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Haufen Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (der) in manchen Fällen auch der Haufe, *

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Bey dem Ottfried Houfe, bey dem Willeram und Notker Huffo. im Poln. Huf, im Böhm. Hauff. Andere Mundarten ziehen dem f das b und p vor, wie das Nirders. Hoop, Hope, Hupe und Hüpen, das Angels. Heape, Hype, das Engl. Heap, das Dän. Hob, das Schwed. Hop; wohin auch das Lat. Copia, und copulare, gehören, so wie das Nieders Hümpel, ein Haufen, mit Cumulus übereinstimmet. Der herrschende und Stammbegriff in diesem Worte ist wohl die Höhe, daher man es füglich zu dem Geschlechte der Wörter hoch, heben, Hübel für Hügel, Hüfte, und besonders auf rechnet. Im Hochdeutschen lautet dieses Wort, einige wenige R. A. ausgenommen, am häufigsten Haufen, im Ober= und Niederdeutschen aber, ist, wie aus dem oben stehenden erhellet, Haufe nicht nur üblicher, sondern auch älter, und alsdenn hat es im Plural in einigen Gegenden auch wohl die Häufe.

L. Acervus, Cumulus, Fr. Amas, Tas.

<22, 267>

1. Eigentlich, eine Versammlung mehrerer Dinge auf und über einander. Ein großer Haufen Erde. Ein kleiner Haufen Sand. Ein Maulwurfshaufen, Steinhaufen, Kothhaufen u. s. f. Die Garben, das Holz, die Steine in Haufen legen. Alles auf einen Haufen legen oder werfen. Einen Haufen aus etwas machen. Es liegt alles über einen Haufen, d. i. auf einem Haufen, im g. L. Etwas über den Haufen stoßen, es umstoßen, gleichsam, es so stoßen, daß es in einen Schutthaufen zerfällt. Ueber den Haufen fallen, umfallen. Ueber den Haufen schießen, niederschießen. Zu Haufe bringen, in Menge versammeln, wo man nicht leicht Haufen sagt.

2. Figürlich, die Versammlung mehrerer Dinge neben einander, doch nur von lebendigen Geschöpfen. Ein zahlreicher Haufen Soldaten. Ein unordentlicher Haufen Volkes. Sich durch den Haufen drängen. Sie sitzen da alle auf einem Haufen, alle nahe um und neben einander. Die Leute in gewisse Haufen stellen, in Haufen abtheilen. Der ganze Haufen kam in die Stadt gerannt; im g. L. der helle Haufen, von dem Nieders. heel, ganz. Die Noth kommt mit Haufen, zahlreich. Mit Haufen, oder haufenweise zulaufen. Ein starker Haufen Kühe, Frösche, Vögel u. s. f. Der große Haufe, oder Haufen, der gemeine Haufen, der Pöbel, der größte Theil der Menschen dem Stande und den Einsichten nach. Mit dem Haufen gehen.

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3. Nach einer noch weitern Figur wird ein Haufen, doch nur im g. L. und adverbialiter sehr oft für viel gebraucht, und da kann es auch von leblosen Dingen gesagt werden. Es waren ein Haufen Leute in der Komödie, viele Leute. Ein Haufen Geld, vieles Geld. Einen Haufen Kinder haben.

Haufen, (Gränz=) siehe Th. XIX, Pfeil-IconS. 641.

Haufen, (Holz=) siehe unter Pfeil-IconHolz.

Haufen, (Mahl=) siehe Th. XIX, Pfeil-IconS. 641.

Haufwerk Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon , im Bergbaue, allerley auf einen Haufen gestürzte Erde oder Steine. In engerer Bedeutung nennt man Haufwerke außer und neben einander zusammen gewachsene Steine verschiedener Arten; Steinhäufungen, Aggregata lapidum.

Haug, siehe Pfeil-IconHauk.

Hauig Klassifizierung: 634.9 ForstwirtschaftDDC-Icon , ist nur im Forstwesen üblich, und wird so wie haubar gebraucht. Ein hauiger Wald, in welchem Holz gefället werden kann.

