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Knie, L. Genu, Fr. Genou, Genouil, ein nach einem Winkel gebogener Theil eines Dinges, und ein nach einem Winkel gebogenes Ding selbst.

1. Ueberhaupt, in welcher weitesten Bedeutung es noch im g. L. sehr häufig gebraucht wird, dergleichen nach einem gemeiniglich rechten Winkel gebogene Dinge, und die durch diesen Bug gemachte Hervorragung, zu bezeichnen.

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Klassifizierung: 623.8 Schiffstechnik und NautikDDC-Icon So werden, in dem Schiffbaue, die nach einem Winkel gebogenen, oder winkelig gewachsenen Hölzer, welche zur Verbindung der Balken mit den untern Theilen des Schiffes gebraucht werden, und andere ähnliche zur Verbindung und Unterstützung der Theile eines Schiffes gehörigen Hölzer, wenn sie die Gestalt eines menschlichen Knies, so wie es im Sitzen gebogen ist, haben, und ringweise verhandelt werden, (s. Th. XXIV, Pfeil-IconS. 772) Knie oder Knie=Hölzer, Fr. Genoux, Holl. Sitters, genannt. In einigen Gegenden, z. B. an den Elb= oder Oder=Kähnen, werden sie nach einer rauhern Aussprache Knaggen genannt.

Die Knie=Hölzer in dem Schiffs=Raume, Fr. Genoux de fond, Holl. Sitters in' t Ruim, schließen sich an die Bauchstücke (Varangues), und an die ersten Auflanger (prémieres alonges) an, und formiren durch diese Verbindung die Kimmung (oder Ründung der äussern Schiffs=Verkleidung, les fleurs ou la rondeur du bordage), berühren aber den Kiel (Quille) nicht.

Die Knie=Hölzer an der innern Schiffs=Verkleidung (Serrage), welche unten längst der Katzsparren ( Porques, s. Th. XXXVI, Pfeil-IconS. 186) eingesetzt sind, oben aber sich mit den Stuinders (Aiguillettes) verbinden, werden die Knie=Hölzer an den Katzsparren, Fr. Genoux de porques, Holl. Sitters by de Stuinders op de Waager, genannt.

Die Knie=Hölzer (Strebe= oder Winkel=Bänder) an den äussersten Enden des Schiffes, oberhalb der Gabel=Hölzer (Fourcats, s. Th. XV, Pfeil-IconS. 606), und derjenigen Bauchstücke, welche dem Vorder= und Hinter=Steven am nächsten liegen, (Varangues les plus acculées), heißen im Franz. Genoux de revers, und bey den Holländern Steekers in' t Sog, Leggers, oder Piek-houten.

Siehe auch Pfeil-IconKrumm=Hölzer.

Von den Eisen, welche die untersten Theile des Schiff=Bauches mit den Seiten verbinden, oder den Knie=Eisen, folgt unten ein besonderer Artikel.

An den Röhren in den Wasser=Leitungen, sind die Knie, Fr. Coude de conduite, diejenigen Ecken, wo <41, 379> zwey Röhren unter einem Winkel zusammen stoßen, oder nach einem gewissen Winkel an einander gesetzt werden. Siehe Th. VII, Pfeil-IconS. 100. Daher eine Knie=Röhre diejenige genannt wird, die nach einem gewissen Winkel, auch zuweilen aus einem ganzen Stücke verfertigt, und an beyden Enden etwas weiter ausgearbeitet ist, damit beyderseits die zur Leitung benöthigten Röhren angestoßen werden können. Denn weil an eben dem Orte, wo dergleichen Röhren gebogen sind, sie von dem dadurch geleiteten Wasser sowohl, als auch von der daselbst sich meistentheils pressenden Luft, die größte Gewalt ausstehen müssen, so daß oft daselbst die stärksten eisernen und bleyernen Röhren zersprungen sind: so hat man sich wohl in Acht zu nehmen, daß man nicht nur die Röhren jedes Mahl in dem Winkel aus einem ganzen Stücke zubereite, sondern auch oben, nicht weit von dem Buge, einen Auslaß der Luft vermittelst eines eingesetzten Ventiles anbringe. Siehe Pfeil-IconWasser=Leitung.

Auch in der bürgerlichen Bau=Kunst und bey den Handwerkern, heißen nach einem Winkel zubereitete Hölzer, zwey in eben einem solchen Winkel in einander stoßende Flächen zu verbinden, Knie; welchen Nahmen auch in vielen Fällen einzele Hervorragungen an manchen Dingen führen. So wird eine Krümmung oder Ausbiegung an den Schenkeln der Reit=Stangen, z. B. unweit der Mundstück=Löcher, oder auch weiter nach vorn, Knie genannt.

Von dem Knie, der Knie=Bedeckung oder dem Knie=Stücke, an einer Batterie, s. im XXXIV Th. Pfeil-IconS. 424.

Klassifizierung: 611.98 Untere ExtremitätenDDC-Icon 2. In engerer und der gewöhnlichsten Bedeutung, diejenige Hervorragung an den Füßen der Menschen und mancher Thiere, welche durch die biegsame Verbindung des Dick= und Schien=Beines entsteht. Sich auf die Knie niederlassen. Auf die Knie fal<41, 380>len, sowohl eigentlich, als auch figürlich, plötzlich nieder knien; sich auf die Knie werfen. Vor jemanden auf die Knie fallen, sich vor ihm auf die Knie werfen. Auf den Knien liegen. Auf den Knien bitten, bethen, flehen. Die Knie vor jemanden beugen, in der biblischen Schreib=Art, vor ihm nieder knien. Etwas über das Knie abbrechen, im g. L., figürlich, es kurz und schlecht verrichten, sich nicht die gehörige Zeit dazu nehmen.

In der engern Bedeutung bey dem Kero Chneu, bey dem Raban Maurus Chniu, bey dem Ottfried Knio, im Nieders. Knee, im Dän. Knä, im Angels. Cneow, Cneou, im Engl. Knee, bey dem Ulphilas Kniu, im Jßländ. Hnie, Knie, im Schwed. Knae, im Lat. Genu, im Griech. Κονυ, Γονυ, Κνυα, im Alban. Giu. Entweder von neigen, im Jßländ. hneigan, so fern es ehedem auch biegen bedeutete, wovon knicken das Intensivum ist, oder auch, so fern zunächst auf die Hervorragung gesehen wird, mit Knopf, Knöbel, Knoten, und andern dieser Art, aus einer und eben derselben Quelle. Im Schwed. ist daher Kno die Faust, und im mittlern Lat. Genu, der Ellbogen. Siehe auch Pfeil-IconKnöchel.

Da durch das Knie in der weitesten Bedeutung auch mehrere Theile mit einander verbunden werden, so wird es in den ältern niedersächsischen Schriften, so wie im Schwedischen auch häufig, sowohl von dem Grade der Verwandtschaft, welcher gewöhnlicher das Glied heißt, als auch von der Generation, Geschlechts=Folge überhaupt gebraucht, welche Bedeutung sich noch im Dithmarsischen findet. Indessen steht es dahin, ob es in diesem Verstande nicht vielmehr aus dem alten Kunne, das Geschlecht, Gr. Γενος, im mittlern Lat. Genu, zusammen gezogen ist.

Unter Knie, in der engern und gewöhnlichsten Bedeutung, versteht man entweder nur das vollkommene und sehr bewegliche Gelenk des untern Theiles des Schenkel=Beines und des obern Theiles des Schien=Beines vermittelst der Knie=Scheibe, oder auch überhaupt die ganz äussere und vordere Gegend, welche sich um dieses Gelenk herum, eine gute Hand <41, 381> breit erstreckt, und im natürlichen Zustande mit den allgemeinen Decken, Muskeln und andern Theilen, umgeben, und unter diesen mit einem besondern dahin gehörigen kleinen Knochen ausgefüllt ist, und welche also ausser diesen die vordere Fläche sowohl des untern Endes des Schenkel=Beines, als auch des obern Theiles des Schien=Beines, zugleich mit begreift. Man will angemerkt haben, daß die Verschnittenen, und alle gekappte Thiere, in Vergleichung mit andern, weit stärkere und ansehnlichere Knie haben sollen, welches man einer mehrern Ausdehnung und einem gleichsam immer fort dauernden Wachsthume der schwammichten und lockern Theile der hier befindlichen Knochen zuschreiben will, und welche eben von der alsdann sich ergießenden und ansetzenden Samen=Feuchtigkeit, als einem überflüssigen Nahrungs=Safte, entstehen soll, zumahl da diese äussern Theile in der That die letzten wären, welche sich in wirkliche Knochen verwandelten.

Die, dieser auswendigen und vordern gegen über stehende und gleichsam entgegen gesetzte, inwendige und hintere Gegend dieses Gelenkes, oder den einwärts gebogenen (eingebogenen) Theil des Fußes hinter dem Knie, oder die hohle Gegen=Seite des Knies, nennt man die Knie=Beuge, oder den Knie=Bug, im g. L. die Knie=Biege, und noch häufiger die Knie=Kehle, L. Poples, Fr. Jarret. Man bemerkt an derselben, so lange der Fuß gerade und gleich ausgestreckt ist, eine kleine Höhlung; wenn man aber das Schien=Bein rückwärts und aufwärts nach dem Schenkel zu zieht, oder sich vorwärts auf die Knie selbst stützet, macht die Knie=Kehle einen scharfen Winkel. Bey dem Menschen hat das Knie die Beuge hinterwärts, bey allen Thieren aber, den Elephant ausgenommen, vorwärts.

