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Interesse, (das) aus dem mittlern Lat. Interesse, und Fr. Intérêt.

1. Der Vortheil, der Nutzen; überhaupt alles das, woran uns der Ehre oder des Nutzens halber, etwas gelegen ist. Das Interesse (der Vortheil) der <30, 447> Nation, oder des Staates. Dieser Negociant versteht sich sehr gut auf sein Interesse, auf das, was ihm Vortheil oder Schaden bringen kann. Das Interesse Ihres Hauses (Ihrer Familie) liegt ihm am Herzen, er nimmt besondern Antheil an Ihrem und der Ihrigen Wohlergehen. Wir hatten kein anderes Interesse darunter (wir hatten keine andere Absicht, es war uns um weiter nichts zu thun), als ihm dadurch eine Gefälligkeit zu erzeigen.

Klassifizierung: 346.04 SachenrechtDDC-Icon 2. Die Schätzung des erlittenen Schadens, oder der verlornen Nutzung, welche sich durch Vorsatz oder Nachlässigkeit des andern Theiles äussert. In dieser Bedeutung ist daher das Interesse zweyerley: das Interesse wegen des verursachten Schadens, Interesse damni emergentis, und das Interesse wegen des abgängigen Gewinnes, Interesse lucri cessantis. In Ansehung des ersten muß erwiesen werden, ob jemand Schaden erlitten habe; in Ansehung des letztern ist solches von wahrscheinlichem und nicht allzu ungewissem Gewinne zu verstehen. Der durch genommenen Aufschub verursachte Schade, und dessen Schätzung, wird ins besondre das Interesse morae genannt. Dieses Interesse morae wird ohne fernern Beweis auf 5 vom Hundert gesetzt und zugesprochen, es wollte denn der Gläubiger durch Umstände und Vermuthungen ein anderes erweisen.

Klassifizierung: 701.17 ÄsthetikDDC-Icon 3. Im erweiterten Sinne nennt man in den schönen Künsten Interesse, dasjenige, worauf sich alle Theile eines Ganzen beziehen, und zu dessen Hervorbringung sie alle wirken, oder wirken sollen.

Klassifizierung: 179.8 Laster, Fehler, MängelDDC-Icon Zuweilen bedeutet Interesse den Eigennutz; den Trieb, seinen eigenen Nutzen, zum Nachtheil des Rechtes und der Billigkeit, zu befördern. Das Interesse ist nicht im Stande, ihn von der Rechtschaffenheit abzuleiten.

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Interessen Klassifizierung: 332.8 ZinsenDDC-Icon , (die) Fr. les Intérêts, der Plural des vorigen Hauptwortes, in welchem es im gem. Leben häufig gebraucht wird, die Zinsen eines Capitales, den Gewinn oder Ueberschuß auf ausgeliehenes bares Geld zu bezeichnen; die Zinsen, im Oberdeutschen der Uebernutzen, im Nieders. Ingeld, im Bergbaue der Umschlag. Geld auf Interessen austhun. Die Interessen bezahlen. Daher das Interessen=Conto, eine von den Hülfs= oder Neben=Rechnungen der Kaufleute, der sich diejenigen bedienen, welche ansehnliche Interessen einnehmen oder ausgeben, um darin alle Einnahmen in Credit, und alle Ausgaben in Debet zu bringen. Die Interessen=Rechnung, eine Aufgabe, vermöge welcher man bestimmen kann, wie viel ein vorgegebenes Capital, innerhalb einer gegebenen Zeit, Interessen bringe, wenn man weiß, wie viel ein gewisses Capital innerhalb einer gewissen Zeit Interessen gebe. Von allem diesen werde ich im Art. Pfeil-IconZinse handeln.

Interessent, Fr. un intéressé, ein Mittheilhaber; einer, der an der Sache Theil hat; einer, dem mit daran gelegen ist. Es wird hierzu die Einwilligung aller Interessenten und Interessentinnen (oder sämmtlicher dabey interessirten Personen beyderley Geschlechts) erfordert.

Klassifizierung: 338.7 UnternehmenDDC-Icon Insonderheit braucht man das Wort Interessent von den Mitgliedern einer Handlungsgesellschaft, deren jedes zu dem Fonds derselben einen Theil beygetragen hat; wie auch von denjenigen Personen, die bey den königlichen Pachten interessirt sind.