Hauk Klassifizierung: 636.089 Veterinärwissenschaften; TiermedizinDDC-Icon Klassifizierung: 636.2 Wiederkäuer und Camelidae; Bovidae; RinderDDC-Icon Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon Klassifizierung: 611.93 HalsDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (der) ein im g. L. übliches Wort, welches in einigen Fällen gebraucht wird, eine gewisse Erhöhung anzuzeigen. So wird 1. das Zäpfchen im Halse, der Hauk, Hauch, Heuch oder Huch genannt. 2. Ein Gebrechen der Augen bey den Pferden und dem Rind=Viehe, welches aus einer Haut besteht, so sich aus dem innern Augenwinkel erzeuget, und auch der Haug oder die Hauke genannt wird; siehe Th. III, Pfeil-IconS. 37, f.

Das Wort gehört ohne Zweifel zu der Familie der Wörter Hoch, Höcker, Hügel u. s. f. welche eine Erhöhung überhaupt bedeuten.

Hauken=Blatt Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon Klassifizierung: 584.355 Asparagaceae DDC-Icon , im g. L. ein Nahme des im XXI Th. Pfeil-IconS. 304, beschriebenen Halskrautes, Ruscus Hypoglossum Linn. weil es von dem gemeinen Manne gebraucht wird, wenn ihm der Hauk oder das Zäpfchen geschossen ist.

Haupt Klassifizierung: 611.91 KopfDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon *

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In dem übersetzten Isidor Haubide, bey dem Kero und Ottfried Haubit, bey dem Notker Houbet, bey dem Willeram Hoibet, im Nieders. Höfd, Höved, in einigen gemeinen Mundarten Ober= und Niederdeutschlandes nur Heet und Höt, im Altfries. Haud, bey dem Ulphilas Haubith. im Angels. Heafod. im Isländ. Hoffod, im Schwed. Hofwud. im Engl Head, bey den krimmischen Tatarn Hooft, und Haef, stammet gewiß nicht, wie jemand behauptet hat, von Haube her, so daß es eigentlich einen mit einer Haube bekleideten Kopf bedeutet, sondern vermittelst des Ableitungszeichens, de, d oder t, von heben, oder einem ähnlichen veralteten Zeitworte, so daß es überhaupt das Höchste, das Oberste an einem Dinge bedeutet. Es gehört daher zu dem zahlreichen Geschlechte der Wörter Haube, auf, Haufen, heben, hoch u. s. f. Das Lat. Caput, das Griech. κεψαλς, und die Deutschen Kopf, Kuppe, Gipfel, Giebel, und hundert andre sind genau damit verwandt.

1. Eigentlich, oder vielmehr am häufigsten, <22, 269> der oberste Theil der menschlichen und thierischen Körper, wo dieses Wort für Kopf nur in der edlern und anständigern Sprechart gebraucht wird, besonders, wenn man von Personen redet, denen man Achtung und Ehrerbiethung schuldig ist. Am häufigsten von Menschen. So sagt man in der anständigern Sprech=Art, das Haupt thut mir weh, Schmerzen im Haupte empfinden, im Haupte verrückt seyn, sein Haupt entblößen, bedecken, so viel ich Haare auf meinem Haupte habe, jemanden das Haupt abschlagen, vom Haupte bis auf die Füße, u. s. f. wo man im g. L. das Wort Kopf braucht. Dahin auch die figürliche R. A. den Feind aufs Haupt schlagen, ihn völlig, gänzlich, schlagen, wo das Wort Kopf nicht gebräuchlich ist. In der edeln Schreibart auch von Thieren. Und die Häupter der Rosse, wie die Häupter der Löwen, Offenb. 9, 17. Dieser Unterschied gilt auch von den folgenden Zusammensetzungen, indem sie insgesammt edler und anständiger sind, als diejenigen, welche mit Kopf--gemacht werden.

2. Figürlich.

1) Derjenige Theil des Bettes, des Sarges, oder des Grabes, wo das Haupt ruhet, im g. L. der Kopf. Etwas zum Haupte des Bettes legen. Wo es auch <22, 270> in dem veralteten Plural zu den Häupten, der alsdenn an statt des Singulars steht, gebraucht wird. Und er nahm einen Stein und legte ihn zu seinen Häupten, 1 Mos. 28, 11. 18.

