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Grätschen Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , ein Wort, welches das Hülfswort haben erfordert, und nur im gem. Leben üblich ist; die Beine aus einander sperren, imgleichen mit ausgesperrten Beinen gehen. Im Niedersächs. und Oberdeutschen greten, gräten, gritten, wovon auch das Diminut. grätscheln, im Oberd. gräteln, gratteln, üblich ist. Du grätest mit den Beinen gegen allen, so vorüber giengen, Ezech. 16, 25.

Im Holländ. ghereten. In Baiern bedeutet graidlen, gehen, schreiten, bey den Krain. Wenden gredem, ich gehe, <19, 695> Lat. gradi. Siehe Pfeil-IconGrad, und Pfeil-IconSchreiten, welches durch Vorsetzung des Zischlautes daraus entstanden ist.

Klassifizierung: 391.6 Äußeres ErscheinungsbildDDC-Icon Daher im g. L. grätschig, einen grätschigen Gang haben, im Gehen die Beine aus einander sperren, im Oberd. grätig, grittächt; der Grätscher, Grätschbein, der einen solchen Gang hat, u. s. f.

Grätz=Garten, siehe Pfeil-IconKrätz=Garten.

Gräulich Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , *

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Im Nieders. grouwelik, im Dän. gruelig, Schwed. grufwelig.

was Grauen, d. i. eine mit Schauer ver=bundene Abneigung und Furcht erwecket. Ein gräuliches Blutbad. In engerer Bedeutung für Grauen vor Gespenstern erweckend, ist im g. L. graulich üblicher. Wohl aber braucht man es in der Sprache des täglichen Umganges, den sehr hohen Grad einer jeden unangenehmen oder widrigen Sache zu bezeichnen. Ein gräulicher Hunger, Klagel. 5, 10. Ein gräulicher Schmerz. Ein gräulich großer Wolf. Gräulich schreyen.

Gräupel=Erz Klassifizierung: 622 Bergbau und verwandte TätigkeitenDDC-Icon , im Bergbaue, das zu Graupen oder Gräupeln gepochte Erz.

Gräupeln Klassifizierung: 551.5 Meteorologie DDC-Icon , so das Hülfswort haben erfordert, in Gestalt der Gräupel, d. i. kleiner Stücke, herab fallen. Es wird nur unpersönlich gebraucht, besonders von kleinem Hagel, oder zu kleinen Körnern gefrornen Schnee; Fr. gresiller. Es schneyete und gräupelte die ganze Nacht. Wir hatten bey der Kälte etwas Gräupeln.

Gräzer Bier, siehe Th. V, Pfeil-IconS. 30.

Graf Klassifizierung: 352.1 Gebietskörperschaftsebenen der VerwaltungDDC-Icon Klassifizierung: 340.5 RechtssystemeDDC-Icon Klassifizierung: 347 Zivilprozessrecht und ZivilgerichteDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , *

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Dieses Wort lautet im Fränkischen schon im 9ten Jahrhunderte Gravu, im Angels Gerefa, im Nieders. Grefe, im Engl. Grave, und zuweilen auch Reve, im Dän Gräve, im Schwed. Grefwe, im mittlern Lat. Grafio. Es ist wohl nicht leicht ein Wort, dessen Abstammung man mühsamer nachgeforschet hätte, als dieses, und dessen ungeachtet ist doch das Beste, was davon gesagt worden, weiter nichts als Muthmasung. Einige lassen es von grau abstammen, weil man zu Grafen nur alte erfahrne Männer genommen. Spelmann leitet es von raffen her, und behäuptet, daß die Grafen ursprünglich Einnehmer der königlichen Gefälle gewesen. Wachter glaubt, es habe ehedem Gefera gelautet, und das Lat. Comes ausgedruckt, woraus durch Versetzung der Buchstaben nachmahls Graf geworden. Ihre leitet es von dem alten reffan, strafen, züchtigen ab, weil solches die vornehmste Obliegenheit eines Richters ist. Wenn man bedenkt, daß dieses Wort überaus alt ist, und bey allen mitternächtigen Völkern angetroffen wird, daher es vermuthlich von ihnen mit aus ihren ersten Wohnsitzen gebracht worden, so wird man gern die Hoffnung aufgeben, dessen Abstammung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit zu erforschen. Auch die heidnischen Letten nannten ihren obersten Priester, Kriwe, und die zwölf obersten Richter, welche Odin in Skandinavien verordnete, hießen gleichfalls Grewe.

