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Bauch Klassifizierung: 611 Menschliche Anatomie, Zytologie, HistologieDDC-Icon , L. Abdomen, Venter, Fr. Ventre, ist, bekanntermaßen, der untere Theil des Leibes, vom Anfange des Brustbeines an, bis zu den Schaambeinen. Siehe Hrn. D. Martini Naturlexicon.

Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon Bei den Pferden nennet man Bauch, oder Wanst, Fr. Coffre, die Höhle, welche von den Rippen umschlossen ist; ingleichen den untern Theil des Cörpers an dem Orte des Brustbeins, und den untern Theil der Rippen; und in diesem Verstande ist der Bauch des Pferdes das, was der vordere Theil der Brust bei dem Menschen ist. Wenn sich der Bauch nach dem Hintertheile zu, wie bei einem Windhunde, erhebet, sagt man: das Pferd habe keinen Leib, oder sey engbauchig, Fr. étroit de boyau. Dergleichen Pferde fressen meistens wenig, sind aber gleichwohl fast alle hitzig oder gierig. Wenn der Bauch tiefer, als die Rippen, herunter gehet, und wenn dieser Theil allzuvoll ist, sagt man: das Pferd habe einen Hän<3, 764>gebauch, oder Kuhbauch, Fr. Ventre de vache, Ventre avalé. Wenn ein solches Pferd jung ist, so frißt es stark; und wenn es öfters hustet, so hat man zu besorgen, daß es hartschlägig wird

Klassifizierung: 631.3 Werkzeuge, Maschinen, Geräte, AusstattungDDC-Icon Bei den Landleuten heißt Bauch, wenn man an dem Erndtenwagen an jeder Leiter, bei der daran zwischen dem Hinter= und Vorder=Rade befindlichen Oeffnung, drei Stricke, so man Bauch=Seile oder Bauch=Stricke nennet, mit ihren beiden Enden, an dem Ober= und Unter=Leiterbaum, ungefähr 2 Spannen weit von einander, anschleifet und vest machet, damit nicht nur bei dem Einführen des Getraides eine Anzahl Garben darein geleget, und also mehr, als sonst ordentlich zwischen den Leitern geladen, sondern auch der Wagen, wegen des auf unebenem Lande zu Schaden kommenden Schwankens, sicherer geführet werden könne. Die Holzbauern und Fuhrleute machen an ihren Holz= und Last=Wagen auch Bäuche, und zwar von Wieden oder Ketten.

Klassifizierung: 690 Hausbau und BauhandwerkDDC-Icon Wenn ein Gebäude, sonderlich aber eine Mauer, vor Alter oder sonst andern Fehlern hängig wird, oder sich heraus begiebt, so nennet man solches ebenfalls einen Bauch.

Bauch=Bettgen Klassifizierung: 643 Wohnen und HaushaltsaustattungDDC-Icon Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon Klassifizierung: 649.3 Ernährung von KindernDDC-Icon , Bauch=Küssen, ist ein kleines, mit weichen Pflaum oder Schwanen=Federn ausgestopftes, und mit einem feinen Ueberzug, entweder von Damast, Seidenzeug, Cattun, weißer Leinwand etc. überzogenes Bette, welches kränkliche und zärtliche Personen, die Brust warm zu halten, und die Ausdünstung zu befördern, auf der Brust tragen. Insgemein aber pflegt man zarten Kindern dergleichen des Nachts vorzubinden.

Bauch=Fluß des Rindviehes etc. s. Pfeil-IconDurchlauf. Pfeil-IconRuhr.

Bauch=Geschwulst Klassifizierung: 615 Pharmakologie und TherapeutikDDC-Icon , bei Pferden, erfordert ein wollenes Tuch, das mit Wermuth und Chamillen in Wasser gesotten, worinn etwas Salpeter aufgelöset, täglich zweimahl warm umzubinden.

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Klassifizierung: 636.089 Veterinärwissenschaften; TiermedizinDDC-Icon Klassifizierung: 636.2 Wiederkäuer und Camelidae; Bovidae; RinderDDC-Icon Auch das Rindvieh bekommt zuweilen eine Bauchgeschwulst, wobei zu untersuchen, ob es nur von übler Verdauung, Blähung oder Verstopfung, oder von etwas giftigen, als: dem Schierlingskraut, oder gar dessen Wurzel, die von den Bächen zuweilen ausgeworfen wird, entstanden sey. Siehe Pfeil-IconBlähung. Pfeil-Icon>Schierling. Pfeil-IconVerstopfung.

Bauch=Grimmen, Bauchweh, Leibschmerzen; s. Pfeil-IconDarmgicht.

Bauch=Gurt Klassifizierung: 685.1 Herstellung von Sattel- und ZaumzeugDDC-Icon Klassifizierung: 636.0837 Zaumzeug und ZubehörDDC-Icon , Fr. Ventriére, ist ein breiter Riemen, so an den Seitenblättern und Reit=Scheiden auf der einen Seite angenähet oder angeschnallt, unter des Pferdes Bauch hindurch gezogen, und auf der andern Seite, vermittelst eines eisernen Knebels, in einen am Seitenblatt befindlichen Ring geknebelt und bevestiget wird.

Bauch=Küssen, siehe Pfeil-IconBauch=Bettgen.

Bauchschlagend Klassifizierung: 636.1 Einhufer; PferdeDDC-Icon , nennet man ein keichendes Pferd, Fr. Cheval poussif; siehe Pfeil-IconKeichen.

Bauch=Seile, Bauch=Stricke, siehe S. 764, unter Pfeil-IconBauch.

Bauch=Walze, siehe Pfeil-IconWalze.

Bauch=Wassersucht, siehe Pfeil-IconWassersucht.

Bauch=Weh, siehe Pfeil-IconDarmgicht.

Bauch=Würmer, siehe Pfeil-IconWürmer.

Baucia, siehe Pfeil-IconAcanthus germanicus.

Bauen Klassifizierung: 690 Hausbau und BauhandwerkDDC-Icon , heißt überhaupt, einen Platz also zubereiten, daß man darinnen sicher und bequem wohnen, und seinen Aufenthalt haben könne. Siehe Pfeil-IconBau.

Klassifizierung: 633 Feld- und PlantagenfrüchteDDC-Icon Im landwirthschaftlichen Verstande heißt Bauen, die Aecker, Wiesen, Gärten, Wälder etc. mit Düngen, Pflügen, Säen, Eggen, Hacken, Ausholzen etc. dergestallt zurichten, daß man den erwünschten Nutzen davon haben möge. Siehe Pfeil-IconAckerbau.

Bauer Klassifizierung: 306.3 Institutionen der WirtschaftDDC-Icon Klassifizierung: 943 Mitteleuropa; DeutschlandDDC-Icon Klassifizierung: 630 Landwirtschaft und verwandte BereicheDDC-Icon , Landmann, L. Agricola, Rusticus, Fr. Cultivateur, Laboureur, Ouvrier, Paisan, Rustique, ist überhaupt derjenige, der das Feld gehörigermaßen <3, 766> tractiret, und Früchte zu tragen geschickt machet, auch allein von dem Feldbau seine Nahrung und Lebensunterhalt suchen mus. Der Bauernstand ist nicht nur der allerälteste, indem man das Altertum desselben bald nach Erschaffung des ersten Menschen herleiten kann, sondern auch der allernützlichste und allernöthigste, weil alles und jedes, was in der Welt lebet, dadurch ernähret und erhalten wird, auch ohne denselben das gemeine Wesen keinesweges bestehen kann. Wenn man den eigentlichen Stand der Bauern nach seinem Ursprunge in Teutschland betrachtet, so ist derselbe von den ehemahligen Leibeigenen herzuleiten, die endlich in den mittlern Zeiten, aus einer irrigen Meinung, als ob der Knechtsstand der christlichen Religion zuwider, Haufenweise einige Rechte der Freigelaßenen erlanget haben, und daher, ungeachtet sie an den meisten Orten heut zu Tage freie Leute sind, von ihren Gütern Dienste thun und Zinsen geben müssen. Ja, es wird ordentlich dafür gehalten, daß auf dem Lande alle Bauergüter dienst= und zinsbar seyn, wenn sie nicht ihre Freiheit sonst erweisen können. Der eigentliche Bauernstand hat auch eben daher noch viel Knechtisches bei sich, und ist deswegen noch bei uns Teutschen in einiger Verächtlichkeit. Ein Bauer überhaupt ist also eigentlich ein Mensch, der selbst vor seine Person das Land bauet, und von seinen Landgütern Hand= oder Spann=Frohne thun und Zinsen geben mus. Sie haben auch übrigens aus dem Altertum noch vielerlei andere Nahmen und mannigfaltigen Unterscheid.

