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Gaul Klassifizierung: 398.9 SprichwörterDDC-Icon Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon *

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Gaul und das Lat. Caballus, Ital. Caballo, sind genau mit einander verwandt; ja es scheint, daß Gaul ehedem ein allgemeiner Nahme gewesen, den mehrere größere Thiere geführet. Ein Eber heißt in einigen Handschriften des Schwabenspiegels Vrgaul, und noch jetzt wird er bey den wilden Schweinen ein Keiler genannt. Siehe dieses Pfeil-IconWort.

[der], ein jedes Pferd. Einem geschenkten Gaule muß man nicht in das Maul sehen, welches Sprichwort auch in der spanischen, italiänischen und französischen Sprache üblich ist. Ehedem wurde dieses Wort besonders von den starken Pferden gebraucht, deren man sich im Kriege und in den Turnieren bediente, zum Unterschiede von den Rossen und Gurren, <16, 492> d. i. den gemeinen Ackerpferden, wovon Frisch einige Beyspiele anführt. Flemming nennt noch die Sonnenpferde Feuergäule. Ihre Gäule schreyen, Jer. 8, 16. Im Hochdeutschen ist es gemeiniglich nur von mittelmäßigen und schlechten Pferden üblich, und braucht man es ja für ein Pferd überhaupt, so geschieht es nur im Scherze. Daher ein Ackergaul, Karrengaul, Müllergaul u. s. f.

Gaule, siehe Pfeil-IconGerte. Pfeil-IconStange.

Gauler, siehe Pfeil-IconAbschlagen.

Gaumen Klassifizierung: 611.3 VerdauungsorganeDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon *

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Dieses Wort lautet bey dem Raban Maurus Giuma, bey dem Notker Giumo und Giumen, im Dänischen Gumme, im Schwed. Gom, im Ißländ. Gomur, im Angels. Goma, im Engl. the Gummes, im Lappländ. Koulme. Wachter leitet es von dem Griech. γευμα, her, allein es scheint vielmehr zu dem alten gia, aufsperren, zu gehören, von welchem Worte auch gähnen, gaffen u. s. f. abstammen, welche bloß in den Suffixis verschieden sind. Der Gaumen ist nur bey einer weiten Oeffnung des Mundes sichtbar, und im Dän. heißt daher auch Gane, der Gaumen; siehe Pfeil-IconGähnen, in der Anmerk. Das Hebr. גמא, absorpsit, das alte Lat. Goma, Gumia, ein fräßiger Mensch, und das bey dem Kero, Ottfried und Andern befindliche Cauma und Gaumo, eine Mahlzeit, sind genau damit verwandt, obgleich Ihre das letztere von dem Schwed. gamman die Freude, abstammen läßt. Einige Hochdeutsche brauchen dieses Wort in der verkürzten oberdeutschen Form, der Gaum, verdienen aber damit schlechten Dank bey Lesern von einem feinen Gehör. Die Niedersachsen und Holländer nennen den Gaumen Bön, Boen, d. i. den Boden. Das alte noch in einigen oberdeutschen Gegenden übliche Gaum, Achtung, Sorgfalt, Aufmerksamkeit, gaumen, beobachten, aufmerken, büten, Gaumer, ein Aufseher, Curator, Procurator, scheint nur zufälliger Weise mit unserm Gaumen überein zu stimmen.

