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Lehne Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 631.56 Arbeitsabläufe nach der ErnteDDC-Icon Klassifizierung: 633.1 GetreideDDC-Icon , (mit einem scharfen e), ein Bey= und Neben=Wort, welches nur im Landbaue Ober=Sachsens üblich ist. Wenn der Weizen vor völliger Reife in die Banse gelegt wird, pflegt er sich zu beseichen, <70, 297> oder er wird lehne. Es scheint hier das auch im Nieders. übliche leen, löne, mager, abgezehrt zu seyn; Angels. hleane; Engl. lean.

Klassifizierung: 400 Sprache DDC-Icon Im Schwed. ist len, weich, im Isländ. linur, und im Angels. lith, gelinde. Beyde vielleicht gehören zu dem Geschlechte der Wörter linde, lenis, -- lein, u. s. f.

Lèhne Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , ein Bey= und Neben=Wort, welches nur in den gemeinen Sprech=Arten üblich ist, schräge in die Höhe, mit dem Horizonte einen spitzigen Winkel machend; im Gegensatze des steil. Der Berg geht ganz lähne, erhebt sich ganz sanft. Siehe Pfeil-Icondie Lèhne2.

1. Lehne Klassifizierung: 583.78 Sapindales (Seifenbaumartige)DDC-Icon , (die) [mit einem scharfen e], eine Art des im I Th., Pfeil-IconS. 242, f. beschreibenen Ahorns oder Maßholders, welche in Norden und Nieder=Sachsen häufig wächst, eine weiße und glatte Rinde hat, und zwar zu einem großen Baume in den Wäldern wird, aber doch kleiner bleibt, als der gemeine Ahorn; Acer platanoides Linn. In den gemeinen Sprech=Arten heißt er Leene, Löhne, Leinbaum, Leimbaum, in Sachsen Linbaum, in der Schweiz Leinahre, an andern Orten, wegen seiner breiten Blätter, Breitlaub, Breitblatt, Breitlöber, Weinblatt, und wegen der fünffach gezackten Blätter, Gänse=Baum.

Der Nahme Lehne scheint sein geringeres Wachsthum zu bezeichnen, und so viel als kleine Aehre oder kleiner Ahorn zu bezeichnen. Siehe 1. Pfeil-IconLehne Beyw. und -- Lein. Uebrigens wird auch die Ulme in einigen Gegenden Leimbaum genannt.

2. Lehne Klassifizierung: 599.633 Suidae (Schweine)DDC-Icon Klassifizierung: 799.2 JagdDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (die) in einigen Gegenden, ein wildes Schwein weiblichen Geschlechtes, welches am häufigsten eine Bache genannt wird.

Gewiß nicht, wie Frisch glaubt, weil sich der Eber so lang auf sie lehnet. Schon in dem Capitul. de Villis, c. 40, bedeutet Leha (wo aber für et Lehas unrichtig Etlehas gedruckt ist,) und im Franz. Laye, ein solches wildes Schwein weiblichen Geschlechtes. Das n ist in vielen Wörtern ein Zusatz nieselnder Mund=Arten.

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1. Lèhne Klassifizierung: 688.6 Nichtmotorisierte LandfahrzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (die) in einigen Gegenden ein Nahme des Achs=Nagels, welcher an andern Orten mit der intensiven Endigung die Lünse genannt wird, da denn beyde im gem. Leben häufig in Lönse, Lünsch, Leine, Lan, Lyn, Lihn. u. s. f. verderbt werden.

Klassifizierung: 400 Sprache DDC-Icon Im Böhmischen heißt dieser Achs= oder Vorsteck=Nagel Leunek. Weil an den Rüst=Wagen dieser Nagel in einer langen Stange befestigt ist, an welche die Leitern sich lehnen, so leitet Frisch es von diesem Worte ab. Allein, da die wenigsten Achs=Nägel solche Stangen haben, und doch Lehnen heißen, so scheint dieses Wort zu einer andern Familie zu gehören. Vielleicht zu Lanze.

Eine Deck=Lehne, ist eine solche Lehne mit einem breiten Bleche, den Koth abzuhalten.

2. Lèhne Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (die) ein Wort, welches den Begriff der schiefen Richtung, der Abweichung von der senkrechten Linie, hat.

