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Meer Klassifizierung: 551.48 HydrologieDDC-Icon Klassifizierung: 551.46 Hydrosphäre und Meeresgeologie; Meereskunde (Ozeanografie)DDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , das, *

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Dieses alte und sehr weit ausgebreitete Wort lautet bey dem Notker ther Mere, bey dem Ulphilas Marei, im Schwed. und Ißländ. Mar, im Angels. Mere, im Bretagnischen Mor, im Lat. Mare, im Böhm. und Russ. More, bey den krainerischen Wenden Murse, im Lettischen Marrios, im Esthnischen Merri, im Polnischen Morze. Es scheinet den Begriff der Menge, und den damit verbundenen Begriff der Bewegung zu haben, und zu dem Geschlechte unsers mehr, plus, mähren, rühren, sich bewegen, des Griechis. μυρειν fließen, u. a. m. zu gehören. Die figürliche Bedeutung der Menge, in welcher See nicht üblich ist, bestätiget diese Ableitung. Unser Moor und Morast sind nur auf eine entfernte Art damit verwandt, indem solche zunächst zu der Familie des Worts mürbe, Niedersächsischen mör, gehören. Adelung.

bedeutet

1) Ueberhaupt, eine jede große Masse Wassers, eine Sammlung vieles Wassers. In dieser weitesten im Hochdeutschen ungewöhnlichen Bedeutung heißt in der deutschen Bibel 1 Kön. 7, 23. f. 2 Kön. 25, 13 u. s. f. das große eherne Wasserfaß in dem Vorhofe des Tempels, <86, 709> nach dem Vorgange des hebräischen Grundtextes, das eherne Meer. Im mittlern Lateine kommt in einer Urkunde Herzogs Hugo von Burgund bey dem du Fresne Mare vitreum gleichfalls von einem gläsernen Gefäß vor.

2) In engerm Verstande, eine beträchtliche Sammlung Wassers auf dem Erdboden, besonders eine solche, auf welcher das Wasser Wellen schläget; in welchem Verstande verschiedene Landseen oder stehende Wassersammlungen, welche keinen sichtbaren Abfluß haben, oder rings um mit Land umgeben sind, ein Meer genannt werden. Dahin gehören nicht nur das todte Meer und das galiläische Meer im jüdischen Lande, welches eigentlich beträchtliche Landseen sind, sondern auch das kaspische Meer in dem nördlichen Asien. Am Niederrheine und in Niederdeutschland ist diese Benennung noch sehr üblich, wo mehrere beträchtliche Landseen Meere genannt werden. Dahin gehören das Harlemer Meer in der Provinz Holland, das Lacher Meer im Trierschen, das Steinhuder Meer im Bückeburgischen, welches über eine Meile lang und eine halbe Meile breit ist, und andere mehr. Außer diesen Fällen, in welchen es als ein eigenthümlicher Nahme angesehen wird, ist es im Hochdeutschen in dieser Bedeutung nicht üblich.

3) Am häufigsten und gewöhnlichsten wird die große Sammlung Wassers, welche das feste Land des Erdbodens umgiebt, und welches auch die See, das Weltmeer, der Ocean heißt, das Meer schlechthin genannt. Das Wasser, die Fische im Meer. Ein Sturm auf dem Meere. Jenseit des Meeres. Auf dem Meere fahren. Im Meere fischen. Ein <86, 710> am Meer gelegenes Land. In vielen Fällen ist es gleichgültig, ob man in diesem Verstande See oder Meer braucht, in allen aber nicht. So sagt man nicht zu Meere fahren, zu Meere handeln, eine Reise zu Meer u. s. f., wo nur allein See üblich ist. Ueberhaupt ist im Niederdeutschen, und der ganzen daher rührenden Seesprache in diesem Verstande das Wort See üblicher, so wie Meer den Oberdeutschen am geläufigsten zu seyn scheinet. *

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S. Adelung' s vollständ. Wörterbuch.

Das Meer, in dieser dritten Bedeutung, worin es in der Folge immer genommen wird, dringt nun zwar auf vielen Stellen in das feste Land ein, und macht Meerbusen und Mittelmeere von verschiedener Größe und Ausdehnung; doch ist es an sich ein zusammenhangendes Ganzes, welches vielfältig von Inseln unterbrochen wird. Es ist nur Ein Weltmeer, und von ihm sind alle Gewässer, die man mit dem Nahmen Meer belegt, Theile, und mit einander sichtbarer Weise verbunden. Schon die Alten konnten die Continuität des Meers, und, da sie nur von der alten Welt wußten, so glaubten einige, wie Thales von Milet, daß diese darin schwämme. *

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Ich benutze in diesem Artikel vorzüglich das vortreffliche Werk des Herrn Joh. Fried. Wilh. Otto in Berlin, Versuch einer phosischen Erdbeschreibung nach den neuesten Beobachtungen und Entdeckungen. Erster Theil, oder System einer allgemeinen Hydrographie des Erdbodens. Berlin bey Nauck, 1800. 663 S. gr. 8. S. 305 flg. -- und da dieses Werk noch so neu, u. mit so vieler Bestimmtheit und Ausführlichkeit abgefaßt ist, daß sich jetzt noch wenig wesentliche Zusätze machen lassen, so werde ich mich damit begnügen, hier das hauptsächlichste über den vorliegenden großen Gegenstand mit einigen Abänderungen aus demselben mitzutheilen.

<86, 711>

Das Meer ist eine zusammenhangende, aber nach den Gesetzen der Schwere abgerundete Fläche: oder vielmehr, es ist ein Theil der Erdoberfläche, welche eine sphäroidische Gestalt hat, und an allen Orten der Erde fast gleich weit von ihrem Mittelpunkte entfernt ist. Das Centrum des Meeres ist auch der Mittelpunkt der Erde, wobey man sich indeß die Meeresfläche in völliger Ruhe gedenkt. Diese ist nun zwar nie überall in vollkommenem Gleichgewicht und in gänzlicher Ruhe: aber die Bewegung derselben ist so unbedeutend, daß die Oberfläche der Meere noch weniger als die Oberfläche des Landes durch die Berge dadurch gehindert wird, in Kugelgestalt zu erscheinen. Das Land ragt auf allen Seiten über der Meeresfläche hervor, und man kann diese als die niedrigste Horizontalfläche der Erde, und den Halbmesser derselben als den Erdhalbmesser annehmen.

Klassifizierung: 910 Geografie und ReisenDDC-Icon Die Größe des Weltmeeres und sein eigentliches Verhältniß zum Lande läßt sich nicht mit vollkommener Bestimmtheit angeben. Gemeiniglich setzt man fest, daß etwa zwey Drittheile der Oberfläche der Erde das Wasser, und ein Drittheil das Land einnehmen. Da nun die ganze Kugelfläche der Erde 9,282,060 geographische Quadratmeilen in sich faßt, so macht der trockene Theil 3,094,020 und das Meer 6,188,040 solcher Meilen aus. Herr von Zimmermann *

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Geographische Geschichte des Menschen und der allgemein verbreiteten vierfüßigen Thiere. 3 B. S. 97.

hat die über diesen Gegenstand vorhandenen Berechnungen mit einander verglichen, und für die noch unbekannten Länder ein geringes Maaß angenommen. Nach einem Mittel, giebt er das <86, 712> Verhältniß von 2,186,082 zu 6,070,696, das ist von 10 zu 27 an: woraus denn erhelit, daß der Ocean mehr als das Land betrage, daß dieses aber mehr als ein Drittel ausmache. Da jedoch, nach der Herausgabe seines schätzbaren Werks so manche neue und bedeutende Entdeckungen in der Erdkunde gemacht worden sind, so möchte diese Bestimmung jetzt wohl etwas anders ausfallen.

Der gröste Theil des Oceans liegt auf der südlichen Halbkugel. Zu welch einer ungeheuren Wasserfläche erstreckt sich nicht hier das Meer zwischen Asien und Amerika, vom Vorgebirge der guten Hoffnung bis nach Neuseeland etc.? Wenn wir uns die Erdkugel unter dem Aequator getheilt, vorstellen, so zerfällt sie in zwey Halbkugeln, die sich auf eine auffallende Weise von einander auszeichnen, indem gröstentheils die nördliche aus Land, und die südliche aus Wasser besteht. Wenn der 185 Grad der Länge unter den messingenen Meridian eines Erdglobus, und der Globus selbst auf die südliche Polhöhe von 50 Graden gestellt wird, so theilt der Horizont beyde Halbkugeln von einander ab, und es zeigt sich über demselben von dem festen Lande nur die südlichste Spitze von Amerika, und etwas von der Halbinsel Malacca und Cochinchina von Asien; alles übrige sind Inseln und Meere. Man könnte hiernach die Erde füglich in die Land= und Wasser=Halbkugel abtheilen. *

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Hrn. Bode Anleitung zur allgemeinen Kenntniß der Erdkugel. Berlin 1786. 8. S. 220.

Einige Naturforscher halten es für unwahrscheinlich, daß die Gegend um den Südpol herum mit Wasser bedeckt sey; sondern sie verlegen <86, 713> dahin ein Continent, dessen Daseyn jedoch nie erwiesen werden, und von dem besser unterrichteten Theile der Geographen bestritten wird. Ein großes festes Land in Süden scheint ihnen um deswillen nothwendig, damit es bey Umdrehung der Erdkugel um ihre Achse das Gleichgewicht erhalten, und der Ländermasse auf der nördlichen Halbkugel zum Gegengewichte dienen könne. Allein dieser Unterschied ist in Betracht der ganzen Masse der Erde von so geringer Erheblichkeit, daß er unmöglich eine Veränderung in der täglichen Bewegung der Erdkugel hervorbringen kann. Gesetzt, die Höhe des Erdrückens über der Oberfläche des Meeres betrüge 6000 Fuß -- und nur wenig Gegenden erreichen diese Höhe -- und die Tiefe des Oceans betrage eben so viel: so macht dieses zusammen nur etwa den funfzigsten Theil einer Linie bey einem einfüßigen Erdglobus, oder den fünften Theil eines mäßigen Sandkorns. Würde also, wenn sich auch in dieser Kugelschaale Gebirge auf Gebirge wälzten, und Oceane und Länder ihre Stellen wechselten, solches die Lage der Erdpole und der Achse merklich zu verändern vermögen? Wohl so wenig, als ein Erdglobus von einem Fuße im Durchmesser merklich aus dem Gleichgewichte kommt, wenn ein Insect das Papier zernagt, womit die Kugel überzogen ist. Wäre nun ein Südland zu dieser Absicht auch nothwendig und vorhanden, so würde dieses doch nicht mit dem Lande auf der nördlichen Hälfte der Erde ins Gleichgewicht kommen können, da die bis jetzt schon bekannte Menge des Wassers auf der südlichen, die auf der nördlichen so weit übersteigt. Aus Cook' s Entdeckungsreisen ist klar, daß in der Südhemisphäre diesseits des sechszigsten, und in einigen <86, 714> Gegenden des ein und siebenzigsten Grades, außer den Inseln, kein Land zu erwarten sey. Kann auch nicht -- wenn anders das System von dem Gleichgewichte in allen Theilen der Erdkugel, zur Umwälzung um ihre Achse erforderlich ist -- dem Mangel des Landes, wenn er von Bedeutung wäre, auf eine andere Art abgeholfen seyn? Könnten nicht im Grunde des Meeres, und überhaupt in den Ländern der südlichen Hemisphäre solche Körper verborgen liegen, deren Gewicht das Gleichgewicht herstellte?

Der Ocean umfließt auf der südlichen Hälfte der Erdkugel das Land ununterbrochen, so daß man z. B. von der südlichen Spitze Afrika' s und Amerika' s aus, die ganze Halbkugel umschiffen kann. In wie fern er nun auch das auf der nördlichen umgebe, läßt sich nicht bestimmen: denn obgleich in Ansehung der alten Welt die Wassergrenzen ins Reine gebracht sind, so findet doch dieses bey der neuen nicht statt, weil die Versuche der Seefahrer, eine nordwestliche Fahrt um Amerika zu finden, bis jetzt noch von keinem glücklichen Erfolge begleitet gewesen sind.

Alles Wasser hat sich selbst überlassen, und im Zustande der Ruhe, in seinen Behältern eine wagerechte Fläche. Da nun alle Meere unter sich zusammenhängen, so muß auch der Spiegel des Oceans horizontal, d. i. gleich weit vom Mittelpunkt der Erde entfernt, oder welches einerley ist, von gleicher Höhe seyn. Es müssen jedoch besondere Ursachen obwalten, welche hierbey eine Abänderung machen, da auch die Erfahrung vom Gegentheile zeugt. Schon die Alten wußten dies, und sie hielten die Sache um so wichtiger, da auf diesem Umstande viel beruht, wenn es dar<86, 715>auf ankommt, daß Erdengen zwischen zweyen Meeren durchgestochen werden sollen.

So glaubt bereits Aristoteles, daß das Weltmeer um den Nordpol höher sey, als unter dem Aequator, und von dort gleichsam als aus einer Quelle hevorströme. Nach anderen soll das Meer zwischen Ostindien und Afrika, das mittelländische an Höhe weit übertreffen. Von dem ungleichen Stande des letztern gegen den Arabischen Meerbusen, hielt man sich ehemahls so fest überzeugt, daß nicht nur die ältesten Könige Egyptens daher den Vorsatz aufgaben, beyde Meere mit einander zu verbinden, sondern auch ihre Nachfolger Bedenken trugen, die Erdenge von Suez zu durchstechen, aus Besorgniß, daß ein Theil ihrer Besitzungen am mittelländischen Meere durch Ueberschwemmung zu Grunde gerichtet werden mögte. Wahrscheinlicher ist es indeß, daß die Sache nicht sowohl aus dieser Ursache unterblieben, als wegen Schwierigkeit und Kostbarkeit des Unternehmens. Es konnte vielleicht hier auch eine politische Rücksicht eintreten, weil man erwog, daß die neue Straße auch von änderen Europäern würde beschifft, und durch sie der Indische und Persische Handel geführt werden, wobey die Bewohner Egyptens an ihren Zollgefällen eine beträchtliche Einbuße erlitten haben würden. Es ist jedoch ausgemacht, daß bereits in den ältesten Zeiten ein Kanal vorhanden gewesen sey, der aus dem östlichen Arme des Nils in das rothe Meer gegangen. Delisle hat solches aus dem Herodot, Diodor von Sicilien, Strabo und dem Arabischen Schriftsteller Elmazin mehr als wahrscheinlich <86, 716> gemacht. *

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Histoire de l' Academ. à Paris 1702. p. 109. suiv.

Herodot bezeugt, daß Necus, ein Sohn des Psammitichus, einen Graben in das rothe Meer zu ziehen angefangen, daß Darius denselben tiefer gemacht, und Ptolomäus ihn vollendet habe. *

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Plinii Historia natural. Lib. VI. C. 33. ed. Harduini 29. edit. vet.

Durch den Einfall der Franzosen in Aegypten ist endlich die Spur dieses Kanals von neuem entdeckt, und daher sein ehemahliges Daseyn außer Zweifel gesetzt worden. *

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Bonaparte selbst hat die ganze Strecke zum Theil untersucht, zum Theil durch geschickte Ingenieure untersuchen lassen, und man hat gefunden, daß der Canal bey Suez 100 Fuß Breite und 24 Fuß Tiefe gehabt hat. Weiterhin ist er hier und da schmaler. Monge glaubt, daß es zwey Kanäle waren. Es scheint, daß er mit Fleiß verschüttet sey, denn in der Mitte befindet sich ein Damm. Nahe bey Suez ist eine Verdämmung, welche das Wasser verhindern soll, sich in die Wüste zu ergießen.

Wenn Kühn *

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Ged. von Ursprung der Quellen.

das mittelländische Meer bey Alexandria wenigstens eine halbe deutsche Meile höher macht, als das Atlantische am Amazonenflusse, und bey Panama 2 30/106 höher, als es an der Mündung des Maragnon ist; so sind dies Folgerungen aus dem von ihm zu groß angenommenen Falle der Flüsse.

Es fehlt indessen nicht an Erfahrungen, welche für den ungleichen Stand des Gewässers der Meere sprechen. Als im Jahre 1782 der Holsteinische Kanal angelegt wurde, fand man, daß die Nordsee in ihrer mittlern Höhe acht Fuß niedriger war, als die Ostsee. Nordenancker *

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Von den Strömen der Ostsee. a. d. Schwed. übers. von Gröning Leipz. 1795. in 8,

nimmt daher Veranlassung zu glauben, daß die Ostsee ursprünglich in die Klasse der Landseen ge<86, 717>höret habe, von denen man sich den Begriff macht, daß sie höher liegen, d. i., daß ihre Oberfläche erhabener sey, als der Spiegel des Meeres unter gleicher Breite. Er glaubt, daß dieses Meer vormahls bey Oresund und die Belte durchgebrochen sey, um sich mit der Nordsee zu vereinigen; daß es ferner durch das fortgesetzte Ausströmen mit der Zeit niedriger werden, und sich am Ende, vielleicht auch wohl durch einen geräumigern Ausbruch, mit dem Ocean ins Gleichgewicht setzen werde. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird jedoch das letztere nie geschehen, und die Ostsee ihren höhern Stand wohl auf immer behaupten. Sie befindet sich nähmlich in dem Falle aller kleineren Meere, in welche sich viele und wasserreiche Flüsse ergießen, besonders wenn ihre Ausdünstung wegen der Kälte nur schwach ist. Solche Gewässer erheben sich höher, und fließen in die benachbarten Meere ab. Aus einem entgegen gesetzten Grunde bleiben andere dergleichen Meere, welche in Verhältniß ihrer Ausdehnung weniger Flüsse aufnehmen, niedriger, besonders wenn sie wegen der Wärme einer stärkern Ausdünstung unterworfen sind. Hierher gehört das mittelländische Meer, in welche das schwarze und das Atlantische einfließen. Es ist verhältnißmäßig groß, wird sehr erwärmt, und empfängt nur wenig Flüsse, z. B. auf der ganzen Afrikanischen Küste keinen von Belange, außer dem Nil. In das kleinere schwarze Meer hingegen fallen die Donau, der Dniester, Dniepr u. a. m. Aehnliche Verschiedenheiten findet man in allen Meeren, welche von festem Lande oder Inseln größtentheils eingeschlossen sind, und sie verursachen Strömungen in den Meerengen und Durchfahrten zwischen den Inseln. Der ganze Ocean ist <86, 718> zwischen den Wendekreisen, wo er mehr ausdünstet, etwas niedriger, als in den kälteren Gegenden nach den Polen zu.

Aenderungen im Stande des Meeres bewirken ferner Ebbe und Fluth: diese sind aber, ob zwar nicht unbedeutend, doch nur periodisch, und liegen mehr in einer fremden Ursach, als in der natürlichen Beschaffenheit des Meeres. Auch ist es gewiß, daß die verschiedene Schwere der Meergewässer einen ganz gleichen Stand der Fläche des Oceans nicht überall gestatte; der Unterschied kann aber von keiner Bedeutung seyn, da das höhere Wasser auf das niedrige eindringen muß, um sich mit ihm ins Gleichgewicht zu setzen.

Der Unterschied der mittlern Höhe bey Meeren, die mit einander im Zusammenhange stehen, ist nur geringe, und vielleicht nie größer, als acht bis zehen Fuß. Man nimmt daher mit Recht, bey Bestimmung der Berghöhen, die Meeresfläche als eine allgemeine Grenze an, nach welcher man die Höhen derselben berechnet. Ist z. B. ein Berg tausend Pariser Klafter über das stille, und ein anderer zwölfhundert Klafter über das Atlantische Meer erhaben, so sagt man, dieser Berg sey zweyhundert Klafter höher als jener, weil das stille Meer mit dem Atlantischen Meere zusammenhängt, und also die Höhe beyder Meere nur um eine Kleinigkeit verschieden seyn kann.

Nach Picard' s Bestimmung beträgt die Höhe der Pariser Sternwarte über die Fläche des mittelländischen Meeres acht und vierzig Klafter, und über den Spiegel des Atlantischen Oceans 46. Sie ist also bey beyden fast gleich, da der Unterschied von zwey Klaftern hier nicht in Betrachtung kommen kann. Ulloa fand bey allen Be<86, 719>obachtungen, die er an mehreren Stellen in Amerika gemacht hatte, daß der Stand des Quecksilbers im Barometer 27 Zoll 11 1/2 Linien war. Da nun an den meisten Küsten Europens die Höhe des Merkurius 28 Zolle beträgt; so folgert er daraus mit Recht, daß die Oberfläche des Meeres fast überall von gleicher Höhe seyn müsse, und daß man zu Panama und Portobello ohne Grund zweifele, daß das Atlantische mit dem stillen Meere einerley Höhe habe. *

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Voyage historique de l' Amerique par D. George Juan et D. Antoine de Ulloa à Amst. et Leipzig 1752. 4. Relation d' un voyage fait en Amerique par Mr. de la Condamine. Mémoires de l' Academie à Paris 1746.

Der Ocean ist auch in der weitesten Entfernung vom Lande nicht höher, als der trockene Theil der Erde: beyde zusammen bilden vielmehr eine Fläche von fast gleicher Höhe. So wie aber auf der einen Seite die Berge hiervon etwas abweichen, so giebt es auch Gestade, die wenigstens zu gewissen Zeiten niedriger sind, als die Fläche des Meeres, welches sie benetzt, und daher durch Dämme in Sicherheit gesetzt werden müssen, wie z. B. die Küsten Hollands.

Wenn man auf einem erhabenen Orte steht, und von da aus ins weite Meer blickt, so scheint dieses sich je weiter je mehr zu erheben, bis es zuletzt mit dem Auge in einer Linie gesehen wird. Hier liegt aber eine Täuschung zum Grunde, und man kann, ohne sich auf die Art und Weise einzulassen, wie solche hervorgebracht wird, von dem Betruge gar leicht überzeugt werden, wenn man bey einem Strome, in einiger Entfernung von demselben, sich auf eine Anhöhe begiebt, und von hier stromabwärts die Gegend, <86, 720> so weit das Auge reicht, übersieht. Man wird nähmlich alsdann gewahr, daß diejenigen Stellen, die doch unbezweifelt niedriger liegen, eben so erscheinen, und daß es nicht anders aussieht, als wenn die den Strom hinabfahrenden Schiffe sich an einer Anhöhe befänden, und bemühet wären, den Gipfel zu erreichen. *

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Varenii geogr. gen. Ed. Amst. in 12. p. 132. seq.

