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Klugheit Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 153 Kognitive Prozesse und IntelligenzDDC-Icon , L. Prudentia, Fr. Prudence, das Abstractum des Bey=Wortes klug.

1. Die Fertigkeit, den Zusammenhang der Dinge einzusehen; in welcher weitern Bedeutung es sowohl in der deutschen Bibel, als auch im g. L., mehrmahls vorkommt.

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2. In engerer Bedeutung, die Fertigkeit, sich in alle Umstände zu schicken und sie zu seinen Absichten vortheilhaft zu gebrauchen. Sich auf seine Klugheit verlassen. Durch seine Klugheit wird ihm der Betrug gerathen, Dan. 8, 23. In dem engsten und gewöhnlichsten Verstande setzt die Klugheit rechtmäßige Absichten voraus, um sie von der List, Arg=List, und zuweilen auch von der Schlauheit zu unterscheiden. Der Gottlosen Tücke ist nicht Klugheit, Sir. 19, 19.

Daher die Klugheite=Lehre. 1. Der wissenschaftliche Unterricht von der Klugheit, in der letzten engsten Bedeutung dieses Wortes.

2. Ein Buch, worin dieser Unterricht enthalten ist.

Eigentlich ist die Klugheit nichts anders, als eine ausnehmende Geschicklichkeit und Fertigkeit des Verstandes, alles dasjenige, was einem nach seinem Stande, und den damit verbundenen äusserlichen Umständen und Pflichten zu thun und zu beobachten gebührt, auf das genaueste zu erkennen und zu beurtheilen, und sodann auch, da es nöthig oder rathsam zu seyn scheint, in Ausübung zu bringen, hingegen alles demselben entgegen stehende oder nachtheilig scheinende zu unterlassen, und auf das sorgfältigste zu vermeiden. Sonst beschreibt man die Klugheit auch wohl durch eine wohlbedächtige und scharfsinnige Erkenntniß und Beurtheilung der besten und vernünftigsten Absichten, nebst einer eben so vernünftigen Wahl und Anwendung der besten und dienlichsten Mittel, jene gewiß zu erreichen. Gleichwie aber die Stände und Absichten der Menschen bey ihren Unternehmungen gar vielerley, und auch gar sehr von einander unterschieden seyn können, und auch wirklich sind: also müssen auch die Mittel, welche jemand nach solchen Absichten zu erwählen und in das Werk zu setzen hat, nicht durchgängig von einerley Art seyn. Also hat z. B. ein Regent, oder eine Obrigkeit, der Gelehrte, <41, 33> der Kaufmann, der Künstler, der Bürger, der Bauer, und kurz ein jeder Mensch, nach seinem Stande und Berufe, nicht allein ganz besondere und verschiedene Zwecke oder Absichten, sondern auch eben deswegen ein Jeder seines Orts ganz besondere und verschiedene Mittel zu gebrauchen und anzuwenden, welche jedoch alle in diesem Haupt=Zwecke und dem vornehmsten Augenmerke aller menschlichen Handlungen, sich und andere Menschen, so viel an ihnen ist, in Zeit und Ewigkeit glücklich zu machen, oder sowohl seine selbst eigene und seiner Familie wahre Glückseligkeit, als auch des gesammten States inn= und äusserliche Ruhe und immerwährenden Flor bestmöglichst zu befördern, als ihrem eigentlichen Mittelpuncte, zusammen treffen müssen.

Man kann zu wenig, aber auch zu viel Klugheit besitzen. Man klagt fast durchgängig über schlechte und nahrlose Zeiten; die Wenigsten aber kommen auf den rechten Grund, warum die Zeiten nicht nur schlecht sind, sondern auch immer ärger werden müssen. Ein Arzt mag die kräftigsten Arzeneyen verordnen, er wird den Tod des Kranken doch beschleunigen, wenn er die Ursache der Krankheit in den Füßen zu finden glaubt, da sie doch im Kopfe oder Magen anzutreffen ist. Ich halte dafür, daß die Ursache der jetzigen nahrlosen Zeiten im Kopfe zu suchen sey, weil die Menschen klüger geworden sind, als es für sie zuträglich ist. Es ist zwar an sich kein Uebel, klug zu seyn, und sich überhaupt nach und nach durch Nachdenken, Fleiß und Uebung eine Geschicklichkeit zu erwerben, seine Handlungen so einzurichten, daß man zu seinem Zwecke gelange, und seinen Nutzen auf eine rechtmäßige Art befördere; man ist aber doch nur in so fern klug, als Leute sich um uns befinden, die weniger klug sind. In einem Lande, wo lauter Newtone und Leibnitze wären, würde der Gelehrte wenig gelten, so wie ein Halb=Gelehrter un<41, 34>serer Zeiten im 14ten Jahrh. für einen Hexen=Meister gehalten wäre. Auch die Klugheit, ein größeres Vermögen zu erwerben, schaffet keinen Nutzen, wenn man nicht Leute um sich hat, von deren gutherzigen Einfalt man zu seinem Vortheile Gebrauch machen kann. So bald alle Einwohner in einem Lande anfangen klug zu werden, müssen die wenigen Klugen, die vorher einen ansehnlichen Gewinn gemacht haben, nothwendig in ihrer Einnahme eine Verminderung spüren. Diese Abnahme des Gewinnes muß desto merklicher seyn, wenn die Einwohner der benachbarten Länder, aus welchen ein einträglicher Verkehr bis dahin Statt gefunden hat, auf eben die Art klug werden, und die Vortheile, welche sie vorhin den angränzenden haben zufließen lassen, selbst zu nutzen anfangen. Fast alle Staten sind bey einer gewissen Einfalt ihrer Bürger gewachsen, und bey ihrer zu viel ausgebreiteten Klugheit in Verfall gerathen. Griechenland und Rom geriethen in Abnahme, da deren Einwohner so klug wurden, als sie nur immer werden konnten. Da einer so verschmitzt seyn wollte, als der andere, so entstanden innerliche Zwistigkeiten, die zu ihrem äussersten Verfall wirkten. Reiche und Länder haben sich bisweilen unter der sanften Herrschaft mäßig kluger Fürsten besser befunden, als unter ausserordentlich scharfsinnigen Oberhäuptern. Die Juden klagten unter dem weisesten ihrer Könige über den harten Dienst und das schwere Joch, welches er ihnen aufgelegt hatte. Seitdem gewisse aufgeweckte Leute sich bey den Schweitzern niedergelassen haben, durch deren Witz sie angesteckt worden sind, dürften sie auch beynahe aufhören, das glücklichste Volk zu seyn.