2) Die Person oder das Thier selbst, doch unter verschiedenen Einschränkungen.

(a) Die vornehmste Person unter mehrern, besonders so fern ihr wegen dieser ihrer Würde die Macht zu herrschen, zu befehlen zukommt, daher es auch nur von solchen Personen männliches Geschlechtes üblich ist; Fr. Chef. Der Mann ist des Weibes Haupt. Ein hohes Haupt, ein Fürst. Ein gekröntes Haupt, ein König. Eine Zusammenkunft von drey gekrönten Häuptern. Das Haupt der Kirche. Die Häupter eines Landes, des Volkes, einer Stadt, eines Geschlechtes, die Vornehmsten. Das Haupt der Rebellen, ihr Anführer. Sich zum Haupte aufwerfen. Kopf ist in dieser Bedeutung gar nicht üblich. Siehe Pfeil-IconOber=Haupt.

(b) Eine jede Person. Nehmet die Summa der ganzen Gemeine--alles was männlich ist, von Haupt zu Haupt, 4 Mos. 1, 2. 18. In diesem Verstande kommt es nur noch zuweilen im Oberdeutschen vor. Im Hochdeutschen braucht man dafür im g. L. das Wort Kopf, und in der anständigern Sprechart das Wort Person, oder andere ähnliche Ausdrücke. Doch nennt man einen Greis auch in der edlern Schreib=Art ein graues Haupt, ein ehrwürdiges Haupt.

(c) Im g. L. besonders Niedersachsens, wird Haupt sehr häufig von dem Rindviehe gebraucht; in welchem Verstande Kopf ungewöhnlich ist. Hundert Häupter Rindvieh auf der Weide gehen haben. Imgleichen mit Auslassung des Wortes Rindvieh. Es sind ihm zehen Häupter gefallen. Wo es denn auch wohl nach Art anderer Wörter, welche eine Zahl, ein Maß, und ein Gewicht bedeuten, wenn es ein Zahl=<22, 271>Wort bey sich hat, im Singular gebraucht wird. Es sind ihm zehen Haupt gefallen.

Im mittlern Lat. kommt Caput in diesem Verstande häufig vor, nicht nur von dem Rindviehe, sondern auch von Pferden und Schafen. Decem equorum capita, Gregor. Magn. I. 10, ep. 41. Legitimus pastor ouium si 80 capita in grege habet, Lex Alemann. tit. 79, §. 2. Wo es zuweilen auch allein ohne allen Beysatz gebraucht wird, ein jedes Stück zahmes Vieh zu bezeichnen. Ja in noch weiterm Verstande wird es auch von leblosen Dingen gefunden, ein Stück zu bezeichnen. Auch Capitale wurde sehr früh von einem jeden Gute, welches man besitzt, besonders aber von dem Viehe, dem vornehmsten Stücke des Reichthums in den ältern einfältigern Zeiten, gebraucht. Das Nieders. Höfd wird auf eben dieselbe Art von dem Rind=Viehe, das Schwed. Hufwud aber von einem jeden Individuo oder Stücke gebraucht.

3) Von leblosen Dingen, wo das Bild theils von der Ründe des Hauptes, theils von dessen Stelle und Würde hergenommen ist; in der edlern und anständigern Schreibart.

(a) Von der Ründe, besonders so fern sie zugleich den obersten Theil eines Dinges ausmacht. So nennet man an dem Kohle und Salate die in einen runden Körper geschlossenen Blätter. und die runden Samen=Kapseln des Mohnes, im Oberdeutschen und in der anständigern Schreibart, das Haupt und im g. L. den Kopf. Drey Kohlhäupter. Ein Mohnhaupt.