Bauer, wird an einigen Orten, in einer Dorfgemeinde, derjenige insonderheit genennet, welcher ein Gut besitzet, worauf wenigstens ein paar Pferde gehalten werden müssen, sowohl seinen Feldbau damit zu bestreiten, als auch die der Herrschaft zu gewissen Zeiten schuldigen Frohndienste mit verrichten zu können. Dergleichen Dienste aber sind also beschaffen, daß sie 1) entweder mit Pferden oder anderm Zugvieh, oder 2) mit <3, 767> der Hand verrichtet werden. Jene sind diejenigen zu thun schuldig, welche Aecker besitzen, dieserwegen Zug=Vieh halten, auch deswegen Anspanner, Ausspänner, Pferdner oder Hüfner genennet werden. Die, so Hausdienste leisten, keinen Acker, oder doch sehr wenigen, besitzen, oder die nur eine Hütte haben, oder sich von Gartenfrüchten nähren, heißen Hintersassen, Handfröhner, Cothsassen, oder Cossäten, Gärtner, Häusler, Hausgenossen. In weitläuftigem Verstande, und wenn man überhaupt unter dem Worte Bauer, alle Landleute, oder die auf dem Lande wohnen, verstehet, rechnet man auch billig, die adelichen Geschlechts sind, dahin; wie sie denn auch deßwegen, wenn sie vom bloßen Feldbau leben, in Schwaben Sammete Bauern genennet werden. Sonst ist, gedachtermaßen, der Bauern Zustand in Teutschland nicht einerlei. Denn einige sind keiner Herrschaft, ausser dem Römischen Kaiser, unterworfen, und werden daher des Heil. Röm. Reichs oder nur schlechthin Reichs=Bauern genennet. Andere sind andern Fürsten, Grafen, Städten und Herrschaften auf dem Lande unterworfen, und treiben den Ackerbau auf ihren eigenen Gütern, sind aber nicht dienstbar, sondern freie Leute, die nichts anders als die gemeinen Landesbeschwerden tragen, zuweilen auch von ihren liegenden Gründen Zins= oder Schutz=Geld entrichten, im übrigen aber von aller Dienstbarkeit befreiet sind, dergleichen in Schwaben, Franken und andern Orten, zu finden, und Frei=Bauern genennet werden. Noch andere werden zwar zu Frohnen und Diensten nicht gebraucht, haben aber die Aecker, Wiesen und Häuser von ihrer unmittelbaren Obrigkeit, und müssen dafür jährlich einen gewissen Erbzins, Güld oder Pacht entrichten, und werden daher Pacht=Leute und Pacht=Bauern, anderswo auch Lands=Adler, genennet. Endlich müssen andere, neben der Zins, Güld oder Steuer, auch Pferd= oder Hand=Frohnen verrich<3, 768>ten, können aber mit ihren Gütern freiwillig schalten und walten, selbige veräussern, und sich an andere Oerter wenden, und werden denen leibeigenen Bauern, die in Pommern, Meklenburg, Holstein etc. bekannt sind, entgegengesetzt.

Bauern=Güter Klassifizierung: 306.3 Institutionen der WirtschaftDDC-Icon Klassifizierung: 943 Mitteleuropa; DeutschlandDDC-Icon Klassifizierung: 630 Landwirtschaft und verwandte BereicheDDC-Icon , L. Praedia rustica. Die Bauerngüter haben bei den alten Teutschen mit denen adelichen ihren Anfang genommen. Die Herren theilten ihre Aecker und Wiesen unter ihre Knechte aus; diese bebaueten solche mit ihrer eigenen Familie, und gaben davon ein Gewisses an Getraide, Vieh und Kleidern, welches man einen Zins oder Pacht nennen kann. Die zu ihren Haushaltungen nöthigen Gebäude waren sehr schlecht, und sehr zerstreut aus einander gelegen. Nachher ward die Landwirthschaft in etwas bessere Ordnung gebracht, und viele Knechte wurden freigelaßen. Als sich hierauf die Geistlichkeit nicht wenig vermehrte, und die Landsassen anfiengen, Aecker und Güter, auch zu deren Bearbeitung Knechte und Mägde an die Kirchen zu offeriren, auch sonst aus Aberglauben viele Manumissiones pro salute animae, und anderer Ursachen halber, unternahmen: so wollte es hierbei denen Ingenuis an Knechten gebrechen, und sie mußten ihre Arbeiter miethen; und indem der Ertrag der Güter nicht überschüßig war, so wurden sie gezwungen, denen Freigelaßenen unter Angelobung gewisser Dienste und eines jährlichen Zinses vieles zu übergeben, sie aber zusammen in Dörfer zu ziehen. Gleichwie nun diejenigen Coloni, so in dem alten Zustande geblieben, nach derer Herren Pfeife tanzen mußten: also waren viele Freigelaßene, welche sich wieder, theils aus Noth, theils nach Gefallen, zu dem Ackerbau wendeten, und daher auf verschiedene Conditionen mit denen Gutsherren accordirten, wodurch mancher ein Gut ganz eigen und erblich, ein anderer hingegen nur nach dem nutzbaren Eigentum, oder auf gewisse Zeit, angenommen, und davon Pacht, Dienst und Zinsen <3, 769> angelobet. Hieraus sind nun gar verschiedene Güter nach verschiedenen Rechten, Contracten und Formuln, sammt vielerlei Nahmen, entstanden; z. E. Erbpacht=Güter, Laßgüter, churmedige Güter, Landsiedeleien, Meiergüter, Schillingsgüter, Erbzins= und andere Zins= und Dienstgüter, von welchen besondere Abhandlungen folgen werden.

Diese verschiedene Arten der Bauerngüter leiden, nach ihrer Einrichtung und Beschaffenheit, eine verschiedene Eintheilung. Von einigen gehört das Eigentum denen landesherrlichen Domainen oder denen Rittergütern zu, und der Bauer hat nur die bloße Benutzung. Bei einigen ist diese Benutzung erblich, bei andern gehet sie auf die Lebenszeit des Besitzers, und bei andern nur auf gewisse Jahre. Einige Bauerngüter sind ganz erb= und eingentümlich, obwohl mit verschiedener Einschränkung. Einige sind unsteuerbar, und liegen nicht unter der Contribution, Steuern und Schocken, ob sie schon nebst andern Dorfeinwohnern einige Reihelasten und das Nachbarrecht mit tragen müssen. Sie sind auch entweder dienst=zins= und steuer= oder nur von Steuern und Diensten frei. Andere sind belastet und steuerbar, und müssen sowohl alle Landesabgaben, als auch die Baubeschwerden und Pflichten entrichten. Einige sind dienstbar, und müssen nach ihrer hergebrachten Schuldigkeit Dienste leisten; dahingegen andere dienstfrei, und nur zu Entrichtung eines gewissen jährlichen Zinses, und anderer Kleinigkeiten, verbunden sind. Endlich giebt es auch schriftfassige Bauerngüter, die durch ein besonderes Privilegium des Landesherrn von der Amtsgerichtsbarkeit, welcher sonst die andern unterworfen sind, eximiret worden, und deren Besitzer öfters, wie um Görlitz herum, und in Grüningen bei Halberstadt, Landsassen heissen. Ausserdem werden die Bauerngüter in Anspann= ganz= und halbe Acker=Höfe, Ganz= Halb= Spitz= Karren= Spänder= <3, 770> und Fröhner=Cossathen und Hintersättler=Güter eingetheilt, deren ihre Schuldigkeiten jedes Orts Ordnungen, Recesse und Verträge ausweisen. Die Häuser der Bringsitzer, Häusler oder Beisitzer, sind keine eigentliche Bauerngüter.

Klassifizierung: 354.5 LandwirtschaftsverwaltungDDC-Icon Klassifizierung: 338.1 AgrarsektorDDC-Icon Die Bauerngüter sind ein wichtiger Gegenstand der höchsten Landespolicei. Von der vollkommenen Cultur des Bodens und dem Flor der Landwirthschaft hängt die Wohlfahrt des Staats hauptsächlich ab. Es kann also dem Staat nicht gleichgültig seyn, ob diese Güter schlecht oder wohl beschaffen sind, oder ob sie wohl oder übel genutzet werden. Nun finden sich aber bei den meisten Bauerngütern noch so viele und große Fehler, welche einer blühenden Landwirthschaft dergestallt im Wege stehen, daß, solange dieselben nicht verbessert werden, man sich den Flor der Landwirthschaft niemahls versprechen kann. Eine weise Regierung mus demnach alle ihre Aufmerksamkeit, Vorsorge und Mühe anwenden, diese Fehler, soviel als möglich, zu verbessern. Wir müssen zeigen, worinn solche Fehler bestehen.