Man hat zwar nicht Ursache zu wünschen, daß die Einwohner der Welt so dumm werden möchten, wie die ehemahligen alten Preußen, oder wie andere Nationen, welche diese noch wohl in der Dummheit übertrafen, und die sich aus finstern Aberglauben ein Bedenken mach<41, 35>ten, die von einem unter dem päpstlichen Banne begriffenen Kaiser übrig gelassene Speise zu verzehren, und an statt derselben wohl gar mit Heu ihren Magen angefüllt hätten. Es ist ein Glück unserer Zeiten, daß der Aberglaube nicht an allen Orten seinen schädlichen Aufenthalt findet, daß die Jugend, besonders auf dem Lande, besser unterrichtet wird, daß keine Hexen mehr verbrannt werden, weil der Teufel keine leichtgläubige Dummköpfe jetzt auffinden kann, und seine Wirksamkeit durch den gründlichen Unterricht der Menschen in der Religion mehr eingeschränkt worden ist. Ein gewisses Maß der Klugheit ist daher allen Menschen heilsam; aber zu viel, worüber man jetzt klagen muß, oder zu wenig, welches in den Jahrhunderten der Barbarey Statt fand, verursachen schlechte Zeiten.

Rousseau scheint auf seinen Plan der Erziehung durch den Gedanken gebracht zu seyn, daß die Menschen jetzt klüger werden, als sie werden sollen, da er sie nach seinem Entwurfe als junge Thiere sich selbst und der Natur will überlassen haben; allein er verlässet hierbey die Mittel=Straße, und die Menschen würden durch ihn in die vorige Dummheit verfallen. Denn wie die Menschen von Natur ohne eine vernünftige Erziehung gerathen, zeigen die in den Wäldern gefundenen Thiere in menschlicher Gestalt. Daß aber auch jetzt die Kinder in der Schulen vor der Zeit zu klug werden, ist offenbar. Nur noch vor 60 Jahren, kamen Leute von solchem Alter kaum auf die hohe Schule, die jetzt schon zu einem Amte gelangen; daher sie in demselben auch gemeiniglich eine Schwäche des Gemüthes und einen Mangel reifer Ueberlegung an den Tag legen. Vielleicht würde auch mancher ein höheres Alter erreichen, wenn er nicht in früher Jugend, da der Körper noch wachsen sollte, zu klug gemacht würde. Und da junge Kinder die größere Freyheit, in welche sie nach ihren Schul=Jahren gesetzt werden, mehrentheils zu ihrem <41, 36> Unglück anwenden, so dürfte es sehr heilsam seyn, wenn man auf Mittel dächte, sie länger im Schul=Zwange aufzuhalten. So wie aber diesen die zu geschwinde gefaßten Wissenschaften nachtheilig werden, so trägt die größere Klugheit der Menschen nach verschiedener Absicht sehr viel bey, die Zeiten immer mehr zu verschlimmern.

Das Uebel wird desto nachtheiliger, wenn die Klugheit sich mit einem boshaften Willen verbindet, und in eine allgemeine Arglist ausartet. Dieses ist eben der traurige Fall, in welchem die Menschen sich in dem gegenwärtigen Welt=Alter befinden, und welcher wechselweise Klagen über schlechte Zeiten veranlasset. Der Arglistige, welcher seinen fähigen Verstand gebraucht, verwerflichen und boshaften Absichten den Schein der Tugend zu geben, auch Mittel erfindet, dieselben unter solcher Maske auszuführen, welcher sich mit anderer Menschen Schaden zu helfen sucht, heißt nunmehr ein Kluger. Da nun beynahe alle Menschen überklug, und folglich klüger sind, als sie seyn sollten, so kann es nicht anders, als für die menschl. Gesellschaft höchst nachtheilig seyn, da die Geschicklichkeit ihres Verstandes dem boshaften Willen zu Statten kommt, daß sie nicht nur desto unmerklicher und versteckter, sondern auch desto öfter schaden. Sie sind aufgeweckt und scharfsinnig in Bemäntelung ihrer unredlichen Absichten und Handlungen, und aus jedem Streiche, der ihnen gelungen ist, suchen und finden sie hundert Folgerungen, durch die sie mit Anderer größtem Nachtheil sich Nutzen verschaffen. In solcher Lage finden wir uns heutiges Tages; und mich däucht, daß der wahre Grund schlechter Zeiten darin anzutreffen sey.

Eben darum, weil die Menschen zu klug sind, fügen sie sich unter einander viel Verdruß zu; sie empfinden auch deshalb mehr ihr unvermeidliches Unglück, und endlich bilden sie sich daher vielfältig Unannehmlichkei<41, 37>ten ein, die gar nicht vorhanden sind. Das Band und die Wohlfahrt der menschl. Gesellschaft gründet sich darauf, daß einer von dem andern abhange, daß einer durch des andern Beyhülfe lebe, und durch die Dienste, welche er dem andern leistet, seinen Unterhalt und Bequemlichkeit sich verschaffe. Von einem andern abhangend zu seyn, ist allemahl beschwerlich, und der Schwächere wird nur so lange von dem Stärkern abhangen wollen, und dabey zufrieden seyn, als er das Unangenehme davon nicht einsieht, oder seine Kräfte nicht kennt, oder sie nicht zu gebrauchen weiß. Würde der Ochs mit einmahl so klug wie der Bauer, so würde er sich schwerlich zum Pflügen gebrauchen lassen; und wenn das Pferd so klug wäre wie sein Reiter, so ist leicht zu urtheilen, was für Folgen dieses haben würde. Ein Bedienter, der klüger ist, als sein Herr, wird diesem mehrere Gelegenheit geben, sich über ihn zu beschweren, als ein einfältiger. Nachdem nun die Menschen so allgemein klug geworden sind, wollen sie alle befehlen, und keiner will in dem dienstbaren Berufe bleiben, darin er geboren ist. Es ist so gar unrichtig nicht gedacht, wenn einige meinen, daß der Bauer zu klug werden könne, und man daher den Schul=Anstalten auf dem Lande nöthige Gränzen anweisen müßte. Sollte ein jeder Acker=Mann mit der Zeit zu einer höhern Kenntniß, und gar dahin gelangen, daß er die Wissenschaften liebte, im Nachdenken und Lesen sein größtes Vergnügen fände, und, an statt mit einfältigem Gehorsam seiner ihm anbefohlenen Arbeit nachzugehen, über alles vorher klügelnd und vorwitzig urtheilte, so würde er seinen mühsamen Feldbau und die Viehzucht mit äusserstem Verdrusse treiben, für seine gegenwärtige Bestimmung und für die bürgerliche Gesellschaft ganz unbrauchbar, und sein Schicksal ihm selbst unerträglich werden. Hieraus müßte der äusserste Nachtheil sowohl für das ganze gemeine Wesen, welchem viele dienstbare Bauern nützli<41, 38>cher sind, als lauter tiefsinnige Gelehrte, *