Klassifizierung: 551.48 HydrologieDDC-Icon Klassifizierung: 631.3 Werkzeuge, Maschinen, Geräte, AusstattungDDC-Icon Klassifizierung: 929.6 WappenkundeDDC-Icon (b) In weiterer Bedeutung, das oberste eines Dinges, am häufigsten in der edeln Schreibart, wo im g. L. Kopf gebräuchlich ist. Die Blume hebt ihr sinkendes Haupt empor. Das Haupt des Nagels, dessen Kopf. Das Haupt des Schildes, in der Wapenkunst, dessen oberster Theil. In der Landwirthschaft wird das unterste Stück Holz an einem Pfluge, worauf der ganze Pflug gleichsam gebauet ist, dessen Haupt genannt. Ehedem wurde die Quelle eines Flusses im Oberdeutschen sehr häufig das Haupt ge<22, 272>nannt, theils so fern sie allemahl am höchsten liegt, theils auch so fern sie der Anfang des Flusses ist.

Klassifizierung: 627 WasserbauDDC-Icon (c) Verschiedene hervor ragende Theile eines Dinges, besonders so fern sie die Gewalt anderer Dinge abhalten sollen. So wird an den Deichen und Wällen der abhängige mit Rasen bekleidete Theil das Haupt genannt. In dem Wasserbaue sind die Häupter in das Wasser hinein gehende Bollwerke von Mauerwerk, Pfählen oder Flechtwerk, die Gewalt des Wassers zu brechen. Nieders. Höfd, Holl. Hoofd, welche auch ein Vorgebirge bezeichnen, nach dem Muster des Ital. Capo, und Fr. Cap.

(d) Der Würde nach, das Vornehmste eines Dinges, in einigen Fällen in der edlern Schreibart. Diese Stadt ist das Haupt des Landes. In den folgenden Zusammensetzungen kommt diese Bedeutung am häufigsten vor. Man kann in derselben das Wort Haupt fast mit allen Substantivis zusammen setzen, das Wichtigste, das Vornehmste seiner Art auszudrücken, welches den Grund anderer Dinge seiner Art enthält; von welchem diejenigen, welche im Folgenden vorkommen, nur eine kleine Probe sind. Kopf kann auf diese Art nicht gebraucht werden. In etwas engerer Bedeutung braucht man das Wort Haupt-- in einigen Zusammensetzungen für Erz--. Ein Hauptnarr, ein Narr der ersten Größe; so auch ein Hauptschelm, ein Hauptdieb, ein Hauptgut, d. i. ein vortreffliches, sehr wichtiges Gut u. s. f. wofür man im g. L. auch Capital=Narr, Capital=Dieb, Capital=Gut u. s. f. sagt. In beyden Fällen wird Haupt in der Zusammensetzung mit einem stärkern Tone ausgesprochen, als wenn es den Kopf bedeutet. Eine Hauptarzeney, eine vortreffliche, vorzügliche, sehr wichtige Arzeney, hat auf der ersten Sylbe einen stärkern und längern Ton, als die Hauptarzeney, so fern sie wider Krankheiten des Hauptes gut ist.

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Haupt=Ader Klassifizierung: 611.1 Kardiovaskuläre OrganeDDC-Icon . 1. Eine Ader am Haupte, im g. L. die Kopfader. Zuweilen auch eine Ader, welche nach dem Haupte geht, oder mit dem Haupte in Verbindung steht; L. Vena cephalica. So wird ein Zweig der Medianader zwischen dem Daumen und Zeigefinger von einigen die Hauptader genannt, welche bey andern die Augenader oder Salvatellader heißt. 2. Die vornehmste Ader unter mehrern.

Haupt=Balken Klassifizierung: 694 Holzbau; ZimmerhandwerkDDC-Icon , die vornehmsten und stärksten Balken in einem Gebäude, besonders diejenigen Balken unter dem Dache, welche von einer Wand des Gebäudes bis zur andern reichen, und worauf das ganze Dach ruhet. Siehe Th. III, Pfeil-IconS. 446, und Pfeil-IconBlatt=Stück.

Haupt=Bau Klassifizierung: 690 Hausbau und BauhandwerkDDC-Icon . 1. Ein Bau von Wichtigkeit, der ein ganzes Gebäude nach seinen vornehmsten Theilen betrifft. Einen Hauptbau vornehmen. 2. Im g. L. zuweilen auch das Hauptgebäude, zum Unterschiede von einem Nebenbaue oder Nebengebäude.

