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Kamin=Schirm, s. oben, Pfeil-IconS. 144, und Pfeil-Icon148.

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Kamisol Klassifizierung: 391.1 Kleidung für MännerDDC-Icon , *

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Aus dem Franz. Camisole, und Ital. Camiciuola, welches wiederum von dem mittlern Lat. Camisiale, Camisile, Camisia, ein Hemd, und in weiterer Bedeutung eine jede Bekleidung des Leibes, bey dem Suidas Καμισον, abstammet. Böhm Kamyzola, Poln. Kamizela.

[das] im gem. Leben, ein kurzes Unter=Kleid unter dem Oberrocke des männlichen Geschlechtes, mit und ohne Aermel, welches gemeiniglich nur bis an die Hüfte geht, und entweder über dem Hemde, oder auch wohl auf bloßem Leibe getragen, und in der anständigern Sprechart eine Weste genannt wird.

Klassifizierung: 391.2 Kleidung für FrauenDDC-Icon An andern Orten ist das Kamisol ein kleines leichtes Wammes des weiblichen Geschlechtes, welches in der anständigern Sprechart Corset heißt.

Das Maßnehmen und Zuschneiden eines Manns=Kamisoles, geschieht auf dieselbe Art, als zur Weste eines Kleides; (siehe Pfeil-IconKleid, nur daß die Schöße des Kamisoles nicht so lang, als an eines Weste, sind. Das Frauen=Kamisol wird eben so angemessen und zugeschnitten, als ein langes Kleid im Oberleibe, ohne Falten, (s. Pekesche) und so, daß es vorn dicht zugeht, entweder zum Zuschnüren, oder Zustecken.

Siehe auch Pfeil-IconBrustlatz oder Pfeil-IconBrusttuch, im VII Th. S. 147; Pfeil-IconCorset, im VIII Th. S. 399, und Pfeil-IconFutterhemd, im XV Th. S. 584.

1. Kamm Klassifizierung: 364.1 StraftatenDDC-Icon , ein nur noch in dem zusammen gesetzten Roßkamm übliches Wort, ein Roßtäuscher, von dem mittlern Lat. camibiare, cambire tauschen, und Cambium, der Tausch. Siehe Pfeil-IconRoß=Kamm.

2. Kamm Klassifizierung: 669 MetallurgieDDC-Icon Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon ein nur noch in einigen einzelen Fällen übliches Wort, sowohl einen Stein, als auch ein Gestein, eine ganze Steinmasse zu bezeichnen. Ein sehr festes Gestein, welches unter dem mildern bricht, wird bey den Bergleuten noch jetzt ein Kamm genannt. Wenn dergleichen sich angibt, und der Berg=Mann auf ein festes Gestein trifft, sagt er: es schießt <33, 153> ein Kamm vor; und wenn es so stark wird, daß es den Gang nicht durchlässet, heißt es: der Kamm verdrückt den Gang. Ein Steinkamm, eine Stein=Wand. In andern Fällen wird es in Gans, und Gems, verderbt. So wird das Gestein, welches sich unter der Dammerde anfängt, von den Bergleuten die Gans, der Gems, genannt. Den Gang in die Gänsse bringen, Mathes. ihn in dieses Gestein treiben. Auch der Zwitter oder Zinnstein, wird, wenn er aus dem Pochwerke in das Gerinne gelaufen ist, Geimstein genannt, vermuthlich aus eben dieser Quelle.

Klassifizierung: 400 Sprache DDC-Icon Im Schwed. ist Gimsten ein Edelstein, zunächst aus dem Lat. und Griech. Gemma, welches aber gleichfalls zu der Familie dieses Wortes Kamm gehört. Im Wendischen und Slavon. bedeutet Kamen einen jeden Stein. Siehe Pfeil-IconKemnate, Pfeil-IconKamm=Schale.

Siehe auch Th. XIV, Pfeil-IconS. 341.

3. Kamm Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , ein sehr altes Wort, welches den erhabensten, den obersten Theil eines Dinges bezeichnet, besonders wenn derselbe zugleich eine beträchtliche Länge hat. Es ist nur in einigen einzelen Fällen üblich.

Klassifizierung: 551.43 ErhebungenDDC-Icon 1. Eine natürliche Erhöhung der Erdfläche, ein in die Länge sich erstreckender Hügel, der oberste Theil eines Gebirges, ist noch in vielen Gegenden Ober= und Nieder=Deutschlandes unter dem Nahmen Kamm bekannt, wohin auch die eigenthümlichen zusammen gesetzten Nahmen mancher Berge und Gebirge gehören; der Hahnenkamm, u. s. f.

Klassifizierung: 627 WasserbauDDC-Icon 2. Eine künstliche Erhöhung der Erdfläche, ein Haufen u. s. f. noch in einigen Fällen. So heißt die oberste Fläche eines Daches, welche sonst die Kappe genannt wird, in Niedersachsen auch der Kamm; s. Th. VIII, Pfeil-IconS. 670. Daher der Kammbruch, in den niedersächs. Marschländern, ein Bruch oder Riß, welchen das Wasser in den Kamm oder Obertheil ei<33, 154>nes Deiches macht. Die Kammstürzung, der Einsturz des obern Theiles eines Deiches, die Kappstürzung; s. Th. VIII, Pfeil-IconS. 698, fgg. Die Kammelung, eine kleine Erhöhung an den Wasserlösen, Wetterungen, u. s. f.

Eben daselbst ist der Kamm auch ein kleiner Wasserdamm, welcher in dem Grunde eines Püttwerkes stehen bleibt.

Klassifizierung: 634.9 ForstwirtschaftDDC-Icon In dem Forstwesen einiger Gegenden, wird das nieder gehauene und in eine lange Reihe gelegte Busch=Holz, welches sonst auch ein Jahn, eine Zahl heißt, in einigen Gegenden ein Kamm genannt.

3. An den Thieren, verschiedene Erhöhungen oder Obertheile derselben.

Klassifizierung: 636.2 Wiederkäuer und Camelidae; Bovidae; RinderDDC-Icon Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon (1) An den Pferden und zuweilen auch an dem Rindviehe, ist es der obere Theil des Halses, worauf bey den erstern die Mähne wächst, Fr. Crinière. Daher das Kammfett, Fett aus dem Kamme eines Pferdes. Die Kammhaare, die Haare aus dem Kamme eines Pferdes, die Mähne. Strycker nennt die Mähne eines Löwen Champ. Siehe Pfeil-IconMähne.

Klassifizierung: 664.9 Fleisch und zugeordnete LebensmittelDDC-Icon Bey den Fleischern wird daher auch ein Stück Fleisch, welches aus dem Halse eines Rindes zwischen dem Nacken und Buge gehauen wird, der Kamm, oder das Kammstück, genannt.

Klassifizierung: 636.5 Geflügel; HühnerDDC-Icon (2) An einigen Arten des Geflügels, besonders an den Hühnern, ein fleischiger, mehrentheils rother, in die Länge gehender und gekerbter Auswuchs auf dem Kopfe; L. Crista, Fr. Crête. Siehe Pfeil-IconHahnenkamm, im XXI Th. S. 195.

Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Klassifizierung: 611.93 HalsDDC-Icon (3) In den niedrigen Sprecharten ist der Kamm=Haken, das Genick an dem menschlichen Körper. Eben daselbst sagt man auch figürlich, jemand über den Kamm hauen, ihn hart anfahren; imgl. der Kamm wird ihm roth, wenn jemand vor Zorn, oder von vielem Trinken eine rothe Nase bekommt.

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Klassifizierung: 594 Mollusca (Weichtiere) und Tentaculata (Kranzfühler)DDC-Icon (4) An den Austern ist der Kamm oder Wirbel, ein harter Theil im Innern der Schale, welcher nicht wohl zu essen ist; s. Th. III, Pfeil-IconS. 282.

Klassifizierung: 739.7 Waffen und RüstungenDDC-Icon 4. Der obere oder hervor stehende Theil an verschiedenen künstlichen Dingen. Der hervor stehende Theil an einem Schlüssel, der Bart, führt in vielen Gegenden den Nahmen des Kammes. Der oberste hervor ragende Theil eines Helmes hieß ehedem der Helmkamm, Angels. Helmes Camp. Im Schwed. ist Kam der Giebel oder Gipfel eines Hauses. In der Wirthschaft nennt man Kamm, den Aufsatz, welchen man auf dem Meßviertel bey dem Aufheben des Getreides stehen lässet; s. Th. X. Pfeil-IconS. 595. Anderer Fälle zu geschweigen.

Das Geschlecht dieses Wortes ist groß, selbst in den auswärtigen Sprachen. Das Lat. Coma, und Griech. Κομη, das lat. Diminut. Cumulus, das Franz. Cime, Comble, das mittlere Lat. Camba, ein Thurm, hundert anderer zu geschweigen, sind genau damit verwandt. Siehe Pfeil-IconKahm, Pfeil-IconKeim, und Pfeil-IconKimme. Wenn man bedenkt, daß dieses Wort ehedem, und noch in einigen Gegenden Kamp lautet, und daß das m sich so gern zu den Lippenbuchstaben gesellet, so wird man auch die Verwandtschaft mit Koppe, Kopf, Giebel, Gipfel u. s. f. einräumen, in welchen Wörtern insgesammt der Begriff der Höhe oder der Hervorragung der herrschende ist.

4. Kamm Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , Diminut. das Kämmchen, Oberd. Kämmlein, ein langer und zuweilen spitziger hervor ragender Theil eines Dinges, und ein mit solchen hervor ragenden Theilen versehenes Ding; gleichfalls nur noch in einigen Fällen.