[der] L. Comes, Fr. Comte. die Gräfinn, L. Comitissa, Fr. Comtesse; ein sehr altes Wort, <19, 696> welches in seinem weitesten Umfange einen Vorgesetzten über ein gewisses Geschäft, besonders aber einen Richter über einen gewissen Bezirk, den Präsidenten eines Gerichtes, bezeichnet, in welcher Bedeutung es noch in vielen Gegenden Ober= und Niederdeutschlandes üblich ist. In Cöln ist Graf und Scheffen noch so viel als Richter und Schöppen. In Niedersachsen, wo dieses Wort Grefe lautet, ist es noch in vielen einzelnen Fällen üblich, den Vorgesetzten über ein gewisses Geschäft zu bezeichnen. Daher Deichgraf oder Deichgrefe, der Vorgesetzte oder Richter bey dem Deichbaue; Krippgräfe, siehe Pfeil-IconDeich=Beschauer; Salzgraf oder Salzgräfe, der Vorgesetzte eines Salzwerkes u. s. f. Siehe auch die Zusammensetzungen Pfeil-IconBurggraf, Pfeil-IconFreygraf, Pfeil-IconGaugraf, Pfeil-IconHausgraf, Pfeil-IconHofgraf, Pfeil-IconHolzgraf, Pfeil-IconPfalzgraf, Pfeil-IconRügegraf, Pfeil-IconZentgraf u. s. f.

Klassifizierung: 929.7 Königshäuser, Hoch- und Niederadel, RitterordenDDC-Icon Klassifizierung: 305.52 OberschichtenDDC-Icon Klassifizierung: 943 Mitteleuropa; DeutschlandDDC-Icon In engerer und vorzüglicher Bedeutung führte in dem deutschen Reiche diejenige obrigkeitliche Person den Nahmen eines Grafen, welche einem Gaue vorgesetzt war, und besonders das Recht in demselben zu sprechen hatte; ein kaiserlicher Landrichter, der in seinem Gaue oder in seiner Grafschaft den Königsbann <19, 697> im Nahmen des Kaisers oder Königes handhabete, und dessen Würde anfänglich nicht erblich war, sondern von der Willkühr des Königes abhing. Als diese Grafen in dem eilften Jahrhunderte diejenigen Gauen, in welchen sie die Rechtspflege hatten, erb= und eigenthümlich bekamen, ward aus diesem bisherigen Amts=Titel ein erblicher Ehrentitel, und das Wort Graf bezeichnete nunmehr einen edeln Herren, welcher eine Grafschaft besaß, welcher in der Würde unmittelbar auf den Herzog oder Fürsten folgte, und so fern er seine Grafschaft von dem Kaiser und Reiche zu Lehen trägt, auch ein Reichsgraf genannt wird. Indessen gab es von Alters her auch Arten von Grafen, deren Würde der fürstlichen gleich gehalten wurde, und ihr noch jetzt gleich ist; siehe Pfeil-IconBurggraf, Pfeil-IconLandgraf, Pfeil-IconMarkgraf, Pfeil-IconPfalzgraf, wohin auch die gefürsteten Grafen gehören, dergleichen die ehemahligen Grafen von Tyrol und Henneberg waren.

Nunmehr wird aber auch der Ehrentitel eines Grafen sowohl von den Kaisern, als auch von Königen, oft Personen verliehen, welche keine Grafschaft besitzen, dergleichen von den Kaisern auch mit dem Titel und der Würde eines Reichsgrafen geschieht.

Daher gräflich, einem Grafen gleich oder ähnlich, demselben gehörig, in dessen Würde gegründet. Die gräfliche Würde. Ein gräfliches Geschlecht. Gräfliche Güter. Der gräfliche Stand. Gräflich leben, wie ein Graf. Ew. gräfliche Excellenz, oder Ew. gräfliche Gnaden, wofür doch Hochgräflich in den meisten Fällen üblicher ist.

Grafen=Krone, siehe unter Pfeil-IconKrone.

Grafen=Stand Klassifizierung: 305.52 OberschichtenDDC-Icon Klassifizierung: 929.7 Königshäuser, Hoch- und Niederadel, RitterordenDDC-Icon , der Stand, d. i. die Würde eines Grafen. In den Grafenstand erhoben werden. Imgleichen als ein Collectivum, die sämmtlichen Grafen eines Landes oder einer Provinz zu bezeichnen.

Graffito, siehe Pfeil-IconSgraffito.

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Grafschaft Klassifizierung: 347 Zivilprozessrecht und ZivilgerichteDDC-Icon , L. Comitatus, Fr. Comté, das Gebieth, der Bezirk eines Grafen. 1. So fern dieses Wort ehedem einen Richter bedeutete, war Grafschaft, im mittlern Lat. Comitia, dessen Gerichtssprengel, Gerichtsbezirk, imgleichen der Ort, wo Gericht gehalten wurde, schon im 9ten Jahrh. Grasceffi, in welcher nunmehr veralteten Bedeutung es wenig mehr gebraucht wird, wo es 2. nur noch einen gewissen Landesbezirk bezeichnet, der ausdrücklich mit diesem Titel begabt ist, und ursprünglich, als die Grafen noch königliche Richter waren, ihren Gerichtssprengel ausmachte, obgleich in den spätern Zeiten tausend Veränderungen damit vorgegangen sind.