Haupt=Baum Klassifizierung: 634.9 ForstwirtschaftDDC-Icon , im Forstwesen, eine Benennung der stärksten und vollkommen ausgewachsenen oder überständigen Bäume in einem Walde, von 50, 60, 70, 80 bis 100 Jahren, welche auch Oberbäume genannt werden; siehe auch Th. XIV, Pfeil-IconS. 572.

Haupt=Binder, siehe Th. VIII, Pfeil-IconS. 523.

Haupt=Brief Klassifizierung: 651.5 SchriftgutverwaltungDDC-Icon , so fern Brief eine jede Urkunde bedeutet, an einigen Orten noch, die vornehmste, wichtigste Urkunde, das Haupt=Document; zum Unterschiede von den Nebenbriefen oder Nebendocumenten. Imgl. der vornehmste, wichtigste Brief unter mehrern.

Haupt=Buch Klassifizierung: 657 RechnungslegungDDC-Icon , ein vornehmes, sehr wichtiges Buch. Besonders, bey dem doppelten Buchhalten, das vornehmste und wichtigste unter mehrern Handlungsbüchern der Kaufleute, in welchem sie, als in einem kurzen Auszuge aller Bücher, und insonderheit des Journals, den ganzen Zustand ihrer Handlung in weniger Zeit finden und übersehen können, nähmlich: wie sie <22, 274> mit sich selbst und mit andern Personen stehen, und wie viel gewonnen oder verloren worden, und ob ihr Vermögen ab= oder zugenommen habe. Alles das sind Hauptsachen für einen Kaufmann, deswegen führt auch das Buch den Nahmen Hauptbuch oder Capital=Buch, imgl. Auszugs= oder Extractbuch, und Rechnungsbuch. Weil bey dem Hauptbuche des einfachen Buchhaltens der eben beschriebene Nutzen desselben größtentheils wegfällt, indem ich da nur sehen kann, wie ich mit dieser und jener Person insonderheit stehe: so kann dasselbe auch eigentlich kein Hauptbuch, sondern nur ein Schuldbuch, oder Schuldenscontro heißen.

Von der Art und Weise, wie die Posten aus dem Journal monathlich in das Hauptbuch übergetragen werden, ist zu merken: 1) daß solches in doppelten Conten oder Rechnungen geschehe, d. h. die ausgeworfene Summe des Journals wird doppelt oder zwey Mahl in das Hauptbuch, und zwar erstlich in des Schuldners, hernach in des Gläubigers Conto eingeschrieben; 2) daß folglich in dem Hauptbuche einer jeden in dem Journal vorkommenden Sache und Person eine Rechnung von Debet und Credit gegeben werden müsse; 3) daß, um solche Rechnungen von Debet und Credit gehörig einzutragen, man sich der beyden gegen einander über stehenden Seiten desjenigen Folium, wo man die Rechnung hinsetzen will, also bedienet, daß auf der linken Seite dieses Folium das Debet, und auf der rechten Seite das Credit zu stehen kommt; 4) daß beyde Seiten, oder das Debet und Credit, dessen ungeachtet, einerley Nummer führen müssen; 5) daß in dem Hauptbuche das Debet durch das Wort Soll, Fr. Doit; das Credit aber durch das Wort Haben, Fr. Avoir, ausgedrückt werde, welche beyde Wörter auf die beyden Seiten des Folium, jenes auf die linke, hinter dem Nahmen des Schuldners, und dieses auf die rechte Sei<22, 275>te, hinter dem Nahmen des Gläubigers, gesetzt werden. Wiewohl diese Wörter nicht durchgängig bey Formirung der Rechnungen im Hauptbuche gebräuchlich sind, sondern nach eines jeden Einfall und Gutdünken auf verschiedene Art verändert werden; 6) daß jeder Artikel des Hauptbuches aus 5 Stücken bestehen müsse, welche sind: a) der Monathstag und das Jahr; b) der Nahme desjenigen, des uns schuldig ist, oder den wir bezahlen sollen; c) die Ursache der Schuld, nähmlich warum man debitiret oder creditiret; d) das Folium, wo im Journal die Post steht, und e) die Summe der Schuld; 7) daß daher jede Seite 7 Linien bekommen müsse, nähmlich 2 vorn am Rande, und 5 hinten, und zwar deswegen, damit vor die erste Linie das Jahr, zwischen der ersten und zweyten der Monathstag, zwischen der zweyten und dritten der Vahme des Schuldners, nebst der Ursache der Schuld, zwischen der dritten und vierten das Folium des Journals, auf welches sich das Hauptbuch bezieht, und zwischen den übrigen die Geldsumme gesetzt werden könne. Bey Waarenrechnungen sind vor den Feldern zu Fol. und den Geldsummen wieder Linien mit Rubriken, für Tonnen, Stücke, Lasten etc. etc. gezogen; desgleichen bey ausländischen Rechnungen, wo fremde Währung sich findet, für die Münze des Ortes. Die erstern, bey den Waaren, dienen dazu, daß man allezeit ohne Nachschlagung mehrerer Bücher sehen kann, was verkauft und vorhanden ist; die letztern, bey den fremden Geld=Rechnungen, schaffen ihren großen Nutzen bey Empfang und Conferirung einer Courantrechnung; und da außerdem sich auf eine solche Rechnung durch den unbeständigen Wechselcours entweder Verlust oder Gewinn hervor thut, so würde solches sehr mühsam nachzusuchen seyn, wenn die fremden Gelder weggelassen würden; 8) daß man bey der Uebertragung aus dem Journal in das Hauptbuch die buchhalterischen Rechnungen genau <22, 276> zu beobachten habe, welche ordentlich folgende 6 sind: das Cassaconto, das Capitalconto, das Waarenconto, das Personenconto, das Gewinn= und Verlustconto, und das Bilanzconto; die außerordentlichen aber sind: das Bancoconto, das Cambioconto, das Conto di tempo, das Agioconto, das Conto mio corrente, das Handelsunkostenconto, und das Haushaltungsconto.