Die Flüsse laufen irgend einem Meere zu, weil nun der Ort, welchem das Wasser zufließt, niedriger ist, als der, woher es kommt; so folgt, daß das Meer die niedrigsten Stellen auf unserem Erdboden einnehmen müsse.

Im Ganzen genommen scheint das jetzige Verhältniß und die gegenwärtige Lage und Stellung des Landes gegen das Meer seit der etwanigen letzten Haupt=Revolution der Erdkugel immer Statt gefunden zu haben. Die Bayen und mittelländischen Meere sind also wohl nicht als nach und nach entstandene Einbrüche des Wassers in den neueren Zeiten, als Wirkungen des sich selbst überlassenen Oceans auf das feste Land anzusehen, welche nie so gewaltsam seyn können. Man darf nicht glauben, daß das Meer etwa sich hier einen Weg gebahnt haben werde, als ein Fluß, welcher sich über eine Wiese ergießt, nachdem er vorher die Dämme zerrissen hat. Hier hätte der überschwemmte Theil so viel niedriger liegen müssen, als jetzt die Fläche des Wassers über seinem Boden steht. Dieses findet man nun bey keinem Theile des trockenen Landes, es müßte denn etwa der ganze bedeckte Raum versunken seyn. Man hat aber auch noch andere Gründe, welche diese Behauptung unwahrscheinlich machen.

<86, 721>

Man nehme z. B. an, daß die Meerenge von Gibraltar vormahls verschlossen, und der Raum, den nun Wasser bedeckt, trockenes Land und niedriger als der Spiegel des Meers gewesen sey: hätten sich doch nicht schon die Flüsse, die ihm jetzt aus Europa und Afrika zuströmen, der Abhängigkeit des Bodens wegen, dahin ergießen müssen, und würden diese nicht nach und nach eine sehr große Strecke Landes unter Wasser gesetzt haben? Dieser große Landsee würde so lange an Ausdehnung zugenommen haben, bis seine Ausdünstung, welche im gemäßigten Klima von jeder Wasseroberfläche, die der Wind bewegt, in 24 Stunden 1 Linie beträgt, dem Zuflusse der Ströme das Gleichgewicht gehalten hätte, wie es bey allen großen Landseen, die keinen Abfluß ins Mehr haben, wohin die großen Steppenseen im mittlern Asien, Afrika und auch einige in Südamerika gehören, der Fall ist. Eine beträchtliche Niederung des trocknen Landes unter dem Spiegel des Meeres läßt sich daher nicht gut denken, weil eine solche sich wenigstens zum Theil schon mit dem Wasser der Flüsse erfüllen muß; und wenn man die großen Ueberschwemmungen erwägt, von denen auf unserer jetzigen Erdoberfläche so unleugbare Spuren übrig sind: so muß es noch unwahrscheinlicher werden, daß eine Strecke Landes, die niedriger als der Spiegel des Meeres war, wasserleer geblieben seyn, und sich bey dem Zurückzuge des Wassers nicht ein Flußbeet bis zum Ocean ausgehöhlt haben sollte.

Das Weltmeer scheint im Ganzen wedet beträchtlich abzunehmen noch zu wachsen, sondern seine Wassermenge in ziemlich gleichem Verhältnisse zu behalten: denn obgleich an mehreren Kü<86, 722>sten mehr Land sichtbar wird, als es vordem war, so dringt das Wasser in anderen Gegenden auch wieder in das Land ein, und bedeckt ganze Strecken mit Wasser. Die meisten Küsten behaupten aber noch diejenigen Stellungen, welche sie vormahls gehabt haben.

Schon in den älteren Zeiten hatten verschiedene Philosophen die Meynung, daß die ganze Summe des Wassers auf dem Erdboden sich allmählig verringere. Es scheint jedoch dasjenige, was bey ihnen davon vorkommt, mehr auf eine Verrückung des Wassers und des Landes, als auf eine wirkliche Wasserverminderung zu gehn. Diese Hypothese ist neuern Ursprungs, und Maillet vielleicht der erste, welcher sie förmlich vorgetragen hat. *

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Telliamed ou Entretiens d' un philosophe Indien avec un missionair François sur la diminution de la mer. Mis en ordre sur les mémoires de Maillet à Basle 1749. Ein Buch, welches aus einem Gemisch von Wahrheiten und Irrthümern, von Thatsachen und Fabeln zusammen gesetzt ist. Sein Hauptargument ist: unsere Länder waren vormahls Meeresgrund, und sind es jetzt nicht mehr, also muß das Meer nothwendig abgenommen haben. Mascrier description de l' Egypte etc. a la Haye 1740. T. II. -- Wo das Wasser bleibt, wäre aber eine schwer zu beantwortende Frage. Doch ist es vor 2 Jahren durch die Voltaischen Versuche, mit den Säulen aus Zink= und Silberplatten unwiderleglich erwiesen, daß das Wasser sich in Stickgas und Sauerstoffgas zerlegen läßt, und der Herr Apotheker Schrader hierselbst hat kürzlich, (im Februar 1802) der hiesigen Königl. Acad. der Wissenschaften seine Versuche vorgelegt, woraus sich ergibt, daß Getreidekörner, die in sehr saubern porzellanenen Gefäße ohne alle Erde etc. nur mit destillirtem Wasser begossen wurden, aufwuchsen und bey der nachherigen chemischen Zerlegung mit Halm und Wurzeln nicht nur eine merkliche Quantität Kieselerde, sondern auch andere Bestandtheile aus dem Mineralreiche hatten, die in dem Maße nicht in den gesäeten Körnern enthalten waren. Man muß hieraus also den Schluß ziehen, daß das Wasser sowohl durch physische Pro= cesse als durch die Vegetation sich in andere zum Theil feste Körper verwandele. Ob es sich deshalb im Ganzen auf unserer Erde aber vermindere, ist doch noch so ausgemacht nicht, da es bekannt ist, daß sich wenigstens aus der Luft wieder viel Wasser erzeugt, wie es andere physische und chemische Versuche lehren. Die Hypothese einiger Physiker und Geologen, daß die Wassermenge auf unserer Erde in Epochen von vielen Tausend Jahren sich zum Theil in Luft verwandele und also abnehme, und dann nach und nach wieder aus Luft in Wasser verwandele und bis zum Ueberschwemmen vieler Länder zunehme, ist daher ein Gedanke, der sich eben so wenig vertheidigen als bestreiten läßt, wenn es im Ganzen auch scheint, daß das Wasser eher ab= als zunimmt. Daß die Ostsee abnimmt, ist kein Beweis von einer allgemeinen Verminderung des Wassers, da es wahrscheinlich ist, daß der Sund und die Belte bey dem immerwährenden Abfließen des Wassers in die Nordsee nach und nach etwas tiefer ausgehöhlt werden müssen, woraus das Sinken des Spiegels der Ostsee folgt,

Sie fand in der <86, 723> Folgezeit, besonders unter den Schwedischen Gelehrten, Anhänger und Vertheidiger, unter denen Dalin, *

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Gesch. des Reichs Schweden. 1 B. S. 42. und Vorrede zum 1 Bande. S. 4. u. f.

Celsius *

und Linné *

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Amoenitates academ. Vol. II. p. 435.

die vornehmsten sind. Man glaubte nähmlich überall Spuren eines vormahligen höhern Standes des Meeres entdeckt zu haben, und glaubte dadurch beweisen zu können, daß eine solche Abnahme des Wassers, nach den Gesetzen der Natur, nothwendig erfolgen müsse. Diese Meynung ist aber nicht ohne Gegner geblieben, und es sind für beyde Theile wirklich Gründe vorhanden. Es lassen sich Orte in Menge anführen, wo der Ocean allmählig das Land verlassen, oder wo dieses die See nach und nach verdrängt hat, und noch immer mehr in der Ausdehnung gewinnt: dagegen giebt es aber viele Stellen, wo das Meer dem Lande Abbruch gethan hat. Der Gegenstand verdient eine nähere Beleuchtung.

<86, 724>

Von dem Zurücktreten des Meeres gibt es Spuren in großer Anzahl. Mehrere Städte, die bey ihrer ersten Anlage am Meere standen, entfernte die Folgezeit davon; das Fahrwasser ist hin und wieder seicht, und an mehreren Stellen zu dieser Absicht unbrauchbar geworden. Klippen, die vermahls unter Wasser standen, sind nach und nach über seine Fläche zum Vorschein gekommen, und erheben sich noch mehr. Gestade, wo man vor wenigen Jahren kaum einzele Steine über dem Wasser entdeckte, sind jetzt fast ganz trocken; vormahlige Sandbänke im Meere sind an vielen Orten in fruchtbares Erdreich umgeschaffen, weitgestreckte Strandufer sind trocken geworden, und man ärntet nun da, wo sonst Fischerey getrieben wurde. Körper, die dem Meere eigenthümlich sind, als Schalgehäuse, ferner Anker und anderes Schiffgeräthe liegen außer dem Gebiete des Meeres. Dies sind Thatsachen, welche nicht bestritten werden können.

Merkmahle dieser Ereignisse hat man besonders an der Ostsee wahrgenommen. Varenius schon behauptet, daß das Wasser hier in beständigem Abnehmen sey, und daß Preußen vormahls nicht so hoch über seiner Fläche hervorgeragt habe, als jetzt. Dalin will ausgerechnet haben, daß die Ostsee seit Christi Geburt an dreyzehen Klafter in senkrechter Linie gesunken sey. Er setzt die jährliche Abnahme des Wassers noch auf keinen halben Zoll, und folgert daraus, daß Schweden in den ältesten Zeiten gar nicht habe bewohnt werden können, indem es ganz unter Wasser gestanden, und höchstens nur die Gipfel seiner Berge über dasselbe hervorgeragt hätten. Mit ihm stimmt Celsius <86, 725> in der Hauptsache überein, indem er annimmt, daß das Wasser in diesem Raume, innerhalb eines Jahrhunderts, etwa fünf und vierzig geometrische Zolle sinke. Er merkt dabey an, daß Häfen, deren Ufer nicht steil sind, und nicht von tiefem Wasser zeugen, allmählig seichter geworden wären; daß Oerter am Bothnischen Meerbusen, welche jetzt ziemlich tief im Lande liegen, noch den Nahmen Sund führen, welchen sie damahls erhielten, als sie am Ufer angeleget wurden, und zieht daraus die Schlußfolge, daß das Fahrwasser, welches jetzt hier selten tiefer ist, als zwanzig bis dreyßig Klafter bey fortdauernder Abnahme sich zuletzt ganz verlieren müsse. Dieser Meinung ist auch Pontoppidan, *

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Naturhistorie von Dännemark. S. 86. u. f.

welcher das Sinken des Wassers besonders an den Dänischen Küsten wahrgenommen haben will. Algarotti *

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Lettres sur la Russie trad, de l' Ital. 1769. Lett. 12,

sucht dies ebenfalls zu beweisen.

Man hat an verschiedenen Stellen in diesem Meere in Felsen Zeichen eingegraben, um darnach das Verhalten des Wassers bey seiner Abnahme zu beurtheilen. Dergleichen befinden sich nun bey Ratam unter dem 64 Gr. N. Br. im Bothnischen Meerbusen vom Jahre 1749, 1774; bey Store=Rebb, einer Felseninsel ziemlich weit in die See hinein, nicht fern von der Stadt Piteo vom J. 1751; bey Wargü, einige Meilen von der Stadt Wasa vom J. 1755; bey Löfgrundet, anderthalb Meilen von Gefle vom Jahre 1731. Im Jahre 1785 sah man diese Zeichen nach, und es fand sich, daß bey Ratam sich die Mittelhöhe der Meeresfläche, in einer <86, 726> Zeit von 36 Jahren, siebenzehn Zolle und während der letzten elf Jahre fünf und einen halben Zoll vermindert habe. Bey Rebb war die Senkung, nach Verlauf von vier und dreißig Jahren, vierzehn und einen halben Zoll, und bey Löfgrundet, in vier und funfzig Jahren, neun und zwanzig Zolle. *

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Vordenancker a. a. O. S. 9. fl.

Hiernächst beruft man sich auf einige alte Seecharten der Venetianer, auf welchen der Ostsee ein weit größerer Umfang gegeben wird, als sie gegenwärtig hat. Hierzu kommt noch, daß Pässe zwischen den Scheren, wo vor funfzig Jahren große Fahrzeuge durchgegangen, jetzt nur kleineren Booten den Eingang verstatten, und daß in dem Meerbusen von Fielbaka, wo man bey Menschengedenken noch mit Kähnen herumfuhr, jetzt Gras gewonnen wird. Von einigen Städten Lapplands weiß man, daß sie in vorigen Zeiten eine bequeme Einfahrt für Schiffe gehabt haben, ob sie gleich jetzt drey bis vier tausend Schritte vom Meere entfernt liegen, und in Helsingör stehen Eisenhämmer und Oefen an Orten, die vor achtzig Jahren vom Meere überschwemmt gewesen sind. *

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Hannövrische nützliche Sammlungen vom J. 1756. Neues Hamburgisches Magazin. 5 B. 25 St. Oelrich' s histor. geogr. Nachrichten von Pommern. Berlin 1771. S. 70. und Zusätze S. 33.

Als einen Beweis, daß das Meer sich von den Küsten Preußens entferne, führt man eine alte Tradition an, wonach dieses Land in den ältesten Zeiten vom Meere ganz bedeckt gewesen sey, und zeuge hiervon noch der Bernstein, den man auf zwanzig und mehrere Meilen davon <86, 727> findet. *

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Man hat in diesem Jahre 1802 auch sogar in Ungarn Bernstein gefunden. Der Bernstein beweise übrigens nicht viel, da er, so viel man jetzt dafür hält, kein eigenthümliches Seeproduct ist

Hartknoch erzählt, es sey zu seiner Zeit eine allgemeine Sage gewesen, daß das Meer vormahls bis Culm gereichet habe. Die Stadt Danzig soll vor einigen Jahrhunderten der Ostsee so nahe gestanden haben, daß sie vor Ueberschwemmungen nicht sicher gewesen. Auch soll hierin der Grund liegen, daß das Wasser im Weichselstrome von Jahr zu Jahr seichter wird. Ja das kleine Haf in Vorpommern hat sich in den vorigen Jahrhunderten nach ziemlich wahrscheinlichen Traditionen bis ins Mecklenburg=Strelitzische ausgedehnt, und man hat in den Wiesen zwischen Friedland und Neubrandenburg nicht nur einen Schiffsanker und andere auf Seefahrt deutende Geräthe ausgegraben, sondern sogar der kleine Ort Broda bey Neubrandenburg ist nach alten Urkunden mit verschiedenen Vorrechten zur Häringsfischerey versehen gewesen, welche ihm ohne eine freye Wasserfahrt bis in die See, wozu die dortigen kleine Flüsse sich nicht eignen, unnütz gewesen wäre. Man muß aber wissen, daß von Neubrandenburg an bis zum kleinen Haff eine ununterbrochene Strecke Wiesen von verschiedener Breite fortläuft, die sich jetzt vielleicht nur wenige Fuß über das Meer erhebt, und deren mohriger, ganz vegetabilischer Grund es beweiset, daß auch der Pflanzenwuchs hier dem Wasser vielen Abbruch gethan habe, wie es bey so vielen, sich nicht stark bewegenden seichten Gewässern der Fall zu seyn pflegt.

Aehnliche Erscheinungen liefern uns auch andere Meere. In der Nordsee erhalten einige <86, 728> Provinzen mit jedem Jahre einen Gewinn am Lande. Zwischen den Küsten von Nordfolk in England und von Seeland sieht man jetzt eine Sandbank, an einer Stelle, wo sich die Fluthen des deutschen und Französischen Meeres begegnen, und es ist wahrscheinlich, daß diese Bank mit der Zeit zu einer völligen Landenge werden wird. *

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Philos. Transact. abridg. Vol. IV.

Der Hafen Hith in der Provinz Kent ist, der Mühe ungeachtet, die man an seine Erhaltung gewendet, dennoch ausgefüllt; man findet daselbst Schalengehäuse unter einer Decke von Schlamm und Erde, worauf jetzt Vieh weidet. Astruc. *

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Memoiree de l' Academ. de Montp. p. 1.

meldet, und andere Schriftsteller bestätigen es, daß das Meer sich seit langer Zeit von der östlichen Küste Languedocs, zwischen der Stadt Agde und der Mündung der Rhone allmählig entferne. Man weiß, daß Ludewig der heilige, in den Heereszügen nach Egypten und Tunis, sich mit seinem Heere zu Aiguemortes einschiffee, welches damahls ein berühmter Hafen war, ein Ort, welcher jetzt eine Stunde vom Meere entlegen ist. Psalnodie, noch tiefer im Lande belegen, stand auch am Ufer des Meeres. Der ganze Strich Landes von Pisa nach Livorno, die Stelle mit eingerechnet, worauf die Stadt erbauet ist, besteht aus einem schlammigen Seestrande, von dem man einen Theil urbar gemacht hat. Die Hügel und Anhöhen, welche östlich nach diesem Ufer liegen, sind Anhäufungen von Erde und Schalengehäusen, woran sich ihre Entstehung sofort erkennen läßt. Das Meer ist auch hier zurückge<86, 729>chen, und hat überall Seeerzeugnisse nachgelassen *

*
Gorani Nachrichten von Italien. a. d. Fr. 3 Th. Kölln 1783. 8. S. 98.

Niebuhr fand, auf seiner ganzen Arabischen Reise, daß das Wasser sich zurück gezogen hatte, und glaubt daraus folgern zu können, daß der Arabische Meerbusen vormahls eine weitere Ausdehnung gehabt habe. Besonders verdienen die Küsten des glücklichen Arabiens angemerkt zu werden. Sie sind sehr unfruchtbar. Auf 15 bis 16 Meilen vom Ufer erhebt sich das Land bis an den Fuß der Gebirge. Hier verändert sich der Schauplatz plötzlich aus einer sandigen Wüste in einen fruchtbaren Boden. Dort findet man viele Schalgehäuse u. a. Producte des Meeres, welche Jahrhunderte da gelegen zu haben scheinen. Wenn man nun noch das Abschüssige des Bodens dazu nimmt, so wird es wahrscheinlich, daß dieses Land aus dem Meere angewachsen sey. Nach dem Zeugnisse mehrerer Schriftsteller lag Damiate in Egypten noch im Jahre 1247 an einem Hafen, und ist jetzt an zehen Meilen weit vom Meere entfernt. So ist auch die Insel Pharus mit dem festen Lande verbunden worden, welches indessen sehr wahrscheinlich durch den vom Nil abgesetzten Schlamm geschehen ist. *

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Die veränderte Gestalt des Ufers bey Alexandrien seit den Zeiten der Römer sieht man in zwey Grundrissen vom alten und jetzigen Alexandrien, vor dem 4ten Bande der jen. allg. Lit. Zeit. 1801.

Das Meer bey Ravenna ist fast auf eine Deutsche Meile zurück gewichen, und der ehemahlige Hafen in einen fruchtbaren Boden verwandelt. Ein Thurm, welchen Pabst Pius V. bey der Mündung der Tiber am Ufer <86, 730> des Meeres bauen ließ, war schon vor 145 Jahren an tausend Schritte davon entfernt. Nach glaubwürdigen Nachrichten zeigen sich bey Gibraltar sichtbare Spuren, daß das Meer auch da abnehme und die Ufer sich erhöhen.

Kalm *

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Beschreib. einer Reise nach dem nördlichen Amerika. a. d. Schwed. 2 Th. S. 165.

meldet, daß auch in Amerika Merkmahle eines abnehmenden Meeres gefunden werden, und daß sogar bey den Indiern die Sage gehe, daß das Meer vor vielen Menschenaltern Gegenden beherrschet habe, die jetzt an hundert Englische Meilen von seinem Gebiete entfernt sind.

Längs den Küsten des Eismeeres findet man in einer Höhe, welche jetzt weder von der Fluth noch von den Meereswellen erreichet werden kann, Baumstämme, die das Wasser vormahls ans Land geworfen hatte: ja man traf einst ein Fahrzeug im Lande, fünf Werste vom Ufer, westwärts der Mündung des Lena an. *

Von der Südsee erwähnt Forster *

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Bemerkungen. S. 125.

eines Umstandes, der auch hier die Abnahme des Wassers scheinbar macht. Man kennt die Würmer in den Litophyten, die fast überall im Meere, vorzüglich aber in der Südsee, ihre wunderbaren Gehäuse von steiniger Substanz erbauen. Diese sogenannten Korallenfelsen sind gewöhnlich auf dem Boden des Meeres schmahl, und stehen gleichsam auf einem Stiele, breiten sich aber oben dergestalt aus, daß Felsen dieser Art, welche bis funfzehen Fuß hoch und am Stamme kaum drey Fuß dick sind, oben achtzehen Fuß im Durchmesser haben. Die Thiere, wel<86, 731>che den Bau aufführen, können außerhalb des Wassers nicht leben, daher wird er nie über die Fläche des Wassers fortgesetzt. Gleichwohl fand Herr Forster, auf dem Risse, welches das Turtle=Eyland einschließt, einige Lithophyten von erwähnter Größe, die völlig über dem Wasser standen, und worauf man außer dem Gebiete der Meeresfluth bereits einen Anfang der Vegetation erblickte. Die Hälfte der Inseln, mit ihren Waldungen und Wohnungen müste zugleich mit überschwemmt werden, wenn die Fluth jene Felsen erreichen sollte.