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Multorum manibus egent res humanae, paucorum capita fufficiunt.

als auch für die eigene Glückseligkeit und Zufriedenheit des Landmannes, entstehen. Dem Himmel sey Dank, daß wir diesen gefährlichen Zeitpunct, verschiedener Ursachen wegen, nicht so leicht zu befürchten haben! Indessen ist doch nicht zu läugnen, daß der Bauer auch schon jetzt anfängt für seine Bestimmung etwas zu klug zu werden, und deshalb öfters zu gegründeten Klagen über schlechte Zeiten Veranlassung gibt. Der zu klug gewordene Bauer=Junge strebt darnach, wie er über die Bauern herrschen, und Schulze werden möge. Der Ehrgeitz belebt den Dorf=Schulzen, Beamter, und des Beamten Sohn, ein großer Herr zu werden. Weil nun alle diese öfters ihre unruhige Wünsche nicht erfüllt sehen, so klagen sie über schlechte Zeiten. Einige von diesen werden das in der Einbildung, was sie in der That nicht werden können. Ihr Stolz und Aufwand wächst nach der eingebildeten Größe, sie selbst verarmen dabey, und wälzen die Schuld davon auf den Verfall der Zeiten. Sehr viele werden gar nichts in der Welt, und stellen bloße Nullen in der bürgerlichen Gesellschaft vor, weil sie das nicht werden können, was sie werden wollen, und bleiben unnütze Glieder des States, dem sie mit dem Pfluge oder Meißel gute Dienste hätten leisten können.

Wer ungern dient, dessen Dienst ist allemahl schlecht; und wer seine Beschäftigungen mit Verachtung ansieht, wird solche gewiß vernachlässigen. Weil nun die Anzahl solcher Leute, welchen die Beobachtung übernommener Pflichten sehr gleichgültig ist, in allen Ständen angewachsen ist, so müssen die Zeiten natürlicher Weise sehr schlecht werden. Bey der größern Fähigkeit des Verstandes lernen Viele die Be<41, 39>schwerden kennen, die sie vorhin als solche nicht empfanden, wodurch sie schon unglücklich werden. Eine jede Beschwerde ist nur dem unangenehm, der sie als solche kennt; und der Dienstbothe und Sclave arbeitet so lange mit Lust, bis seine aufgeklärte Einsicht ihn belehrt, daß seine Lebens=Art mit großem Ungemache verknüpft ist.

Unsere Vorältern glaubten bey ihrer Einfalt im rechten Ernst: wenn sie nicht arbeiteten, so dürften sie auch nicht essen; und weil sie gern aßen, so arbeiteten sie auch fleißig, um mit Recht einen Anspruch auf die Speise zu machen. Bey solcher löblichen Meinung waren vormahls mehrere wirksame Leute als jetzt, da nur viel von Kunst, Fleiß und Arbeitsamkeit geschrieben und geredet, aber desto weniger vollbracht wird. Die nunmehr klüger gewordenen Menschen haben gelernt, daß Essen und Arbeiten nicht nothwendig sich auf einander beziehen, und füglich von einander getrennet werden können; daher sie bey allem Müßiggange einen größern Ueberfluß bey ihren Mahlzeiten eingeführt haben, als man bey den mäßigen Alten wahrgenommen hat. Die kluge Welt versteht jetzt die Kunst, ohne Arbeit und mit der größten Bequemlichkeit durch Lotterien reich zu werden, welches den stumpfen Köpfen unserer Vorältern verborgen war. Andere, die die größte Abneigung gegen alle Arbeit bey sich empfinden, denken darauf, wie sie sich auf Kosten des States alles mögliche zu gute thun mögen, ohne demselben nützliche Dienste zu leisten, oder geleistet zu haben, und sehr viele nehmen ihre Zuflucht zum Betteln, weil dieses der kürzeste und leichteste Weg ist, zum Unterhalt zu gelangen. Von Andern wird die Arbeit nur als eine Zeitkürzung unternommen, und jener wird überdieß ein sehr hoher Werth bestimmet. Ein Jeder wünscht sich eine einträgliche und dabey bequeme Bedienung, und die Losung bey dem Gesundheit=Trinken <41, 40> ist: viel Geld und wenig Arbeit! Unter hundert Candidaten, die sich bey der Erledigung jedes Amtes um dasselbe bewerben, und eben dieser Menge wegen klagen, daß zu viele Menschen in der Welt sind, ist kaum Einer, der im Ernst den Vorsatz hätte, im Amte nützlich sich zu beschäftigen; die mehresten suchen vielmehr eine Bedienung, weil sie eine beschwerliche Arbeit scheuen. Nach diesem Triebe der heutigen klugen Welt, widmen sie sich sehr gern solchen Aemtern, welche die wenigste Mühe erfordern, die aber nur selten gemeinnützlich zu seyn pflegen. Selbst die ungeschickten Candidaten, die in ihrem öftern Gesuche, mit einem Amte versorget zu werden, abgewiesen sind, glauben ein Recht zu haben, über schlechte Zeiten Klage zu führen, weil man in unsern Tagen schärfere Prüfungen anstellt, da in vorigen Zeiten viele dumme Leute zu einem Amte haben gelangen können. Wie sehr wäre nur zu wünschen, daß sie in diesem Urtheile sich nicht irreten!