Graille, siehe Pfeil-IconKrähe.

Grain, siehe Pfeil-IconGran. Pfeil-IconKorn.

Grain=Grund Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon , nennt der Zeugmacher den glatten leinwandartigen Grund derjenigen wollenen Zeugarten, die weder geköpert noch fassoniert sind.

Graine, siehe Pfeil-IconSame.

Graine d' Avignon, Beerengelb; die Beere des Zwerg=Kreutzdornes, Rhamnus infectorius; siehe Pfeil-IconKreutz=Dorn.

Graine de Canarie, siehe Pfeil-IconCanarien=Same.

Graine d' écarlate, Scharlachbeeren; siehe Pfeil-IconKermes.

Graine de quatre épices, siehe Th. VII, Pfeil-IconS. 555.

Grainoir, ein Körnsieb, Pulversieb; siehe unter Pfeil-IconSchieß=Pulver.

Grais, siehe Pfeil-IconKiesel.

Graisse, siehe Pfeil-IconFett. Pfeil-IconSchmeer.

Graisset, der Laubfrosch; siehe unter Pfeil-IconFrosch.

Gralla, siehe Pfeil-IconKrücke.

Gralla Platalea Linn, Löffelgans; siehe Th. XVI, Pfeil-IconS. 98.

Grallus, siehe Pfeil-IconRalle.

Gram Klassifizierung: 152.4 EmotionenDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , *

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Im Dän. und Schwed. gram, gramur, im Angels. grame, im Pers. garm, in welchen Sprachen es auch zuweilen für zornig, erzürnt, gebraucht wird, welches vermuthlich auch die erste Bedeutung des deutschen Wortes gram ist, so daß es zunächst zu dem Geschlechte des Wortes Grimm gehört.

Fr. haineux, eine anhaltende mit Widerwil<19, 699>len verbundene Abneigung gegen eine Person oder Sache empfindend; da es denn die dritte Endung der Person erfordert. Einem gram seyn, oder werden.

Gram Klassifizierung: 152.4 EmotionenDDC-Icon , (der) L. Moeror, Fr. Chagrin, Déplaisir, Ennui. 1. Eine anhaltende mit Widerwillen oder Unwillen verbundene Abneigung gegen eine Person oder Sache, ein geringerer Grad des Grimmes; in welcher Bedeutung es aber im Hochdeutschen veraltet ist. Wenn Freunde einander feind werden, so bleibt der Gram bis in den Tod, Sir. 37, 2. S. das Pfeil-Iconvorige und Pfeil-IconGrämen 1.

2. Ein höherer Grad der anhaltenden Betrübniß über ein Uebel. Ihr Auge verräth seit einiger Zeit einen heimlichen Gram. Seinem Grame nachhängen. Von dem Grame verzehret werden.

Von den für die Gesundheit schädlichen Folgen des Grames, siehe im Art. Pfeil-IconTraurigkeit.

In beyden Bedeutungen drückt es freylich zwey sehr verschiedene Leidenschaften aus; allein bey der ersten Armuth der Sprache war es nichts ungewöhnliches, zwey verschiedene Dinge, wenn sie nur in einem dritten oft zufälligen Umstande mit einander überein kamen, mit einerley Nahmen zu belegen. Die Entstellung der Gesichtszüge scheint hier dieser dritte Umstand zu seyn. Siehe Pfeil-IconGrämlich, Pfeil-IconGriesgrammen, Pfeil-IconGrimm u. Pfeil-IconHarm.

Daher grämen, 1. zum Zorne reitzen, Schwed. grämja, ein im Hochdeutschen unbekannter Gebrauch. 2. Gram, d. i. einen höhern Grad der anhaltenden Betrübniß empfinden, als ein Reciprocum. Sich über oder um etwas grämen. Sich zu Tode grämen. Als ein Activum, Gram verursachen, ist es im Hochdeutschen gleichfalls ungewöhnlich.

Gramatelle Klassifizierung: 595.3 Crustacea (Krebstiere)DDC-Icon , (die) in einigen besonders oberdeutschen Gegenden, ein Nahme der kleinen vielfüßigen Krebse ohne Scheren, welche auch Garnelen genannt werden. Siehe Meerkrebs, im Art. Pfeil-IconKrebs.

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Gramen, siehe Pfeil-IconGras.

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