1. Lange hervor ragende Theile eines Dinges. So werden,

Klassifizierung: 621.83 Getriebe, Schalträder, NockenDDC-Icon (1) In der Mechanik und in dem Mühlenbaue, die Zähne oder kurzen Stäbe, welche auf der Seiten= oder Stirnfläche eines Rades perpendiculär stehen, um in das Getriebe eingreifen zu können, Kämme genannt. Daher <33, 156> das Kammrad, ein Rad, welches an der Stirn oder an den Seitenflächen mit Zapfen versehen ist, um in ein anderes Rad einzugreifen. Stehen die Kämme an der Stirn des Rades, so heißt es ein Stirnrad; sind sie aber an der Seitenfläche befestigt, ein Kronrad. Siehe Pfeil-IconRad Der Kammbaum, der eine Baum oder Balken des Schlittens oder Wagens an einer Scheidemühle, welcher Zähne oder Zapfen hat, durch welchen der Wagen mit dem Blocke, vermittelst des Getriebes, der Säge zugeführet wird; s. Th. VI, Pfeil-IconS. 639, f. Der Kammbohrer, bey den Bohrschmie, den, ein Bohrer, die Löcher zu den Kämmen der Kammräder damit zu bohren.

Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon In dem Bergbaue führen diesen Nahmen auch die Arme an der Welle, welche die Pochstämpel, Bälge u. s. f. auf heben, und sonst auch Hebearme, Hebelatten, Hebetatzen, genannt werden.

Klassifizierung: 663.2 WeinDDC-Icon (2) Die Stiele an den Weintrauben, woran die Weinbeeren hängen, führen in den meisten Gegenden den Nahmen der Kämme. Im Oberdeutschen werden sie Rappen, Drappen, Trappen genannt; Fr. Rafles, Grappes, L. Racemi. Im Franz. hieß ein solcher Kamm ehedem Gen und Genne. Wenn der Wein vor dem Keltern von diesen Kämmen gereiniget wird, bekommt derselbe mehr Lieblichkeit, ist aber nicht von langer Dauer.

Klassifizierung: 621.9 WerkzeugeDDC-Icon 2. Ein mit solchen Zähnen versehenes Werkzeug.

Klassifizierung: 646.724 HaarpflegeDDC-Icon Klassifizierung: 745.593 GebrauchsgegenständeDDC-Icon (1) Ein von Horn, Elfenbein, oder einer ähnlichen Materie verfertigtes und mit spitzigen neben einander stehenden langen Zähnen versehenes Werkzeug. Es wird zu verschiedenen Absichten gebraucht. Am häufigsten dient es, die Haare an Menschen und Thieren damit zu reinigen, und, wenn sie verwirret sind, gerade zu richten; der Haarkamm. Ein weiter Kamm, an welchem die Zähne weit von einander stehen; ein enger Kamm, wo sie nahe an einander ste<33, 157>hen. Daher die Kammbürste, eine Bürste, die Haarkämme, damit zu reinigen; s. Th, VII, Pfeil-IconS. 409, f. Die Kammdose, oder Kammschachtel, auf dem Nachttische des schönen Geschlechtes, eine Dose oder Schachtel, die Haarkämme darin zu verwahren. Das Kammfutter, L. Pectinarium, Pectinium, Fr. Etui à peigne, Trousse à peigne, ein, einer Brief=Tasche ähnliches, mit verschiedenen Abtheilungen oder Fächern versehenes, und gemeiniglich aus schlechtem Schafleder gemachtes, und mit altem Leder gefüttertes, oder auch von Sammet, Stoff, goldenem Leder, oder andern Zeuge förmlich geschnittenes, auch wohl gewirktes, und auf mancherley Art ausgeziertes Futteral, worein man Kämme, Bürsten und andere zum Ausputzen der Haare dienliche Sachen zu stecken, und darin zu verwahren pflegt. Mit einem Kamme kämmen. Alle Leute über einen Kamm scheren, im g. L. sie auf einerley Art behandeln.

Von dem Haarkamme, dessen verschiedenen Arten, Verfertigung und Gebrauche, werde ich weiter unten besonders handeln.

Klassifizierung: 631.3 Werkzeuge, Maschinen, Geräte, AusstattungDDC-Icon In der Oekonomie hat man auch starke eiserne oder hölzerne Kämme, die Samencapseln an dem Flachse abzuraffen, die Riffe, Riffel, oder der Riffelkamm: siehe unter Pfeil-IconLein; hölzerne Kämme, die Heidelbeeren abzustreifen, der Heidelbeerkamm, s. Th. XXII, Pfeil-IconS. 743, und die dazu gehörige PfeiliconFig. 1302.

Bey dem Kero Canpo, Canap, im Oberdeutschen der Kampel, im Angels. Camb, im Engl. Combe, im Schwed. Kam.

Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon Ein Wollkamm oder Kamm der Wollkämmer, bey welchen der oberdeutsche Plural Kamme üblich ist, ist auch unter dem Nahmen Krämpel bekannt; L. Carmen Fr. Carde. Von den Wollkämmen, dem bey den Wollkämmern gebräuchlichen Kammtopfe, <33, 158> (Kammpotte,) d. i. eisernen Feuertopfe, die Kämme darüber zu wärmen, dem Kammkessel, oder der Feuermaschine des Hrn. Hayward, bey welcher Wolle gekämmet wird, und der Kammlade, d. i. dem Gehäuse, worin die langen Zähne der Kämme zur Fett= und Waschwolle stecken, und welches zugleich den Heft des Kammes bildet, siehe den Art. Pfeil-IconWoll Kämmen.

Im Oberdeutschen wird ein Kamm auch ein Strähl, und kämmen strählen genannt, von Strahl, Radius.

Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon (2) Bey den Webern, ein mit vielen dünnen Stäben von Rohr oder Stahl versehener Rahmen der Weber, die Fäden des Aufzuges so aus einander zu halten, wie der Haarkamm die Haare; der Rieth=Kamm, das Blatt. Siehe unter Pfeil-IconLeinweber. Manche Arten von Webern haben statt dessen leinene Schnüre, welche aber gleichfalls der Kamm genannt werden. Daher das Kammblatt, der Kamm mit seinen Stäben Der Kammhebel, bey den Atlaß=Webern, Wagebalken, welche den Kamm heben, und in dem Kammhebelbrete, auf und nieder gehen; Fr. Carette. Die Kammlitze, die Schnüre von Garn an den Kämmen der Seidenweber. Die Kamm=Hölzer, zwey beynahe nach einem halben Zirkel ausgeschnittene Hölzer, die 1 Elle lang sind, und an jedem rund geschnittenen Ende ein Loch haben, durch welches eine Schnur gezogen und an die Balken des Seidenwirkerstuhles von beyden Seiten befestiget wird, so daß ihr runder Ausschnitt nach oben zu liegen kommt; sie dienen, die verschiedenen Schäfte bey dem Einlesen der Kettenfäden auf sie zu befestigen, und ihre Litzen gut und gerade ausspannen zu können. Der Kammschaft, ein Schaft oder Stab an den Kämmen der Seidenweber. Siehe im Art. Pfeil-IconSeiden=Wirker.

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(3) Eben daselbst werden die Fäden, welche sie am Ende eines gewebten Stückes mit einem kleinen Theile des Gewebes abschneiden, die Troddel, das Dromt, auch der Kamm genannt.

Klassifizierung: 639.2 Kommerzieller Fischfang, Walfang, RobbenfangDDC-Icon (4) In einigen Gegenden ist der Kamm eine Art eines Netzes mit engen Maschen, kleine Fische damit zu fangen, welches aber an den meisten Orten verbothen ist.

Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Es scheint, daß dieses Wort gleichfalls zu dem vorigen gehöre, indem der Begriff der Hervorragung auch hier der herrschende ist. Indessen kommen im mittlern Lateine viele ähnliche Wörter vor, worin der Begriff der Krümme der Hauptbegriff ist, und welche zu dem Griech. καμπτειν, biegen, gehören; z. B. Cambuta, der krumme Bischofsstab, der Krummstab. Siehe Pfeil-IconKammer. In dem salischen Gesetze bedeutet Cham, die Hand.

Klassifizierung: 621.9 WerkzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 679.6 Produkte aus Fasern und BorstenDDC-Icon Bey den Bürstenmachern, ist der Kamm, Rauhkamm, PfeiliconFig. 1802, ein Werkzeug, worauf die Borsten, nachdem sie sortiret worden sind, gerauher oder gekämmet, und von den kurzen rauhen und zum Theil krausen Haaren gesäubert und befreyet werden. Er gleicht den Kämmen, womit die Wolle gekämmet wird, hat aber kürzere und ziemlich flache eiserne Zähne, a b, welche etwa 1 1/2 F. lang sind. Das Bret b c, worauf diese Zähne senkrecht befestigt sind, wird bey dem Gebrauche auf dem Werktische mit einer eisernen Flügelschraube angeschraubet. Durch das Kämmen oder Rauhen nutzen sich die mittelsten Zähne ab, und werden kürzer, und auf solchen alten und beschädigten Kämmen rauhet der Bürstenmacher nur die schlechten Borsten zu der so genannten Rauh=Arbeit, z. B. zu Borstwischen; s. Th. VII, Pfeil-IconS. 408. Unter den Borsten, insonderheit an dem Wurzel=Ende, sind nähmlich wollichte Haare, die der Bürstenmacher Wolle nennet, und diese Wolle muß auf gedachtem Kamme ausgekämmet werden. Der Bürstenmacher hält, in dieser Absicht, eine Handvoll Borsten an der <33, 160> Spitze, oder dem so genannten Schwanze, sest, und kämmet die Wnrzel=Enden, oder den so genannten Kopf, auf dem Kamme aus, so wie man Flachs zu hecheln pflegt. Währendem Kämmen staucht er zuweilen mit dem Kopfe der Borsten an die benachbarte Wand der Werkstätte, und bringt hierdurch diejenigen Borsten wieder in das gekämmte Bündel hinein, welche sich bey dem Kämmen heraus begeben. Die Wolle fällt bey dem Kämmen aus den Borsten, oder bleibt auch in dem Kamme sitzen. Die gekämmten Haare werden zu großen Bündeln neben dem Kopfe mit einer Schnur zusammen gebunden und aufgehoben.