Unter das Cassaconto wird in Debet und Credit der Nahme des Gläubigers mit vorgesetztem Wörtchen An geschrieben, als von wem oder für was die baren Gelder eingenommen worden; in Credit aber des Schuldners Nahme mit dem vorgesetzten Wörtchen Per, wodurch angedeutet wird, an wen oder wofür die baren Gelder ausgegeben sind.

Unter das Capitalconto wird in Debet alles notiret, was unser Capital schuldig ist; in Credit aber werden alle ausstehende Schulden, welche dem Capital einverleibet worden, geschrieben.

Unter das Waarenconto werden in Debet die Waaren, nebst ihrem Maße, Gewichte und Zahl, welche wir eingekauft oder von andern Orten empfangen haben, notiret; imgleichen der Gewinn, oder was an solcher Waare verdient worden; in Credit hingegen werden die Nahmen sowohl der verkauften und unverkauften Waaren, als auch derjenigen, die wir auf andere Oerter gesendet haben, gezeichnet.

In dem Personenconto zeigt das Wörtchen Soll in Debet auf der ersten Zeile des Schuldners Nahmen, und auf der andern Zeile bemerkt das Wörtchen An den Gläubiger, oder dasjenige, was und für was der Schuldner bezahlen soll; darein werden nun alle unsere Schuldleute und ausstehende Schulden etc. notiret. Im Credit präsentirt sich oben der Nahme des Gläubigers, nebst den zwey Worten Soll haben; durch das darunter stehende Wörtchen Per aber wird des Schuldners Nahme, oder dasjenige, um welches willen wir bezahlen sollen, angezeigt. Hieher gehören unsere Gegenschulden; imgleichen, was unser Gläubiger per Bilanz restirt.

Unter das Gewinn= und Verlustconto, notirt man in Debet allen Verlust und Einbuße der Handlung, vornehmlich die Fallimente; imgleichen die Unkosten, welche die Casse wahrender Handlung hergeschossen hat, wie auch die Bilanz des reinen Gewinnes; im Credit aber allen Gewinn, welcher dem Capital oder der Casse zuwächst, als: die uns zustehenden In<22, 277>teressen, Rabat= und Agiogelder, nebst der Summe aller Gewinnste, welche laut Waarenconto hieher getragen werden.