[der], L. Palatum, Fr. Palais, ist der obere gewölbte Theil des inwendigen Mundes, welcher sich von dem hintern Rande der obern Kinnlade bis nach der Kehle hin erstreckt. Es begreift derselbe den festen Theil des Gaumens, Palatum osseum, und den weichern Theil desselben, Palatum molle. Jener, den festen und vordersten Theil des Gaumens, machen die Gaumenknochen, Ossa palatina, und die nächsten <16, 493> Theile der beyden obern Kinnbackenknochen aus, welche in ihrer Verbindung das ganze obere Gewölbe des Mundes bilden, und außer dem Knochenhäutchen noch mit der gemeinschaftlichen Haut des inwendigen Mundes, die voller Drüsen ist, überzogen sind. Dieser, der weiche oder hintere Theil des Gaumens, stellt eine Klappe oder einen Vorhang vor, dessen oberer Rand am Ende des vordern Theiles befestigt ist, und der untere über dem hintern Theile der Zunge vor der Kehle frey herunter hängt. Es bildet derselbe auf jeder Seite zwey herabhangende, und wie ein Segel ausgespannte, halbe Bogen, daher man ihn den Gaumenflor, Velum palatinum, Claustrum palati, oder Valvula faucium, zu nennen pfleget. Durch die Lage und Gestalt dieses Bogens bleibt oben und seitwärts eine Oeffnung zwischen dem mittlern und hintern Theile des inwendigen Mundes, welche sich fast steil und unterwärts nach der Kehle zu herabneiget, und daher den Nahmen der Mundhöhlenenge, Isthmus oder Fretumoris führt. Der Nutzen des Gaumenflors scheint hauptsächlich darin zu bestehen, daß sich derselbe bey dem Hinunterschlucken der Speisen, indem die Zunge mit ihren anhängenden Theilen sich in die Höhe hebt, und an den Gaumen selbst antrifft, wie eine Klappe oder Fallthüre vorschlägt, und die Mundhöhle selbst verschließt, folglich dadurch verhindert, daß dasjenige, was hinunter in den Schlund gepresset werden soll, nicht etwa wieder zurück in die Mundhöhle gelangen möge. Ueberhaupt aber scheint auch der ganze weiche Theil des Gaumens, zum Geschmack der Speisen selbst vieles beyzutragen.

Klassifizierung: 616.3 Krankheiten des VerdauungssystemsDDC-Icon Die Gaumengeschwüre, welche nicht nur die Haut daselbst, sondern auch oft die Knochen angreifen, und endlich bis in die Nase durchfressen, wodurch hernach solchen Leuten die Sprache sehr verderbet wird, und die flüssigen Sachen, welche sie hinunter schlucken wollen, durch das Loch, welches in diesem Falle das <16, 494> Gaumenloch heißt, mit großer Beschwerlichkeit zur Nase herauslaufen, entstehen von scharfem scorbutischen Geblüte, oder, welches am öftern geschieht, in venerischen Krankheiten. Bey der Cur ist auf die Ursache zu sehen, und darnach die Gurgelwasser, und andere innere und äußere Arzeneyen einzurichten.

Klassifizierung: 573.3 VerdauungssystemDDC-Icon Bey den vierfüßigen Thieren bemerkt man im Gaumen vornehmlich viele Falten; und bey den Vögeln scheint derselbe weniger empfindlich zu seyn.

Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon Klassifizierung: 636.089 Veterinärwissenschaften; TiermedizinDDC-Icon Der Gaumen der Pferde, ist bey dem Gebisse allzu empfindlich, wenn die Furchen desselben zu dick und zu fett sind. Ueberhaupt sind bey jungen Pferden der Gaumen und das Zahnfleisch fleischiger, als bey alten. Man kann daher auch das Alter eines Pferdes, wiewohl nicht so genau, aus den Furchen des Gaumens erkennen, welche nach dem Maße, als das Pferd alt wird, vergehen. Eine von den Furchen, woraus der Gaumen der Pferde besteht, wird der Kern genannt. In der Feifel pflegt man den Pferden den dritten Kern zu stechen; siehe Th. XII, Pfeil-IconS. 428, und den Art. Pfeil-IconKernstechen.

Von der Geschwulst des Gaumens um die Vorderzähne, oder dem so genannten Frosch, siehe Th. XV, Pfeil-IconS. 184, f.