Klassifizierung: 346.043 Unbewegliche SachenDDC-Icon Die meisten Bauerngüter sind so beschaffen, daß die Bauern nicht Eigentümer davon sind. Das Eigentum gehört entweder denen landesherrlichen Domainen, oder denen Rittergütern und Privatpersonen; die Bauern hingegen sind Leibeigene, und haben die bloße Nutzung der Güter auf Meierrecht, oder andere, in verschiedenen Ländern eingeführte Rechte; sie müssen also immer befürchten, daß sie aus dem Besitze ihrer Güter herausgesetzet werden. So lange solche Einrichtungen Statt finden, so kann man sich gar keine Hoffnung machen, daß die Landwirthschaft in Flor kommen wird; und der Staat ziehet mithin aus dem Boden des Landes bei weitem nicht denjenigen Nutzen, den er sich versprechen könnte, wenn die Bauern selbst Eigentümer der Bauerngüter wären. Denn so lange sie dieses nicht sind, so fehlt ihnen der vornehmste Bewegungsgrund, und die wirk<3, 771>samste Triebfeder, ihre Grundstücke auf das beßte zu cultiviren. Aller Fleiß und Arbeitsamkeit entspringet aus der Quelle, daß man sich ein bequemes Leben verschaffen, und seine Kinder nach seinem Tode in guten Umständen hinterlaßen will. Niemand arbeitet gern zum Nutzen eines andern. Wenn hingegen die Bauern ihre Güter erb= und eigentümlich besitzen, mithin versichert sind, daß sie solche nach ihrem Tode ihren Kindern hinterlaßen: so werden sie allen möglichen Fleiß anwenden, um sie in immer bessern und vollkommenern Zustand zu setzen, und ihre Kinder dadurch glücklich zu machen. Man siehet hieraus ganz klar, wie schädlich die Leibeigenschaft ist, und wie nützlich es hingegen seyn würde, wenn solche abgeschaffet, und das Eigentum der Güter an die Bauern abgetreten würde. Die Eigentümer würden dabei gar nichts einbüßen, wenn sie die Bauerngüter in Erbzinsgüter verwandelten, und sich die zeitherigen Einkünfte als einen jährlichen Erbzins vorbehielten; wobei die Bauern dennoch die Frohndienste verrichten könnten, die aber nach der Billigkeit und Klugheit eingerichtet, und dadurch ordentliche Dienstreglements für allezeit und beständig vestgesetzt und beschrieben werden müßten.

Ein anderer Fehler, welcher viel darzu beiträgt, daß denen Bauern das Eigentum ihrer Güter entzogen wird, ist, wenn man gestattet, daß andere, die nicht Bauern sind, und die Bauerngüter nicht selbst bewohnen, noch die Wirthschaft darauf treiben, Eigentümer derselben seyn können. Hierher gehört, wenn die Adelichen und andere Gutsherren die Bauerhöfe ihrer Unterthanen an sich ziehen, und zu ihren adelichen Gütern schlagen dürfen. Also führt der Herr von Justi, im II Bande seiner oecon. Schriften, S. 268, ein dänisches Gesetz an, welches verordnet, daß ein jedes adeliches Gut an Bauerhöfen 200 Tonnen, oder 666 Morgen à 150 Quadratruthen, Hartkorn besitzen mus, wenn es die <3, 772> Befreiung von denenjenigen Ländereien, die es selbst bauet, genüßen will. Dieses Gesetz, sagt Hr. von Justi, scheint recht gemacht zu seyn, das Eigentum der Bauern zu verhindern. Der Edelmann wird so leicht keinen Bauerhof verkaufen, weil auf dem Besitze derselben ein so ansehnliches Recht beruhet. Hat er mehr Bauerhöfe, als zu 200 Tonnen Hartkorn erforderlich sind, so wird er die nächsten und gelegensten zu denen Ländereien einziehen, die er selbst bauet; und er wird sich wohl hüten, einen einzigen zu verkaufen. Dergleichen Gesetze sind nicht allein der Cultur des Bodens gerade entgegen, sondern sie fallen auch dem armen Landmann zu einer unaussprechlichen Last. Da auf der einen Seite der Edelmann die Ländereien, die er selbst bauet, ohne Ende vermehren kann; und da auf der andern Seite die Frohn=Dienste der Bauern nicht bestimmt und vestgesetzt sind: so kann man leicht erachten, wie groß die Last der Bauern nach und nach anwachsen mus. Eben so nachtheilig sind diese Gesetze dem landesherrlichen Finanz=Interesse. Der Edelmann kann so viel Bauerhöfe, als er will, der Contribution entziehen, wenn er nur immer so viel Bauerhöfe durch neuen Anbau, oder durch Ankauf, für voll erhält, als 200 Tonnen Hartkorn betragen. In allen Staaten, wo die Landwirthschaft blühet, hat man von allen demjenigen, was in Dännemark Statt findet, gerade das Gegentheil eingerichtet. Man hat in einigen Staaten Gesetze, daß die Bauerngüter keinen andern Eigentümer haben können, als der selbst darauf wohnet. Man hat die Ländereien, die zu den adelichen Gütern gehören, ein=für allemahl bestimmt und vestgesetzt. Kaufen und ererben die Edelleute mehr Ländereien, so sind sie weder von Schatzungen noch Abgaben frei, noch sind die Bauern schuldig, Frohndienste dabei zu verrichten. In einigen teutschen Staaten wird denen Adelichen nicht einmahl verstattet, die wüsten Bauerngüter und überhaupt die Bauerngüter, <3, 773> an sich zu bringen, und solche zu ihren Gütern zu ziehen; und in Sachsen sollen solche nicht einmahl an die Bürger gelangen. In den königl. preußischen Landen, ist keiner Grundherrschaft, sie sey geistlich oder weltlich, und überhaupt keinem Dominio, erlaubt, Bauerngüter an sich zu bringen oder auch die Aecker, Wiesen und übrigen Realitäten davon an sich zu ziehen, und die Höfe, statt Bauern, mit Gärtnern, Häuslern oder Tagelöhnern zu besetzen. Wenn Bauerngüter aussterben, oder Schulden halber dem Besitzer abgenommen werden müssen: so mus das Dominium sich zuvörderst alle Mühe geben, einen andern tüchtigen Wirth, welcher das Gut entweder gegen Erlegung der darauf haftenden Schulden, oder aber, da solche nicht vorhanden, gegen billige Conditionen, annehme, zu erhalten; und ist immittelst bei eigener Vertretung dafür zu sorgen schuldig, daß die schadhaften Wohn= und Wirthschaftsgebäude repariret, auch die Aecker und Wiesen entweder miethsweise ausgethan, oder gegen billige Belohnung administriret, und in der Wirthschaft durchaus nicht unbestellt gelaßen, aus den einkommenden Revenüen aber vor allem andern die monathliche Contribution, sodenn die currenten Interessen und herrschaftlichen Praestanda berichtiget, und was über dem noch übrig bleibt, zur Melioration des Gutes angewendet werden möge. Wenn alle vom Dominio angewandte Bemühungen zu Herbeischaffung eines neuen Wirths vergebens, die tentirte Administration des Gutes zu dessen fernern Erhaltung nicht hinlänglich, und dergleichen Bauerngut auf eine andere Weise unterzubringen nicht möglich, folglich dessen Einziehung an das Dominium unvermeidlich seyn sollte: so mus dennoch der Landrath des Creises zuvörderst die dabei vorkommenden Umstände auf das genaueste untersuchen, und im Fall auch dieser einen neuen Wirth auf das Gut zu erhalten nicht im Stande, von der Nothwendigkeit, daß solches dem <3, 774> Dominio überlaßen werde, an die vorgesetzte Krieges= und Domainen=Cammer pflichtmäßigen Bericht erstatten, und Approbation einhohlen. Diese Approbation hat jedoch in keinem andern Falle Statt, und wird nicht ertheilet, als wenn vorher genugsam erwiesen worden: 1) Daß das Gut Schulden halber nothwendig verkauft werden müssen, und dessen Besitzer dabei sich keinesweges conserviren können. 2) Daß, aller angewendeten Bemühung ohngeachtet, kein Käufer oder Annehmer zu solchem Gute auszufinden gewesen. 3) Daß das Gut nach der Landesobservanz gerichtlich taxiret, und dabei überall legaliter verfahren worden. 4) Daß der Verkauf des Gutes nicht bloß in demselben Dorf ausgehangen und bekanntgemacht, sondern auch durch die Intelligenzzettel und ausgehangene Intimationen in der Creis=Casse und denen nächstgelegenen Dörfern publiciret sey. Alles, was hier in Ansehung derer denen Unterthanen erb= und eigentümlich zugehörigen Güter verordnet wird, findet auch bei denenjenigen Bauerhöfen Statt, welche denen Grundherrschaften zuständig sind, und auf welche sie die Unterthanen nur aussetzet.

S. Königl. Preussische Constitution, nach welcher im Herzogtum Schlesien so wenig denen adelichen Dominiis, Bauerngüter oder darzu gehörigen Pertinentien an sich zu ziehen erlaubt, als denen Bauergemeinden gestattet werden soll, adeliche Güter, Dörfer oder Herrschaften, vor sich allein, oder mit andern in communione, an sich zu bringen, d. 14 Jul. 1749, in der Samml. schlesischer Ordnungen.

Durch dergleichen Maaßregeln und Gesetze kann das Eigentum in die Hände der Bauern geleitet werden; wiewohl Hr. von Justi, im I B. seiner Policeiwissenschaft, S. 183, f. dafür hält, daß die Regierung nicht einmahl nöthig habe, gesetzlich zu verordnen, daß niemand Eigentümer eines Bauergutes seyn könne, der es nicht selbst bewohne, und die Wirthschaft darauf treibe; es dürfe die Regierung nur auf alle Bauerngüter, die von ihrem Eigentümer nicht selbst bewohnt werden, ein 8 bis 10 Rthlr. jährliche Abgaben mehr legen, und <3, 775> verordnen, daß diese Abgabe nicht von dem leibeigenen Bauer, von dem Meier oder Pachter entrichtet, sondern von denen dem Eigentümer gehörigen Einkünften erleget werden solle.