Der Handel, ohne welches vortreffliche Nahrungs=Geschäft kein blühendes gemeine Wesen, nach unserer jetzigen Einrichtung bestehen kann, hat sichtbar abgenommen, weil die Menschen zu klug geworden sind. Ehe die Engländer, Dänen, Schweden und andere Nationen so klug waren, zu begreifen, wie sie auch Häringe fangen könnten, hatten die Härings=Fischer in Holland bessere Zeiten, da nun viele von ihnen nur einen mäßigen Gewinn ziehen. Als nur noch in einigen Ländern Manufacturen und Fabriken angelegt waren, hatten diese davon ansehnliche Vortheile; nachdem aber dieselben allenthalben in großer Menge eingerichtet worden sind, und man aller Orten alles selbst verfertigt, was man vorher von seinen Nachbarn erhielt, so hat der wechselweise Verkehr aufgehört, ein jedes Land verbiethet die Einfuhre fremder Waren, der Umlauf des Geldes ist gehemmet, man hört überall Klagen über schlechte Zeiten und schlechte Waren. Die einigen <41, 41> Franzosen, oder vielmehr nur ein Theil der Einwohner von Paris, leben noch von der Einfalt der Deutschen und anderer Nationen, die noch nicht klug genug sind, zu begreifen, wie sie selbst hohe Kopfzeuge, neuen Putz und tausend andere Moden erfinden könnten; sollten aber diese selbst so klug werden, allerley Puppen=Spiele zu schaffen, so würden jene die übeln Folgen für sich davon verspüren. Vormahls war man von so stumpfem Verstande, daß man sich eines Bankerottes schämte; jetzt aber ist man so klug geworden, durch denselben reich und glücklich zu werden, und man begegnet dem mit vieler Achtung, dessen Witz ihn drey oder vier Mahl hat spielen können. Da in vorigen Zeiten nur so viel Kaufleute waren, als nach der Menge der Käufer gerade seyn sollten, so wurden jene reich; nachdem aber viele so klug wurden, die damit verknüpften Vortheile zu bemerken, seit dem ein Jeder ein großer Kaufmann seyn, und nicht mehr bey dem Handel dienen, sondern befehlen will, so benehmen sie sich das Brod, und zwingen sich unter einander, ihre Waaren mit Schaden zu verkaufen. Aus einem ähnlichen Grunde führen die Materialisten, Fabrikanten, Wein= und Bier=Schenken, Höker, Handwerker, Mieth=Kutscher, Trödler, Friseurs, u. a. m. gleiche Beschwerden, da von jeder Classe dieser Leute eine größere Anzahl vorhanden ist, als sich füglich ernähren können. Beynahe befindet sich zu unsern Zeiten keine einzige Kunst in recht blühendem Wohlstande, und die mehresten müssen nach Brod gehen, weil die Menschen so klug geworden sind, daß sie ausser dem glänzenden Blendwerke in der Kleidung und in zierlichem Hausgeräthe, sich so sehr einschränken, daß sie dergleichen Dinge, die sie füglich entbehren können, nicht ankaufen, und desto mehr für ihre Zunge und Magen übrig behalten, daher sie rechtschaffene Künstler nicht nach Würden bezahlen. Die geschicktesten, welche sich noch zuweilen hervor finden, be<41, 42>geben sich in solche Länder, wo die Einwohner noch nicht so klug sind, um daselbst ihr Glück zu machen. Da man heutiges Tages so klug geworden ist, sich um das Nothwendigste, d. i. um den Unterhalt und die Bequemlichkeiten dieses Lebens, zu bewerden, so werden deshalb in manchen Ländern alle brodose Künste, zu welchen man auch die angenehmen Wissenschaften zählt, nachgesetzt. Niemand glaubt diese Art von Gelehrsamkeit heutiges Tages nöthig zu haben, weil bey Bestellung der einträglichsten Aemter nicht die geringste Rücksicht darauf genommen wird, und niemand ist mehr so einfältig, seine beste Jahre der Jugend damit zu verderben, da er ohne dieselben zu seinem Zweck gelangen kann.

Wie glückselig waren die ehemahligen Zeiten, da man noch so einfältig sprach, wie man dachte, und keine Schmeichler leiden konnte! Jetzt hat man gelernt, wie die Wahrheit den Haß auf sich lenke, und niemand ist mehr so einfältig sich durch sie Anderer Feindschaft zu zuziehen. Die allgemeine Falschheit ist nunmehr eine Geburt der größern Klugheit; und da vor Zeiten ein Jeder glaubte, wie man sein Versprechen halten, und eine Zusage wirklich etwas bedeuten müsse, auch daß die Rede: ein Wort, ein Mann! eine Regel vorzeichne, die einen Jeden zur Erfüllung seines Versprechens verpflichte: so fand man unnöthig, sich noch überdem eine schriftliche Zusage geben zu lassen. Es blieben die Zeiten auch noch erwünscht, als nur Wenige die Entdeckung machten, wie man davon keinen Schaden hätte, wenn man gleich mit seinem Worte sich keine Verbindlichkeit, es zu halten, anlegte; denn diese wenige Kluge konnten unter der Maske des ehrlichen Mannes desto leichter betriegen, weil so viele Einfältige ihnen traueten. Allein, da nun alle so klug geworden waren, einzusehen, daß man kein Sclave seiner Worte seyn dürfte, und daß dieses vielmehr einen hohen Stand be<41, 43>zeichne; da nun ein Jeder bey sich überzeugt ist, daß er sein Wort nicht halten werde, und fest entschlossen, sich an dasselbe nicht zu binden, dieses auch von andern Menschen eben so wenig erwartet: so wird nunmehr auch keinen Eidschwüren getrauet, und der ehrliche Mann, dem niemand auf sein Wort und Angesicht borgen will, hat wohl Ursache, über schlechte Zeiten, oder über die Klugheit seiner Mitbrüder, zu klagen. Bey der vormahligen Einfalt glaubten wenigstens alle Eheleute, verbunden zu seyn, ihre feyerliche Zusage zu halten; nachdem sie aber klüger geworden sind, so verstehen viele die Kunst sich auch davon los zu machen.

