fünf bis sechs Querfinger, auch sechs Zoll hoch, je nachdem die Kanzellen Wind zu fassen haben. Die Breite muß nach dem Verhältnisse der darauf hinter einander zu stehen kommenden Register gemacht werden. Sie wird in so viele Kanzellen eingetheilt, als im Manual oder Pedal Klaves sind. Sind die Register stark von Pfeifen, so müssen auch die Kanzellen Raum zu vielem oder genugsamen Wind haben. Die Windlade wird unten mit Eichenholz zuverlässig verspündet, und behält nur so viele regelmäßige Oeffnungen, als sie Kanzellen, oder so viel als das Klavier oder Pedal Tasten hat. Diese <105, 341> Oeffnungen in die Kanzellen aber werden wieder mit Klappen verwahrt, die man Ventile nennt, damit kein Wind in die Kanzelle kommen möge, ohne daß das Ventil durch die Taste des Klaviers eröffnet werde. Diese Oeffnungen der Klavierkanzellen müssen eher lang und schmahl, als kurz und breit seyn, weil im letztern Fall die Orgelwerke, aus Mangel an Wind, schlucken. Sobald die Windlade in Kanzellen abgetheilt, und dicht gefugt oder verbohlt ist, so wird sie durchaus gut mit warmem Leim ausgetränkt und überstrichen, damit der Wind weder durch eine schlechte Fügung, noch durch die Poros, noch durch verborgene Wurmlöcher dringen könne. Die auf die Oeffnungen der Kanzellen fest an zu liegen kommenden Ventile werden ebenfalls von dichtem eichenem Holze gemacht, die unten, wo sie anschlagen, zwey Linien breiter und länger gemacht werden, als die Oeffnung der Kanzellen ist; oben aber, oder der Theil der Ventile gegen den Windkasten, wird an beyden Kanten verjüngt abgehobelt, doch so, daß er noch eine Breite behalte, woran die untersetzenden Ventilfedern sich ansprießen können. Damit aber diese Ventile die Kanzellen ja fest verschließen mögen, so sind sie mit durchaus gleichem weißen und weich aufgeriebenem Leder gefüttert, hinten aber ebenmäßig durch dieses Leder an die Windlade angeleimt, damit sich die Ventile, obgleich hinten fest angeleimt, gleichwohl vorn aufziehen lassen; damit sie aber wieder fest schließen oder decken mögen, werden unter die Ventile messingene Federn gesetzt, die sich leicht zusammenziehen, und wieder einen elastischen Druck geben, sobald die Taste des Klaviers oder Pedals wieder frey ist; damit aber die Ventile <105, 342> bey schnellem Anziehen nicht überspringen, so werden auf beyden Seiten der Ventile etwas lange Stifte eingeschlagen, zwischen denen diese auf und zu gehen, und in Ordnung erhalten werden. Diese Federn müssen gleich stark seyn, damit die Klaviere eben so gleich im Druck seyn mögen. Damit nun die Registerschleifen unterschieden werden mögen, so werden über die Kanzellen Dambreter von Eichenholz eingefügt, und darauf das Fundamentbret, einen halben bis zweydrittel Zoll dick, gelegt, oder auch fest gespündet, das mit Leder gefüttert wird, auf dem sodann die Registerschleifen, je zwey und zwey neben einander, herlaufen. Durch diese Regifterschleifen und Fundamentbreter, wie auch durch die darauf fest angeschraubten Pfeifenstöcke, werden nun die Löcher gebohrt, oder besser, gebrannt, durch die der Wind in die Pfeifen geleitet wird. Diese Pfeifenstöcke sind ungefähr ein und einen halben Zoll dick, und werden dicht auf die Windlade gefügt, noch besser aber aufgeschraubt, damit kein Wind außer durch die gebohrten Löcher oder Windverführung gehen könne, unter welchen sich gleichwohl die Registerzüge leicht hin und her schieben müssen. --Von diesen Registerschleifen nennt man nun diese Windladen Schleifladen, zum Unterschiede der Springladen, die für jede Pfeife ein eigenes Ventil haben, und deswegen sehr verwickelte Maschinen sind, daher man sie auch nicht mehr macht, und bey der viel bessern und einfachern bleibt.

Dieses wäre nun die Beschreibung einer guten Windlade, bey welcher alles so genau auf und in einander gepaßt werden muß, als wäre <105, 343> alles so gewachsen, weil sonst der Wind überall durchstoßen würde.

Ein zu jeder Windlade gehöriges Stück ist nun auch der unter ihr liegende Windkasten von gleich gutem eichenem Holze, der, wie die Windlade, mit warmem Leim sorgfältig dicht gemacht wird, damit der Wind nirgends durchstreichen möge. Dieser Kasten ist die Sammlung oder Behältniß des Windes, wie ein Wasserbehältniß die Sammlung des Wassers zu Wasserkünsten ist. -- Auf der einen Seite, der Länge nach, ist er mit Sponden, die mit weißem Leder überzogen sind, fest verschlossen, welche Sponden außerhalb mit ledernen Handgriffen versehen sind, um sie damit herausziehen zu können; damit aber der Wind die Sponden nicht heraustreibe, so werden sie nebenher mit kleinen eisernen Riegeln versehen, die man leicht auf= oder zuschlagen kann, wenn man nach den Ventilen sehen will. Auf dem Boden dieses Windkastens liegen nun die Federn, welche oben die Ventile zuhalten. In diesen Windkasten wird der Wind durch eine oder mehrere Abtheilungen der Kanäle gebracht, die aus dem Hauptkanal abgeleitet werden.

So sind nun alle Windladen beschaffen; nur bey den Pedalladen sind die Oeffnungen in die Kanzellen um deswillen weiter, weil sie für die großen Pfeifen mehrern Wind haben müssen; daher müssen die Ventile breiter als bey den Manualladen, und die untergesetzten Federn auch stärker seyn, da es hier nicht auf die Leichtigkeit des Drucks, wie bey den Klavieren, ankommt, weil das Pedal getreten wird. Gleichwohl muß dafür gesorgt werden, daß das Ventil durch jeden Tritt voll aufgezogen werde, da <105, 344> viele Orgeln den Fehler haben, daß mancher Klavis nicht voll aufzieht, welchem Fehler abgeholfen werden muß.

Von den Pfeifenstöcken.

Hierbey ist nur zu erinnern, daß, wo mehrere Pfeifen zu einem Klavis gehören, z. B. Mixtur, Sesquialtera, Cornett, Cymbel, die Pfeifen auf den Stöcken nicht allzu nahe an einander zu stehen kommen, damit sie sich nicht unter einander durch die Labia anblasen, das die beste Stimmung verdirbt. Sodann müssen die Pfeifenstöcke so stehen, daß man bequem zu jeder Pfeife kommen könne, welches dem Orgelmacher selbst viele Mühe erspart, übrigens aber so gemacht werden, daß man sie bequem abschrauben, und nöthigen Falls mit den Pfeifen wegnehmen kann, welche Schrauben auch deswegen gut sind, damit man sie etwas nachlassen könne, wenn die Pfeifenstöcke quellen, und dadurch die Registerzüge erschweren sollten.

Von den Registerzügen.

Es ist deren schon bey der Beschreibung der Windladen gedacht worden, welche durch eine sehr einfache Mechanik, die einem jeden, der auch nicht Orgelmacher ist, bekannt seyn kann, den Schleifen in der Windlade die gehörige Richtung geben. Alles kommt bey denselben darauf an, daß sie der Organist leicht und bequem ziehen könne, und die Registerschleifen bey deren Ziehung mit ihren Löchern aufs genaueste unter die Löcher der Windstöcke zu liegen kommen. Der leichte Zug ist um so nöthi<105, 345>ger, als der Organist oft die Orgel schnell verstärken oder verschwächen muß. Deswegen müssen die Registerzüge dem Organisten auch so bequem zur Hand geordnet werden, daß er die scharfen Register eines Klaviers, und eben so die stillen und Prachtregister, bey einander findet. So müssen auch die Register der Klaviere selbst, doch auf beyden Seiten vertheilt, bey einander stehen. Z. B. die Register des obern Klaviers ordnet man auf beyden Seiten oben an; doch die scharfen Register desselben zusammen auf eine Seite. Auf beyden Seiten in der Mitte die Register des Manuals, und so auch die Register des untern Klaviers unten, die Pedalregister aber ganz unten zur linken Hand, welche, zu bilanciren, auf der Rechten die Koppel=, Balg=, Glocken= und Tremulantenzüge geordnet werden mögen. Damit aber auch der fremde Spieler wisse, zu welchen Klavieren jedes Register gehöre (denn es ist ein unverzeihlicher Neid einiger Organisten, daß sie durch Weglassung dieser Zeichen jeden fremden Orgelspieler außer Stand setzen, die Registerzüge selbst zu wählen und genöthigt sind, sich der Willkühr des Organisten hierin zu überlassen), so bemerke man jedes Register, das zum obern Klavier gehört, mit einem O, die des mittlern mit einem M, die des untern mit einem U, und die des Pedals mit einem P, nebst dem Nahmen des Registers, und, damit es ins Gesicht falle, jedesmahl über diesem. Da die schickliche Anordnung der Registerzüge leicht zu machen ist, so ist es oft Bequemlichkeit oder Unverstand des Orgelmachers, wenn er die Registerzüge alle so unter einander steckt, daß man sie mühsam suchen, und damit lange Zeit hinbringen muß, -- daher <105, 346> der Organist allerdings selbst für diese Bequemlichkeit sorgen sollte. Wenn es für die Registerzüge an Platz fehlte, so braucht sie der Orgelmacher nicht von mehreren Raum einnehmendem Holze, sondern die stehenden Wellen und ihre Aerme von Eisen, und die horizontal laufenden Züge von starkem Eisendraht zu machen; dieses wird die Züge um desto beweglicher machen, zumahl wenn die stehenden Wellen unten und oben in eisernen Pfannen laufen, die von Zeit zu Zeit gereinigt und mit Baumöhl getränkt werden können.

Es gibt bey einigen alten Orgeln Registerzüge, die eingehängt sind. Der Organist kann durch einen Händedruck unterwärts zwey bis drey Register auf einmahl öffnen, das sehr geschwind zugeht. Dieser Mechanismus ist deshalb sehr gut, weil dadurch kein Register zu wenig oder zu viel gezogen werden kann, sondern durch den Druck unterwärts die Registerschleifen in der Windlade ihren genau geordneten Platz erhalten. Weil aber dieser Mechanismus wirklich mehr Akkuratesse, als der gewöhnliche, erfordert, so bleiben die Orgelmacher lieber bey den Zügen. Vorzüglich gut lassen die Knöpfe der Registerzüge, wenn man sie recht schwarz beitzt, oben am Kopf wieder so viel abdrehen läßt, als ein französischer Thaler groß ist, diesen Raum mit einer zinnernen Platte ausfüllt, den Nahmen des Registers nebst vorbemerktem Klavierzeichen darauf graviren, und sodann die für das obere Klavier roth, für das Manual schwarz, das untere gelb, und das Pedal grün, mit solchen Massen ausfüllen läßt.

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Unter diese Registerzüge gehören nun verschiedene, die man zwar haben muß, aber keine eigentlichen Register sind. Nähmlich:

Sperrventil, ein Zug, der den Wind nach dem Spielen ausläßt. Etwas Ueberflüssiges, da der Wind sich nach und nach wohl von selbst verliert, und nur ein Griff der Orgelmacher zu seyn scheint, um den Leuten damit die Augen zu verblenden, die dieses auch für ein Register halten.

Tremulant, ein in allem Betracht sehr schädlicher Zug, wenn er nicht gut gemacht ist. Dieser Zug soll eine sanfte Schwebung oder zitternde Bewegung des Windes bewirken. Gut gerathene Tremulante sind selten. Einige klappern, wie eine Mühle, daß man sie in der ganzen Kirche hört; andre veranlassen ein so widerwärtiges Schweben der Töne, daß selbst die wahren Töne darunter leiden. Ist die Orgel drey Klaviere stark, so müßten wohl vier Tremulantenzüge seyn; um dieses zu umgehen, legt man den Tremulanten in den Hauptkanal: dann ist aber die Gefahr, daß, wenn da etwas reißt, der Wind für die ganze Orgel verlohren geht, und diese vor der Reparation nicht zu brauchen ist. Indessen geht alsdenn das Tremuliren durch das ganze Werk, das aber immer der Stimmung schadet, und den Pfeifen die Reinigkeit des Tons benimmt. Es gehört wirklich Kunst dazu, einen sanft bebenden Tremulanten zu machen. Die berühmte Orgel zu Bern hatte keinen Tremulanten, außer dem, der zur nöthigen Schwebung der vox humana allein gerichtet war, und so trefliche Wirkung that, daß dieses Register die Schwebung der menschlichen Stimme so natürlich vorstellte, daß Unkundige dar<105, 348>auf geschworen hätten, es werde wirklich gesungen.

Koppel, ist ein Zug, der das Manual mit dem Pedal verbindet, so daß die getretene Taste des Pedals auch den nähmlichen Ton in den Manualregistern hören läßt. Er dient zur Verstärkung des Pedals, und ist daher sehr gut, wenn er so gemacht ist, daß er die Tasten des Manuals nicht mit niederzieht, und dadurch den Organisten im Spielen irre macht, welche pfuschermäßige Koppeln noch viele Orgeln haben. Diese Koppel zu verfertigen, hat fast jeder Orgelmacher seine eigene Manier, die man jedem lassen kann, wenn nur die Koppel das thut, was sie thun soll.

Den Cymbelstern findet man noch in großen alten Orgeln. Zieht man das Register, so bewegt sich der Stern, und macht ein Geläute. Es ist eine Spielerey wie der Balgklockenzug.

Welche Nebenanordnungen der Abt Vogler bey seinen Orgeln hat, werde ich unten zeigen.

Von den Blasbälgen.

An der Güte der Blasbälge liegt fast auch die Güte der Orgel, die, wenn sie nicht hinlänglichen Wind hat, wäre sie übrigens noch so gut bearbeitet, nie die gehörige Wirkung thun kann. Das kleinste Werk erfordert schon zwey Bälge, um beständigen Wind zu haben, der beym Aufzug eines einzigen Balges allemahl aufhören müßte. -- Ein Werk von zwanzig bis vier und zwanzig Registern erfordert schon drey gute Bälge; eins von acht und vierzig bis sechs und funfzig Registern kann zwar durch vier gute <105, 349> Bälge mit hinlänglichem Winde versorgt werden; aber man trifft gleichwohl für solche Werke gemeiniglich sechs bis acht große Bälge an, die immer zwey Menschen erfordern. Indessen beweisen so viele Bälge immer, daß viele Orgelmacher in Verfertigung der Bälge noch weit zurück seyen. Das große Orgelwerk zu Bern hat acht und vierzig der stärksten Register, und nicht mehr als vier, acht Schuh lang und vier Schuh breite Faltenbälge, und diese geben dem großen Werke hinlänglich, und, was das Schätzbarste dabey ist, unveränderlich gleichen Wind. Es macht nie eine gute Idee von den Bälgen, wenn man sie im Ueberfluß und so zahlreich antrifft. Vielleicht ist es aber auch ein Handwerksvortheil, wenn die Orgelmacher zu einem Werke viele Bälge legen. Diese werden recht gut bezahlt; je mehr Bälge nun der Orgelmacher macht, desto größer ist auch sein Profit. Wenn aber ein Orgelmacher ein Orgelwerk überhaupt bezahlt bekommt, und macht gleichwohl so viele Bälge, so ist es gewiß ein Beweis, daß dessen Bälgemacherkunst nicht weit her sey. Indessen sind wenige, aber gute Bälge schon deswegen schätzbar, weil man oft wegen des Platzes in großer Verlegenheit ist.

Es gibt aber zweyerley Bälge: 1) Faltenbälge, d. i. Bälge, die mehrere Falten werfen. 2) Spanbälge, die nur eine Falte machen.

Die Bossardischen Faltenbälge gehen nicht hoch auf, und haben eine Abtheilung, so, daß wenn der Balg aufgezogen ist, sich die untere Abtheilung nach und nach in drey Falten legt; sind diese beysammen, so fallen die drey obern Falten eben so zusammen. Schon daraus ist zu schließen, wie künstlich diese Bälge gemacht, <105, 350> und wie gleich ihr Wind seyn muß. Kein Balg rührt sich, so lange der andere geht; ist dieser leer, so fängt erst der andere zu laufen an, welches die sicherste Probe guter Bälge und ihrer Ventile ist.

Die Spanbälge sind gemeiner und gewöhnlicher, als die Faltenbälge, auch gut, wenn sie mit Sorgfalt gemacht sind; aber sie nehmen wegen ihrer mehreren Größe sehr vielen Raum weg, der oft sehr mangelt. Ein Spanbalg besteht aus sechs Theilen: 1) Dem obern und untern Blatt; 2) den belederten Seitenspänen; 3) dem Balgventil; 4) der Oeffnung gegen den Windkanal und dem Kanalventil; 5) den Leisten, und 6) dem Kalkantentritt oder Zug.

1) Die Blätter werden, wenn es große Bälge sind, von astfreyen gesunden tannenen Dreylingen gemacht; sind sie aber klein, so sind Zweylinge auch stark genug. Jene halten zwey und einen halben Zoll, diese aber ein und einen halben Zoll. Die Länge übertrifft die Breite mehrentheils um die Hälfte; doch richtet man sich darin auch nach dem Platz. Zehn Schuh lange Bälge sind der Ordnung nach nur fünf Schuh breit. Hierbey läßt sich nichts Eigentliches vorschreiben. Alles kommt auf die Geschicklichkeit des Balgmachers an. Der größte Balg kann weniger Wind geben, als ein kleinerer. Diese Blätter werden, um alle und jede ungesehene Risse und Löcher, und selbst die Poros des Holzes zu verstopfen, dicht mit warmem Leim ausgegossen, und jede Fuge der Breter mit Riemen von Roßadersehnen und Flechten verwahrt, und die Vordertheile der zwey Blätter durch starkes Leder und Roßadern, wie auch mit eisernen Gelenken mit einander verbunden.

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2) An die Seiten wird an dem obern Blatte ein Bret mit Leder und Roßadern gefügt, das vorn schmahl zuläuft, hinten aber in der Breite zunimmt; damit es aber beweglich bleibe, wird es an die Blätter mit Leder und Roßadern verbunden. So verfährt man auch mit dem untern Blatte, doch aufwärts. Diese Seitenblätter werden sodann in der Mitte auf die nähmliche Art verbunden, daß sie, wenn der Balg beysammen ist, nur eine Falte bilden. Auf die nähmliche Art werden auch die hintern Blätter, da der Balg aufgezogen wird, mit einander verbunden, so daß sich die Falte jedesmahl einwärts beugt.