Interessiren, Fr. intéresser. 1. Einem zum Nachtheil, und auch zum Vortheil gereichen können; jemandes Nutzen oder Schaden betreffen. Das interessirt mich nicht, geht mich nichts an, rührt mich nicht, daran ist mir nichts gelegen. Diese Sache interessirt den <30, 449> ganzen Adel, eine ganze Stadt, eine ganze Provinz etc. d. i. diese Sache kann dem ganzen Adel, der ganzen Stadt oder Provinz, in Ansehung der nachtheiligen (oder auch, vortheilhaften) Folgen, die daraus entstehen können, keines Weges gleichgültig seyn. Man pflegt zu sagen: Ein hohes Spiel interessirt,(d. i. es hat etwas Anziehendes, weil viel dabey gewonnen werden kann); ein kleines Spiel interessirt nicht genug.

2. Das Herz rühren; das Herz zu einer leidenschaftlichen Theilnehmung bewegen; einem etwas zu einer Angelegenheit des Herzens machen. Zuweilen bedeutet es auch nur: die Aufmerksamkeit reitzen.

Klassifizierung: 338.7 UnternehmenDDC-Icon Sich interessiren, Fr. s' intérésser, Antheil woran nehmen. Diese Ausdrücke können verschiedene Nebenbegriffe mit sich führen; als: 1) sich einer Person oder Sache mit Wärme annehmen, einen leidenschaftlichen Antheil an dem Guten oder Bösen nehmen, das jemanden wiederfährt. Der ganze Hof interessirte sich für ihn, nahm sich seiner an. 2) Sich in eine Sache mengen; sich worein mischen. 3) Seines eigenen Nutzens wegen an der Unternehmung eines Andern Antheil nehmen; sich in eine Unternehmung mit einlassen, um solche auf gemeinschaftliche Kosten, und auf gemeinschaftlichen Gewinn und Verlust zu betreiben, z. B. einer Handlungsgesellschaft beytreten, Theil an einem Pacht nehmen, u. s. f. Er wollte sich bey dieser Manufactur interessiren.

Interessirt. Bey einer Sache interessirt seyn, eine gewisse Sache, seines eigenen Nutzens wegen, thun müssen. Ingl. Theil an einer Sache haben.

Klassifizierung: 179.8 Laster, Fehler, MängelDDC-Icon In engerer Bedeutung ist interessirt, in einem hohen Grade auf seinen Nutzen bedacht, eigennützig. Ein interessirter Mann, ein eigennütziger Mann; ein Mensch, der bey allem, was er thut, auf seinen Privatvortheil sieht. Man braucht das Wort interessirt in diesem Verstande auch von den Gesinnungen <30, 450> und Handlungen eigennütziger Personen. Ein interessirter Dienst, eine Dienstleistung, die im Eigennutze, nicht aber in einem Eifer, dem Andern zu dienen, ihren Grund hat. Interessirte Absichten.

Interim. Man bedient sich zuweilen dieses aus dem Lat. entlehnten Wortes, sowohl im Deutschen, als auch im Französischen, eine Zwischenzeit anzudeuten. Man sagt: ad interim, d. i. eine gewisse Zwischenzeitlang, oder so lange bis eine andere Verfügung gemacht wird. Das Land ad interim regieren, Fr. gouverner par interim; die Interimsregierung haben; Zwischenregent seyn. Das Interimscommando führen, oder interimsweise commandiren, wenn ein hoher Officier an statt eines andern, und bis die Stelle wieder ersetzt ist, das Commando führt.