Unter das Bilanzconto schreibt man in Debet zuvörderst den Ueberschuß der Casse; ferner alles, was an unverkauften Waaren und ausstehenden Schulden vorhanden ist, und also noch nicht bar verrechnet werden kann; in Credit aber, was an Capital und Gegenschulden da ist.

Endlich hat man, wenn man die Posten des Journals in das Hauptbuch übertragen will, zu merken: 9) daß man nicht nach der Ordnung der Titel, sondern nach der Ordnung derjenigen Conti gehen muß, welche unter einen Titel des Hauptbuches fallen. Wenn man z. E. von der Cassaconto anfängt, so muß man die Conti des ganzen Journals vom Anfange bis zu Ende durchsehen, und was darin unter der Casse Debet oder Credit steht, wird ordentlich unter das einzige Cassaconto in dem Hauptbuche eingeschrieben. Auf gleiche Art verfährt man auch mit den Capital= Waaren= und übrigen Rechnungen des Hauptbuches.

Klassifizierung: 651.5 SchriftgutverwaltungDDC-Icon Klassifizierung: 003 SystemeDDC-Icon Um aber den Gebrauch dieses Buches desto bequemer zu machen, wird vorn zu Anfange desselben ein Register oder Alphabet, Fr. Alphabet, Index, Repertoire, Table, gemacht; dieses muß nach den 24 Buchstaben des A B C eingerichtet seyn, und zwar bey großen Handlungen auch aus so vielen Blättern bestehen, daß mithin ein jeder Buchstab sein besonderes Blat hat; bey kleinen Handlungen aber ist es genug, wenn nur 2, 3 oder 4 Blätter zu diesem Alphabet genommen werden. Unter diese Buchstaben werden die in dem Haupt=Buche ihre Rechnung habenden Nahmen der Casse, des Capitals, der Güter, der Waaren, der Personen (mit welchen gehandelt wird, oder mit welchen man ein offenes Conto hat), der buchhalterischen Rechnungen etc. nach ihren Anfangsbuchstaben, nebst der Nummer des Blattes oder dem Folium, wo dieses Conto im Haupt=Buche debitiret und creditiret, und also zu finden ist, eingetragen. Weil aber bey den Personen auch der <22, 278> Vor= und Taufnahme ebenfalls in das Register gehört: so wird eine Seite vermittelst einer Linie in der Mitte abgesondert, damit vorn der Tauf= und hinten unter den Buchstaben der Zunahme eingeschrieben, und alles um so viel leichter hernach gefunden werden könne; und man muß ja nicht vergessen, so bald ein Nahme in das Hauptbuch eingeführt worden, denselben sogleich in das Register einzuschreiben.

Die Art und Weise, wie eine im Hauptbuche gefüllte Rechnung transportiret werden muß, besteht in Folgendem.

1) In allen Rechnungen, wobey keine Zeit, Maß, Gewicht, oder ausländische Währung zu beobachten ist, kann Debet und Credit addiret, das Mindere von dem Größern abgezogen, und der Ueberschuß alsdenn auf neue Rechnung gebracht werden, mit diesen Worten:

An (in Debet) oder Per (in Credit) Conto     novo ist vorhanden    Rthlr.
Hingegen in der neuen Rechnung:
An (in Debet) oder Per in Credit) Dito Conto veteri bringe anhero    Rthlr.

2) Bey Güter= oder Waaren= und ausländischen Rechnungen, wo sich Maß, Gewicht und fremde Währung befinden, wird Debet und Credit zugleich mit diesen Worten transportiret:

In Debet an Dito Conto novo bringe Last, Stück, Pfund etc.    Rthlr.
oder Fl., L St., Mk. L. etc.    Rthlr.
In Credit Per Dito Conto novo bringe anhero Last, etc.    Rthlr.
oder Fl etc.    Rthlr.
Hingegen auf neuer Rechnung:
In Debet an Dito Conto veteri bringe Last, etc.    Rthlr.
oder Fl. etc.    Rthlr.
In Credit Pr. Dito Conto veteri bringe anhero Last, etc.    Rthlr.
oder Fl. etc.    Rthlr.