J. H. L. A. Beweis, daß die gewöhnliche Interims=Besetzung verschuldeter Bauergüter nicht allemahl das Mittel sey, selbige wieder empor zu bringen, st. im 8 St. der Hannov. nützl. Samml. v. J. 1757.

So richtig der Grundsatz ist, daß niemand Eigentümer eines Bauergutes seyn soll, als der es nicht selbst bewohnet und die Wirthschaft darauf treibet: so nimmt dennoch Hr. von Justi, am angeführten Orte seiner Policeiwissensch. die Gegend um die Hauptstadt auf drei Meilen weit davon aus.

Er sagt, in der Hauptstadt, wenn sie etwas reich wäre, fänden sich gemeiniglich viel Leute, welche, zu ihrer Veränderung und Vergnügen, den Sommer gern auf dem Lande zubrächten, und daher in der Nähe Bauerngüter kauften, die sie mit schönen Gebäuden und Gärten ziereten, ohne darauf zu sehen, ob sich ihr angewendetes Capital wieder verinteressiret. Dieses müßte der Staat keinesweges hindern, sondern vielmehr auf alle Art befördern. Die Hauptstadt wäre gleichsam das Hauptwohnhaus des gesammten Volkes. Gleichwie man nun jedermann nach der Beschaffenheit seiner Wohnung, seines Hausgeräthes, seiner Gärten, u. d. gl. zu beurtheilen pflegte: so wären auch die Ausländer gar sehr geneigt, den Reichtum und Wohlstand des gesammten Volkes nach der Beschaffenheit der Hauptstadt und der umliegenden Gegend zu beurtheilen; und wann sie sähen, daß die Gegend um die Hauptstadt wie eine halbe Wüstenei aussähe, daß große Wälder bis vor die Thore der Hauptstadt reichen, und auf den nächsten Dörfern alles ziemlich mager aussiehet: so machten sie sich eine tausendmahl schlechtere Vorstellung von der Armuth des Volkes, als es sich in der That befände. Es entstunde ein öffentliches Geschrei von dieser Armuth des Landes, das der Bevölkerung in Anreizung der Fremden überaus nachtheilig wäre. Eine jede weise Regierung sollte also die vollkommene Cultur der Gegend ihrer Hauptstadt auf eine in die Augen fallende Art durch alle dienliche Maaßregeln zu befördern suchen; und in diesem Betracht würde das vorhin vorgeschlagene Gesetz auf diese Gegend nicht erstrecket werden können.

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Auch ist es kein geringer Fehler, wenn die Bauern=Güter allzugroß sind, und keine rechte Proportion haben. Große Bauerngüter befördern die Cultur des Landes wenig. Je mäßiger der Antheil von Feldern ist, den jemand besitzet, desto mehr Fleiß und Arbeitsamkeit kann er anwenden, dieselben zu cultiviren und fruchtbar zu machen; da hingegen diese gute Cultur, wenn jemand allzuviel Feld hat, nicht einmahl möglich ist, wenn er auch die Neigung und den Willen darzu hätte. Wenn jemand nur eine mäßige Proportion von Aeckern besitzet: so hat er auch genugsame Zeit, an deren Verbesserung alle mögliche Mühe anzuwenden; und wenn er nur etwas auf seinen Nutzen aufmerksam ist, so wird er es gewiß thun. Bei dem Ackerbau kommt alles auf die Verbesserung der Aecker, auf ihre Düngung und fleißige Bearbeitung an; und ein mäßiges Feld, das solchergestallt von unermüdeten Händen bearbeitet wird, kann eben soviel und noch mehr Frucht geben, als ein Feld, das noch einmahl so groß ist in eben diesem Boden, das aber schlecht abgewartet wird. Es ist dieses genugsam durch die Erfahrung bestätigt; indem öfters ein jeder von zwei Brüdern, die sich in ihres Vaters Bauergut getheilt hatten, in Gegenden, wo dergleichen Theilung erlaubt ist, eben soviel geerndtet haben, als ihr Vater von dem ganzen Bauergute zu erndten pflegte. Eine mäßige Proportion der Bauerngüter hat auch in die Aufnahme des Nahrungsstandes und in die Bevölkerung einen gar großen Einfluß. Je mehr Menschen im Lande sind, die einiges Vermögen besitzen, und durch ihren Fleiß dasselbe solchergestallt nutzen, daß sie sich die Bequemlichkeiten des Lebens verschaffen können, desto größer ist der Verbrauch von allen Arten der Waaren, und je lebhafter ist folglich der innerliche Umlauf von Gütern. Es ist ein sehr großer Unterscheid in der Consumtion, wenn ein Bauer, der fünf Hufen Land besitzet, zwei Knechte und zwei Tagelöhner kümmerlich ernähret, als <3, 777> wenn ein jeder von diesen fünf Menschen eine Hufe Land besitzet, und durch seinen Fleiß sein gutes Auskommen dabei hat. Diese fünf Familien consumiren alsdenn gewiß dreimahl mehr von allerlei Arten von Waaren, und geben allen andern Gewerben und Handthierungen dreimahl mehr Beschäftigung, als vorhin dieser einzige Bauer mit seinen zwei Knechten und zwei Tagelöhnern. Folglich kann auch das Land ungleich stärker bevolkert werden, wenn das unbewegliche Eigentum nur in mäßige Antheile vertheilt ist. Der Wachstum der Bevölkerung kommt hauptsächlich darauf an, daß sich im Lande viele Stellen zeigen, wo zwei Menschen sich und ihre Familie durch ihren Fleiß gut ernähren können.

Was die rechte Proportion der Bauerngüter selbst anbetrifft, so ist Hr. von Justi, im I B. seiner Policeiwiss. §. 419, in der Anmerk. der Meinung, daß die rechte Größe eines Bauerngutes wäre, wenn es 2 Hufen Landes und etwas Wiesewachs, oder überhaupt 2 1/2 Hufe Erdreich in sich enthielte, die Hufe zu 30 Aeckern, und den Acker zu 130 bis 140 Rheinische Quadratruthen gerechnet; im IIten Bande seiner polit. und Finanzschriften, S. 394 hingegen, rechnet er 2 Hufen Landes, oder 60 Morgen, jeden zu 180 Rheinischen Quadratruthen, zu einem Bauergute, sagt aber dabei, daß kaum soviel nöthig wäre. Hr. Leopold, in seiner ökon. Civilbaukunst, S. 682 im XI B. der öcon. Nachr. rechnet zu einem Bauergute 1 1/2 Hufen Landes mittler Güte, wo gegen 60 Dresdner Scheffel ausgesäet werden, der Viehstand aber zum wenigsten in 2 bis 3 Pferden, 10 Ochsen, und 12 Stücken Kühe und Geltevieh bestehet. Vermuthlich verstehet er hier große sächsische Landhufen, die er in seiner Einleit. zur Landwirthsch. 1 Abschn. 15 Cap. S. 56, f. berechnet, und eine solche 11610 Quadratruthen, à 8 Leipziger Ellen lang und 8 Ellen breit, bestimmet, und darauf 2 Pferde, 6 Ochsen, 8 Kühe und Geltevieh, auch <3, 778> wenigstens, ohne Wirth und Wirthin, noch 5 Gesinde rechnet. Der Herr von Justi behauptet auch mit gutem Grunde, daß man unter gutem und schlechtem Lande keinen Unterscheid, und die Bauerngüter in schlechtem Boden nicht noch einmahl so stark machen solle; indem diese Regel, ob sie zwar überall angenommen, der Cultur des Bodens sehr nachtheilig sey; weil ein Bauer in schlechtem Lande, wenn er noch einmahl soviel Land bekommt, deswegen nicht noch einmahl soviel Mist, um es zu düngen, noch auch noch einmahl soviel Gesinde und Zugvieh, um es zu bearbeiten, habe. Man gäbe ihm also nur soviel Land mehr, um jährlich noch einmahl soviel Brache liegen zu laßen, als andere, worauf zum Nutzen des Staats nichts gebauet würde. Es mußte freilich ein Bauer in einem schlechten Boden ungleich weniger Abgaben geben, und der Contributionsfuß müßte sich nach der Beschaffenheit der Felder richten; allein, die Sache dürfte sich nicht umgekehrt verhalten, und man müßte die Bauerngüter nicht nach der Größe des Contributionsfußes ausmessen.