Klassifizierung: 621.9 WerkzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 695 DachdeckungDDC-Icon Bey den Strohdachdeckern, ist der Kamm, PfeiliconFig. 1803, eine lange Stange oder Latte, worin eiserne Zähne stecken, so, daß das Ganze wie ein Kamm aussieht. Der Dachdecker bedient sich dieses Werkzeuges, das fertige Strohdach auszukämmen, oder die unordentlichen Halme gleich zu kämmen, damit sie auf den Strohschauben gerade liegen, wodurch das Dach ein gutes Ansehen erhält. Auch drückt er bey dem Decken die Stoppeln damit zusammen, damit sie dicht auf einander zu liegen kommen. Siehe Th. XIII, Pfeil-IconS. 553.

Klassifizierung: 621.9 WerkzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 641.5028 UtensilienDDC-Icon Bey den Siebmachern ist der Kamm, das Werkzeug, womit die Haarstebe gewebet werden. Es ist ein hölzerner Rahmen, zwischen dessen langen Rahmenstücken ein Draht= oder Rohr=Stift parallel neben dem andern steckt. Siehe Pfeil-IconSieb.

Klassifizierung: 621.9 WerkzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon Bey den Tapetenwirkern, ist der Kamm, ein Werkzeug von Stahl oder Knochen, welches einem Kamme, oder vielmehr einem Rostrale, womit man Noten=Linien zieht, gleichet. Es dient dem Tapeten=Weber an statt der Lade und des Riethblattes, den eingeschlungenen Einschlag in der Kette anzutreiben, indem er den Kamm zwischen die Aufzugsfäden an <33, 161> den Einschlag setzt, und solchen dicht heran treibt. Siehe Pfeil-IconTapete.

Klassifizierung: 694 Holzbau; ZimmerhandwerkDDC-Icon Bey den Zimmerleuten, heißt Kamm, eine Zusammenfügung zweyer horizontal liegender Stücke Bauholz; und kämmen, zwey Träger, oder horizontal liegende Stücke Bauholz, vermittelst eines tiefen Einschnittes auf einander verbinden so daß sie eine große Last tragen können. Eigentlich sollte es kimmen heissen, von Kimme, ein tiefer Einschnitt. Vielleicht aber ist auch die Benennung daher entstanden, weil die verbundenen Hölzer, wie Kamm und Getriebe, in einander eingreifen. Es gibt einen vierfachen Kamm. 1. Mit dem einfachen Kamme, werden die Balken in die Mauerlatten eines massiven Gebäudes eingekämmet, so wie auch alle übrige horizontal liegende Hölzer eben so vereiniget werden, wenn der eingekämmte Theil nichts trägt. PfeiliconFig. 1804 a), A, sey eine Mauerlatte, B ein Balken, welcher auf der Mauerlatte eingekämmet ist. Beynahe an dem Ende der Mauerlatte, in a, hauet der Zimmermann mit der Queraxt ein vierkantiges Stück heraus, so daß der Einschnitt 1 1/2 Z. breit, eben so tief, und so lang, als der Balken B breit ist. An dem Balken macht er auf beyden Seiten der Breite desselben mit der Schrotsäge einen Einschnitt, deren jeder ebenfalls 1 1/2 Z. tief ist, nimmt den Klotz zwischen den beyden Einschnitten mit der Stoßaxt ab, und kämmt alsdann den Balken B ein, oder legt ihn vielmehr auf die Mauerlatte A auf, so, daß die beyden Einschnitte des Balkens sich mit dem ausgehauenen Theile der Mauer=Latte vereinigen. 2. Ein doppelter Kamm wird alsdann angebracht, wenn das eingekämmte Holz tragen soll. Ins besondre werden hiemit die Balken an jedem Hirn=Ende auf dem Rahmenstücke, und die Schwelle des nächsten Stockwerkes wieder auf dem Balken, eingekämmet. PfeiliconFig. 1804 b). A, sey das <33, 162> Hirn=Ende eines Balkens; B, ein Rahmenstück. Der Balken A wird in das Rahmenstück B durch einen doppelten Kamm, a und b, eingekämmet, und jeder Kamm wird gerade, wie bey einem einfachen Kamme und nach eben der Größe, mit der Queraxt ausgehauen. Auf eben die Art wird auch die Saum=Schwelle des nächsten Stockwerkes auf der andern Seite eingekämmet. 3. Die dritte Art der Einkämmung, heißt der Hakenkamm, und man versteht darunter die Verzapfung zweyer Schwellen in einem Gebäude, wovon eine der Länge, die andere der Breite des Gebäudes nach, zu liegen kommt, und beyde an einer Ecke zusammen stoßen, hier aber durch den Hakenkamm vereiniget oder zusammen gefüget werden. Der Zimmermann säget, in dieser Absicht, an dem einen Ende der Schwelle, wo sie mit der andern zusammen gefüget werden soll, beynahe nach der halben Dicke des Holzes ein, so daß dieses Ende nur ungefähr 3/4 Z. über der halben Dicke der Schwelle stehen bleibt. Den eingeschnittenen Theil nimmt er mit der Stoßaxt ab. Auf diesem verdünnten Theile nun hauet er mit der Queraxt um 1 1/2 Z. ein Loch aus, worin bey der Vereinigung der beyden Schwellen ein in das Loch sich passender Zapfen oder Kamm des gleichfalls verdünnten Endes der andern Schwelle einfällt, und beyde Schwellen sich also vereinigen. 4. Die vierte Art der Einkämmung, oder der so genannte Hakenzapfen, vereiniget zwey Bauhölzer, z. B. zwey Schwellen, mit einander, woraus eine einzige Schwelle in gerader Linie, oder, wie der Zimmermann es nennt, nach dem Fluge zusammen gesetzet wird. Die Verzapfung ist 10 Z. lang, und des Hakens Höhe beträgt die halbe Dicke der Bauhölzer.

Klassifizierung: 685.3 Fußbekleidung und verwandte ProdukteDDC-Icon Bey den Schuhmachern, wird der hintere obere Theil eines Leistens zum Schuh oder Stiefel, der Kamm genannt. Siehe Pfeil-IconLeisten.

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Klassifizierung: 675 Leder und PelzverarbeitungDDC-Icon Bey den Weißgärbern, heißt der Kamm, die Stelle des Rückens zwischen beyden Schulterblättern, an einem Bock= Ziegen= oder andern Felle. Der Weißgärber beobachtet an diesem Kamme, ob das Leder gar ist, oder nicht; denn wenn es an dieser Stelle gar ist, so ist das ganze Fell gar, weil sich an diesem Orte das Leder am längsten hält, ehe es gar wird.

Klassifizierung: 664.4 LebensmittelsalzeDDC-Icon Bey dem Salzwesen, nennt man Kämme, Schaufeln voll Salz, welche dergestalt in die Salz=Körbe eingeschüttet werden, daß sie schichtweise über sich in die Höhe ragen.

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Klassifizierung: 679.4 Produkte aus keratin- und dentinhaltigen WerkstoffenDDC-Icon Klassifizierung: 688.5 ToilettenartikelDDC-Icon Der Haarkamm, ist das von Horn, oder einer andern Materie verfertigte, und mit spitzigen neben einander stehenden langen Zähnen versehene Werkzeug, womit gemeiniglich die Haare an Menschen und Thieren gereiniget, und, wenn sie verwirret sind, gerade gerichtet werden, L. Pecten, Fr. Peigne. Ein Handwerksmann, welcher dergleichen Kämme verfertigt, wird ein Kammmacher, L. Pectinarins, oder Pectinator, Fr. Peignier. genannt. So gering ein Kamm im gemeinen Leben geschätzet wird, so mühsam ist doch seine Verfertigung; es muß derselbe oft durch die Hände des Professionisten gehen, ehe er fertig ist, und es wird zu dieser Vollendung eine ziemliche Anzahl Werkzeuge erfordert. Man hat verschiedene Gattungen Kämme, theils in Ansehung der Materie, woraus der Kamm gemacht ist, theils in Ansehung der Gestalt, die er hat. Die Materie, woraus die Kämme gemacht werden, ist: Buchsbaumholz, Elfenbein, (an dessen statt man aber heutiges Tages lieber Wallroßzähne nimmt, weil solche viel weißer, schöner und fester, als die Elephantenzähne, sind), Schildkrötenschale, Horn von verschiedenen Thieren, vornehmlich aber Ochsen, wie auch einige Metalle, in<33, 164>sonderheit Messing und Bley, welche letztere jedoch selten, und nur, um den rothen und gar zu sehr brennenden Haaren eine Schiefer= oder schwarze Farbe zu geben, gebraucht werden; s. Th. XX, Pfeil-IconS. 507. In Absicht auf die Gestalt oder Faßon der Kämme, hat man einfache, die nur an einer, und doppelte, die an beyden Seiten Zähne haben; ferner halb runde, dreyeckige, gerade und krumme, enge, an welchen die Zähne nahe an einander stehen, Fr. Peigne à petites dens und weite Kämme, an welchen die Zähne weit von einander stehen, Fr. Peigne à grosses dens. Von ihrem verschiedenen Gebrauche, bekommen sie auch verschiedene Benennungen, wie aus dem Folgenden zu ersehen ist. Zuweilen sind auch die Kämme, insonderheit die von Elfenbein und Wallroßzähnen, zierlich ausgestochen und durchbrochen, auch wohl, insonderheit die von Schildkrötenschale, mit Silber beschlagen. Ich werde die Verfertigung der gewöhnlichsten Kämme, aus Horn, aus Schildkrötenschale, und aus Elfenbein, beschreiben.

Klassifizierung: 679.4 Produkte aus keratin- und dentinhaltigen WerkstoffenDDC-Icon I. Die Hornkämme sind die gebräuchlichsten und wohlfeilsten. Es gehören dazu verschiedene Arten, als: 1. der Auskommkamm, ein Kamm mit weit von einander stehenden Zahnen, welcher ganz vorzüglich der Haarkamm genannt wird. Hierzu kann man auch den krummen Kamm (Krummkamm) rechnen, den gemeine Leute auf dem Kopfe tragen. Er wird wie ein gewöhnlicher Haarkamm gemacht, und, wenn er fertig ist, auf einer eisernen Platte, oder über Kohlen gewendet, damit er sich erweiche, und in beyden Händen krümmen lasse. Einige lassen ihn auch über einer hölzernen Form kalt werden. Ferner kann man hierzu den Chignonkamm rechnen, dessen man sich bey den aufgeschlagenen Nackenhaaren des Frauenzimmers bedient; er ist in den weiten Zähnen an 4 Z. breit; die mittelsten Zähne sind länger, als <33, 165> die Seitenzähne, so daß die Spitzen sämmtlicher Zähne nach einem Bogen laufen; und über dies ist er gekrümmt. Wenn er von Horn verfertiget wird, ist dieses insgemein zur Zierde fleckig gebeitzt. Siehe Th. XV. Pfeil-IconS. 147, f. und die dazu gehörige PfeiliconFig. 809.