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Das erhabene Bein in Gestalt einer Scheibe, welches das Schenkel=Bein mit dem Schien=Beine verbindet, die Verrenkung beyder verhütet, und das Knie bilden hilft, wird die Knie=Scheibe, Gr. und Lat. Epigonaton, Mola, Patella, Rotula, Fr. Meule, Palette, Rotule, genannt. Dieser Knochen ist, seiner äussern Gestalt nach, mehr dreyeckig (in Figur eines Herzens, wie man es gewöhnlich zu mahlen pflegt,) als rund, übrigens aber plutt und in Betrachtung der ganzen Größe und des ganzen Umfanges so ziemlich dick, und endigt sich in eine stumpfe unterwärts gerichtete Spitze. Man trifft denselben vorn zwischen dem Gelenke des Schenkel=Beines und des Schien=Beines an, und er ist sowohl unterwärts durch ein dickes, breites und sehr starkes Band, welches von der Spitze desselben herab geht, oben an dem Stachel des Schien=Beines, als auch oberwärts durch ein schmahles dünneres Band an der Furche, welche sich zwischen beyden Köpfen des Schenkels befindet, auch überdies durch einige Seiten=Bänder nochmahls am obern Rande des Schien=Beines, und endlich durch eine große sehnige Kapsel, welche ganz um das Knie herum geht, mit allen zu diesem Gelenke gehörigen Theilen befestigt und verbunden. Es lassen sich zwey Flächen daran unterscheiden, nähmlich eine äussere und innere, wovon jene ziemlich glatt und eben, und ein wenig convex, die innere aber mehr ungleich, auf beyden Seiten gleichsam etwas eingedrückt, und der Länge nach mit einer erhabenen Linie versehen ist. Letztere Fläche liegt eben, ganz frey und beweglich zwischen dem Gelenke des Schenkels und des Schien=Beines mitten oben auf. Die Substanz selbst ist ziemlich locker, schwammicht und zerbrechlich; und es ist dieses fast einer von den letzten Knochen, welche erst spät zu ihrer gehörigen Härte und einer vollkommenen Festigkeit gelangen, daher er denn in den erstern Jahren und im <41, 383> jüngern Alter fast nur als ein bloßer Knorpel angetroffen wird. Es schiebt sich derselbe sowohl aufwärts, als auch abwärts, je nachdem nähmlich der Mittel=Fuß verschiedentlich beweget, und entweder krumm gebogen, oder gerade ausgestrecket wird. Ausser dem nun, daß die Knie=Scheibe den vorzüglichsten Gelenk=Knochen des Schien=Beines ausmacht, befestigen sich auch noch daran diejenigen Muskeln, welche eigentlich den Mittel=Fuß ausstrecken, und sie dient denselben gleichsam zu einer Rolle oder Winde, worüber die Fasern und Sehnen derselben hinweg gehen, damit solcher Gestalt der Tritt und Gang desto sicherer geschehen könne. Man findet deren zwey, nähmlich an jedem Fuße, und zwar in der angegebenen Lage, eine.

Es gibt Leute, die entweder von Natur, oder aus Angewohnheit, wie die Schneider und Schuster, *

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Man wird selten fehlen, wenn man diejenigen, auch jungen, Personen, die sehr weit hervor stehende Knie haben, für Schuster hält. Durch das beständige Sitzen mit stark gebogenen Schenkeln verlieren endlich die Austreck=Muskeln der Schenkel ihre Kraft und Wirksamkeit, und können nicht mehr den Beuge=Muskeln dieser Theile das Gleichgewicht halten. Vielleicht trägt die Gewalt des Pochens, welches diese Professionisten, wenn sie Leder ausdehnen wollen, auf einem auf den Ober=Schenkel gelegten Steine verrichten, auch viel zu dieser widernatürlichen Steife des Knie=Gelenkes bey.

im Gehen mit den Knien zusammen treffen, welches den Gang sehr verunstaltet. Weit artiger lässet es, wenn ein mittelmäßiger Raum zwischen beyden Knien bleibt, wenn man geht.

Aber auch unter den Knien selbst, ist ein merklicher Unterschied. Einige Knie sind spitzig, einige platt; andre sind sehr hager, andre hingegen haben viel Fleisch.

Von wiedernatürlichen Zufällen, denen das Knie unterworfen ist, gedenke ich nur folgender.

Der Glied=Schwamm, Knie=Schwamm, Fungus articulorum, ist eine, an einem, am meisten aber <41, 384> an dem Knie=Gelenke befindliche Geschwulst, welche ohne Entzündung ist, wobey aber doch immer tief im Gelenke ein Schmerz empfunden wird, wozu auch zuletzt Entzündung und Eiterung kommen kann. Diese Krankheit wird von den Engländern White-swelling, zum Unterschiede anderer Gelenk=Geschwülste, genannt. Man theilt den Glied=Schwamm in zwey wesentlich von einander unterschiedene Gattungen, den rheumatischen, und den scrophulösen.

Der rheumatische fängt mit einem heftigen Schmerzen an, welcher das ganze Gelenk einnimmt, ja sich zuweilen bis zu den Häuten (Aponevrosis) und Flechsen der Muskeln, die mit dem Gliede Gemeinschaft haben, erstreckt. Die Bedeckungen des ganzen Gelenkes sind vom Anfange an gleich und stark geschwollen. Die Haut ist gespannt, übrigens aber mit der gesunden von gleicher Farbe. Der Schmerz ist gleich anfangs bey der geringsten Bewegung des Gliedes sehr heftig. Der Kranke befindet sich am besten, wenn das Glied gebogen ist, und in dieser Lage wird es gern steif. Wenn der Schwamm älter wird, erscheinen varicöse Adern, und endlich an verschiedenen Orten Eiter=Sammlungen. Der Druck mit den Fingern hinterläßt keine Gruben in der Geschwulst. Der Eiter ist anfänglich gut, verwandelt sich aber bald in eine dünne Gauche, durch deren Ausfluß jedoch die Geschwulst nicht vermindert wird. Zuweilen heilen die Geschwüre leicht; aber immer bald nachher entstehen andere von neuem. Endlich leidet, theils durch den Mangel an Schlaf und Appetit, theils durch die Einsaugung der Gauche, die ganze Leibes=Beschaffenheit des Kranken, und es erfolgt der Tod, wo er nicht durch eine zeitige Amputation verhütet wird.

Der scrophulöse Glied=Schwamm ist in vielen Stücken von dem vorhergehenden unterschieden. Der Schmerz ist hier weit heftiger, aber nicht durch das <41, 385> ganze Gelenk verbreitet, sondern nur in einer Stelle, gemeiniglich mitten im Gelenke. Die Geschwulst ist anfänglich geringe, ja zuweilen ist gar keine zu bemerken, wenn der Schmerz schon äusserst heftig ist. Die geringste Bewegung verursacht auch hier den heftigsten Schmerz, daher bewegt der Kranke das Glied nicht, und wird steif, wie in der ersten Gattung. Endlich wird die Geschwulst sehr merklich, und man merkt deutlich, daß die Köpfe der Knochen im Gelenke aufgeschwollen sind. Die Geschwulst wird nach und nach elastisch, es zeigen sich varicöse Blut=Adern, und Eiter=Sammlungen, in deren Grunde man den Knochen cariös findet, und der Tod erfolgt, wie in der ersten Gattung, durch Auszehrung und Entkräftung.

Eine jede äussere Gewalt, eine Quetschung, Verrenkung, etc. unter andern aber auch eine rheumatische Disposition des Körpers können die erste Gattung des Glied=Schwammes veranlassen. Die zweyte entsteht ohne alle äussere Gelegenheits=Ursache, bloß von einer scrophulösen Leibes=Beschaffenheit. Gemeiniglich sind auch andere scrophulöse Zufälle zugleich mit zugegen. Bey dem rheumatischen Glieder=Schwamm leiden die Gelenk=Bänder zuerst, die Knochen in der Folge. In der ersten Gattung ist die Geschwulst gleich anfangs beträchtlich, und hat offenbar ihren Sitz in den weichen Theilen; in der letztern Gattung ist sie anfangs unmerklich, und rührt immer zuerst von den Knochen her. Die erste entsteht gemeiniglich in jungen Körpern, nach äussern Verletzungen; die zweyte entsteht bey kakochymischen Personen von freyen Stücken. Die erste kann curirt werden; die zweyte ist beynahe immer unheilbar.

Der rheumatische Glied=Schwamm ist anfänglich inflammatorisch, und erfordert antiphlogistische Mittel, als: reichliche Blut=Ausleerung durch Schröpfköpfe auf dem leidenden Gelenke, wiederhohlte Blasen=Pflaster, kühlende und zusammenziehende Umschläge, auch <41, 386> kühlende Abführungen. Hilft dieses nicht, so thut das Einreiben der Quecksilber=Salbe, wenig alle Tage, und bis zum Anfange eines gelinden Speichel=Flusses, gute Dienste. Der Bley=Extract ist auch als ein bewährtes Mittel bey rheumatischen Glied=Schwämmen befunden worden. Mit diesem reibt man die aufgetriebenen Stellen, oder die ganze Gegend um die Knie=Scheibe täglich zwey Mahl, jedes Mahl 1/2 Unze ein, legt eine trockne Compresse darüber, und eine Circulair=Binde so fest an, als der Kranke vertragen kann, lässet das Bein gerade legen, ruhig halten, und in den ersten 14 Tagen nicht darauf gehen. Das Saffran=Pflaster (Empl. oxycroceum) mit venedischer Seife, empfiehlt Brambilla im Anfange der Cur. Einen entstehenden Glied=Schwamm hat Evers mit einem Pflaster aus Ammoniak=Gummi und Wein=Essig geheilt. Dabey werden innerliche Mittel gebraucht.