Klassifizierung: 599.64 Bovidae (Hornträger)DDC-Icon Klassifizierung: 636.2 Wiederkäuer und Camelidae; Bovidae; RinderDDC-Icon Der Gaumen der Ochsen, wird von der Gaumenfläche der vordern Kinnbackenknochen gebildet, und ist mit verschiedenen Häuten bekleidet. Die erste ist ein zellichtes Gewebe, welches oben fettig wird; die zweyte ist weiß, stark und sehr dicht, insonderheit gegen das untere Ende des Gaumens; die dritte ist die Oberhaut, und nach unten zu dicker, als oben. Die zweyte und dritte Haut bilden an jeder Seite des Gaumens 15 Quer=Erhabenheiten; ihr hangender und gezähnter Rand sieht nach dem obern Ende des Maules hin; zwischen ihnen liegen Furchen, welche eben so tief, als die Erhabenheiten hoch sind. Diese Erhabenheiten der einen Seite unterscheiden sich von de<16, 495>nen von der andern Seite darin, daß sie nicht in einer Reihe liegen. Die 4 letztern obern Erhabenheiten haben keine Zähne am Rande, und das untere Ende des Gaumens wird nicht, wie bey dem Pferde, durch Vorderzähne begränzt. Eine flache, durch die zweyte und dritte Gaumenhaut gebildete Erhabenheit nimmt die Stelle der Zähne ein. Die Gaumenscheidewand ist die Fortsetzung der den Gaumen und das Innere der Nase bekleidenden Häute. Das zellichte Gewebe, welches die Muskeln der Gaumendecke mit den Häuten des Gaumens vereinigt, ist mit einer Menge von Drüsenblaschen versehen, welche eine mehr oder weniger gute Feuchtigkeit absondern. Der frey herabhangende Theil der Gaumendecke macht mit dem Vordertheile des obern Endes des Luftröhrenkopfes eine kreisförmige Oeffnung, welche zu der hintern Nasenhöhle führt.

Klassifizierung: 641.36 Lebensmittel aus der ViehwirtschaftDDC-Icon Unter denen Gaumen, welche man gewöhnlich zu verspeisen pfleget, werden die aus den Ochsenmäulern für die besten gehalten; daher man sie auch in den Küchen als einen besonders guten Bissen unter die übrigen Ingredienzien der Pasteten nimmt.

Gauner Klassifizierung: 364.1 StraftatenDDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon *

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Im Schwed. bedeutet Gan eine Art der Zauberey; im mittlern Lat. ist Egaunnum, Engannum, Ingenium, im Span. Enganno, im Franz. Engan, Betrug, und engannare, ingeniare, betriegen. Alles, wie es scheint, von dem alten noch im Nieders. üblichen gau, geschwinde. Siehe Pfeil-IconGaudieb.

[der], in den gemeinen Sprecharten, ein Spitzbube, ein listiger geübter Betrüger.

Gaupe Klassifizierung: 721.823 Fenster DDC-Icon (die), in Franken, ein Fenster in einem Dache ohne Glas, mit einem Laden, im Nieders. eine Luke. Siehe Th. XII, Pfeil-IconS. 574, und Pfeil-IconGäspe.

Gaute Klassifizierung: 389 Metrologie und NormungDDC-Icon , ein Getreidemaß, dessen man sich an einigen Orten an der Küste der Barbarey bedient. 30 Gautes Korn betragen ungefähr eine Last.

Gaute, siehe unter Pfeil-IconDach=Rinne.

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Gautschen Klassifizierung: 688.6 Nichtmotorisierte LandfahrzeugeDDC-Icon Klassifizierung: 676 Zellstoff- und PapierherstellungDDC-Icon , *

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Dieses sonst veraltete Zeitwort bedeutet eigentlich legen, und ist zugleich die Mutter oder Tochter des Franz. coucher, welches bey den französischen Papiermachern gleichfalls von dieser Verrichtung üblich ist. Ehedem wurde auch eine Sänfte eine Gautsche genannt. Siehe Pfeil-IconKutsche, welches gleichfalls hierher gehört.

bey den Papiermachern, die Bogen aus der Form nehmen, und auf ein Bret legen, welches daher auch das Gautschbret, Fr. Drapan, Trapan, genannt wird. Dieses Bret mit dem aus den Formen genommenen Papier, wird unter die große Presse gebracht, um das Wasser aus den noch nassen Bogen zu pressen. Derjenige Gesell, der die von dem Bütt=Gesellen geschöpften Bogen Papier auf den Filz leget, wird der Gautscher, (Kautscher) Fr. Couchart, Gaucher, und der vorn offene Kasten, in welchem der Gautscher vor der Butte steht, der Gautscherstuhl genannt.