Klassifizierung: 646.724 HaarpflegeDDC-Icon Klassifizierung: 391.5 HaartrachtenDDC-Icon 2. Der Frisirkamm, PfeiliconFig. 1805 a). Vordem waren die Zähne dieser Kämme durchgängig gleich stark, oder doch gleich lang; jetzt macht man sie in a b feiner und kürzer, als in b c; denn die Friseurs halten dafür, daß sie mit diesen feinen und kurzen Zähnen die Pomade besser schaben können. Wenn die Zähne dieser Kämme vorzüglich fein und spitzig sind, nennt man sie französische Kämme. Zuweilen ist das massive Feld d e dieser Kämme oben rund, zuweilen kantig, so wie es jeder Friseur nach seiner Bequemlichkeit verlangt. Bey dem Accommodiren des Frauenzimmers mit kleinen Papilloten, (s. Th. XV, Pfeil-IconS. 145, f.) bedient man sich anderer Frisirkämme, welche an dem einen Ende einen ganz dünnen Stiel haben, um den man die Locken schlägt. PfeiliconFig. 1805 b) stellt zwo verschiedene Sorten solcher Kämme vor.

3. Der Staubkamm, (Nißkamm,) hat auf beyden Seiten feine Zähne. Die von Horn werden, statt der elfenbeinernen, von den gemeinen Leuten zur Reinigung der Köpfe der Kinder gebraucht. Die schlechtesten Kämme ohne Nahmen, erhalten auf einer Seite enge und feine Zähne, wie die Staubkämme, auf der andern Seite aber weite Zähne. Sehr geringe Leute kämmen sich hiermit; man gebraucht sie auch zur Reinigung der Hunde.

Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon 4. Der Pferdekamm, (Roßkamm), PfeiliconFig. 1806, wird gebraucht, die Mähne in Ordnung zu bringen. Der Schweif muß nie gekämmet, aber desto fleißiger gewaschen und gebürstet werden, weil durch das Kämmen die Haare ausgerissen werden, und der Schweif sich nach und nach verliert.

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Klassifizierung: 621.9 WerkzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 679.4 Produkte aus keratin- und dentinhaltigen WerkstoffenDDC-Icon Was die Verfertigung der Hornkämme selbst betrifft, so habe ich die Wahl des Hornes dazu und dessen Zubereitung zu Kämmen, als: das Entschlauchen, Zerschroten, Erweichen, Ebenen, und Beitzen, im XXV Th. Pfeil-IconS. 239--247, beschrieben, und ich werde jetzt die Anzeige der fernern Bearbeitung und Vollendung hinzu fügen. Ich sagte zuletzt, daß die Horn=Platte, um sie zu Kämmen zu verarbeiten, nach dem Pressen kalt in dünnere Platten zerschnitten, oder, wie es der Professionist nennt, geörtert *

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Von Oerter, d. i. Enden, welche abgesäget werden.

werden müsse. Die Säge, womit der Kammmacher eine Hornplatte nach der Länge in dünnere Platten zerschneidet, und welche die Oertersäge genannt wird, gleicht völlig der im XXV Th. Pfeil-IconS. 241, f. und PfeiliconFig. 1047 abgebildeten Schrotsäge, ausser daß sie ein feineres Blatt hat. Sie wird auch eben so gebraucht, wie die Schrotsäge, indem der Professionist sie zwischen seiner Brust und der Werkbank fest hält, und die Hornplatte auf den Zähnen der Säge hin und her beweget. Auf solche Weise wird jede starke Hornplatte in ein Par dünnere Platten von gleicher Dicke zerschnitten. In dem Reiche zerschneidet man das Horn, nach der Dicke genommen, in einer Diagonal=Linie in zwey Platten zu zwey Kämmen; alsdann entstehen die schwächern Zähne des einen Kammes neben dem stärkern Felde der PfeiliconFig. 1805 a), und neben den Zähnen a c dieses letztern Kammes entsteht das Feld des ersten. Die Kämme werden bey einem solchen Schnitte etwas dünner, als wenn die starke Hornplatte in zwey gleich dicke Platten zerschnitten wird. Haben die geörterten Platten hin und wieder noch krumme Stellen, die in der (im XXV Th. Pfeil-IconS. 244, f. beschriebenen, und PfeiliconF. 1408 abgebildeten) Presse noch nicht völlig gerade gebogen sind, so werden sie nochmahls über Kohlenfeuer erwär<33, 167>met, und zwischen zwey eisernen Platten in einem Schraubstocke, welcher einem Schraubstocke der Metallarbeiter völlig gleicht, und in der Küche neben dem (im XXV Th. Pfeil-IconS. 243 erwähnten) Herde steht, gerade gepresset, oder, wie es der Professionist nennt, ausgedrückt.

Bis jetzt ist jede Platte, welche durch das Oertern entsteht, noch durchgängig gleich dick. Allein, die Erfahrung lehrt, daß der Kamm, PfeiliconF. 1805 a), nach den Zähnen a c zu, nach und nach dünner wird, so daß das Feld d e am stärksten ist. Daher wird jede Platte mit einem breiten Haumesser, PfeiliconFig. 1807, welches, der Bequemlichkeit wegen, zweyschneidig ist, zugehauen. Der Arbeiter hält nähmlich jede Horn=Platte mit einer kleinen Zange auf dem Haublocke fest, und behauet das Horn an beyden Seiten auf der Zahn=Seite a c, PfeiliconF. 1805 a). Hierdurch wird nun die Hornplatte keilartig abgeschärft. Ehedem hielt man bey dem Zuhauen die Platte nicht mit einer Zange, sondern mit den Fingern fest, welche aber öfters verletzet wurden. Das Haumesser schärft nun zwar das Horn auf der Zahnseite, aber es behauet dasselbe nicht völlig glatt, daher wird jede Platte nach dem Zuhauen gebockschabet. Der Arbeiter hält nähmlich das Horn auf dem Absatze a eines hölzernen Bockes, PfeiliconFig 1808, mit den Knien fest, und beschabet es auf beyden Seiten mit dem Bockmesser, PfeiliconFig. 1809. Der Bock gleicht einem kleinen Gärberbaume der Weißgärber, und das Bockmesser dem Streicheisen der Lohgärber. Das letztere ist zweyschneidig, und es wird mit beyden Händen, vermittelst der beyden hölzernen Handgriffe, a und b, bey dem Schaben geführt. Hiernächst muß der Umfang des ganzen Kammes geebnet, und hierdurch genau bestimmet werden. Bey einigen Frisir=Kämmen sind die Zahnspitzen unten geründet, und in diesem Falle wird die Zahnseite unterhalb zugleich der <33, 168> Länge nach geründet. Vorzüglich und gewöhnlich pflegt der Kammmacher aber nur das Feld d e PfeiliconFig. 1805 a), oberhalb, und die Zahnseite unterhalb, zu bestoßen. Diese ganze Arbeit verrichtet er mit einer Bestoßfeile, PfeiliconFig. 1810, mit Beyhülfe eines Bestoßnagels, PfeiliconFig. 1811. Die Bestoßfeile hat, statt der gewöhnlichen Feilenhiebe, scharfe Furchen, Rinnen, oder Kerbe. Der Kammmacher lässet sich das Eisen zu diesem und andern ähnlichen Werkzeugen schmieden, und schneidet die Kerbe oder Zähne selbst mit verschiedenen gewöhnlichen Feilen ein. Der hölzerne Bestoßnagel, PfeiliconF 1811, hat auf der Seite in a, einen Kerb. Der Arbeiter spannt den Bestoßnagel in den Schraubstock, stellt die Hornplatte mit einer schmahlen Seite in den Kerb des Bestoßnagels, hält das Horn mit der linken Hand an der andern schmahlen Seite fest, und bestößt es mit der Bestoßfeile auf dem Felde d e und der Zahnseite a c, PfeiliconFig. 1805 a).

Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon Bis hierher ist die Hornplatte nur erst zu einem Kamme ausgehauen; es fehlen aber noch die Zähne, und dies werden folgender Maßen ausgeschnitten. Zuvörderst zeichnet der Kammmacher die Länge der sämmtlichen Zähne mit einem Riß, PfeiliconFig. 1812, vor. Dieses eiserne und auf ein hölzernes Heft befestigte Werkzeug, hat in a eine umgebogene und nach der Quere gerichtete kleine Klinge, auf deren Stiele eine kleine eiserne Platte b c, die sich auf demselben hinauf und hinab schieben lässet, steckt. Der Professionist hält die Platte b c unter der Zahnseite a c der Horn=Platte, PfeiliconF. 1805 a), mit dem Finger fest, und deutet von f nach g die Länge der Zähne mit einem Striche vermittelst der umgebogenen Klinge des Risses an. Nach dieser gezogenen Linie schneidet er nun die Zähne, ihrer Länge nach, aus, und befestigt bey diesem Ausschneiden die Hornplatte in einer hölzernen Kluppe, (Kloppe), PfeiliconFig. 1813. Im Grunde betrachtet, ist <33, 169> diese Kluppe nichts anders als ein hölzerner Schraub=Stock welcher das Horn nicht verletzt, weil er von Holz ist. Die ganze Kluppe steht auf einem Werk=Tische a b, wovor der Professionist bey der Arbeit sitzt. Auf diesem Werktische stehen zwey kurze senkrechte Hölzer, h und i, worauf der unterste Schenkel, oder das unterste Kluppenbret c d völlig befestigt ist. Auf diesem liegt ein eben so großes Kluppenbret, e f; und beyde sind etwa 1 1/2 Fuß lang, und in d f 1 Fuß breit. Jedes Kluppenbret hat in e c einen Stiel, und in d f ist es ausserhalb abgeschärft. Das oberste Kluppen=Bret wird mit dem untersten unterhalb durch zwey eiserne Flügelschrauben vereiniget, deren Flügel unter dem untersten Brete stehen, und wovon man also nur auf dem obersten die beyden eisernen Platten in k und l steht, womit die Schraubenspindeln in dem obersten Brete befestigt sind. Zwischen die beyden Stiele c und c dieser Kluppenbreter steckt der Arbeiter bey dem Gebrauche der Kluppe einen hölzernen Keil g, den er an einer Schnur wieder hervor ziehen kann; dieser Keil presset die beyden Breter in d f hinlänglich zusammen. Die Kluppe steht, wie die Figur zeigt, auf dem Werktische von d f nach e c hinab geneigt; und dieses ist nöthig, wenn der Professionist die Zähne gehörig ausschneiden will. Er spannet die Kluppe mit den beyden Flügelschrauben unter l und k auf, steckt in d f das Feld d e, PfeiliconFig. 1805 a) der Hornplatte hinein, schraubet die Breter mit gedachten Schrauben wieder zusammen, und befestiget hierdurch die Hornplatte in der Kluppe. Die Hornplatte ist also gleichfalls geneigt in der Kluppe befestigt, und vor dieser steht der ganze Theil der Hornplatte vor, worin die Zähne ihrer ganzen Länge nach ausgeschnitten werden sollen. In einigen Werkstätten befindet sich die Kluppe auf einer Bank mit einem Loche, in welchem der Arbeiter mit dem linken Fuße sitzt; siehe PfeiliconFig. 1813 *). Grobe Zähne wei<33, 170>ter Kämme werden bloß mit einem Schneideeisen, PfeiliconFig. 1814, einer Art von Stichsäge, aus freyer Hand und nach dem Augenmaße eingeschnitten; feine Zähne aber werden mit einer gewissen Säge, welche der Rimpler (oder, wie man es auch spricht, Rümpler), oder Rumpel, Fr. Estadou. oder Guide âne, genannt wird, PfeiliconFig. 1815, eingeschnitten, oder gerimpelt (gerumpelt). *

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Etwa von Raum, räumen, als ein Intensivum des letztern? Oder vielmehr als eine unmittelbare Nachahmung des Lautes, und als ein Verwandter von rumpeln.

In beyden Fällen bewegt der Kammmacher das Instrument nicht senkrecht, so, daß er von der Spitze des Zahnes c, PfeiliconFig. 1805 a), bis zum Felde g hinauf, einschneidet, sondern er bewegt dasselbe horizontal; und da der Kamm gleichfalls in der Kluppe beynahe horizontal befestigt ist, so richtet er die Säge gleich von dem Felde des Kammes nach den Zahnspitzen, oder von g nach c. Hieraus erhellet nun schon, wie er mit dem Schneideeisen, PfeiliconF. 1814, die Zähne weiter Kämme ausschneidet. Allein vermöge der Einrichtung des Rimplers, PfeiliconF. 1815, kann er mit diesem Werkzeuge weit genauer und sicherer schneiden, und ich muß daher die Theile desselben zuvörderst zergliedern. Das Gestell dieser Säge ist aus zwey neben einander liegenden Bretern, c d, vermittelst drey Flügelschrauben, i, zusammen gesetzt, und wird, bey dem Sägen oder Rimpeln, mit einem gekrümmten hölzernen Griffe e beweget. Zwischen beyden Bretern des Gestelles sind zwey feine Sägeblätter, Fr. Feuillets, befestigt, wovon das eine g h vor dem andern f d etwas vorspringt. Bey einem groben Rimpler stehen die Sägeblätter etwa so weit von einander ab, daß man eine Schnur dazwischen legen kann; bey einem seinen aber lässet sich nur ein starkes Blatt Papier dazwischen legen. Ausserdem sind die Sägeblätter eines kleinen und feinen Rimplers auch dünner und <33, 171> feiner. Die groben Rimpler heissen schlechthin Rimpler oder Rumpel, PfeiliconFig. 1815, A; die kleinen und feinen, B, nennt der Professionist Zeug. Mit dem groben Rimpler schneidet der Kammmacher die Zähne mittelmäßiger weiter, mit dem kleinen oder dem Zeuge aber die Zähne der engen und feinsten Kämme aus. Er führt beym Schneiden, wie gesagt, den Rimpler horizontal, und das vorspringende Sägeblatt g h schneidet den Schnitt oder den Abstand eines Zahnes hinter dem benachbarten Zahne vor. Wenn demnach das vorspringende Sägeblatt den Schnitt h, PfeiliconFig. 1805 a), einschneidet, so schneidet das zurück gezogene Blatt den Schnitt i vor. Diese Einrichtung des Rimplers verschafft den Vortheil, daß der Schnitt des zurück gezogenen Sägeblattes dem Professionisten sogleich anzeigt, wo er das vorspringende Sägeblatt zunächst wieder ansetzen muß. Folglich müssen nothwendig alle Zähne durch den Rimpler in gleicher Breite und Distanz eingeschnitten werden. Allein, da das Horn in der Kluppe schräge gerichtet ist, und das Schneideeisen sowohl, als der Rimpler, bey dem Sägen horizontal geführt wird, so wird zwar jeder Zwischenraum zwischen zwey Zähnen auf einer Seite des Hornes ausgeschnitten, auf der andern Seite aber bleibt neben dem Felde d e, PfeiliconF. 1805 a), unter f g ein keilförmiges Stück stehen. Der Arbeiter muß daher die Hornplatte in der Kluppe umdrehen, und auf der andern Seite mit dem Schneideeisen, PfeiliconF. 1814, wiederschneiden, wodurch das keilförmige Stück ausgeschnitten wird. Indessen bleibt doch stets zwischen zwey und zwey Zähnen auf dem Grunde oder unter dem Felde in f g, PfeiliconF. 1805 a), ein Höcker stehen, welcher auf beyden Seiten schräge ist. Deswegen muß der Kammmacher zwischen zwey und zwey Zähnen gleichfalls mit dem Schneideeisen gründen. Er richtet in diesem Falle das Schneideeisen dergestalt, daß, <33, 172> statt des Höckers auf dem Grunde eines Einschnittes, eine ebene Fläche entsteht. Zu einem weitzähnigen Kamme muß er in allen Fällen, da er das Schneide=Eisen gebraucht, ein starkes und dickes, zu einem engen Kamme aber ein dünnes Schneideeisen wählen; daher muß er Schneideeisen von verschiedener Stärke besitzen. Indessen gründet er doch nur bey großen und weiten Kämmen, aber nicht bey feinen, weil die Zähne dieser Kämme durch das Gründen zu schwach werden würden. Gründet er aber, so säget er erst inwendig, d. i. auf einer Seite, und hernach auf der andern Seite.

Die Zähne sind nun zwar eingeschnitten, aber sie sind noch durchgängig gleich dick, und sie müssen daher nunmehr gespitzet werden. Grobe und weite Kämme spitzet der Kammmacher mit einer Spitzfeile, welche ebenfalls, statt der Hiebe, der Breite nach scharfe Kanten oder Kerbe (Remel) hat; PfeiliconFig. 1816 a). Er spitzet jeden Zahn auf jeder Seite des Kammes zwey Mahl, nähmlich erst auf der linken Seite des Zahnes, oder auf dem Finger, und hernach auf der rechten Seite, oder auf dem Unterhalter. Diese Benennung auf dem Finger und auf dem Unterhalter feilen, hat ihren Ursprung da her genommen, weil der Professionist, wenn er einen Zahn auf der linken Seite mit der Feile spitzet, den benachbarten Zahn mit einem Finger der linken Hand zurück bieget, damit er ihm bey dem Feilen nicht hinderlich sey. Spitzet er aber den Zahn auf der rechten Seite, so kann er den Finger der linken Hand nicht so bequem anbringen; er nimmt daher in diese Hand einen Unterhalter, und biegt hiermit den benachbarten Zahn zur Rechten zurück. Dieser Unterhalter ist bloß ein Stück Horn mit einem Kerbe, und mit diesem biegt er den nächsten Zahn zurück. Solcher Gestalt werden nun alle Zähne eines groben Kammes auf einer Seite nach der Reihe gespitzet, und <33, 173> der Arbeiter kehrt nunmehr den Kamm in der Kluppe um, und spitzet auf eben die Art die sämmtlichen Zähne an der andern Seite des Kammes. Feine Kämme, z. B. Frisirkämme, erhalten vorzüglich feine und spitzige Zähne, und diese werden daher mit einer gewöhnlichen dreykantigen englischen Zahnspitzfeile, PfeiliconFig. 1816 b), gespitzet, weil diese Feile stärker angreift; doch hat diese Feile nur auf zwey Seiten einen Hieb, und die dritte ist glatt. Diese Feile schärft oder spitzet auf jeder Seite des Kammes zwey benachbarte Zähne zugleich; daher darf der Arbeiter die Zähne nur erst auf der einen, und hernach auf der andern Seite des Kammes ein Mahl spitzen, oder spitzig feilen. Hierbey ist noch zu bemerken, daß feine französische Frisirkämme nicht nur vorher, ehe man die Zähne einschneidet, auf beyden flachen Seiten mit der Handfeile geebnet werden, sondern daß man sie auch sorgfältiger spitzet, weil sie vorzüglich spitzige Zähne haben müssen. Indessen werden doch alle Kämme, wenn sie gespitzt sind, jederzeit mit einer Handfeile, PfeiliconFig. 1816 c), auf beyden flachen Seiten, und, wenn es nöthig ist, auch auf dem Felde und an den Seiten befeilet und geebnet. Die Handfeile hat ebenfalls, statt der Feilenhiebe, Zähne oder scharfe Kanten. Endlich müssen die Zähne des weiten Haar= oder Auskämm=Kammes noch mit einem hakenförmigen eisernen Werkzeuge, oder dem so genannten Zieher, Fr. Grêle. PfeiliconFig. 1817, völlig geründet oder rund geschabet werden. Dieses Werkzeug ist mit einem hölzernen Hefte versehen. An der gekrümmten Spitze desselben befindet sich ein runder und geschärfter Ausschnitt, den der Arbeiter an allen Seiten an den Zahn ausetzt, und damit vom Grunde bis zur Spitze herauf zieht, wodurch der Zahn geründet wird. Die besten Haarkämme erhalten jetzt weite und runde Zähne, weil die Erfahr<33, 174>ung lehrt, daß mit solchen Kämmen das Haar sich am leichtesten und besten auskämmen lässet.