3) Durch das Aufziehen des Balgs wird der Wind durch eine in dem untern Blatte in der Form eines länglichen Vierecks nach dem Verhältniß der Größe des Balgs angebrachte Oeffnung eingesogen. An der einen langen Seite der Oeffnung wird ein starker Pappendeckel angeleimt, doch so, daß, wenn der Balg aufgezogen, und Wind in denselben eingesogen wird, diese Klappe zurückgehe und den Wind einlasse, wenn aber der aufgezogene Balg wieder sinkt, der eingezogene Wind diese alsdann fest auf die Oeffnung drücke, damit kein Wind durch das Saugloch herausgehen könne. Diese Klappen heißt man nun Balgventil. Man sieht nun schon hieraus, wie viel auf dieses Balgventil ankomme, und wie sorgfältig und zuverlässig es gemacht seyn müsse, wenn es die verlangten Dienste thun soll. Ist diese Oeffnung nach Verhältniß des Balgs groß, so macht man aus Sorge, eine einfache Klappe möchte sich werfen, eine doppelte Klappe, die von beyden Seiten auf= und zugeht, und in der Mitte beym Zu<105, 352>gehen des Balgs auf einen durchgezogenen Stab zusammenfällt.

4) Ein gleiches, aber viereckiges Ventil wird bey der Mündung des Balgs im Kanal angebracht, das aufgeht und offen bleibt, so lange der Balg Wind gibt; ist dieser aber abgelaufen, vom Winde im Kanal wieder zugehalten wird, und die Mündung des Balgs so lange deswegen verschließt, damit kein Wind aus dem Kanal in den windleeren Balg dringen möge, bis der Balg wieder aufgezogen ist, und sein Wind im Kanal wieder Raum findet.

5) Damit aber die Blätter der Bälge, wegen der Länge und Breite, sich nicht werfen oder reißen, so werden beyde mit starken Leisten von Bretstücken querüber mit in warmen Leim getunkten hölzernen Nägeln oder besser mit Schrauben befestigt.

6) Kleinere Bälge werden mit Riemen oder Seilen durch Hände gezogen, größere aber getreten, welches durch hervorgehende starke Rahmschenkel geschieht, wodurch nach einer leicht begreiflichen Mechanik der obere hintere Theil des Balgs aufgezogen wird. Damit aber der Balg nicht zu hoch aufgezogen und dadurch zerrissen werde, so muß der Orgelmacher dafür sorgen, daß der Rahmschenkel oder Kalkantentritt nicht tiefer herabgehe, als es nöthig ist, den Balg hinlänglich aufzuziehen.

Da Zufälle oder Bosheit die Bälge leicht beschädigen können, so verschlägt und verschließt man die Balgkammern sorgfältig; auch thut man dieses mit den Kalkantentritten, und zieht einen unter ihnen hergehenden Rahmschenkel durch, der an einem Ende ebenfalls verschlossen wird.

<105, 353>

Hat man Raum genug, so mag man die Bälge immer neben einander legen; wo nicht, so legt man sie auf dazu verfertigte Gerüste über einander.

Da jeder Balg vorn beysammen bleibt und nur hinten auf= und zugeht, so macht der aufgezogene Balg hinten einen Theil von einem Zirkel, und erhält schon dadurch einen natürlichen Druck; damit aber der Wind mehrern Druck in die Kanäle erhalte, so wird hinten auf die Bälge noch einiges Gewicht gelegt, das man nach Nothdurft vermindert oder verstärkt, bis jeder Balg nach der Windprobe gleichen Grad Wind treibt, ohne welche Gleichheit keine reine Stimmung möglich ist; das Gewicht wird aber auf dem Balge in einem Kästchen verwahrt, damit sich nichts davon verliere.

Viele Orgeln haben besondere Pedalbälge, und besondere Kanäle, weil man meint, die großen Pedalpfeifen entzögen den Manualregistern zu viel Wind aus dem Hauptkanal, und brauchten hierzu einen eigenen Kalkanten. Wer aber weiß, daß Luft und Wind der Natur nach sich immer zusammendrängen, und keinen leeren Raum verstatten, wird diese Vorsorge sehr unnöthig finden; denn wird das Pedal stark gespielt, so geht zwar viel Wind aus dem Haupt=in den Pedalkanal, jener aber erhält sich unfehlbar durch den Zufluß aus den Bälgen immer voll. Es ist nur der Unterschied, daß die Bälge sodann geschwinder laufen, indem. sie sich geschwinder ausleeren können; demnach kann ein Kalkant und der Platz für einen besondern Pedalkanal ganz wohl erspart werden.

Ob nun die Bälge gut gemacht seyen und hinlänglich Wind geben, erkennt man durch die <105, 354> Windprobe. Diese besteht in einem länglichtviereckigen Kästchen von Zinn oder Metall, das oben in der Mitte ein rundes Loch hat, wodurch man es mit Wasser füllt, hernach mit einem guten Kork sorgfältig verstopft. An dem einen Ende hat es oben eine in das Kästchen reichende genau und fest eingepaßte gläserne Röhre, etwa einen halben Finger dick, woran ein Maßstäbchen von Zinn von sechzig Abtheilungen ist; am andern Ende hat das Kästchen ein horizontal herausgehendes zapfenähnliches Mundstück, das man in den angebohrten Hauptwindkanal behebe einsteckt, den man aber nachher wieder sorgfältig verwahrt. Durch diese Windprobe kann man nun sehen, wie viel Grade Wind ein jeder Balg besonders treibe. Treibt ein Balg weniger oder mehr, als der andere, so macht man sie durch Abnehmen oder Zulegen des Gewichts einander gleich. Ein Werk von drey Klavieren muß, wo nicht vierzig, doch wenigstens sechs und dreyßig, von zwey Klavieren dreyßig, von einem wenigstens zwanzig Grad haben.

Will man aber sehen, ob die Kanalventile gut gemacht seyen und den Wind hinlänglich verschließen, so sehe man auf die Bälge, wenn sie alle getreten sind, ob sie alle oder nur der allein laufe, der zuerst getreten worden. Sind sie gut gemacht, so wird der zuerst getretene Balg ganz auslaufen, ehe der zweyte zu laufen anfängt. Laufen aber mehrere zugleich, so ist es schon ein Beweis, daß ein Balg den Windkanal nicht fülle, und daher das Kanalventil nicht zugedrückt werden könne, das nur ein voller Kanal thut.

<105, 355>

Viele Orgelmacher kreutzigen sich, wenn man so sagen darf, wenn sie ihre Bälge nicht recht nahe an die Orgeln legen können und glauben, daß sie durch die Entfernung der Bälge und weite Windführung vielen Wind verlieren und diesen spät zur Orgel bringen. Diese Sorge ist freylich ganz überflüssig, indem der Wind, vermöge der Elasticität der Luft, gleich auf die Pfeifen wirken kann, sobald nur ein Balg getreten ist, wenn die Kanäle gut verwahrt sind; nur werden nicht so viel Windkanäle erfordert, wenn die Bälge nahe liegen.

Nun ist noch etwas weniges von den Kanälen zu sagen. Nichts ist durchdringender als Luft und Wind. Es gehört alle Vorsicht dazu, diesen ohne Verlust an Ort und Stelle zu bringen. Das Wasser verstopft sich durch seine Erdtheile bey der geringsten Hinderniß von selbst und durch die Ausdehnung der Materie, durch die es geleitet wird; aber Luft und Wind findet überall Oeffnungen. Demnach müssen die Kanäle mit dichtmachenden Sachen verwahrt werden. Sie werden von Tannenholz gemacht, inwendig genau abgehobelt, auf das genaueste gepaßt, und mit hölzernen in Leim getunkten Nägeln zusammengefügt, so daß sie Wasser halten können; aber das alles ist nicht hinlänglich, den Wind zusammen zu halten; das Holz hat seine Poros, durch welche sich der gepreßte Wind leicht verliert. Deswegen müssen die Kanäle inwendig mit warmem Leim gut ausgestrichen, die Fugen mit Roßadern verwahrt, und mit Pferdeflechsen verleimt werden. Ein Gleiches geschieht mit den abgetheilten Kanälen, und da, wo sie sich in die Windkästen ausleeren, verwahrt man sie auch auswendig. Ist dieses überall <105, 356> sorgfältig geschehen, so wird und kann kein Mangel an Wind entstehen; der Fehler müßte nur in der Windlade liegen, wenn das Werk schluckte.

Noch muß ein Orgelmacher Sorge tragen, daß er lieber völlige Vertheilungskanäle, als solche, die zu enge sind, mache, damit der Windkasten immer mit Wind angefüllt sey. Ueberall muß alles voll Wind stehen, damit er, wie vorstehendes Wasser, drücke, und ist alles wohl angefüllt, so ersetzt die Quelle des Windes nicht mehr, als abgegangen ist.

Vom Pfeifenwerke überhaupt.

Die Orgelpfeifen werden aus hartem und weichem Holze, aus Blech, Metall, englischem Zinn, auch von Silber gemacht. Alle Pfeifen, die ins Gesicht gestellt werden, werden von reinem englischen Zinn gemacht und poliert. Von Silber trifft man sie nur in einigen fürstlichen Kapellen an, da sie ein kleines Prinzipal vorstellen. Silbermann von Strasburg machte das Pfeifenwerk, das andere nur von Metall machten, von reinem englischen Zinn, und polirte die meisten auch inwendig wie auswendig, nachdem er die Blätter nach dem Hobeln noch hatte hämmern lassen. Das machte nun die Materie freylich noch härter, und also auch wohlklingender.

Die inwendig stehenden Pfeifen aber werden mehrentheils nur von Metall gemacht, wodurch die Register um vieles wohlfeiler werden. Metall nennt man beym Orgelbau eine Vermischung von Zinn, Bley und Markasit. Nun kommt sehr viel darauf an, wie diese Vermi<105, 357>schung gemacht werde. Weder Werkmeister, noch Adlung, haben bestimmt, was gutes Metall sey. Wo freylich nur nach Wohlfeile akkordirt wird, machen die Orgelmacher sehr schlechtes Metall, und nehmen auf das Pfund Bley nur ein viertelpfund Zinn. Man trifft, leider, Orgeln an, deren Pfeifen lauter Bley sind; aber eine solche Orgel kann kaum zwanzig Jahre dauern, indem das Bley dem Oxydiren oder Rosten ausgesetzt ist, wie man denn an alten bleyernen Pfeifen klares Bleyweiß wahrnimmt, und das gemeiniglich an den dünnen Theilen, den Labien und dem Rohr, daher diese Pfeifen selten mehr ansprechen. Sind überdas die Füße solcher Pfeifen dünn, so brechen die größern durch ihre obere Schwere zusammen, und dann sieht es in solchen Orgeln erbärmlich aus Dergleichen Orgeln werden frühzeitig unbrauchbar, müssen um eine Kleinigkeit hingegeben, und mit großem Aufwand dafür eine bessere angeschafft werden. Es ist demnach wohl darauf zu sehen, daß dem Orgelmacher der Gehalt des Metalls im Akkord bestimmt, und zur Sicherheit ihm jemand beym Schmelzen und Gießen zugegeben werde, denn nachher kann man nur nach dem Gesichte urtheilen. Hat eine Gemeinde das Vermögen, so ist zu rathen, alle metallene Register von reinem Zinn machen zu lassen. Es ist zwar kostbar, aber wenn man bedenkt, daß man an reinem Zinn immer einen wahren Werth habe; daß das Pfeifenwerk die Stimmung und Intonation beständiger erhalte; daß man das mehrere Geld, das man solchergestalt darauf verwendet, wieder an Reparations= und Stimmungskosten erspare; daß die Register schöner und heller klingen: so wird eine solche Gemeinde <105, 358> diesen Rath gewiß beherzigen. Wenn aber eine Gemeinde hierbey sparsam zu seyn Ursache hat, so lasse sie wenigstens die Pfeifen von einem guten Metall verfertigen, nähmlich: drey viertelpfund Zinn und ein viertelpfund Bley und Markasit. Annehmliches Metall ist: fünf achtelpfund Bley und drey achtelpfund Zusatz. Noch unverwerflich ist: halb Zinn und halb Zusatz. Man sehe aber darauf, daß die Blätter ja nicht zu dünne ausgehobelt werden. Einige Orgelmacher werden zwar gegen das lautere Zinn einwenden, es lasse sich nicht wohl in so großen Blättern gießen, als man sie nöthig habe, indem es sehr schwer ganz auslaufe. Das mag nun wohl bey einigem Zinn wahr seyn; aber reines englisches Zinn kann man schmelzen und gießen, und selten mißräth eins der größten Blätter.

Von Blech trifft man in einigen Orgeln Körper auf Zungenwerken an; aber sie knastern widerlich wegen ihrer Dünne, und sind von keiner Dauer.

Viele Pfeifen werden von Holz gemacht; wobey anzumerken ist, daß, je fester das Holz ist, desto schöner klingt die Pfeife; wenn aber das harte Holz theuer und rar ist, so nimmt man auch gutes dichtes, wohlgetrocknetes Tannenholz zu Subbässen, Oktavbässen und Bombarden; nur werden die Mundröhren, die Kerne und Labien von hartem Holz gemacht, und so auch bey gedeckten Registern die Stöpsel, aber die Körper werden alsdann mit warmem Leim fein und glatt ausgestrichen. Feine Register aber werden von hartem Holz gemacht.

Da es zu spät wäre, einem Orgelmacher erst bey einer Prüfung eines neuen Werks zu <105, 359> dünn ausgearbeitete Pfeifen auszuschätzen, so muß diesem beym Gießen, Hobeln und Formirung der Pfeifen ein sachkundiger Mann zugegeben werden, der darauf sehe, daß auch die Füße und Kerne großer Pfeifen von starken Blättern verfertigt werden, die Rohre selbst aber ihre gehörige Stärke behalten, damit die Pfeifen, wenn sie ausgehoben werden müssen, nicht vom bloßen Heben oder Biegen Beulen bekommen und Schaden nehmen, wie dieses, leider, der Fall bey vielen Orgeln ist; vielmehr müssen die Pfeifen von solcher Stärke seyn, daß man sie, ohne Schaden zu nehmen, überall hin transportiren und hinlegen könne. Sind die Füße zu schwach, so hat man Beyspiele, daß solche Pfeifen in kurzer Zeit zusammen gestürzt sind, und anderes Pfeifenwerk mit zu Grunde gerichtet haben.

Da man bey einer Orgelprüfung unmöglich alles sehen kann, so muß schon bey der Verfertigung oder bey der Aufstellung der Pfeifenregister untersucht werden: ob die Pfeifen ihre gehörige Stärke haben; ob sie tüchtig und genau gelötet sind, und hinlänglich starke Hafte haben, woran die größern eingehängt werden; ob der Kern richtig gelegt, und das Labium gehörig aufgeschnitten worden ist. Eine zinnerne Pfeife besteht aus vier Theilen, nähmlich: 1) aus einem trichterförmigen Fuß, 2) aus dem Kern, 3) aus dem Labio, und 4) aus dem Körper oder Rohr, in welches das Labium glatt oder aufgeworfen gearbeitet wird.

Es ist hier nicht der Ort es zu zeigen, wie die Kerne eingelötet, die Labia aufgeschnitten werden müssen; der Orgelmacher weiß dieses schon, und der Organist oder Prüfer hat nur <105, 360> darauf zu sehen, daß die Pfeife töne, wie das Register tönen soll, unter welches sie gehört; ob sie mit den andern gleich stark oder gleich schwach töne; ob sie sich überschlage. Im letztern Fall ist der Aufschnitt zu schmahl; ist aber der Ton zu schwach, so ist der Aufschnitt des Labiums zu breit gerathen, und im letztern Fall nicht leicht mehr, als mit einer andern Pfeife zu helfen; denn es ist Pfuscherey, solchen Pfeifen mit angelötheten Bärten zu helfen.

Beym Stimmen muß der Aufseher wohl Acht haben, ob die Pfeifen gut und gleich intonirt seyen, und eine, die sich nicht intoniren läßt, eben so wenig leiden, als die oben zugedrückten oder eingebogenen, sondern bessere an deren Statt verlangen, wobey ein Orgelmacher wenig verliert, da er in letzterm Fall sie gleich für die folgende Pfeife gebrauchen kann, obschon dabey eine Ungleichheit in der Mensur daraus entsteht, denn die Pfeife ist alsdenn zu weit.

Die größern Pfeifen haben deswegen ihren angelöteten Haft, an dem man sie an das Pfeifenbret anhängt, damit sie bey einer Erschütterung nicht vorwärts fallen. Die kleinern brauchen um deswillen keine, weil sie, doch nur innerhalb, in horizontal stehenden durchlöcherten Bretern stehen.

Da jeder Orgelmacher seine eigene Mensur hat, so läßt sich hier von der Mensur der Pfeifen nichts sagen. Nur ist hier anzuführen, daß die Pfeifen von weiter Mensur pompöser, von enger Mensur aber lieblicher klingen.

Kein Orgelmacher bedient sich eines mathematischen Verhältnisses, sondern nur seiner eigenen gewohnten Mensur, und verjüngt seine <105, 361> Pfeife nicht nach mathematischem Maßstab, sondern nach seiner Gewohnheit. Des Orgelprüfers Sorge ist nur, darauf zu sehen, daß die Register das sind, was sie seyn sollen, und daß jede Pfeife ihren rechten Ton gebe.

Hier ist nun noch von den Zungenwerken zu reden, die man auch Schnarrwerke, mit Unrecht aber Narrwerke nennt.

Die letzte Benennung rührt von bequemen Organisten her, denen es zu beschwerlich fiel, alle Wochen ihre Zungenwerke zu überstimmen, und wenn sie verstimmt waren, sie lieber nicht zogen. Niemand kann leugnen, daß diese Zungenwerke, besonders die Bombarde, Posaunen und Fagottbässe vortreffliche Wirkung in großen Kirchen thun, daß eine Trompete im Manual prächtig, ein Krummhorn angenehm, und eine wohlgerathene Vox humana entzückend klinge, und daß sich ein Organist viel Ehre damit erwerbe, wenn er diese und ein jedes Register nach der Art und Natur dessen, was es vorstellen soll, zu spielen weiß.