Oder, man nimmt die besten und durchsichtigsten Stücke von Colophonium, und pülvert solche. Hierauf nimmt man trocknen Hanf, bringt denselben in die Form eines Vogel=Nestes, welches jedoch etwas arößer als die Geschwulst seyn muß, und streuet das Colophenium, etwa einen Finger dick, darauf. Dieses begießt man mit rectificirtem Weingeist, so lange bis es durchgehends genug befeuchtet ist, und legt es alsdann auf die Geschwulst. Sobald man merkt, daß es trocken geworden ist, wird solche Compresse, ohne sie abzunehmen, von neuem mit Weingeiste befeuchtet. Nach einigen Tagen nimmt man dieselbe gar ab, verfertigt eine neue, und geht damit wie vorher um, bis die Geschwulst verschwindet. Wenn der Zufall nicht gar alt ist, pflegt dieses bey der dritten oder vierten Erneuerung zu geschehen.

Nach geheilter Krankheit pflegt immer eine Steifigkeit des Gelenkes zurück zu bleiben, welche aber durch Einreibung des Baum=Oehles oder der Nerven=Salbe <41, 387> gehoben werden kann. Das Tropf=Bad ist dabey von vorzüglichem Nutzen. Ist bereits der Beinfraß nebst einem auszehrenden Fieber da, so muß die Amputation verrichtet werden.

Gegen den serophulösen Glied=Schwamm hat man keine Mittel; und auch nur alsdann ist die Amputation erst zu unternehmen, wenn der Körper von der allgemeinen Krankheit geheilt ist.

Die Gelek=oder Glied=Wassersucht, Gr. und Lat. Hydrarthros, Hydrarthrus, Fr. Tumeur blanche, ist eine Geschwulst an irgend einem, am öftersten dem Knie=Gelenke, (Knie=Wassersucht,) sie ist gleich, von dem Kapsel=Bande (Ligamentum capsulare) umschrieben, weiß, weich, lässet nach dem Finger=Drucke keine Gruben zurück, hindert mit einigem Schmerzen die Bewegung, und entsteht nach und nach von einer wiedernatürlichen Anhäufung des Glied=Wassers. Dieser Zufall hat jedoch nicht die gemeinen Ursachen einer wässerigen Anhäufung allein, sondern auch äussere Verletzungen, zum Grunde. Die Prognosis des Uebels ist zweifelhaft, indem es nicht nur leicht wieder kommt, sondern auch durch den Druck ein Schwinden, durch den Schmerz Entzündung, und durch die Verderbniß Knochen=Fäule erreget werden kann.

Innerliche Arzeneyen bringen selten die Krankheit zum Weichen, von den äusserlichen hingegen hat man größern Nutzen zu gewarten. Man kann in starken, warm gemachten Wein=Essig Papier rauchen, und solches auf den Ort legen; oder man kann die leidenden Theile durch die Flamme des angezündeten Branntweines zum Schwitzen bringen; oder auch warme schwefelige Wasser der Bäder, auch kaltes Wasser, von einer großen Höhe auf das Gelenk fallen, oder ein Fontanell in der Nähe setzen lassen. Wenn die Krankheit aber dennoch nicht weichen wollte, und die Zufälle zu heftig seyn sollten, muß das Kapsel=Band an einem Orte, <41, 388> welcher am dünnesten und von flechsigen Ausbreitungen (Aponevrosis), Gefäßen oder Nerven, frey, und welcher Ort bey den Knien an ihrer innern Seite ist, vermittelst einer Lanzette geöffnet werden. Dem ungeachtet aber folgt auch auf diese Operation oftmahls eine Entzündung, ein Fieber mit gewöhnlichen Zufällen, und wenn die Materie scharf wird, ist die Amputation des Gliedes das einzige Rettungs=Mittel. Um diese schlimme Folgen zu verhüten, thut man wohl, wenn man die Operation in dem Bette des Kranken verrichtet, und so, daß das Glied dabey fast in eben der Lage ist, in welcher es der Kranke liegen lassen kann; zugleich muß man eine gänzliche Ruhe des Gliedes empfehlen und einschärfen, bis die Wunde in der Membran sich geschlossen hat. Bey der geringsten sich einfindenden Entzündung lässet man reichlich Ader, und bedient sich der kühlenden und der Entzündung wiederstehenden Heil=Art.

In den Knien, an dem vordern Theile der Knie=Scheibe, vornehmlich der Kammer=Jungfern oder anderer, die kniend arbeiten, zeigt sich zuweilen eine äussere wässerige Geschwulst, die sich meistentheils wie eine ergossene, doch auch zuweilen wie eine Sack=Wassersucht anfühlt. Die Heilung derselben geschieht durch Räuchern mit gewürzhaften Harzen, oder andere aromatische Mittel, welche man auf die Knie legt; durch zertheilende Linimente, zertheilende und adstringirende Bähungen oder Brey=Umschläge, und durch starke Purgier=Mittel. Wenn die Geschwulst groß ist, und auf jetzt gedachtes Verfahren nicht weichen will, muß sie, um das Flüssige heraus zu lassen, durchstochen werden, und alsdann muß, während des Gebrauches vorerwähnter Mittel, eine mäßige Zusammendrückung des Theiles, vermittelst angelegter Binden und Compressen unterhalten werden.

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Zuweilen erzeugen sich Stückchen Knorpel, oder mit Knorpel überzogene Knochen, mehrentheils von der Größe einer wälschen Bohne, in dem Knie=Gelenke, welche dasselbe bey der Bewegung des Gliedes reitzen, und die Absonderung des Glied=Wassers vermehren. Das Knie wird alsdann gemeiniglich dick, die Gelenk=Kapsel schwillt auf, das Gelenk wird steif, und man kann deutlich ein Schwappen in demselben fühlen. Wovon solche knorpelige Körper entstehen, kann nicht eigentlich bestimmet werden. Sie kommen zuweilen an der innern oder äussern Seite des Gelenkes zum Vorschein, so, daß man sie fühlen und mit den Fingern fassen kann, und in diesem Falle verursachen sie mehrentheils keine Beschwerde. Zuweilen verbergen sie sich wieder, und rutschen wieder in das Gelenk, und dann hat der Kranke beym Gehen viele Schmerzen. Die einzige Hülfe besteht in dem Ausschneiden eines solchen Körpers; nur muß die Operation vorsichtig verrichtet, und aller Eintritt der Luft in die Wunde auf das sorgfältigste verhütet werden.

Bey Pferden, besteht das Knie der Vorder=Füße aus 7 kleinen Beinen in 2 Reihen, wovon sich 3 in jeder Reihe befinden, eines aber hinter der ersten Reihe liegt. Die Beine der ersten Reihe, wenn man nähmlich von aussen nach innen geht, sind: das unregelmäßige, das dreyeckige, und das balbmondförmige. Die 3 Beine der zweyten Reihe, werden das große keilförmige, das ungleich viereckige, und das kleine keilförmige, genannt. Sie sind durch starke Bänder dergestalt unter einander verbunden, daß sie nur Ein Bein auszumachen scheinen. Das 7te, ausser der Reihe liegende Bein kann man eigentlich als ein zur ersten Reihe gehöriges Bein betrachten. Es hat nach hinten eine Hervorragung. Hr. v. Sind, und mit ihm alle Zergliederer, nennen es das Haken=oder <41, 390> hakenförmige Bein. Es dient zur Anheftung eines starken Bandes, welches mit dem andern Ende an dem Schien=Beine befestigt ist, und daselbst einen Ring um die Knochen macht, durch welchen die Beuge=Sehnen des Fußes gehen. Das Haken=Bein trägt durch die an dem innern Theile befindliche Vertiefung sehr vieles zu diesem Ringe bey. Aus dieser Zusammensetzung des Knies aus 7 besondern Beinen, kann man die Beweglichkeit desselben leicht beurtheilen.

An der Nachhand, oder dem Hinter=Theile, besteht das Bein der Knie=Kehle, welches von den Schmieden gemeiniglich die Hacken am hintern Knie genannt wird, aus sechs Knochen. Der stärkste darunter heißt die Rolle, Trochlea, theils der Gestalt, theils auch der Bestimmung wegen. Er ist vorn rund, mit zwey Erhabenheiten zur Verbindung mit dem Schien=Beine. Der hintere Theil dieses Beines hat drey Flächen, und ist mit eben so vielen an dem zweyten Beine dadurch verbunden. Dieses letztere, welches den Kopf oder die Spitze des Kniekehlen=Beines bildet, kommt in der Gestalt und dem Gebrauche mit dem Fersen=Beine überein, welches bey dem Menschen Calcaneum oder Calcaneus heißt. Es ist länger als das vorige, und hat oben eine ungleiche Erhabenheit, woran sich eine starke Sehne des Ausstreck=Muskels der Röhre anheftet. An dem untern Theile sind die drey Flächen zur Verbindung mit der Trochlea. Zwischen dem obern und untern Theile, ist eine Höhlung, durch welche die Sehnen gehen, die sich etwas tiefer anheften. Die übrigen 4 Beine der Knie=Kehle sind kleiner. Die beyden ersten sind flach und gerade unter einander geschlossen. Das erste vereinigt sich überdies mit der Trochlea; das zweyte, mit dem Kopfe der Röhre. Das dritte hat eine ordentliche Gestalt, und liegt nach aussen seitwärts; es verbindet sich mit den beyden vorhergehenden, und dem Calcaneo. <41, 391> Das letzte verbindet sich mit dem ersten und zweyten dieser Beine. Die 6 Beine, welche das Kniekehlen=Bein ausmachen, sind also unter einander durch mancherley Flächen veremigt, und werden durch sehr starke Bänder zusammen gehalten, damit sie bey der Gewalt, die sie zu tragen haben, nicht aus einander weichen können. Indessen gibt doch diese Structur dem Pferde eine sehr große Biegsamkeit in gedachten Theilen. Denn obgleich diese Knochen vor sich keine sonderliche Bewegung haben, so trägt doch das zwischen ihnen liegende Fett und Glied=Wasser zur Bewegung im Ganzen sehr vieles bey.

An einem wohlgebaueten Pferde muß das Knie, von vorn anzusehen, länglich, breit und mager seyn, dergestalt, daß man die Knochen nur mit der Haut überzogen erblickt.