Diese Beyspiele, deren Verzeichniß man noch um vieles dergrößern könnte, beweisen nun allerdings, daß sich das Meer in einigen Gegenden zurück gezogen habe, und niedriger geworden sey: daß es aber auch Eroberungen mache, und nun Stellen einnehme, die vormahls über seine Fläche hervorgeraget haben, davon giebt es ebenfalls unbezweifelte Erfahrungen.

Schon die Ostsee stellt hierüber Zeugnisse auf. Man weiß, daß das Wasser hier nicht auf allen Seiten zurück tritt, sondern daß auf der Südseite derselben das Land wirklich verliert. Pommern hat durch den Anwachs des Wassers an seinen Küsten beträchtliche Verwüstungen erlitten. Die Insel Rügen ist vormahls größer gewesen, und hat mit dem festen Lande zusammen gehangen, aber durch das heftige Andringen des Wassers eine starke Verminderung erfahren. Sie verlohr im Jahre 1303 ein großes Stück Land, wodurch zwischen ihr und der Insel Rüden ein Zwischenraum von anderthalb Meilen entstanden ist. So soll eine vormahls berühmte Stadt Vineta, auf einer Insel längs den drey Ausflüssen der Oder belegen, im achten oder <86, 732> neunten Jahrhunderte mit einem ansehnlichen Stücke Landes vom Meere verschlungen worden seyn. *

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Büsching' s Magazin für die Historie und Geographie. VIII. Th. S. 387 bis 448. Hr. D. C. R. Zöllner in seiner Reise nach der Insel Rügen. Berl. 1797. 8. S. 464 bis 527. hat erwiesen, daß eine solche Stadt nie existirt habe; folglich der angegebene Untergang eine bloße Erdichtung sey. Man findet an der Vorpommerischen Küste einige Kalkfelsen auf dem Grunde des Meers, die bey stillem Wasser, wenn man darüber weg fähret, etwa das Ansehen wie die Ruinen einer Stadt haben sollen. Dieses mag Veranlassung zu einer solchen Sage gegeben haben.

Noch jetzt sind manche Gegenden an der Küste nicht außer Gefahr, von dem Meere, über dessen Spiegel sie nur wenig hervorragen, verwüstet zu werden, wie denn die Insel Wollin nicht selten in Wassersnoth geräth. Herr Zöllner *

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A. a. O. S. 104.

erzählt von einem Hause, welches seit Menschengedenken durch die Macht der Wellen zweymahl weiter landeinwärts gedrängt worden sey. Die See thürmte vor ihm einen großen Sandhügel auf, welcher von Zeit zu Zeit nicht nur höher ward, sondern auch nach dem Lande immer weiter zurück trat. Er näherte sich dem Hause immer mehr, und am Ende ward dieses von dem anschwellenden Sande zusammen gedrückt.

So hat man auch Efahrungen, daß im mittelländischen Meere an verschiedenen Stellen die Höhe des Wassers wachse. Von dem Adriatischen Meere wird besonders gemeldet, daß es sich an den Küsten Dalmatiens augenscheinlich erhöhe und weiter um sich greife. Man wird in manchen Gegenden an denselben Reste ehemahliger Gebäude im Wasser gewahr. Auch in Venedig ist dieser Anwachs merklich. Zendrini <86, 633> bezeugt schon, daß man den Markusplatz habe erhöhen müssen, damit er nicht zur Fluthzeit Ueberschwemmungen bloßgestellt sey, auch daß die marmornen Stufen beym Pallaste St. Markus, welche im Anfange des sechszehnten Jahrhunderts zur Bequemlichkeit der Schiffahrenden angeleget worden, zur Zeit der Fluth einen Fuß tief unter Wasser stehen. Manfredi fand, daß die Fußböden der drey Kirchen zu Ravenna, welche etwa vor zwölfhundert Jahren erbauet worden sind, acht Zolle tief unter der Oberfläche des fluthenden Meeres lagen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß sie bey ihrer ersten Anlage so gestanden, sondern alle Vermuthung da, daß sich das Wasser hier erhöhet habe, wo nicht etwa jene gesunken sind. In diesem Falle befinden sich auch die Ufer von Crain, wo immer mehr Land vom Meere erobert wird. Maillet' s Beobachtungen, in Alexandrien gemacht, bestätigen dan nähmliche, und auf diese Weise scheint das ehemahlige Carthago durch das Meer zu Grunde gerichtet zu seyn. *

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Bruce von Kinnaird Reisen zur Entdeckung des Nils a. d. Engl. v. Volkmann, 1 Th. S. 20. der Einl.

Von der Nordsee behauptet Pontoppidan *

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Naturg. von Dännemark.

ausdrücklich, daß das Wasser derselben die Dänischen Küsten allmählich angreife, und sie besonders da, wo sie steil und hoch sind, nach und nach aushöle, so daß sie endlich zusammen stürzten. So verliert Jütland an der Seite dieses Meeres immer etwas von seinem Gestade, vornähmlich an solchen Stellen, wo es nicht von den Dünen und Sandhügeln beschützt wird. Dies ist nun bey Ryssenstein sehr merklich, wo <86, 734> der Borberg, dem Ansehen nach, schon die Hälfte verlohren hat, und immer mehr einbüßt. Die Insel Godwin in England hat das Meer vom Lande abgespült, und sie steht jetzt unter Wasser. *

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Phil. Trans. abridg. Vol. IV.

Die Bewohner von Ceilan sagen, daß diese Insel durch einen Einbruch des Oceans von der Halbinsel Indien getrennt sey.

Was folgt nun aus allen diesen Erfahrungen und Thatsachen, deren Richtigkeit man nicht bezweifeln kann? Gewiß so viel, daß man keine hinlänglichen Gründe habe, eine gänzliche Verminderung des Wassersvorraths auf dem Erdboden anzunehmen. Um diese darzuthun, müste man das ganze Verhältniß des Landes, dessen sich das Wasser bemächtigt hat, so wie desjenigen, welches trocken geworden ist, die Tiefe des Meeres und die Figur seines Bodens genau kennen. Dies allein würde uns in den Staud setzen, die Räume zu vergleichen, welche das Wasser in den verschiedenen Zeiten eingenommen hat. Aber wie ist solches möglich? Mit einer größern Wahrscheinlichkeit kann man eine Verrückung des Wassers annehmen, bey welcher seine Menge die nähmliche bleibt, und wo dem Wasser das auf der einen Seite entzogen wird, was das Land auf der andern verliert. *

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Du deplacement des mers. Genève 1788. 8. In dieser kleinen Schrift werden mehrere Ursachen vorgetragen. welche den Stand des Meeres in den verschiedenen Gegenden erhöhen oder erniedrigen. Rozier Observationes sur la physique, sur l' histoire naturelle etc. à Paris. 4. Tom. XIV. p. 498.

Wollte man die Verminderung des Wassers auf der Erde vertheidigen, so würden die jetzt trocken stehenden Korallenfelsen in der Südsee vielleicht den wichtigsten Grund abgeben, da die Südsee ein sehr weit <86, 735> ausgedehntes wenig durch Land unterbrochenes Meer ist, bey dem sich keine solche Ursachen der Abnahme, wie bey mittelländischen Meeren denken lassen, die nur vermittelst schmahler Kanäle mit dem Ocean in Verbindung stehen, welche ihr Bett nach Art eines Flusses mehr aushöhlen können. Doch fehlen uns zur Zeit noch die Angaben, ob das Wasser sich nicht in andern großen Meeren dafür anhäufe. Man möchte vielleicht behaupten, die Inseln mit den Korallenfelsen seyen durch die Wirkung unterirdischen Feuers etwas emporgehoben worden. Dieser Behauptung steht aber die Erfahrung entgegen, daß es in der Südsee so viele Inseln gibt, die alle bloß auf Korallenfelsen ruhen, oder welches eigentlich nur bloße Korallenfelsen mit etwas angeschwemmter Erde sind, und wo diese Felsen, die nur unter dem Spiegel des Meeres erbauet werden können, häufig etwas über die jetzige Oberfläche des Wassers hervorragen. Bey allen diesen eine ungefähr gleichmäßige Erhebung durch vulkanisches Feuer anzunehmen geht doch nicht füglich an. Auf die eingehauenen Zeichen an der schwedischen Küste läßt sich diese Erklärungsart noch weniger anwenden, da die nördlichen Gegenden keine Spur von dergleichen Feuer zeigen. Ueberdies müste die Erhebung derselben unter Umständen geschehen, welche die Ursach nicht leicht verkennen lassen. Sie müste gewaltsam und schnell erfolgen, nicht aber nach und nach und unmerklich. Es ist auch nicht glaublich, daß solche fest angewurzelte Felsen gleich Steinen von geringerer Masse durch das Eis gehoben seyn sollten. Wenn in der Stellung derselben irgend eine Veränderung vorgehen kann, so würde sie vielmehr in einem Sinken bestehen; <86, 736> aber auch angenommen, daß die Ostsee von Jahr zu Jahr in ihrer Fläche niedriger werde, so folgt daraus noch keine Wasserabnahme für den ganzen Ocean.

Wenn bey einer Verrückung des Wassers die Abnahme desselben das eine, der Anwachs aber das andere Meer allein träfen, so ließe sich hiervon wohl ein Grund gedenken; schwieriger ist es aber zu erklären, wie es zugehet, daß bey einem und demselben Meere Landvermehrung und höherer Wasserstand zugleich wahrgenommen wird, wie das besonders bey dem mittelländischen Meere der Fall ist. Es scheint jedoch, daß die Beschaffenheit der Ufer hierzu Veranlassung giebt. Erhöhungen des Meeresbodens werden gewöhnlich nur da statt finden können, wo die Ufer flach und niedrig sind. Hier kann das Wasser seine fremden Theile ruhiger absetzen als an den hohen Küsten, wo es tiefer und ungestühmer ist. Das Meer wird also auf der einen Stelle durch Gewalt seiner Wellen Land wegreissen, oder ein durch verschiedene Ursachen niedriger gewordenes Ufer bedecken, an einer andern Stelle wird es Land ansetzen und sich daher von seinen alten Ufern entfernen. Daß das Wasser, wenn es von der einen Stelle verdrängt wird, sich an einer andern in der Nähe oder Ferne dafür erheben müsse, Läßt sich, in so fern man hiermit einzelne Fälle des Steigens erklären wollte, nicht behaupten, weil das Wasser als ein flüssiger Körper sich ja überall vertheilt, und sich mit seinem ganzen Spiegel ins Gleichgewicht zu setzen sucht. An der östlichen Küste des rothen Meeres nimmt das Wasser ab, an der westlichen aber dringt es auf das Land ein. Man kann deshalb aber nicht sagen, daß das letztere Folge <86, 737> von dem erstern wäre; denn wenn die Zunahme des östlichen Ufers dem Wasser den Raum beschränkt, so wird dieses durch die Straße Bab el Mandeb in den Ocean sich vertheilen, und sich nicht gegen das Gesetz des Gleichgewichts an der entgegen stehenden Küste erheben.

Die Lehre von der Wasserverminderung scheint übrigens den mehresten Naturforschern mit der weisen Einrichtung des Schöpfers im Widerspruche zu stehen. Wenn durch die Ausdünstung des Meeres Theile verschwinden, so können es nur die reinern seyn. Das Salz müste zurück bleiben, und die Salzigkeit des Meeres dadurch von Jahr zu Jahr verstärkt werden. Die Fische und andere Seethiere würden sich bald in einer Flüssigkeit befinden, die ihren Bedürfnissen nicht mehr angemessen wäre, und die Folge davon würde ihr Untergang seyn. Regen und Thau müsten aufhören; das Meer würde zuletzt in Krystalle anschießen, und der Erdboden in eine Wüste verwandelt werden, wenn nicht etwa nach Newton' s Theorie ein Komet die Erde wieder mit einem neuen Wasservorrath versorgte, oder bey der Verwandelung des Wassers in feste Körper, eben so viel Erde jährlich zu Wasser würde.

Diesem könnte man nun zwar entgegen setzen, daß bey der Ausdünstug des Meerwassers nicht bloß die reinen Wassertheile davon gehen, wie etwa in einem Destillir=Gefäße; sondern daß auch durch Stürme und Winde substantinelle fixe und flüchtige Salztheile mit fortgerissen werden. Allein durch diese Operation der Natur würde doch immer ein gewisser Antheil des reinen Wassers für das Meer vernichtet werden, mithin seine Summe sich vermindern, und da dieser Verlust auch auf die Ströme und Flüsse der Erde <86, 738> einen Einfluß haben würde, so erhielte der Ocean immer weniger Wasser, als er verliert. *

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Bergmann' s phys. Erdb. 2 B. S. 211. ff. Browallius historische und physikalische Untersuchung der vorgegebenen Verminderung des Wassers u. Vergrößerung der Erde a. d. Schwed. von Klein. Stockholm. 1756. 8. Pisanski Bemerkungen über die Ostsee, besonders an den Küsten von Preussen. Königsb. in Pr. 1782. 8. S. 21. ff.

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Der ganze Inbegriff des Wassers, worin das feste Land und die Inseln liegen, heißt, wie oben bemerkt, das Weltmeer, der Ocean. Meere nennt man insbesondere diejenigen Theile desselben, welche unmittelbar das Land berühren, und von ihm zum Theil eingeschlossen werden, auch von ihm öfters den Nahmen führen, als das Teutsche, Spanische Meer. Mit diesem wird im gemeinen Leben häufig das Wort See verwechselt, und eins für das andere genommen. So sagt man: die Südsee, das Südmeer, die mittelländische See, das mittelländische Meer. Die Nordsee, die Ostsee kennt man nur unter diesen Nahmen, und unter dem Nordmeere versteht man insgemein den Theil des Oceans, welcher sich über diesem etwa bis zum 50 Gr. N. Br. erstreckt. Bey einigen ist das Wort See gar nicht üblich, als das schwarze, rothe, Adriatische Meer.

Wenn das Meer durch kleine Oeffnungen in das Land dringt, so daß es sich hierauf wieder erweitert, so nennt man jene Oeffnungen Meerengen, und in der Schiffersprache Straßen, die Meere hingegen mittelländische Meere. Jene verbinden auch öfters Hauptmeere mit einander. Meerbusen, Bayen, Golfe *

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Sinus. Varenius sagt: Sinus hi proprie loquendo terrae sinus sunt non oceani, sed potius oceani brachia. rami et procurrentes partes. Magie proprie possumus appellare sinus oceani, ubi in le recipit peninsulas, terrae. Verum usus loquendi obtinuit. l. c. p. 134.

sind <86, 739> solche Stellen, wo das Wasser in das Land dringt, ohne Engen zu passiren. Man verwechselt nicht selten den Ausdruck, mittelländisches Meer und Meerbusen. Dies geschieht unter andern von Varenius und Lulof, welche die mittelländischen Meere längliche, die eigentlichen Golfe aber breite Meerbusen nennen. Die Meerbusen haben eine weite Mündung, als z. B. der Biscaische, Bothnische, Genuesische Meerbusen. Von den mittelländischen Meeren haben einige an den Bewegungen der Ebbe und Fluth unmittelbaren Antheil, als z. B. das mittelländische, andere nicht, als die Ostsee.

Hafen überhaupt heißt ein Ort am Meere, wo Schiffe in Sicherheit liegen, und ihre Ladungen absetzen und neue einnehmen können: insbesondere nennt man so eine Bucht, wo die Schiffe bequem vor Anker liegen, ohne von Winden beunruhigt zu werden. Die Erfordernisse eines guten Hafens bestehen darin, daß die Schiffe ohne Schwietigkeit ein= und auslaufen können; daß er eine hinlängliche Tiefe und festen Ankergrund habe, vor den gefährlichsten Winden, besonders Sturmwinden sicher sey, und zum Ein= und Auslaufen der Schiffe bequem liege. Diese Eigenschaften sind nun gewissen Häfen entweder alle, oder nur zum Theil von der Natur gegeben worden. In Europa findet man keine Seeküste, welche mehr vortreffliche Stelle, Flotten in sich zu fassen, aufzuweisen hätte, als die Engländische. Sie hat überall eine so günstige Lage, daß man fast immer sichere Zufluchtsorte <86, 740> und so gute natürliche Häfen findet, daß weiter nichts nöthig ist, als die Anlegung einiger Batterien. An den Küsten der neuen Welt findet man insbesondere schöne Häfen. In anderen Gegenden fehlen sie dagegen ganz. So trifft man längs des Gestades der Halbinsel Indien, vom Ganges an bis zur Insel Selon in der Länge von zweyhundert Meilen keinen Hafen an, woran die Gewalt Schuld ist, welche das Meer unabläßig gegen diese östliche Küste ausübt. Man will überhaupt bemerkt haben, daß wenn man die verschiedenen Häfen an allen Meerufern durchgeht, die Zahl derselben auf den Westküsten die gröste sey, vorzüglich in den Indischen Meeren. *

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S. den Art. Pfeil-IconHafen, Th. 21. Pfeil-IconS. 1. und Pfeil-Icon58. Gentil in den neuen Samml. von Reisebeschreib. Hamb. 2 Th. 1781. S. 166.

Burnet *

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In Telluris theoria sacra, originem et mutationes generales orbis nostri complectens. Amstel. 1794. 4. Lib, 1. Cap. 7. 8.

giebt die Sammlung des Wassers, welche man Meer nennt, größtentheils für zwecklos und unnütz aus. Wir übersehen zwar nicht die ganze Oekonomie der Natur, um jeden Nutzen aufzählen zu können, den das Meer der Erde gewährt, und warum es nothwendig war; allein wenn man auch nicht in Betrachtung ziehen will, daß es zahllosen Heeren von Geschöpfen zum Aufenthalt dient, welche darin ihren Unterhalt finden: so versorgt das Meer auch den trockenen Theil der Erde ununterbrochen mit einem reichlichen Vorrathe von süßem Wasser, indem es zur Entstehung der Dünste und Wolken Gelegenheit giebt. Auch scheint das Meer das wirksamste Mittel zu seyn, der zu großen Anhäufung des kohlensaueren Gas vorzubeugen, <86, 741> welches beym Athmen der Thiere, beym Verbrennen u. s. w. immer in einiger Menge in den Dunstkreis übergeht. Es saugt nähmlich diesen Stoff immerfort ein, und befreit dadurch die Atmosphäre von einem Bestandtheile, der sie früher oder später zur Unterhaltung des Lebens der Thiere und anderen Absichten untauglich machen würde.

Die scheinbar unverhältnißmäßige Größe des Oceans gegen das Land ist übrigens kein so nachtheiliger und ungünstiger Umstand für die Erdbewohner, als manche glauben mögen. Man stelle die Leichtigkeit der Wasserfahrten gegen die Beschwerlichkeiten und Hindernisse, welche von den Landreisen gewöhnlich unzertrennlich sind, und man wird finden, daß die Länder durch die Gewässer mehr unter sich verbunden, als von einander getrennt sind.

Die Gewalt, welche der Mensch über das Weltmeer erhalten, war im Anfange allgemeiner Nutzen, und niemand behauptete ein Recht auf ein Element, welches für jeden geschaffen zu seyn schien. Das Meer stand jedem offen, bis zu den Zeiten Justinians. Einer seiner Nachfolger, Leo begnadigte alle diejenigen, welche an der Küste seiner Staaten wohnten, mit dem Rechte, so weit ihr Besitz reichte, allein Fischfang treiben zu können. Der Thracische Bosphorus war die erste Gegend des Meeres, welche auf diese Weise in gewisse Herrschaften getheilt war. In der Folge der Zeit hat es in Europa oft die größten Kriege veranlaßt, wenn es darauf ankam, welche Nation auf dieses Element ein ausschließendes Recht haben sollte. So besaß der vormahlige Freistaat Venedig das Adriatische Meer. Die Engländer haben indeß fast allein <86, 742> einen weit ausgedehnten Besitz aller der Meere, welche England, Schottland und Ireland umgeben, und sie üben darauf eine fast uneingeschränkte Herrschaft aus. Jedermann weiß, daß der Flor dieser Nation fast allein auf der Oberherrschaft über das Meer beruht, so daß, wenn sie diese einmahl verlieren sollte, dadurch zugleich ihr Wohlstand wankend gemacht werden würde. Ihr haben wir es auch vorzüglich zu verdanken, daß wir in den neueren Zeiten mit dem Meere so bekannt geworden sind. Die Häfen, Bayen, Ströhme, Untiefen sind vielleicht genauer und sorgfältiger untersucht worden, als selbst manche Gegenden des festen Landes.

Das Weltmeer besitzt einen unerschöpflichen Vorrath von lebenden Geschöpfen; es enthält Pflanzen und Mineralien, wovon die mehresten von eigener Art sind.

Fast jede Meeresküste wimmelt von theils bekannten, theils noch nicht gesehenen Thieren. Nur eine Summe anhaltender Beobachtungen für jede derselben, könnte der bis jetzt mangelhaften Kenntniß davon einigermaßen abhelfen, und weil die Beyspiele da, wo man den Anfang im Beobachten gemacht, einen so außerordentlichen Reichthum an Bewohnern zeigen: so läßt sich daraus mit Recht auf das Ganze schließen.

Der Ocean enthält aus mehr als einer Ursache einen größern Vorrath von animalischen Produkten, als das Land. Schon die Größe des Raums, den er einnimmt, übertrifft, wie wir wissen, bey weitem den Umfang des trockenen Landes, und da sind alle Theile von der Oberfläche an bis zur untersten Tiefe zum Aufenthalte lebendiger Geschöpfe gleich geschickt, so daß man hier nicht, wie auf dem Lande, Him<86, 743>melsstriche unterscheiden, und den Wohnplatz der Thiere nicht nach dem Flächeninhalt schätzen darf. hauptsächlich begünstigt die Temperatur die Bevölkerung im Meere.