Die Körper dieser Zungenwerke sind ebenfalls von Zinn, Metall oder Holz. Die Zungenwerke bestehen aus drey Theilen: 1) Dem Mundstücke; 2) dem Stiefel, darin das Mundstück steht; 3) dem Körper, der in einem hölzernen Fuße steht. Das Mundstück hat wieder drey Theile: 1) Die Pfanne von Messing, gleicht einem halben ausgehöhlten Holderrohr, das unten eine Rundung, wie eine Zunge, hat. Sie wird gegossen, inwendig glatt und sauber ausgefeilt, und an beyden Rändern glatt und eben geschliffen. Auf diese Pfanne wird nun 2) ein fein geschliffenes Blättchen von Messing in gehöriger Dicke gepaßt, und 3) mit einer <105, 362> Krücke auf die Pfanne fest gedrückt, welche Krücke einen Draht durch den Fuß des Körpers gehen hat, der oben die Figur T macht, da die Krücke aufgezogen oder niedergeschlagen wird, bis der Ton rein ist. Der Wind macht nun durch das sanft bewegte Blättchen ein Schnarren, stärker oder gelinder, je nachdem es die Natur des Registers erfordert. Die Größe dieser Pfannen und die Dicke der Blättchen sind mit der Größe der Körper verhältnißmäßig. Passen die Krücken gut, so sind die von einigen vorgezogenen Schrauben diesen weit nachzusetzen, da die Schrauben die Stimmung weit mühsamer machen; eben so auch die Schrauben, welche die Körper im Stock festhalten sollen, damit sie nicht vom Winde herausgeworfen werden, weil der Wind durch die Zunge schon allzu stark gebrochen wird.

Schon die Zunge gibt den Ton; das Corpus verstärkt und modificirt nur den Ton, wie z. B. ein Sprachrohr. Der Mensch spricht im gewöhnlichen Ton einige Worte in dieses Rohr, und man hört die Worte in einer großen Entfernung unglaublich verstärkt.

Sind die Zungen und Krücken genau und sorgfältig abgerichtet, so bleibt die Stimmung lange. Zu dünne Blättchen machen ein unangenehmes Flattern, das nicht zu dulden ist; solche Zungen sind verwerflich.

Die Körper dürfen die Höhe nicht haben, wie die Pfeifen; z. B. eine sechzehnfüßige Posaune hat nur einen Körper von zwölf Fuß, wornach man sich bey einem Accorde richten muß.

Das Pfeifenwerk ist entweder offen, oder gedeckt. Die gedeckten Pfeifen von Zinn oder <105, 363> Metall haben eine dicht aufliegende Kappe, die oben durch einen Haft aufgezogen werden kann; hingegen die hölzernen einen mit Leder gefütterten Stöpsel, und einen mitten im Stöpsel aufrecht stehenden Stiel mit einem Köpfchen zu gleichem Endzweck. Eine solche Deckung macht die Pfeife noch einmahl so tief klingend, als sie offen tönen würde. Eine acht Fuß hohe Pfeife wird Sechzehnfußton, wenn sie gedeckt wird. Man bedient sich dieses Mittels, wenn es an Höhe mangelt, sechzehnfüßige Register aufstellen zu können. Unverantwortlich aber ist es, wenn man Höhe genug hat, einen alten prächtigen Subbaß abzunehmen, zu decken und ihm dadurch seine Kraft zu nehmen.

Wo es an Höhe mangelt, macht man auch gekröpfte Pfeifen. Man hält aber wenig darauf. Sie werden nie, was sie seyn sollen; sind weder gut zu intoniren, noch gut zu stimmen.

Kurze Beschreibung aller noch üblichen, gewöhnlichen und neuern Register, nach dem Alphabete.

Acuta, so hießen die Alten, als man noch alles in Deutschland latinisirte, die Mixtur, wovon an seinem Orte das Weitere.

Angelica (Vox), soll die Stimme eines Engels vorstellen, also schöner und angenehmer als die Menschenstimme seyn. Der Nahme ist also bloß idealisch, das Register selbst aber Charlatanerie; denn welcher Orgelmacher hat je einen Engel singen gehört? -- Dieses Register ist zwey Fuß Ton von Metall, ein Zungenwerk, und soll eine ganz zarte weibliche Stimme vorstellen.

<105, 364>

Assar, s. Pfeil-IconNassat.

Bärpipe, ist in Niedersachsen, in vielen Orgeln zu Hamburg, Lübeck und Lüneburg anzutreffen, und ist ein Zungenwerk. Dem Nahmen nach soll es wie ein Bär brummen, und da wäre es eben nicht schön. Es ist von Holz im Pedal, zwey und dreyßig oder sechzehn Fuß Ton. In Adlung' s Organopoeia ist sie hingegen im Holzstich nach fünferley Struktur abgezeichnet, nach welchem das Register von Metall ist, also auch im Manual stehen kann. Vielleicht klingt das Register auch schöner, als ein Bär brummt, und da verdiente es auch einen schönern Nahmen. Nach jener Zeichnung mag das Register nicht brummen, sondern wie ein Regal stark schnarren, und allenfalls im Schwarm sehr gute Dienste thun, aber wie eine Trompete allein mit Untersatz zu spielen, wohl nicht zu brauchen seyn. Ein Fagott wird jeder Orgel besser anstehen.

Balgglocke, ist ein Zug unter den Registern, aber kein Register. An ihm ist ein Draht angemacht, der eine Glocke bey den Bälgen in Bewegung bringt, um dem Kalkanten anzuzeigen, daß er die Bälge treten solle. In so fern ist der Zug bequem; aber warum bringt man dieses als einen Registerzug an, da es ein jeder Draht und Griff daran thun kann?

Bauernflöte, ist ein im Pedal repetirendes Register von Metall, auch von Holz, gedeckt, zwey Fuß Ton, und macht deswegen gute Wirkung. Da es im Schwarm nicht viel bedeuten kann, indem eine Mixtur bessere Wirkung thut, so wäre es eigentlich mit tiefem Untersatz zu feinern Manualregistern als Akkompagnement <105, 365> zu gebrauchen. Man trift es in vielen Hauptwerken in Sachsen an.

Blockflöte, ist in großen Werken mehrentheils acht Fuß Ton, von Holz und gedeckt. In Dorforgeln trift man sie häufig zu vier Fuß Ton an, wo sie mit dem Gedakt acht Fuß Ton gute Wirkung thut, und die Stelle einer feinern Flöte vertreten muß.

Bombarde, ein Zungenwerk, sechszehn Fuß Ton, von Holz, daß sich im Pedal stark ausnimmt, und einem großen Werke viele Kraft gibt. Die Zungen müssen nicht von Holz, sondern von Messing, starken Pfannen und Blättchen seyn. Die Körper sind zwölf Fuß hoch, und, wie alle hölzerne, viereckig und trichterförmig, das ich von allen folgenden zu bemerken bitte. Soll die Bombarde noch mehr durchdringen, so mache man sie oben recht weit.

Dieses Register schnarrt sehr stark, und kesselt mit dem Subbaß und Oktavenbaß wie eine Pauke.

Bordun, sechszehn Fuß Ton, von Holz, gedeckt, eigentlich ein sechszehnfüßiges Gedakt, wird ins Manual und Pedal gebracht; thut gute Wirkung, wenn es im Manual an andern sechszehnfüßigen Registern mangelt, bey Werken von zwey Klavieren. Artig klingt das Register, wenn man es mit einer zweyfüßigen Spitzflöte spielt. In Dorforgeln empfiehlt man dieses Register zum Pedal zu nehmen. Die Pfeifen erfordern nur eine Höhe von acht Fuß, hat jedoch eine sechszehnfüßige Tiefe, ist wohlfeil, und kann die Stelle eines offenen Subbasses vertreten. Will man bey größern Werken einen zwey und dreyßigfüßigen Baß haben, so könnte man dieses Register hierzu vorzüglich vorschlagen, <105, 366> wenn man die Höhe von sechszehn Fuß völlig haben kann, da es dann mit einem sechszehnfüßigen offenen Subbaß prächtig klingen würde.

Chalumeau, (Schalmey), ist ein achtfüßiges Rohr= oder Zungenwerk; man trift es noch in alten Orgeln an, ist aber wenig mehr üblich.

Coppel, als Register, trift man in Dorforgeln an, wo das achtfüßige Gedakt (aber sehr uneigentlich) so genannt wird, ist von Holz. So nennt man auch in einigen Registern ein mehrfaches Register, aber eben so uneigentlich. Letzteres kommt wenig vor, da es die Mixturen verdrängt haben.

Coppel, ist kein Register, sondern nur ein Zug, der das Manual mit dem Pedal koppelt.

Cornett, so nennt man ein Pedalregister, das ein regalmäßiges Zungenwerk hat; doch ist die Mensur etwas enger und länger, als die ordentliche Regalmensur; wird zwey und vier Fuß Ton gemacht, deren Körper neun Zoll hoch zu vier Fuß Ton, und fünf Zoll hoch zu zwey Fuß Ton sind. Man findet diese von Blech; von Metall sind sie wohl besser. In einigen Werken findet man dieses Register als Zungenwerk auch achtfüßig.

Cornett, ist auch ein Manualregister, das man singenden Cornett nennt, und von Metall, gemeiniglich dreyfach, offen und etwas enger Mensur, hat in einem Ton vier, zwey und ein Fuß Ton, fängt von g unter der eingestrichenen Octave an, und geht ohne Repetition durch das übrige halbe Klavier, ist stark, und gleichwohl angenehm, wenn es recht rein gestimmt ist. Man kann diesen Cornett, wo es an einer Menschenstimme mangelt, sehr gut zum <105, 367> Vorspielen der Choralmelodien gebrauchen, indem das Register wegen der engen Mensur angenehm lispelt; auch hebt es sich im Schwarm sehr schön heraus. Dieses Register sollte in großen Werken durch das ganze Werk gehen, und sodann dreymahl repetiren.

Cymbel, ein offenes Register von Metall, vier auch zwey Fuß Ton, und zweyfach. Die kleinere Pfeife ist bey vier Fuß Ton eine Terz ein und Dreyfünftel Fuß Ton, die aber beym eingestrichenen c nochmahl repetirt. Man macht sie auch dreyfach: c' c'' c''', und sie thut beym Schwarm gute Wirkung, besonders bey kleinern Orgeln, wo die Mixturen schwach sind. In großen Werken mache man die Mixturen um so stärker, und lasse das Register, weil es doch eigentlich zum Schwarm gehört, ohne Bedenken weg.

Cymbelstern, findet man auch in großen alten Orgeln. Zieht man das Register, so bewegt sich oben der Stern zirkelförmig durch eine Welle, an dem die Accordcymbeln hangen, die sodann klingen. Die Orgelmacher lassen sich den Cymbelstern sehr wohl bezahlen; wenn nun der Organist nicht allemahl aus dem Ton zu spielen hat, in dem der Cymbel accord ist, so muß der Cymbelstern nicht allemahl gut lauten. Indessen ist man an Orten, wo man sie hat, an gewissen Festtagen so an das Ding gewöhnt, daß der Organist es nicht leicht unterlassen darf, den Cymbelstern zu ziehen, er mag mit dem Choralton harmoniren oder nicht. -- Es ist eine Kinderey, woran schwache Menschen, Kinder und Handwerksbursche Freude haben, das aber in der Hauptsache zu nichts dient. Der Cym<105, 368>belstern mag gebraucht worden seyn, als man noch in dulci jubilo sang. Man verwendet jetzt das Geld lieber auf reelle Register.

Dolcan, vier Fuß von Metall, soll unten eng und oben weit, ein durchdringendes Register seyn, und doppelte Labia haben. Dies Register ist selten und wenig bekannt.

Duiflöt, von Holz, soll mit obigem viel Aehnlichkeit haben. Vielleicht unterscheidet sich das Register deswegen dem Nahmen nach, weil es von Holz ist; es kommt übrigens eben so selten wie jenes vor.

Dulcian, ital. dolce Suono, sechszehn auch acht Fuß Ton, ist ein Zungenwerk von Metall, dessen Zunge mit Leder gefüttert ist, damit es nicht, wie andere Zungenwerke, so stark schnarre; sechszehn Fuß Ton kommt ins Pedal, acht Fuß Ton ins Manual.

Dulzflöte, (Flutedouce), vier Fuß Ton, offen, von hartem Holz und enger Mensur gemacht.

Echo, ist kein besonderes Register, sondern wird durch die Geschicklichkeit des Organisten hervorgebracht. Das kann geschehen, wenn die Windlade des untern Werks versteckt im Orgelkasten steht. Hierzu muß aber der Organist eigene kurze Sätze wählen, wenn das Echo natürlich ausfallen soll.

Engelstimme, s. Pfeil-IconAngelica, oben, Pfeil-IconS. 363.

Fagotto, oder Basson, ist ein sehr angenehmes Register, ein Zungenwerk von englischem Zinn, oder auch von Metall, das mit vielem Fleiß verfertigt werden muß, wenn es seines Nahmens würdig seyn soll; ist vielleicht der veränderte Nahme des Dulcians. In das Pedal wird es sechszehn und in das Manual acht Fuß <105, 369> Ton gemacht. Die Pfannen werden eng, aber desto länger gemacht, inwendig fein und glatt gefeilt, und die Blättchen fein abgeschliffen. Von hartem Holz dürfte das Register nicht übel ausfallen, wenn der Körper zweyen mit den weiten Theilen zusammengesetzten Trichtern gliche, wodurch das still und angenehm tönende erreicht werden würde. Wahr ist es, daß der Fagott der Natur nach keinen Diskant gestatte, obschon ein guter Fagottist auf seinem Basson sehr hohe Flötentöne herausbringt, die aber nicht im Basson, sondern im Mundstück stecken, es demnach das Ansehen hat, daß dieses Register weiter nicht als bis ins einmahlgestrichne c geführt werden könnte. Ein geschickter Orgelmacher wird ohne Zweifel das Register aber gleichwohl durch das ganze Manual durchführen können, das, wenn es im Diskant gleich keinen Fagott mehr vorstellte, doch immer etwas Angenehmes an Ton und Klang hören lassen müßte -- wie man denn auch Tenor=, Alt= und Diskantfagotte hat, die trefflich klingen. Sollte das nicht angehen, so ziehe der Organist zu seinem nur im Baß befindlichen Fagott das Krummholz oder eine Oboe, wenn sie oboenmäßig klingt.

Feldflöte, oder Zwerchpfeife, die das Register eigentlich vorstellen soll, vier auch zwey Fuß Ton, offen, von hartem Holz und enger Mensur, aber scharf intonirt. Geräth dieses Orgelregister dem Orgelmacher, so kann es einem Organisten zu hundert angenehmen Veränderungen Gelegenheit geben; damit aber die Schärfe der höheren Töne herausgebracht werde, so ist zu rathen, wie die Töne steigen, auch die Mensur der Pfeifen zu erweitern. Diesen Vortheil <105, 370> beobachten viele Orgelmacher zu wenig, als daß ihre Register Aehnlichkeit erhalten könnten.

Flachflöte, s. Pfeil-IconSpitzflöte, weiter unten.

Flute traversiere (Querflöte), ist unter allen Flötenregistern das lieblichste und schönste, und thut die trefflichste Wirkung, wenn es der Organist nach der Natur des Instruments zu behandeln weiß. Man macht dieses Register von acht und vier Fuß Ton, und es klingt mit der achtfüßigen Rohrflöte vortrefflich. Herr Stein in Durlach verfertigt dieses Register von Metall und englischem Zinn sehr natürlich. Man macht das Register auch von hartem Holze, es stellt das Instrument nicht natürlich vor.

Gedackt, eigentlich Gedeckt; so könnte man mit Recht alle gedeckte Register nennen, aber hier ist von einem Register die Rede, das man insonderheit so nennt. Es ist von Holz, vier Fuß hoch, das um der Deckung willen acht Fuß Ton erhält. Auf Dorforgeln wird es mehrentheils zu vier Fuß Prinzipal gezogen; da ist es nun ein Hauptregister. In großen Werken findet man es durchgängig, macht aber wenig Figur, und dient meistens nur zum Untersatz. Als Großgedackt, sechzehn Fuß, ist es eigentlicher Bordun im Manual. Musiciergedackt, nennt man es, wenn es acht Fuß und enge Mensur hat; Lieblich Gedackt, wenn es flötenartig klingt. Vierfüßig nennt man in großen Orgeln Kleingedackt, die, wenn sie gut ausfallen, statt der lieblichen Flöte gebraucht werden. Dieses Register braucht man gemeiniglich zur Kirchenmusik; wenn man aber dieses Register allein im Kammerton stimmt, um dem Organisten das Transponiren zu ersparen, so ist dieses nicht löblich, weil man denn auch hierzu ein Register <105, 371> im Pedal haben müßte, wodurch zum allgemeinen Gebrauche zwey Register unbrauchbar würden; und wenn sich ein Organist nur einigemahl im schnellen Ziehen der Register vergriffe, das doch so leicht geschen kann, welche scheußliche Disharmonie müßte das nicht anrichten! Der Organist lerne transponiren, wo die Orgeln einmahl im Chorton gestimmt sind, oder setze seine Stimme jedesmahl um einen Ton tiefer, ehe die Musik aufgeführt wird. Bey dieser Gelegenheit aber kann ich nicht unterlassen zu erinnern, daß man doch anfangen möge einzusehen, wie nöthig es sey, die neuen zu verfertigenden Orgeln im Kammerton zu verdingen. Chorton ist bloß Vortheil für den Orgelmacher. Es ist wahr, daß er alle Pfeifen etwas länger machen muß, aber nur jedesmahl die tiefste, das von keinem großen Belang ist, dagegen es für die Gemeinde, für den Organisten und die Kirchenmusik viele Vortheile hat; für die ganze Gemeinde, weil alsdann der Choralgesang nicht mehr so schreiend, sondern singend geführt werden kann; für den Organisten, daß er nicht mehr transponiren darf; für die Musik, weil sie alsdann in ihrem wahren Ton aufgeführt werden kann, und immer reiner klingen wird. Man entschädige den Orgelmacher lieber, als daß man sich für alle Zeiten jener Beschwerlichkeit aussetze.

Geigen= oder Jungfernregal, wegen des lieblichen Klangs mit Verbindung einer achtfüßigen Quintatön also genannt, ist ein acht= oder vierfüßiges Zungenwerk.

Gemshorn, ist ein angenehm lispelndes Register, das im Pedal sechzehn, im Manual acht und vier Fuß Ton von Metall gemacht wird. Es ist im Labio weit aufgeschnitten, und spitzt <105, 372> sich oben zu, wie eine Spitzflöte. Man macht auch Gemshornquinten von sechs bis drey Fuß Ton.

Glockenspiele, findet man noch in einigen alten Orgeln, sind Zweyfußton, und gehen durch das ganze Klavier. Die Hammer werden durch das Klavier regiert, und brauchen, wie leicht zu erachten, weder Wind noch Windlade. Ein solches Glockenspiel mag wohl einem Organisten zu artigen Veränderungen Anlaß geben; da es aber viel Geld kostet, zum Endzweck einer Orgel aber wenig beyträgt, so wird man in eine Orgeldisposition wohl lieber ein anderes schönes Register setzen.

Hautbois, (ital. Oboe), ein Zungenwerk von acht und vier Fuß Ton im Manual von Metall. Die Zungen dieses Registers müssen eben so fein als bey dem Fagott zugerichtet werden, besonders in der Höhe. Die Zeichnung davon findet sich beym Prätorius. Das Register aber kann nur in der obern Hälfte des Klaviers angewendet werden, und muß alsdenn mit dem Fagott treflich klingen.