Klassifizierung: 303.6 Konflikt und KonfliktlösungDDC-Icon Klassifizierung: 914.318 Sachsen-AnhaltDDC-Icon Klassifizierung: 270 Historische, geografische, personenbezogene Behandlung des Christentums; KirchengeschichteDDC-Icon Klassifizierung: 737 Numismatik und SiegelkundeDDC-Icon In der Kirchengeschichte, versteht man unter Interim eine Verordnung oder ein Formular, welche Kaiser Carl V. nach Zertrennung des schmalkaldischen Bundes, im J. 1548, auf dem Reichstage zu Augsburg durch drey Theologen aufsetzen ließ, nach welchem die Religion eingerichtet werden, und die darin specificirten 26 Glaubensartikel so lange gültig seyn und vollzogen werden sollten, bis ein General=Concilium diese Artikel weiter erklären und aus einander setzen würde. Es waren aber weder der Papst, noch die mehresten katholischen Theologen, noch die so genannten strengen Lutheraner, mit diesem Vergleichs=Mittel zufrieden. Die Sache wurde schimpflich und verächtlich gehalten. Man spielte das Interim auf Bretspielen. Man nannte Hunde und Katzen darnach. Man sang: Selig ist der Mann, der Gott vertrauen kann, und willigt nicht ins Interim, denn es hat den Schalk hinter ihm. Besonders trauete die Stadt Magdeburg diesem Interim nicht. Sie ließ im J. 1549 eine Spottmünze darauf prägen, welche der Interimsthaler genannt wurde, und jetzt unter die raren Thaler gehört. Den Kaiser verdroß <30, 451> dieses sehr, daher er die Stadt 1550 in den Bann that, und sie belagern ließ.

Es sind von diesem Interimsthaler zweyerley verschiedene Gepräge vorhanden. Die darauf befindlichen Bilder sind in der Hauptvorstellung zwar einerley, und zeigen auf der ersten Seite die Taufe, und auf der andern die Versuchung Christi von dem Satan; es fällt aber zwischen beyden Sorten der merkliche Unterschied so wohl in den in etwas veränderten Umschriften, als auch in der Gestalt der Bilder, jedermann in die Augen.

Die plattdeutsche oder niedersächsische Sorte, PfeiliconFig. 1717 a), hat auf dem Avers die Umschrift: DIT. IS. MIN. LEVE. SON. DEN. S. GI. HO. In dem in plattdeutscher Sprache in Magdeburg gedruckten Neuen Testamente, sind diese Worte, Matth. 17, 5. also ausgedruckt: Dyth ys myn lette Söne, den schöle ghy hören. Diese Umschrift fängt sich mit einem Röschen an; und zwischen jedem Worte ist ein Sternchen gesetzt. In der Vorstellung der Taufe Christi von Johannes beobachtet man, daß am Ufer des Jordans der Heiland auf beyden Knien, Johannes nur auf dem linken liegt, mit der rechten Hand aus einem Schälchen das Wasser auf das Haupt desselben gießt, mit einem Rock von Kamelhaaren bekleidet ist, und oben zwischen ihnen der h. Geist in Taubengestalt schwebt. Der inwendige Umkreis ist zweyfach. Auf dem Revers, welcher die Versuchung Christi in der Wüste von dem Satan abbildet, ist die Umschrift: PACKE. DI. SATHAN. DV. INTERIM. Der zur linken Seite aufrecht stehende Drache hat 4 Köpfe; 3 mit Menschengesichtern an 3 in einander geschlungenen Hälsen, und unter den aufgehobenen beyden Krallfüßen am Unterleibe einen Löwenkopf. welcher einen starken Dampf aushaucht. Der darauf in eine Rundung auswärts gekrümmte Schwanz hat am Ende einen einwärts gebogenen langen Stachel, in dessen Raume einige Sternchen zu sehen sind, welches unstreitig auf Offenb. Joh. 12, 4. zielt. In dem oben angeführten plattdeutschen N. T. lauten die aus Matth. 4, 10. angeführten Worte der Umschrift also: Packe dy van my enwech, Sathan.

Man hat Thaler dieser ersten Gattung von zweyerley Stämpeln auf beyden Seiten. Der erste ist der jetzt beschriebene. Auf der ersten Seite des andern Thalers ist der kniende Heiland vorwärts mit völligem Gesichte zu sehen. <30, 452> Der Täufer führt auch in der über ihn ausgestreckten rechten Hand kein Schälchen, und der h. Geist in Taubengestalt schwebt mehr über dem Heilande, als in der Mitte. In der Umschrift ist nichts verändert. Auf der andern Seite desselben steht der Heiland so nahe an der rechten Seite, daß fast kein Raum hinter ihm bleibt; man sieht auch das völlige Gesicht, und er tritt auf beyde Füße. Auf dem ersten Thaler steht der Heiland weiter ab von der rechten Seite, und hebt den rechten Fuß etwas in die Höhe, um den Satan damit von sich zu stoßen, und in der Umschrift ist im ersten Worte an statt des C ein G, also PAGKE. Sollte der Abdruck von dem plattdeutschen Interimsthaler in Wolders Münzbuch, vom J. 1631, S. 201, richtig seyn, so hätte man von demselben noch die dritte Sorte; denn daselbst ist das letzte Wort in der Umschrift von der Taufe Christi mit HOR. und nicht mit HO. ausgedruckt.