Die höchsten und niedrigsten Temperaturen, welche die Atmosphäre angiebt, machen einen Abstand von mehr als 130 Graden Fahrenheit. Ob diese nun zwar eigentlich die Luft angehen, so wird doch der Erdboden selbst, wenn er einer fortdauernden Hitze und Kälte ausgesetzt ist, dadurch mit angegriffen. Wir haben Erfahrungen von dem tiefen Eindringen des Frosts in die Erde, so wie auch von der Hitze. Adanson bezeugt, daß die Sonne den Sand von Senegal so sehr erhitze, daß man Eyer darin sieden könne, und selbst in dem südlichen Sibirien reißt die Hitze den Boden aus einander, so wie auch hier der Frost mehrere Fuß in die Erde eindringt. Das Meer hingegen ist weder einer so großen Hitze noch Kälte fähig. Beyde gehen, wie wir wissen, nicht tief ein, und nirgends findet daselbst eine weit von einander abstehende Temperatur statt.

Die äußersten Grade der Luftwärme finden sich von 108 Graden über Null bis auf 26 Grade darunter; ein Abstand von 134 Graden. Das Meer hingegen zeigt nur 42 Grade Unterschied, nähmlich vom 26 bis zum 68sten Grade. So verhielte sich demnach die Größe der Abwechselung der Meeres=Temperatur zu der der Luft wie 234 : 42 = 5. 56 : 1,00. oder der Bewohner der freyen Luft wäre einer sechstehalb mahl so starken Veränderung der Temperatur ausgesetzt, als das Seethier.

Wer einigermaßen den Werth des Unterschieds von zehen und mehr Graden Thermometerhöhe kennt; wer dabey auf die Wirkung des <86, 744> Anhaltens und der Dauer größerer oder geringerer Wärme Rücksicht nimmt, der sieht schon hieraus deutlich, daß die Seethiere viel bequemer zu allen Zeiten alle Theile des Oceans bewohnen können, als die Landthiere die verschiedenen Erdzonen. Hierbey kommt ihnen auch die Natur ihres Wohnorts selbst zu Hülfe. Das Thier auf dem Lande kann, wenn es ihm irgendwo zu kalt oder zu heiß wird, sich nicht sogleich in solche Theile der Erde versetzen, welche eine seiner Natur angemessene Temperatur haben. Es müßte zu diesem Ende oftmahls viele Meilen weit fortrücken, und hier stehen ihm Berge, Flüsse, Seen beständig im Wege. Ganz anders ist es mit dem Seethiere beschaffen. Dieses taucht in eben der Zone nur hundert Klafter tiefer, wenn etwa die Oberfläche des Meeres durch die äußere Luft zu sehr erwärmt oder erkaltet ist.

Es kann daher das Meer an allen Orten gleich ansehnlich bevölkert seyn, und wirklich, so viel wir auch jetzt durch die Erfahrung wissen, so ist kein Strich desselben bekannt, der nicht eine Menge davon aufzuweisen hätte. Die kalte Zone ernährt eben so viel Thiere, als die Gegenden, welche den senkrechten Strahlen der Sonne ausgesetzt sind.

Das Meer enthält eine große Menge von Thieratten von außerordentlicher Größe und Kleinheit. Welch ein Abstand von dem Wallfische bis zu den leuchtenden Pünktchen und andern den unbewaffneten Augen nicht sichtbaren Geschöpfen! Von den kleineren Thierarten traf Hill *

*
Hamb, Magaz. XIX B. S. 233.

in den Blättern eines Meergrases microscopische Insekten an, welche den Rüssel in <86, 745> das Mark des Blatts senkten, um daselbst wohnende noch kleinere Thiere zu ihrer Nahrung aufzusuchen. Das Leuchten des Meerwassers rührt, wie wir wissen, zum Theil von Meergeschöpfen her. Baster *

*
Opusc. fubseciv. T. 1.

zeigte nicht nur drey verschiedene Thierarten in einem Tropfen, sondern entdeckte auch an einigen Sertularien zwölf verschiedene wunderbar gestaltete Geschöpfe. So gab das Meerwasser dem Rose *

*
Phil. trans. Vol. LX. 1717.

eben so viel Infusions=Thiere, als das süße Wasser. Man sieht gewöhnlich Austerschalen und andere aus dem Meer hervorgeholte Körper mit vielen kleinen Schalthieren und Gewürmen besetzt. Zwischen den Stacheln der Seeigel leben wieder andere Thiere, und diese bleiben beständig an ihrem Orte. In sechs Unzen Meerwassers fand Plancus bey Rimini 6700 Ammonshörner, wovon 130 einen Gran wogen.

So sind auch die größeren Bewohner des Oceans in allen Theilen desselben in ungeheurer menge vorhanden. Der Wallfisch und andere, welche mehrentheils von viel kleineren Seethieren, oft von Gewürmen leben, finden sich unter allen Himmelsstrichen in allen Theilen des Oceans. Ihr Daseyn in den Meeren der nördlichen Polargegenden ist allgemein bekannt. Cook und Forster trafen davon eine Menge in Süden an, und Narborough, *

*
Allgem. Gesch. der N. Th. XII. S. 37.

machte schon vormahls den Schluß, daß die Gewässer um das südliche Amerika außerordentlich fischreich seyn müßten, weil die Zahl der hier lebenden Seelöwen, Seekälber, Penguinen, die sich alle von Fischen näh<86, 746>ren, überaus groß ist. Auch bezeugt Vidaure *

*
Gesgr. und. natürl. Geschichte von Chili. Hamb. 1780.

daß die Küstenmeere um Chili Wallfische hegen.

Aber nicht bloß die kalte und gemäßigte Zone dient ihnen zum Aufenthalt wie z. B. das Japanische Meer, sondern selbst in der heißen findet man sie im Ueberfluß. Sie bewohnen die gewässer des grünen Vorgebirges und um Madagaskar; ja Pyrard *

*
Voyag. Par. 1670. l. p. 233.

traf ihrer um Ceylon so viele an, daß sie den Schiffen kaum den Durchgang verstatteten. Am Vorgebirge der guten Hoffnung sind sie nicht selten, und an den Küsten von Congo ist ihre Zahl so ansehnlich, daß die Bewohner derselben ordentlich auf ihren Fang ausgehen. Noch reichlicher ist die Küste von Brasilien damit versehen. Nicht nur am Cap Augustin ist ein eingerichteter Fang, sondern die Portugiesen haben auch einen dergleichen nicht minder beträchtlichen unweit der Catharineninsel. Hier fing man jährlich an achthundert Wallfische, und gesetzt, daß sie auch nicht alle eigentliche Wallfische gewesen sind, so waren es doch ähnliche Thierarten, die ebenfalls fleischfressend sind, und einen ungeheuren Reichthum animalischer Wesen voraussetzen.

Aus Bergen in Norwegen führt man in einem Jahre oftmahls sechszehn Ladungen Dorschrogen aus. *

Von ihnen gehen etwa sieben Körner auf einen Gran, also 40320 auf ein Pfund, und auf ein Schiffpfund 11289600. Wie viele Schiffpfunde gehören aber nicht zu einer Ladung. Man fand in einer Makrele 546681 Eyer, und <86, 747> in einer Scholle 1357400. *

So bezeugt Pallas, *

*
Reisen. 1 Th. H. 138.

daß der Rogen eines einzigen Hausens oft zweyhundert Pfund wöge. Da nun fünf Rogenkörner ungefähr einen Gran ausmachen, so enthält ein Pfund 28000, und die Anlage zu 5 Millionen 760,000 Fischen. Tremarec. *

*
Allgem. Reisen. XXI. S. 25.

versichert sogar, daß man in einem Stockfische über eine Million Eier angetroffen habe. Wie wäre es auch ohne diese unbegreifliche Fruchtbarkeit wohl wöglich, daß das Nordmeer allein 80 Französische Schiffe, von 100 Tonnen ein jedes, und 200 Holländische -- die der übrigen Nationen ungerechnet -- mit Stockfischen versehen könnte *

*
Tremarec a. a. O.

Von der Bank von Terre neuve wird der größte Theil Europens mit Stockfischen aller Art versorgt; und die Küsten desselben im gemäßigten Erdstriche haben von dem Thunfische ähnliche Vortheile. Die Sardelle u. a. geben jenen an Reichthum nichts nach. Bosmann zählt eine große Verschiedenheit von Seefischen an den Guineischen Küsten, und bekannt sind die Scharen der Boniten u. a. Seefische in den Wendekreisen. Eben so reich ist auch das Südmeer. Forster, ob er gleich bey seiner Weltumsegelung keine geschickten Fischer am Bord hatte, und sich dabey an den mehresten Stellen nur kurze Zeit aufhielt, entdeckte dennoch vier und siebenzig völlig neue Arten Fische, Steller und Krascheninikow rechnen ebenfalls für das Ochozklsche Meer nicht nur viele neue Arten Fische. sondern auch Wallfische, Phoken und Seelöwen. <86, 748> Cook fand die Eisfelder zwiscken Asien und Amerika mit letztern oft ganz bedeckt.

Unter allen Fischgattungen scheint indeß der Häring die übrigen an Menge weit zu übertreffen. Nach einer mäßigen Berechnung haben die Menschen gewiß jährlich tausend Millionen seit mehreren Jahrhunderten getödtet, und gewiß werden eben so viel von den Thieren gefressen. In dem Norwegischen Kirchspiele Svanoe wurden im Jahre 1748 in einer einzigen Bucht so viel Häringe gefangen, daß man achtzig Jachten damit anfüllen konnte. Zur Ladung einer Jacht werden hundert Tonnen erfordert, und eine Tonne enthält von den Norwegischen kleinen Häringen 1200 Stück. Da nun nach Pontoppidan. *

*
a. a. O. S. 281.

wegen ihrer Menge eben so viel in der Bucht erstickt und umgekommen sind, so muß dieser Bezirk über neunzehen Millionen in sich gefaßt haben. Fabricius *

*
Reise nach Norwegen. Hamb. 1779. S. 280.

versichert, daß man aus einer einzigen mit dem Netze umspannten Bucht manchmahl Häringe für viele tausend Tonnen ausschiffte. Aus Bergen allein wurden jährlich einige hundert Schiffsladungen davon ausgeführet, und im Jahre 1752, in welchem der Fang nur mittelmäßig war, sind vom Januar bis in den October aus dieser Stadt 11013 Lasten oder 132156 Tonnen verschifft worden. Rechnet man nun noch diejenigen hinzu, welche aus andern Plätzen verschifft, ferner die, welche daselbst verzehret, oder zum Köder für die übrigen Fische im Lande verbrauchet werden: so kann gedachte <86, 749> Zahl gewiß mit drey vervielfältiget werden, wodurch eine Summe von 396468 Tonnen heraus kommt, von solchen nähmlich, die nur in diesem Lande gefangen werden. Die Holländer schicken jährlich tausend bis zwölfhundert Büsen auf den Häringsfang aus, wovon auf jede gewöhnlich 25 Lasten gerechnet werden, und viele davon werden wohl zweymahl damit angefüllt, wenn anders der erste Fang geschwind genug ans Land gebracht wird. Nimmt man nun an, daß nur tausend Büsen ausgehen, so fangen sie, den Büsen zu 25 Last, und jede Tonne, wovon 12 eine Last ausmachen, zu 1000 Häringen gerechnet, jährlich 624000000 Stück. In Schottland und Ireland thut man den Häringen keinen geringern Abbruch: denn allein aus Clyde in Schottland werden jährlich auf 30000, und aus Yarmouth 40000 Tonnen verführet. Rechnet man nun noch dasjenige hinzu, was an den übrigen Küsten von Großbrittannien, Holland, Brabant u. s. w. gefangen wird, so kommt eine ungeheure Menge heraus. Ueberdies salzen die Franzosen etwa 60000 Tonnen jährlich ein, und um und in der Chesapeak Bay spülen die Ueberschwemmungen davon an das Land einen solchen Ueberfluß, daß, wenn sie hier in Fäulniß gerathen, sie der Gesundheit der Einwohner nachtheilig werden. So sollen sie nach dem Isbrand und Krascheninikow in Kamtschatka so häufig vorkommen, daß man daselbst nicht selten in einem Zuge für vier Tonnen fängt. Auch müssen diejenigen mit in Anschlag gebracht werden, welche die Ostsee in so reichem Maaße liefert. Ihrer werden viele tausend Tonnen den Schweden und Dänen zu Theil, derer nicht zu gedenken, welche die Holsteinschen, Mecklenbur<86, 750>gischen, Liefländischen u. a. Fischer fangen. Die Provinz Bohuslehn in Schweden ist seit langer Zeit her mit einem reichen Häringsfange gesegnet. Man kann im Durchschnitte rechnen, daß etwa 400000 Tonnen frische Häringe jährlich zu Thran gebrannt werden. Ungefähr 200000 werden eingesalzen und geräuchert, und 16 bis 20000 Tonnen frische Häringe werden theils an die Landleute verkauft, theils nach Dännemark und Norwegen ausgeführt, so daß man mit ziemlicher Zuverläßigkeit z. B. den Fang von 1779 bis 1784 jährlich auf 600 bis 650000 Tonnen schätzen kann *

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Schriften der naturf. Gesellsch. in Berlin. V B. S. 371. Bloch' s ökonomische Naturgesch. der Fische Deutschlands. 1 Th. 4. S. 196. ff.

Man könnte leicht in Versuchung gerathen, zu glauben, daß das Meer, wegen seiner fast überall so ziemlich gleichförmigen Temperatur, nur eine geringe Abwechselung von Thierarten aufstellen könne, und daß jede Art der Meerbewohner auch in jeder Zone anzutreffen sey. In der That liegt auch hierin eine von den Ursachen der ungeheuren Menge von Individuen, wodurch das Meer belebt wird; allein einige Arten scheinen doch gewissen Strichen des Meeres angewiesen zu seyn. So verlassen die Saugefische so wenig, als die meisten Doraden die wärmeren Zonen; so gehören einige Trichterfische dem Chinefischen Meere: dahingegen die Ostindischen Küsten=Meere unter gleichen Breiten von den Spiegelfischen und Klippfischen, welche dort fehlen, bewohnt werden. Aber dies dient auch zu einem Zeugnisse, daß nicht allein die Meerestemperatur den Wohnplatz dieses oder <86, 751> jenes Thieres bestimmt, sondern auch die Nahrung und der Boden, auch beydes zusammen. Daher hat unstreitig der diesseitige Theil der Ostsee Austern, welche dem entgegen gesetzten Schwedischen fehlen. So wird ein Fisch, der sich von Insekten nährt, welche das Meergras, den Tang bewohnen, nur dann an der Obrrfläche sich sehen lassen, wenn dieses Gras, welches nun schon den Einfluß der Verschiedenheit der Atmosphäre fühlt, das Fortkommen seiner kleinen Bewohner begünstigt. Der Spritzfisch muß nur in Ostindien einheimisch seyn, weil sich da die Insrktenarten finden, welche er zu seiner Nahrung aus der Luft, durch einen Wasserstrahl, herunter schießt.

Wenn wir zwischen der Bevölkerung auf dem Lande und in dem Meers eine Vergleichung anstellen, so erscheint jenes beynahe als eine Wüste. Es muß also hier die Hauptursach fehlen, welche die Bevölkerung der Polargegenden hindert, und in der heißen Zone befördert. Augenscheinlich ist solches dort die ungeheure Kälte. Zwischen dem 77 und 79 Grade N. Br., wo nach Cranz *

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Gesch. von Grönland. S. 144.

in zwey Monathen oft gegen zweytausend Wallfische gefangen werden, wie gering ist da die Anzahl der Landbewohner? Wo ist überhaupt einer der fünf Welttheile, der innerhalb so wenig Quadratmeilen so viel fleischfressende Ungeheuer hervorbrächte? Die großen Landthiere, der Elephant, das Kamel, das Flußpferd, das Nashorn, das Pferd sind fruchtfressend. Die Riesenschlangen und Krokodille leben zwar von Thieren, allein von jenen giebt es nur <86, 752> wenig Individuen, und diese bewohnen eigentlich große Flüsse.

Auch die Natur der Seethiere, in der Art, sich zu ernähren, verdient hier in Betrachtung gezogen zu werden. Da sie lebendige Geschöpfe zu ihrer Nahrung gebrauchen, und ihre Verdauungskräfte sehr schnell wirken, so sind sie gezwungen, sich in beständiger Thätigkeit zu erhalten, in steter Regsamkeit auf den Raub auszugehen, oder ihren Feinden auszuweichen. Die Landthiere sind mit ihnen hierin gar nicht zu vergleichen, da sie sich von weit wenigern Nachstellern umgeben sehen.

Die vierfüßigen Landthiere, selbst die großen Katzen= und Hundegeschlechter sind nur schläfrig. Ein Löwe, eine Hyäne ruhen nach genossenem Futter stundenlang, da selbst bey dem ruhenden und stillstehenden Fische, doch gewöhnlich die Flossen in Bewegung sind, und die Ruhe nur minutenlang dauert.

Es gehört unter die weisen Anstaltungen der Natur, daß sie das Meer an allen Orten so außerordentlich bevölkerte. Indem sie nähmlich die meisten Seethiere fleischfressend schuf, so erwuchs daraus auf mehr als eine Art die Erhaltung des Ganzen. Nur einer wollen wir gedenken. Die ungeheure Menge der im Meere absterbenden Thierkörper würde ihm eine allgemeine Fäulniß bereiten, und es seine tödtende Luft über das Land verbreiten, und die Atmosphäre anstecken, wenn nicht die ununterbrochene Regsamkeit der zahllosen Scharen der Thiere mit dazu beytrüge, das Wasser in steter Bewegung zu erhalten. Hier herrscht ein ewiger Krieg. Das auf Beute ausgehende Seethier wird weder durch Berge, noch durch die Verschiedenheit <86, 753> der Climate gehindert, mit der ihm eigenen Schnelligkeit, von der Oberfläche in die Tiefe, von den Polen zum Aequator, zu fahren. Es verschlingt den Raub, oder wird andern zur Beute, mischt das wärmere Wasser mit dem kältern, das salzige mit dem minder gesalzenen Wasser. Aus den verzehrten Geschöpfen erzeugen sich neue Stoffe, neue Bruten ganzer Geschlechter; dem sterbenden Thiere bleibt keine Zeit zur Fäulniß; denn es geht schnell von einem Leben zu dem andern über. *

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Hrn. von Zimmermann' s geogr. S. etc. III B. S 41, ff. 67. ff.

Die Gewächse und Pflanzen auf dem Boden des Meeres können in allen Zonen wachsen, weil dasselbe nie bis auf den Grund gefriert oder erwärmt wird, und also fast allenthalben dieselbe Temperatur hat. Der Seetang, das Seegras (fucus natans) findet sich sowohl unter dem Aequator, als an den beyden Polen. Unter der zahllosen Menge der Seegewächse sind viele überall anzutreffen; andere verlangen vielleicht ein mehr concentrirtes Seewasser, oder einen besondern Boden. Die an den Ufern des Meeres wachsenden machen nur allein eine Ausnahme aus. *

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Willdenow' s Grundriß der Kräuterkunde. 1792. 8. S. 368.

Ueberhaupt herrscht darin ein auffallender Unterschied, daß auf den Spitzen der höchsten Landberge alles felsig, öde und unfruchtbar ist, dahingegen die Gipfel der Seeberge fast immer bewachsen angetroffen werden.

<86, 754>

Becken des Meeres.

a. Grund und Boden des Meeres. *

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S. Joh. Fried. Wilh. Otto' s Versuch einer physischen Erdbeschreibung. I. Th. Hydrographie, Berlin 1800. 8. S. 344. flg.

Becken *

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Bassin Marsili.

des Meeres nennt man denjenigen Raum, in welchem das Meer auf allen Seiten eingeschlossen ist. Der untere Theil dieses Beckens heißt Grund und Boden die Seiten werden Küsten, Ufer und Gestade genannt.

Die eigentliche Beschaffenheit des Meeresbodens ist noch in ein Dunkel gehüllt, und wird uns, dem größten Theile nach, immer fremd bleiben, da hier genaue Untersuchungen nicht wohl möglich sind. Die Entdeckungen, welche wir darüber durch das Auge an den seichteren Stellen, durch die Wahrnehmungen der Seefahrer mit Hülfe des Senkbleyes *

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Nach Kalm (Reise 1 Th. S. 59.) erforschen die Seefahrer die Beschaffenheit des Meeresgrundes auf folgende Weise. Man klebt etwas Butter oder Talg unter das unten ein wenig ausgehölte Senkbley, und zwar bedient man sich jenes gemeiniglich im Winter, und dieses im Sommer. Wenn das Gewicht herabgelassen ist, so bleibt von den Materialien des Bodens dasjenige daran kleben, woraus man auf die Beschaffenheit desselben schließt.

und durch die Taucher erhalten haben, sind äußerst unbedeutend, und geben uns keinen allgemeinen Ueberblick. Hauptsächlich muß man sich hierbey auf die Nachrichten der letzten verlassen, so wenig man auch auf ihre Zuverlässigkeit rechnen kann.

Man nimmt gemeiniglich an, daß der Boden des Meeres, sowohl seiner Gestalt nach, als auch in Ansehung seiner Materialien, mit dem festen Lande übereinkomme, und daß jener gewissermaßen als eine Fortsetzung von diesem zu <86, 755> betrachten sey. Gewiß ist es, daß er, wie der trockene Theil der Erdkugel, höhere und niedrigere Berge, flachere und tiefere Thäler aufzuweisen hat, daß sich darauf Materialien von mancherley Art befinden, daß er Gewächse und Pflanzen hervorbringt, welche freylich von eigener Art sind.

Dasjenige, was wir von den Materialien auf dem Boden des Meeres aus der Erfahrung wissen, ist von geringer Bedeutung. So viel lehrt sie uns, daß auch hier, so wie auf dem festen Lande, die Verschiedenheit der Stein und Erdaerten groß sey, und die vom Meere bedeckten Theile im Ganzen, sowohl in Absicht der Mischung als auch Abwechselung der Flächen, mit dem Trockenen übereinkommen.