Hohlflöte, von Holz, vier Fuß Ton, weiter Mensur, und desto kürzer, offen, mit engerem Labio, als das Gedakt, weswegen sie hohl klingen. Großhohlflöte, ist acht Fuß Ton. Es ist übrigens ein bekanntes Register, und in Dorforgeln oft anzutreffen, da sie auch gute Dienste thut, und doch wohlfeil ist.

Jungfernregal, s. Pfeil-IconGeigenregal, oben, Pfeil-IconS. 371.

Krummhorn, ein Zungenwerk, die Körper von Metall, acht und vier Fuß Ton, ist ein sehr liebliches Register, wenn es gut gemacht ist. Man macht sie offen und gedeckt; die Körper <105, 373> um ein Drittel kleiner, als die der Trompete, aber nicht krumm. Eigentlich kommt die Benennung vom französischen Cor morne, stilles Horn, her, woraus die deutschen Orgelmacher Krummhorn gemacht haben. Das Register kann für sich durch das ganze Klavier gehen, aber auch als eine Fortsetzung des Fagotts im Manual angewendet werden. Die Zungen dürfen hier eben so stark schnarren, als bey dem Hautbois.

Menschenstimme (Vox humana), ein alle andern in der Kunst übertreffendes Zungenwerk, vier auch acht Fuß Ton, von Zinn.

In der Struktur der Labien weichen die Orgelbauer auf verschiedene Weise ab, welches einen Beweis gibt, daß man hiermit noch nicht aufs Reine sey. Sollte aber ein Orgelbauer dafür bekannt seyn, daß er dieses Register nicht in seiner ganzen Schönheit darstellen kann, so lasse man es ganz weg. Denn eine verpfuschte Menschenstimme klingt äußerst widerlich. Man gebraucht es übrigens gewöhnlich zum Vorspielen, um die Melodie des Liedes anzugeben, und es ist deshalb in alten Orgeln gewöhnlich nur in der obern Hälfte des Klaviers angebracht.

Mixtur, (vermischtes Register), diese wird von Metall vier=, fünf=, sechs= bis achtfach gemacht, das heißt, jeder Ton hat vier, fünf bis acht Pfeifen. Mehrentheils haben alle Klaviere, und in großen Werken auch das Pedal Mixturen, und sonach werden sie verstärkt oder vermindert, je nachdem man sie braucht. Diese Mixturen werden nur im Schwarm oder vollem Werk gebraucht. In großen Werken macht man sie im Hauptmanual sechs= bis achtfach, im Pedal wohl auch zehnfach; freylich auf ver<105, 374>schiedene Weise. Da man noch nicht bemerkte, welche Disharmonie die starken Terzen in den Mixturen veranlassen, so machte man die Mixturen getrost c e g. c. e : g c. und damit ein so widerliches Getön, daß es delikaten Ohren unerträglich wurde. So, wie es ewige Wahrheit bleibt, daß wenige Personen, die rein und delikat zusammen spielen, eine kräftigere Musik machen, als viele, die unrein gestimmt, und unrein spielen, so ist es auch Wahrheit, daß eine obwohl starke, aber mißtönende Mixtur weniger Wirkung thue, als eine wenigfachere reine. Ich will es leicht begreiflich machen, warum die starken Terzen in der Mixtur die unleidlichsten Mistöne veranlassen müssen: Wenn ich zum Beyspiel aus dem c dur spiele, und den Akkord c greife, so klingen die der Tonart ganz widerlichen gis und h Töne mit, in d moll aber das mehr widrige fis, etc. Daher ist man klüger geworden, und disponirt die Mixturen etwas leidlicher, und erhöht die Terz um eine Oktav, obwohl jeder Musiker auch diese, wie die Quinte, wegwünscht.

Wenn man dem Vorurtheil noch etwas nachgeben wollte so müßte eine sechsfache Mixtur im Baß anfangen c c. vier Fuß, g. drey Fuß, c c zwey Fuß, e. ein und dreyfünftel Fuß Ton; somit wäre der Hauptton viermahl, die Quint, die nicht so leicht etwas verdirbt, zwar nur einmahl, aber in ihrer gehörigen Stärke und Größe, die Terz hingegen klein und unmerklich oben, die überdas noch durch die stärkeren Töne der größern Pfeifen genugsam bedeckt wird; so ließ man denn die Mixtur im Manual in den drey untern Oktaven repetiren, und nur in der obern sich verjügen. Man hat <105, 375> freylich in großen alten Werken acht=, zehn=, zwölf= und funfzehnfache Mixturen. Es ist aber schwer einzusehen, wozu dieser Unrath dient. Je mehrfacher, je unreiner und verstimmter, und bey keinem Register verliert der Orgelmacher beym Stimmen mehr die Geduld, als bey diesem, verläßt sie daher selten rein, und diese werden daher selten so scharf schneiden, als eine reine sechsfache. Ueber das hat man ja noch den Cornett, die Oktaven und Quinten, Cymbeln, und, will' s Gott, auch die Terzenregister, die alle im Schwarm Geräusch genug machen, der Mixturen in beyden andern Klavieren durch die Kopplung, und der im Pedal, nicht zu gedenken. Warum ist der Cornett, ungeachtet seiner engern Mensur, so durchdringend hervorstechend, und zugleich angenehm? Es ist wahrlich keine andere Ursache, als die reine Harmonie. --Im obern Werk könnte man die Mixtur nur fünffach machen lassen, nähmlich c c. vier Fuß, g. drey Fuß, c. zwey Fuß, e. ein und dreyfünftel Fuß, und sie eben so repetiren lassen, wie im Manual, und alsdenn versichern, daß, wenn diese Mixturen rein gestimmt worden, keine Disharmonie, vielmehr eine schärfere Schneide als zehn= und zwölffache Mixturen haben werden; sodann werden auch die Pfeifenchöre Raum genug finden, und die Pfeifen sich nicht einander anblasen, die Orgelmacher sich Zeit und Geduld nehmen, sie rein zu stimmen, und so alles harmonischer klingen.

Eigentlich wäre es aber besser es blieben alle Quinten, die man ohnehin besonders hat, und auch die kleineren Terzen weg, und man könnte im Pedal die Mixtur achtfach ganz uniso<105, 376>no disponiren, nämlich c c . c' c' . c'' c'' . c''' c''', diese so bis c' repetiren lassen, im Manual aber sechsfach c' c' . c'' c''. c''' c''', im obern fünffach c' c' . c'' c'' . c''', im untern endlich vierfach c . c'' c'' . c''', doch in den untern Octaven jedesmahl repetiren lassen. Diese Mixturen würden gewiß alle andern hinter sich lassen. Daß dieses Register offene Pfeifen weiterer Mensur habe, ist bekannt.

Uebrigens s. auch den Art. Pfeil-IconMixtur, Th. 92, Pfeil-IconS. 210.

Nachthorn, von Metall, gedeckt, wird für das Pedal sechszehn Fuß, für das Manual aber acht bis vier Fuß Ton gemacht, ist von weiterer Mensur als die sehr schön mit ihm klingende Quintatön. S. auch den Art. Pfeil-IconNachthorn, Th. 100, Pfeil-IconS. 138.

Nasat, Nasal (s. Th. 101, Pfeil-IconS. 308.) auch Nazard, von Metall, ist eine gedeckte Quinte, wird zu drey, auch ein und einen halben Fuß Ton gemacht, klingt angenehmer als die offene Quinte, und kann zu stillen feinen Registern gezogen werden, wenn man im Moduliren die Quinte lieblicher tönen hören will, indem das Register näset oder lispelt. Einige Orgelmacher geben ihm eine etwas weitere Mensur, und labiren es desto enger. Man kann es recht gut zur Viola da Gamba brauchen.

Octav, ist ein in allen Orgeln vorkommendes Register, wird von Zinn oder Metall gemacht. S. den Art. Pfeil-IconOctav, Th. 103, Pfeil-IconS. 764 fl.

<105, 377>

Offene Flöte, kommt auch in vielen Orgeln vor, ist vier Fuß Ton von Holz. Man macht auch Quintflöten, dann ist sie drey Fuß Ton. Die vier Fuß Ton braucht man zur Musik.

Ondamaris, (s. oben, Pfeil-IconS. 116.) so steht dieses Register an einigen Orgeln angeschrieben, soll aber Unda maris heißen, ist selten, hat auch in Ansehung ihrer Wirkung keinen Beyfall. Dieses Register soll seiner Bestimmung nach die Bewegung des Meeres vorstellen, und wird deswegen um etwas höher als das andere Pfeifenwerk gestimmt, damit es ein beständiges Schweben veranlasse. Es wird acht Fuß Ton von Holz gemacht. Einige machen es mit doppelten Labiis, die den Unterschied der Klänge bewirken sollen.

Posaune, Posaunenbaß, das durchdringendste Zungenwerk unter allen, wenn es gut gemacht ist. Man macht es sechzehn Fuß Ton von englischem Zinn oder Metall, selten zwey und dreyßig Fuß Ton; auch wird es von Holz gemacht, ist dann aber nichts anders als eine Bombarde. Da das Register durchdringen soll, so werden die Zungen stark schnarrend gemacht; die Körper sind, wie gewöhnlich, trichterförmig oben auslaufend. Da man das Beyspiel schon am Sprachrohr hat, welche Verstärkung dieses schon dem menschlichen simpeln Sprechen gebe, so würde dieses Register dadurch ungemein verstärkt werden, wenn man die Körper von unten bis oben stark erweiterte, und über das an die Körper noch Schallbecher anhämmerte. Die Körper von weissem Blech machen ein unleidliches Knarren, und verderben den Ton, den die Zunge gibt. Viele machen die Körper aus Sparsamkeit kleiner, als zwölf Fuß hoch, aber <105, 378> es ist Pfuscherey. An diesem vielwirkenden Register muß und darf nichts gespart werden. Ob man ein 16 Fuß töniges Posaunenregister auch ins Manual setzen solle, ist schlechterdings zu verneinen, da dieses ein überflüßiger Kostenaufwand wäre, indem die Trompete acht Fuß da alles ausfüllt, was dahin gehört. Wenn man hingegen auch einwenden wollte, die Instrumente, die man Posaunen nennt, hätten gleichwohl, nebst dem Baß, auch noch den Tenor und Alt, so ist darauf zu erwidern, daß die Orgelposaune diese Instrumente gar nicht verstellen soll, sondern ein in seiner Art eigenes zweckmäßiges Register sey, den Baß zu verstärken, und wegen seiner Stärke den Nahmen nicht von den heutigen stillen Posaunen, sondern von den allegorischen Posaunen der Offenbarung habe, die einst durch die ganze Welt tönen sollen.

Principal (Praestant) wird so genannt, weil dieses Register ins Gesicht gestellt, und deswegen wie Silber polirt und mit aufgeworfenen Mäulern von klarem englischen Zinn verfertigt wird. Je nachdem die Orgel groß ist, macht man dieses Register sechzehn, acht und vier Fuß Ton. Zwey Fuß Ton ist armselig. In großen Werken wird ein sechzehnfüßiges Prinzipal sowohl ins Pedal als in das Manual gesetzt; das im Pedal macht man aber von ganz weiter Mensur, und setzt ein achtfüßiges etwas engerer Mensur ins obere Werk, und ein vierfüßiges in das untere. In Betracht der Architektur wird dafür gesorgt, daß alle vier Prinzipale zierlich ins Gesicht kommen.

Wenn man aber keinen Raum findet, alle vier Prinzipale ins Gesicht zu stellen, so sucht man bey großen Werken eine Ersparniß zu ma<105, 379>chen, indem man alsdann die innerhalb des Werkes zu stehen kommenden Pfeilen von Metall, oder auch die unterste Oktav gar von Holz macht, die aber in Ansehung des Klangs gegen die zinnernen sehr abstechen.

Wenn das Prinzipal im Pedal von weiter Mensur gemacht wird, so klingt es sehr pompös; alsdann räth man, das Prinzipal im Manual von etwas engerer Mensur, als gewöhnlich, zu machen, das sodann sehr angenehm klingt, welche Eigenschaft ohnehin da erwartet wird. Hingegen macht man die Oktave etwas weiter in der Mensur, als gewöhnlich.

Zwey und dreyßigfüßige Prinzipale in eine Orgel zu bringen, ist nichts als Staat; die größten Pfeifen sprechen selten an, und dann ist ein großer Aufwand vergebens gemacht. Will man einen zwey und dreyßigfüßigen Baß haben, so sey es ein gedeckter Subbaß weiter Mensur, dem alsdann ein sechszehnfüßiger Octavbaß zugegeben wird.

Wo zu einem sechszehnfüßigen Pedalprincipal die Höhe oder auch der Raum im Gesicht mangeln sollte, da läßt man die untere Octav lieber von Holz als von gekröpften Pfeifen machen, die selten gut ansprechen. Ist aber Raum genug da, so kann man eine der größesten architektischen Schönheiten anbringen, wenn man das größeste Manualchor in den mittlern Thurm gerade über dem Klavier, die übrigen aber in gleichfalls runde Thürme, und die kleinern in ebene symmetrisch gegen einander stehende Felder stellt, mit dem Pedalprincipal aber die beyden zirkelförmigen Flügel besetzt, und damit das Gebäude einschließt.

<105, 380>

Das im obern Werk befindliche achtfüßige Principal wird seinen Platz über den ebenen Feldern der kleinern Manualpfeifen in runden hervorstehenden Thürnen immer finden.

Hat man zu dem untern Werk Höhe genug, oder bedient man sich eines Rückpositivs, so kann man statt des vierfüßigen Principals eine Viola da Gamba von englischem Zinn an ihre Stelle setzen, und das Prinzipal von gutem Metall verfertigen.

Zu Orgeln von zwey Klavieren mag das Pedalprinzipal immer sechzehn Fuß Ton haben, aber im Manual bleibe man bey acht Fuß Ton, und im untern Werke vier Fuß Ton, um die Proportion zu erhalten.

Quinta, ist von Metall, von sechs, drey und ein und einen halben Fuß Ton, offen. Sie hat Prinzipal= oder weite Oktavmensur; heißt deswegen Quint, weil sie, wenn man eingestrichen c greift, das eingestrichene g anspricht: Sie kann also nie allein gespielt werden, sondern es müssen immer starke Register dazu gezogen werden, da sie nur ein Ueberschlagen vorstellen soll. Man nennt sie auch Diapente, und mathematische Musiker geben ihr noch andere gelehrte Nahmen. Ich bemerke nur noch, daß die Quinte nach dem Monochordo etwas weniger als sechs und drey Fuß, und eigentlicher fünf und ein halber und zwey und Dreyviertel Fuß Ton sey, darum aber bekümmert sich weder der Orgelmacher noch der Organist; jener hat seine Mensur, und dieser sein Gehör, nach denen sie das Register machen und beurtheilen.

Quintatön, ist ein schönes gedecktes Register von Metall, acht Fuß Ton, weiter Mensur; hat den Nahmen, weil es neben der Octav <105, 381> im Klang auch die Quinte aufwärts schwebend hören läßt; ist schwer zu intoniren, und darf, wenn man das Angenehme nicht verlieren will, nicht weit aufgeschnitten werden. Versehen sich die Orgelmacher hierin, so suchen sie sich mit angelöteten Bärten zu helfen, die aber ein sicherer Beweis von des Orgelmachers Ungeschicklichkeit sind. Man findet sie aber, leider, gemeiniglich mit solchen Bärten.

Man hat auch Quintatönbässe, acht Fuß, im Pedal, dergleichen auch sechszehn Fuß; sie thun zu angenehmen Manualregistern trefliche Wirkung. Da die Quintatöne aber, wie die Viola da Gamba, langsam ansprechen, so muß der Organist ein hierzu schickliches Thema wählen, wenn das Register angenehm klingen soll.

Rancket, ein still tönendes Zungenwerk, ist nur noch in alten Orgeln anzutreffen.

Rauschflöte, Rauschquinte, Rauschnasat, von Metall, gedeckt, hat aber auf dem Deckel noch ein Röhrchen stecken, das oben offen ist. Man findet dieses Register von sechszehn, zwölf, acht, sechs, vier, drey, zwey, ein und einen halben und einen Fuß Ton. Diese Flöte klingt reiner und heller, als das Gedakt, und läßt zugleich eine über sich schlagende Quinte hören. Es ist wohl unnöthig erst zu sagen, daß zwölf, sechs, drey und ein und ein halber Fuß Ton wirkliche Quinten seyen.

Salicional, (Salicet), wird sechszehn, acht und vier Fuß Ton gemacht, ist in der Mensur enger, als die Viola da Gamba, und offen, wie diese; ist schwer zu intoniren, und muß daher durchaus mit Bärtchen versehen werden. Am meisten wird es zu acht Fuß Ton von Metall verfertigt, da sechszehn Fuß Ton die Intonation <105, 382> sehr erschwert. Vier Fuß Ton klingt es mit der achtfüßigen Viola da Gamba sehr schön; aufwärts wird dieses Register immer etwas weiter mensurirt.

Scharf, eine Art Cymbel oder Mixtur, besteht aus der Octav zwey Fuß, Quint ein und einen halben Fuß, und Octav einen Fuß, repetirt bis auf drey Zoll lange Pfeifen, wird auch mehrfach gemacht, stellt überhaupt eine verjüngte Mixtur vor, und ist darüber weiter nicht viel zu sagen, als daß auch einige das Register wie ein kleines Cornett unisono machen.

Schlangenrohr, oder Serpentin, eine Art Fagott. Kircher hat in seiner Musurgie VI. B. S. 505. den Abriß davon geliefert. Es ist weniger lieblich, als der Fagott, aber stärker; wie denn auch die bey den französischen Regimentern eingeführten Serpentine die bey den Deutschen üblichen Fagotts an Stärke weit übertreffen.

Schwägel, Schwiegel, eine Flöte von hartem Holz, offen, acht, vier, zwey und ein Fuß Ton, enger Mensur, soll angenehm und wie eine Querflöte klingen, wird zu ein Fuß Ton im Diskant als eine Flageolette gebraucht, auch auf Gemshornart gemacht, hat schmahle Labia, und klingt sanfter als eine Spitzflöte.

Schweizerpfeife, acht und vier Fuß Ton von Metall, scheint mit der Viola da Gamba einerley zu seyn.

Sesquialtera, ist ein zusammengesetztes dreyfaches Register von Metall, Octav, Terz und Quint enthaltend. Es bleibt billig weg, da es eine unleidliche Disharmonie macht.

Sexta, ist eben so beschaffen, wovon zu reden überflüssig wäre.

<105, 383>

Sifflöt, ist eine kleine Octav von Metall, weiter Mensur, die Benennung aber nicht mehr gebräuchlich.