Gautsch=Bret, s. im vorherg. Pfeil-IconArtikel.

Gautscher, s. im vorherg. Pfeil-IconArtikel.

Gautscher=Stuhl, s. im vorherg. Pfeil-IconArtikel.

Gauza Klassifizierung: 332.4 GeldDDC-Icon , eine Münze von Kupfer und Zinn, welche in dem Königreiche Pegu gangbar ist.

Gavassinen Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon , oder Cavassinen, Fr. Cavacines, Cavassines, Gavassines, heißen, am Stuhl des Atlaßwebers, die ungefähr ellelangen Schnüre an beyden Enden der am Carett (Kammhebelbret, Fr. Carette,) auf und niedergehenden acht Wagebalken (des Kammhebels), vermittelst welcher Schnüre die unter den Kämmen befindlichen Quertritte (Contre-marches) auf= und niedergezogen werden. In der Mitte jeder Gavassine wird ein Ring (Boucle) angemacht, durch welchen eine ziemlich dicke Schnur (die Gavassinschnur oder Trage=Leine, Fr. Gavassinière, genannt) durchgezogen wird. Jede Gavassine hat ein doppeltes Ende, wozwischen eine kleinere Schnur eingefüget wird, welche einen Theil der Gavassinschnur ausmacht, und dem Ziehjungen das Treffen der rechten Latzen (Lacs) erleichtert.

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Gavettes Klassifizierung: 673 NichteisenmetalleDDC-Icon Klassifizierung: 739.2 Arbeit mit EdelmetallenDDC-Icon , sind gewisse Arten von Silberarbeit, oder von vergoldetem Silber, welche die Gold= und Silberdrahtzieher, wie auch die Gold= und Silberschläger machen. Sie gehören nebst den Klumpen und Stangen von geläutertem Golde und Silber, wie auch dem geschlagenen Golde und Silber, und dem daraus gezogenen Drahte, unter die Waaren, welche aus fremden Ländern, und den im Königreiche eingeschlossenen Fürstenthümern nach Frankreich zu bringen verbothen sind. Siehe Pfeil-IconSilber.

Gavon, siehe Pfeil-IconKaue.

Gay, siehe Pfeil-IconDohle.

Gayac, siehe Pfeil-IconFranzosenholz.

Gazana Klassifizierung: 332.4 GeldDDC-Icon , Gazava, oder Casava, eine ostindische Silbermünze, und eine von den Rupien, welche in den Ländern des großen Mogols, insonderheit zu Amadabath gangbar sind. Sie gilt 50 Sols, nach französischer Münze, oder 16 bis 17 Groschen unsers Geldes.

Gaze Klassifizierung: 677 Textilien DDC-Icon Klassifizierung: 430 Germanische Sprachen; DeutschDDC-Icon , (welches im gem. Leben Gasche lautet) Fr. Gace, Gage oder Gazze, eine Art von sehr feinem und dünnen Schleyer, oder ein von weißem Nesselgarn, feinen Zwirn, oder auch von roher Seide, dünn und leicht zusammengeschlagenes Gewebe, welches sehr starr gemacht ist. *

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In diesem Verstande kommt schon um das Jahr 1279 das mittlere Lat. Gazzatum vor. Man glaubt, daß es von der Stadt Gaza in Palästina seinen Nahmen habe, und durch die Kreutz=Züge in Europa bekannt geworden. Allein, da es in China noch jetzt eine Art seidener Zeuge gibt, welche daselbst Gase heißt, so scheint dieses Wort aus China herzustammen.