Klassifizierung: 551.43 ErhebungenDDC-Icon 1. Die abhängige Seite eines Berges oder Hügels, besonders wenn sie sich sanft, nicht steil erheibt, wird in vielen Gegenden eine Lehne genannt. Die Sommer=Lehne, die mittägliche Seite eines Berges. Die Winter=Lehne, die mitternächtliche. Daher denn an einigen Orten auch solche sanft ansteigende Hügel oder kleine Berge selbst Lehnen, und, wenn sie sich auf dem Acker befinden, Acker=Lehnen und Feld=Lehnen genannt werden.

Schon bey dem Ulphilas ist Hlains, ein Hügel; Schwed. Lena, wohin auch das Griech. Κολανη gehört.

2. Die schiefe Richtung selbst, im g. L. einiger Gegenden und ohne Plural. In der Lehne stehen, eine von der senkrechten Linie abweichende Stellung haben. Ein Mensch liegt in der Lehne, wenn er sich an etwas lehnet.

Klassifizierung: 684.1 MöbelDDC-Icon 3. Derjenige Theil an einem Dinge, woran man sich lehnet. Die Lehne an einem Stuhle, an einer Bank. Die Arm=Lehne eines Stuhles, worauf man den Arm lehnet. Die Arm=Lehne, am Kutsch=<70, 299>Kasten, s. im LVII Th., Pfeil-IconS. 291, f. Die Brust=Lehne, oder Lehn=Mauer, die Mauer vom Boden eines Zimmers, worauf man sich mit dem Leibe lehnen kann, wenn man zum Fenster hinaus sieht; s. im VII Th., Pfeil-IconS. 141, f. Die Rücken=Lehne, derjenige Theil eines Stuhles, u. s. f. woran man den Rücken lehnet. Die Seiten=Lehne, eine Lehne an der Seite eines Dinges, zum Unterschiede von der Vorder=Lehne.

Eine Lehne, so fern dieses Wort unmittelbar von dem Zeit=Worte lehnen abstammet, bedeutet bloß ein Ding, dessen einzige und nächste Bestimmung ist, sich daran oder darauf zu lehnen. Ist aber ein solches Ding zunächst dazu bestimmt, das Hinunterfallen anderer Körper zu verhindern, so heißt es ein Geländer, welches Wort, allem Ansehen nach, zu einem ganz andern Stamme gehört; s. im XVI Th., Pfeil-IconS. 719. Indessen werden doch beyde im gem. Leben häufig verwechselt, besonders wenn ein solches Geländer auch zugleich zur Lehne dient. Ueberhaupt gebrauchten die Alten das Wort Lehne von vielen solchen Dingen, welche wir jetzt ein Geländer nennen würden. Sie sagten: eine Lehne an einer Brücke; eine Lehne an einem Brunnen; eine Lehne an einem Steg, woran man sich halten kann, wenn man hinüber geht. Eine Lehne auf dem Dache eines Hauses. So hat auch Luther das Wort Lehne gebraucht, 5 Mos. 22, 8. Wenn du ein neu Haus bauest, so mache eine Lehne darum auf deinem Dache, auf daß du nicht Blut auf dein Haus ladest, wenn jemand herab fiele. Weil die Dächer der Israeliten nicht spitzig, wie unsere, sondern platt und eben waren, so daß sie darauf gehen, und Mahlzeiten halten konnten, so geboth ihnen Gott, die Dächer so zu verwahren, daß niemand herab fallen könnte. In allen diesen Fällen würden wir uns jetzt lieber des Wortes Geländer be<70, 300>dienen. Das Geländer auf der Brücke, das Geländer um den Brunnen, ein Geländer auf dem Dache.

Nieders. Läne. Willeram nennt eine Lehne in der lezten Bedeutung Lineberga, von leinen, lehnen. Siehe das folgende Pfeil-IconZeit=Wort.

Lehne, (Acker=) siehe oben, Pfeil-IconS. 298.

Lehne, (Arm=) s. eb. Pfeil-IconS. das.

Lehne, (Brust=) s. auf der vorhergeh. Pfeil-IconSeite.

Lehne, (Deck=) s. oben, Pfeil-IconS. 298.

Lehne,(Feld=) s. eb. Pfeil-Icondas.

Lehne, (Rücken=) s. auf der vorhergeh. Pfeil-Icon Seite.

Lehne, (Seiten=) s. eb. Pfeil-Icondas.

Lehne, (Sommer=) s. oben, Pfeil-IconS. 298.