So schlecht aber auch die jetzigen Zeiten seyn mögen, so findet man doch vieles, gegen die vorigen, wo man allein auf Sparsamkeit und Nothdurft dachte, verschönert; und diese glückliche Veränderung lässet sich allein durch die größere Klugheit der Menschen erklären. Ehemahls fand man in dem Hause eines mittelmäßigen Bürgers einen großen eichenen oder steinernen unbeweglichen Tisch, einige Banken, und für die Fremden zwey oder drey mit Leder bezogene Stühle, und einen kleinen Spiegel; jetzt aber sieht man daselbst tapezierte Zimmer, und in denselben das kostbarste Geräth, Tische von Marmor und ausländischem Holze, Porzelian, große Spiegel, prächtige Stühle und Ruhe=Sessel, Spiel=Uhren, Papageyen, die prächtigsten Gemählde etc. so man vor hundert Jahren in dem Hause eines Fürsten oder Grafen bewundert hätte. Bediente von mittlerm Range, und noch viel mehrere Kaufleute, Krämer, Brauer etc. fahren jetzt in bessern Kutschen, als vormahls regierende Herren. Eine Bürgers=Tochter tritt in ihrem festlichen Kleide wie eine Hof=Dame einher, deren Großmutter noch vor 60 Jahren ein weißes Tuch um den Leib geschlagen, und den Kop mit einer braunen Pelz=Mütze geschmückt hatte, auch in dieser einfältigen Tracht auf den Markt ging Lebens=<41, 44>Mittel einzukaufen. Der Großvater jenes klugen jungen Herrn, den man des glänzenden Anputzes wegen für einen Gesandten oder ersten Bedienten des Hofes halten möchte, hatte in den Werk=Tagen ein ledernes Schurz=Fell an den Lenden, in Fest=Tagen aber einen tuchenen Mantel auf den Schultern, und nährte sich als ein ehrlicher Lichtzieher. Wie sehr zeichnen sich unsere Speisen und Getränke gegen die vorigen Zeiten aus! Limonade, Orgeade, Punsch, Bischof, Chocolate etc. sucht man vergeblich in den alten Wörterbüchern, weil die Leute damahls nicht so klug waren. An statt daß vormahls die Aeltern in den Erhohlungs=Stunden sich mit ihren Kindern von der Religion unterredeten, ihnen gute Lehren einschärften, oder ihr Hauswesen untersuchten, wählt man jetzt, an statt jener einfältigen Unterhaltung, die verbesserten Schauspiele, und viel witzigere Gespräche von der Geschicklichkeit und schönen Stimme der handelnden Personen, oder kostbare Glücks=Spiele. Da sehr viele Glieder des gemeinen Wesens, von welchen man doch weiß, wie sie von Schulden gedrückt werden, oder wie ihre Besoldung oder der Verdienst nur sehr mittelmäßig ist, einen ausserordentlichen Aufwand machen, dergleichen die wenigen redlichen, aber einfältigen Mitbürger, auch ohne Schulden und mit bessern Einkünften nicht machen können: so muß man nothwendig auf die Gedanken kommen, daß diese die allgemeine Denkungs=Art der klugen Welt nicht angenommen haben, und noch von der alten Einfalt benebelt werden, jene aber klüger seyn müssen, und das Geheimniß von dem Umlaufe des Geldes zur höchsten Vollkommenheit gebracht, und, mit schöpferischem Verstande aus nichts etwas zu machen, gelernt haben. Diejenigen, welche von ihren Aeltern oder Verwandten ein ansehnliches Capital geerbt haben, welches diese in Kasten einschlossen, oder auf Zinsen ausliehen, bringen solches in Umlauf. Hierbey trägt sich zwar man<41, 45>che Unregelmäßigkeit zu, indem das Geld niemahls in die Hände dessen zurück kommt, der es zum Umlauf gebracht hat; allein, wenn die Quelle erschöpft ist, so wird man durch die neuere Klugheit auf Mittel geführt, diesen Mangel zu ersetzen. Denn fehlt es an barem Gelde, so mangelt es doch nicht an Credit. Der Krämer, der Wein=Händler, Fleischer, Bäcker, Schneider, der Jude, der Wucherer, der Pfandnehmer etc. sind von so gutem Herzen, daß sie den Stat eines Mannes, dessen Beutel schon längst ausgeleert ist, auf gute Hoffnung besserer Zeiten unterhalten. Diese verlieren zwar öfters ihre Forderungen, und klagen über den Verfall der Zeiten, in welchen es so kluge Leute gibt, die sich auf Anderer Kosten alles mögliche zu gute thun können; sie sind aber auch selbst so klug, daß sie sich an Andern schon zu erhohlen wissen. Einige haben es in der Klugheit so weit gebracht, daß sie fremde, ihnen zur Verwahrung anvertrauete Gelder sehr wohl zu brauchen wissen, oder sie verstehen die Kunst, die noch übrigen wenigen Einfältigen zu bereden, daß sie ihnen gestatten, ihr Geld in Umlauf zu bringen. Sie leihen, gewinnen oder heurathen es ihnen ab, oder zwingen sie durch falsche Eidschwüre, kluge Rechnungen und listige Processe, dazu. Tausend andere Künste hat die Klugheit erfunden, von des Andern Vermögen, so lange man lebt, Aufwand zu machen, bey dem Absterben aber Frau und Kinder an die löblichen Armen=Anstalten zu vermachen. Man ist auch zu klug sich dieses zur Schande zu rechnen, da man aus der Geschicht=Kunde so viel noch gelernt hat, wie Familien steigen und fallen müssen. Einige weniger kluge gerathen zwar schon bey ihrem Leben in die dürftigsten Umstände; sie haben sich doch aber bey ihrer mittelmäßigen Klugheit so wohl vorgestanden, daß sie deshalb nicht unglücklich werden. Wenn es ihnen gleich fehlschlägt, daß sie, wie jener ungerechte Haushalter, sich solche Freunde erkaufen mö<41, 46>gen, von welchen sie die übrige Lebenszeit aufgenommen werden, indem diese bey ihrer Klugheit ein sehr schwaches Gedächtniß haben, und die im Wohlstande ihnen erzeigten Wohlthaten sehr bald vergessen: so genießen sie doch einige andere Vortheile bey dem Verfalle ihres Glücks=Standes. Weil sie viele Jahre ihre Füße geschonet haben, so können sie nun in der übrigen Zeit desto gemächlicher zu Fuße gehen; und weil sie den Magen durch vieljährigen Ueberfluß im Essen und Trinken verdorben haben, so bedarf derselbe von nun an desto wenigerer Nahrungs=Mittel.