Sordun, ein Zungenwerk; man nennt es auch Dolcian; es gleicht einem Krummhorn, ist gedeckt, und gibt sechszehn Fuß Ton an, obschon die Körper nur zweyfüßig sind, aber eine Weite wie ein vierfüßiges Nachthorn haben. Die Tiefe des Tons steckt in dem regelartigen Zungenwerk. Wenn der Orgelbauer es gut zu machen versteht, klingt es still und lieblich. Man bringt es sowohl in das Pedal, als in das Manual.

Spitzflöte, hat den Nahmen von der Figur der Pfeife, die man auch Spindelflöte heißt; die Pfeifen sind im Labio weit aufgeschnitten, und oben mehr zugespitzt als das Gemshorn. Man macht sie von Metall, acht und vier Fuß; auch Spitzquinten von drey und ein und einem halben Fuß Ton. Man findet das Register fast in allen Orgeln.

Subbaß, ist ein Pedalregister, und wird gemeiniglich zu sechzehn Fuß Ton von Holz und offen gemacht. Will man einen zwey und dreyßigfüßigen Subbaß haben, so wird der Körper sechzehn Fuß groß gemacht und gedeckt. Ein offener Subbaß von zwey und dreyßig Fuß gibt nur ein stilles Sausen, wenn er auch gut intonirt ist, aber beym ganzen Werke hebt er vortrefflich. Gedeckt aber spricht er besser an, dringt aber nicht so durch. Indessen befiehlt oft der Mangel an Höhe, den Subbaß zu decken, wenn man ihn zu zwey und dreyßig Fuß haben will. Bey Orgeln von zwey Klavieren ist der offene Subbaß weiter Mensur herrlich. Außer zwey <105, 384> und dreyßig Fuß Ton ist ein gedeckter Subbaß ein Unding.

Tertia (Ditonus), von Metall, ein und drey Fünftel, oder drey und ein Fünftel Fuß von Metall. Es ist ein Register zum Schwarm, oder vielmehr ein Register, die Harmonie zu verderben.

Tertian, ist von der Sesquialtera nur darin unterschieden, daß die Sesquialtera schöner g' e'' hat, also im Hauptton c die Terz zur Sext von g macht, dagegen die Tertian die Terz größer als die Quint angibt. Ob dieses Register Beyfall finden könne, ist nach dem oben bey der Mixtur Geäußerten leicht abzunehmen.

Trompete, Clarino, Clairon, von acht und vier Fuß Ton. Nur die guten sind selten. Adlung nennt sie eine Schnarrstimme. Leider, daß das die meisten sind. Donnern soll dieses Register nicht, wie einige wähnen. Die Trompete schmettert in der Tiefe, aber in der Höhe gibt sie einen scharfen, hellen aber lieblichen Ton. Das soll nun auch das Trompetenregister vorstellen. Die Zungen erfordern allen möglichen Fleiß; die Pfannen und Blättchen müssen sehr eben und passend geschliffen, die Zungen lang und schmahl seyn. In der Tiefe dürfen die Zungen nicht nur schnarren, sondern auch schmettern; aber in der Höhe muß das Register kaum merken lassen, daß es ein Zungenwerk sey. Dazu kann helfen, wenn man die Körper hinaufwärts oben in der Weite immer mehr einzieht, und die Zungen richtet, daß die Krücken ziemlich weit unten zu stehen kommen, damit die Zungen weniger schnarren, sondern wie die Vox humana oben hinauf flötenartiger <105, 385> klingen. Die achtfüßigen Trompetenkörper haben nur sechs Fuß in der Länge. Eine sechzehnfüßige Trompete ist ein Unding, und macht sodann eine Posaune; Trompete vier Fuß Ton ist aber doch auch keine Schallmey, sie wäre denn schrecklich mißrathen. Diesem Register blecherne Körper geben, die rosten und schwarz werden, wäre unverzeihliche Sparsamkeit; dieses treffliche Register verdient, wo nicht reines englisches Zinn, doch das beste Metall. Man kann auch die Pfannen in der obern Oktave, um allenfalls das starke Schnarren zu verhindern, von in Leinöhl gesottenem Elsenbeerholz machen und glatt ausfeilen. Hölzerne Körper werden schwerlich Trompetenklang geben.

Viola da Gamba, ein Register für das Pedal und Manual, von Metall, enger Mensur, offen, acht und vier Fuß Ton. Das Register stellt einen Violinklang ziemlich vor, ist sehr lieblich, muß aber langsam und am besten mit Ligaturen gespielt werden. Man gibt ihr gemeiniglich eine Flöte zum Untersatz, zieht auch zur Veränderung die Quintatön oder eine Spitzflöte dazu.

Violonbaß, von Holz, enger Mensur, wird im Pedal in großen Werken sechzehn Fuß Ton, offen, und im Manual für das halbe Klavier zu acht Fuß Ton gemacht. Man lasse aber das Register im Manual deswegen weg, weil man schicklichere dafür wählen kann, die durch das ganze Klavier gehen. Für Orgeln zu zwey Klavieren ist das Register zu acht Fuß Ton tief genug, da man auch achtfüßige Register neben dem Oktavbaß im Pedal haben muß. Ist der Violonbaß von einem guten Meister und rech<105, 386>ter Mensur gemacht, so wird es dem angenehmen Klange einer Violoncell sehr gleichen.

Vogelgesang, ist Tändeley.

Waldflöte, ist eine offene Flöte von Holz, wird zu verschiedenem Gebrauche acht, vier und zwey Fuß Ton, weiter Mensur gemacht, klingt hohl, und hat daher seinen Nahmen. Man hat auch Waldquinten zu ein und einen halben Fuß Ton, das mit einem Grobgedakt gut klingt.

Zink, ein Zungenwerk, soll den krummen Zink vorstellen, den die Zinkenisten brauchen, gehört nur in die zwey oberen Oktaven, und wird selten angetroffen. Man nennt den brauchbarern Kornett auch Zink.

Disposition zu einem Orgelwerke von drey Klavieren und funfzig klingenden Registern; nach der bisher üblichen Bauart. *

*
Von Vogler' s Abkürzungen sehe man weiter unten.

Ins Hauptmanual.

1) Prinzipal, sechszehn Fuß Ton, von reinem englischen Zinn, polirt, mit aufgeworfenen Mäulern, ins Gesicht.

2) Octav, von Metall, wie es im Akkord bedungen, acht Fuß Ton, weiter Mensur.

3) Kleinoctav, von Metall, vier Fuß Ton, gleicher Mensur.

4) Quinta, drey Fuß Ton, desgleichen.

5) Mixtur, fünffach, von Metall, vier Fuß Ton, dreymahl bis zweygestrichen c repetirend, die Töne c g c e c.

6) Quintatön, acht Fuß Ton, von Metall, gedeckt.

7) Spitzflöte, vier Fuß, von Metall.

8) Solicianal, acht Fuß, von Metall.

9) Rohrflöte, acht Fuß, von Metall.

<105, 387>

10) Kornett, fünffach von Metall, vom obern Baß g an, durch den Diskant bis oben hinaus verjüngt, etwas enger Mensur, nähmlich vier Fuß Ton zwey, zwey 2 Fuß Ton und eine 1 Fuß Ton.

11) Bordun, sechszehn Fuß Ton, von Holz, weiter Mensur, gedeckt.

12) Gedakt, acht Fuß Ton, enger Mensur, von Holz.

13) Flöte, vier F. T. offen, von hartem Holz, enger Mensur.

14) Trompete, acht F. T. von Metall.

15) Gemshorn, vier F. T. von Metall.

16) Fagott, acht Fuß Ton von Metall, bis eingestrichen c, alsdann mit einer Hautbois von g bis oben hinaus fortgesetzt.

Ins obere Klavier.

1) Prinzipal, acht Fuß Ton, wie das im Manual, doch etwas engerer Mensur.

2) Octav, vier F. T von Metall.

3) Superoctav, zwey F. T. von Metall.

4) Quinta, ein und einen halben F. T. von Metall.

5) Mixtur, vierfach von Metall, vier F. T. dreymahl bis zweygestrichen c repetirend, alsdann verjüngt, die Töne c g c e.

6) Cymbel, zweyfach, im Baß vier F. T. zwey F. T. repetirend bis eingestrichen c, und sodann verjüngt.

7) Viola da Gamba, acht F. T. von Metall.

8) Flute traversiere, oder Querflöte, acht Fuß Ton, von Metall, von g bis oben hinaus, im Baß aber eine Blockflöte, acht F. T. von hartem Holz.

9) Gedakt, acht F. T. von Holz.

10) Krummhorn, acht F. T. von Metall.

11) Hohlflöte, vier F. T. offen, weiter Mensur, von hartem Holz.

12) Trompete, vier F. T. von Metall.

Ins untere Klavier.

1) Prinzipal, vier Fuß Ton, wie die vorige, enger Mensur.

<105, 388>

2) Octav, zwey F. T. von Metall.

3) Nassat, ein und einen halben Fuß Ton von Metall.

4) Mixtur, dreyfach, von Metall, c g e.

5) Nachthorn, acht F. T. von Metall.

6) Gedakt, acht F. T. von Holz.

7) Rohrflöte, vier F. T. von Metall.

8) Vox humana, acht F. T. von Metall, durchs ganze Klavier.

9) Vox humana, vier F. T. von g bis oben hinaus.

10) Salicet, vier F. T. von Metall.

Ins Pedal.

1) Prinzipal, sechszehn Fuß Ton, wie die obigen, ganz weiter Mensur.

2) Subbaß, zwey und dreyßig F. T., von Holz, weiter Mensur, gedeckt.

3) Octavbaß, offen, von Holz, sechszehn F. T.

4) Violonbaß, offen, sechszehn F. T. enger Mensur, von Holz.

5) Nachthorn, acht F. T. von Metall.

6) Quinta, sechs F. T. von Metall.

7) Mixtur, sechsfach, vier F. T. repetirend, Töne c c g c c e.

8) Bombarda, sechszehn F. T. von Holz, weiter Mensur.

9) Posaunenbaß, sechszehn F. T. von Metall.

10) Octav, weiter Mensur, acht F. T. von Metall.

11) Gemshorn, acht F. T. von Metall.

12) Fagott, acht F. T. von Holz.

Eine solche Orgel hätte nun zu drey Klavieren alle Register, die ihr nicht nur Stärke genug geben, sondern auch alle, die angenehm klingen, und dem Organisten zu hunderterley Veränderungen Gelegenheit geben können. Das volle Werk wird nicht nur rauschen, sondern auch donnern.

Man hat freylich Orgeln von sechs und funfzig bis sechzig Registern. Aber wozu allerhand unnütze Register? Etwa bloß, um die <105, 389> Registerzahl herauszubringen? -- Obige Disposition bekommt nun ohnehin fünf und funfzig Registerzüge; nähmlich 1) für die Hautbois; 2) für die Blockflöte; 3) die Koppel des Pedals; 4) den Tremulant; 5) die Balgglocke. Zwey und dreyßigfüßige Prinzipale sind nur zum Staat, da sie selten zur Intonation zu bringen sind, also gar nicht klingen. Cymbeln, Terzen, Sedecimen, Nasatte und Sesquialtera schreyen wohl mit, geben aber dem Werke keine Kraft. Glockenspiele, Cymbelsterne, Paukenregister sind Kindereyen, die im Grunde nichts wirken, und doch theuer bezahlt werden müssen.

Disposition zu einem Orgelwerke von drey Klavieren zu vierzig klingenden Registern, die in einer kleineren Kirche, so wie jene, alles leisten wird.

Ins Hauptmanual.

1) Prinzipal, von englischem Zinn, polirt, mit aufgeworfenen Mäulern, acht Fuß Ton, ins Gesicht.

2) Octav, vier F. T. von Metall.

3) Superoctav, zwey F. T. von Metall.

4) Mixtur, sechsfach, wie bey der erstern Disposition.

5) Nasatt, drey F. T. von Metall.

6) Bordun, sechzehn F. T. von Holz, gedeckt.

7) Cymbel, dreyfach, von Metall, c zwey Fuß, c ein Fuß, c einen halben F. T.

8) Gedakt, acht F. T. von Holz.

9) Kornett, vierfach, von Metall, enger Mensur.

10) Viola da Gamba, acht F. T. von Metall.

11) Quintatön, vier F. T. von Metall.

12) Trompete, acht F. T. von Metall.

13) Flute traversiere, acht F. T. von g bis oben hinaus von Metall, im Baß aber eine Blockflöte acht F. T. von hartem Holze.

<105, 390>

14) Fagott, im Baß acht F. T. bis eingestrichen d, von Metall.

Ins obere Klavier.

1) Prinzipal, wie oben, aber engerer Mensur, 8 F T.

2) Quintatön, von Metall, acht F. T.

3) Solicional, von Metall, vier F. T.

4) Oktav, von Metall, vier F. T.

5) Quinta, von Metall, ein und einen halben Fuß Ton.

6) Spitzflöte, von Metall, acht F. T.

7) Rohrflöte, von Metall, vier F. T.

8) Gedakt, von Holz, acht F. T.

9) Krummhorn, von Metall, acht F. T.

10) Mixtur, von Metall, vier F. T. fünffach: c. c. c. g. e.

11) Sifflet, von Metall, zwey F. T.

Ins untere Klavier.

1) Prinzipal, wie oben, enger Mensur, vier F. T.

2) Gemshorn, von Metall, acht F. T.

3) Oktav, von Metall, zwey F. T.

4) Mixtur, vierfach, wie mehr erwähnt, von Metall, c. c. g. e.

5) Quintatön, von Metall, acht F. T.

6) Gedakt, von Holz, acht F T.

7) Hohlflöte, von Holz, vier F T.

8) Vox humana, von Metall, acht F. T.

9) Quinta, von Metall, ein und einen halben F. T.

Pedal.

1) Prinzipal, englisches Zinn, wie oben, sechzehn F. T.

2) Posaune, von Metall, sechzehn F. T., oder eine Bombarde sechzehn F. T. von Holz.

3) Subbaß, offen, von Holz, sechzehn F. T.

4) Violonbaß, enger Mensur, von Holz, acht F. T.

5) Oktavbaß, von Metall, weiter Mensur, acht F. T.

<105, 391>

6) Mixtur, sechsfach, wie in den vorigen Dispositionen.

Für ein Werk von zwey Klavieren zu dreyßig Registern könnte man nach der alten Bauart folgende Register disponiren.

Ins Manual.

1) Prinzipal, von englischem Zinn, wie oben, acht F. T.

2) Oktav, von Metall, vier F. T.

3) Quinta, von Metall, drey F. T.

4) Mixtur, von Metall, fünffach: c. c. c. g. e.

5) Kornett, vierfach, von Metall, enger Mensur.

6) Bordun, von Holz, offen, sechzehn F. T.

7) Gedakt, von Holz, acht F. T.

8) Trompete, von Metall, acht F. T.

9) Spitzflöte, von Metall, vier F. T.

10) Viola da Gamba, von Metall, acht F. T.

11) Flute traversiere, von Metall, von g bis hinaus acht F. T., also zwey F. T. bis oben hinaus und im Baß, eine Hohlflöte, von Holz.

12) Krummhorn, von Metall, acht F. T.

Ins untere Klavier.

1) Prinzipal, wie oben, vier F. T.

2) Oktav, von Metall, zwey F. T.

3) Nasatt, von Metall, ein und einen halben F. Ton.

4) Sesquialtera, desgleichen, g. e.

5) Rohrflöte, desgleichen, acht F. T.

6) Gedakt, von Holz, acht F. T. enger Mensur.

7) Quintatön, von Metall, acht F. T.

8) Salicett, von Metall, vier F. T.

9) Gemshorn, von Metall, acht F. T.

10) Vox humana, von Metall, acht F. T.

Pedal.

1) Prinzipal, von Zinn, wie oben, sechszehn Fuß Ton.

<105, 392>

2) Subbaß, offen, von Holz, sechzehn F. T.

3) Bombarde, von Holz, sechzehn F. T.

4) Oktavbaß, von Holz, acht F. T.

5) Posaunenbaß, enger Mensur, von Holz, acht F. T.

6) Violonbaß, enger Mensur, von Holz, acht F. T.

7) Fagottbaß, von Holz, acht F. T.

Pedalkoppel, mit dem Manual.

Diese Disposition beweiset, daß nicht die größere Zahl der Register, sondern die wohlgewählte wenigere der Orgel Kraft geben.

Disposition zu einer Orgel von fünf und zwanzig Registern.

Ins Manual.

1) Prinzipal, von englischem Zinn, ins Gesicht, 8 F. T.

2) Quintatön, von Metall, acht F. T.

3) Viola da Gamba, von Metall, acht F T

4) Fagott, bis eingestrichen c, und dann mit Krummhorn acht F. T. fortgesetzt, von Metall, das Fagott acht F. T. Es versteht sich von selbst, daß das fortgesetzte Krummhorn verjüngt angehe.

5) Trompete, von Metall, acht F. T.

6) Oktav, von Metall, vier F. T.

7) Mixtur, von Metall, vierfach wie oben.

8) Quinta, von Metall, drey F. T.

9) Kornett, von Metall, vierfach.

10) Gedakt, von Holz, acht F. T.

11) Bordun, von Holz, gedeckt, sechzehn F. T.

Ins untere Klavier.

1) Prinzipal, von englischem Zinn, wie oben, vier F. T.

2) Superoktav, von Metall, zwey F. T.

3) Mixtur, dreyfach: c. g. e. von Metall.

4) Quinta, ein und einen halben F. T. von Metall.

<105, 393>

5) Quintatön, vier F. T. von Metall.

6) Gemshorn, acht F. T. von Metall.

7) Waldflöte, von Holz, vier F. T.

8) Flute traversiere, acht F. T. von g bis oben hinaus, unten eine Hohlflöte, acht Fuß Ton, von Holz.

9) Vox humana, acht F. T. von Metall.

Pedal.

1) Prinzipal, englisches Zinn, wie oben, sechszehn Fuß Ton.

2) Bombarde, von Holz, sechszehn F. T.

3) Subbaß, offen, von Holz, sechszehn F. T.

4) Violonbaß, enger Mensur, von Holz, acht Fuß Ton.

5) Octavbaß, von Holz, weiter Mensur, acht Fuß Ton.

Koppel des Pedals mit dem Manual versteht sich, mit Tremulant und Balgglockenzug, von selbst, so auch die Koppelung der Klaviere.

Damit wird der geschickte Organist sehr angenehme Veränderungen machen können, und die Orgel in einer mittelmäßigen Kirche gute Wirkung thun.

Noch füge ich zu einer Orgel von zwey Klavieren eine Disposition von zwanzig Registern bey.

Ins Manual.

1) Prinzipal, englisch Zinn, ins Gesicht, acht Fuß Ton.

2) Quintatön, von Metall, acht F. T.

3) Flute traversiere, von Metall, acht F. T. mit der untergesetzten Hohlflöte, wie oben.

4) Viola da Gamba, von Metall, acht Fuß Ton.

5) Octav, von Metall, vier F. T.

6) Mixtur, vierfach, wie oben, von Metall.