Lehne, (Vorder=) s. auf der vorhergeh. Pfeil-Icon Seite.

Lehne, (Winter=) s. oben, Pfeil-IconS. 298.

Lèhnen Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , ein Zeit=Wort, welches in einer doppelten Gestalt üblich ist.

1. Als ein Neutrum, mit dem Hülfs=Worte haben, in der Stellung von der senkrechten Richtung abweichen. Die Säule lehnet, steht nicht gerade. Besonders und am häufigsten, in solcher Stellung einen andern Körper berühren, der den erstern dadurch in der Bewegung aufhält, einen Theil seiner Schwere trägt. Der Stock lehnet an der Wand. Eine Schaufel, so an der Wand leinet, Theuerd. Er linete uber sine krucke, in dem alten Fragmente auf Karl'n den Großen, bey dem Schilter. Doch in dieser ganzen Form ist es in den gemeinen Sprech=Arten, besonders Ober=Deutschlandes, am üblichsten.

2. Als ein Activum, in einer von der senkrechten Richtung abweichenden Stellung an einen andern Körper legen. Lehne den Schrank an die Wand. Die Götzen, welche sich nicht aufrichten, so man sie lehnet, Baruch 6, 26. Eine jegliche Achse (an den vier Gestühlen) gegen der andern über, unten an den Kessel gelehnet, 1 Kön. 7, 30. wo es für legen zu <70, 301> stehen scheint. Am häufigsten als ein Reciprocum. Sich auf etwas lehnen. Sich auf das Fenster lehnen. Sich auf einen Stock lehnen. Er lehnete sich an die Wand.

Das Haupt=Wort die Lehnung, ist nicht üblich.

Bey dem Kero hlinen im Tatian linen, bey dem Willeram leinen, im Oberd, noch jezt leinen, im Angels. hlionan, hlynian, im Engl. lean, im Dän. läne, im Schwed. läna, im Lat. cinâre, im Griech. κλινειν, deren Gaumen=Laut auch in den alten deutschen Mund=Arten nicht selten ist. Es gehört zu dem Bey=Worte lehne, abhängig, und scheint mit legen und liegen eines Geschlechtes, und vielleicht ein Inchoativum von denselben zu seyn, welches vermittelst der Sylbe -- nen aus ihnen gebildet worden ist; lehnen, leinen, für legenen, liegenen, anfangen zu liegen, mit der nicht ungewöhnlichen Ausstoßung des Gaumen=Lautes. Bey dem Kero und im Tatian kommt hiinen und linen wirklich für liegen vor, und noch jezt werden beyde Zeit=Wörter oft für einander gesetzt. Lehnet euch unter dem (den) Baum, 1 Mos. 18, 4. Ruhet euch unter dem Baum aus, Hr. Ritter Michaelis.

In den Zusammensetzungen ablehnen und auflehnen hat es einige figürliche Bedeutungen, welche dem Zeit=Worte legen gleichfalls nicht fremd sind.

Ablehnen, ein Activum. 1. In eigentlicher Bedeutung, einen Körper von einem Orte weglehnen. Das Bret von der Wand ablehnen. Noch mehr aber

2. figürlich, für von sich abwenden. Einen Verdacht von sich ablehnen. Einwürfe ablehnen, d. i. entkräften. Einen Antrag, eine Gevatterschaft ablehnen, d. i. ausschlagen, verbitten. In den Kanzelleyen ist davon das Bey=Wort unablehnlich üblich, für unwiderleglich.

In Ober=Deutschland wird dieses Zeit=Wort ableinen gesprochen und zuweilen auch geschrieben, und an andern Orten findet man auch ablenden dafür:

<70, 302>

Wann dann es Gott beliebt, die Stäbe zu verwenden,
Kein Rathschlag noch Gewalt vermag es abzulenden.
Opitz.  

Welches aber auch von lenken hergeleitet werden kann. Siehe Haltaus unter Pfeil-IconLenden.

Das Haupt=Wort die Ablehnung, ist am meisten in der figürlichen Bedeutung üblich.

Anlehnen, an etwas anders lehnen. Ein Bret anlehnen. d. i. an die Wand. Einen Pfahl an die Mauer anlehnen. Die Thüre anlehnen, sie nicht völlig zumachen. Sich anlehnen.

Bey dem Kero anahlinan, Angels. onhlinian; Griech. ανακλινειν, εγκλινειν; Lat. inclinare; Fr. encliner.