Es klagt deswegen der Verfasser des sowohl besonders gedruckten, als auch im VII B. der Leipz. Samml. S. 642 enthaltenen, Sendschreibens an Hrn. Kretschmar, die Verbesserung der Landwirthschaft überhaupt betreffend, sehr über den Ueberfluß derer bei den Bauerngütern sich findenden Aecker, und sagt, daß derselbe das sechs= neun= und zwölfjährige Land gebohren hätte, und daß, wenn dessen nicht mehr wäre, als man gehörig pflügen und düngen könnte, dergleichen Mißgeburten vom Ackerbau niemahls bekannt geworden seyn würden. Es bleibe eine Wahrheit, daß dergleichen entlegene Aecker, welche der Bauer das Butenland nennete, (die anderwerts auch Aussenland, Ausäcker heißen) auch bei der sparsamen Beackerung ihre Schuldigkeit nur halb thäten, und zum öftern nicht den Bestallerlohn bezahlten, folglich dem Eigentümer mehr Schaden als Vortheil brächten. Herr Prof. Berch nimmt daher in seiner Einleit. zur allgem Haushalt. 2 Abth. 2 Cap. § 5. zur Grundregel an: daß es besser sey, wann die Leute Mangel an Lande, als wenn das Land Mangel an Leuten leidet; indem <3, 779> das erste Fleiß und Colonien hervorbringet, das leztere aber Faulheit und Verwüstung nach sich ziehet.

Klassifizierung: 346.05 Erbschaft, Erbfolge, Treuhandvermögen, TreuhänderDDC-Icon Eine solche Einrichtung der Bauernhöfe nach einer guten Proportion, ist gar keinen Schwierigkeiten unterworfen. Man hat fast in allen Landen das Gesetz, daß die Bauerngüter durchaus nicht zerrissen, oder getheilet werden dürfen. Eine der vornehmsten Ursachen hiervon ist, daß die Frohndienste desto besser geleistet werden können. Dieses Gesetz verursachet, daß die Bauerngüter nicht nach der gehörigen Proportion eingerichtet werden können, indem sie beständig beisammen bleiben, und selbst die ehedem davon abgerissenen Pertinentien wieder darzu gebracht werden sollen; zu welchem Ende die Rechte dem Besitzer des Bauergutes verschiedene Vorrechte und Befugnisse zur Beförderung der Reunion verstatten. Will man nun die Bauerngüter im Lande auf eine gewisse wohlproportionirte Größe bestimmen: so darf das Gesetz wider die Zerreißung der Güter nur auf die einmahl vestgesetzte Größe eingeschränkt, in Ansehung der überschießenden Aecker und Wiesen aber dem Besitzer die Freiheit verstattet werden, solche unter seine Kinder dergestallt vertheilen zu dürfen, daß selbige eines oder mehrere neue Höfe nach der vorgeschriebenen Größe darauf errichten können. Das dem Eigentümer bisher zugekommene Reunions= und Vorzugsrecht kann auch in so weit beibehalten werden, daß vermittelst desselben ein Bauer sowohl sein annoch unvollkommenes Gut auf die verordnete Größe bringen, als auch die wieder herbeigebrachten veräusserten Stücke zu denen bereits vorhandenen überschießenden Feldern und Wiesen schlagen, und also daraus desto füglicher neue Höfe für seine Kinder einrichten könne. Die Bauern werden diese Einrichtung als eine große Wohlthat ansehen, denn sie sind ohnehin sehr geneigt, ihre Kinder mit liegenden Gütern zu versorgen; und wenn es von ihnen abhienge, so würden sie öfters die allerkleinsten Güter unter dieselben ver<3, 780>theilen. Wegen der Frohndienste kann man unbesorgt seyn. Man kann die von dem Bauergute abgehenden Dienste auf die aus demselben entstandenen neuen Güter repartiren. Weit besser aber würde man fahren, wenn man die Frohndienste in Geld verwandelte. Diese auf solche Art in eine gute Proportion gesetzte Bauerngüter müssen sodenn in den Steuercatastris, Fluhr und Fund=Büchern ordentlich und umständlich angemerket und beschrieben, die bei selbigen sich etwa noch befindenden überschießenden und veräusserlichen Stücke aber richtig und unterscheidend specificiret und in Anschlag gebracht werden. Bei denen wirklich nach der vorgeschriebenen Größe eingerichteten Bauernhöfen aber ist hinführo nicht die geringste Zerreissung oder Veräusserung mehr zu gestatten.

Es fehlt nicht an Landesordnungen, worinnen man diesen Grundsätzen gefolgt ist. In den königl preußischen Landen müssen die Beamten jährlich einige von denenjenigen Dorfschaften, welche zuviel Land haben, und ihre Aecker nicht gehörig bestreiten und recht nutzen können, in Vorschlag bringen, um, wo es thunlich ist, aus zwei Bauerhöfen drei, oder aus dreien den vierten zu machen, in welchem Falle die Dorfschaft von ihren Kindern, Freunden und Anverwandten die neuen Wirthe selbst in Vorschlag bringen kann, die gegen geordnete Freijahre sich selbst anbauen.

S. Königl. Preuß. Haushaltungs= und Wirthschaftsreglement für die Aemter des Herzogtums Pommern etc. d. 1 May 1752, §. 5. in novo Corp Constit March. pruss. T. I. p. 299.

Dorfordnung für die Provinz Lithauen und die dazu gehörigen Aemter, d. 22. Nov. 1754, §. 52.

Es wird auch keinem Bauer, Gärtner, Schulzen etc. erlaubt, neben seiner bereits habenden Possession in demselben Dorfe noch einen, und weit weniger mehrere Bauerhöfe, um solche selbst zu besitzen, zu erkaufen, sondern, wenn ja in ein oder anderm Fall solches nachgegeben werden müßte: so mus davon allezeit zuvor an den Landrath des Creises Anzeige, von diesem aber die Untersuchung geschehen, und zur Approbation an die Krieges= und Domainen Cammer berichtet werden.

S. Königl. Preuß. Verordnung, daß kein Unterthan mehr als Eine Possession acquiriren soll, d. 13. Oct. 1750, in der Samml. schles. Ordn.

<3, 781>

Auch können, nach dem Vorschlag des Hrn von Justi, im I B. seiner Policeiwiss § 188, die Abgaben als ein vortrefflicher Leitfaden gebraucht werden, die Eintheilung der Bauergüter in mäßige Antheile zu befördern. Die Abgaben müßten nehmlich allemahl nach Proportion steigen, als mehr Grundstücke in einer Hand beisammen wären, dergestallt, daß, wann ein Eigentümer, der nur 1 große Hufe Land besäße, davon jährlich 20 Thaler zu entrichten hätte; derjenige, der 2 Hufen Landes von der nehmlichen Größe und Güte in eigentümlichen Besitz hätte, nicht nach dem vorigen Verhältnis 40 Thaler, sondern 60 Thaler jährliche Abgaben leisten müßte.

Nach Hrn. Pastor Mayers Ueberschlag, in der 4ten Fortsetz. seiner Beiträge etc. Frf. M. 1774, 8. S. 358, fgg. müßte ein jeder Bauerhof, für den Staat nach allen Aussichten nützlich, bestehen aus 21 Morgen Aeckern, 9 Morgen Wiesen, oder allerhöchstens aus

Pfeil-Icon[Tabelle 1 in Bauern=Güter]

Von dem Ackerfeld bauete er jährlich 2/3 zur Hälfte mit Winter=zur Hälfte mit Sommerfrucht an; 1/3 bliebe über Sommer in der Brache, und würde zur Saat auf den Herbst also bearbeitet.

Von denen 10 Morgen Wiesen nimmt er 10 Morgen zu Heu und Grummet auf den Winter; 1 Morgen bleibt zu Klee, Turnips oder Raygras zur Grasung. Von den 3 Morgen Garten nimmt er 1 Morgen zu Baum= und Gras=Garten, 1 Morgen zu Erdtoffeln, 1/2 Morgen zu Kraut auf den Winter zum Einmachen, 1/2 Morgen zu Küchengemüsen auf den Sommer und Winter.

Ein Hofgut von dieser Größe bearbeitet der Bauer, sein Weib, zween Knechte und zwo Mägde, und hat etwa bei den Erndten 2 Tagelöhner noch nöthig.

Zu seinen Arbeiten bedarf er 4 Ochsen, 3 Kühe, und kann zu seinem Vortheil noch 6 Stück Rindvieh zu 2 und 3 Jahren hinzuthun, und ernähret noch 10 bis 12 Schafe.

<3, 782>

Der Ertrag dieses Gutes wird nach einem mitteln Anschlag folgendermaßen berechnet:

Pfeil-Icon[Tabelle 2 in Bauern=Güter]

Davon gehen ab die herrschaftlich=jährlichen Gebühren, die Hr. P. Mayer äusserst gering ansetzet, und die überall um ein Drittel höher gerechnet werden. Er schlägt ihm nehmlich seine Morgenzahl, einen in den andern, für 20 fl. an, welches 1000 fl. beträgt; mit diesen 1000 fl. wird der Bauer in die Anlage gelegt, und davon zahlt er jährlich:

Pfeil-Icon[Tabelle 3 in Bauern=Güter]

Diese jährliche Abgaben von der Einnahme abgezogen, hätte der Bauer für seine Mühe und Arbeit jährlich erhalten: 149 Flor. 48 Kr.

Da nun aber noch allerhand Nebenausgaben nicht gerechnet worden, so wird ihm schwerlich 100 Fl. restiren, davon er doch in 25 Jahren Handlohn und Sterbfall zu entrichten haben wird.