Das Knie trägt sehr vieles zur Stärke der Schenkel bey, daher es die gehörige Größe nach dem Verhältnisse der Schenkel haben muß. Zu große Knie streiten wieder die Schönheit, und werden am häßlichsten, wenn sie auf den Seiten weit heraus stehen, hin und wieder Ausschnitte haben, und dabey breit und lang sind. Zu schmahle Knie sind auch nicht gut, ob sie gleich nicht so häßlich, wie die vorigen, aussehen. Weil man nun die Güte billig der Schönheit vorzieht, so kann man auch eher ein zu starkes, als zu feines, Knie zulassen. Daß die Knie nicht fleischig seyn dürfen, versteht sich von selbst.

Die Knie=Kehle muß rein, und weder rück= noch vorwärts gebogen seyn. Jenes würde eine Schwäche anzeigen; das andere aber Bocks=Beine, die nicht viel besser sind, darstellen.

Wenn ein Pferd die Knie zu nahe bey einander oder einwärts gebogene Hinterbeine hat, welche im Gehen fast an einander stoßen, PfeiliconFig. 2270, nennt man es enge Knie, kuhhäckig, kuhhosig, oder kuhlätschig, <41, 392> Fr. jarreté, oder crochu ou clos derrière. Diesen Fehler sieht man sehr demlich bey den Fohlen; sobald diese aber anfangen sich zu bilden, und Fleisch anzusetzen, so geben sich die Knie viel aus einander. Kuhhosige Pferde haben gemeiniglich die Lenden kurz, und das Kreutz ein wenig abgeschliffen, dafür aber gute Hüsten.

Die engen Knie verlieren sich noch mit der Zeit, so daß die Pferde recht gut zu Fuße werden. Es kann zwar durch die Arbeit vieles verbessert werden, es bleibt aber doch allemahl ein schlechter Gang. Für die Jagd besonders sind solche enge Knie sehr schädlich und gefährlich. Daß aber solche Pferde gut auf der Reit=Bahn zu gebrauchen seyn, ist nicht zu läugnen.

Um diesen Fehler zu verstecken, wird der Verkäufer ein solches Pferd allezeit hitzig reiten, oder die Quere gehen lassen. Man muß daher bey dem Pferde=Kaufe, das Pferd wenigstens 24 Stunden in den Stall nehmen, damit man es gelassen untersuchen könne.

Der entgegen gesetzte Fehler von einem kuhhosigen Pferde, ist ein Pferd, welches die Knie zu weit von einander hat, Fr. trop ouvert de jarret, PfeiliconFig. 2271; doch ist jenes immer noch besser, weil es Vermögen und gute Hüften hat, da hingegen diesem beydes fehlt. Wenn aber bey weiten Knien das Kreutz nicht abgeschliffen, auch oben nicht gespalten ist, und dennoch gutes Vermögen hat, so kann ein solches Pferd besonders vor den Wagen gut gebraucht werden.

Da alle diese Fehler durch die Kunst verstecket werden können, so muß man Acht haben, ob das Pferd gerade geht; denn wenn es mit den Hinter=Knien zu weit geht, so wird der Fehler dadurch versteckt, wenn man den Hinter=Theil mit dem Schenkel herein bringt.

Eine allzu lange Knie=Kehle, Fr. Jarret trop long, PfeiliconFig. 2272, ist allemahl ein Fehler; so wie der entgegen gesetzte, eine zu steife und zu gerade Knie=Kehle, Fr. Jarret trop droit, PfeiliconFig. 2273. Eine allzu <41, 393> lange Knie=Kehle ist anstößig, und fällt Jedem in die Sinne. Um eine allzu steife und gerade zu beurtheilen, muß man ein Kenner seyn, indem sie das Hinter=Bein gar nicht schändet; denn solche Pferde sind ungemein stark, und haben viel Vermögen und gute Hüften. Dadurch sind sie zur Reit=Bahn tüchtig; für die Jagd aber ist ihr Galopp rauh und beschwerlich, denn sie werden nicht sicher über Stock und Block weglaufen, ohne zu fallen. Auch werden solche Pferde eher steif, als andere. Nur ist ein steifes Knie hinten nicht so nachtheilig, als an den Vorder=Füßen.

Beine, deren Knie vorwärts gebogen sind, nennt man Bocks=Beine. Unter diesen vorwärts gebogenen Knien machen die Franzosen einen Unterschied, und sagen: die Ausbeugung ist ihnen entweder von Natur mitgetheilt, oder es ist dieser Fehler durch schwere Arbeit und übertriebenes Reiten entstanden. Die erste Art Pferde nennen sie Brassicourts; von dem andern sagen sie: das Pferd habe gebogene Beine, Jambes arquées, PfeiliconFig. 2274. Dieser Unterschied ist wohlbedächtig angenommen, weil er sich auch in Ansehung der Güte merklich auszeichnet. Von jenen sagt Garsault: *

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In seinem parfait Marechal, Traité de la const. du Cheval, C. 9, p. 26.

ce defaut n' est que désagreable à la vûe, car il se trouve des chevaux brassicourts excellens. Es ist zwar nicht zu läugnen, daß ein von Natur mit diesem Fehler behaftetes Pferd, mit dem durch schwere Arbeit dahin gebrachten nicht in Vergleichung zu setzen sey; allein, es äussern sich doch auch an diesen Schwächen, welche dem Reiter unangenehm sind, indem sie gern anstoßen, ob sie gleich nicht fallen. Diese Art Pferde geben den Roß=Täuschern Gelegenheit, alle bocksbeinige Pferde für solche auszugeben. Man muß sich daher nicht überreden lassen, daß der Fehler von <41, 394> Natur sey, weil er, da er durch übertriebene Arbeit entstanden ist, dem Pferde eine große Schwäche verursachet, die es zum Reiten ganz untüchtig macht. Diese so genannte Brassicourts entstehen, wenn der Beschäler, von welchem sie abstammen, von Natur mit diesem Fehler behaftet gewesen ist, oder aber von einem übeln Stande in dem Stalle. Man sieht oft, daß Füllen auf Pflaster stehen, da sie die Fuß=Zehen versenken, und mit den Fersen hoch stehen. Durch eine solche anhaltende Stellung zieht sich der Nerv zusammen, verkürzt sich, und das Knie weicht vorwärts: daher man auf das Pflaster, worauf junge Pferde stehen, genau achten muß, daß es gleich sey; und es wird immer am sichersten seyn, wenn man zunächst den Krippen eichene Bohlen legt, auf welchen die Vorder=Beine ruhen. Mit den durch schwere Arbeit bocksbeinig gewordenen Pferden, sind diejenigen nicht zu verwechseln, welche Zehentner mit eben dem Nahmen belegt, und welches diejenigen sind, welche wie die Ziegen durchtreten.

Nach Vitet *

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Hrn. Vitet's Unterricht in der Vieharzneykunst, aus dem Franz. übers. und mit Anmerk. versehen von W. J. C. Hennemann, 2 Th. 1 B. (Lemgo, 1785, 8.) S. 218.

entsteht dieser Fehler gemeiniglich von starker Anstrengung, vom Fallen, von einer Steifigkeit der Gelenk=Bänder und Beuge=Flechsen, und von einer Spannung der aponevrotischen Häute.

Geistige und gewürzhafte Mittel sind mit Nutzen in diesem Zufalle, wenn er vom Fallen oder von starker Anstrengung entstanden ist, zu gebrauchen; erschlaffende Mittel hingegen, in der Steifigkeit der Sehnen und Bänder. Wieder die Krümme des Knies von Anspannung der aponevrotischen Häute, empfehlen viele berühmte Vieh=Aerzte das Lösen der aponevrotischen Haut, welche den größten Theil des Armes umgibt; man soll nähmlich die Haut unten an der Brust über dem Arme spalten, sodann die aponevrotische Haut durch einen 2 bis 3 Z. langen Quer=Schnitt einschneiden. Einige halten dafür, man müsse auch einen Theil der Muskeln über den vordern Theil des Armes einschneiden.

<41, 395>

Ich glaube, sagt Vitet: daß, wenn der Zufall von einer Spannung der Muskeln vorn am Arme herrührte, der Fuß mehr gerade, als gekrümmt, seyn würde, daher ist es auch besser, die aponevrotische Ausdehnung am Arme durchzuschneiden, ohne einen Muskel dabey zu verletzen, wie dies die öftere Erfahrung in Fällen, wo andere Methoden unwirksam waren, bestätigt.

Durchgebogene oder rückwärts gebogene Knie, sind noch schwächer als die vorigen, und sind dem Pferde allemahl von Natur eigen. Diese nennt der Franzose Jambes de Veau, oder Jambes de Boeuf, weil sie mit der Gestalt der Beine des Rindviehes Aehnlichkeit haben. Bey jungen Füllen sieht man diesen Fehler vielfältig, welcher aber gemeiniglich durch den Wuchs gänzlich gehoben wird. Die Hoffnung dazu ist größer, je jünger das Füllen ist, welches eingebogene Knie hat. Als dreyjährig, dergleichen Pferde zu kaufen, ist zu gefährlich, und man wird in der Hoffnung, daß der Fehler sich noch verlieren sollte, gewiß betrogen.

Die von den Franzosen so genannte Courbe, ist ein Uebel, welches mit dem Spathe eine große Aehnlichkeit hat. Sie besteht in einer ähnlichen Geschwulst nach innen zu an dem Knie, aber etwas über dem Orte, wo der Spath sich äussert. Sie hat die Gestalt einer halben Birn, und macht das Pferd zuweilen hinken. In allem übrigen kommt die Courbe mit dem Spathe völlig überein.