In einigen Gegender bedeckt ein hoher Schlamm den Boden des Meeres, und dieses sind vornähmlich solche Stellen, wo die Flüsse die erdigen Theile absetzen, welche sie mit sich fortgerissen haben. An anderen Orten liegen Sandarten von mannichfaltiger Beschaffenheit und Farbe, noch an anderen Stellen findet man Schalengehäuse, Korallengewächse, Steine, Pflanzen, Gräser, und nach Kircher gar Blumen --vermuthlich Korallen. In gewissen Gegenden findet man Schichten von Salz, Erdharz u. dgl.

Der Meeresboden um die Küsten Hollands besteht aus Lehm und Schlamm, dessen obere Schicht mit Sand bedeckt ist; jene liegen in abwechselnder Höhe über einander. Donati *

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Della Storia naturale dell' Adriatico. Saggio del Sign. D. Vitalino Donati etc. In Venezia 1730. 4.

hat die Schichten des Adriatischen Meeresgrundes mit vielet Sorgfalt untersucht, und sie von <86, 756> Marmor, Feldsteinen, Sand und allerley festeren und lockeren Erd= und Steinarten mit Kies, Metallen u. s. w. gemengt gefunden, welche zusammen mit Betten von Schlamm, Sand, zu einer steinharten Masse zusammen gebacken waren, in welcher unzählige Meerthiere eingeschlossen lagen. Diese Betten sollen sich nach und nach erhöhen, und die Schichten mit den Schichten des nahen Landes mehrentheils parallel laufen, und ähnlichen Gehalt haben. Bey Sibinico in Dalmatien liegen die Schalthiere an sechshundert Fuß hoch. Bey Marseille ist der Meeresgrund mit dem schönsten Marmor bedeckt, und auf den Maldivischen Inseln bauet man mit lauter Steinen, die einige Klafter tief aus dem Meere hervor geholet werden.

Marsili gab sich viele Mühe, die Beschaffenheit des Bodens im mittelländischen Meere zu erforschen. Seine Wahrnehmungen gehen mehrentheils nur auf die Gegenden an der Küste von Prodence und Languedoc, und klären wenig auf. Er fand Lagen von Erdharz, Salz u. s. w., welche zwischen Steinschichten fortliefen. Auf ihnen breitete sich eine Schicht von Materialien anderer Art aus, als Sand, Schalengehäuse, Erde u. s. w., die ein schleimichtes Wesen mit einander verbunden hatte. Diese Rinden sollen sich von Zeit zu Zeit vermehren, und eine große Verschiedenheit von Farben zeigen, die zuweilen die steinige Substanz selbst durchdringen. Sie geben durch eine chemische Zerlegung solche Bestandtheile, als diejenigen sind, woraus die Seegewächse zusammengesetzt sind, zum Beweise, daß sie größtentheils davon ihren Ursprung haben. Die Gegenden, wo er feinen Sand antraf, befanden sich nach an den Mündungen der Flüsse, <86, 757> als der Rhone und anderer kleinerer, welche aus Languedoc einströmen.

Man unterscheidet bey dem Boden des Meeres den ursprünglichen, allgemeinen, permanenten von dem zufälligen, neuen und veränderlichen, dessen genaue Kenntniß in den verschiedenen Strichen des Meeres für den Seefahrer von Nutzen seyn kann. Der erste dient dem zweyten zur Grundlage, und kann nur als der eigentliche Meeresgrund angesehen werden. Er ist derjenige, dessen verschiedene Lagen mit denen überein kommen, die wir im Innern der Erde finden; er besteht aus Mergel, Thonerde, Sand, Schalthieren, welche wagerecht, in einer großen Ausdehnung und Dicke öfters von hundert Fuß und darüber liegen. Ihm gehören ferner die unermeßlichen Strecken der Madreporen und anderer Korallenarten, welche den Felsengrund bedecken. Der zufällige besteht aus einer Anhäufung von Meerigelstacheln aller Art, von Bruchstücken von Korallen, Schnecken, Muscheln, von Seepflanzen, Kies, Glimmer, abgerundeten Steinen, einigen ganzen Schalengehäusen, jedoch in geringer Anzahl und in mäßigen Strecken ausgestreuet, von kleinen Kieseln, gefärbtem Sande u. s. w. Es ist jedoch schwer, in gewissen Gegenden beyde Arten von einander zu unterscheiden. *

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Marsili Diquemare remarques sur le fond de la mer. Rozier Observat. Tom. VI. p. 438. Tom. XVIII, P. 595.

Es giebt allerdings der Ursachen mehrere, welche in der Beschaffenheit des Meeresbodens Veränderungen hervorbringen können, und wirklich hervorgebracht haben, und daher kommt es denn auch, daß die Schiffer selten einen rei<86, 758>nen Felsengrund, sondern fast immer Sand, Schlamm, verfaulte Gewächse, Schalengehäuse u. a. Materialien dieser Art antreffen.

Die Gestalt des Meerbodens ist nicht regelmäßig, sondern durch Erhabenheiten und Vertiefungen unterbrochen. Die Unebenheiten des Meergrundes sind zum Theil sehr ansehnlich, und die Inseln und Klippen, welche über der Wasserfläche hervorragen, als die Gipfel der höchsten Berge darin anzusehen.

In der Karte, welche Buache von demjenigen Theile des Meeresbodens geliefert hat, welcher zwischen Afrika und Amerika liegt, und die ganz nach den Sondirungen der Seefahrer entworfen ist, finden wir eben dieselben Flächen, als auf dem festen Lande, abwechselnd mit allen Erhabenheiten und Vertiefungen.

Die Tiefe des Meeres bestimmt diejenige Linie, welche von seiner Oberfläche an einem Orte bis zum Grunde desselben senkrecht gezogen wird. Aus dem, was wir gesagt haben, erhellet nun, daß die Tiefe des Wassers im Meere unter sich selbst höchst ungleich seyn müsse. Und wirklich findet der Seemann solches bestätigt, und das Meer manchmahl an einer Stelle unermeßlich tief, eine mäßige Strecke davon aber Sandhügel und Klippen, kaum zwanzig bis dreyßig Faden unter der Wasserfläche liegen. Die mehresten Unebenheiten dieser Art trifft man in der Nachbarschaft des festen Landes und in den kleineren Meeren zwischen demselben an, wo es bald geringe Tiefen, bald jähe und große Abgründe gibt. Mitten auf dem hohen Meere ist in der Regel der Boden mehr stufenweise abhängig, und die Tiefen nehmen nach dem Verhältniß der horizontalen Distanzen mehr zu und ab.

<86, 759>

Wir haben von der Verschiedenheit der Meerestiefen in einem geringen Bezirke auffallende Beyspiele. So fand man in dem Brittischen Kanale an einer Stelle, in einem Abstande von zwey Schiffslängen, an einem Orte eine Tiefe von dreyßig, und an einem andern Orte von mehr als hundert Faden. *

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Boyle de fundo maris. Sect 5.

So berichtet Herbinius, *

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In tract. de admirandis mundi cataractis.

daß in dem Bothnischen Meerbusen bey der Insel Laland der Grund des Meeres uneben sey, daß man an einer Stelle keinen Grund finde, dahingegen eine andere nahe dabey gelegene nur zehn Fuß Tiefe habe. In dem Grunde bey Beredfiörd in Island, welcher ebenfalls sehr ungleich ist, bemerkt man besonders eine lange Vertiefung, die aus dem hohen Meere in die Mitte des Golfs hinein läuft. Anstatt daß die Tiefe des Wassers da, wo die Schiffsboote liegen, sagt Olafsen, *

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Reise. 1 Th. S. 201.

nicht leicht über zwanzig, dreyßig und vierzig Faden ist, so findet man am Rande dieser Stelle über 160 Faden, und in der Mitte gar keinen Grund. Gegenden dieser Art gibt es um das Vorgebirge der guten Hoffnung und bey Zeilon. Wie oft hat es sich nicht zugetragen, daß Schiffer in Gegenden, wo man es am wenigsten vermuthete, auf dem Sande sitzen geblieben sind, da doch nahe dabey kein Grund anzutreffen war?

Diese Ungleichheit des Bodens im Meere gilt fast von allen Orten in demselben, man mag ihn mit dem Senkbley erreichen können oder nicht. Es läßt sich daher der Satz als allgemein annehmen, daß der Seegrund weder eben, <86, 760> noch von einer regelmäßigen Höhlung, sondern daß er dem Lande ähnlich sey, voller Abwechselungen von Hügeln, Bergen, Thälern, Klippen. Dieser Satz leides Anwendung sowohl auf den Grund des Meeres überhaupt, als auch auf seine einzelen Theile.

Wo ist nun die tiefste Stelle im Ocean, oder gibt es mehrere dergleichen und von einerley Größe? Man sieht die Unmöglichkeit leicht, diese Frage zu beantworten. Schon ist es schwer zu bestimmen, in welchem Theile des Oceans sich etwa die größten Tiefen befinden möchten.

Gemeiniglich nimmt man an, daß die Tiefe des Meeres im Durchschnitte 1/80 bis 1/2 Deutsche Meile betrage. Eine größere Tiefe mag es vielleicht an wenig Orten geben; an vielen macht sie nur eine Klafter aus, und an den meisten kann man sie mit dem Senkbley ergründen.

Dem Hales geben die Inseln Anlaß, zu glauben, daß die Tiefe des Meeres überhaupt nicht sehr beträchtlich seyn könne; allein er scheint nicht erwogen zu haben, daß die mehresten derselben in der Nähe des Continents liegen, wo das Meer der Regel nach von geringerer Tiefe ist.

Man findet wirklich sehr große Tiefen in dem Oceane, und schon zeugen die ungeheuren Wogen in gewissen Gegenden davon. Anson *

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Reise um die Welt Leipz. 1749. 4. S. 36. Silbersclag in seiner Geogenie. 1 Th. Berlin 1780. S. 65. sagd:„Gar zu tief kann das Meer nicht seyn. Es ist allenthalben bevölkert. Da nun ein lebendes Geschöpf sich bewegen muß, die Ausdehnung seines Körpers aber desto mehr Widerstand findet, je tiefer es sich aufhält, wie aus der Hydrostatik erweislich ist: so würde in einer gar zu großen Tiefe wegen des übermäßigen Drucks der Wassersäule kein Seethier seine Muskeln ausdehnen können, ohne eine Gewalt zu gebrauchen, die sie sprengen müßte. Aus diesem Grunde wird man mich nicht tadeln, wenn ich behaupte, das Meer sey nicht tiefer als die Oberfläche des festen Landes über dem Wasserspiegel.”

<86, 761> redet von einer Stelle zwischen 60 und 90 Mellen südwärts von der Küste Brasiliens, wo man mit einer Schnur von 150 Klaftern keinen Grund finden konnte. Forster versichert, in den südlichen Breiten oft ein unergründliches Meer angetroffen zu haben.

Man hat es als einen Grundsatz angenommen, daß die größten Meere die tiefsten sind; daß alle Meerbusen und Meerengen ein flacheres Wasser haben, und daß überhaupt die Tiefe nach und nach zunehme, je weiter das Meer sich vom Lande entfernt.

Wenn es nach den gewöhnlichen Gesetzen der Abschüssigkeit und Vertiefungen geht, so scheint darin allerdings eine Uebereinstimmung mit den Küsten zu seyn, daß sich das Meer an flachen Ufern allmählig und erst in einer gewissen Entfernung vertieft, an schroffen und senkrecht abgeschnittenen aber eine anlegende Tiefe zu haben pflegt. Ulloa *

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Nachrichten vom südlichen und nordöstlichen Theile von Amerika. 1 Th. 1781. S. 37.

sagt: „Man bemerkt, daß der Grund unter dem Wasser in Ansehung seiner Flächen und Ungleichheiten, die Beschaffenheit des außerhalb befindlichen festen Landes nachahmt. In den Gegenden daher, wo das Land in einer großen Strecke flach und niedrig ist, hat der an dasselbe grenzende Boden des Meeres eben die Gestalt. Dies zeigt sich in den Gegenden, die man in der Spanischen Sprache von der Sonda zu benennen pflegt: denn daselbst findet man, in einer beträchtlichen Entfernung <86, 762> von dem über der Meeresfläche sichtbaren und hervorragenden Lande, eben den Grund und Boden, und von da nimmt die Tiefe des Wassers bis zu den Küsten immer mehr und mehr ab. Dies bemerkt man an dem Gestade von Florida, in der Bucht von Panzacola und in dem ganzen Mexikanischen Meerbusen, der die Küste von Eampeche, bis an die Ufer der Bay von Honduras in sich begreift. Ganz anders ist es mit den Gegenden beschaffen, wo das ans Meer gränzende oder wenig davon entfernte Land sehr hoch ist: denn daselbst trifft man an den Küsten eine große Tiefe an; es läßt sich daher längs den Küsten des Südmeers kein Grund finden, und man muß erst im Gesichte des Landes oder nahe dabey seyn, um ihn zu erreichen.

Schon vor ihm hatte Dampier *

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Reise um die Welt.

eine lange Erfahrung gelehrt, daß an Stellen, wo jähe Klippen die Ufer verwahren, das Meer tief sey, und sich daselbst nur selten Anker werfen ließen; an solchen hingegen, wo die Gestade sich allmählich nach dem Meere neigen, der Grund flach und zum Ankern geschickt sey. Je schroffer und steiler also, ihm zu Folge, die Küsten des Meeres sind, desto größer ist auch hier seine Tiefe. Man befindet sich nähmlich in diesem Fälle an der halben Höhe eines Berges; das sanft sich neigende Ufer läuft in eben dem Abhange über und unter der Oberfläche des Wassers fort.

Forster *

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Bemerk. S. 45. f.

läßt jedoch diesen Satz nur unter Einschränkung gelten. Er behauptet, daß er allein auf große Länder anwendbar sey, gleichwohl aber im Südmeere eine Ausnahme leide. <86, 763> So passe er nähmlich auf Neuseeland, Neucaledonien, die Neuhebribischen Inseln und das Feuerland, an deren steilen Küsten das Meer bis dicht an das Land eine beträchtliche Tiefe hat. Dagegen fand er außerhalb des Cingangs in die Duskybay mit 45 Klaftern Grund, welchen er doch in der Bay selbst mit 80 Klaftern nicht erreichen konnte. Eben so hatte er längs der südlichen Küste des Feuerlandes zwischen Cap noir und der Christmeßbay erst 40 bis 50, hernach 60 bis 70 Klafter Tiefe, und zuletzt im Eingange dieses Hafens, mit 80 Klaftern keinen Grund angetroffen. Auch an der Küste von Südgeorgien bemerkte er eine allmählig abnehmende Tiefe, konnte aber am Eingange der Possessions=Bay mit 45 Klaftern den Grund nicht erreichen.

Vornähmlich scheinen ihm die Inseln im Südmeere davon eine Ausnahme zu machen. Sie haben, ihrer flachen und niedrigen Ufer ungeachtet, um sich ein tiefes unergründliches Meer. Diese Inseln sind aber von ganz eigener Art; sie sind Korallenriffe, ein Werk der Lithophyten. Das Riff, welches in einiger Entfernung von den Ufern der Taheitischen Ebene die Insel einschließt, steht ebenfalls wie eine Felsenmauer in dem unergründlichen Meere. Das länglich runde Riff in der Nähe des Turtle=Erlands, welches fast allenthalben von der See bedeckt wird, steht auch senkrecht in einer unermeßlichen Tiefe. Diese Ufer, ob sie gleich nicht hoch über der Wasserfläche hervorragen, sind an sich steil, und neigen sich nicht in einem sanften Abhange dem Meere, mithin sind sie gewisserrnaßen eine Bestätigung der Regel, welche wir vorgetragen haben.

<86, 764>

Diese angenommene Uebereinstimmung des Meeresgrundes mit dem festen Lande führte nun einige Naturforscher noch weit, indem sie behaupteten, daß die Fläche des Meeres an den Küsten beynahe eben so weit über dem Boden desselben hervorrage, als sie unter dem höchsten Punkte des Landes liegt: oder daß die Summe der Höhlungen in dem Oceane eben so viel ausmache, als die Höhe der Berge auf dem Lande beträgt. Dampier hat diesen Satz ebenfalls zuerst vorgetragen. Vorausgesetzt also, daß die Tiefe des Meeres mit der Höhe der Berge in gleichem Verhältnisse stehe: so müsten, da diese sich um den Aequator befinden, hier auch die grösten Tiefen seyn; so müste die Tiefe des Oceans gegen den höchsten Berg Chimborasso am meisten, und etwa 3220 Klafter betragen, als so viel seine Höhe nach der Ausmessung des Bouguer ausmacht; so müste ferner der tiefste Grund eine Richtung haben, die mit der Kette der Cordileren fast parallel liefe, und nahe an Peru und Chili liegen. Aus dem nähmlichen Grunde würde das Meer an der östlichen Küste Asiens nur flach seyn; die Tiefe des Atlantischen Meeres würde sich auf 2200 Klafter erstrecken als so hoch der Berg Pico auf der Insel Teneriffa über dem Spiegel des Meeres erhaben ist. Nach dem Cassini ist der Canigou, oder die höchste Spitze der Pyrenäen, 1400 Toisen oder 8400 Fuß über die Fläche des mittelländischen Meeres erhaben, und Marsili *

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I. c. p. n.

fand in einer Weite von vier und funfzig Meilen vom Berge eine Stelle von dieser Tiefe. Solchemnach kann man dieses Meer für ein langes mit <86, 765> den Schweitzer, Savoyer und Pyrenäischen Gebirgen parallel laufendes Thal ansehen. An der nördlichen Küste von Asien müste das Meer mit einer geringen Tiefe nordwärts laufen, in welcher Waigaz, Nova Zemlja und andere unbekannte Anhöhen im Eismeere, als Gipfel der in das Meer fortstreichenden Uralschen Gebirgskette zu betrachten sind; dagegen müste die Beringsstraße nebst dem angrenzenden Meere von Kamtschatka und weiter südlich als ein langgestrecktes Thal, von dem östlichen Gehänge dieser hohen Bergrücken anzusehen seyn, dessen Tiefe der Höhe der Berge proportionirt wäre. Nach dieser Meinung wäre es denn auch gewiß, daß in der Südsee sich die tiefsten Stellen im Meere befinden müsten.

Den Grund hiervon sucht man nun in der nothwendigen gleichförmigen Vertheilung der Massen auf unserer Erdkugel, indem die Höhe der Berge auf der einen Seite das ersetze, was in ihrer Nähe dem Lande durch das Meer entzogen wird. Man erinnere sich jedoch desjenigen, was wir über diesen Gegenstand bereits oben gesagt haben. Hierzu kommt noch, daß die angeführten Berge zum Theil vulkanischen Ursprungs, mithin hohl, also, ihres großen Umfangs ungeachtet, verhältnißmäßig nicht schwer sind. Von dem Pico wenigstens scheint es gewiß, daß er durch die Gewalt des unterirdischen Feuers aufgethürmt worden ist. Ueberhaupt läßt es sich aber nicht vermuthen, daß eine so abgemessene Beziehung des Landes auf die Höhlung des Meerbeckens statt finden werde, da man sonst auch auf dem Lande eine ähnliche Uebereinstimmung in Ansehung der Berge und Thäler finden müßte.

Bis jetzt ist noch kein zuverläßiges Mittel bekannt, welches uns in den Stand setzte, die <86, 766> Tiefe des Meeres zu erforschen. Dies ist auch wirklich weit schwieriger, als die Höhe der Berge zu messen. Man hat seit hundert und mehr Jahren diesen Gegenstand einer vorzüglichen Aufmerksamkeit werth geachtet: doch waren die darauf abzweckenden Bemühungen ohne sonderlichen Erfolg.

Das erste Mittel, dessen man sich bediente, war eine mechanische Messung, die auf verschiedene Weise versucht worden ist. Das zweyte gründet sich auf ein Werkzeug, welches man frey auf den Grund des Meeres fallen, und wieder herauf kommen läßt, vermittelst dessen man die Tiefe zu bestimmen sucht. Es ist das bekannte Bathometer oder der Tiefenmesser.

Zur Erforschung der Meerestiefe auf die erste Weise bedient man sich eines Senkbleyes von dreyßig bis vierzig Pfunden an Gewicht, welches an einer hinlänglich starken Schnur ins Wasser hinab gelassen wird. Dieses Mittel ist bey gewöhnlichen Tiefen anwendbar, bey großen aber ganz unnütz, und unmöglich, damit den Grund zu etreichen. Das Seilwerk ist nähmlich für sich von geringerer Schwere, als ein Theil des Wassers von gleichem Raume, es kann daher die Schnur zuletzt in einer solchen Länge ablaufen, daß sie mit dem Bleye, nach dem körperlichen Inhalte beyder, der Schnur und des Gewichts weniger wiegt, als das Wasser unter einem gleich großen Raume. In diesem Falle sinkt das Wurfbley nicht weiter, sondern es wird mit der Schnur vom Wasser getragen, und entfernt sich dann nach einer schiefen Linie vom Fahrzeuge, indem es von seiner senkrechten Richtung abweicht. So wird es denn vom Schiffe fortgeschleppt, und der Seemann glaubt keinen Grund da finden zu <86, 767> können, wo er ihn wohl würde angetroffen haben, wenn das Bley tiefer gesunken wäre. Auch geschieht es, daß das Loth in noch mäßigen Tiefen durch untere Ströme fortgerissen, und dadurch verhindert wird, auf den Boden zu kommen. *

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Die Seeströme machen beym Sondiren mit dem Wurfbley die Hauptschwierigkeit: denn es ist fast keine Gegend im Meere, wo sie nicht in gewissen Tiefen mehr oder weniger stark anzutreffen wären. Von ihnen wurde Marsili bey seiner Tiefenmeffung im griechischen Meere am meisten gehindert, indem er ihrer bisweilen drey über einander antraf, die in ganz widriger Richtung liefen.