Man kann dies noch auf eine Art sicherer berechnen. Sie ist diese:

Pfeil-Icon[Tabelle 4 in Bauern=Güter]

<3, 783>

Man siehet aus diesem Plan, daß der Bauer von seinem Gute ein mäßiges übrig, und doch soviel übrig haben wird, daß ihm die Lust zur Arbeit erhalten, sein Fleiß bezahlt und die Hoffnung unterstützt wird, seine Kinder einst glücklich auf seinem Eigentum zu sehen. Es wird ihm von dem Ueberschuß, den Hr. Mayer auf 149 Flr. 48 Kr. berechnet, noch mancher Kreuzer entfallen.

Es ist ferner ein sehr großer Fehler, und ziehet sowohl den Ruin und die Verwüstung der Bauerngüter, als das ohnfehlbare Verderben, Armuth und Elend der Bauern nach sich, wenn man diesen verstattet, daß sie Güter mit Verschreibung starker Erbegelder und großer Auszüge erkaufen und an sich bringen dürfen. Das mehreste junge Landvolk eilt recht unbesonnen und verblendet in ihren noch jungen und der Wirthschaft unerfahrnen Jahren zum Erkauf der Bauergüter. Sie bilden sich ein, daß sie der Besitz einiger Güter von aller Knechtschaft abziehe. Sie wollen gern heirathen, oder denen in ihrem ledigen Stande ausgesetzt seyenden Soldatenwerbungen, beschwerlichen Hofdiensten, und andern unangenehmen Schicksalen, auf solche Art ausweichen; sie bekümmern sich aber wenig, und sind auch vielmahls, ihres noch unreifen Verstandes halber, zu beurtheilen nicht fähig, welcherlei Bedürfnisse zu glücklicher Behauptung eines Bauergutes, zu Bestreitung einer vollständigen Haushaltung, und hinreichender Verpflegung des selten ausbleibenden reichen Eheseegens, allenthalben erforderlich sey. So bald ein junger Kerl von 17 bis 18 Jahren, der kaum 20 bis 30 Gulden zusammengebracht hat, eine Magd mit etwa 50 Rthlrn. zu erheirathen weis: so schreitet er zur Ehe, erhandelt mit einem Angelde von 50 bis 60 Rthlr. ein Gut, welches 2 bis 300 Rthlr. werth ist, und verspricht, statt solcher durch baares Geld zu bestreiten gewesenen Kaufsumme, des nöthig gehabten Credits halber, an vieljährigen Erbe= oder rückständigen Kaufgeldern und sogenannten Auszügen, oder jährlich bewilligten reichlichen Lieferun<3, 784>gen an Getraide, anderer Köste und Lebensbedürfnissen, denen Verkäufern auf ungemessene Jahre und lange Lebenszeiten hinaus, eine vielfach verdoppelt austragende Summe des Werths solchen Gutes; und der Contract wird gerichtlich confirmiret. Allein gar bald in denen ersten Jahresterminen erfährt ein solcher Bauer, woran es ihm fehlt. Um seine versprochene Jahrgelder bezahlen, und seine Steuern, Zinsen und andere herrschaftliche Gefälle abtragen zu können, so verkauft er, was er hat, nimmt zuerst seine Zuflucht zu seinen kleinen Holzungen, wenn sein Gut dergleichen hat; und wenn es daran fehlt, müssen ein paar Kühe fort, verkauft sein übrighabendes Heu, Grummet und Stroh, und so ein Stück nach dem andern, bis zulezt nichts mehr vorhanden ist. Der Dünger und die Aussaat ermangeln alsdenn, die Boden, Scheunen und Ställe sind meistentheils leer; und da die Zahlungs= und Lieferungs=Termine unterdessen fortgehen, so erfolgen endlich Executiones, die das etwa übrig gebliebene bewegliche Vermögen vollends wegnehmen, und ein förmlicher Concurs macht den Beschluß. Der Verkäufer bleibt alsdenn auch nicht ohne Schaden. Er mus nicht allein an seiner Forderung viel einbüßen, sondern auch von demjenigen, was er noch erhält, den größten Theil auf Unkosten verwenden; und wenn sich zu einem solchen ruinirten Gut gar keine annehmliche Käufer finden wollen, so mus er, zu seinem noch größern Verlust, das Gut in dem schlechtesten Zustande wiederum annehmen. Auf diese Art werden viele Bauerngüter mit sammt ihren Eigentümern ruinirt; und wenn noch andere Unglücksfälle, als: Mißwachs, Hagelschlag, u. d. gl. hinzukommen, so wird die Wüstung und der Ruin desto eher befördert. Es sollten derowegen sowohl hohe Landesherrschaften als Gerichtsobrigkeiten keine Kaufverschreibungen zulaßen, welche den neuen Käufer mit einer jährlichen übermäßig starken Nachzahlung rückständiger <3, 785> Kaufgelder, hauptsächlich aber mit solchen Auszügen und Lieferungen für die Verkäufer beschweren, welche den mehresten Nutzen des erkauften ganzen Gutes absorbiren, oder doch zum voraus offenbarlich besorgen laßen, daß ein neuer Besitzer unter der Last dergleichen Praestandorum schwerlich, oder anders nicht als höchst kümmerlich, dabei bestehen und fortkommen könne. Man sollte vielmehr bei allen Veräusserungen der Grundstücke sorgfältigst dahin sehen, daß kein Kauf über ein Grundstück zugestanden und gerichtlich confirmiret werden dürfe, wenn nicht der neue Käufer wenigstens die Hälfte des wahren Werths baar zu bezahlen vermögend wäre, und der rückständig bleibenden übrigen Kaufgelder halber dergestallt Zahlungstermine oder Auszüge an Getraide und sonstigen Lieferungen, oder vorbehaltenen Nutzungen gewisser Gärten, Felder, Wiesen und anderer Pertinentien verspräche, als nach Beschaffenheit eines jeden Gutes und denen darauf haftenden Beschwerungen von einem ämsigen und guten Wirth, ohne Minderung der ohnumgänglich erforderlichen eigenen Bedürfnisse, und ohne die mindeste Schwächung des Gutes selbst, möglichst bestritten werden könne.

J. B. v. Wichmannshausen Abhandlung von der dem Lande höchst schädlichen Verschreibung starker Erbegelder und großer Auszüge auf schwachen Bauergütern; im IX B. der ökonom. Nachr. S. 679, fgg.

Zu denen Auszügen, womit die Bauerngüter beschweret zu werden pflegen, gehört auch, wenn ein Bauer sein Gut an seine Kinder abtritt und übergiebt, und sich oder seiner Frau eine starke Leibzucht, denen übrigen Kindern aber, die von dem Gute nichts erhalten, große Ausstattungen ausmachet. Dergleichen Dispositiones ziehen öfters den größten Schaden nach sich, daher man sie dem freien Willkühr der Bauern nicht überlaßen kann. Es ist vornehmlich durchaus nicht zu gestatten, daß Landleute, die noch bei guten Jahren und gesundem Leibeszustande sich befinden, ihre Güter bloß aus Faul<3, 786>heit und Ueberdruß der Arbeit verkaufen oder ihren Kindern abtreten, noch weniger aber selbigen ungebührend große Auszüge aufbürden dürfen. Es wird dadurch ein großer Theil arbeitsamer und zur Arbeit gebohrner Menschen dem Lande entzogen. Durch das müßige Leben der großen Anzahl solcher Menschen, welche auf Zeit Lebens ihren Unterhalt aus denen abgetretenen Gütern ziehen, werden gemeiniglich diejenigen mehresten Nahrungsmittel aufgezehrt, welche von solchen Gütern zum Verkauf und Unterhalt anderer Menschen gelangen sollten; und dadurch wird der Werth solcher Wirthschaftswaaren gesteigert. Die mehresten neuen Besitzer solcher Güter haben vor der Zeit, als sie dazu gelanget sind, sich gedrungen gesehen, denen übrigen Dorfseinwohnern für ein billiges Lohn beihülfliche nützliche Dienste zu leisten. Die Verringerung solcher Lohnarbeiter hingegen bringt manchen Landmann, welcher derselben zu vieler Zeit unentbehrlich nöthig hat, zu einem merklichen Abfall seiner Wirthschaftsnutzungen. Es mus derselbe entweder in Ermangelung solcher Arbeiter mancherlei Wirthschaftsgewinnst gänzlich vorbei laßen, oder hat doch in Ansehung derjenigen größern Ausgaben, welche die noch vorhandenen wenigern Tagelöhner, so er wohl noch von auswertigen Orten unter vielen guten Worten an sich bringen mus, zum übermäßigen Lohne erzwingen, vieler Vortheile sehr verkürzt zu genüßen. Woher nicht weniger abzunehmen ist, daß auch, wegen solcher erhöheten Ausgaben, der Preis der Wirthschaftswaaren steigen müsse. Wenn Aeltern, bloß um ihrer mehrern Bequemlichkeit willen, der Wirthschaftsgeschäfte sich allzu zeitig erledigen, und dagegen ihren Kindern, welche eines vernünftigen und klugen Haushalts noch unerfahren sind, solche aufbürden, bei allen dem aber noch erfordern, daß selbige ihnen die vollkömmlichsten Nahrungsmittel abgeben sollen, und zwar öfters von Gütern, wobei die Aeltern selbst, unter den kümmerlichsten Bemuh<3, 787>hungen, ihr nothdürftiges Brod kaum haben finden können: so müssen auf solche Art dergleichen rohe und unerfahrne neue Haushalter in der beßten Zeit ihrer Jugend ins Verderben gestürzt, und Güter, welche vorhin ihre klügern Besitzer noch gar wohl ernährt haben, dadurch zu Grunde gerichtet, endlich aber auch die Aeltern selbst, sammt ihren Kindern, die sie, ihrer Faulheit halber, bei noch unverständigen Jahren zu einem verkehrten Haushalt gebracht und angetrieben haben, Hunger und Noth leiden, und darneben dem Lande zur Last werden. Diesem landverderblichen Unheil ist nicht anders abzuhelfen, als wenn keinem Bauer verstattet wird, ohne herrschaftlichen Consens und vorgängige Untersuchung, weder sein Gut zu verkaufen oder seinen Kindern abzutreten; noch auch einige Auszüge, Leibzucht, Ausstattung oder andere Beschwerden darauf zu legen. Die Bauern müssen überhaupt sowohl wegen ihrer Einfalt und zu ihrem eigenen Beßten, als auch um des gemeinen Beßtens willen, nicht freie Hand haben, mit ihren Gütern nach eigenem Gefallen zu schalten und zu walten; sie müssen vielmehr beständig unter der Vormundschaft des Policeiwesens stehen.