Der Kamm ist nunmehr fertig, und er darf nur noch geglättet und poliert werden. Diese Arbeit verstehen die Frauen der Kammmacher am besten; und dieses nöthiget jeden Kammmacher, eine Tochter seines Mitmeisters zu heurathen, die es, von Jugend auf, von ihrer Mutter gesehen und gelernt hat. Der Kamm wird zuerst mit einem Handmesser, PfeiliconFig. 1818, welches mit seinem langen hölzernen Stiele an 1 1/2 F. und zweyschneidig ist, durchgängig geschabet. Dieses Messer muß beständig so scharf, wie möglich, seyn, und es wird daher zum öftern auf einem Stahle gestrichen. Das Schaben glättet nun zwar den Kamm in etwas; aber er muß doch noch überdies poliert werden. Feine Kämme, die auch fem poliert werden müssen, reibt man entweder mit Schachtelhalm, oder mit zerstoßenem und mit Wasser angefeuchtetem Bimstein. Hierauf wird der Kamm in die Kluppe gespannet, und mit zerstoßenem und mit Wasser angefeuchtetem Tripel, oder auch mit Kreide, vermittelst eines Filzes oder Tuches, gerieben, und beydes nachher mit einer nassen Bürste aus den Zähnen heraus gebürstet. Grobe Kämme werden bloß mit geschabter und mit Wasser angefeuchteter Kreide, oder mit angefeuchtetem ungelöschtem Kalke bestrichen, und auf einem mit Tuche oder Filze doppelt überzogenen Polier=Holze, die Filzgeige oder das Filzholz; genannt, Fr. Alumelle, PfeiliconFig. 1819, gerieben. Zuletzt bestreicht man sie mit Baumöhl, und sucht sie hierdurch haltbar zu machen, daß sie nicht so leicht absplittern. Das Oehl wird wieder mit Hornspänen abgerieben, und diese werden aus den Zähnen mit einer Bürste heraus gebürstet. Zuletzt reibt man den Kamm mit einem reinen leinenen Tuche ab, aber mit keinem wollenen, weil dieses haaret.

<33, 175>

II. Aus Schildkrötenschale können zwar alle Arten Kämme verfertiget werden, es werden aber, des höhern Preises wegen, hieraus nur feine Auskämm= und Frisir= desgleichen Chirgnon=Kämme gemacht. Sie werden mit eben den Handgriffen, wie die Kämme aus Horn, verfertiget, nur daß mit der Schildkröten=Schale behutsamer umgegangen werden muß, weil sie härter und spröder ist, und daher leicht ausspringt. Der Kammmacher kauft die Schildkrötenschalen bereits in Platten, und diese darf er nur, eben so wie das Horn, mit der Oertersäge in dünnere Platten zerschneiden, alsdann über Kohlenfeuer erwärmen, und zwischen zwey eisernen Platten in einen Schraubstock spannen, und sie hierdurch gerade richten. Nach dem Pressen darf er aber die Platten nicht mit dem Hau=Messer zuhauen, und an der Zahnseite schärfen, sondern er muß dieses mit einer Handfeile, PfeiliconF. 1816 c), und einigen andern feinern Feilen verrichten; denn die spröde Schale zerspringt bey dem Nachdrucke, welcher bey dem Hauen angewendet werden muß. Uebrigens wird alles, wie bey den Hornkämmen, doch, wie gesagt, mit Behutsamkeit, verrichtet. Zuletzt werden die Kämme dieser Art, wie die feinen Horn=Kämme, poliert.

Klassifizierung: 620.1 Technische Mechanik und WerkstoffeDDC-Icon Klassifizierung: 338.52 PreiseDDC-Icon Klassifizierung: 382 Internationaler Handel (Außenhandel)DDC-Icon III. Das Elfenbein verarbeitet der Kammmacher insgemein nur zu Kämmen, womit Kinder gereiniget werden, und überdies zu Schachteln, Ausreibeknochen und andern Kleinigkeiten. Der berlinische Kammmacher erhält die Elephantenzähne über Hamburg aus London, Amsterdam und Rotterdam. Er schätzt das gelbe Elfenbein als das dichteste und feinste am mehresten, und benimmt ihm dadurch seine gelbe Farbe, daß er es über Kohlenfener, worauf Schwefel angezündet ist, hält. Es gibt Elephantenzähne von 5 bis 130 Pfund, (s. Th. X, Pfeil-IconS. 735, fgg.) allein der Kammmacher kann nur diejenigen gebrau<33, 176>chen, die über 50 Pfund schwer sind; denn er muß zu den Kämmen schon ziemlich große Platten aus dem Zahne ausschneiden. Der untere starke Theil des Zahnes, oder, wie ihn der Professionist nennt, die Höhlung, ist nicht brauchbar, weil der Zahn unten, etwa 1 F. lang, wie ein Rohr hohl ist. Der Zahn hat zwar durchgängig in dem Kerne eine hohle Rinne, sie verliert sich aber nach und nach über der Höhlung, und wird zuletzt ganz unmerklich. Wenn daher der Kammmacher über der Höhlung Tafeln ausschneiden will, so schneidet er so, daß der hohle Kern abgeht, und weg geworfen werden kann. So bald also die Höhlung abgeschnitten ist, zerstückt der Professionist den ganzen Zahn. der Dicke nach, in runde Klötze. Er zerschneidet in diesem Falle den Zahn mit einer Säge, die einer Schrotsäge gleicht, ausser daß sie feiner und auch etwas kleiner ist. Jeder Klotz muß nun, der Länge nach, in dünne Tafeln oder Platten zerschnitten werden, und zwar so, daß die Zähne des Kammes ebenfalls, wie bey dem Horne, nach der Länge des Zahnes, oder mit den Fasern und Lagen des Knochens ausgeschnitten werden können. Der Arbeiter muß aber mit einer so thenern Waare, wovon jedes Pfund 2 Rthlr. kostet, so sparsam und rathsam, wie möglich, umgehen; daher zerschneidet er jeden Klotz mit einer Säge, deren Blatt von einer Uhrfeder gemacht ist, PfeiliconFig. 1820, zu Platten. Uebrigens gleicht diese Säge der vorher gedachten, ausser daß sie kleiner und feiner ist. Er lässet jeden Klotz ein Par Tage in kaltem Wasser liegen, (denn in warmen reißt das Elfenbein auf.) Hierdurch sucht er das Elfenbein einiger Maßen zu erweichen, ungeachtet dieses Einweichen sehr wenig hilft, weil das kalte Wasser nicht in den harten Knochen eindringen kann. Nach dem Einweichen spannet er jeden Klotz in einen Schraubestock, und zerschneidet ihn mit vorgedachter <33, 177> Säge nach der Länge in dünne Platten. Alsdann muß er jede Platte an der Zahnseite, wie bey dem Horne, schärfen. Da er aber das harte und spröde Elfenbein, eben so wie die Schildkrötenschale, nicht behauen kann und darf, so bestößt er die Platte mit der Bestoßfeile, PfeiliconF. 1810, schärft sie hierdurch an der Zahnseite ab, und ebnet zugleich mit eben dieser Feile den vierkantigen Umfang der Platte. Hierauf spannt er die Platte in die Kluppe, PfeiliconF. 1813, und schneidet auf beyden Seiten der Platte Zähne aus. Er verrichtet dieses eben so, wie bey den Hornkämmen, ausser daß er die feinen Zähne eines elfenbeinernen Kammes mit einem Zeuge, oder feinen Rimpler, PfeiliconF. 1815, B, ausschneiden muß. Die Zähne werden mit einer gewöhnlichen deutschen und flachen Messerfeile eben so gespitzt, wie ich oben bey den groben Horn=Kämmen gezeigt habe. Zuletzt wird der Kamm mit dem feinen Handmesser, PfeiliconF. 1818, geschabet, hiernächst in die Kluppe gespannet, mit geschabet und mit Wasser angefeuchteter Kreide bestrichen, und mit einem feinen weißen Filztuche eben so, wie feine Hornkämme mit einem leinenen Tuche gerieben.

Klassifizierung: 331.21 EntlohnungDDC-Icon Klassifizierung: 338.5 Allgemeine ProduktionswirtschaftDDC-Icon Klassifizierung: 338.7 UnternehmenDDC-Icon Berechnung über eine zu errichtende elfenbeinerne Kamm=Fabrik, und den nach Abzug der Ausgaben sich mit erweisenden Nutzen, wobey jährlich 50 Centner verarbeitetes Elfenbein zum Grunde gesetzet werden.