Daher entstehen unstreitig die vielen Schiffernachrichten von den unergründlichen Stelien im Oceane, welche man insgemein für solche ausgiebt, wo das Wasser durch Schlünde in das Innere der Erde dringen soll, um entfernte Meere in einer unterirdischen Gemeinschaft zu erhalten. Sobald man richtigere Proben erfinden wird, so möchten wohl die wenigsten Stellen von einer solchen Tiefe übrig bleiben. Büffon schlägt zwar vor, man solle zur Ergründung der großen Tiefen sich einer Kette von Eisen, oder einer andern Materie bedienen, welche schwerer ist, als das Wasser. Hier könnte man zwar das anzuhängende Gewicht ersparen, aber wie schwer würde wohl eine noch so schwache Kette seyn, wenn man damit auf zwey bis dreyhundert Klafter Tiefe reichen wollte? Wie wenig wäre sie zu regieren, und was hülfe sie, da sie ihrer Schwere wegen gar nicht aufhören würde zu sinken?

Es lassen sich also überhaupt durch das Senkbley nur geringe Tiefen mit Sicherheit heraus bringen, und soll dies geschehen, so muß dabey das Meer ganz ruhig, das Schiff unbewegt und von Strömen frey seyn. Dies ist nur <86, 768> selten der Fall, da die Fahrzeuge alle Augenblicke von der Stelle rücken. So ist es unmöglich, ansehnliche Tiefen lothrecht zu messen, weil bey jener Bewegung die Schnur mit dem Gewichte zurück bleiben, und eine schiefe Richtung annehmen muß. Oft wird auch noch das Wurfbley durch Gegenstände, welche es unter dem Wasser antrifft, von seiner lothrechten Richtung abgebracht. Alle Proben, welche man bisher mit dieser Messung angestellt hat, geben nur mindere Tiefen mit Zuverlässigkeit an. Cook hatte auf seiner Fahrt einigemahl solche Messungen im Südmeere, fern vom Lande vorgenommen, und mit dem ausgeworfenen Bley auf 250 Klafter keinen Grund finden können, und dies war gerade unter dem Aequator. Zu anderen Zeiten hat er auf dem großen Weltmeere, in höheren nördlichen und südlichen Breiten, bey 150 und 210 Klafter keinen Grund angetroffen. Alle diese Versuche sind nach dem Ausspruche des Herrn Forster *

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Bem. S. 45, wo er sagt: „Zu den Versuchen, die Tiefe des Oceans zu messen, gehört etwas mehr, als ein Wurfbley und eine lange Schnur. Das Schiff selbst muß in seinem Laufe aufgehalten, und, wie der Seemann sich ausdrückt, in den Wind gelegt werden. Die halbe Mannschaft muß bey solchen Gelegenheiten auf dem Verdecke seyn, theils um die Segel in die rechte Lage zu bringen, theils um das schwere Bley wieder herauf zu ziehen.”

ganz unzulänglich, und Cook hat auch wenig dergleichen Messungen angestellt, weil er sich von ihrer Richtigkeit nicht viel versprach.

Dieser und anderer Schwierigkeiten wegen, waren die Naturforscher längst darauf bedacht, eine andere Methode zu erfinden, die Meerestiefe zu erforschen, und ihren Bemühungen verdankt <86, 769> ein Werkzeug sein Daseyn, welches ein Engländer Robert Hook zuerst angegeben, und damit im Beyseyn verschiedener Gelehrten schon im Jahre 1665 auf der Themse und im Kanale von Scheerneß mehrere Versuche angestellet hat. *

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Philos. Trans. N. 9. et 24. Vol. 1. p. 147. 439.

Es ist der oben genannte Bathometer. Dieses Instrument besteht aus zwey Körpern, einem der leichter, und einem der schwerer ist als das Wasser. Sie sind auf eine solche Art zusammen gefügt daß, sobald der schwerere beym Niedersinken auf den Grund kommt, und daselbst aufstößt, der leichtere sich sogleich davon ablöset, und bis zur Wasserfläche empor steigt. Die Tiefe wird hierbey aus der ganzen Zeit bestimmt, in welcher beyde vereinigte Körper von der Wasserebene bis auf den Boden hinunter fallen, der leichtere aber über dem Wasser wieder zum Vorschein kommt. Hook bediente sich dazu einer Kugel von Fichtenholze von etwa sechs Zollen im Durchmesser und drittehalb Pfund am Gewicht, welche ganz mit Firniß überzogen war. An diese Kugel wird ein konisches Bleygewicht, fünftehalb Pfund schwer eingehaket, und zwar so, daß, sobald dieses Gewicht auf den Boden oder sonst einen harten Gegenstand im Fallen aufstößt, eine an dem Haken angebrachte Feder heraus springt und die obere Kugel losmacht, welche unmittelbar darauf in die Höhe steigt. Dieses Werkzeug ließ Hook in verschiedene Tiefen des Wassers von zwölf bis dreyßig Klaftern hinunter fallen. Bey allen Versuchen fand er, daß die Kugel in eben derselben Zeit vom Grunde wieder herauf stieg, in welcher sie mit dem <86, 770> Gewichte zu Boden gesunken war. Er bemerktel daß die Bewegung der Kugel niederwärts und aufwärts, etwa fünf Fuß in jeder Sekunde betrage. Die Zeit, nach einem richtigen Sekunden Pendel, die Tiefe, die Versuche selbst, wurden alle genau bestimmt, auch die Dauer des Falles und des Steigens scharf genug untersucht. Dieses Instrument wurde auf eine gewisse Tiefe z. B. von vierzehn Klaftern, mit und ohne Schnur niedergelassen, damit durch diese Vorsicht die Zeit des Niederfallens genau bemerkt werden könne. Bey Verfertigung dieses Werkzeuges fand Hook keine größere Schwierigkeit, als den Haken an dem kegelförmigen Bleygewichte so gehörig zu krümmen, und in die Feder so einzupassen, daß die Kugel beym Aufstoßen des Gewichts auf dem Boden sogleich loskommen und aufsteigen konnte. Unter den vielen Instrumenten, welche er zu dieser Absicht machte, bekam er zuletzt eins, wo die Einhakung so geschickt angebracht war, daß der obere leichtere Körper sich ohne Schwierigkeit ablösete, und sofort wieder herauf kam. Er machte mit verschiedenen dergleichen Werkzeugen Versuche unter genauester Beobachtung der Zeit, vom Niedersinken des ganzen Werkzeugs bis zum Aufsteigen des leichteren Körpers über dem Wasser, und rechnete davon die Hälfte auf jede dieser Bewegungen. Damahls bot sich ihm schon die wichtige Bemerkung dar, daß schwere Körper, die im Wasser sanft niedersinken, bey ihrem Falle in demselben eine gleichförmige Geschwindigkeit vom Anfange bis zum Ende des Sinkens behalten. Sie fallen nicht wie Körper in der Luft, mit beschleunigter Geschwindigkeit, sondern sie durchlaufen in gleichen Zeiten gleiche Räume. <86, 771> Auch sogar beym ersten Anfange des Falles im Wasser bewegen sie sich nicht geschwinder, als beym tiefern Falle, und eben eine solche gleichförmige Bewegung trifft bey den leichteren Körpern zu, wenn sie im Wasser in die Höhe steigen.

Die Wahrheit dieses Satzes, auf welchem bey Berechnung der Tiefen alles ankommt, ist durch neuere Naturforscher bestätigt worden. *

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Comment. Bonon. T. V. P. 1. p. 280. Neue Samml. von Abhandl. der naturf. Gesellsch. in Danzig, 1 B. S. 112. ff.

Ihre Versuche haben erwiesen, daß der fallende Körper ein gleiches Verhalten beobachte, et mag sich in süßem oder salzigem Wasser befinden; daß die Geschwindigkeit eines solchen sich nach der Dichtigkeit und Flüssigkeit des Elements tichte, worin er fällt, so daß, wenn diese vermehrt wird, jene abnimmt; ferner daß die Geschwindigkeit fallender Körper abnehme, wenn ihre Oberfläche vermehrt wird, und die Masse die nähmliche bleibt.

So wichtige Dienste nun auch diese Art von Tiefenmessern leisten kann, so wenig gefiel sie doch dem Desaguiliers. Er bemerkte noch Fehler daran, welche beym Gebrauche auf so mancherley Weise durch Wellen, Seeströme und andere Hindernisse unrichtige Anzeigen geben musten, und nahm, nach Hales Beyspiel, den Druck des Wassers zu Hülfe. Weil dieser nun in einerley Tiefe nach allen Seiten einerley ist, so erfand er ein Meßinstrument, an welchem man, mittelst des in einer Glasröhre aufsteig enden Quecksilbers, den Drück des oben aufliegenden Wassers am Boden des Meeres, folglich die Tiefe selbst ersehen konnte. Dieses Werkzeug war dem <86, 772> ganz ähnlich, welches Hales *

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Statik der Gewächse. 89. Erfahrung. S. 121. f.

beschrieben hat, und dessen er sich bediente, die Ausdehnungskraft oder den Druck der Luft zu erforschen. Es war eine Art Glocke, in welcher eine gläserne Röhre unten am Boden derselben, mit dem offenen Ende im Quecksilber stand, oben aber zugeschmolzen war. Ueber dem Quecksilber befand sich etwas Honig oder Theriak, einige Linien dick in der Röhre, damit man durch dessen Ankleben an ihrer inwendigen Seite sehen konnte, wie hoch das Quecksilber in der Röhre gestiegen sey. Die Glocke hatte einen messingenen Hals, und eine Hülse, wodurch oben an derselben eine luftleere Kugel oder eine starke Blase befestiget werden konnte, welche zum Aufsteigen der Glocke diente. In dem messingenen Halse der Glocke und unten am Bodenrande waren Löcher angebracht, wodurch das Wasser hinein dringen, auf das Quecksilber drücken, und es solchergestalt in der Röhre zum Steigen bringen konnte. Unten befand sich ein Gewicht mit einer Feder, wodurch die Glocke sammt der leeren Kugel auf den Seegrund hinab gezogen wurde. Sobald das Gewicht den Boden erreicht, und daselbst angestoßen, lösete sich die Glocke mittelst einer Feder ab, und stieg wieder in die Höhe. Desaguiliers hat diesen seinen Tiefenmesser zwar genau beschrieben, *

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aber man findet nicht, daß er damit auf dem Meere Versuche vorgenommen, wozu er doch die beste Gelegenheit hatte. Das wenige, was er gethan hat, besteht darin, daß er den Apparat in ein cylindrisches Gefäß mit Wasser setzte, selbigen mit einem Deckel wohl <86, 773> verschloß, und nachher so viel Luft hinein preßte, bis ihr Druck dem Wasserdrucke von 40 Fuß Höhe gleich kam. Dies zeigte ihm, wie hoch das Quecksilber in der Röhre steigen müsse, wenn das Instrument auf diese Tiefe ins Wasser gelassen worden wäre. Um indeß damit Versuche im Großen anzustellen, müssen sich Hindernisse gezeigt haben, wodurch der Gebrauch beyder Arten Tiefenmesser schwierig gemacht wurde. Dieser Hindernisse giebt es auch mehr als eins. Wer kann z. B. die Sekunde so genau angeben, wenn gerade das Werkzeug wieder über das Wasser herauf ist, da es die mehreste Zeit weit vom Fahrzeuge, auch wohl weit von dem Orte, wo es niedergelassen worden ist, wieder zum Vorschein kommt. Auch die richtige Bestimmung der Zeit, welche zwischen dem Verschwinden und Wiedererscheinen des Instruments verfließt, ist nicht so leicht, zumahl bey großen Tiefen. Man müste mit beyden Werkzeugen erst Versuche in solchen Tiefen anstellen, wo noch mit dem Senkbley Grund zu erreichen ist, und das Gewicht selbst, des Heraufziehens wegen, an einer Schnur halten. Man müste ferner einen schmierigen Haken oder einen krumm gebogenen Schöpfrand von dem obern leichtern Körper über das angehängte Gewicht hervorragen lassen, damit dieser zuerst auf den Grund stieße, und zugleich einige Theile der Materialien mit in die Höhe brächte, um gewiß zu seyn, daß das Instrument auch wirklich auf den Grund gekommen, und auch zu erfahren, wie dieser beschaffen sey u. s. w. Wenn auch das Gewicht auf den weichen, etwa mit Schlamm bedeckten Boden ohne Stoß und sanft aufsetzt: so bleibt das ganze Werkzeug daselbst sitzen, ohne jemahls wieder in die Höhe <86, 774> zu kommen. Mehrere Schwierigkeiten dieser Art hat Hanow *

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Physic. dogmat. P. II. §. 615 -- 621.

über diese Tiefenmesser vorgetragen.

Ueberhaupt scheint es, daß das Werkzeug des Hook dem Instrumente des Desaguiliers vorzuziehen sey, zumahl nach der bequemern Einrichtung des Bacialli. *

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Molinelli in Comment. Bonon. T. V. P. I. p. 280. seq.

Das Gewicht hängt vermittelst einer Zange an dem obern leichtern Körper. Durch die Arme dieser Zange geht eine Schnur, an welcher das Gewicht niederhängt, und die Zange scharf zuzieht, damit sie den Zapfen des obern leichtern Körpers fest hält. Sobald das Gewicht auf den Boden kommt, und die Zange nicht weiter zuzieht, wird selbige durch die zwischen den Armen liegenden Springfedern geöffnet, geht von dem Zapfen los, und läßt den leichtern Körper sogleich fahren, und in die Höhe steigen. Man sieht leicht, daß sich diese Einrichtung schon durch ihre Einfachheit empfiehlt.

In Ermangelung einer richtigen und zuverläßigen Art die Meerestiefen zu messen, welche uns noch fehlt, bleibt die Aufgabe immer ungewiß, wie weit sich diese erstrecken. Da die Höhe der größten Berge noch nicht zwanzig tausend Pariser Fuß beträgt, so scheint, nach dem angeführten Grundsatz, die Tiefe des Meeres auch nur höchstens dieses Maaß zu erreichen. *

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Wittenhergisches Wochenblatt zur Aufnahme der Naturkunde etc. 1791. Sr. 49. 50. 51.

Ursachen mancherley Art können in der Gestalt des Meeresbodens Veränderungen hervorhringen. Dergleichen sind die zerstöhrende Kraft <86, 775> andringender Fluthen und der Erdbeben. Sie verursachen Einstürzungen des Landes, über welches sich das Wasser verbreitet. So sind vielleicht einige Landenden und andere Theile des festen Landes verschwunden und Inseln unsichtbar geworden. So haben auf der andern Seite vulkanische Ausbrüche Erde vom Meeresgrunde hervor getrieben, und Inseln und Untiefen gebildet. Auch tragen die Lithophyten dazu bey, die Figur des Meeresbodens zu verändern. Diese wurmartigen Thierpflanzen bauen im Meere aus der Tiefe ihre kalkartigen Wohnungen auf, und an den Stellen, wo solches geschieht, entstehen seichte Oerter, Riffe und felsenartige Massen, die den Seefahrern öfters sehr gefährlich werden. Da zwischen den Wendekreisen die Winde vorzüglich von Osten her wehen, so bemühen sich diese Thiere aus einem unbegreiflichen Triebe, die von den Winden aufgetriebenen Wellen mit ihrem Baue auszuschließen. Sie errichten zu dem Ende, in einer zusammen hängenden Kette ihre künstlichen Gebäude, und legen Dämme an, die sie in die Runde fortführen, bis sie zuletzt einen Kreis bilden. Innerhalb desselben befindet sich ein stilles, fluthloses Meer. Gegen den Wind zu werfen die Fluthen beständig Bruchstücke von Korallen aus, die sich allmählich anhäufen, und einen festen Damm gegen die Gewalt des Meeres machen; an dieser Seite wird auch das Meer nach und nach flacher, und es bildet sich daselbst eine Bank: an der entgegen gesetzten Seite, ganz dicht an dem Korallenriff, ist das Meer erstaunlich tief, und an dieser Seite pflegt auch oft in dem Riffe eine Oeffnung zu bleiben, wodurch das Meer ein= und ausfließt. Auf den Korallendamm wirft die Fluth Sand, der <86, 776> den von dem Meere und den Vögeln dahin geführten Sämereyen Boden und Nahrung zum Wachsthume darreicht; und diese Pflanzen vermehren durch ihre Verwesung allmählig den Boden. Wird nun durch einen Zufall oder die Fluth eine Kokosnuß dahin geführt, so keimt sie sogleich, und wächst mit der Zeit zu einem sehr großen Baume auf, welcher wieder ähnliche Früchte aussäet, davon viele wieder zu Bäumen aufschießen, und einen angenehmen Palmenhain anpflanzen. Das innerhalb des Korallenriffs eingeschlossene Meer ist allezeit voller Fische, die ein stilles und ruhiges Meer lieben. *

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Forster' s Indische Zoologie, zweyte Auflage 1795. Fol. Seite 8 und 9.

Bank nennen die Schiffer den Grund in den Häfen und Rheden, worauf man ankert. Vorzüglich heißt so in ihrer Sprache eine Erhöhung des Bodens im Meere, wenn sie so beträchtlich ist, daß sie seichte Stellen und Untiefen macht, die nicht Wasser genug haben, um Schiffe zu tragen. Diese Bänke ragen bisweilen über dem Wasser hervor. Sind diese Erhabenheiten vom Sande gebildet, so heißen sie Sandbänke. Austerbänke werden sie genannt, wenn sie diesen Thieren zum Aufenthalte dienen, und Korallenbänke, wenn sie mit Korallengewächsen besetzt sind. Von letzter Art giebt es in dem Arabischen Meerbusen, und sie machen, wie die Seefahrer sich ausdrücken, den Grund falsch. Die Sandbänke werden auf den Seecharten mit Sorgfalt angemerkt, und durch Punkte bezeichnet. Vorzüglich berühmt ist die Bank an der Küsie von Neufoundland, welche auch vorzugsweise die große genannt wird. Sie be<86, 777>steht eigentlich aus verschiedenen Bänken, welche zwar alle so tief unter dem Wasser liegen, daß man fast überall, auch zur Ebbezeit, darüber hinweg fahren kann; aber im Vergleich mit der großen Meerestiefe da herum, welche wenigstens zweyhundert Klafter beträgt, können sie als beträchtliche Erhöhungen auf diesen Nahmen Anspruch machen. Die vornehmsten sind: die große Bank, die grüne Bank, die Wallfischbank, die Petersbank.

An einigen Orten entspringen Quellen süßen Wassers auf dem Grunde des Meeres. So wird bey der Insel Bahara im Persischen Meerbusen vier bis fünf Faden tief, süßes Wasser gefunden, welches vermuthlich aus solchen Quellen hervor kommt. *

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Linchot Irinerar. Cap. 6. p. 12. Edit. Ams.

Bey Goa, Ormus und im Neapolitanischen Meere trifft man auf dem Grunde des Gewässers ebenfalls süße, und an anderen Stellen Quellen von Bergfett an. Nach Marsili sollen unweit Languedoc Quellen letzterer Art zwischen Steinkohlen sich ins Meer ergießen.

b. Ufer des Meeres. *

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Otts, in dem angeführten Werke, S. 366. flg.

Ufer, Küsten, Gestade des Meeres sind diejenigen Theile des trockenen Landes, welche das Wasser des Meeres auf den Seiten unmittelbar berühren, und als die Seitenwände des Meerbeckens anzusehen. Büffon *

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Allg. N. G. 2 Th. S. 272.

ordnet sie in drey Klassen, nähmlich in hohe Küsten, niedrige Ufer und Dünen.

<86, 778>

Die hohen Küsten bestehen aus Felsen von hartem Gesteine; sie sind abschüssig, oftmahls senkrecht abgeschnitten, und an mehreren Stellen sieben bis achthundert Fuß hoch

Die niedrigen Ufer erscheinen bisweilen ganz flach, und mit dem Spiegel des Meeres in einer Linie: andere erheben sich etwas mehr, und sind nicht selten bis an die Fläche des Wassers mit Klippen eingefaßt, die das Anlanden beschwerlich machen. So sind die tropischen Inseln an ihren flachen Ufern durch eine Reihe von Korallen vor den Angriffen des Meeres sicher gestellt, gegen welche die Wellen ihre ganze Gewalt ausüben, ohne jedoch eine andere Wirkung hervorzubringen, als die Oberfläche zu glätten, und die schönen ästigen Steingewächse nach und nach zu zerstören, und in Staub zu verwandeln.

Dünen nennt man Gestade, die ihre Entstehung dem Sande zu verdanken haben, welcher von den Meereswellen aufgeführt, oder durch die Flüsse zusammen geschlemmt wird. Es bildet sich daraus am Rande des Meers eine Art von Wulste, welcher an manchen Orten aus mehreren concentrischen Reihen hinter einander bestehet. Diese Dünen verdienen eigentlich nicht den Nahmen der Ufer, da sie vor den Küsten hingestreckt liegen; doch können sie mit der Zeit zu Ufern werden, wenn der Raum, welcher sie vom Lande trennt, ausgefüllt wird. Ihre Höhe ist verschieden, und an sich unbedeutend.

Von allen dreyen unterscheidet man den Strand, mit welchem Nahmen man denjenigen Theil des Meerufers belegt, welcher abwechselnd von der Fluth bedeckt und von der Ebbe getrocknet wird. Er ist sehr niedrig, und wenn er aus einem leichten Sande besteht, so kann es gesche<86, 779>hen, daß dieser, wenn der Wind die Wirkung der Wellen unterstützt, zu einer größern Höhe aufgethürmt wird, als diese reichen, und dann verwandelt er sich in Dünen.

Da die Wassersammlung des Weltmeeres die niedrigsten Gegenden der Erde einnimmt, so sind auch die Ufer gemeiniglich die niedrigsten Stellen des Landes. Wenn das Land sich bald mehr, bald weniger vom Meere erhebt, so senkt es sich auf der andern Seite wieder, bis es sich aufs neue in eine Wasserfläche verliert, oder sich wieder erhebt, und so verschiedene Reihen von Höhen und Vertiefungen bildet. *

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Büffon' s allgem. N. S.