Wenn ich mir dieses alles, und viel mehreres, so ich noch sagen könnte, vorstelle, so muß ich den Grund von den jetzigen schlechten Zeiten zu der größern Klugheit der Menschen zurück führen. Sie sind aber auch selbst so einfältig nicht, daß sie diese Ursache ohne mich nicht einsehen sollten. Die Mutter, welche heutiges Tages ihre vierzehnjährige Tochter schon bewachen muß, seufzet, daß die Mädchen zu früh klug werden, und der Vater, daß er nicht einfältige Söhne gezeuget hat, die ihr Glück mehrentheils in der Welt besser, als die klugen, machen. Der Unter=Richter, dessen Befehle vor Zeiten Gesetze waren, klagt jetzt über Mangel des Ansehens, weil der gemeine Mann so klug ist, daß er von seinem Richter=Spruche sich immer zu höhern Gerichts=Stühlen wendet. Der geistliche Redner, welcher jetzt nicht mehr, wie vormahls, seinen Jahrgang von Predigten ablesen darf, klagt, daß seine Zuhörer zu klug geworden seyn. Manche hohe Schule klagt über den jetzigen Mangel ausserordentlicher Lehrer, die vormahls einigen Unterricht der Jugend unentgeltlich übernahmen, und auf Hoffnung, dereinst zu einer geringen Besoldung zu gelangen, treulich arbeiteten. Man schreibt diesen Mangel billig dem Umstande zu, daß die Leute klüger geworden sind. Denn nachdem diese Stellen theils selten demjenigen zufielen, die sie <41, 47> von Rechts wegen hätte erhalten sollen; theils wenn sie solche erhielten, davon auch nicht einst kümmerlich leben konnten, zumahl die Studierenden auch klüger geworden sind, daß sie dasjenige nicht für Bezahlung hören mögen, was sie öffentlich und ohne Geld lernen können: so begeben sich die geschicktesten Männer theils an solche Oerter, wo sie sich unterhalten können, und theils bewerben sie sich um solche Aemter, bey welchen sich mehr gewinnen lässet. Der alte Gelehrte, der vormahls als ein Stern der ersten Größe schimmerte, klagt über die Zeiten, daß man entweder die Wissenschaften zu hoch getrieben, oder ihnen vielmehr jetzt, nach der Erzählung vom Hute, eine veränderte Gestalt gegeben habe. Der Dichter beklagt sich über die eiteln Kunstrichter, die zu viel begehren, seltene Vollkommenheit verlangen, erhabene Gedanken aber, zu deren Erfindung er jedoch unfähig oder auch zu klug ist, sich damit den Kopf zu zerbrechen, sehr geringe schätzen. Der Mahler, welcher vorher seine Kunststücke sich theuer bezahlen ließ, stimmet heutiges Tages auf dem Gerüste, wo er das Haus abputzen muß, traurige Klagelieder an, daß die Zeiten sich verschlimmert haben. Der Soldat, der sonst den Winter ruhig in seiner Hütte zubringen konnte, flucht, daß man in neuern Zeiten so klug geworden ist, im härtesten Winter Feldzüge zu unternehmen. Der ehrliche Mann, der bey aller seiner Vorsicht um sein ausgeliehenes Capital gekommen ist, weint über die heutigen feinen Erfindungen der klugen Welt; und der Betrieger klagt über schlechte Zeiten, weil die Leute jetzt klüger geworden seyn, und sich nicht so leicht, wie vormahls, hintergehen lassen. So gar der alte Dieb betheuert, wie ihm in vorigen Zeiten, da die Leute nicht so sorgfältig, wie jetzt, ihr Gut bewahreten, sein Handwerk leichter geworden sey, und er damahls wenigere Klugheit habe anwenden dürfen, um zu seinem Unter<41, 48>halte zu gelangen, und bey seiner Lebensart nicht ertappet zu werden.

Siehe auch Pfeil-IconStats=Klugheit, Pfeil-IconWelt=Klugheit.

Klugheits=Lehre, siehe oben, Pfeil-IconS. 32.

Klüglich Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , auf eine kluge Art, mit Klugheit, doch nur in der dritten engern Bedeutung des Bey=Wortes, und in der zweyten engern Bedeutung des Haupt=Wortes. Seine Sachen klüglich einrichten. Klüglich handeln. Jemanden klüglich zuvor kommen.

Klügling Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , Fr. Rafineur, Critique, Epilogueur, eine Person welche klügelt, den Zusammenhang der Dinge vorwitzig zu erforschen sucht, ein Klügler; imgl. wer sich klug dünket, ohne es zu seyn, bey dem Logau ein Gerneklug, im g. L. ein Naseweis, Nieders. Wieshoon, Wiesnäse, Wieshüsgen, Wiesdömling. Es wird von beyden Geschlechtern gebraucht. Sie ist ein Klügling.

Klump Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (der) plur. die Klümpe, im g. L. Klümper, Diminut. das Klümpchen, Oberd. Klümplein, ein Wort, welches mit dem folgenden Klumpen einerley ist, aber doch nur in einigen Fällen des gem. Lebens, von kleinern Klumpen, d. i. unförmlichen Massen weicher, aber dabey zäher Körper, üblich ist. So werden die Klöße, so fern sie eine Speise sind, in einigen, besonders nieders. Gegenden, Klümpe, Klümper, Klümpchen, im Oberdeutschen aber Klümpfe, genannt. Eben diesen Nahmen führen an einigen Orten die Klöße oder Erd=Schollen auf dem Acker. Auch die festern Theile des Breyes, Kleisters und anderer ähnlichen flüssigen, aber dicklichen Körper, welche sich zusammen geben, heißen Klümper; z. B. die Klümper in der Butter=Milch. Siehe Pfeil-IconKlümpern und Pfeil-IconKlümperig. Ein Klümpchen Butter, Teig, Lehm, u. s. f. Im Nieders. werden dergleichen Klümper oder kleine Klumpen auch Klunker genannt.

Klump=Bollen, Johannis=Lauch; siehe Pfeil-IconLauch.

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Klump=Eichel, siehe im X Th. Pfeil-IconS. 213.

Klump=Fisch Klassifizierung: 597.64 Acanthopterygii (Stachelflosser)DDC-Icon , Mola Salv Aldrov. Ionst. et Charlet. Piscis Mola s. Luna Jacobaei, Orthragoniscus s. Luna piscis Gesn. Ostracion cathetoplateus subrotundus inermis asper, pinnis pectoralibus horizontalibus, foraminibus quatuor in capite Arted. Ostracion subrotundus, breuis, latus, fcaber, pinnis dorsi anique lanceolatis, caudae proximis Gronov. Crayracion anomalus piscis, quod cauda omnino caret Klein. II Kamar Forskäl. Tetrodon Mola, T. laevis, compressus, cauda truncata, pinna brevissima, dorsali analique annexa Linn. Diodon Mola Bloch. Man erkennt diesen Fisch an seiner sich sehr auszeichnenden breiten und hinterwärts abgestumpften Gestalt; und da diese ihm das Ansehen gibt, als wäre er ein abgeschnittener Kopf eines Fisches, so nennt ihn Hr. D. Bloch; *

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Im 1 Th. seiner Naturgeschichte ausländischer Fische, (Berl. 1785, gr. 4.) S. 75.

den schwimmenden Kopf; Andere nennen ihn den Mond=Fisch; Müller den Mühl=Fisch oder Mühlstein=Fisch *

*
Zu dieser Benennung hat der lat. Nahme Mola Anlaß gegeben, welcher aber nicht bloß eine Mühle, sondern auch eine jede ungesialte Frucht oder Mißgeburt bey den Thieren anzeigt, und daher ist dieser Fisch, seiner ungestalten Form wegen, Mola genannt worden. Diese Herleitung drückt auch der deutsche Nahme Klump=Fisch, welchen ihm Hr. Prof. Titius gibt, sehr gut aus.