50 Ctn. Elfenbein kosten, den Ankauf das lb. à 1 Thlr. gerechnet, 5000 Thlr. -- Gr.
Solche erfordern, zu platten, durch 5 Plattschneider 300 Arbeitstage; jeder hat täglich 4 Gr. Kostgeld und 6 Gr. an Lohn, mithin einer 10 Gr.; beträgt zusammen  625 --
Latus 5625 Thlr. -- Gr.
<33, 178>
Transport 5625 Thlr. -- Gr.
Die verfertigten Platten werden in 300 Arbeitstagen von 10 Kammmachern bis auf die Polierung verarbeitet; jeder Kammmacher hat täglich an Lohn und Kostgeld 8 Gr.; beträgt also für 10 Personen 1000 --
Das Polieren wird durch die Lehrjungen bestritten, denen nur die Kost gereichet wird; da nun in 3 Tagen ein Lehrjungen 10 lb. polieren muß, und an Kostbetrag 9 Gr. erhält, so erfordert die sämmtl. Politurarbeit in 300 Arbeitstagen 5 Lehrjungen, und zu deren Unterhaltung  137 12
Hierbey wird ein geschickter Obermeister, welcher nicht nur die ganze Arbeit dirigiret, sondern auch die Verfertigung schöner Messerhefte und deren Beitzung auch andern dergl. Arbeiten, besonders wenn eine Drechslerey damit vereinigt ist, (und ausser dem projectirten noch vielen Nutzen und Debit verschaffen kann,) erfordert; diesem sind, ausser freyem Holze, Logis und Licht, jährlich  400 --
Desgleichen einem Factor,  400 --
Für Holz, Logis, Oehl, Licht etc.  138 --
Summa sämmtlicher Ausgaben 7700 Thlr. 12 Gr.

Nutzung.

Aus 10 lb. Elfenbein können wenigstens 6 lb. Kämme verfertiget werden, mithin aus 50 lb. Bein 30 lb. Kämme, folglich aus 50 Ctn, Elfenbein 30 Ctn. Kämme; da nun jetzt jedes lb. verfertigter Kämme à 4 Thlr. 12 Gr. verkauft wird, so betragen 30 Ctn. Kämme 13500 Thlr.
Nun mangeln noch zu Completirung der 50 Ctn. Elfenbein, 20 Ctn. Diese finden sich:
<33, 179>
Transport 13500 Thlr.
1. In 1200 lb. größern Stückchen Elfenbein, woraus die Nürnberger Puppenwerk und Kinder=Spielsachen verfertigen lassen, und ihren Drechslern jedes lb. à 8 Gr. anschlagen, mithin nach solchem Anschlage betragen   400
2. In 800 lb. kleinen Spänen, welche entweder in die Apotheke, oder als Streusand, um ein Weniges verkauft, oder auch mit mehrerm Nutzen Bein damit schwarz zu beitzen, verwendet, hier mit angeschlagen werden    40
Summa der Einnahme 13940 Thlr.
Wenn nun die Einnahme gegen die Ausgabe der  7700 Thlr.
gehalten und abgezogen wird,
so erhellet ein Nutzen von  6240 Thlr.

Klassifizierung: 914.33 BayernDDC-Icon Klassifizierung: 338.632 ZunftwesenDDC-Icon In Nürnberg nähren sich von dieser Kammmacherey 300 Meister, deren jeder wenigstens 2 Gesellen und 1 Lehrjungen hält, mithin eine Zahl von 900 Menschen ausmachen. Ihre in Arbeit stehende Gesellen werden niemahls zünftig gemacht, *

*
In Nürnberg können insonderheit diejenigen Gesellen, welche sich in puncto Vlti verfehlen, nicht Meister werden, sondern dürfen nur Horn und Klauen um das Tagelohn zurichten, und werden daher Hornrichter genannt.

und dadurch genöthiget, an Ort und Stelle zu bleiben, wozu sie sich noch mit einem körperlichen Eide verpflichten müssen. Diese Präcaution der Nürnberger, und die Menge jener sich dort hiervon nährenden Menschen, lassen von der Einträglichkeit der Sache einen scheinbaren Schluß fassen.

No. 25 des Leipz. Int Bl. v. J. 1767, S. 247, f.

Klassifizierung: 914.4 Frankreich und MonacoDDC-Icon Klassifizierung: 382 Internationaler Handel (Außenhandel)DDC-Icon Klassifizierung: 788 Blasinstrumente (Aerophone)DDC-Icon Klassifizierung: 683.4 HandfeuerwaffenDDC-Icon Der Kammmacher hat den Nahmen von dem Kamme, als seiner häufigsten Arbeit; ausser denselben verfertigt er aber auch Pulverhörner, Hörner für die Nachtwächter, hörnerne Schachteln für die Mahler, und andere Arbeiten aus Horn, welche nicht in das <33, 180> Gebieth des Horndrechslers gehören; s. Th. XXV, Pfeil-IconS. 236, und Pfeil-Icon247, f. Der Kammmacher hat ein zünftiges und geschenktes Handwerk. In Deutschland hat fast jede Stadt ihre Kammmacher daß also niemand daselbst nach dieser Waare weit suchen darf. Die meisten Kämme aber, vornehmlich die elfenbeinernen, werden, wie ich kurz vorher gemeldet habe, in Nürnberg gemacht, und von da überall versendet. Insonderheit gehen von da jährlich viele tausend Bund Kämme nach Italien, welche daselbst in den Seiden=Manufacturen, die Seide damit zu kämmen, gebraucht werden. In Frankreich werden ebenfalls in den vornehmsten Städten sehr viele Kämme von allerley Materie und Gestalt gemacht, und es wird damit ein ansehnlicher Handel getrieben; am häufigsten und am besten aber macht man sie zu Paris und Rouen; vornehmlich werden in Frankreich, und zwar ebenfalls zu Paris und Rouen, sehr viel Kämme von Buchsbaum=Holz gemacht, und häufig überall, insonderheit auch nach Deutschland, verführet, weil daselbst das Buchsbaumholz, (welches die Holländer in Menge aus der Levante, vornehmlich von Smyrna und Constantinopel, nach Rouen bringen, von da es die pariser und andere Kammmacher nehmen,) wohlfeiler zu haben ist, als in Deutschland. Das Horn zu den Kämmen hingegen bekommen die Franzosen mehrentheils über Rouen aus England. Die zu Rouen verfertigten Kämme von Buchsbaum und Horn, werden nach den Nummern verkauft und versendet, welcher Nummern man bey denen von Horn nur einerley Gattung hat. Die kleinsten Gattungen der buchsbaumenen Kämme werden nähmlich durch Buchstaben, und die größern durch Ziffern bemerket. Diese Buchstaben sind: No. A, No. B, No. C, No. D, und No. O. Alsdann gehen die Nummern mit Ziffern an, und diese sind: No. 1, No. 2, No. 3, und so fort No. 12; <33, 181> welches die größten und letzten Kämme von Buchsbaum sind. Die Kämme von No. A, sind die kleinsten, und (so weit die eigentlichen Zähne von einem großen Seitenzahne an bis zum andern reichen, die großen Seitenzähne nicht mit gerechnet,) nicht über 2 Zoll breit. Von diesem Maße an nehmen alle die andern Nummern, sowohl mit Buchstaben, als mit Ziffern, beständig zu, und zwar so, daß allemahl die Kämme von der folgenden Nummer ungefähr um 6 Lin., oder um 1/2 Z. breiter sind, als die von der vorhergehenden Nummer, dergestalt, daß die größten ungefähr 8 bis 10 Z. breit sind. Bey den Kämmen von Horn, welche niemahls so klein gemacht werden, als die von Buchsbaum, gehen sie erst bey No. 4 an; sie gehen aber dafür auch weiter, als die Nummer der buchsbaumenen, nähmlich bis No. 15. Die hörnernen Kämme von No. 4, sind ungefähr 5 bis 6 Z. breit, und die folgenden Nummern steigen eben so, wie bey den buchsbaumenen, jedes Mahl mit 1/2 Z. auf, daß also No. 15 in der Breite ungefähr 10 bis 12 Z. hat. Für die Kämme von Elfenbein und Schildkrötenschale hat man keine Nummern; die Schönheit und der Preis dieser Materien nimmt sie von dieser Regel aus. Es werden aber auch von Elfenbein und Schildkrötenschale zu Rouen und in ganz Frankreich, (Paris ausgenommen,) wenig Kämme gemacht. Das, was hier von den zu Rouen fabricirten Kämmen, und der Art, wie sie numeriret und verkaufet werden, gesagt ist, ist hinlänglich, einen Begriff von der Art zu geben, wie in allen übrigen Städten Frankreiches die Kämme fabriciret, numeriret und verkaufet werden, indem hierin entweder gar kein, oder doch nur ein sehr geringer Unterschied ist.

Was den Verkauf der Kämme überhaupt betrifft, so werden sie einzeln, und auch in Bunden zu Dutzenden, verkaufet.

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Klassifizierung: 338.632 ZunftwesenDDC-Icon Die Kammmacher sind im ganzen römischen Reiche zu keinen Meisterstücken verpflichtet, sondern wenn, wie z. B. in Nürnberg, eines Meisters Sohn das 25ste Jahr seines Alters erreicht, und ein Fremder 15 Jahre auf dem Handwerke gearbeitet hat, kann er zu dem Meisterrechte gelangen. Hingegen in Schlesien, Preußen, Schweden, und im Braunsch veigischen, finden die Meisterstücke Statt. Sie bestehen in einem mit Laub= und Jagdverzierungen durchbrochenen Kamme, von einem Franzgrunde, d. i. da die Wurzeln eines jeden Zahnes, der Zierde und des tiefern Kämmens wegen, schräge ausgeschnitien sind; ferner in einem halben Dutzend gemeiner Horn=Kämme, in eben so viel schildkrötenen, in 6 Stück gefalzter Kämme mit dünnen Zähnen, zum bequemen Auskämmen der langen Haare, in 6 Stück Staub=Kämme, deren Zähne dicht beysammen stehen. Da auch die Kammmacher alle Feilen und Sägen, woraus ihr Hand verkszeug zusammen gesetzt ist, selbst schmieden, seilen, härten, stellen und putzen müssen: so müssen sie in gedachten Ländern an Werkzeugen verfertigen: ein Staubzeug, d. i. zwey Sägeblätter, zu gleich großen Zähnen gefeilt, in einem eisernen Bogen; ein Nißzeug, dessen Zähne etwas weitläuftiger, als im Staubzeuge, stehen, auch von zwey Stahl=Blättern und einer Säge im Bogen. Diese drey Blätter müssen einen so egalen Schnitt verrichten, daß ein jedes Blatt, vermittelst seiner Vorrückung, so tief als das folgende einschneidet. In andern Provinzen wird ein Schneideeisen, und eine Größerfeile, welche die groben Zähne zuspitzt, verfertiget.