Die Ufer schützen das Land gegen die Macht der andringenden Meereswellen, und hindern diese, daß sie sich nicht über dasselbe ergießen. Die Erfahrung lehrt, daß die Küsten da am höchsten sind, und aus dem festesten Gesteine bestehen, wo das Meer am heftigsten tobt. Es gibt Ufer, die sich mehrere Hundert Fuß hoch senkrecht erheben, und gegen welche die Meereswogen zur Fluthzeit mit unglaublicher Gewalt anschlagen. Wo das Meer sehr tief ist, oder wo es heftig durch Stürme bewegt wird, da sind schwache Hindernisse nicht zureichend, dem Wasser Widerstand zu leisten. Die steilsten Ufer sind also gewöhnlich da, wo man die größten Tiefen antrifft, und dies vielleicht um deswillen, weil das Wasser die ihm entgegen stehenden Hindernisse bis auf den festen Theil losgerissen und weggespület hat. So viel man weiß, ist unter den Küsten der Erde keine von der Höhe, als das Ufer an der Westseite von St. Kilda, einer der westlichen Inseln Schottlands oder der Hebriden. <86, 780> Sie beträgt, nach einer neuen Messung, gegen sechshundert Faden senkrecht über der Fläche des Meeres: allein das Meer ist auch hier ungewöhnlich tief, unruhig und stürmisch. An denjenigen Stellen, wo die Gewalt der Wellen weniger heftig ist, und wo sich die Wirkung der Ebbe und Fluth schwächer äußert, findet man allgemein, daß sich die Ufer in einem sanften Abhange neigen. Das Fluthwasser steigt nach und nach unmerklich aufwärts, bedeckt die Gestade auf eine gewisse Weite, und verläßt sie bey seinem Abzuge eben so ruhig wieder. Gegen solche Ufer tobt das Meer seltener mit Ungestüm, da die Wellen hier nicht genug Höhe haben; vielmehr entsteht nur ein schwaches Aufbrausen gegen das Land, welches sich eben so geschwinde wieder verliert.

Die hohen und steilen Küsten haben zwar die Unbequemlichkeit, daß man an ihnen nur selten Anker werfen kann; dagegen aber den Vorzug, daß man, weil sie von fern sichtbar sind, sich denselben ohne Gefahr nähert. Niedrige Ufer wird man erst in der Nähe gewahr, und an vielen Orten ist es gefährlich, ihnen nahe zu kommen, weil sich öfters Sandbänke vor ihnen hinstrecken.

Riff bedeutet in der Schiffersprache eine Reihe von Sandbänken, oder auch zuweilen von Korallen= und anderen Felsen, die sich vor den Küsten hinziehen. Sie erschweren auf der einen Seite den Eingang in die Häfen und das Anlanden an den Küsten überhaupt, indem man bloß zur Fluthzeit über sie hinweg kommt, wenn es nicht etwa zwischen ihnen Durchfahrten und Pässe gibt. Auf der andern Seite geben sie aber auch eine Schutzwehr und ein Verwahrungs<86, 781>mittel des festen Landes und solcher Inseln gegen das Meer ab, die an sich schon eine Schutzwehr für das Land sind. Ein Riff dieser Art liegt vor der Küste von Pondichery, welches, wie das an der ganzen Küste Koromandel, sehr stark ist. Brasilien stellt den beständigen Ostwinden und Meeresströmen in seiner ganzen Länge eine unübersehbare Reihe Felsen entgegen, die sich mehr als tausend Französische Meilen in die Länge erstrecken, am Gipfel etwa zwanzig Schritte haben können, und deren Stärke am Fuße unbekannt ist. Dieser Damm besteht der ganzen Länge nach aus einem Ganzen, wie man sich durch verschiedene Untersuchungen überzeugt hat, und er würde das Anlanden an die Küsten ganz unmöglich machen, wenn er nicht an mehreren Stellen offen wäre, und Pässe hätte, wodurch die Schiffe aus- und eingehen können. Die Insel Isle de France ist mit einer Steinpflanzenbank umgeben, die nur an den Stellen offen ist, wo sich die Flüsse dieser Insel in das Meer ergießen. Die Maldivischen Inseln sind gegen das Andringen des Weltmeeres mit der bewundernswürdigsten Vorsicht geschützt. Die Natur hat sie als einzele Bezirke durch tiefe Kanäle vereinigt, welche von Osten nach Westen gehen, und dem Strome des Indischen Oceans mehrere Durchgänge eröffnen. Diese Distrikte, oder Atollons, wie sie die Bewohner der Maldivischen Inseln nennen, an der Zahl dreyzehn, sind ein jeder mit einer hohen, äußerst bewunderswürdigen Felsenbank umgeben. Die Atollons sind fast alle rund oder eiförmig: jeder derselben hat dreißig Meilen, einige mehr oder weniger, im Umfange, und folgen alle nach einander, ohne daß sie sich an den Enden im mindesten berühren. <86, 782> Zwischen zwey sind theils breitere, theils engere Kanäle. Wenn man sich in der Mitte eines solchen Atollons befindet, so sieht man diese große Steinwand um sich herum, welche die Inseln gegen das ungestüme Meer sichert. Aber es ist für den Unerschrockensten ein grausenvolles Schauspiel, nahe an dieser Wand, in weiter Entfernung die Meereswellen sich nähern, und rund umher wüthend sich brechen zu sehen: dann steigt der Schaum höher als ein Haus, und erscheint so weiß wie Baumwolle, so daß man um sich herum eine weiße Mauer zu erblicken glaubt, besonders wenn das Meer hoch geht. Nächst diesen sind die mehresten Inseln noch jede besonders mit einer Felsenmauer eingefaßt. *

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Pyrard' s Reise auf den Maldivischen Inseln. 10 Kap.

Der westliche Theil von Afrika ist mit einer langen Sandbank begrenzt, an welcher sich die Wogen des Atlantischen Meeres gleichfalls unaufhörlich brechen. Längs der Norwegischen Küste laufen Sandbänke von Norden nach Süden, und erstrecken sich in manchen Gegenden vier bis sechs, an andern zwölf bis funfzehn Meilen vom Lande ins Meer. Eine große Menge kleiner Inseln und Klippen machen den Zugang zu den Klippen ungemein unsicher und beschwerlich. Sie sind gleichsam eine Vormauer, und die fast dreyhundert Meilen lange Küste ist mit mehr als einer Million, auf dem Grund des Meeres aufgerichteter, steinerner Pfeiler umgeben, die mit ihren Häuptern etliche Faden über der Meeresfläche hervorragen. Hinter dieser Mauer befinden sich die vortrefflichsten Häfen. Da jedoch zu besorgen ist, das die Winde und Fluthen, welche zwischen den Inseln und Felsen sehr hef<86, 783>tig sind, auch die Schiffe, bevor sie noch einen Hafen erreichen, zerschmettern möchten, es auch sehr schwer ist, auf einer so großen Tiefe zu ankern; so hat die Regierung mehrere hundert eiserne Ringe, etwa zwey Klafter über dem Wasser in den Felsen einsetzen lassen, an welchen die Schiffe angeleget werden können. *

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Pontoppidan' s Naturgeschichte von Norwegen. 1 Th. Kopenh. 1753, S. 122.

Man hat die Bewegung des Meeres von Osten nach Westen als eine Ursach angesehen, welche die östlichen Gestade der Länder angreife, und allmählig zerstöre, dagegen sich die westlichen Ufer, durch die nach und nach angehäuften Anschwmmungen, vergrößerten. De Luc *

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Briefe über die Geschichte der Erde und des Menschen a. d. Fr. 1781. 8. 1 Band. S. 165.

hat aber zu beweisen gesucht, daß der Unterschied zwischen der Wirkung des Oceans auf die östlichen und westlichen Gestade ungefähr gleich sey; daß überhaupt kein Strom im Meere unmittelbar bis ans Ufer gelange, sondern ehe er dasselbe erreicht, von seiner Richtung abgelenkt werde. Diese Bewegung findet sich außerdem nur auf dem hohen Meere in ungestörter Regelmäßigkeit, und in den Meerengen, welche sich von Morgen gegen Abend erstrecken; aber gegen die Länder zu ändert sie, noch fern vom Gestade, ihre Richtung. Das Wasser wird durch seine bloße Anhäufung, wie von den Pfeilern einer Brücke zurück getrieben, und der Strom läuft nach Süden oder Norden, und folge dem Umrisse der Küsten, ohne daß man ihn am Ufer bemerkt, die Gegenden um die Vorgebirge ausgenommen. Die Vergrößerung der Länder an den westlichen, so <86, 784> wie die Verminderung der östlichen Ufer, welche Büffon behauptet, ist bloß das Werk der Einbildung, und selbst die Beyspiele, die er von dem Zurücktreten des Meeres gibt, sind seiner Hypothese gerade entgegen, da sie die östliche Küste von Amerika angehen, wo doch das Meer seine zerstörende Kraft ausüben sollte.

Daß jedoch die Fluthen des Meeres an manchen Orten die Ufer allmählig angreifen, davon haben wir bereits Beyspiele angeführt. Eben so wissen wir, daß neue Ufer entstehen können, wenn Land dem Meere entzogen wird. Diese allmählichen Ansätze sind indeß nur in denjenigen Gegenden möglich, wo der Grund des Meeres nicht sehr tief unter der Wasserfläche verborgen ist; denn hier bleibt der Schlamm liegen, welchen die Flüsse mit sich führen, oder das Meerwasser setzt Erdtheile ab, die es anderswo losgerissen hat. An Stellen, wo die Küsten der Länder aus hohen Felsen bestehen, welche von einem tiefen und unruhigen Meere bespület werden, läßt sich ein Landzuwachs nicht denken.

So erstreckt sich von den Küsten der Deutschen und Niederländischen Provinzen an der Nordsee, in der Breite einer Meile und darüber, ein hoher sandiger Grund, das Watt oder Haf genannt, welcher kaum zwey bis drey Fuß unter der Fläche des Landes erniedrigt, ja an manchen Stellen mit dieser von einer Höhe ist. Mon sieht leicht, daß dieser Vorgrund, wenn sich Stoff zum Ansetzen finden sollte, einer Erhöhung wohl fähig ist, und dies geschieht auch durch den Schlamm, welchen das Wasser auf desem Watt absetzt. Dieser Schlamm ist aber kein Theil des Meerwassers; die fremden Theile, wel<86, 785>che es hier zurückläßt, sind nicht sowohl anderwärts durch das Wasser abgerissen, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach Theilchen vom Torfe, woran die Provinzen Friesland, Gröningen, Oldenburg, Münster u. a. einen so großen Ueberfluß haben. Die Torfmoore liegen mehrentheils landeinwärts und höher, als das Küstenland. Zahlreiche Wasserleitungen führen das Moorwasser, welches mit Erdtheilen sehr beladen ist, zum Meere ab. Da es ziemlich schnell abfließt, so haben diese Theilchen nicht Zeit, sich zu setzen; sie werden damit fortgerissen, bis dasselbe sich mit dem Wasser des Meeres vermischt. Diese Vermischung geht alsdann vor sich, wenn dieses abebbet, und sich so weit verlaufen hat, daß das Landwasser solches überwältigen kann. Das die Torftheilchen enthaltende Landwasser drängt alsdann das Seewasser fort, und vereinigt sich am Ende damit, indem das letztere sich wieder mit der Fluth landwärts ergießt. Der kleinste Theil von dem ausfließenden Landwasser kommt nach seinem Ausflusse gleich ins Meer, und das meiste erst dann, wenn es sich mit dem Seewasser verbunden hat, in dieser Vermischung mit der Fluth zum Lande zurück kehrt, und mit der folgenden Ebbe wirklich ins Meer abfließt. Das mit der Fluth landwarts sich ergießende Seewasser enthält diese Theile, und oft in solcher Menge, daß sie dem Wasser seine Durchsichtigkeit benehmen. Da, wo nun das Wasser auf dem seichten Grunde am ruhigsten stehen bleibt, ohne von anderen Ursachen in Bewegung gesetzt zu werden, setzen sich die Erdtheilchen am häufigsten ab. Es bleibe ein Schlamm zurück, und der Boden wird nach und nach höher, fester, allmählig über das Wasser erhoben, und geschickt, <86, 786> benutzt zu werden, wenn er nähmlich durch Dämme vor Ueberschwemmungen gesichert wird.

Die Küsten vergrößern sich durch den Schlamm, welchen das Meer auf den Boden absetzt, wodurch dieser allmählig erhöhet wird, nach einer längern und kürzern Reihe von Jahren, und dehnen sich nach allen Seiten aus. So lange das Wasser ihre Oberfläche noch eben deckt, dienen sie mancherley Meeresgeschöpfen und Pflanzen zum Aufenthalt. Hier nähren sich der Nadelfisch, die Scholle, der Stichling, der Krebs und ein ganzes Heer von Schal und anderen Thieren, welche hier als Verfolger oder Verfolgte in buntem Gewühl durch einander leben. So wie sich aber der Boden des Meeres an den Ufern so weit erhebt, daß man ihn schon öfters aus dem Wasser hervorragen sieht, so verändert sich die Seene auf eine auffallende Weise. Die Thiere gehen ihrem Elemente nach, welches sich immer weiter von den Küsten entfernt, und der Tang u. a. werden durch Kolonien aus dem Pflanzenreiche verdrängt, deren Natur diesem Boden anmessen ist: nähmlich solche, die zwar des salzigen Meerwassers bedürfen, aber auch genugsame Sonnenwärme verlangen, um jenes in ihre Bestandtheile aufnehmen zu können. Erhebt sich das Ufer noch mehr, so daß es nur selten, und allein von hohen Fluthen überschwemmt wird: so werden auch jene immer seltener, und der Abgang wird durch andere Gewächse ersetzt, welche eine Rasendecke bilden, die durch jede Fluth neue Nahrung zum frischen Wachsthum erhält.

Der Niederschlag der Erdtheile aus dem Wasser richtet sich nach der mehrern und geringern Wärme des Sommers. Je größer die Hitze und Dürre ist, desto stärker fällt dieser aus. Die <86, 787> Ruhe, welcher sie zum Sinken bedürfen, finden sie nicht nur in den, den Winden und Strömen weniger ausgesetzten Gegenden, sondern auch während der höchsten Fluth und niedrigsten Ebbe, als zu welcher Zeit das Wasser einige Minuten lang stille steht.

Seit vierzig Jahren sind hier viele tausend Morgen Landes dem Meere entzogen worden; besonders prangt gegenwärtig mit schönen Häusern und Kornfeldern ein großer Theil des Meerbusens Dollard, wo im Jahre 1277 mehr als funfzig Städte und Dörfer versunken sind. *

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Kriegsmann über den Landgewinn einiger Provinzen an der Nordsee, in den wöchentlichen Hallischen Anzeigen v. J. 1763. Num. 8. 9. 10. und 11. Weis über das Entstehen des Seeschlamms in den Schriften der naturf. Gesells. in Berlin. VII Band. 1786. S. 275. ff.

Bey dem oben erwähnten Zurückziehen des mittelländischen Meeres an den südlichen Küsten Frankreichs bey Aiguesmortes ist ein Landanwachs sichtbar, welcher jenes zurück drängt. Die Natur bereitet hier schon seit mehreren Jahrhunderten eine Veränderung unter unseren Augen. Ungeheure Lagunen, welche sich durch Sandbänke, seit länger als zweytausend Jahren, vom Meere trennen, werden nun bald in ein fruchtbares Erdreich umgeschaffen werden. Jetzt findet man hier noch zahlreiche Moräste.

Fast der ganze Landstrich von Niederlanguedoc scheint das Werk des Meeres zu seyn. In der ganzen Ebene, welche sich von der Mündung der Rhone bis zu den Pyrenäen hinzieht, findet man Bänke von Schalengehäusen und Meereskörper allerley Art. Abgesetzte Theile aus dem Meerwasser, welche diesen durch die Rhone <86, 788> mitgetheilt sind, haben diese Ebenen gebildet. Dieser Strom führt eine ungeheure Menge von Kieseln, Sand u. s. w. mit sich fort. Ein Theil dieser Materialien bleibt sofort bey seiner Mündung liegen, ein anderer ist mit in das Meer fortgerissen worden, und dieser wird wieder durch die Strömungen des Meeres an die Ufer zurückgeworfen. Ein Strom dieser Art ist in dem Golf von Lion außerordentlich schnell. Nachdem er die Küsten von Provence durchlaufen hat, eilt er der Mündung der Rhone vorbey, nimmt alle Materialien, die diese ins Meer führt, auf, und setzt sie nach und nach an den Ufern des Golfs ab. Diese Absätze sind desto beträchtlicher, je mehr man sich dem Flusse nähert. Sie sind nichts anders als Bruchstücke, welche das reißende Wasser der Rhone, in größeren und kleineren Stücken, auch als Sand zerrieben, mit sich fortführt.

Das mittelländische Meer ist eine oft ganz ruhige Wassermasse, welche weder durch Ebbe und Fluth noch von Winden sehr in Bewegung gesetzt wird. Wenn nun eine Strömung mit fremden Körpern beladen, an seine Küsten anschlägt, was wird geschehen? Die Materialien, welche von der Strömung mit fortgerissen sind, können, da sie schwerer sind, als das Wasser, sich darin nur allein durch die Kraft der Bewegung erhalten, welche jene Kraft der Schwere überwindet. Sie werden abgesetzt, sobald das Wasser zur Rühe kommt, oder die Bewegung nicht stark genug ist, die Wirkung des Gewichts dieser Körper zu hindern. *

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Ponget sur lee atterissiments des Cotés de Languedoc Rozier Observ. Tom, XIV. p. 281. suiv.

<86, 789>

Die Küsten Italiens sind größtentheils mit Marmor und anderen Steinarten eingefaßt, deren mannichfaltige Lagen man schon von weitem erkennt. Die Klippen der Ufer gleichen in einer gewissen Entfernung senkrecht abgeschnittenen Meerespfeilern. *

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Büffon a. O. S. 278.

Die Französischen Ufer von Brest bis nach Bourdeaux sind fast überall, bis an die Wasserebene mit Felsen besetzt, welche blinde Klippen machen. Auf gleiche Weise sind auch die Spanischen und Portugiefischen Küsten mit Felsen von festem Steine umgeben, einige wenige Stellen ausgenommen, die man zu Ankerplätzen eingerichtet hat.

Die engländische, so wie die gegen derselben über liegende Französische Küste, bestehen ganz aus Kalkstein, mit horizontalen Schichten von Feuersteinen untermengt. Sie sind steil und abgebrochen, und ihre Höhe richtet sich nach der Beschaffenheit der Berge, und ist bald hundert, bald zweyhundert und funfzig Fuß über dem Spiegel des Meeres erhaben; die niedrigsten Stellen sind achtzig bis hundert Fuß hoch. *

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Volkmann' s Abhandl. über den Meeressand; im Göttingensch. Mag. 4 Jahrg. 2 Stück. S. 49. ff.

Die Norwegischen Ufer sind fast durchgängig steil, ja an mehreren Orten überhangend, und das Meer dicht an diesen Klippen ein bis vierhundert Klafter tief; auf den langen und unebenen Sandbänken ist dagegen der Grund seicht. Die Schwedischen Küsten sind mit einer unzählbaren Menge Klippen, welche Scheeren <86, 790> (Skären) genannt werden, eingefaßt, welche das Anlanden gefährlich machen. Diese Klippen und Inseln sind von verschiedener Größe, liegen nahe bey einander, und letztere sind zum Theil bewohnt. Die Küste von Grönland besteht aus lauter spitzigen und hohen Felsen auf beyden Seiten. Island ist überall, so wie auch Spitzbergen und Nova Zemlja, ein hohes, felsiges Land.

Die Gestade von Holland sich überaus niedrig und flach, und sie erscheinen beynahe niedriger, als das Meer. Sie sind also als ein Meisterstück der Kunst anzusehn. Hier gibt es eigentlich kein Feld, sondern alles ist Sumpf, von dem der größte Theil als Wiese erscheint. Vor demselben befinden sich Bänke, die aus Schlamm und Thon bestehen, aber mit Sande bedeckt sind. Zwischen diesen und dem Lande liegen jene Dünen, eine Schutzwehr desselben gegen die Meereswogen. Sie sind von abwechselnder Höhe von etwa 30 bis 50 Fuß, und bald breiter, bald schmahler. Die erhabensten sieht man an der Küste des Kennemer Landes, bey s' Gravesand, Sandvoort, Patten und Egmont. Die bey Schevelingen, Kattrwyk und Nordwyk sind zwar nicht so hoch, aber sehr stark mit Dünenpflanzen und anderem dichten Gesträuche bewachsen, wodurch sie einen gewissen Grad der Festigkeit bekommen. Zwischen dieser Dünenkette und dem Lande liegt der flache Strand in einer abwechselnden Breite Die Dünen, so wie der Strand, sind dem stürmischen Meere ausgesetzt, welches daher oft Theile von ihnen wegschwemmt; ja bey hohen Fluthen geschieht es nicht selten, daß ganze Dünen weggerissen wer<86, 791>den, so wie sie auch unter anderen Umständen einen Zuwachs erhalten können. *

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Berkhey' s Naturgeschichte von Holland. a. d. Holl. 1 Theil. Leipz. 1779. 8. S. 67. 202. 203.

Die Nehrung an der Preußischen Küste ist eine bloße, bisweilen nur ein=Öfters drey= und vierfache Kette von Sandhügeln, im Durchschnitte etwa eine Viertelmeile breit. Ein paar Stellen in der Mitte sind so schmal, daß bey heftigen Stürmen die Wellen fast darüber hinweg rollen, und der Sand ist so leicht, daß der Sturm in einer Nacht oft einen Hügel verweht, und dagegen wieder einen andern aufthürmt.

Die Dünen bey Pondichery liegen anderthalb Meilen von der Stadt, südwärts am Gestade des Meeres. Diese dürren Sandberge erstrecken sich längs dem Strande nach Süden hinab, und laufen etwa noch zweyhundert Toisen gegen Westen. Le Gentil *

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Neue Samml. von Reiseb. Hamb. 2 Th. S. 248.

beobachtete einige dieser Dünen. An gewissen Tagen glichen sie einer flüssigen Materie, und waren in steter Bewegung, wenn es nähmlich die Nacht hindurch geregnet hatte.