Eine gleiche Beschaffenheit hat es, wenn denen Bauern verstattet wird, nach ihrem Gefallen ihre Güter mit Schulden zu beschweren. Solches ziehet den unfehlbaren Ruin der Bauern und ihrer Güter nach sich. Hier mus die Policei abermahls ihr vormundschaftliches Amt beobachten; zumahl, da die wucherlichen Contracte so beschaffen sind, daß die einfältigen Bauern solche nicht gehörig und genugsam einsehen können. Es ist schon ein Unglück und verdorbenes Werk, wenn einer, der allzuwenige Mittel hat, unter vieler Schuld und Borgen ein Gut erkauft. Sehr viele Unterthanen, die vorher Häusler= und Gärtnernahrungen ohne Schulden besessen haben, würden bei ihrem kleinen Haushalt in nöthigst bedürfender Nahrung und ruhigem Zustande <3, 788> verblieben seyn, wenn selbige mit ihrem kleinen Glück zufrieden gewesen wären, und sich nicht aus einem eiteln Wahn und Bauerstolz durch Erwählung des Bauer=Standes und Erhandlung solcher Güter, wozu ihr Vermögen nicht hinreichend gewesen, muthwilligerweise in Noth und Unglück gestürzt hätten. Sehr selten gelingt es solchen Leuten, daß sie ein allermeist noch unbezahltes Bauerngut, wenn sie auch alle nur ersinnliche Bemühungen und mühsame Arbeit darauf verwenden, behaupten und solches von Schulden frei machen können. Diese Schulden verursachen vielmehr, daß sie noch neue darzu machen müssen, um die alten damit abzuführen, wo dann vielfach größere Verzinsungen bewilliget werden, als das erborgte Geld zur Nutzung beibringt. Bald fehlt es bei einer solchen Haushaltung an recht gutem und treuem Gesinde, weil demselben der gehörige Lohn und anderes Bedürfnis vollständig nicht gereichet werden kann. Bald fehlt es an hinlänglichem Vieh, weil das nutzbarste und beßte, zu Tilgung derer am meisten drängenden Schulden verstoßen werden mus, bald an einem guten Saamen, weil gemeiniglich das gute Getraide, des bessern Werthes halber, zum Verkauf verwendet wird. Nicht weniger fehlt es auch an recht guter Wartung der Felder und Erbauung reinen Getraides, weil das wenigere Gesinde und Vieh hinreichende Dienste dabei nicht thun kann. Endlich aber fehlt es an nöthigster Unterhaltung der Wirthschaftsgebäude, wobei zu Erspahrung weniger Kosten kleine Reparaturen verabsäumet werden, folglich große Bauschäden entstehen müssen. Der verschuldete Wirth kann sich bei der Wirthschaft nicht länger erhalten, und das Gut ist ruinirt. Man sollte derowegen keinen neuen Wirth zum Käufer eines Gutes annehmen, der nicht aus eigenen Mitteln wenigstens den halben Theil der betragenden Kaufsumme zu bezahlen vermögend ist. Ausserdem mus das Schuldenmachen der Bauersleute durch dien<3, 789>same Maaßregeln eingeschränkt, und, soviel als möglich ist, verhütet, aller Wucher und Betrug aber auf das schärfste bestraft werden. Es mus keinem Bauer erlaubt seyn, von seinem contribuablen Gute etwas an Aeckern, Wiesen, Gärten, Holzungen und liegenden Gründen, ohne Vorwissen der Gerichtsobrigkeit und Einwilligung der Cammer zu verpfänden, zu versetzen und zu verkaufen; und wer ein dergleichen Stück ohne solche Einwilligung an sich bringet, mus solches ohne Entgeld wieder abzutreten angehalten, das dafür erlegte Geld aber confisciret werden.

S. Dorfordnung für das Fürstenthum Minden, Grafschaften Ravensberg, Tecklenburg und Lingen, d. 7 Feb. 1755. §. 21, im novo Corp. Constit. March. Th. I, S. 739, f.

Es mus ein gewisses Quantum vestgesetzt werden, über welches kein Bauer Geld aufzunehmen befugt seyn soll. Also wird z. E. in den Landesgesetzen verordnet, daß auf kein Bauergut mehrere Capitalien aufzunehmen oder darzuleihen verstattet seyn soll, als soweit solche zum allerhöchsten die Hälfte desjenigen Werthes vom Gute, worinn sich solches tempore contracti debiti, noch deshalb legaliter vorzunehmenden Untersuchung und Taxe befindet, nicht übersteigen; und daß, im Fall dennoch hierunter conniviret, und von den Grundherrschaften zu Verhypothecirung der Bauergüter auf ein größeres Quantum von Schulden Consens ertheilet werden sollte, solcher Consens von keiner Gültigkeit seyn, auch der Creditor aus dem durch dergleichen widerrechtlichen Consens erhaltenen Jure hypothecae an den verschriebenen fundum ultra dimidium taxae nicht den mindesten Anspruch zu machen Befugniß haben, sondern allenfalls sich an das Dominium, welches den Consens ertheilet, zu regressiren angewiesen, dieses aber noch überdem eben soviel an Capital, als es über die Hälfte des Werthes vom Bauergute auf dasselbe aufzunehmen verstattet, wegen der Contravention, dem landesherrlichen Fisco, <3, 790> als eine Strafe, zu bezahlen, condemniret werden solle.

S. die oben S. 774 angeführte Königl. Preuß. Constitution für das Herzogtum Schlesien, n. 4.

Auch wird billig das sogenannte Mistsaatsäen, da ein liederlicher Wirth seinen Acker bedünget, auf einige Jahre verpfändet, dessen Verarbeit= und Besaamung über sich nimmt, die Früchte aber gegen eine gar geringe Summe Geldes, demjenigen, der solche vorschießet, überläßt, verboten, und ein Creditor, welcher dergleichen unzuläßigen und unmäßigen Wucher treibet, seines Geldes verlustig erkläret.

S. die Fürstl. Mindensche Dorfordn. a. angef. O.

Ueberhaupt sollten alle Contracte, welche die Bauern sowohl unter sich, als mit andern, schließen, und die von einiger Wichtigkeit sind, nicht anders als vor der gehörigen Obrigkeit und gerichtlich, geschlossen werden. Da auch die Bauerngüter dadurch, daß die Herrschaften, theils aus Nachläßigkeit, theils aber aus andern übeln Absichten, mit ihren Unterthanen, der Dienste, Zinsen und anderer Abgaben wegen, in vielen Jahren keine Abrechnung halten, mit großen Schulden beschweret werden, und dadurch öfters geschiehet, daß die Unterthanen oder ihre Kinder, ja selbst deren Creditores, in die größte Ungewißheit und Gefahr gesetzet werden, auch bei dem Verkauf oder Vererbung sich sodann findet, daß die Herrschaft soviel, als der Hof werth ist, zu fordern hat: so ist es ein sehr heilsames Gesetz, welches allen und jeden Herrschaften auferleget, daß sie sich mit ihren Unterthanen alljährlich zusammen berechnen sollen; denen offenbar unvermögenden und doch fleißigen und guten Wirthen aber mehr nicht als eine zweijährige Nachsicht, jedoch denen vorstehenden und gerichtlich consentirten Creditis ohne Nachtheil, gestatten mögen, und daß dieselben, wenn sie denen Unterthanen eine Frist gestatten wollen, die Quanta derer an sie habenden <3, 791> Forderungen, sofern die Unterthanen wider die Quanta nichts zu erinnern haben, in derselben Gegenwart in das Hypotheken= oder sogenanntes Schöppen= oder Gerichts=Buch, ex officio und ohne die geringsten Gerichtssportuln, eintragen, und auch solchergestallt bei der Bezahlung sofort löschen laßen sollen, damit sowohl der Besitzer des Hofes, als andere, welche Geld darauf vorstrecken, wissen können, ob und was vor herrschaftliche Prästationen, so den übrigen Schulden vorgehen, davon annoch zu berichtigen sind; widrigenfalls, und wenn die Herrschaften solche jährliche Abrechnung unterlaßen, oder ihren Unterthanen über zwei Jahre nachgesehen haben, sie des ihnen zukommenden Vorzugs nicht allein verlustig seyn, sondern überdem noch hart bestrafet werden sollen.