General-Privilegium und Gildebrief des Kammmacher=Gewerks in der Chur= und Mark Brandenburg dies= und jenseit der Oder und Elbe, insonderheit des Kammmacher=Gewerks in Berlin d. d. Berl. d. 15 Febr. 1735, st. in Mylii Corp. Const. March. 5 Th. 2 Abth. Anh. No. XXXVI, Col. 385--396.

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Klassifizierung: 679.4 Produkte aus keratin- und dentinhaltigen WerkstoffenDDC-Icon Klassifizierung: 331 ArbeitsökonomieDDC-Icon Klassifizierung: 914.38 PolenDDC-Icon Klassifizierung: 338.632 ZunftwesenDDC-Icon Zu Breslau sind schon seit langer Zeit die drey Gewerke der Stecknadler, Kammmacher und Rosarienmacher mit einander vereimgt. Sie haben eine gemeinschaftliche Zechlade, und halten die Quartal=Zusammenkünfte, bey welchen die Annehmung und Lossprechung der Lehrjungen und andere Handwerks=Angelegenheiten vorgenommen werden, zusammen. Von den vier Handwerks=Aeltesten werden zwey aus den Stecknadlern und zwey aus den Kammmachern bestellet, so, daß allemahl ein Stecknadler= und ein Kammmacher=Aeltester das Amt übernimmt, und wenn einer von ihnen abgeht, der neue Aelteste aus demjenigen Mittel, dem der Abgegangene zugethan gewesen ist, von den übrigen Aeltesten gewählet wird. Zu Bestreitung der jährlich zu entrichtenden Monathsgelder und anderer Mittels=Nothdurften, muß ein jeder Meister an Quartal=Groschen 2 Silbergr. 6 Pfenn., und an so genanntem Wochen=Gelde 1 Sgr. 9 Pf., eine Wittwe hingegen 1 Sgr., beytragen. Der Handwerks=Assessor bekommt an jährlichem Salario 4 Rthlr.; jeder der beyden amtshabenden Aeltesten 8 Rthlr., und jeder der beyden andern Aeltesten 6 Rthlr., aus der Mittels=Casse. Ein Lehrling muß sich, ehe er aufgenommen wird, bey seinem erwählten Meister 4 Wochen auf die Probe geben. Die Lehrzeit ist 4 Jahre. Lehrgeld wird nicht bezahlt, dagegen der Lehrling ein Gedeck Betten mitbringen muß, welches dem Lehrmeister nach geendigten Lehrjahren eigenthümlich verbleibt. Bringt der Lehrling kein Bett mit, so muß er dafür ein Jahr länger in der Lehre bleiben. Ein Gesell muß 3 Jahre, doch ohne Erlaubniß der Kammer nicht ausserhalb Landes, wandern. Ein einwandernder Gesell, der sich gehörig legitimiret, bekommt von den Gesellen aus deren eigenem Beutel ein Geschenk von 6 Sgr., und 7 Kreutzer von demjenigen Meister, an den die Reihe ist. Ein jeder Gesell, wel<33, 184>cher Arbeit bekommt, muß bey seinem Meister 14 Tage bleiben; will der Meister nach Verfließung solcher Zeit ihn nicht länger behalten, so kann der Gesell anderweitig um Arbeit umschauen lassen. Will aber der Gesell selbst Urlaub nehmen, so muß er solches dem Meister zu Ende der ersten Woche anzeigen, und sodann wieder fort wandern. Keinem Gesellen ist erlaubt, 14 Tage vor, und 14 Tage nach den Messen und Jahrmärkten aus der Arbeit zu gehen. Die Aufkündigung muß sowohl vom Meister, als vom Gesellen, 8 Tage vorher geschehen; es müßte denn der Meister rechtmäßige Ursachen haben, den Gesellen ohne Aufkündigung fort zu schicken. Ein Gesell, der Meister werden will, darf keine vierteljährige Probe=Arbeit thun, sondern wird gleich zu Verfertigung der Meisterstücke gelassen, die er binnen 14 Tagen anfertigen muß. Die Meisterstücke, zu deren Anfertigung der Stückmeister die Platten bey einem Zirkelschmiede schmieden lassen, und solche hernach zum Gebrauch selbst ausarbeiten muß, bestehen in nachfolgenden Stücken: 1. In zwey Stück großen Kämmen mit Tropfen unten an den Zähnen; 2. in sechs Stück mittlern Kämmen mit weiten und engen Zähnen; und 3. in sechs Stück Kämmen mit etwas längern Zähnen. Diese Meisterstücke bekommt nachher der Stückmeister wieder zurück, und dürfen nicht mehr, wie ehedem, unter die Meister vertheilet werden. Ein jeder Meister darf auf ein Mahl so viel Gesellen halten, als er deren nöthig hat.

Klassifizierung: 354.7 Verwaltung von Handel, Kommunikation, VerkehrDDC-Icon Die Kammacher zu Breslau haben die drey ersten Tage im Jahrmarkte den Vorkauf des Hornes, und darf binnen solchen drey Tagen kein fremder Meister Horn kaufen, als denen nur die übrige Zeit des Jahr=Marktes zum Horn=Einkauf frey und offen steht. Damit auch die breslauer Kammmacher=Waare von der fremden unterschieden werden könne, und jeder <33, 185> Käufer überhaupt mit tauglicher Waare versehen werde, muß ein jeder Meister seine verfertigte Waare mit den Anfangs=Buchstaben seines Tauf= und Zunahmens bezeichnen, und solche sodann dem amtshabenden Aeltesten zur Schau vorlegen, welcher hierauf das breslauische W. unentgeldlich beydrucken muß. So wohl das Hausiren mit Kämmen, als auch die Pfuscherey, ist verbothen und wird bestraft. Auch darf ausser Meß= und Jahrmarkt=Zeiten kein fremder Meister Kämme einführen. Wenn fremde Meister in Messen und Jahrmärkten ihre Waaren einbringen, müssen diese vorher, und noch vor der Messe und dem Markte, damit die Verkäufer in währendem Verkaufe nicht gehindert werden, der Tüchtigkeit halber, auf Anordnung der Aeltesten des Mittels, durch zwey Jüngste, doch ohne die Fremden zu chicaniren, beschauet, und die untüchtig befundene Waare zu fernerer Verfügung auf das Rathhaus gebracht werden.

Confirmirte Innungs=Artikel vor die vereinigte Mittel der Stecknadler, Kammmacher und Rosarienmacher zu Breslau, v. 16 May 1755.

In Berlin befinden sich jetzt 7 Kammmacher=Meister, 11 Gesellen und 4 Jungen.

Klassifizierung: 338.52 PreiseDDC-Icon Klassifizierung: 352.8 Verwaltung allgemeiner Formen der KontrolleDDC-Icon Nach der neu revidirten berliner Taxordnung, v. 1 Febr. 1771, sind die Preise der Kammmacher=Waaren folgender Maßen bestimmt.

Th Gr Pf bis Th Gr Pf
Ein Haarkamm von Horn auf beyden Seiten  1  2
Ein ordinärer  1
Ein Staubkamm  1 6  2
Ein krummer Kamm  1  1 6
Ein rundzähniger Kamm  2  2
Ein ganz weiter dergleichen  2
Ein Locken= oder Frisir=Kamm  1 6  2
Ein Messerkamm  2
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Th Gr Pf bis Th Gr Pf
Ein Pferdekamm  2
Ein Kamm von Schildkrötenschale 12 1
Ein buchsbaumener Kamm  3  8
Ein elfenbeinerner Kamm  3 12
Ein Pulverhorn nach Proportion der Größe  6 12
Ein Schuh=Anzieher  3  4
Ein feiner Frisirkamm auf französ. Art  3 6  4
Ein krummer Damen= oder Chignon=Kamm  5
Ein etwas größerer dergleichen  5 6  6

Die dresdner Taxrordnung von 1764, hat den Kammmachern folgende Preise vorgeschrieben.

Th Gr Pf bis Th Gr Pf
Ein Haarkamm von Horn  1  1 6
Einer auf beyden Seiten  1  1 6
Ein Staubkamm  1 6  2
Ein krummer Kamm  1  1 6
Ein rundzähniger  2
Ein ganz weiter  2  3
Ein Locken= oder Frisir=Kamm  1 6  2
Ein Messerkamm  2  3
Ein Pferdekamm  1  1 6
Ein Kamm von Schildkrot 16 1
Ein buchsbaumener  8 12
Ein elfenbeinerner  2  4
Ein Pulverhorn  6 12

Weigels Abbildung der gemeinnützl. Hauptstände etc. Regensp. 1698, 4 S. 452, fgg.

Melissantes historisches Handbuch für Bürger und Bauern, Frf. und L. 1744, 8. S. 627. fgg.

Hallens Werkstäte etc. 4 B. Brand. und L. 1765, 4. S. 53, fgg.

Sprengels Handwerke und Künste, 13 Samml. Berl. 1775, 8 S. 278, fgg.

Bergius neues Policey= und Cameral=Magaz. 3 B. 1777, 4. S. 267, fgg.

(Hrn. v Pfeifer) Lehrbegriff sämmtl. öcon. und Cameralwiss. 3 B. 2 Th. Mannh. 1778, 4. S. 351 f.

Kurzer Begriff menschl. Fertigkeiten und Kenntn. etc. 2 Th. Lpz. 1779, 8. S. 74, fgg.

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Jacobsons technolog. Wörterbuch, 2 Th. Berl. und Stett. 1782, 4. S. 346, f.

In Verlassenschaften und bey deren Absonderung, gehören Kämme, nebst den Futteralen, zur Gerade.

Kamm, (Auskämm=) s. oben, Pfeil-IconS. 164.

Kamm, (Chignon=) s. oben, Pfeil-IconS. 164.

Kamm, (Fein=) eine Art seiner Hechel; s. Th. XXII, Pfeil-IconS. 578.

Kamm, (Frisir=) s. oben, Pfeil-IconS. 165.

Kamm, (Haar=) s. oben, Pfeil-IconS. 156, Pfeil-Icon163 und Pfeil-Icon164.

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