in Holland heißt er Molensteenvilch; in England, Sun-Fish und Molebute; in Frankreich Lune, in Marseille besonders Mole; in Spanien, Bont; in Italien, Pefce Tamburo, weil er wegen seines runden Körpers gleichsam eine Trommel vorstellt, auch Molo. und Pefce Porazzo; und auf der Insel Malta, Kamur. In der Brust=Floße zählt Hr. D. Bloch 13, in der After=Floße 16, in der Schwanz=Floße 14, und in der Rücken=Floße 17 Strahlen. Der breite Körper geht oben und unten in eine Schneide aus, wel<41, 50>che durch eine hervor ragende Haut gebildet wird; die Oberfläche ist rauh anzufühlen, und der Kopf lässet sich von dem Rumpfe nicht unterscheiden. Die Mund=Oeffnung ist klein, und die beyden entblößten, und in der Mitte gebogenen Kinnladen gleichen einem Vogel=Schnabel. Die Augen stehen unweit der Scheitel, sind groß, und haben einen schwarzen Stern, der von einem weißgelben Ringe umgeben ist. die Nasen=Löcher sind einfach, und zwischen der Mund=Oeffnung und den Augen befindlich. Der Rücken ist gran. Die Seiten und der Bauch haben eine Silber=Farbe; daher er von Einigen auch Silber=Fisch genannt wird. Die Bauch=Floßen und die Seiten=Linie fehlen. Die Brust=Floßen sind klein, vielzweigig gestrahlt, und haben bey ihm eine ganz andere Richtung, als bey den übrigen Fischen, indem sie nicht, wie gewöhnlich, perpendikular, sondern horizontal stehen; sie sind nähmlich nicht nach der Breite, sondern nach der Länge des Fisches, am Rumpfe befestigt. Sie dienen daher nicht zum Fortstoßen, sondern den dünnen und breiten Körper in Gleichgewichte zu erhalten, und sich auf die eine Seite zu legen. Letzteres geschieht, wenn er die eine Floße an sich zieht, und mit der andern gegen das Wasser zu schlagen fortfährt; er fällt alsdann auf die Seite. Diese Stellung nimmt er, wenn er ruhen will, an, und man kann sich alsdann seiner leicht bemächtigen. So erzählt Brünniche, *

*
Pisc. Mass. p. 8.

daß, als man von seinem Schiffe dergleichen schlafenden Fisch auf dem Meere bemerkt habe, ein Boths=Knecht hinein gesprungen sey, ihn im Sprunge ergriffen und heraus gehohlt habe. Die Rücken= und After=Floße sind lang, sitzen am Ende des Körpers, und sind mit der kürzern Schwanz=Floße verwachsen. Die Strahlen in den beyden ersten, theilen sich am Ende in so viele kleine Neben=<41, 51>Zweige, daß sie gleichsam eine zottige Haut vorstellen, welche, statt der Brust=Floßen, zum Fortstoßen des Körpers dienen. Denn da die Schwanz=Floße sehr kurz ist, so kann der Fisch dieselbe nur zum Lenken, und nur wenig zum Fortstoßen gebrauchen. Die Haut, welche die Schwanz=Floße einschließt, ist dick, und ihre Strahlen sind einfach. Vermittelst der Rücken= und After=Floße wird der Fisch in den Stand gesetzt, wenn er seiner Nahrung nachgeht, sich nach dem Grunde des Meeres zu begeben, und wieder in die Höhe zu steigen. Jenes geschieht, wenn er die After=Floße an sich zieht, und mit der Rücken=Floße gegen das Wasser stößt; und dieses bewirkt er durch eine gegenseitige Richtung derselben.

Die Leber ist groß, getheilt, die Gallen=Blase weit, und der Gallen=Gang öffnet sich im Magen unweit dessen obern Oeffnung. Die Nieren sind weit, und die Harn=Leiter endigen sich am Grunde der Harn=Blase. Der Harn=Gang hat eine besondere Oeffnung hinter dem After. Der Darm=Canal ist weit, und, wie bey den vierfüßigen Thieren, mit vielen Windungen versehen.

Dieser Fisch ist, ob er sich gleich in dem mittelländischen Meere aufhält, den Griechen und Römern unbekannt geblieben. Dem Salvian haben wir die Bekanntmachung desselben zu verdanken. Derjenige, den er beschreibt, wog 100 Pfund; allein in der Nord=See, zu deren Bewohnern er ebenfalls gehört, erwächst er zu einer ungeheuern Größe. Burlace gedenkt eines bey Plymouth gefangenen, von 500 Pfund. Auch im mittelländischen Meere wird er 8 bis 10 Fuß lang angetroffen. Ausserdem ist er auch an der Küste von Dalmatien und am Vorgebirge der guten Hoffnung zu Hause. Er hat ein sehr weißes Fleisch, welches durch das Kochen in einen zähen Schleim aufgelöset wird; es ist aber wegen des thranigen Geschmackes unangenehm, <41, 52> und dergestalt an der Haut angewachsen, daß es nur durch ein scharfes Messer mit Mühe davon getrennet werden kann. Es ist mit Fett durchwachsen, das beym Kochen ein Oehl gibt, welches wegen seines übeln Geruches nur zur Lampe als Thran gebraucht wird. Ausser diesem Oehle wird weiter nichts, als die Leber, genutzet, die, wenn sie mit Nelken gespickt und in Wein gestoft wird, ein wohlschmeckendes Gericht abgibt.

Dem Salvian haben wir auch die erste und gute Zeichnung zu verdanken, welche die folgenden Ichthyologen bald besser, bald schlechter, copiert haben. Bis auf den Artedi wurde dieser Fisch besonders abgehandelt, aber dieser Systematiker führte ihn unter den Bein=Fischen auf, ob er gleich mit denselben nicht die mindeste Aehnlichkeit hat.

Linné irrete darin, daß er ihn unter die mit 4 Zähnen versehenen Fische zählte, und ihn Tetrodon nannte, da er doch nichts weniger, als gespaltene Kinnladen, welche die Zähne vorstellen, hat.