Diejenige Krankheit der Pferde, da von einer Stockung der Säfte die Knie, besonders an den Hinter=Füßen, anschwellen, die Haut hart und feucht, und oft grindig wird, und zuweilen gar Risse bekommt, wobey zugleich die Haare steif und aufgebürstet stehen, wird die Rappe, in einigen Gegenden auch die Raspe, Räpfe, Raupe, Ruffe, Fr. la Rape, Ital. Rappa, genannt. Die Rappe an dem Vorder=Schenkel wird von den Franzosen besonders Malandre, und die am Hinter=Schenkel, Solandre genannt. Einen solchen <41, 396> Hinter=Schenkel sieht man PfeiliconFig. 2275 abgebildet. Dieses Uebel entsteht von einer Stockung der Säfte in den Gefäßen dieser Gegend, welche durch Unreinigkeit der Ställe, in welchen die Pferde stets im Kothe stehen und liegen müssen, durch eine zu große Nachlässigkeit die Füße der Pferde rein zu halten, und nach der Arbeit fleißig vom Kothe zu reinigen, wie auch durch das so schädliche Wasser=Reiten im Winter, nachdem das Pferd von der Arbeit erhitzt worden ist, veranlasset werden kann. Indem nähmlich dadurch die Säfte in diesen Theilen zum Stocken gebracht werden, müssen sie nothwendig in kurzer Zeit eine gewisse Schärfe annehmen, welche immer weiter um sich frißt, und sich nach und nach auch dem übrigen Geblüte mittheilt. Das Uebel nimmt bisweilen so sehr überhand, daß das Pferd völlig unbrauchbar davon werden kann. Einem Pferde, welches man vorzüglich lieb hat, muß man daher, nachdem es seine Arbeit gethan hat, um diese und ähnliche Krankheiten zu verhüten, die Füße mit wollenen Tüchern oder trocknem Strohe stark reiben, und wenn es dabey kothig ist, vorher erst wohl mit Wasser abwaschen, und alsdann so lange reiben lassen, bis sie wieder ganz trocken sind.

Man kann gegen die Rappe das Nuß=Pflaster, welches Solleysel *

*
In seinem vollkommenen Stallmeister, S. 203.

beschreibt, gebrauchen, welches man alle acht Tage frisch auflegt, nachdem man die Haare von dem kranken Orte abgeschoren hat. Man kann mit dem Gebrauche desselben so lange fortfahren, bis man Besserung verspürt. Man wird aber wohl thun, wenn man sich nicht gar zu viel darauf verläßt.

Solleysels Nuß=Pflaster wird folgender Maßen verfertigt. Man nehme 8 Tage vor oder nach Johannis, Wallnüsse, zerstoße sie in einem steinernen Mörser ganz klein, und reibe sie durch ein Sieb, so, daß man dasjenige, was <41, 397> noch nicht durch das Sieb fällt, immer wieder aufs neue zerstößt. Von diesen zerstoßenen Nüssen vermische man 2 lb, mit 1 lb wohlgetrocknetem Salz und 1 1/2 Loth gemeinen Terpenthin, setze es in einem glasurten Topfe 14 Tage in den Keller, und koche es hernach unter beständigem Umrühren über dem Feuer, zur Consistenz eines Pflasters ein.

Hr. v. Sind verordnet folgende Salbe. Man vermischt 1 Loth Aethiops mineralis, 1 Scrupel weißen Vitriol, und 12 Loth venedische Seife in einem Topfe unter einander, thut 2 Loth Campher=Spiritus und 1/2 Loth Salmiak=Spiritus dazu, und rührt es über einem gelinden Kohlen=Feuer, ohne daß es kocht, zur Salbe. Von dieser Salbe lässet er auf den von der Rappe befallenen Ort, nachdem die Haare davon abgeschoren sind, so lange auf legen, bis sich ein Schorf darauf setzt, welcher nachher von selbst abfällt. Man darf auch nur die so genannte neapolitanische Salbe *

*
Die neapolitanische Salbe wird folgender Maßen bereitet. Man tödtet 4 Loth Quecksilber mit etwas Terpenthin, d. h. man reibt das Quecksilber so lange mit dem Terpenthine in einem steinernen Mörser, bis es sein glänzendes Ansehen verloren hat; und dann reibt man 4 Loth Schwein=Schmalz daruntet: so erhält man eine schwarze Salbe.

gebrauchen, und allenfalls, wenn man sie stärker haben will, unter die, in der unten befindlichen Vorschrift verordneten 8 Loth, 1 Loth rothen Präcipitat mischen.

Will man aber das Uebel von Grunde aus heilen, so muß man auch durch innerliche blutreinigende Mittel zu Hülfe kommen. Man kann, wenn man es sonst nöthig findet, erst am Halse Ader lassen, und dann 8 oder 14 Tage lang, folgende Latwerge des Morgens nüchtern, und des Abends nach dem letzten Futter, gebrauchen.

<41, 398>

Rc. Sem. petrosel. pulveris. lbß
Croc. mart. aper. zziv.
Sulph. antim. aurat. zzj.
M. exacte c, Mell. q. s. F. Electuar.

d. h. Man mische zerstoßenen Petersilien=Samen 1/2 lb, eröffnenden Eisen=Saffran, 1/4 lb., und goldgelben Spießglanz=Schwefel, 2 L., wohl unter einander, und rühre es dann mit Honig, so viel als genug ist, zu einer Latwerge, wovon man so viel, als ein kleines Hühner=Ey beträgt, auf ein Mahl eingibt.

Während der ganzen Cur muß das Pferd geschonet werden, und eine trockne und reine Streu bekommen.

Um die Knie der Hinter=Füße der Pferde entstehen bisweilen gewisse erhabene Ringe oder Reifen, welche die Bewegung dieses Gelenkes verhindern, und den Fuß steif machen; Fr. Jarret eerelé. Sie entstehen, wenn sich in den Gelenk=Bändern des Knies das Glied=Wasser, oder auch eine andere Feuchtigkeit zu sehr ergießt und ansammelt. Dieses Wasser kann so gar, wenn es zu lange daselbst stockt, das Gelenk ganz unbeweglich machen, indem es verhärtet, und beyde Knochen mit einander verbindet. Eine äussere Verletzung der Gelenk=Bänder, oder eine übertriebene gewaltsame Arbeit, kann dazu Gelegenheit geben. Man muß hier nicht nur darauf sehen, das stockende Wasser fortzuschaffen, sondern es ist auch eben so nöthig, dafür zu sorgen, daß die Gefäße, welche dieses Wasser natürlicher Weise wieder aufnehmen, und mit dem Geblüte vermischen, die bey diesem Zufalle verstopft oder geschwächt sind, wieder eröffnet und gestärket werden. Hr. v. Sind verordnet folgenden Umschlag. Man gießt auf 4 Pfund Leinsamen=Mehl 1/2 Quart des stärksten Weingeistes, und kocht es über einem gelinden Feuer zu einem Brey; dazu setzt man 1 Pfund Honig, und rührt es über dem Feuer so lange bis es dick wird; <41, 399> alsdann nehme man es herunter, und vermische 1/2 Pfund Schmalz oder Fett damit. Man wäscht nähmlich das Knie erst mit gutem Weingeiste, und schlägt dann diese Salbe um, die man mit einem Tuche und einer Binde darauf befestigt. Nach 2 Tagen öffnet man den Verband, und verfährt wieder eben so aufs neue, so wird man gewiß in 8 oder 14 Tagen Hülfe verspüren. Durch Feuer würde man die Verstopfung und den Schaden nur noch immer vermehren.

Bisweilen bekommen die Pferde geschwollene Knie und steife Beine, wenn sie sich im Stalle daran stoßen, von einem andern geschlagen werden, oder darauf fallen. Es kann öfters davon zeitlebens ein dickes und unförmliches Knie behalten. Man muß sogleich eine Handvoll Garten=Isopp in Wein kochen, und zwischen vierfachen leinenen Tüchern ganz warm über das Knie schlagen, und darüber eine handbreite Binde wickeln. Diesen Umschlag wiederhohlt man so oft, als er wieder kalt wird, 1 oder 2 Tage, und wenn es seyn kann, auch des Nachts, bis die Geschwulst sich zertheilt, und weicher zu seyn scheint. Alsdann vermischt man 1 Unze fein gepülverten Bernstein, 2 Quent klein geschnittene venedische Seife; 1 Unze Salmiak=Spiritus, und 1/2 Pfund Campher=Spiritus, schüttelt es wohl um, wäscht und reibt das Knie täglich 3 bis 4 Mahl damit, bis es völlig geheilt ist. Ist aber die Haut selbst durchgestoßen, so muß man sich, wegen der Sehnen und Bänder, sorgfältig vor fette und öhlige Mittel hüten. Folgender Balsam ist sehr gut, aber auch nur dann, wenn noch kein Eiter da ist.

<41, 400>

Rc. Myrrh. opt. zzß
Aloës succotr. ziij.
Gummi elemi,
         mastich.
         sarcocoll. aa. zij.
Chinchin. zj.
Croc. orient. gr. V.
Terebinth. zzß.
Fl. hyperic. Pj.

Nachdem man die harten Dinge in einem steinernen Mörser wohl zerstoßen hat, thut man alles in 2 lb des besten Weingeistes, und stellt es im Sommer an die Sonne, im Winter aber nahe an den Ofen, 3 bis 4 Wochen lang, wobey man es alle Tage 2 oder 3 Mahl umschüttelt. Je älter dieser Balsam wird, je besser ist er.