7) Quinta, von Metall, drey F. T.

8) Kornett, vierfach, von Metall.

9) Bordun, sechszehn F. T. gedeckt, von Holz.

<105, 394>

Ins untere Klavier.

1) Prinzipal, von englischem Zinn, vier F. T.

2) Stillgedakt, von Metall, acht F. T.

3) Nachthorn, von Metall, vier F. T.

4) Krummhorn, von Metall, acht F. T.

5) Octav, von Metall, vier F. T.

6) Mixtur, dreyfach, c. g. e. von Metall.

7) Quinta, von Metall, ein und einen halben Fuß Ton.

Pedal.

1) Subbaß, von Holz, offen, sechszehn F. T.

2) Bombarde, von Holz, sechszehn F. T.

3) Octavbaß, weiter Mensur, acht F. T.

4) Violonbaß, enger Mensur, acht F. T.

Nun eine Disposition zu einem Klavier von zwölf Registern.

Ins Manual.

1) Prinzipal, englisches Zinn, vier F. T.

2) Quintatön, von Metall, acht F. T.

3) Viola da Gamba, von Metall, acht F. T.

4) Mixtur, vierfach, von Metall.

5) Quinta, von Metall, ein und einen halben F. T

6) Octav, von Metall, weiter Mensur, vier Fuß Ton.

7) Gedakt, von Holz, acht F. T.

8) Flute traversiere, wie oben, von Metall.

9) Kornett, von Metall, dreyfach.

Pedal.

1) Subbaß, gedeckt, von Holz, sechszehn F. T.

2) Violonbaß, von Holz, acht F. T.

3) Octavbaß, von Holz, offen, weiter Mensur, acht Fuß Ton.

Hierzu noch eine Pedalkoppel, etc.

<105, 395>

Endlich eine Disposition zu einer Orgel für eine kleine Dorfkirche.

Ins Manual.

1) Prinzipal, englisches Zinn, vier F. T.

2) Gedakt, von Holz, acht F. T.

3) Spitzflöte, von Metall, vier F. T.

4) Quintatön, von Metall, acht F.

5) Mixtur, dreyfach, c. g. e.

6) Octav, von Metall, zwey F. T.

Pedal.

1) Bordun, gedeckt, von Holz, sechszehn F. T.

2) Octavbaß, offen, von Holz, acht F. T.

Wozu noch eine Pedalkoppel kommt.

Von dem beym Bau einer Orgel zu schließenden Accorde.

Als Beyspiel, welche Vorsichtsregeln bey dem Veraccordiren einer Orgel zu beobachten sind, will ich hier einen Accord zu einer Orgel von 50 Registern hinzufügen, welcher auch für alle kleineren Orgeln die nöthigen Anweisungen enthält.

Die Formel des Accords wäre ungefähr folgende:

Nachdem sich die Gemeinde zu St. Michael dahier entschlossen hat, in der Kirche gleiches Nahmens eine neue der Größe der Kirche besser angemessene Orgel verfertigen zu lassen; so hat sie den Herrn N. N. von N. hierher berufen, um theils die alte zum Gottesdienst nicht mehr zureichende Orgel ihm um einen billigen Preis zu verkaufen, theils mit ihm einen aufrichtigen und redlichen Akkord für die neu zu verfertigende Orgel abzuschließen, und das Weitere dießfalls mit ihm abzureden. Wenn man nun zuvörderst in Ansehung der Disposition sich vereinigt, und nach tüchtig und untadelhafter Stellung des Orgelwerks mit Herrn N. N. zu den <105, 396> bey jedem besondern Theil ausgeworfenen Preisen vereinigt, deren ganze Summe sich, wie unten zu ersehen, auf Rthlr. beläuft, dieser dagegen das alte Werk, wie es dermahlen dasteht, und noch so lange von der Gemeinde gebraucht wird, bis die neue aufgerichtet wird, sammt Blasbälgen und Zugehör um Rthlr. angenommen, welcher Betrag einst an der erstern Summe abgezogen wird: so hat man für nöthig erachtet, diesen Akkord zu Papier zu bringen, und darin alles specifice zu verzeichnen, was und wie Herr N. N. Alles und Jedes zur neuen Orgel zu liefern und zu völligem Gebrauch zu stellen habe.

Da die Gemeinde übernommen, das Orgelgehäuse, doch nach dem von Herrn N. N. genommenen genauesten Maßstab und verfertigtem Risse hierüber, durch den Schreinermeister N. verfertigen zu lassen, so wurde Herr N. N. dießfalls noch einmahl erinnert und befragt, damit kein Irrthum noch Fehler geschehen möge, ob Herr N. N. bey dem übergebenen Maß und Zeichnung beharre, und Schreinermeister N. nach diesen das Gehäuse, Thüren und Füllungen bearbeiten könne, und nachdem Kontrahent dieses abermahl bejahet, dem Schreiner die Zeichnung und Maßstab wirklich zugestellt.

Hierauf vereinigte man sich mit Herrn N. N. über die ihm zukommenden eigenen Arbeiten folgendermaßen:

1) Verspricht Herr N. N. die Orgel auf Kammerton zu stimmen, zu welchem Ende man nach vorliegenden Kircheninstrumenten zwey Stimmpfeifen gestellt, und den Ton kenntlich abgezeichnet, davon die eine der Organist Herr B. und die andere der Verfertiger zu Handen genommen.

2) Die drey Klaviere, ohne Auslassung einer Taste bis ins dreygestrichne d, also von ein und funfzig Tasten, nicht von schwarz gebeitztem, sondern von schönem Ebenholz und wahrem Elfenbein zu verfertigen, die bemerkten Tasten mit Schräubchen zu versehen, damit diese, wenn wider Verhoffen die Witterung eine Ungleichheit veranlassen sollte, alle drey Klaviere dadurch in der Gleichheit erhalten werden können.

3) Das Pedal, ohne Auslassung einer Taste, vom tiefen c bis ins eingestrichene c, also zwey völ<105, 397>ligen Octaven, von hartem Holz, so einzurichten, daß die Tasten nicht zu weit noch zu eng an einander liegen, und diese bey leichtem und schnellem Tritt die Ventile voll aufziehen, und solche Tasten, was die halben Töne betrift, nicht geleimt, sondern aus einem Stück zu verfertigen; für welche drey Klaviere und Pedaltasten ihm sodann Rthlr.

bezahlt werden.

4) Verbindet er sich, die Registerzüge so einzurichten, daß sie die in den Windladen laufenden Registerschleifen leicht und genau aufziehen, damit ihre vollen Löcher unter die der Pfeifenstöcke kommen; die Knöpfe der Register von schwarz gebeitztem harten Holz zu verfertigen, die Nahmen der Register aber auf in sie eingelassenes englisches Zinn zierlich graviren, und die ins Hauptmanual gehörigen mit Zinnober roth, die zum obern Werk schwarz, die ins untere Werk grün, die in das Pedal aber gelb einschmelzen zu lassen; die Registerzüge dem Organisten bequem und so zur Hand zu richten, daß die zu einem Klavier gehörigen, obschon auf beyden Seiten vertheilt, doch so bey einander stehen, daß das obere Werk oben, das Hauptwerk in der Mitte, das untere besser herunter, dergestalt zusammengestellt werden, daß die scharfen Register zu jedem Klavier immer zur rechten Hand beysammen stehen, damit der Organist sie jedesmahl schnell ziehen und wieder abstoßen möge, das sich auch von den Pedalregistern versteht; für welche Registerzüge im Ganzen ihm verwilligt worden Rthlr.

5) In Ansehung der Bälge bleibt Herrn N. N. überlassen, wie viel er deren für das ganze Werk zu hinlänglichem und stätem Winde nöthig finde, desgleichen, ob er Falten= oder Spanbälge machen wolle; verspricht aber, hierzu dürres gesundes Holz und dauerhaftes Leder zu nehmen, die Blätter sorgfältig mit warmem Leim auslaufen zu lassen, überall, wo es nöthig ist, mit Roßadern tüchtig und dauerhaft zu verwahren, damit die Bälge auf lange Zeiten tüchtig und dauerhaft bleiben mögen. Wofür ihm überhaupt Rthlr accorditt werden.

6) Mit den Windkanälen versichert Herr N. N. gleiche Vorsicht zu nehmen, und erhält dafür Rthlr.

<105, 398>

7) Hat er das Angehänge mit Messingdraht zu versehen, für welches, sammt dem Angehänge von zähem Holze, ihm Rthlr. zugesagt sind.

8) Die Wellaturen bestens und leicht beweglich zu machen, daß dadurch, wie auch durch die Ventilfedern, die Klaviere leicht zu spielen werden, und bleibt ihm überlassen, ob er diese von Holz oder Eisen machen will; wofür ihm Rthlr. bezahlt werden.

9) Sämmtliche Windladen auf das meisterhafteste und in gehörige Größe zu machen, damit das Pfeifenwerk nicht zu eng darauf zu stehen komme, auch solche Einrichtungen zu treffen, daß man überall bequem zu den Pfeifenstöcken und den Pfeifen selbst kommen könne; wie man denn sich auch zu Herrn N. N. versieht, daß man bey keiner Windlade einiges Durchstechen bemerke; für welche vier Windladen, sammt den Windkästen, er sodann zu empfangen hat Rthlr.

10) Selbst die Pfeifen der mehrfachen Register sollen so aus einander stehen, daß keine die andere anblase.

11) Die Windkästen mit warmem Leim sorgfältig auszustreichen, die in diese laufenden Windkanäle fleißigst zu verwahren, und die Sponden oder Windkästen bestens einzupassen, und sie außerhalb mit eisernen kleinen Riegeln zu verwahren, damit sie leicht herausgenommen, und wieder gut verriegelt werden können.

12) Damit nun weder die Gemeinde in Ansehung des Pfeifenwerks von Zinn und Metall, deren Gewicht, demnach auch der Preis der Register unmöglich zu bestimmen ist, noch der Herr Verfertiger zu Schaden komme, noch das Pfeifenwerk zu dünn, noch die Materie des Metalls zu schlecht ausfallen möge, so ist man von Seiten beyder Contrahenten übereingekommen, daß dem Herrn N. N. von sechzehnfüßigen Registern von fein reinem englischen Zinn, und zwar

von den zwey untern Octaven für das Pfunf ganz fertiger Pfeifen,

von den zwey obern Octaven aber

von achtfüßigen Registern von den zwey untern Octaven

<105, 399>

von deren zwey obern Octaven aber

bezahlt werden soll. Von den metallenen Registern hingegen, das auf das Pfund Material aus zwanzig Loth feinen englischen Zinn und zwölf Loth Bley und Markasit bestehen soll, von sechzehnfüßigen Registern

die zwey untern Oktaven das Pfund fertiger Pfeifen mit

die obern Oktaven aber mit

von achtfüßigen Registern die zwey untern Oktaven mit

die obern zwey Oktaven aber mit

von vier und zweyfüßigen Registern aber durch die Bank mit bezahlt werden sollen.

Damit aber die Gemeinde überzeugt werden möge, daß, obwohl man auf die Rechtschaffenheit des Herrn N. N. ein volles Vertrauen setzt, sie reines englisches Zinn und contractmäßiges Metall erhalte, so soll Herr B. als Contrahent im Nahmen der Gemeinde bey dem Schmelzen des reinen englischen Zinns und bedungenen Metalls Augenzeuge seyn, von ersterer Gattung eine ganz fertige polierte, und von der andern eine ganz fertige unpolierte Pfeife zu Handen nehmen, damit man nach diesen die Richtigkeit der versprochenen Materie wenigstens nach dem Aeußerlichen beurtheilen möge, da es Herrn B. nicht möglich ist, bey dem Gießen und Hobeln der Blätter beständig gegenwärtig zu seyn.

Zu diesen vorangesetzten Preisen verspricht nun Hr. N. N. folgende Register in ächtem Materiale fein und wohl verfertigt nach dem Gewicht zu liefern:

1) Zum Hauptmanual.

1) Ein Prinzipal, sechszehn Fuß Ton von reinem englischen Zinn, mit aufgeworfenen Labien, polirt, ins Gesicht, von weiter Mensur
wogen die zwey untern Octaven Pf.    à     beträgt Rthlr.
die zwey obern Pf.     à     Rthlr.
2) Eine Octave, acht F. T. von Metall, weiter Mensur,
wogen die zwey untern Octaven Pf.     à     Fl. Rthlr.
die zwey obern Pf.      à Fl.      Rthlr.
<105, 400>
3) Eine Octav, vier F. T. wog Pf.       à Fl.     Rthlr.
4) Eine Quint, drey F. T. wog Pf.       à Fl.     Rthlr.
5) Eine Mixtur, sechsfach, vier F. T. von Metall, die drey untern Octaven repetirend, die Töne c c g c e c. wog Pf.      à      Kr.
6) Eine Quintatöne, acht F. T. von Metall, die zwey untern Octaven wogen Pf.       á     Rthlr.
die zwey obern Pf.      á       Rthlr.
7) Eine Spitzflöte, vier F. T. von Metall, wog Pf.       à       Rthlr.
8) Eine Viola da Gamba, acht F. T. von Metall,
die zwey untern Octaven wogen Pf.       à       Rthlr.
die zwey obern Pf       à       Rthlr.
9) Rohrflöte, acht F. T. von Metall,
die zwey untern Octaven wogen Pf.     à     Rthlr.
die zwey obern Pf.       à      Rthlr.
10) Kornett, fünffach von Metall, vier F. T. die größeste, die zwey Octaven im Baß bis zweygestrichen c repetirend, und die vierte Octav verjüngt, also zwey Pfeifen vier F. T. zwey 2 F. T. und eine 1 F. T. enger Mensur, wogen Pf.      à Kr.      Rthlr.
11) Trompete, acht F. T. von Metall, welche Hr. N. N. nach seiner Kunst im Klang wahren Trompeten gleich zu liefern verspricht,
die untern zwey Octaven wogen Pf.      à Kr.       Rthlr.
die zwey obern Pf.       à       Rthlr.
für das Zungenwerk   Rthlr.
12) Ein Gemshorn von Metall, vier Fuß Ton, Pf.     à      Rthlr.
13) Ein Fagott, acht F. T. zwey Octaven im Baß, sodann von g bis oben hinaus eine Oboe, ebenmäßig acht F. T. doch nach Proportion des den Fagott aufnehmenden Tons, von Metall,
für das Zungenwerk des Fagotts,   Rthlr.
für das der Oboe,   Rthlr.
die Körper vom Fagott wogen Pf.      à     Rthlr.
<105, 401>
von der Oboe, Pf.       à       Rthlr.
14) Bordun, sechszehn F. T. weiter Mensur, von Tannen= aber inwendig mit warmem Leim wohl verstrichenem Holz, für     Rthlr.
15) Gedakt, enger Mensur, acht F. T. von hartem Holz, für    Rthlr.
16) Flöte, vier F. T. von hartem Holz, unten enger oben weiterer Mensur,    Rthlr.

2) Zum obern Klavier.

1) Ein Prinzipal, acht Fuß Ton, wie das im Hauptmanual beschriebene, etwas engerer Mensur,
die zwey untern Octaven wogen Pf.     à Fl.      beträgt     Rthlr.
die zwey obern Octaven, Pf.      à      Fl.   Rthlr.
2) Eine Octav, vier F. T. von Metall, etwas engerer Mensur, wog Pf.     à Fl.     Rthlr.
3) Eine Quinte, ein und einen halben F. T. von Metall, wog Pf. à Fl. 6. Rthlr.
4) Eine Mixtur, vierfach, von Metall, dreymahl zwey Fuß Ton, repetirend, die Töne sind c g c e, wog Pf.     à Fl.     Rthlr.
5) Cymbel, zweyfach, im Baß, vier und zwey F. T. bis eingestrichen c repetirend, und sodann bis oben hinaus verjüngt, von Metall, wog Pf.     à Fl.      Rthlr.
6) Salicional, vier F. T. von Metall, wog Pf.     à Fl.     Rthlr.
7) Flute traversiere, acht F. T. von Metall, wog Pf.     à Fl.     Rthlr.
8) Krummhorn, acht F. T. von Metall, das Zungenwerk,   Rthlr.
die Körper wogen Pf.     à Fl.     Rthlr.
9) Trompete, vier F. T. von Metall, mit der Bedingung wie im Hauptmanual,
für das Zungenwerk,   Rthlr.
für die Körper, wogen Pf.     à     Rthlr.
10) Gedakt, acht F. T. von hartem Holz, enger Mensur, für   Rthlr.
11) Spitzflöte, zwey F. T. von Metall, wog Pf.     á     Rthlr.

<105, 402>

3) Zum untern Klavier.

1) Prinzipal, vier F. T. wie die schon bemerkte verfertigt, wog Pf.     à     Rthlr.
2) Octav, zwey F. T. von Metall, Pf.
3) Nasatt, ein und einen halben F. T. von Metall, Pf.     à     Rthlr.
4) Mixtur, dreyfach, zwey F. T. repetirend bis zweygestrichen c, und sodann verjüngt, die Töne sind c g e. wog Pf.     à     
5) Nachthorn, acht F. T. von Metall,
die zwey untern Octaven wogen Pf.     à     Rthlr.
die zwey obern, Pf.     à     Rthlr.
6) Salicett, vier F. T. von Metall, Pf.     à     Rthlr.
7) Rohrflöte, vier F. T. von Metall, Pf.     à     Rthlr.
8) Flageolett, zwey F. T. von Metall, Pf.     à     Rthlr.
9) Vox humana, acht F. T. von Metall, von welcher man erwartet, daß sie die möglichste Nachahmung leiste,
   für das Zungenwerk,   Rthlr.
für die Körper, Pf.     à     Rthlr.
10) Gedakt, acht Fuß Ton, von hartem Holz,   Rthlr.

4) Zum Pedal.

1) Prinzipal, sechszehn F. T. von englischem Zinn, wie im Manual, ganz weiter Mesur, wog Pf.     à     Rthlr.
2) Subbaß, von Holz, mit Leim wohl ausgestrichen, zwey und dreyßig F. T. offen, wenn es der Raum gestattet, oder gedeckt, im Fall die Höhe fehlt, weiter Mensur,     Rthlr.
3) Octavbaß, acht F. T. von Metall, weiter Mensur,
wog die untere Octav, Pf.     à     Rthlr.
die obere, Pf.     à     Rthlr.
4) Violonbaß, sechszehn F. T. enger Mensur, offen, von mit Leim wohl ausgestrichenem Holz,     Rthlr.
<105, 403>
5) Nachthorn, acht F. T. von Metall,
die untere Octav wog Pf.     à     Rthlr.
die obere, Pf.     à     Rthlr.
6) Quinta, sechszehn F. T. von Metall, Pf.     à     Rthlr.
7) Mixtur, achtfach, vier F. T. repetirend, die Töne sind c c. g. c c. e. g. c. wog Pf.    à     Rthlr.
8) Bombarda, sechszehn F. T. oben weit, von Holz,
für das messingene Zungenwerk,     Rthlr.
für die hölzernen Körper,     Rthlr.
9) Posaunenbaß, sechszehn F. T. von Metall, oben weit,
für das Zungenwerk,   Rthlr.
für die Körper, wogen Pf.     à     Rthlr.
10) Fagott, acht F. T. von Metall, angenehm und nicht flatternd,
für das Zungenwerk,   Rthlr.
für die Körper, wogen Pf.     à     Rthlr.
11) Gemshorn, acht F. T. von Metall,
die zwey untern Octaven wogen Pf.     à     Rthlr.
die zwey obern, Pf.     à     Rthlr.
12) Bauernflöte, vier F. T. von Metall, wog     Pf.     à Rthlr.