Die hochdeutsche oder obersächsische Sorte des Interimsthalers, PfeiliconFig. 1717 b), führt den Nahmen von den in solcher Sprache darauf stehenden Umschriften, wiewohl man doch auf der ersten Seite das Wort LEVER an statt LIEBER beybehalten hat. Sie lautet also: DIS. IST. MEIN. LEVER. SON. DEN. SOLT. IR. HOREN. Johannes tauft den Heiland mit einer über ihn ausgeschütteten Wasserschale. Man sieht an dem Täufer nicht so deutlich das kamelhärene Kleid. Der h. Geist steht allein über dem Heilande. Auf der Gegenseite ist umher zu lesen: PACKE. DICH. SATHANVS. DV. INTERIM. D. S. G. N. F. Der Heiland ist weit abgerückt von der rechten Seite, und hebt auch den rechten Fuß zum Wegstoßen des Drachen in die Höhe. Unten an dem Schwanze des Drachenbildes ist ein Menschenhaupt mit Eselsohren zu sehen, welches einen Dampf aus dem Munde speyet. Die 5 letzten Buchstaben bleiben ein Räthsel. Auf einigen sind nur 4 Buchstaben, D. S. N. F. Nach Einiger Meinung sollen die Buchstaben D. S. G. N. des Münzmeisters oder Eisenschneiders Nahmen, und das F. das gewöhnliche fecit anzeigen.

Die drey Köpfe, welche sich auf dem Thiere zeigen, sollen die drey Verfasser und Urheber des Interims, Julius Pflug, Michael Held, Titular=Bischof zu Sidon (Michael Sidonius), und Jo. Agricola von Eisleben, bezeichnen. Andere hingegen halten dafür, weil auf dem Reverse der Taufe <30, 453> Christi gedacht wird, so könnte man das dreyköpfige Drachenbild von der kurz nach der Taufe erfolgten dreyfachen Versuchung Christi erklären; und zwar dergestalt, daß der Engelskopf mit den Flügeln die erste Versuchung bedeute, da er aus Steinen Brod machen; der Kopf mit der dreyfachen Papstkrone, die zweyte Versuchung, da er sich von der Zinne des Tempels herab lassen; und der dritte Kopf, welcher, dem Ansehen nach, mit einem alten Fürstenhute geziert ist, die dritte Versuchung, da er alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit in Besitz nehmen sollen; über welche Versuchungen Christus triumphieret, und gesprochen: Hebe dich weg von mir, Satan!

Interims=Degen, s. Pfeil-IconOfficier=Degen.

Interims=Rechnungen Klassifizierung: 657 RechnungslegungDDC-Icon , werden bey dem Buchhalten diejenigen Rechnungen genannt, welche ohne Benennung einer Person, ad interim gemachet werden, und dazu dienen, daß, wenn Casse, Waaren oder Personen, entweder debitiret oder creditiret werden müssen, man alsdann Capital, Interessen, Rabatt, Agio, Provision, Courtagio, Assecuranz= Handlungs= und Haushaltungs=Kosten etc. darauf anführen, und sehen kann, ob man dabey gewinnen oder verlieren werde.

Interims=Schein Klassifizierung: 332 FinanzwirtschaftDDC-Icon , Interims=Wechsel, Wechsel=Billet, Wechselschein, oder Recognitionsschein wegen verhandelter Wechselbriefe, heißt ein solcher Schein oder Wechsel, welchen ein Wechselcontrahent dem andern so lange zu geben pflegt, bis eine gewisse bey ihrem Wechselgeschäfte verabredete Bedingung in Erfüllung gegangen ist.

Interims=Thaler, s. oben, Pfeil-IconS. 451, f.

Interims=Wechsel, s. Pfeil-IconInterims=Schein.

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