Es wird dergleichen auch von Halbseide und halb Nesselgarn verfertiget, so man Cantille zu nennen pfleget. Man nennet auch dasjenige weitlöcherige und dünne flächsene Gewebe, welches die Nähterinnen brauchen, Stühle und Decken nach Teppich=Art mit bunter Wolle zu nähen und zu sticken, Gaze.

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Ueberhaupt ist die Gaze eine Zeugart, deren Faden, sowohl der Kette, als des Einschlages, von einander abstehen, so daß ein solcher Zeug einem feinen Netze gleichet. Man hat vornehmlich dreyerley Arten dieses Zeuges, Filet, Flor und Marly. Das vornehmste kommt dabey auf die Einrichtung des Stuhles an, welcher eigene Theile haben muß, das Netzförmige hervor zu bringen, welches vermittelst eines eigenen Kammes geschieht, welcher der Perlkopf heißt, weil unter jedem seiner Faden eine durchlöcherte Perle oder Koralle schwebt. Durch die Löcher dieser Perlen werden die sämmtlichen Faden des Oberfaches gezogen, und vor Durchpassierung durch das Rieth dergestalt um die Unterfaden geschlungen, daß sich beyde Faden durchkreutzen; daher es denn kommt, daß sich beym Weben die auf diese Art vereinigten Faden hinter jeden Einschuß zusammen drehen, und dadurch zugleich den Einschußfaden binden und befestigen.

Der Marly ist sehr großlöcherig, und gleicht daher am stärksten einem Netze. Seine Kette ist leinener Zwirn, und der Einschlag leinenes Garn. Er wird mit zwey Ketten, wovon eine das Ober= und die andere das Unterfach ausmacht, und mit vier Kämmen, und zwey bis drey Fußtritten gewebet. Nach dem Weben wird er auf der Appreturbank ausgespannet, und mit Gummi und weißer Stärke über glühende Kohlen gesteifet. Filet und Flor werden ganz aus Seide gewebet, und sind bloß darin von einander unterschieden, daß jener größere Zwischenräume hat, und daher mit einem gröbern Riethblatt gewebet wird. Weil sie steif seyn müssen, nimmt man rohe ungekochte Seide dazu, welche entweder dreyfach gezwirnet, oder, wenn die Seide stark ist, auch wohl ungezwirnt verwebet wird. Glatter Filet und Flor werden wie der Marly gewebet. Sollen beyde Taffetstreifen bekommen, so müssen drey Ketten vorhanden seyn, wovon eine die Streifen bil<16, 499>det, und ihren eigenen Taffettritt hat. Das übrige hängt von der Einreihung der Kettenfaden ab. Beyde Zeugarten werden auch zuweilen fassoniert gewebet, und zwar sowohl vermittelst der Fußarbeit, als vermittelst des Zampelzuges. Der Grund ist alsdenn etwas gefärbt, und bekommt Blumen von weißen leinenen Garn, Gold= oder Silberlahn, oder andern reichen Faden, oder er ist weiß, und die Blumen werden durch gefärbte Einschußfaden hervorgebracht. Alsdenn werden zur Fußarbeit dieser Art, außer den vier Gazekämmen, noch die zu jedem Muster gehörigen Figurkämme nebst ihren Tritten erfordert. Da aber hier die Einschußfaden, da wo nicht Figur entsteht, ungebunden liegen bleiben, so muß das Ueberflüssige dieser Faden nach dem Weben von einer geschickten Hand weggeschnitten werden. Weil aber dadurch vieles verloren geht, so broschiert man oft die Figuren lieber. Die damastartige Gaze wird jederzeit auf einem Zampel=Stuhl gewebet. Der Grund ist feiner Flor, und man pflegt sie nur grün, weiß und schwarz zu weben.

Ausführlichere Beschreibungen der Gazefabrik, findet man in Jacobsson Schauplatz der Zeugmanufacturen in Deutschl. 4 B. Berl. 1776, gr. 8. S. 78--109, und in Sprengels Handwerke und Künste 14 Samml. Berl. 1776, 8. S. 632--646.