Die Küste der Halbinsel am Meerbusen von Bengalen ist sehr flach, und steht fast immer unter Wasser, daher man sie in einem Abstande von drey Englischen Meilen nicht gewahr wird. Die Küsten von China, des Meerbusens von Siam, die ganze Küste von Koromandel und der umliegenden Gegend von Malacca, auch die nicht weit davon belegene Insel Sumatra, sind größtentheils niedrig, und bequem zum Ankern; jedoch hat die westliche Seite dieser Insel sehr steile und hohe Ufer. Von eben dieser Be<86, 792>schaffenheit sind die meisten Inseln an der östlichen Seite von Sumatra, als die Inseln Borneo, Celebes und viele andere minder beträchtliche, welche hier und da zerstreuet liegen, und gute Rheden mit vielen seichten Gründen haben. Besonders bildet die Westseite der Inseln lauter hohe und steile Ufer. *

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Dampier.

Die Küste von Siberien ist überall niedrig und flach: das östliche Ufer von Asien bis zur Spitze von Kamtschatka mehrentheils hoch und felsig.

Die ganze Küste von Guinea in Afrika bekommt durch ihr Grün ein schönes Ansehen; der größte Theil des Landes längs derselben ist sehr niedrig und Unberschwemmungen ausgesetzt. Von dem Vorgebirge Gardafu, der nördlichsten Spitze Afrika' s bis nach Mozambique bis zum Cap de Corrientes sind 170, und von da bis zum Vorgebirge der guten Hoffnung 340 Meilen. Von hier geht die Küste nordwärts ein wenig abgerundet nach Westen zu, so weit das Königreich Congo sich erstreckt. Der größte Theil dieser Küsten ist niedrig, und Ueberschwemmungen bloßgestellt. Die Küste von Senegal besteht aus einem flachen, sandigen, weißen Erdreiche.

Die östliche Küste von Nordamerika, deren Außenlinie von Nordosten nach Südwesten fällt, ist in den nördlichsten Gegenden von Labrador, Neuland u. s. w. herab fast durchgängig steil, schroff und felsig. Einige vorspringende schmale, sandige Bänke, als Cap=Cod, Cap=Ann, machen keine geltende Ausnahmen. Schon längs der ganzen Küste der Baffins= und Hudsons=Bay ist das Land sehr schroff, und von einem fürch<86, 793>terlichen Ansehen. Die Ufer haben viele Buchten und Anfuhrten, welche mit Schnee und Eise angefüllet, und bis auf den Grund zugefroren sind. Indeß findet man in der Hudsons=Bay auch hin und wieder flache Ufer.

Diese Küste nun nimmt um den ein und vierzigsten Grad der Breite eine verschiedene Beschaffenheit an. Der südöstliche Theil von Long=Island, und von da längs dem Meere hinab bis Florida, stellt nur ein einförmiges, niedriges und sandiges Ufer dar. Das letzte hohe Land in jener Gegend sind die Hügel von Neversink bey Sandy=Huck auf Jersey, und von da findet sich nichts ähnliches bis zu einigen Sandhügeln in Florida, die jedoch nichts anders sind, als vom Meere aufgeworfene Dämme, und dabey nicht höher, als andere Wälle, welche überall an dem Gestode von Florida, Carolina und Virginien vorkommen.

Die Nordamerikanische Küste bis nach Florida hinab, hat dieses durchaus gemein, daß sie überaus flach ist, und sich vom Ufer des Meeres an, nach den inneren Gegenden und nach den festen Felsenreihen zu, gemächlich erhebt; und eben so fällt auch der feste Grund seeeinwärts nur allmählig ab, und die Tiefe des Meeres nimmt sehr langsam zu. Ehe man eine Tiefe von funfzehn Faden erreicht, muß man sich schon sehr weit vom Ufer entfernt haben. Dieser letzte Umstand ist eine für die Seefahrer wichtige Bemerkung, und lehrt sie die Gefahren einer an sich so niedrigen und nicht über fünf bis sechs Seemeileyn, zu entdeckenden Küste zu vermeiden. Das Senkbley, welches die Tiefe des Wassers anzeigt, unterrichtet zugleich von der Entfernung des dem Auge noch verborgenen Lan<86, 794>des, wo nicht mit genauer Bestimmung, doch ungefähr. Kommt man aber in den ein und vierzigsten Grad N. Br., so werden die Ufer steiler, das Land wird gebirgig, und schon jenseit des 45. Grades nimmt die Küste die oben erwähnte Beschaffenheit an; hier aber sind schöne Häfen und Landungsplätze desto häufiger.

Vom ein und vierzigsten bis zum fünf und dreißigsten Grade der Breite, oder der Gegend des Cap. Hatteras ist, nach Angabe aller guten Karten, der südwestliche Abfall mit Einbug der Küste weniger beträchtlich, als von diesem Cap an, längs der Küste von Georgia, Carolina und Florida, welche letztere der großen Wirkung des ihnen nähern Gulfstroms vielleicht ihren tiefern Ausschnitt zu verdanken haben.

Die ganze Landstrecke zwischen dem Oceane und der erwähnten Felsenreihe ist eine gegen das Meer ganz gemächlich sich neigende Fläche, welche nirgends durch Unebenheiten unterbrochen wird, als längs der verschiedenen, theils stehenden, theils aber auch fließenden Wasser. Erst an dem vom Oceane bespülten Ufer findet man in der Länge fortlaufende Dämme, die das Werk des Meeres sind. Wenn man von Wilmington nach Charlestown die untere, oder längs der See gelegene Straße reiset, so geht der Weg auf sechzehen Englische Meilen unmittelbar am Rande des Meeres hin, über die so genannte lange Bay, und diesen ganzen Weg hat man zur Rechten, in verschiedener Entfernung von einem bis zu zweyhundert Schritten, eine mit dem Meere parallel laufende Reihe Wälle drey, zehen bis sechszehen Fuß hoch. Der Sand, woraus der Strand besteht, erlangt durch das Bespülen des Wassers eine besondere Festigkeit und <86, 795> glatte Oberfläche, gleich dem Boden einer geschlagenen Tenne. Wird nun durch die Länge der Zeit, und durch solche Bindungsmittel, als sie wahrscheinlich aus dem Meerwasser erhält, die ganze Masse hart, so entsteht daraus der sogenannte Muschelstein. Dies ist bey der Insel Nord=Beach der Fall. Der Sand ist übrigens von der Sonne und dem Wasser so weiß gebleicht, daß das Auge leidet, wenn man lange darauf sieht. Sobald er noch nicht auf jene Art verbunden worden ist, hebt ihn der geringste Hauch des Windes wie Schnee empor.

Diese vom Oceane aufgeworfenen Wälle erscheinen auf ihrer nach dem Meere gekehrten Seite beynahe senkrecht abgebrochen, auf der entgegen gesetzten aber abhängiger, und mit Gewächsen bekleidet.

Eben so ist die Küste der südlichen Hälftevon Nordamerika, dicht vor dem festen Lande mit einer Reihe niedriger, schmaler, von Norden nach Süden sich erstreckender Eylande besetzt, innerhalb welcher kleine Fahrzeuge weite Reisen längs der Küste machen können, ohne den Gefahren des hohen Meeres bloßgestellt zu seyn.

Die Ufer der Westindischen Eylande bestehen aus Kalkfelsen, welche da, wo sie auf erhöheten und entblößten Stellen der Luft ausgesetzt sind, oder am Meere vom Wasser ausgespület worden, an ihrer Rinde schmutzig=schwarz und hart, unten aber weiß, kleinkörnig und zerreiblich sind. Ihr lockerer Zusammenhang gestattet, daß die anprellenden Wogen sie auf eine seltsam in die Augen fallende Weise aushölen und durchlöchern. *

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Hrn. Schoeyf' s Beyträge zur mineralogischen Kenntniß des östlichen Theils von Nordamerika. Erlangen 1783. 8. S. 1. f. Desselben Reise durch einige Provinzen der Nordamerikanischen Staaten. Erlang. 1785. 8. 2 Band. S. 389.

<86, 796>

Die Insel Cuba ist an ihrem Ufer mehrentheils flach, niedrig, und an einigen Stellen sogar mit der Ebene des Meeres gleich; die nahe dabey gelegene Insel Domingo ist dagegen in den meisten Gegenden hoch, und an der Westseite steil. Die Küsten des Mexikanischen Meerbusens sind flach, vorzüglich an Louisiana. Das Land um den Mississipi ist besonders sehr niedrig, so daß viele Gegenden desselben unter Wasser stehen, und nur an den hervorragenden mit Schilf bewachsenen Stellen zu erkennen sind. Es ist schwer, daselbst und an der benachbarten Küste zu landen, weil das Meer sie bedeckt, und man sie erst in einer gewissen Entfernung gewahr wird. Von gleicher Beschaffenheit sind die Küsten von Jucatan, um den Meerbusen von Honduras und Carthagena, und daher zu Zeiten überschwemmt. So sind auch die Ufer von Guiana, vom Oronoko bis an den Amazonenfluß in einer Länge 125 geographischer Meilen, schlammig, hier und da mit Sandbänken besetzt, und mit unzugänglichem Dickicht bewachsen. Ueberhaupt trifft man in den Gegenden, die in der Nachbarschaft großer Flüsse liegen, dergleichen der Oronoko, Madalena u. a. sind, sehr niedrige Küsten an. Die Gestade von Brasilien laufen von der Mündung des Amazonenflusses an 200 geogr. Meilen ostwärts bis an das Cap St. Roque, und von da wenden sie sich gegen Süden bis nach Paraguay; das Küstenland ist mehr niedrig als hoch, allein überaus angenehm, indem es abwechselnd aus Wiesen und Wäldern <86, 797> besteht. Die Küste vom Amazonenflusse bis an den Rio de la Plata ist ebenfalls flach; auf der Westseite von Amerika von dem hohen Lande bey Guatimala in Mexiko bis nach Californien ist der größte Theil der Ufer niedrig. *

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Ulloa 1 Th. S. 12. Hartsink' s Beschreibung von Guiana, oder der wilden Küste von Amerika. a. d. Holl. von Fabri. 1 Th. Berlin 1784, 8. S. 2. 3. Dampier Voy. T. II. p. 476.

Bewegung des Meeres von Osten nach Westen. *

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S. Otto, a. a. O. S. 515 flg.

Die Bewegung des Meeres von Osten nach Westen ist ein Zug des Wassers, welcher sich auf dem hohen Meere, wo das Wasser sich ganz frey bewegen kann, ohne durch das feste Land oder die Inseln eingeschränkt zu werden am leichtesten und regelmäßigsten zu erkennen giebt; aber auch bey windstillem Wetter in einer sanften wellenförmigen Richtung sich äußert. Diese Bewegung, welche die Holländer Dienung nennen, macht einen Strom, welcher stark genug ist, das Wasser zwey bis drey Meilen in einem Tage fortzutreiben.

Diese Bewegung des Weltmeeres ist hauptsächlich zwischen den Wendekreisen merkbar, wo sie auf die Schifffahrt einen nicht unbedeutenden Einfluß äußert. Wenn ein Schiff unter diesem Himmelsstriche nach Westen segelt, so bewegt es sich geschwinder; geht aber sein Lauf nach Osten, so wird es durch den Strom des Wassers immer etwas zurück geführt. Geht endlich der Lauf des Schiffs unter einem gewissen Winkel mit der Richtung des Seestroms, so beschreibt es entweder einen größern oder kleinern Weg.

<86, 798>

So lehrt die Erfahrung, daß die Schiffe von den Moluccischen Inseln zu dem Vorgebirge der guten Hoffnung, und aus Europa nach Amerika weit bequemer und geschwinder segeln, als zurück.

Diese Ostbewegung in den heißen Zonen wendet sich nordwärts vom Aequator etwas südlich, und südwärts von demselben etwas nördlich; aber auch außer den Wendekreisen findet man Spuren von diesem Strome des Meeres. So ist er auf dem mittelländischen Meere sehr merklich, und der Grund, daß man von Syrien und Palästina nach Italien schneller als zurück segelt. Herbinus bezeugt eben dies von der Ostsee. In der Magellanischen Straße äußert dieser Strom, welcher überhaupt an den Küsten und in den Meerengen am stärksten ist, eine heftige Wirkung, daß man seinen ausgezeichneten Zug noch eine geraume Zeit im offenen Meere gewahr wird, und dieser Umstand soll auch dem Magellan Anlaß gegeben haben, zu vermuthen, daß sie zwey Meere mit einander verbinden müsse. Varenius gedenkt, als einer bekannten Sache, daß das Atlantische Meer beständig gegen die Küsten von Amerika ströme, und daß dagegen das stille Meere von diesem Welttheile abfließe, welches am Vorgebirge der Ströme *

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Cabo des Corrientes.

zwischen Panama und Lima sichtbar sey.

Büffon sieht diese Bewegung als eine Wirkung der Ebbe und Fluth an, und so viel ist auch gewiß, daß dieser Strom im neuen und von Monde jederzeit heftiger ist, als in den Vierteln. Wenn man erwägt, daß der Mond <86, 799> in einem Zeitraume von vier und zwanzig Stunden von Osten nach Westen läuft, daß immer ein anderer in Westen gelegener Punkt der Wasserfläche unter den Mond zu stehen kommt, und folglich die Erhöhung des Wassers nach jener Seite vor sich gehe, wo es abnimmt und niedriger wird: so scheint es allerdings, daß man hierbey auf die Ebbe und Fluth mit rechnen müsse.

Die Hauptursache liegt indessen wohl in der Bewegung der Erde um ihre Achse, welche in der Richtung von Westen nach Osten geht. Die Bewegung ist eigentlich ein stufenweise und periodisch erfolgendes Zögern und Verweilen des Wassers gegen die schnelle aber gleichfalls periodische Bewegung der Erdkugel.. *

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Gatterer' s Abriß etc. S. 67.

Das Wasser als ein flüssiger Körper ist von geringerer Schwere, als der feste Theil der Erde, und da es mit diesem sonst durch nichts als diese Schwere verbunden ist, so bleibt es beym Schwunge zurück, und scheint gegen Westen zu laufen.

Die Erde hat bekanntlich eine doppelte Bewegung. Die erste ist ihr jährlicher Umlauf um die Sonne, und die zweyte um ihre Achse. Weil nun die Erde beym Fortrücken auf ihrer Bahn in einer spiral=schrägen Richtung vom Aequator an nach und nach nordwärts, und dann südwärts den Einfluß der Sonne empfängt, so entsteht hieraus eine Modifikation der Ostbewegung nach Norden und nach Süden.

Bey diesen Bewegungen der Erde geräth nun zwar die ganze Menge des Meerwassers ebenfalls in Bewegung, aber die einzelnen Schichten des Wassers haben eine ungleiche Geschwindigkeit, die sich nach den verschiedenen Graden <86, 800> ihrer eigentlichen Schwere richtet, so daß zu einerley Zeit das obere Wasser mehr oder weniger westwärts, und das untere mehr oder weniger ostwärts, und umgekehrt, sich bewegen kann. *

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Gatterer Abr. S. 59.

Ohnstreitig trägt auch der immerwährende Ostwind, welcher vornähmlich seine Wirkung zwischen den Wendekreisen äußert, zu dieser Bewegung mit bey. Dieser Wind wird von der Sonne verursacht, welche die Luft ausdehnt, und dadurch vor sich her treibt, so wie die Erde bey ihrer täglichen Umdrehung immer neue Punkte der Atmosphäre entgegen stellt. Wir bemerken diesen Wind täglich in der Morgendämmerung, wenn übrigens die Luft still ist; so wie diese Morgendämmerung täglich um die Erde geht, so folgt ihr auch der Wind unaufhörlich, und treibt also die Gewässer in eben der Richtung fort; denn Dampier bezeugt aus mehreren Wahrnehmungen der Seefahrer, daß überall, wo ordentliche Winde herrschen, die Ströme ihrem Zuge in gleicher Richtung folgen.

Sowohl in den Meerengen der Philippinischen Inseln, und in allen Kanälen, welche die Maldivischen Eylande von einander scheiden, als auch in dem Mexikanischen Meerbusen, zwischen Cuba und Jamaika geht der Zug des Wassers in dieser Linie. In der Meerenge von Paria ist diese Bewegung so heftig, daß die Seefahrer dadurch veranlaßt worden sind, sie das Drachenmaul zu nennen. Auch in dem Meere von Canada wird das Wasser sehr stark von Osten nach Westen bewegt. Dies gilt auch von dem Tartarischen Meere, und von der Meerenge Waigaz, durch welche der Ocean, weil er hier gewaltsam durchläuft, ungeheure Eismassen hindurch treibt. <86, 801> Das stille Meer fließt ebenfalls durch die Engen von Japan von Osten nach Westen in das Meer gegen China, das Indische Meer in eben dieser Richtung durch die Straße von Java und durch die übrigen Pässe zwischen den Moluckischen Inseln.

Einige der älteren Erdbeschreiber, als Ricciolus, *

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Geo ref. L. X. C. 3. 5.

Fournier, *

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Hydrogr. Liv. IX. C. 22.

Vossius, *

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De ortu et progressu idololatriae.

gedenken auch eines immerwährenden Stroms von beyden Polen nach dem Aequator hin, welcher die Schiffe weit geschwinder von den Canarischen Inseln nach der Linie, als zurück bringe. Der Beobachtungen über diese Ströme giebt es zwar nur wenige, und sie sind unsicher, indem die neuesten Seefahrer davon nichts erwähnen. Die Sache selbst hat aber nichts unwahrscheinliches, und ihr wird durch die Eismassen, welche alljährlich von den Polen weg nach den wärmeren Gegenden treiben, und daselbst schmelzen, Gewicht gegeben. Vossius glaubt, daß die nördlichen Meere weit mehr Flüsse aufnähmen, und daß sich der dadurch gesammelte Ueberschuß des Wassers nach Süden zöge. Mit größerm Rechte kann man sie als die Wirkung der stärkern Ausdünstung des Oceans zwischen den Wendekreisen betrachten, die das Wasser daselbst erniedrigt, und in die Stelle des Abgangs das Wasser von den Polen her herbey zu fließen nöthigt, um das Gleichgewicht zu erhalten. Diese Bewegung scheint indeß nur äußerst schwach, und an jenen Eismassen bloß merkbar zu seyn. Nach St. Pierre *

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Betr. 1 B. S. 128.

sind die nördlichen und südlichen Strö<86, 802>me, die Folge seiner Polar=Ergießungen, welche er bey der Ebbe und Fluth die Hauptrollen spielen läßt, die einzigen allgemeinen im Oceane.

Von den andern Bewegungen des Meers wird in besondern Artikeln dieses Werks gehandelt. Von den Strömungen, s. den Art. Pfeil-IconMeeresstrom; Pfeil-IconEbbe und Fluth, s. Th. 10, Pfeil-IconS. 2 -- 11; Wellen des Meers, s. unter Pfeil-IconWelle; Strudel im Meer, s. Pfeil-IconMeerstrudel; Wassersäulen auf dem Meere, s. Pfeil-IconWasserhose.

Von der Beschaffenheit des Wassers im Meere, insonderheit von dessen Geschmack, Schwere, Temperatur, Farbe und Leuchten, s. den Art. Pfeil-IconMeerwasser..

Die Beschreibung der Meere selbst, deren Lage, Größe und Eigenthümlichkeiten schlägt zu sehr in die Geographie, als daß ich mich hier dabey aufhalten dürfte.

Außer dem oben verschiedentlich angeführten classischen Werke des Herrn J. F. W. Otto, Versuch einer physischen Erdbeschreibung, I Th. Berlin 1800. 8, welches jetzt für die mehrsten Leser alle andern Hülfsquellen über diesen Gegenstand entbehrlich macht, gehören hierher noch folgende allgemeiße Werke:

Hydrotheologie, oder Versuch durch Betrachtung des Wassers den Menschen zur Liebe und Bewunderung des Schöpfers zu ermuntern, von Joh. Alb. Fabricius, Hamburg, 1737. 8.

Joh. Gottsch. Wallerius Hydrologie oder Wasserreich von ihm eingetheilt und beschrieben; aus dem Schwed. übers. von Joh. Dan. Denso, Berlin 1751. 8.

Fournier Hydrographie, à Paris 1653 fol.

Cartheuser Rudimenta hydrologiae systematicae. Franc. ad Viadr. 1758. 8.

Monnet nouvelle Hydrologie. Londres 1772. 8.

Varenius Geographia generalis &. Amstelod. 1664. 12. p. 43 -- 206.

Woodward Physikalische Erdbeschreibung etc. etc. a. d. Engl. Erfurt. 1746. 8.

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Ricciolus Geographia et Hydrograph. reformata. Venet. 1662.

Lulofs Einleitung zur Kenntniß der Erdkugel; a. d. Holl. von Kästner. Göttingen und Leipzig, 1755. 4. S. 332 -- 354.

Bergmann physikalische Beschreibung der Erdkugel. a. d. Schwed. von Röhl. Greifsw. 1780. 8. 1 Th. 1 B. S. 276 -- 387.

Mitterpacher physik. Erdbeschreibung. Wien 1789. S. 18 -- 93.

De la Metherie Theorie der Erde; aus dem Franz. durch Eschenbach. Leipzig 1797. Th. II. S. 305. u. f.

Von dem Meere allein handeln:

Marsili Histoire physique de la Mer. Ouvrage enrichie de figures d' apres la nature. à Amsterd. 1725.

Popowitsch Untersuchung vom Meere, auf Veranlassung einer Schrift: de columnis Herculis, von dem Herrn Prof. Schwarz in Altorf herausgegeben. Frankf. und Leipz. 1750. 4.

J. F. W. Otto Abriß einer Naturgeschichte des Meeres, ein Beytrag zur physikalischen Erdbeschreibung. 2 Bände, Berlin 1792. 1794.

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Klassifizierung: 306.3 Institutionen der WirtschaftDDC-Icon Klassifizierung: 636.0845 Weidehaltung von TierenDDC-Icon Nachtrag zu Pfeil-IconS. 297.

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