Daher die Anlehnung.

Auflehnen, ein Activum. 1. Auf etwas lehnen, d. i. stützen, als ein Reciprocum. Sich auflehnen. Sich mit dem Arme auflehnen. 2. Sich in die Höhe lehnen, d. i. beugen, sich bäumen; eigentlich von einem widerspänstigen Pferde. Das Pferd lehnt sich auf.

Figürlich auch von einer jeden thätigen Widersetzlichkeit. Sich wider seinen rechtmäßigen Herrn auflehnen. Sich einem auflehnen, wie bey dem Opitz vorkommt, für wider ihn, ist im Hochdeutschen ungewöhnlich. Im Oberdeutschen lautet dieses Zeit=Wort aufleinen.

Daher die Auflehnung, in allen obigen Bedeutungen.

Hinlehnen, an etwas lehnen, wo das hin die Bedeutung bloß verstärkt. Sein graues Haupt auf den Arm hingelehnet, Geßn.

Lehnen, ein Zeit=Wort, welches in einer doppelten Gestalt üblich ist.

<70, 303>

1. Als ein Activum.

(1) Geben überhaupt, den Gebrauch oder Besitz einer Sache übertragen, ohne die Art und Weise zu bestimmen; eine im Deutschen veraltete Bedeutung, von welcher sich doch in den verwandten Sprachen häufige Spuren finden. Das Schwed. läna, bedeutet geben, bewilligen, und das Finnländ. lahjan, schenken. Siehe Pfeil-IconLeihen, welches in dieser allgemeinen Bedeutung gleichfalls üblich war.

Man braucht dieses Wort jezt nur noch in engerm Verstande, den Gebrauch, Nießbrauch einer Sache auf eine Zeit verstatten, besonders wenn solches unentgeltlich geschieht; denn wenn etwas dafür entrichtet wird, so sind die Ausdrücke miethen und pachten üblicher, ob es gleich auch, besonders in den Zusammensetzungen, Fälle giebt, wo die Vergütung nicht ausgeschlossen wird. Jemanden ein Buch, sein Pferd, ein Haus lehnen. Cajus bat mich, ihm meinen Wagen zu lehnen. In dieser Bedeutung ist es, so wie borgen, obgleich dieses von weitern Umfange der Bedeutung ist, im gem. Leben und der vertraulichen Sprech=Art der Ober= und Niedersachsen am üblichsten; dagegen im Oberdeutschen und in der edlern Sprech= und Schreib=Art der Hochdeutschen leihen gangbarer ist. Siehe dieses Pfeil-IconWort.

Auslehnen, an Andere verlehnen. Sein Geld auf Wucher auslehnen. Ein Pferd auslehnen.

Daher die Auslehnung.

Darlehnen, im Oberd. darleihen, die Darlehnung, oder Darleihung, das Darlehen, oder die Darleihe, der Darleiher; s. im VIII Th., Pfeil-IconS. 742.

Verlehnen, welches in der gesellschaftlichen Sprech=Art der Hochdeutschen am üblichsten ist. 1. An einem Andern lehnen, verborgen, im Hochdeutschen und der höhern Schreib=Art verleihen. Geld verlehnen. Ich habe das Buch verlehnt.

<70, 304>

2. Als ein Lehen an einem Andern übertragen, ihn damit belehnen. Das Gut ist noch nicht verlehnt.

Daher die Verlehnung.

Nach einer andern Einschränkung bedeutete es, so wie leihen ehedem auch, als ein Lehen geben, überlassen; jemanden ein Gut lehnen oder leihen, wofür man doch jezt lieber sagt, es ihm zu Lehen geben. Nur das zusammengesetzte belehnen, wofür in der oberdeutschen Mund=Art, besonders der vorigen Jahrhunderte, das Wort beleihen, häufig vorkommt, erhält dieses Wort noch. Jemanden belehnen. Einen mit etwas belehnen. Ein Belehnter.

Daher die Belehnung, die feyerliche Handlung des Belehnens. Siehe im LXIX Th., Pfeil-IconS. 499, fgg.

(2) Nehmen, empfangen, doch gleichfalls nur noch in der vorigen engern Bedeutung, eine Sache zum Gebrauche, auf eine Zeit verlangen und bekommen. Es ist nicht mein eigen, es ist nur gelehnet. Etwas von einem lehnen. Geld von seinem Freunde lehnen.