Hallens Werkstäte der heutigen Künste, 1 B. Brandenb. und Leipz. 1761, 4. S 404.

Hrn. geh. R. v. Beausobre Einleit. in die Kenntniß der Politik, der Finanz= und Handlungswissensch. nach der Uebersetz. des Hrn. Prof. Albaum. 1 Th. Riga 1773, 8. S. 268.

(Hrn. Kr. R. Pfeifer) Lehrbegrif sämmtl. oecon. und Cameralwiss. 3 B. 1 Th. Mannh. 1777, 4. S. 487--490

(Hrn. Prof. Ebert) Kurzer Begriff menschl. Fertigkeiten und Kenntn. 1 Th. Lpz 1778, 8. S. 320--322.

Churbrandenburgisches Patent wegen der Gazen=Manufactur zu Berlin, und verbothener Einführung der fremden Gaze, d. d. 18 Jun. 1686, st. in Mylii Corp. Constit. March. 5 Th. 2 Abth. 5 Cap. No. 1, S. 438.

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Klassifizierung: 391.2 Kleidung für FrauenDDC-Icon Uebrigens sind alle Sorten der Gaze, sie seyn glatt (Gaze unie), oder broschiert (Gaze brochée), oder gestreift (Gaze rayée), zum Putze und zur Kleidung des Frauenzimmers, insonderheit aber die garnenen zu ihren Kopfzeugen, Halstüchern, Manschetten und Engageanten, die seidenen aber zu ihren Vorstecklätzen, zu ihren Leibbinden, und im Sommer so gar zu völligen Kleidungen, dienlich. Man macht auch zu dieser Jahrs=Zeit aus selbigen einige Sorten von Hausgeräthe, als: Faulbetten, Bademäntel und Schürzen, wozu man vornehmlich die mit Gold, Silber oder Seide von verschiedenen Farben broschierten Gazen gebrauchet. Sonst bekommt man auch aus Indien Gazen mit goldenen und silbernen Blumen auf einem seidenen Grunde, wovon die Stücken gemeiniglich 19 bis 20 Ellen lang sind. Es kommen dergleichen aus China, auf welchen zum Theil allerhand Blumenwerk und andere Zierrathen eingebrannt, und welche 11 Ellen lang und zwey Drittel breit sind.

Klassifizierung: 938 Griechenland bis 323DDC-Icon Klassifizierung: 937 Italienische Halbinsel und benachbarte Gebiete bis 476DDC-Icon Klassifizierung: 391.2 Kleidung für FrauenDDC-Icon Eine überaus zarte Art Flor von Purpurseide, wovon bey den Griechen und Römern die vornehmen Damen Kleider trugen, in welchen sie fast nacket zu seyn schienen, heißt Vestis coa, Fr. Gaze de Cos. Der Purpur, womit die extra=feine Seide dieses Luftgewebes (Ventus textilis) gefärbt war, kam von den Purpurmuscheln, welche bey der Insel Cos gefangen wurden; und eben daher ist die Benennung entstanden.

Wie die Gaze zu tractiren, wenn sie abgetragen oder schmutzig geworden ist, siehe Th. XIV, Pfeil-IconS. 348, f.

Klassifizierung: 687.8 KurzwarenDDC-Icon Den Nahmen Gaze führt auch eine gewisse Art Tressen, welche die Bortenwirker verfertigen. Der Anschweif ist von Seide, der Einschlag aber von Gespinnst und von starken Lahn, den man grobe Ringel nennt. Letzterer macht die Figur. Der Bortenwirker nennt diese Tresse broschiert, wenn einige Theile der Figur, z. B. die Mitte einer Blume durch Chagrin oder Cantille gemacht werden; alsdenn braucht er zu der Arbeit drey Schützen.

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Hallens Werkstäte etc. 2 Band, S. 228, f.

Sprengels Handwerke etc. 3 Samml. S. 108.

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