Die Knie=Scheibe liegt vor dem Gelenke des Backen=Knochens (Femur) mit dem Schenkel=Beine (Tibia). Ihre Gestalt stellt ein irreguläres Viereck vor. Die vordere Fläche ist erhaben mit Sehnen=Eindrücken; die hintere ist vertieft, mit einem glatten Knorpel überzogen, und durch eine Erhabenheit getheilt, welche in der Höhlung der Rolle des Backen=Knochens liegt, so wie ihre Vertiefungen über den Erhabenheiten eben dieser Rolle liegen. Sie hat vier Ränder; zwey innere, nähmlich einen obern und einen untern, welche durch ihr Zusammenstoßen den innern Winkel ausmachen; und zwey äussere, einen obern und einen untern, zwischen welchen der äussere Winkel der Knie=Scheibe liegt. Zwischen den beyden obern Rändern der vordern Fläche liegt der obere Rand der Gelenk=Fläche, mit einer vertieften länglichen Fläche, welche eben so wie die beyden obern Ränder voll Sehnen=Eindrücke sind. Der innere Winkel hat einen Band=Eindruck; der innere Winkel hat zwey. Die Knie=Scheibe besteht aus einem zelligen Wesen, wel<41, 401>ches mit einem dichten Blatte überzogen ist. Ihre Verbindung mit den Backen=Knochen erlaubt ihr eine Bewegung aufwärts und unterwärts. Mit dem Schenkel=Beine ist sie verbunden: 1. durch ein Kapsel=Band, welches den Gelenk=Rand der hintern Fläche der Knie=Scheibe umfaßt; 2. durch zwey Bänder, welche einerseits am untern Winkel der Knie=Scheibe, andererseits an der Gräthe des Schenkel=Beines und der daran befindlichen Grube befestigt sind; 3. durch ein breites Band zur Seite des innern Winkels der Knie=Scheibe, woran es sich befestigt. An dem vordern Rande des innern Kopfes des Schenkel=Beines, woran es sich ebenfalls fest setzt, ist es schmahl.

Kahle Flecken, oder wohl gar Wunden auf der Knie=Scheibe, geben zu erkennen, daß das Pferd schwache Schenkel habe, und gern falle; es wäre denn, daß das Pferd die Gewohnheit hätte, beym Niederlegen erst auf den Knien zu ruhen, wodurch es sich ebenfalls die Haare wegreibt. Man darf sich nicht überreden lassen, daß ein anderer Zufall dergleichen verursachet habe, wozu die Roß=Händler alle Beredsamkeit anzuwenden pflegen.

Ein gezeichnetes oder gekröntes Bein, Fr. Jambe couronnée, zeigt nicht allem ein Pferd an, welches zuweilen anstößt, sondern welches auch öfters ganz auf die Knie fällt; eine sehr unbequeme Sache, und zuweilen sehr gefährlich für einen Reiter! Man kann sehr leicht ein gekröntes Bein erkennen. Es ist dasjenige, welches an dem Knie ein solches Zeichen hat, wie PfeiliconFig. 2276 anzeigt.

Es ist nichts leichter, wenn ein Pferd im Fallen auf den Knien geschunden ist, und dadurch einen Schandfleck darauf bekommen hat, als solchen zu verstecken, besonders wenn man solches auf frischer That zu sehen bekommt. Erstlich schlägt man warmen Wein auf; wenn es alsdann geheilt <41, 402> ist, wird der Fleck mit Lein=Oehle geschmiert, um wieder Haare darauf zu bekommen. Ich würde, sagt Hr. Stall=Meister Rosenzweig, ehe ich diesen Schandfleck liesse, lieber in der Länge ein Theil Haut wegschneiden, wodurch ich solche wieder schön egal machen würde. Auf solche Art würde ich nicht allein den Preis nicht verringern, wie doch ohne Zweifelgeschehen möchte, wenn der Fehler bleiben sollte, sondern das Pferd würde auch noch gut verkaufet werden können. Man muß demnach, um nicht betrogen zu werden, kein Pferd mit bespritzten und kothigen Knien kaufen; denn dadurch würde der große Fehler verstecket werden können. Wieder eine Ursache, daß man allezeit ein Pferd 24 Stunden im Stalle haben soll, ehe man es bezahlt, in welcher Zeit man denn das Pferd völlig untersuchen kann!

Bey dem Horn=Viehe, dem Schafe, und der Ziege, findet sich der Unterschied, daß das Knie der Vorder=Füße nur 6, an den Hinter=Füßen aber nur 5 Knochen enthält. Bey dem Schweine, enthält das Knie der Vorder=Füße 8 Knochen in zwey Reihen, an den Hinter=Füßen aber 7.

Die Knie Scheibe bey dem Horn=Viehe hat eine eyrunde Gestalt. Ihre vordere Fläche ist erhaben und voll Sehnen=Eindrücke. Die hintere Fläche ist auch erhaben, und mit Knorpel überzogen; sie liegt in der vordern Vertiefung der Rolle. Jeder Seiten=Rand gibt oberwärts einem Seiten=Bande Befestigung, welches zur äussern Fläche des äussern Kopfes, oder zur innern Seite des innern Kopfes des Backen=Beines geht. Das obere Ende hat Sehnen=Eindrücke; an dem untern Ende befestigt sich das untere Band der Knie=Scheibe, welches zur Gräthe des Schenkel=Beines geht.

Die Lämmer bekommen zuweilen dicke Knie, sowohl wenn solche noch im Stalle gehalten, als auch wenn sie mit den Müttern ausgetrieben werden. Mehrentheils trifft dieser Zufall die Lämmer, welche anfangs schwächlich sind, auch wohl nicht viel zu saugen haben. Es mag das Hinter oder Vorder=Bein seyn, <41, 403> welches am Knie dick wird, so findet man, wenn eines geschlachtet wird, recht mitten im Knie ein Bläschen, worin ein gelbliches Wasser ist; und daher kommt es, daß gar selten eines daran curirt wird.

Knie=Band Klassifizierung: 391.44 AccessoiresDDC-Icon , Strumpf=Band, *

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Einige nennen die Knie= oder Strumpf=Bänder auch wohl Hosen=Bänder, wiewohl letztere eigentlich nur diejenigen sind, welche von den Mannspersonen an dem hintern Theile des Hosen=Gurtes angeleget werden, damit ihnen die Hosen desto besser anliegen.

L. Genuale, Periscelis, Fr. Jarretière, ein Band, womit man die Strümpfe über oder unter dem Knie fest zu binden pflegt, damit sie sich nicht falten, sondern an den Beinen desto fester und glatter anliegen. Man hat dergleichen von allerley Materie, als: von Wollen= Baumwollen= oder Leinen=Garne, oder auch von Seide, Silber und Gold. Bisweilen werden auch die Knie=Bänder mit Schnallen versehen, da sie denn gemeiniglich Knie=Gürtel, und wenn sie von Leder sind, Knie=Riemen heißen. Siehe auch Pfeil-IconKnie=Gürtel.

Das Frauenzimmer hat theils gestrickte, theils gewirkte, theils genähete, oder von Damast, Atlaß, u. d. gl. zusammen genähete und gefütterte Bänder, womit sie sich die Strümpfe unter den Knien fest zu binden pflegen. Manche tragen sie reich, um die Ränder mit Gold und Silber gestickt, auch mit Hexen=Stich genähet. Einige bedienen sich auch der Knie=Tressen mit Schnällchen. Sie haben auch wohl Strumpf=Bänder von durchnähetem Taffet, die man mit wohlriechendem spanischen Leder füttert, oder denen man sonst einen angenehmen Geruch gibt. Man macht sie auch von Leinwand mit Marseille=Stichen; und diese haben den Vortheil, daß man sie waschen kann. Die durchnäheten Strumpf=Bänder sind nicht zu dick, halten den Strumpfbesser, und schneiden weni<41, 404>ger ein, als alle andere Arten von Strumpf=Bändern. In Frankreich und Italien sieht man auch wohl Strumpf=Bänder von Amianth, aber bloß zur Rarität.

Daß ein Strumpf=Band keines der unwichtigsten weiblichen Kleidungsstücke sey, könnte der sehr ansehnliche englische Ritter=Orden, der ihm seinen Ursprung verdankt, (s. im XXV Th. Pfeil-IconS. 317, fgg.) und vielleicht manche interessante Anekdote aus der geheimen Geschichte der Staten, beweisen, wenn es darauf ankäme. In der neuesten Waren=Liste von petit Dunkerque zu Paris, stehen die Strumpf=Bänder unter Bijoux und Nippes, und England hat uns auch mit einer neuen Mode darin beschenkt; denn man trägt schon seit einiger Zeit Strumpf=Bänder à Ressort. Die Erfindung ist, wie gedacht, englisch. Zwey platte, ungefähr spannenlange Spiral=Linien von elastischem Draht, an den Enden mit einer Schnalle und einem Riemen versehen, und mit Taffet überzogen, machen ein solches Strumpf=Band aus, dessen Gebrauch darum sehr bequem ist, weil es immer so viel, als bey der Bewegung des Fußes nöthig ist, nachgibt. In so fern wäre diese Erfindung und Mode, obgleich nicht ökonomisch -- denn ein Par solcher Strumpf=Bänder kosteten noch vor einigen Monathen 1/2 Louis' dor -- doch nützlich. Frankreich, dem die englische Simplicität zu simpel war, hat noch Decorationen hinzu gethan, und Hr. Grancher zu Paris verkauft sie sehr reich und schön gestrickt.

Journal der Moden, März 1786, S. 102, f.

In Louisiana spinnen die Weiber das Haar des Sarige, und machen Knie=Bänder davon, die sie nachher roth färben.

An einigen Orten ist der Gebrauch, ehe eine Braut zu Bette geführt wird, daß ihr zuvor das eine Strumpf=Band in der Braut=Kammer abgelöset werden muß.

Das allzu feste Zuschnüren der Knie=Bänder, ist höchst schädlich. Hr. Crüger, General=Director der Chirurgie in Dänemark und Norwegen, erzählte Hrn. Winslow, ein Capitän in diesem Lande ware <41, 405> auf den Einfall gerathen, daß seine Soldaten alle die Hals=Binden und die Knie=Bänder sehr fest binden müssen, damit sie roth und von starken Waden aussähen, und sie starkes und gesundes Ansehen bekämen; sie wären aber nach einer gewissen Zeit fast alle in eine besondere Krankheit gefallen, und verschiedene, des Gebrauches von allerley inn= und äusserlichen Mitteln ungeachtet, wie an einer scorbutischen Fäulung gestorben, davon man auch derer, die man nach dem Tode geöffnet, ihre innere Theile angesteckt gefunden hat.