13) Alle Pfeifen müssen den Registern nach gleiche Intonation haben; die Zungenwerke nach der Natur des Registers klingen; keine zinnerne oder metallene Pfeife darf eingebogen, alle sollen in gleicher Stärke rein gestimmt, die Temperatur so gemacht werden, daß sich in keinem Ton ein Wolf zeige; alle Pfeifen wohl gelötet, die großen mit starkem Haft versehen werden, und wo eine oder die andere dumpf tönen und die gehörige Intonation nicht annehmen wollte, will sich Herr N. N. gefallen lassen, sie zurück zu nehmen, und eine gute dafür einzusetzen.

14) Verspricht Herr N. N. zu den Registerzügen eine Pedalkoppel zu verfertigen, die das Manual mit dem Pedal verbindet, ohne eine Taste des Manuals niederzudrücken; wofür ihm akkordirt worden, Rthlr.

<105, 404>

15) Eine Zugkoppel der Klaviere zu machen, mittelst welcher nach Belieben des Organisten zwey oder auch alle drey Klaviere zusammen gekoppelt werden können, ohne daß der Organist sehr schwer zu spielen habe, oder befürchten müßte, daß die Tasten stecken bleiben, welches alles seinem, des Herrn N. N. Fleiß und Geschicklichkeit überlassen bleibt; wofür er empfängt Rthlr.

16) Einen Tremulanten in den Hauptkanal zu bringen, der eine angenehme Schwebung veranlasse, und kein Gepolter noch Erschütterung der Bälge verursache; wofür er zu empfangen hat Rthlr.

17) Einen Kalkanten=Glockenzug zu verfertigen, für Rthlr.

18) Die Kanalventile so sorgfältig und fleißig zu machen, daß immer der zuerst niedergetretene Balg den Kanal anfülle, folglich kein anderer Balg sich rühre, bis sich dieser ausgeleert habe.

19) Sobald Herr N. N. die Temperatur zu machen anfängt, wird ihm von Seiten der Gemeinde ein Kalkant zugegeben, und bis nach vollendeter Stimmung aus dem Kirchenärario bezahlt.

20) Ehe Herr N. N. nach der Temperatur fortstimmt, soll diese Temperatur von Herrn B. Organisten der Kirche, völlig approbirt seyn, und dann erst mit der Stimmung fortgefahren werden.

21) Die Gemeinde läßt alle zur Orgel gehörige Stücke auf ihre Kosten zur Stelle bringen, dagegen geht die Gefahr auf den Herrn Verfertiger, der sie zur Fuhr besorgt.

22) Im Fall in diesem Kontrakt etwas zum Nachtheil des Herrn N. N. sollte vergessen worden seyn, oder sich Umstände ergeben, die ihm besondere hier nicht bestimmte Arbeiten veranlassen sollten, so wird man sich von beyden kontrahirenden Theilen hierüber besonders vergleichen, und allen Schaden oder mehrere Arbeit besonders vergüten. -- Dagegen man sich

23) Auch zu ihm versieht, daß er nach geschehener Untersuchung seiner Arbeit alles das, was die Herren Prüfer tadelhaft finden sollten, willig zurücknehmen, oder verbessern werde.

24) Was noch ein oder dem andern Theil, die sem Kontrakt mit beyderseitiger Bewilligung beyzu<105, 405>fügen, einfallen sollte, soll eben die Kraft als dieser Kontrakt selbst haben.

25) Zur Festhaltung beyderseitigen Verbindungen und genauer Befolgung dieses Akkords dem ganzen Inhalt nach, haben sich beyde kontrahirende Theile, nähmlich von Seiten der Gemeinde Herr B. unter Bekräftigung der Herren Gemeindevorsteher und hierzu verordneten Deputirten, wie auch der Herr Verfertiger, eigenhändig unterschrieben, und zwey gleichlautende Exemplare ausgefertigt. So geschehen in C. den ten 180.

Die Besteller:                    Der Verfertiger.
--  --  -- --  --  --  --
--  --  --

Auf eine ähnliche Art contrahirt man auch mit den Orgelbauern wegen Reparaturen alter Orgeln, wobey man die alten abgängigen Pfeifen dem Orgelbauer gewöhnlich käuflich überläßt. Wer ein Schema eines solchen Contracts zu sehen wünscht, den muß ich der Kürze wegen auf des Herrn Ernst Ludwig Deimling' s unten genanntes Werk *

*
Beschreibung des Orgelbaues und der Verfahrungsart bey Untersuchung neuer und verbesserter Werke; ein Buch für Organisten, Schulmeister und Ortsvorgesetzte. Ossenbach bey Brode 1792. 216 S. 8.

verweisen, welches über viele, die Orgeln betreffende Gegenstände sehr nützliche Belehrungen gibt, und dem ich in Ansehung des obigen auch gefolgt bin.

Des Herrn Abt Vogler' s Simplificationssystem.

Im Artikel Pfeil-IconOrchestrion, oben, Pfeil-IconS. 214. ist schon bemerkt worden, daß der Herr Abt Vog<105, 406>ler von dem von ihm erfundenen Orchestrion Veranlassung genommen habe, auf eine Verbesserung der Orgeln zu denken. Von diesen Verbesserungen, die in den letzten Jahren viel Aufsehen gemacht haben, weil Vogler und seine Freunde sie so ungemein rühmten, muß ich nun auch noch etwas sagen. Ueberhaupt rühmt man, daß dadurch 2/3 der Kosten ganz erspart werden, welche eine sonstige Orgel etwa von der Wirkung erforderte, und daß die Orgel durch verschiedene neue Einrichtungen dabey noch bisher ganz unbekannte Vorzüge erhalten. -- Der Herr Abt Vogler hat sich über sein Simplificationssystem bisjetzt noch nicht ausführlich erklärt. Was man im Publicum davon weiß, sind kurze Nachrichten, die hier und da in periodischen Blättern vorkommen. Nachfolgendes gibt ungefähr eine Uebersicht dessen, was man nach Vogler' s Aeußerungen von diesem Simplificationssystem zu erwarten hat.

Der Erfinder verwirft die Gesichtspfeifen, und läßt dem Baumeister freye Hände, der Kirche eine erhabene Verzierung zu geben, die ein Ganzes vorstellt, die Orgel mit dem Altar, Predigtstuhl u. s. w. in Verbindung bringt, und den Pfeifen die nähmliche Ordnung zuläßt, welche die Tangenten auf der Klaviatur haben, statt daß jene vorher, dem Auge zu gefallen, der Symmetrie nach gereihet, aber der Tonleiter zuwider, zerstreuet da standen, so, daß das Ohr schwerlich eine Meinung zusammenfassen konnte. Nebst der Deutlichkeit, die eine solche natürliche Pfeifenstellung gewährt, wird auch die Regierung (die allgemeine Mechanik) viel einfacher; der Wind wird weniger getheilt, gerader zugeführt; die Windlade näher angerückt, leichter <105, 407> gefüllt, der Pfeifenstock reichlicher versehen, der Anschlag für den Spieler gemächlicher, und mit Ausschließung von allem Klappern geläufiger; der klingende Körper, nähmlich das Pfeifenchor, in einem Schrank eingeschlossen, sein vereinter Laut in die Höhe geleitet, dadurch mehr Stärke erzwungen, und der Orgel das rauhe benommen, überhaupt aber das ganze Werk gegen Feuchtigkeit und Staub verwahrt, welche Einrichtung auch der Orgel eine weit längere Dauer zusichert, als bey der gewöhnlichen Anlage möglich war. Um mit dieser einleuchtenden Simplicität eine größere Mannigfaltigkeit zu verbinden, richtet man sich in der Wahl der Stimmen, ihrer Größe und ihrer Wohlklänge 1) nach der Qualität des Klanges, z. B. Prinzipal, Flöte=, Gamba= oder Trompetenregister, 2) nach der Quantität des Tons, z. B. 16 Fuß, 8 Fuß u. s. w. 3) nach der Relation der harmonischen Beytöne, nähmlich Quinten= und Terzenregister; man sucht die ausgezeichnetsten Stimmen auf, setzt aber nie zwey von der nähmlichen Qualität und Quantität, d. i. von gleichem Klang und gleichem Fußmaß, vielweniger dieselbige Quint oder Terz, die zur Ausfüllung dient, zweymahl; dann hört das Schwirren der unnöthigen Einklänge, der unbedeutenden Mixturen auf, der Klingklang der Cymbeln, das Zwitschern der kleinen Pfeifchen, z. B. drey 64tel Fuß fällt weg; denn kleiner als ein 6tel Fuß wird keine Pfeife zugelassen, hierdurch aber die reine Stimmung erleichtert, eine Temperatur eingeführt, die mit der Charakteristik der Töne übereinstimmt, eine Deklinationslinie in die Höhe gezogen, nach welcher die Ausfüllungsstimmen, nähmlich Quint= und Terzregister, und <105, 408> Superoctav 2 Fuß, in demselbigen Verhältniß, als die acht= und 4füßigen Stimmen, allmählig schneidender werden, auf verschiedenen Tasten aber immer mit ein 6tel aufhören. Wenn man zu dieser Einschränkung von Registern und Pfeifen, die Ersparung der kostbaren Gesichtspfeifen rechnet, und die Erfindung vom dritten Klang, den die Natur beyfügt, in Anschlag bringt, nähmlich daß die nach der Vorschrift des Abts eingerichtete Trias harmonica, da wo nur 8füßige Register sind, 16 Fuß Ton, wo 16füßige Register sind, 32 Fuß Ton hören lasse: so ergibt sich, daß 1200 gewählte mittelmäßig große Pfeifen mehr Stärke und Mannigfaltigkeit gewähren können, als sonst 3000 und mehrere, und kaum ein 3tel vom gewöhnlichen Aufwande erfordert wird. Diese edle Einfalt in der Anlage begünstigt auch noch folgende drey Feinheiten und Modifikationen, die man, nach dem englischen im Orgelbau schon angenommenen Kunstworte, Svel, (vom Aufschwellen des Tons) Schweller nennt: 1) Thüren= oder Dachschweller, der das Dach öffnet und schließt, hierdurch dem ganzen sonst so unbiegsamen Werke ein piano, crescendo forte und diminuendo verschafft, und wenn er nach der neuen Art bekleidet wird, den ton gleichsam verdunkeln und wieder aufhellen kann. 2) Windschweller, der den Orgelspieler in den Stand setzt, seinen Pfeifen den Wind willkührlich vorzumessen. 3) Progressionsschweller, der in einer mathematischen Folge harmonischer Antheile bald Register zusetzt, bald wegnimmt, und ein nie gekanntes crescendo und diminuendo hervorbringt. Dieses Simplifikationssystem hilft durch kleine mechanische Kunstgriffe, und durch Pfei<105, 409>fenversetzung auch alten Orgeln auf; so hat z. B. der Abt Vogler zwey Orgeln in Koppenhagen in 18 Tagen verbessert, und die Orgel des Königs in 3 Stunden ganz umgeschaffen. *

*
S. Allgem. musikalische Zeitung. Leipz. 1799. No. 26.

Um sich noch eine richtigere Idee von der Vogler'schen Methode, Orgeln zu verbessern, machen zu können, muß ich hier nun noch eine Nachricht über die Umschaffung der hiesigen Marienorgel mittheilen, welche vor 6 Jahren auf einem einzelen Blatte erschienen ist. Diese Nachricht lautet wörtlich so:

Ueber die Umschaffung der St. Marien=Orgel in Berlin, nach dem Vogler'schen Simplifikations=System, eine Nachahmung des Orchestrion in Rücksicht auf Stärke, Würde, Mannichfaltigkeit, Feinheit, Deutlichkeit, Reinheit und Dauer.

Diese Orgel hatte 2556 Pfeifen: 1555 Pfeifen, theils winzige, die unverständlich zischen, theils größere von einer und derselben Qualität und Quantität, die den Wind schwächen, sind herausgenommen; dahingegen tiefere zur Trias harmonica 16 und 32 Fuß geeignete Stimmen eingesetzt, und um jedem Manual seine harmonische Selbstständigkeit zu gewähren, um mit keinem unnützen Dubblet die Pfeifenstöcke oder Wind=Kondukten zu belästigen, gehörig vertheilt und gereiht worden. Durch diese Vereinfachung hat der Wind an Kraft, jede Pfeife an Stärke, die harmonische Relazion an Unterstützung, der Ton an Würde, die Manuale und das Pedal an Stimmenmischung, das Ganze an Mannichfaltigkeit gewonnen. Zur vollen, noch auf keiner Orgel in Berlin gehörten Stärke, braucht man, wenn die drey Manuale zusammengekoppelt werden, nicht mehr als 695 Pfeifen von 18 mit * bezeichneten Stimmen. Statt 8 Registern erhält das Pedal 25; weil es nebst den 6 eigenen noch an 19 Manual Registern Theil nimmt. Mit 1001 Pf. und bloß 16füßigen Stimmen wird ein 32 Fuß Ton vom C bis zum ,,,c durchgeführt, (die neuverbesserten Orgeln in <105, 410> Kopenhagen, und die neuerbaute in Norrköping in Schweden ausgenommen) der einzige in Europa; denn sobald der Tasten c seine nahgelegene Terze 3 1/5 (von der Terzflöte im Hauptmanual) erhält, die das Fünftel zum Ganzen ist; so wird nach akustischen Grundsätzen der Natur der dritte Klang entlockt, der zum harmonischen Antheil ertönt, wie das Ganze zum Fünftel: 5 × 3 1/5 = 16; klingt aber bey c (sonst 4 Fuß) das ,C 16 Fuß in der Luft mit: so rechnet man das C 32 Fuß. Dies wird durch die Personifizirung des Schwingungstheils beym ,G 10 2/3 zum Tasten ,C noch deutlicher; denn die große Quinte ist das Drittel zum Ganzen, und erzeugt, mit dem 16füßigen ,C gepaart, den Ton ,C 32 Fuß: 3 × 10 2/3 = 32. Es kommt also beym vollen Werk zum Tasten C die Quint 32f., zum c die Terz 32f. und zum ,c die Octav (ein neuer Dulcian) 32füßig. *

*
Statt, daß bisher der 32, 16, 8 und 4füßige Priazipal im Gesichte bestimmen sollte, was eine ganze, drey Viertels, halbe, und Viertelsorgel sey, würde man viel richtiger die Trias harmonica 32, 16 und 8 Fuß zum Maßstab wählen.

Beym Tasten C fängt die Trompete 8 Fuß an, beym c die 8füßige Vox humana im Verhältniß von 16 Fuß, beym ,c der 8füßige Dulcian im Verhältniß von 32 Fuß. Das Hauptmanual hat eine Trias harmonica 32 Fuß. Das Untermanual 16 Fuß. Das Obermanual 8 Fuß. Im Hauptmanual ist die Superoctav ,c, im Obermanual die Terz ,e, im Untermanual die Quint ,g, die kleinste Stimme.

Die Feinheit besteht in Thüren= und Windschwellern, die vom Untermanual, wo die harmonische Relazion durch vier neue Glieder mehr Ausdehnung gewonnen hat, auf alle Register eine dem bisher unbezähmbar geschienenen Instrumente ganz fremde Modifikazion von piano, crescendo und diminuendo bringen, da beym Gebrauch des Windschwellers der Ton wie ein Licht ausgeblasen werden kann. Drey Züge 1) für einen sogenannten Jalousie=Laden, der das Untermanual wechselsweise einschließt, 2) für <105, 411> eine Zugbrücke, die in den Windkanal eingreift, und 3) für einen Tremulanten, dessen Schlag vom Allegro zum Adagio zurückweicht und endlich erstirbt, oder von der größten Mattigkeit in das Lebhafte übergeht, gewähren dieser Orgel in Rücksicht auf Feinheit den Vorzug vor den bisherigen Orgeln Deutschlands.

Alle Orgeln haben in Ansehung der Mixtur=, Scharf= und Cymbelregister, entweder den Fehler, daß sie repetiren, und das Werk undeutlich wird, oder, wenn sie durchgeführt sind, unerträglich schwirren, den Spieler betäuben, und die Harmonie verderben. Sobald ein Deklinazions=Kontroll die Verstärkungs= und Redukzions=Linien zieht, tritt Deutlichkeit an die Stelle des Wirrwarrs. Die Verstärkungslinie besteht nebst obigem Zuwachs der Glieder zum Dreyklang 32 Fuß bey den Tasten C c ,c, auch darin, daß den zur harmonischen Relazion geeigneten (vorzüglich) Terz= und Quint=Registern in der Tiefe gedeckte Pfeifen, dann offene Holzpfeifen, und endlich zinnerne Prinzipalpfeifen angewiesen werden; die Redukzionslinie darin, daß im zurückgängigen Verhältniß mit voriger, einzelne Stimmen, deren erste Pfeife kleiner ist, als 4 Fuß, allmählig aufhören, so wie die 8 und 4füßigen Stimmen sich dem Tone nach pyramidalisch spitzen und schärfer werden, und daß nur die 4füßigen Register den Tasten ,,,c erreichen; dann läßt man in der Orgel keine kleinere Pfeife zu, als 1/4 Fuß, statt, daß es, wie bey Sifflet 1 Fuß zu den Tasten ,,,e ,,,f, Pfeifchen 3/64 oder 1/22 Fuß gibt.

Dieser Redukzionslinie zu Folge hört
O. 4 c zu C beym ,,,c mit ,,,,c 1/4 Fuß auf,
T. 3 1/5 e -- -- ,,as -- und hat 4 Töne weniger.
Qu. 2 2/3 g -- -- ,,f -- 7 -- --
O. 2 ,c -- -- ,,c -- 12 -- --
T. 1 3/5 ,e -- -- ,as -- 16 -- --
Q. 1 1/3 ,g -- -- ,f -- 19 -- --

<105, 412>

Merkwürdig ist, daß in den alten Orgeln, wie in der hölzernen aber vortrefflichen, von Esaia Compenio im Jahre 1612 für den Landgrafen von Hessen erbauten Orgel, die im Jahre 1616 an den König von Dänemark geschenkt, und im Jahr 1798 in Friedrichsberg (eine Viertelmeile von Kopenhagen) vom Abt Vogler verbessert worden, keine Mixtur sich vorfindet, daß man seit 188 Jahren den Wust von unbedeutenden Pfeifchen zugesetzt hat, wovon man jetzt die Orgeln wieder zu reinigen sucht.