Ablehnen, als ein Darlehn bekommen. Einem Geld, ein Buch, ein Pferd etc. ablehnen.

Daher die Ablehnung.

Entlehnen, von jemanden lehnen, d. i. als ein Darlehn nehmen, in der anständigern Sprech=Art für das niedrigere borgen. Er hat es von mir entlehnt. Mit entlehnten Kleidern prangen. Wenn jemand von seinem Nächsten entlehnet, 2 Mos. 22, 14. Lasset uns Geld entlehnen auf Zins, Nehem. 5, 4.

Daher die Entlehnung.

2. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben.

(1) Bey jemanden zu Lehen gehen, als ein Lehen, Feudum, von ihm abhangen, bey den Schriftstellern des Lehen=Rechtes. Das Gut lehnet dem Fürsten, ruhrt als ein Lehen von ihm her.

<70, 305>

(2) Zur Lehen=Ware verpflichtet seyn, wo es auch von Erbzins=Gütern gebraucht wird, wenn diese den Nahmen der Lehen führen. So viel der Acker zinset, so viel lehnet er auch. Aus welchem Grundsatze es vermuthlich herrührt, daß lehnen oft auch für zinsen überhaupt gebraucht wird. Der Acker lehnet zwölf Gulden, giebt so viele Erbzinsen; wofern nicht hier noch die obige allgemeinere Bedeutung zum Grunde liegt.

Das Haupt=Wort die Lehnung, ist in den Zusammensetzungen Ablehnung, Anlehnung, Auflehnung, Auslehnung, Belehnung, Darlehnung, Entlehnung, Verlehnung, üblicher, als in dem einfachen.

In den greifswaldischen kritischen Versuchen, in dem hamburgischen gemeinnützigen Magazin, und in Hrn. Stosch Bestimmung gleichbedeutender Wörter, wird behauptet, daß lehnen in der ersten thätigen Bedeutung unrichtig sey, indem der Geber leihe, der Nehmer aber nur lehne. Dieser Unterschied müßte, nach Hrn. Rath Adelung Urtheil, doch einen Grund haben, wenn er nicht bloß willkürlich seyn soll; allein der Gebrauch, sowohl der deutschen, als aller verwandten Sprachen, die Analogie der Wörter leihen und borgen, und selbst die Abstammung, beweisen gerade das Gegentheil.

Dieses Wort lautet im Niedersächs. und Holländ. leenen; im Angels. hlaenan und laenan; im Dän. laane, im Schwed. läna; im Finnländ. lainan; alle sowohl von dem Geben, als auch von dem Nehmen, in welchem doppelten Verstande sogar schon das einfachere lewjan und lechwan bey dem Ulphilas, und לוה im Hebräischen, vorkommen. Warum sollte denn lehnen allein im Deutschen so eingeschränkt seyn? Forschen wir dem Ursprunge dieses Wortes weiter nach, so ist es vermittelst des Suffixi -- nen unstreitig aus leihen, ehedem lehen, gebildet, und lehnen steht für lehenen. Noch im Schwabenspiegel wird Lehenung durch locatio et conductio erkläret. Die End=Sylbe -- nen, welche Ihre in diesem Worte sehr unwahrscheinlich für das Zeit=Wort na, nehmen, und aus diesem Grunde die Bedeutung des Nehmens für die eigentliche hält, bezeichnet theils einen Anfang, wie viel<70, 306>leicht in dem vorigen lèhnen und in den lateinischen Zeit=Wörtern auf sco, theils eine Verursachung, wie in öffnen, offen machen, warnen, wahrnehmen machen, festenen, fest machen, u. s. f. theils eine bloße Intension, wie in sehnen, von sehen, u. a. m. Man nehme hier, welche Bedeutung man will, so wird man nichts für den behaupteten Unterschied daraus schließen können, und lehnen kann so gut von dem Geber gesagt werden, als das einfachere leihen, und in belehnen ist diese gebende Bedeutung unstreitig. Es kommt hier bloß auf den Gebrauch an, und dieser beweiset weiter nichts, als daß lehnen bey den Oberdeutschen am sparsamsten vorkommt, in Nieder=Deutschland und bey den nördlichern Sprachen aber einheimisch, und vermuthlich aus dem Niedersächsischen in die vertrauliche Sprech=Art der Hochdeutschen aufgenommen worden ist.

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