Winslow *

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In seinen anatomischen Betrachtungen über Beschwerungen, Krankheiten, u. d. gl. die man sich durch gewisse Kleidungen und Stellungen des Leibes zuzieht, in den Memoir de l' Acad de Paris, v. J. 1740. S. Hamb. Magaz. 2. B. 6 St. S. 620, fgg.

sagt: „Dieses gab mir Gelegenheit, eine Art von Fieber zu bemerken, die von dem schmerzhaften Zusammenpressen eines äusserlichen Theiles des Leibes, selbst des allerkleinsten, verursachet wird, es mag nun solches durch Binden, Falten, Ungleichheiten, Härte und Stöße etc. geschehen. Ich bin daneben auf die Gedanken gerathen, daß eben dieses den Thieren, als: Schafen, Lämmern etc. durch die beständigen Erschütterungen und Stöße der Karren, auf denen man sie führt, überhaupt, und insbesondere durch das sehr scharfe Binden ihrer Füße wiederfahren kann. Man sieht daher die Füße nach ihrem Tode noch sehr aufgeschwollen, und bisweilen blau. Man könnte so gar auf die Gedanken gerathen, dieses beständige Erschüttern und heftige Binden veränderte die Masse des Blutes in diesen Thieren, und machte ihr Fleisch ungesunder, als anderer ihres, die nicht so gemartert worden sind”.

Man pflegt öfters bey Krönungen Leib=Pferden kostbare Knie=Bänder an die vordern Schien=Beine anzulegen, welches nicht allein wohl aussieht, sondern auch die Pferde animirt, daß sie von selbst in die Action treten, und desto besser aus dem Boden ge<41, 406>hen, wenn sie an den Schenkeln etwas ungewöhnliches empfinden.

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So fern Knie in weiterer Bedeutung ein gebogenes Holz bedeutet, ist das Knie=Band ein eisernes Band um ein solches Knie, um dasselbe mit andern Hölzern zu verbinden.

Knie=Beuge. siehe oben, Pfeil-IconS. 381.

Knie=Beugung Klassifizierung: 395 Etikette (Manieren)DDC-Icon , L. Geniculatio, Genuflexìo, Fr. plier oder fléchir les genoux, *

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Im eigentlichen Sinne sagt man plier (oder ployer) le genon, z. B. la goutte m' empeche de ployer le genou, ich kann meine Knie nicht biegen, weil ich das Podagra habe. Heißt aber die Knie vor jemand beugen, so viel als: sich vor jemand demüthigen, so nennt dieses der Franzose: fléchir les genoux devant quelcun.

die Beugung der Knie, besonders so fern solche zum Zeichen der Ehrfurcht geschieht. Eine Knie=Beugung mit senkrechtem Leibe heißt im g. L. ein Knicks; s. oben, Pfeil-IconS. 377. In dem spanischen Cerimonielle ist noch eine andere Art üblich, wo der eine Fuß so gebogen wird, als wenn man sich auf das Knie niederlassen wollte.

Das Knie=Beugen ist ein Zeichen der Ehrerbiethung und Unterthänigkeit; daher es nicht nur bey dem Gottesdienste, sondern auch bey weltlichen Handlungen, feyerlichen Begängnissen, Huldigungen, Belehnungen etc. gebraucht wird. Insonderheit ist es in England gewöhnlich, daß die Könige sich kniend bedienen lassen. Bey den Tatarn, die das Reich China beherrschen, ist, nach Neuhoff' s Berichte, das Knie=Beugen nicht nur gegen den König, sondern auch gegen die hohen Bedienten, gar gemein.

Das Knie=Beugen war eine gewöhnliche Art der ehrsuchrtsvollesten Verehrung gegen die Könige der alten Welt; 2 Kön. 1, 13. 1 Kön. 6, 54. 2 Chron. <41, 407> 29, 30. Dan. 6, 10; bedeutet hernach auch eine abgöttische Verehrung. So kommt die Redens=Art vordem Baal die Knie beugen, 1 Kön. 19, 18. Man findet, daß dieses Knie=Beugen auch von der Anbethung des wahren Gottes Israels gebraucht wird; 1 Kön. 8, 54. 2 Chron. 6, 13. Esr. 9, 5. Dan. 6, 10. Luc. 22, 41. Apostg. 7, 59. 9, 40. 20, 36. 31, 5. Siehe Paulsen's Regierung der Morgenländer, §. 25. S. 119, f. Dieser gelehrte Mann glaubt, daß das oft in der h. Schrift vorkommende Niederfallen, 5 Mos. 8, 18. 25. Matth. 2, 11. 9, 18. 14, 33. 15, 25. 20, 20. 28, 9. 17. Marc. 3, 11. 5, 6. 33. Luc. 8, 28. Offenb. 5, 28, eben dieses bedeute; allein, es ist gewiß noch sehr zu zweifeln, ob dieses so genannte προσκυνειν mit dem Knie=Beugen einerley sey, da man bey demselben mit dem ganzen Leibe niederfallen mußte, ob man gleich auch dabey die Knie beugte.

Siehe auch Pfeil-IconKnien.

Knie=Bug Klassifizierung: 611.98 Untere ExtremitätenDDC-Icon , eine Benennung der Knie=Kehle, bey Menschen; s. oben, Pfeil-IconS. 381.

Klassifizierung: 573.7 BewegungsapparatDDC-Icon An den Hinter=Füßen großer vierfüßiger Thiere, wird auch der auswärts gebogene Theil des Knies, welcher Niedersächsisch die Hespe, in andern Provinzen, die Hächse, Hachse, Häkse, Haxe, Häxe, Hechse, Hexe, heißt, der Knie=Bug genannt; Fr. Jarret.

Knie=Bügel Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon Klassifizierung: 391.04 Kleidung nach BerufsgruppenDDC-Icon , bey den Bergleuten und andern Arbeitern, ein rund geschnittenes Leder, welches unter dem Knie um das Bein geschnallet wird, und dazu dient, daß, wenn der Bergmann kniet, die Kleidung und die Haut nicht beschädiget werden. Der Knie=Bügel wird auch zum Zierrath getragen. Ein Bergmann, der kein Hauer ist, darf keine Knie=Bügel tragen.

Knie=Busch Klassifizierung: 634.9 ForstwirtschaftDDC-Icon , Knie=Büsche, im Forstwesen, ein niedriges Buschwerk oder Gesträuch, welches nicht in die <41, 408> Höhe wachsen will; Wälder und Hölzer, wo die Bäume versauern, kurz und struppig bleiben, krumm und niedrig wachsen. Solches kommt von einem sehr sauern, kalten und magern Boden her, und wenn Wind und Schnee noch dazu kommen, welche die jungen Bäume zu Boden drücken, daß sie nicht gedeihen können. Ein solches Holz nun nennt man, insonderheit im Erz=Gebirge und Vogtlande, kniebüschig.

Knie=Eisen Klassifizierung: 683.3 SchlosserhandwerkDDC-Icon Klassifizierung: 623.8 Schiffstechnik und NautikDDC-Icon , Krummholz=Eisen, Fr. Guerlandes, Guirlandes, (Garlanden) im Schiffbaue, starke nach einem Winkel gebogene Eisen, welche die untersten Theile des Schiff=Bauches mit den Seiten verbinden; s. oben, Pfeil-IconS. 378.

Die Knie=Eisen sind, nach Dühamel's Beschreibung, *

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In der Schlösserkunst, im IX B. des Schauplatzes der Künste und Handwerke, Lpz. und Königsb. 1769, gr. 4. S. 151, fgg.

j, große Winkel=Haken, D C, A B, PfeiliconFig. 2277, die aus zwey Schienen Eisen, A B, oder C D, gemacht sind, die man in den Häfen Latten, Fr. Lattes, sonst aber Arme nennt. Jeder dieser Arme ist an dem starken Ende bey a und c halb so tief eingehauen, als das Eisen ist, um die Abfinnung zu machen, welche, sie mit dem Fuße zusammen zu schweißen, nöthig ist. Auf der platten Seite sind in die beyden Arme Löcher e e e geschlagen, welche 10 oder 11 Zoll weit von einander sind. Man macht sie so groß, daß die Nägel, womit die Eisen inwendig im Schiffe an die Knie befestigt sind, durchgehen. Uebrigens sind die Arme des Winkel=Hakens auf der Seite des Winkels A C, oder a c, welches man die Stärke nennt, dicker, als an ihrem entgegen gesetzten Ende B D, oder b d. Wenn die beyden Latten an dem dicken Ende a und c geschmiedet, gelocht und abgefinnet sind, schmiedet man einen Fuß, welches ein Stück Eisen f ist, das 2 Fuß lang, 6 Z. <41, 409> breit, 7 Z. dick *

*
Es ist klar, daß alle die Stücke, welche die Schlösser an ein Schiff machen, nach der Größe dieses Schiffes verschieden sind. Dühamel beschreibt bloß solche Stücke, die, ihrer Größe nach, zu einem Schiffe von 74 Kanonen gebraucht werden können.

ist, und in der Mitte ein oder zwey Löcher hat. Wenn nun diese verschiedene Stücke zubereitet sind, legt der Professionist das starke Ende der Latte c d in das Feuer; und in einem andern Feuer wird der Fuß des Knie=Eisens f gewärmet. Wenn hierauf alles zur Schweißung warm genug ist, nimmt man sie aus dem Feuer, und legt den Theil c auf eines von den Enden des Fußes f, welcher dermaßen abgefinnet ist, daß die beyden eingehauenen Theile auf einander treffen, und man schlägt stark darauf, um diese beyde Stücke zusammen zu schweißen. Wenn diese Arbeit, welches man die erste Schweißung, Fr. Encolure, nennt, geschehen ist, macht man die zweyte, indem man das Ende a der andern Latte an das Ende des Fußes f schweißet; man verstärkt den Fuß und die Schweißungen mit Wursten [Fr. Mises] *