Die Octavregister können der Temperatur so wenig entbehren, als Terz= und Quintregister sie dulden; weil e und g im Prinzipal ganz anders stimmen müssen, als z. B. im Cornet in der Eigenschaft von Terz und Quint: deßwegen geht alle Reinheit verlohren, sobald 2 Terz= oder 2 Quintregister von derselben Quantität eingeführt werden. Um den sogenannten Wolf zu vermeiden, der bey den falschen Terzen g zu Dis, (hauptsächlich c zu Gis) vorkommt, hat man mehr es als dis, mehr as als gis, und die Terzen fis und dis zu den scharfen Tönen D und H etwas schärfer gestimmt; weil die gleichschwebende Temperatur ein Hirngespinst bleibt, und die karakteristische Temperatur die zweckmäßigste ist.

Vermittelst der Beyseitigung kleiner, eben so wenig stimmbaren als verständlichen Pfeifen wird diese Orgel ferner leichter in der Stimmung und Reinheit unterhalten, und ihr mehr Dauer gesichert.

Kann aber bey einem alten Werk eine solche Umschaffung statt finden: was würde man nicht bey der ersten Anlage einer neuen Kirchenorgel gewinnen, wenn die kostspieligen und Mechanik erschwerenden Gesichtspfeifen wegblieben? Wenn an jede Pfeife die gewissenhafte Frage erginge, was leistest du allein? Was trägst du zum Ganzen bey? Sollte man nicht mit einem Fünftel oder mit noch weniger vom gewöhnlichen Aufwande einen solchen allumfassenden Instrumentalchor (Orchestrion) herstellen können, der alle die bestehenden Orgeln an Stärke, Würde, Mannichfaltigkeit, Feinheit, Deutlichkeit, Reinheit und Dauer übertreffen dürfte?

Man sehe auch noch die anliegende Tabelle A.

[Anmerkung zu elektron. Version: eingeklebte Tabelle zwischen den Seiten 412 / 413]

Pfeil-Icon[Tabelle 1 in Orgel]

<105, 413>

So vortheilhaft diese nach des Herrn Abt Vogler' s Methode mit den Orgeln vorgenommenen Veränderungen zum Theil nun auch seyn mögen, so wird es doch niemand in Abrede seyn, daß manche von diesen neuen Anordnungen wohl nicht das unbedingte Lob verdienen, mit dem sie von Vogler und seinen Freunden belegt werden. Um sich nicht zu voreilig und zu sehr für eine Sache einnehmen zu lassen, muß man auch die Gegner derselben hören und dann prüfen, wie viel Gutes etwa übrig bleibt. -- Ein hiesiger geschickter Orgelbauer, der Herr Friedrich Marx, dem die Voglerschen Angaben zu auffallend zu seyn schienen, hat die Sache etwas genauer untersucht, und seine Meinung in einer kleinen Schrift *

*
S. Ueber die mißlungene Umschaffung der St. Marien=Orgel in Berlin, nach Abt Vogler' s Angabe. Berlin bey Starke. (1801) 1 Bog. in 8.

dem Publikum vorgelegt. Der Herr Marx ist der Meinung, daß allerdings in den alten Orgeln sich viel Ueberflüssiges finde, und daß sich besonders in der Anlage und Maschinerie überhaupt manches vortheilhafter einrichten lasse; allein, daß die mit der hiesigen Marienorgel vorgenommenen Veränderungen alles das Lob verdienen, welches der Urheber dieser Umschaffung ihnen beylegt, -- davon kann er sich nicht überzeugen. Er sagt unter andern in der angezeigten kleinen Schrift:

Dieses Werk wurde im Jahr 1728 von dem geschickten Künstler Joachim Wagener erbaut und bestand aus 40 Stimmen. Diese Orgel nun, die jeder Kenner ein wahres Kunstwerk nennen mußte, sollte noch, wie man vorgab, verbessert werden, dadurch, daß man eine ansehnliche Menge von Pfeifen herausnehmen wollte. Hierdurch sollte die Wirkung des Werks nicht nur nicht geschwächt, sondern viel<105, 414>mehr (was am meisten für diesen Vorschlag einnahm) noch verstärkt werden. Diese Umarbeitung wurde also besonders zugelassen, weil man wirklich mit wenigen Stimmen mehr Stärke, Mannigfaltigkeit und dergleichen zu erlangen hoffte, als die Orgel vorher hatte.

Nun ließ man verschiedene Stimmen, große und kleine, ganz heraus werfen, und viele von denen, die man beybehielt, wurden theils eine Octave höher versetzt, theils wurden sie zu Quinten und Terzen verschnitten.

So verstümmelte man dieses alte, ehrwürdige Werk auf eine Weise, die jeden, der dasselbe schätzen konnte, sehr schmerzen mußte.

Das Hauptmanual bestand

vormahls jetzt
aus
Prinzip. 8' Prinzip 8'
Bordun 16' Bordun 16'
Cornett 5fach 2' Nassat 12'
Viol. d. gamb. 8' Octav 4'
Rohrflöte 8' Terz 3 1/5'
Oktave 4' Supr. oct. 3'
Spitzflöte 4'
Quinte 3'
Oktave 2'
Scharf fach 1 1/2'
Cimb. fach 1'
Trompete 8'
NB. Man vergleiche diese Angaben mit der Voglerschen, und bemerke, wie sehr selbige differiren.
Das Oberwerk
vormahls jetzt
Prinzip. 8' Prinzip. 8'
Quintad. 16' Quintad. 16'
Gedakt. 8' Rohrfl. 4'
Oktav. 4' Quint. 3'
Rohrflöte 4' Terz. 1 3/5'
Nassat. 3' Trompet. 8'
Supr. Okt. 2'
Terz. 1 3/5'
Sifflöt. 1'
Mixtr. fach 1 1/2'
Vox humana 8'
<105, 415>
Das Untermanual
vormahls jetzt
Quintad. 8' Nassat. 6'
Ged. Flöt. 8' Vogar. disc. 4'
Vogar. 8' Terz. 3 1/5'
Octav. 4' Waldflöte 2'
Waldflöte. 2' Quint. 1 1/2'
Octav. 2' Flagiol. 1'
Quint. 1 1/2' Vox humana 16'
Cimb. 3fach 1' Dulcian. disc. 32'
Echo stand hinter dem Klavier im Jalousie=Laden.
Pedal
vormahls jetzt
Prinzip. 16' Prinzip. 16'
Violon. 16' Gemshorn 8'
Gemshorn 8' Quintad. 4'
Quint. 6' Nachthorn 2'
Oktav. 4' Blockflöte 1'
Mixtur 6fach 2' Posaune 16'
Posaune 16'
Trompete 8'
NB. Bey Versetzung der Pfeifen ist von den großen die tiefe und bey den kleinern die letzte Oktave weggelassen.

Die herausgenommenen Pfeifen nannte man nun entweder winzige oder Doubletten, die durchaus nach der Umschaffung nicht Statt finden sollten. Allein, erhält man denn nicht auch Doubletten, wenn die Manuale und das Pedal gekoppelt werden? --

Wollte man ja die Doubletten absolut vermeiden, dann müßten alle Orgeln von gleicher Größe seyn, nähmlich 1' 2' 4' 8' u. s. w. und nun die hierzu passenden Quinten und Terzen; dies können aber nur wenige seyn, weil sonst das Ganze hierdurch schwirrend gemacht werden würde.

Ganz irrig, wenn man sich von der harmonischen Relation einer simpeln Orgel mehr als von einer vielfach zusammengesetzten verspricht, und wenn man glaubt, daß bey einem mittelmäßigen Werk (denn so kann ich dies Werk jetzt nur nennen) mehr Stimmenmischung, Mannigfaltigkeit und Stärke zu erhalten sey, als bey einem großen.

<105, 416>

Wäre dies Werk in Ansehung der Stimmen in der ersten Verfassung geblieben und hätte es bloß eine Pedalkoppel und ein Crescendo erhalten, so würde es an Stimmenmischung, Stärke und dergleichen gewonnen haben und die Kirche hätte nur 1/10 von den jetzigen unnützen Ausgaben nöthig gehabt, da jetzt, wenn dies Werk wieder in einen der Kirche angemessenen Zustand gesetzt werden soll, beynahe eben so viel erfordert wird. Eine alte Sache ist, daß eine Stimme bey jeder Octave, die sie höher gesetzt wird, immer eine Octave gegen die übrigen Stimmen tiefer wird. Was nützen aber solche Stimmen, und was nützt hier die Pedalkoppel, wenn Octaven an Stimmen fehlen, durch welche ein Werk an Würde gewinnen soll? Allerdings brauchen diese tiefern Octaven mehr Wind, und so würde also weiter nichts gewonnen, als daß der Kalkant die Bälge einigemahl weniger treten dürfte. Denn wegen der Stärke des Windes war es nicht nöthig, diese Octaven fehlen zu lassen, weil der Wind hierdurch nichts von seiner Stärke verliert, und um der Intonation und Stimmung schon, bey einer Stimme sowohl, als beym ganzen Werk gleich bleiben muß. Man belästige nur z. B. die Bälge einer Orgel mehr als vorher, so ist die Intonation und Stimmung weg, und so auch umgekehrt, wenn sie etwas von ihrer gewöhnlichen Last verlieren, so schadet beydes der Intonation und Stimmung.

Eben so falsch ist, wenn behauptet wird, daß durch eine Vermischung von Octaven, Quinten und Terzen 16 und 32 Fuß Ton hervorgebracht werden könnte; denn bey dieser Zusammensetzung müssen die großen Terzen rauschen, und einen widerlichen, nur keinen tiefern Ton hervorbringen.

Die Berechnung des Hrn. Abt, worauf sich das Ganze gründen soll, ist zwar ganz richtig. allein, sie ist in der wirklichen Ausübung gar nicht mit Nutzen anwendbar, wie dies auch die Marienorgel beweiset, und man kann sich auf jeder Orgel davon überzeugen. Seiner Meinung nach sollte dies Werk 16 und 32 Fuß Trias Harmonika erhalten. Wer aber je einen 16 oder 32füßigen Ton gehört hat, wird gewiß diese Hypothese des Hrn. Abts verwerfen; denn ein Grundton bringt einzeln sowohl als <105, 417> mit seiner Octave einen Wohlklang hervor, weil jede zweyte Fibration wieder zusammen kommt; bey Terz und Quint hingegen ist diese Zusammenkunft der Fibration seltener.

Eben so nahm man eine Trompet 8 Fuß aus dem Pedal und setzte sie ins Unterklavier vom C'. Nun steht selbige zwar im Verhältniß von 32 Fuß, aber wie irrig! Dem Baß nimmt man einen Violon 16 Fuß, dem Diskant gibt man eine Stimme aus 32 Fuß, (die vom Abt Vogler Dulcian genannt wird).

Das angebracht Crescendo besteht, wie schon längst bekannt, aus einem Kasten über den Pfeifen, den man Jalousie=Lade nennt, und der vermöge des Mechanismus nach Gefallen geöffnet und versperrt werden kann, um hierdurch den Ton schwach und stark hören zu lassen. Ich habe deren schon an so mancher großen Orgel angebracht, z. B. vor 12 Jahren in der Rostocker Marienorgel, ein 32füßig Werk, und in Mecklenburg=Schwerin in zwey verschiedene Orgeln, u. s. w.

Der Windschweller besteht aus einem, im Windkanal befindlichen Schieber, den man in demselben auf und nieder schieben kann, um hierdurch den Wind nach und nach von den Pfeifen abzuhalten. Diesen sogenannten Windschweller findet man in verschiedenen alten Orgeln; da er aber im Ganzen zu nichts nützt, so hat man ihn, wie all dergleichen unnützes Zeug, in den neuern Zeiten weggelassen.

Von dieser Verschwächung des Windes rührt auch das geschwind und langsam Schlagen des Tremulanten her, eine Sache, die man in vielen sehr alten Orgeln findet. Aus diesem erhellet, daß der Schweller ganz unnütz und des Anpreisens nicht werth ist.

Auf diese und andere in der genannten kleinen Schrift vorkommenden Einwendungen gegen die Voglerschen Verbesserungen der Orgeln, hat der Herr Abt in der allgemeinen musikalischen Zeitung, April 1801, einige Erwiderungen abdrucken lassen. Allein sie verlieren sich zu sehr in Persönlichkeiten, als daß die Sache dadurch <105, 418> wirklich aufgeklärt würde. Hoffentlich wird man das Voglersche Simplificationssystem, das sich bey neuen Orgeln allem Ansehen nach sehr vortheilhaft anwenden lassen muß, um einen großen Theil der sonst gewöhnlichen Kosten zu ersparen, bald genauer zu beurtheilen im Stande seyn, wenn der Herr Abt folgende kürzlich von ihm angekündigte, aber noch nicht im Buchhandel zu habende Werke herausgegeben haben wird, nähmlich:

Grundriß der zu München neu zu erbauenden St. Petersorgel; vom Abt Vogler. München in der Falterschen Musikhandlung (1806).

Mit der ausführlichen Beschreibung dieses Werkes soll das Simplificationssystem folgen.

Von dem Mechanischen des Orgelbaues, oder den Handgriffen bey der Verfertigung dieser und jener Theile der Orgeln habe ich hier, um nicht zu weitläufig zu werden, nur sehr wenig berühren können. Nachfolgende Schriften werden hierüber und über verschiedene andere die Orgeln betreffende Gegenstände eine vollständigere Anweisung geben.

Adlung' s (M. J.) Musica mechanica Organaedi u. s. w. 2 Bände. Berlin 1768. A. D. B. XI. St. 2. S. 259.

Bedos (D. Fran. de Celles) L' art du Facteur d' Orgues, 1766. 4 Theile in 3 Bänden, gr. Fol.

Bendeler' s Orgel=Baukunst, 4. Frankfurt 739. 6 1/2 Bogen.

Bernoulli (D.) Recherches physices, mecaniques et analytiques sur le Son et sur le Tons des tuyaux d' Orgues differement construits. Mém. de l' ac. roy. Berl. 1762. p. 431.

Beschreibung des Orgelbaues, und der Verfahrungsart bey Untersuchung neuer und verbesserter Werke, von D. L. E. gr. 8. Offenbach 1792. Bey der zweyten unveränderten Auflage ist der Verfasser Ernst Ludwig Deimling, (Organist in Bern) genannt.

<105, 419>

Biermann (I. H.) Organographia Hildesiensis specialis etc. Hildesheim 1738. 4. 28 S.

Bulyooszky (M.) de Dulicz, kurze Vorstellung von Verbesserung des Orgelwerks; lateinisch und deutsch. Straßb. 1680. 12. 9 Bogen

Carutius (C. E.) Examen Organi pnevmatici. Küstrin 1680.

Caus (Sal. de) von gewaltsamen Bewegungen, Beschreibung etlicher Maschinen. Frankfurt. Fol. 1616. Das dritte Buch handelt vom Orgelbau.

Fabricii (W.) Unterricht, wie man ein neu Orgelwerk, obs gut und beständig sey, nach allen Stücken, in= und auswendig examiniren und probiren soll, 8. Frkft. 756. 5 1/2 Bogen.

Halle' ns (J. S.) die Kunst des Orgelbauens, theoretisch und praktisch. Brandenburg 1779. gr. 8.

Halle' ns Werkstätte der heutigen Künste, 3ter Band, 1764.

Hess (I.) Dispositien der merkwaardigste KerkOrgelen, welken in de zeven vereenigte Provintien, als mede in Duitschland en elders aangetroffen worden. Gouda 1775. 4.

Historische Untersuchung von den Kirchenorgeln. Hannöv. gel. Anz. 1754 St. 91. 92. 96 97.

Ludwig (J. A. J.) Traktat von den unverschämten Entehrern der Orgeln. Erlang. 1764. 4. 2 1/2 Bog.

Ludwig (J. A. J.) von den Eigenschaften eines rechtschaffnen Orgelbauers. Hoff 1759. 4. 2 Bog.

Dess. Gedanken über die großen Orgeln, die aber deswegen keine Wunderwerke sind. Leipz. 1762. 2 Bogen in 4.

Müller' s (G. E.) historisch=philologisches Sendschreiben von Orgeln, ihrem Ursprunge und Gebrauche in der alten und neuen Kirche Gottes, med. 8. Dresden 748. 2 1/2 B. und K.

Nagel' s tabellarische Uebersicht der vorzüglichsten Künste 1792. S. 120.

Orgelbaukunst, oder Anweisung, wie eine Orgel nach ihren Hauptstücken etc. nach wahren mathematischen Gründen zu erbauen, 4. Frankfurt 739. 6 1/2 Bog.

<105, 420>

Prev (G.) Grundregeln von der Struktur einer Orgel. 8. Hamburg 1729.

Schreiben von Fabriken, insonderheit aber in Ansehung der musikalischen Instrumente, und vornehmlich der Orgel. Leipz. Samml. 2 Theil. S. 358.

Sorge (G. A.) der in der Rechen= und Meßkunst wohlerfahrne Orgelbaumeister u. s. w. Lobenstein 1773. in 4.

Sponsel' s (J. U.) Orgelhistorie. Nürnberg 1771. A. D. B. XXIV. 114.

Sprengel' s Handwerke u. Künste, 11te Sammlung S. 291 fl.

Stein (J. A.) Beschreibung einer neuen Orgel in der Barfüßer Kirche zu Augsburg. In der akad. Kunstzeit. 6 St. 1771.

Stohrius (L.) de Organ. music. Lips. 1693.

T. (J. G.) Versuch einer Anleitung zu Disposttion der Orgelstimmen, nach richtigen Grundsätzen, und zur Verbesserung der Orgeln überhaupt. Waldenburg 1778. 8. 78 S. 1 Kupft.

Trost (Joh. C.) d. i. ausführliche Beschreibung des neuen Orgelwerks auf der Augustusburg zu Weißenfels etc. Nürnberg 1677. 12.

Türck (D. G.) von den Pflichten eines Organisten. Halle 1787. 13 1/4 B. 8. A. D. B. LXXIX. 114.

Wallis (I.) on the impersection of the Organ. In den Phil. Transact. 1698. N. 242. pag 249.

Weigel' s Hauptstände, S. 224.

Werkmeister (A.) Orgelprobe, 1681. 12. --Erweiterte Orgelprobe, 1698. 4. 18 Bogen. -- Organum Gruningense redivivum etc. Quedlinburg und Aschersleben 1705. 4. 4 Bog.

Von der Begleitung der Kirchenlieder mit der Orgel sehe man den Art. Pfeil-IconKirchengesang, Th. 38, Pfeil-IconS. 567. Von der Orgelprobe handelt unten ein besonderer Pfeil-IconArtikel.

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