Die Ursache, warum bey einer Waaren= und ausländischen Rechnung Debet und Credit transportiret wird, ist diese, weil <22, 279> in den Summen solcher Rechnungen ein Gewinn oder Verlust steckt, wodurch die zu transportirende Summe unrichtig werden würde, wenn Debet von Credit, oder Credit von Debet subtrahirte. Dieses besser zu verstehen, setze man Folgendes:

Debet. Aalburger Häring. Credit
eingekauft 10 T. à 4 Rthl. 40 Rthl. verkauft 5 T. à 4 1/2 Rthl. 22 1/2 Rthl.
transportirte 5 T. 17 1/2 Rthl.
    Rthlr. 40.

Nach welchem Satze nur 17 1/2 Rthlr. auskommt oder übrig bleibt, da doch 5 Tonnen im Vorrath sind, welche nach dem Einkauf 20 Rthlr. betragen.

3) Bey Transportirung der Personenrechnungen, ist zu merken: daß, wenn nur allein eine unverfallene Post entweder in Debet oder Credit offen stände, eine solche Rechnung wie bey der Casse angewiesen worden, transportiret wird. Sollten aber ein oder mehrere Posten auf ungleiche Termine in Debet, hingegen auch ein oder mehrere Posten ebenfalls auf ungleiche Termine in Credit sich befinden: alsdenn muß eine solche Personenrechnung transportiret werden, wie von der Waarenrechnung gezeigt worden ist, indem man sonst nicht wissen könnte, wenn eine Post fällig ist, und ohnedies bey Bezahlung Confusion entstehen würde; welches folgender Satz erläutert.

Debet Philipp Redlichs Zeitrechnung Credit
an A fällig d. 2 Jan. Rthlr. 200 pr. C fällig d. 1 Febr. 300
an B -- d. 3 März -- 300 pr. D -- d. 11 Jun. 100
500 pro Conto novo 100
500
Debet   Dito Conto novo   Credit.
an d°.  Conto veteri Rthlr. 100

Nach diesem Satze bleibt Redlich Schuldner für 100 Rthlr. er bezahlt aber kurz darauf 200 Rthlr. wie käme dieses heraus?

Von der Art und Weise, wie die bey dem Uebertragen aus dem Journal in das Hauptbuch vorgegangenen Fehler zu verbessern seyn, ist zu merken: 1) daß, wenn etwas versehen und unrecht geschrieben worden, nicht dürfe radiret odet cancelliret werden (s. Th. XXI, Pfeil-IconS. 704); 2) daß, wenn der Fehler allein im Journal begangen worden, so, daß man den Schuldner mit dem Gläubiger verwechselt, und z. E. gesetzt hätte:

<22, 280>

Pr. Philipp Glaskopf an Gillis Lobles,

da doch Lobles Schuldner, und Glaskopf Gläubiger wäre, solcher Fehler, so lange die Post oder die Partey nicht in das Hauptbuch übergetragen worden, mit Zahlen folgender Gestalt zurecht gebracht werden könne:

1 5 6 4 2 3
Pr. Philipp Glaskopf an Gillis Lobles.

Im Gegentheil, 3) daß, wenn der Fehler allein im Hauptbuche begangen ist, z. E. es wäre etwas in Debet gebracht, das in Credit gehörte, man nur in Credit also schreibt:

Pr. Debito schreibe ab, so abusiret nächststehende am dato--eingeführte Rthlr.

Hierunter aber bringt man solche Post ordentlich in Credit. Endlich 4) daß, wenn der Irrthum sowohl im Journal, als im Hauptbuche begangen worden, z. E. wenn obige erste Post bereits im Hauptbuche übertragen wäre, der Fehler alsdenn durch eine Contrapartey verbessert, und dann eine richtige und nicht fehlerhafte Partey im Journal formiret, und diese beyde in das Hauptbuch ordentlich übergetragen werden müssen, welche Arbeit Contraponiren genannt wird; s. Th. VIII, Pfeil-IconS. 362.

Von Saldir= und Bilanzirung des Hauptbuches, siehe die Art. Pfeil-IconSaldo und Pfeil-IconBilanziren.

Das Hauptbuch muß entweder von dem Principal selbst, oder von dessen bey seinem Comtoir bestellten Buchhalter, eigenhändig geschrieben werden.

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