S. Königl. Preuß. Circulare wegen Ertheilung der herrschaftlichen Consense auf Bauerhöfe etc. ingleichen wegen alljährlich zwischen denen Herrschaften und Unterthanen zu haltenden Abrechnungen, de 25 Jun. 1752, in der Samml. Schlesischer Ordnungen.

Die Bauernhöfe werden niemahls angeschlagen und taxiret, ausser wenn sie einzeln und besonders verkauft oder an Zahlungs statt angenommen werden sollen. Denn bei Anschlagung und Taxirung eines ganzen Gutes stecken die Bauernhöfe schon unter denen Diensten und Abgaben, so die Bauern der Herrschaft leisten und entrichten müssen. Und weil die Bauernhöfe niemahls verpachtet zu werden pflegen, solches auch selbst an verschiedenen Orten in den Landesgesetzen verboten ist, weil der Bauer sein Gut selbst bewohnen und benutzen soll, so kommt hier nur der bloße Kaufanschlag vor. Dieser kann auf verschiedene Art, nehmlich nach dem Dienst=Gelde, oder stückweise, da alle Pertinentien einzeln und stückweise auf ein gewisses taxirt werden; oder nach den stehenden Hebungen, wo ein jeder Gulden oder Reichs=Thaler solcher gewissen stehenden Hebungen und Pächte zu einem gewissen Capital gerechnet wird, eingerichtet <3, 792> werden. Der ordentlichste und sicherste, auch am meisten gebräuchlichste Modus aber ist, wenn der Anschlag, wie bei andern Gütern, nach dem jährlichen Abnutz geschiehet. S. Hrn. von SchwederNachricht von Anschlagung der Güter, (von welchem Buche mein Herr Verleger anizt eine neue und von einem berühmten Oekonom und Cameralisten vermehrte Auflage drucken läßt,) Cap. 2, §. 8. f. Cap. 14.

Nachdem man nehmlich alle und jede Eigenschaften und Pertinentien des Gutes ausfindig gemacht und untersucht hat: so erforschet man die jährlichen Nutzungen, so dieselben abwerfen können, sie mögen Nahmen haben wie sie wollen, und von dem bisherigen Besitzer erhoben worden seyn oder nicht. Die ungewissen Nutzungen werden durch eine Fraction etlicher Jahre zur Gewißheit gebracht. Die Abnutzung determiniret man nach den Mitteljahren, so nicht die beßten, auch nicht die geringsten gewesen, und rechnet sie sodenn, entweder nach dem an dem Orte schon einmahl angenommenen und vestgesetzten, oder in dessen Ermangelung, nach dem gemeinen und landüblichen Preise, zu Gelde an, und ziehet von dem Quanto des Abnutzes alle Unkosten und Onera, so von dem Gute jährlich abzutragen sind, ab; was alsdenn übrig bleibt, davon werden allemahl 5 oder 6 Reichsthaler, nachdem es gebräuchlich ist, gegen 100 Rthlr. Capital gerechnet, diesem aber wiederum die Taxe der etwa vorhandenen Holzung, überflüßigen Gebäude etc. addiret. Von diesem alsdenn sich ergebenden Quanto des Capitals aber werden endlich die Mängel, so bei dem Hofe an Zimmern, Vieh, Aussaat und Ackergeräthe befindlich sind, abgezogen; da denn dasjenige, was alsdenn übrig bleibt, der Werth und die Taxe des Bauerhofes ist.

Kann ein Landmann zuviel Land haben? Ein Gespräch: st. im 30 St. des Hannov. Magaz. v. J. 1765; desgl. im 66 und 67 St. der gel. Beitr. zu den Brschw. Anz. v. J. 1765.

Anleitung für angehende Beamten, in Absicht des Unterschieds der Baurengüter. Mit Hrn. D. Jo. Aug. Unzers Untersuch. wie die Cultur des Landbaues die Bevölkerung der Staaten befördere, als ein Anhang zu Hrn. Strubens Abh. vom Meierrecht. Lüneb. 1768, 4. 8 B.

Patriotische Gespräche zweier reisenden Dänen über den Zustand ihres Vaterlandes. Copenh. 1769, 8. 5 B. Das erste Gespräch beschäftiget sich mit Untersuchung der Frage: Ob es dem Königreiche vortheilhaft sey, wenn die Leibeigenschaft aufgehoben, und den Bauern ein Eigentum eingeräumet werde? <3, 793> Der Hr. Verf. äussert seine abrathende Gedanken, und glaubt, daß es weder nützlich noch zuträglich sey, die Leib eigenschaft aufzuheben.

Discours qui a remporté le prix de l' Acad. R. d. b. l. de Cäen, le 5 Dec. 1756: Quelles sont les distinctions que l' on peut accorder aux riches laboureurs, tant propriétaites, que fermiers, pour fixer & multiplier les familles dans cet état utile & respectable, sans en oter la simplicité qui en est la base essentielle? par Mr. DORNAY.

    Honores mutant Mores.

  à Cäen, 1766.

(Hrn. Justizrath von Heß) Gedanken über die Preisfrage der freyen öconomischen Gesellschaft zu Petersburg: Ist es dem gemeinen Wesen vortheilhafter und nützlicher, daß der Bauer Land, oder nur bewegliche Güter zum Eigentum besitze, und wie weit soll sich das Recht des Bauers auf dieses Eigentum erstrecken, daß es am nützlichsten für das gemeine Wesen sey? Hamb. 1767, 8. 2 B.

Wie das städtliche Bürgerleben und der Bauernstand auf dem Lande auf das Beßte eingerichtet und erhalten werden möge, s. Jo. Ludw. Hiltebrandts neue Beyträge zur Verbesser. der Staats= und Landes=Oeconomie. Frf. und Lpz. 1771, 8. Cap. 11, S. 93--96. Daß es dem gemeinen Wesen vortheilhaft und nützlicher sey, wenn der Bauer anstatt vieler beweglichen Güter meistens eigen Land besitze, dieses auch auch als ein Recht dem Bauer zu adjudiciren sey, Cap. 14, S. 109--116.

Jo. Fr. Mayers Abhandl. Ist es dem gemeinen Wesen vortheilhafter, daß der Bauer Land oder nur bewegliche Güter etc. st. in dessen vierten Fortsetzung der Beitr. und Abhandl. zur Aufnahme der Land= und Hauswirthschaft. Frf. M. 1774, 8. S. 299--367.

Erich Jo. von Meck Preisschrift, wegen der eigenthümlichen Besitzung der Bauern, welche bei der ökon. Gesellsch. zu St. Petersburg das Accessit erhalten. Riga, 1772, 8. 2 B. Der Hr. Verf. verlangt, man soll den Bauer vor dieser Veränderung erst vernünftige Freiheit von der zügellosen unterscheiden lehren. Nicht alle Bauern sollen die Freiheit zugleich erhalten. Bei Veräusserung eines Bauerhofes soll der Gutsherr das Näherrecht behalten. Durch böse Wirthschaft soll der Bauer nur die persönliche Verwaltung verlieren, und ihm sollen Vormünder gesetzt werden.

Politische und Cameralische Auflösung derjenigen Preisfrage, welche die erlauchte ökonomische Gesellschaft zu St. Petersburg weislich aufgegeben hat: Ist es dem gemeinen Wesen vortheilhafter etc. freimüthig entworfen von D. Christ. Valent. Merkel. Erstes Stück. Lpz. 1768, 4. 20 B.

Vorschläge zur Holzvermehrung, und Anweisung zum Holzbau, von Casp. Jo. Steph. Schwabe, Schwerin, 1769, 8. In der Vorrede wird die Frage: Ob es rathsam sey, daß der Bauer Hölzung habe? untersucht und bejahet.

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Jo. Cph. Wöllners Preisschrift wegen der eigenthümlichen Besitzungen der Bauern, welche bei der Russisch=Kaiserl. freyen ökonom. Gesellsch. zu Petersburg den 1 May 1768 das Accessit erhalten. Berl. 1768, 8. 5 B. Der Hr. Verf. beweiset, nach der ihm in den ökonom. Fache eigenen Stärke, daß theils der Reichthum, theils die Bevölkerung eines Landes, befördert wird, wenn der Bauer eigenthümliches Land bekommt, und führt zugleich die Einschränkungen an, dadurch die eigenthümliche Besitz=Anweisung bestimmet werden mus.

Von der eigentlichen, innern sowohl als äussern, Einrichtung der Bauerngüter, werde unter dem Articul Pfeil-IconVorwerk ausführlicher handeln.

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