*
Man versteht unter dem Worte Wurst, ein oder zwey Stück aufgelegtes Eisen, die der Sache, da wo sie aufgeleget werden, einen stärkern Halt geben.

die man in den Krümmen der Knie=Eisen aufträgt; hierauf bringt man alles wieder in das Feuer, um es zum zweyten Mahl zu wärmen. Man legt alsdann das hölzerne Modell, welches der Schiff=Bauer gegeben hat, und welches man Gabari *

*
Es wird auch das Wort Calibre von dem Schiffs=Modelle gebraucht. Man sagt: das Schiff hat einen schönen Gabari, oder ein schönes Calibre.

nennt, auf das Stück, um zu sehen, ob das Knie=Eisen die Gestalt bekommt, welche es haben soll. Wenn die Füße gut gemacht, und auf die Schweißungen Wurste aufgetragen sind, schweißet man den Quer=Riegel g h an, welcher gemeiniglich bey das zweyte Drittel der Länge <41, 410> von den Latten, von dem dünnen Ende an gerechnet, gesetzt wird, und stellt die Enden des Quer=Riegels in einen Einschnitt, den man auf der hohen Seite der Latten bey g h gemacht hat, damit die Arme des Knie=Eisens die Oeffnung behalten, welche man verlangt. Wenn der Quer=Riegel angeschweißt ist, und die Schweißungen desselben durch aufgetragene Wurste verstärkt sind, hat man ein Knie=Eisen, welches dem in PfeiliconFig. 2277, A B, C D, G H, vorgestellten gleich ist. Es wiegt gemeiniglich 13, 14 bis 1500 Pfund, und ist also ein großes Hammerstück.

Die Knie=Eisen, womit der Schiff=Schnabel, oder das Gallion, an den Rumpf des Schiffes verbunden wird, Fr. Jottereaux oder Joutereaux de l' éperon, oder Courbes de joutereaux, oder schlechtweg Joutereaux, PfeiliconFig. 2278, sind ebenfalls Arten von Winkel=Haken, die aus einer Latte A B, oder a b, welche auf den Joutrereau befestigt wird, aus einer Schiffschnabel=Latte C D, oder c d, die an den Schiff=Schnabel angeschlagen wird, und aus einem Quer=Riegel G H, oder g h, verfertigt werden. Auf die Latte C D, oder c d, schweißt man einen starken Fuß F, oder f, woran man eine Abfinnung macht, damit man sie mit dem andern Arme A B, oder a b, zusammen machen könne. Den Quer=Riegel G H schmiedet man besonders. Man macht an den Enden Abfinnungen, und bey G und H, oder g und h, Einschnitte auf die hohe Seite der Latte, worein die abgefinneten Enden des Quer=Riegels passen müssen. Diese Knie=Eisen wiegen gemeiniglich 900, 1000 bis 1100 Pfund.

Die Knie=Eisen der falschen Verdecke, *

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Die falschen Verdecke werden unten im Raume des Schiffes angebracht, und dienen zur bequemen Rangierung der Waren und Güter, die einen Theil der Schists=Ladung ausmachen; auch haben die Matrosen und Soldaten in diesen finstern Be= hältnissen ihre Lagerstätte. Sie tragen vieles zur Verbindung und Festigkeit des Schiffes bey.

Fr. Courbes de faux ponts, PfeiliconFig. 2279, bestehen aus <41, 411> zwey Armen oder Latten, wovon die eine A B, oder a b, die ziemlich lang ist, auf den Bord oder Rand, und die andere A C, oder a c, welche kürzer ist, auf die Quer=Balken, die den Grund des Schiffes verstärken (faux baux), genagelt wird. Sie sind durch einen Quer=Riegel D E, oder d e, befestigt. Beyde Arme werden auf der platten Seite angeschlagen. Will man eines von diesen Knie=Eisen machen, so schlägt man verschiedene Löcher F F F, oder f f f, in die Latten, damit die Nägel durchgestecket werden können, womit es an die Quer=Balken und Krumm=Hölzer befestiget werden muß. Da diese Knie=Eisen platt sind, und der Arm A C, oder a c, an den Quer=Balken, der Arm A B, oder a b, aber an die Krumm=Hölzer befestiget werden muß, so bekommt dieser Winkel=Haken seine meiste Stärke von dem Quer=Riegel D E, oder d e, welcher nicht anders als auf die hohe Seite dieser Latten geschweißet werden kann. Und da sie nicht sonderlich dick sind, so legt man in D, wie auch in E, etwas auf, wodurch die Stärke der Arme an diesen Stellen vermehrt wird. Man macht daher erstlich in D und E die Arme stärker, befestigt auch das Ende gegen A mit einem starken Wurste, und finnet die beyden Enden A bis auf die Hälfte des Eisens ein, wie die Figur zeigt. Man schweißt die beyden Arme in A zusammen, und verstärkt die Achsel mit einem Anwurfe G, oder g. Sodann hält man das Modell auf die zusammen geschweißten Arme, welche diesen Winkel=Haken ausmachen, um ihnen die gehörige Oeffnung zu geben. Wenn dieses geschehen ist, schweißt man die Quer=Riegel auf die hohe Seite der Latten bey D E, und befestigt diese Schweißungen mit einem oder zwey Wursten. Man befestigt auch die Schweißung A mit <41, 412> zwey Wursten, die nach einander in die Achseln geleget werden. Wenn nun die drey Stücke, woraus ein Krummholz=Eisen besteht, zusammen gesetzt sind, sieht man nochmahls zu, ob die Oeffnung mit dem Modelle gut überein kommt, und putzt es hernach mit dem Hammer aus, damit es besser aussehe. Man lässet bisweilen unter den Castellen bey den verticalen Krummholz=Eisen, die man unter die Stangen und auf die Krummhölzer nagelt, die Quer=Riegel weg, damit die Zimmer, welche sich daselbst befinden, frey seyn, und weil diese Krumm=Hölzer nicht so viel auszustehen haben, als die bey den Verdecken. Die Krummholz=Eisen der falschen Verdecke wiegen gemeiniglich 300 Pfund.

Die Knie= oder Krummholz=Eisen der Verdecke, Fr. Courbes de ponts, PfeiliconFig. 2280, welche, die Quer=Balken des ersten und zweyten Verdeckes mit dem Rumpfe des Schiffes zu vereinigen, dienen, werden anders geschmiedet, als die Knie=Eisen der Quer=Balken des falschen Verdeckes, weil die Knie=Eisen des falschen Verdeckes mit einem Arme auf die Quer=Balken, und mit dem andern auf die Krumm=Hölzer oder Knie genagelt werden. Also muß man sich eine Schiene plattes Eisen vorstellen, die bey A auf der platten Seite gebogen ist, und einen Winkel=Haken macht, da hingegen bey den Knie=Eisen der Verdecke einer von den Armen auf eine der verticalen Seiten des Quer=Balkens genagelt werden muß. Dieser Arm A B, in PfeiliconFig. 2280, ist auf seiner platten Seite zu sehen, und den andern Arm A C, oder a c, welcher an die Krumm=Hölzer geschlagen werden soll, sieht man nach seiner Dicke. Der verticale Arm A C, oder a c, woran man bloß die Dicke sieht, welcher an die Seite des Schiffes angeschlagen werden soll, und den man die Rand=Latte, Fr. Latte de bord, nennt, hat, wie die Arme des falschen Verdeckes, an den mit F F F, <41, 413> oder f f f, bezeichneten Oertern, Löcher. Man schweißt bey A, oder a, ein Stück zur Verstärkung an, damit da, wo die Schweißung hinkommt, mehr Eisen sey; in D, oder d, wo das Ende des Quer=Riegels zu stehen kommt, schweißt man ebenfalls ein Stück zur Verstärkung an; auch macht man auf der hohen Seite in E, oder e, einen Einschnitt, worein man den Quer=Riegel setzt. Wenn nun beyde Latten oder Arme, besagter Maßen, geschmiedet sind, und man, indem man das Modell daran gehalten, gefunden hat, daß sie die Gestalt haben, welche der Schiff=Bauer verlangt, wärmt man das Ende A der Bord= und Querbalken=Arme, jeden besonders; wenn sie beyde warm sind, legt der Meister seinen, welcher der Bord=Arm ist, auf den Amboß, und der Gesell den Arm des Quer=Balkens auf die hohe Seite des Bord=Armes. Wenn alles hierauf gut zusammen geschweißt, und durch aufgetragene Wurste, die über beyde Latten weggehen, und den Fuß machen müssen, befestigt ist, so sieht man zu, ob beyde Arme des Knie=Eisens die gehörige Oeffnung haben, und schweißt das eine Ende des Quer=Riegels E, oder e, auf die hohe Seite des Knie=Eisens des Bodens, das andere Ende D, oder d, aber auf die flache Seite des Knie=Eisens des Quer=Balkens. Diese Knie=Eisen wiegen gemeiniglich 300 bis 350 Pfund.

Kniefick Klassifizierung: 683.8 Haushaltsutensilien und HaushaltsgeräteDDC-Icon Klassifizierung: 642 Mahlzeiten und TischkulturDDC-Icon wird in Schlesien, ein kleines schlechtes Taschen=Messer, wie es die Bauersleute zu tragen pflegen, genannt.

Knie=Galgen, s. im XV Th. Pfeil-IconS. 672.

Knie=Geige Klassifizierung: 787 Saiteninstrumente (Chordophone); StreichinstrumenteDDC-Icon , eine größere Geige, welche der Spielende zwischen den Knien hält. Ital. Viol di Gamba.

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