Dieser Fisch weicht, in Ansehung seiner Gestalt, so sehr von den übrigen seiner Classe ab, daß man ihm mit Rechte eine eigene Gattung widmen, und den abgestumpfen Schwanz zum Gattungs=Kennzeichen machen sollte. Da Aldrovand *

*
De piscibus, p. 413.

einen länglichen, den auch Pennant *

*
British Zoology, p. 129, n. 54.

beschrieben hat, und Pallas *

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Spicil. zool. Fasc. 8, p. 39, Tab. 4, fig. 7

einen runden dieser Art bekannt gemacht hat, so würde diese Gattung vorjetzt drey Arten in sich fassen.

Die 4 Löcher im Kopfe, welche Artedi *

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Synops. p. 83, n. 4.

als Kenn=Zeichen dieses Fisches mit angibt, hat Hr. Bloch an dem Exemplare, welches Hr. Hof=Medicus Taube, in Zelle, ihm zum Abzeichnen mitgecheilt hatte, nicht finden können.

A paper concerning the Mola Salu, or Sun-fish, and a glue made of it, communicated by Mr. Will. Barlow to the President of the R. S. dated Stocke-Dock near Plymouth, Devon, June 29. 1734. st. in Philos. Transact. Vol. XLI, Part. 1, No. 456, for Jan. -- June 1740, S. 343 -- 345.

<41, 53>

Jani Planci anatome et descriptio piscis Molae, st. in Commentar. Acad. Bononiens. To. II. P. 2, Bonon. 1746, 4. S. 297 -- 305.

D. übers. u. d. T. Hrn. Janus Plancus Beschreibung des Klumpfisches, in zween Briefen an den Hrn. Joseph Monti, übersetzt von J. D. Titius, st. n. Abbild. im 1 St. des 18 B. des Hamb. Magaz. (Hamb. und L. 1757, 8.) S. 3 -- 18.

Eine andere Uebersetz. u. d. T. Hrn. Janus Plancus Brief, von dem Fische Mola oder Mühlfische, an Hrn. Jof. Monti, st. u Abbild im 9 Th. des allgem. Magaz. der Nat. Kunst und Wissensch. (Lpz. 1757, gr. 8.) S. 247 -- 255 Zweyter Brief, im 10 Th. S. 319 -- 324.

J. T. Koelreuter descriptio Molae acleatae, limbo abdominis producto, attenuato, carnofo, st. in Nov. Comment. Acad. Sc. Imp. Petropol. To. X, pro A. 1764. (Petrop. 1766, 4.) S. 337 -- 340, n. 2 Figg.

Account of a Mole from North America; in a letter to Dr. Mary, by Daines Barrington, st. im 1 Th des LXI B. der Phil. Transact. for the year 1771. (Lond. 1772, 4) Art. XXXIV, S. 292, f.

Klumpen Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon (der) Diminut. das Klümpchen, Oberd. Klümplein. 1. Eine zusammenhängende, mit einander verbundene unförmliche Masse von beträchtlicher Größe. Ein Klumpen Gold, Silber, Messing, Bley. Ein Gold=Klumpen. Ein Klumpen Erde, Thon, Butter. Ein Schnee=Klumpen. Allerley Metalle in einen Klumpen zusammen schmelzen. Ein Klumpen Haare, Flachs, Werg, wofür doch Haufen üblicher ist. Ein Klumpen Holz ist noch weniger gebräuchlich, weil man dafür ein Klotz sagt.

2. Ein unförmlicher Haufe mehrerer ohne Ordnung vermischter Dinge, gemeiniglich mit einem verächtlichen Neben=Begriffe und im gem. Leben. Der Wind warf das ganze Haus in einen Klumpen zusammen. Alles auf einen Klumpen werfen. Das Chaos bey der Schöpfung haben Einige, obgleich nicht auf die beste Art, den Misch=Klumpen genannt, so wie Klumpen für Gruppe, in der Mahlerey, wegen des dem ersten Worte anklebenden Neben=Begriffes der Unordnung, des Unförmlichen, gleichfalls unschicklich <41, 54> ist. In der ersten Bedeutung des Chaos kommt bey Opitz das Oberdeutsche Klumpf vor.

Im Oberd. Klumps, Klumpfen, Nieders. Klamm, Klamp, Klump, Klunt, im Engl. Clump und Lump, im Franz. Lobbe, im Schwed. Klimp und Klump. Es gehört zu dem Geschlechte der Wörter Pfeil-IconKley, Pfeil-IconKleben, Pfeil-IconKloß, u. s. f. von welchen es nur im Suffixo verschieden ist, und, wenn man den Gaumen=Buchstab, der nicht wesentlich zum Worte gehört, abrechnet, auch zu Pfeil-IconLehm, Pfeil-IconLeim, u. s. f. Siehe diese Wörter.

Klumpen Klassifizierung: 391.02 Kleidung nach sozialen SchichtenDDC-Icon Klassifizierung: 391.413 Fußbekleidung DDC-Icon , Fr. Sabots. nennt man, in einigen Gegenden, die von einem Stücke ausgehöhlten Holzes verfertigten Schuhe der Bauern oder anderer gemeiner Leute. Siehe Pfeil-IconSchuh.

Klumpen=Beere Klassifizierung: 583.64 Capparales DDC-Icon , nennt Planer Batis Linn. Die Pflanze, welche diese Gattung ausmacht, und Batis maritima genannt wird, wächst in Jamaika und den caraibischen Inseln an dem Meer=Ufer. Dieser Strauch erreicht ungefähr 4 Fuß Höhe. Der stamm ist unterwärts holzig, und die Aeste stehen ausgebreitet, oder sind gestreckt; die jungen aber stehen aufgerichtet, und sind viereckig. Die Blätter sind walzenförmig, dick, saftig. Männliche und weibliche Blumen stehen auf verschiedenen Stöcken. Die männlichen stellen Kätzchen vor, dessen Schuppen in vier Reihen gestellt sind, und wie Dach=Ziegel über einander liegen. Unter jeder Schuppe liegen vier längere Staubfäden. Die weiblichen stehen auch in einem Kätzchen bey einander, oder vielmehr die Fruchtkeime sitzen auf einem gemeinschaftlichen, fleischichten, mit zwey Blättchen umgebenen Boden, und stellen unter einander einen viereckigen Köcher vor. Zu jeder Blume gehört ein viereckiger Fruchtkeim, und ein zweylappiger, haariger, weißer Staubweg. Die gelbliche Frucht besteht aus vielen, unter einander verwachsenen Beeren, deren jede vier dreyeckige Samen enthält. In Jamaika wird die Pflanze statt des Salzes gebraucht, und die Asche zum <41, 55> Glasmachen angewandt. Der Geschmack der ganzen Pflanze ist äusserst salzig. Die Einwohner in Cartagena, nennen sie Barilia.

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